Pflege
Langzeitpflege braucht organisationsbezogene Gewaltschutzkonzepte

Gewaltprävention in Pflegeeinrichtungen ist fachlich geboten. Zentrales Instrument dafür ist ein partizipativ erarbeitetes Schutzkonzept.

Teilen

Berlin – Gewaltprävention in Pflegeeinrichtungen ist fachlich geboten. Zentrales Instrument dafür ist ein partizipativ erarbeitetes Schutzkonzept.

Um bei der Entwicklung solcher organisationsspezifischen Konzepte zu unterstützen, stellt das Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) einen wissenschaftlich fundierten Praxisleitfaden für stationäre Einrichtungen bereit. Dieser kann bundesweit, trägerunabhängig und unentgeltlich eingesetzt werden.

Gewalt in der Langzeitpflege ist ein relevantes Problem und kann in unterschiedlicher Weise auftreten. Das damit verbundene Schadenspotenzial ist erheblich. Wirksame Gewaltprävention ist darum sehr wichtig und eine zentrale Grundlage guter Pflege. Entsprechender Gewaltschutz trägt zur Sicherheit aller Personen in einer Einrichtung bei. Er kann die Lebensqualität der Bewohnerinnen und Bewohner erhöhen – sowie auch die Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Ein zentrales professionelles Instrument zur Gewaltprävention ist ein partizipativ entwickeltes organisationsbezogenes Gewaltschutzkonzept. Dieses bezieht sich auf die einrichtungsspezifischen Bedingungen wie etwa die vorhandene Einrichtungskultur, Strukturen und Prozesse und zielt darauf ab, unter Einbezug möglichst aller Personengruppen in der Organisation, ein maßgeschneidertes Schutzkonzept zu entwickeln, zu verankern und laufend fortzuentwickeln.

„Der Qualitätsausschuss Pflege empfiehlt Pflegeeinrichtungen zur Gewaltprävention unter anderem die partizipative Entwicklung und Umsetzung eines einrichtungsindividuellen Gewaltschutzkonzeptes. In vielen Bundesländern ist ein Schutzkonzept für die stationäre Langzeitpflege auch gesetzlich vorgeschrieben“, erklärt Dr. Simon Eggert, Geschäftsleiter im ZQP und Experte für das Thema Gewaltprävention. Allerdings sei in der Praxis nicht immer klar, wie so ein Konzept genau erarbeitet werden sollte und welchen Anforderungen es am Ende genügen muss.

Um Einrichtungen der stationären Langzeitpflege bei der partizipativen Entwicklung sowie nachhaltigen Implementierung eines organisationsbezogenen Gewaltschutzkonzepts zu unterstützen, hat das ZQP einen wissenschaftsbasierten Praxisleitfaden entwickelt.

Er dient dabei zum einen als Hilfsmittel für die konstruktive Auseinandersetzung mit dem Phänomen Gewalt in Pflegeeinrichtungen. Zum anderen führt er systematisch durch die Planung, Umsetzung und Weiterentwicklung einrichtungsspezifischer gewaltpräventiver Maßnahmen.

Der Leitfaden umfasst Basiswissen zu Konstellationen und Risikofaktoren für Gewalt in der Pflege, Praxistipps für die partizipative Entwicklung eines Gewaltschutzkonzepts, ein Check-up zur Risikoanalyse sowie eine Mustervorlage für ein Schutzkonzept. Zielgruppe sind insbesondere Personen, die in einer Einrichtung typischerweise besondere Verantwortung für Gewaltschutz bzw. die Erarbeitung entsprechender Konzepte tragen.

Dazu zählen etwa Leitungspersonen, Qualitätsbeauftragte und Beauftragte oder Teams für Gewaltprävention. „Unser Angebot bietet Einrichtungen einen klaren Ausgangspunkt, um ein fachlich angemessenes und in der Praxis akzeptiertes Gewaltschutzkonzept entwickeln zu können – oder ein bestehendes weiterzuentwickeln“, sagt Eggert.

Wichtige Basis einer entsprechenden Konzeptentwicklung sei darüber hinaus eine für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter positive Sicherheitskultur innerhalb der Organisation, in deren Rahmen die Einrichtungsleitung eine Gewaltpräventionsstrategie initiiert und nachhaltig unterstützt.

Der Leitfaden ist im Anschluss an das wissenschaftliche Projekt „Entwicklung eines Muster-Rahmenkonzepts zur Gewaltprävention in stationären Langzeitpflegeeinrichtungen“ des ZQP und des Instituts für Pflegewissenschaft der Universität zu Köln entstanden.

