Syrien/Türkei
Turkmenen befürchten YPG-Terror

Der Präsident des Exilparlaments der syrischen Turkmenen Abdurrahman Mustafa hat im Interview mit der türkischen Zeitung „Yeni Çağ“ am Sonntag gewarnt: Sollten die kurdischen YPG-Milizen die türkisch-syrische Grenzstadt Dscharablus, welche sich noch in Händen des „Islamischen Staates“ befindet, erobern, drohe bis zu 400.000 Turkmenen die Vertreibung.

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Dscharablus (eurasia) – Der Präsident des Exilparlaments der syrischen Turkmenen Abdurrahman Mustafa hat im Interview mit der türkischen Zeitung „Yeni Çağ“ am Sonntag gewarnt: Sollten die kurdischen YPG-Milizen die türkisch-syrische Grenzstadt Dscharablus, welche sich noch in Händen des „Islamischen Staates“ befindet, erobern, drohe bis zu 400.000 Turkmenen die Vertreibung. Erst vergangene Woche starteten kurdische Milizen Angriffe auf die Stadt.

„Sollten Dscharablus fallen und die [kurdischen] Kantone miteinander verbunden werden, dann ist keine Rede mehr von Turkmenen. Zwischen Dscharablus und Azaz leben nämlich alleine fast 500.000 Turkmenen, während sie aus den Regionen der Städte Homs und Hama bereits vertrieben werden“, machte Abdurrahman Mustafa vor einer weiteren Eskalation der Spannungen zwischen der turksprachigen syrischen Minderheit und den Kurden im Norden des Landes aufmerksam.

Mustafa erinnerte an die Vertreibung von angeblich 30.000 Turkmenen aus der Stadt Tell Abyad, nachdem kurdische Milizen im vergangenen Juni die Stadt vom IS eingenommen hatten. Auch in diesem Fall war das Ziel die Vereinigung von Kantonen, in diesem Fall Kobane und Cizîrê.

„Die Vereinigung von Kantonen bedeutet, die dort lebenden Turkmenen zu vertreiben. Um das gleiche Schicksal in Dscharablus abzuwenden, rufen wir dazu auf, eine Einnahme von Anfang an zu verhindern. Wenn die PYD Dscharablus einnimmt, dann entsteht diesmal eine noch größere Katastrophe“, sagte der Vertreter der Minderheit und fügte hinzu: „Dscharablus ist eine überwiegend von Turkmenen bewohnte Region. Zwischen Dscharablus und Azaz stehen alleine 142 turkmenische Dörfer.“

Abdurrahman Mustafa ist davon überzeugt, dass die Präsenz von Turkmenen in der Provinz Aleppo langfristig in Gefahr sei, sollten kurdische Milizen an der Grenze zur Türkei weitere Territorialgewinne verzeichnen. Er sagte: „In Homs und Hama werden Turkmenen vertrieben. Bayir Bucak [Nordost-Latakia] ist ohnehin bedroht und sollte jetzt auch noch Aleppo Gefahr laufen, dann gibt es keine Zukunft für die Turkmenen in Syrien mehr.” Mit besorgtem Blick auf die kurdischen Milizen in Kobane schauend, vermutet Mustafa, dass der Kampf gegen den IS nur ein Vorwand für vermeintliche Territorialinteressen der PYD/YPG sei. Der in der Türkei lebende Turkmenen-Vertreter sagte:

„Sollte Afrin [im Nordwesten] mit Ayn el-Arab [Kobane] vereint werden, dann erwarten die Turkmenen in der Region schwere Zeiten. Dann haben es die syrischen Kurden vermocht, alle drei Kantone zu vereinen und können in Syrien de facto einen Staat gründen. Das bedeutet aber auch, dass Logistikrouten anderer Rebellengruppen, die gegen den IS kämpfen, einbrechen.“

Die Turkmenen Syriens sind ethnisch und kulturell eng mit den Türken der Türkei verwandt. Die Türkei betrachtet turkmenische Milizen als besonders vertrauensvoll. Sie rüstet und bildet ausgewählte Verbände aus, die größtenteils unter dem Banner der Freien Syrischen Armee kämpfen. Eigenen Angaben zufolge leben bis zu drei Millionen Turkmenen im syrischen Bürgerkriegsland. Hunderttausende seien seit Ausbruch der Auseinandersetzungen mit der syrischen Regierung in die Türkei geflüchtet.

 

Zuerst erschienen auf eurasie.de

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