Hierbei wurde neben dem Rahmenkonzept auch eine evidenzbasierte Risikoanalyse für Einrichtungen erarbeitet und im Rahmen von Expertinnen-/Experten-Workshops in Bezug auf Ansatz und praktische Umsetzbarkeit finalisiert. Grundlage der Konzeption zur Risikoanalyse ist dabei ein Scoping Review zur praktischen Umsetzung von Risikoanalysen und zu Risikofaktoren für das Auftreten von Gewalt in der stationären Langzeitpflege. Auf Basis dieser Projektarbeiten erfolgte die Erstellung des Praxisleitfadens nach den Regeln des ZQP-Methodenstandards.

Der ZQP-Praxisleitfaden zur Entwicklung eines organisationsbezogenen Gewaltschutzkonzepts ist bundesweit und trägerübergreifend frei zugänglich und kann über die Website des ZQP unter www.zqp.de unentgeltlich heruntergeladen werden.

AUCH INTERESSANT

Türkei: Erdogan eröffnet „Europas größte Reha-Klinik

Auch interessant

Mattner: Israelkritik ist kein linkes Randphänomen

Ein Gastkommentar von Susanne Mattner Wenn man sich anschaut, wer vor rund 20 Jahren deutliche Kritik an der israelischen Regierung geäußert hat, wird es aus...

Israelischer Familie wird Zutritt zu Zoo auf Koh Samui verweigert

Bangkok - Ein Vorfall an einem beliebten Touristenziel in Thailand hat im Internet eine breite Diskussion über die wachsenden Spannungen zwischen lokalen Unternehmen und...

Mattner: „Auch israelische Siedler können Terroristen sein“

Ein Gastkommentar von Susanne Mattner Ich bin ehrlich gesagt äußerst erstaunt – und zwar positiv –, dass die Frankfurter Rundschau so detailliert, so deutlich und...

Westbank-Journalist Andrey X: „Sie haben auf mich geschossen“

Jerusalem - Der israelische Journalist und Aktivist Andrey X berichtet von einem weiteren gefährlichen Vorfall während seiner Arbeit im Westjordanland. Andrey X berichtet von einem...

Wandgemälde auf Trümmern in Gaza: Künstler ehren entlassene US-Burger-King-Mitarbeiterin

Gaza - Die Ruinen des Gazastreifens werden zunehmend zur Leinwand für globalen Dank und Solidarität. Palästinensische Künstler haben dort nun ein großflächiges Porträt einer US-amerikanischen...

Headlines

Michael Thomas: „Parallelen zwischen Israel und Deutschland unter Hitler“

Ein Gastkommentar von Michael Thomas Der jüngste Ausfall vom israelischen „Sicherheitsminister“ Itamar Ben-Gvir beschreibt den Zustand Israels genauer und zeigt,...

Papst Leo XIV. verurteilt erneut Siedlergewalt

Vatikan - Der internationale Druck auf die israelische Siedlungspolitik und die ausufernde Gewalt extremistischer Siedler im besetzten Westjordanland erreicht...

Mattner: „Auch israelische Siedler können Terroristen sein“

Ein Gastkommentar von Susanne Mattner Ich bin ehrlich gesagt äußerst erstaunt – und zwar positiv –, dass die Frankfurter Rundschau...

Safa: Netanjahu ist nicht das Problem, Israel ist

Beirut - Der libanesische Diplomat und Menschenrechtsaktivist Mohamad Safa hat in einem ausführlichen Kommentar den internationalen Fokus auf Israels...

Meinung

Michael Thomas: „Parallelen zwischen Israel und Deutschland unter Hitler“

Ein Gastkommentar von Michael Thomas Der jüngste Ausfall vom israelischen „Sicherheitsminister“ Itamar Ben-Gvir beschreibt den Zustand Israels genauer und zeigt, wo das Land steht. Leider zeigt...

Mattner: Israelkritik ist kein linkes Randphänomen

Ein Gastkommentar von Susanne Mattner Wenn man sich anschaut, wer vor rund 20 Jahren deutliche Kritik an der israelischen Regierung geäußert hat, wird es aus...

Araştırma: Dini İnanç, Gençleri Kaygı Bozukluklarından Koruyan Temel Bir Faktör

Almanya - Bochum Ruhr Üniversitesi (RUB) tarafından yürütülen güncel bir araştırma, dini inancın çocukların ve gençlerin ruh sağlığı için kritik bir koruyucu faktör olduğunu...

Wall Street Journal: Türkiye’nin durdurulması gerekiyor

Konuk Yazar: Özgür Çelik Bradley Martin tarafından kaleme alınan ve 4 Mart 2026 tarihinde Wall Street Journal'da yayımlanan "Türkiye'yi Dizginlemek İçin Acil Bir İhtiyaç" (An...

CHP: Vatandaşlar ile Parti Arasındaki Artan Kopuş

Nabi Yücel Vatandaşlarla partiler arasındaki giderek derinleşen kopuş, Türkiye'nin en köklü partisi CHP üzerinden somut biçimde gözlemlenebilir. Cumhuriyet Halk Partisi, 38. Olağan Kurultay'ın ardından ve...