Terrorismus
Deutsche Geheimdienste warnten vor Anschlag auf Botschaft in Kabul

Berlin (nex) – Die deutschen Nachrichtendienste hatten konkrete Hinweise auf den Anschlag auf die deutsche Botschaft in Kabul und haben davor gewarnt. Das erfuhr das rbb-Inforadio aus Sicherheitskreisen. Tatsächlich war sogar bekannt, wie der Anschlag verübt werden soll. Bereits am 18. Januar, also gut fünf Monate vor dem Anschlag, hatte der MAD (Militärischer Abschirmdienst) von einer Quelle einen Hinweis auf den Anschlagsplan erhalten. Schon zu diesem Zeitpunkt war die Rede davon, dass ein Anschlag auf die deutsche Botschaft mit einem Tanklastwagen zur Abwasser-Entsorgung geplant sei. In den darauffolgenden Wochen gab es insgesamt drei weitere Warnhinweise, zwei davon von ausländischen Nachrichtendiensten. Der BND warnte schließlich sechs Tage vor dem Anschlag, am 25. Mai, erneut vor einem geplanten Anschlag auf die Botschaft. Am 31. Mai schließlich versuchte der Fahrer eines Lastwagens zur Abwasser-Entsorgung, auf das Botschaftsgelände zu gelangen. Der afghanische Wachdienst am Checkpoint vor dem Botschaftsgelände ließ ihn jedoch nicht durch und verweigerte ihm nach Rücksprache mit dem Hausmeister der Botschaft die Weiterfahrt auf das Gelände, da in der Botschaft keine Bestellung vorlag. Darüber hinaus war der Fahrer nicht bekannt. Daraufhin zündete der LKW-Fahrer den Sprengsatz im Tank des LKW vor dem Botschaftsgelände. Durch die Detonation wurden 160 Menschen getötet, darunter zwei Wachleute der Botschaft, und 450 Menschen verletzt. Das Botschaftspersonal blieb unverletzt. Die Sprengladung war nach rbb-Informationen deutlich größer als bisher bekannt: Während zunächst von 1000 Kilo die Rede war, befanden sich tatsächlich zehn Tonnen Sprengstoff in dem Tank. Obwohl der Sprengstoff außerhalb des Botschaftsgeländes detonierte, wurden die Gebäude der deutschen Botschaft so stark verwüstet, dass sie nicht mehr benutzbar sind. Aufgrund der Hinweise auf einen bevorstehenden Anschlag empfahl die Bundespolizei, die für die Sicherheit der Botschaftsmitarbeiter zuständig ist, die Sicherheitsvorkehrungen zu erhöhen. Deshalb wurde das Gebäude auf der Zufahrtsseite der Botschaft geräumt, da es im Falle eines Anschlags als besonders gefährdet galt.

Business
Spanische „Telepizza“ plant 200 Filialen im Iran

Das Unternehmen wird die erste internationale QSR-Marke im Iran Madrid – Telepizza, der weltweit nach Anzahl an Filialen größte, nicht in den USA ansässige Pizzalieferdienst, gibt heute mit der Eröffnung seiner ersten iranischen Filiale in Marzdaran Boulevar, Teheran, und zwei zusätzlichen Filialen mit geplanter Eröffnung Ende des Monats, seine weitere Expansion bekannt. Telepizzas Strategie für den Iran umfasst die Eröffnung von 200 Filialen innerhalb der nächsten zehn Jahre Telepizza hat letztes Jahr einen Master-Franchise-Vertrag mit der Momenin Investment Group unterzeichnet. MIG werde in den nächsten zehn Jahren 100 Millionen Euro investieren. Die Eröffnung der Filiale in Teheran markiert den Start der jüngsten Phase von Telepizzas ehrgeizigen globalen Expansionsplänen. Telepizza wird die erste internationale QSR-Marke, die in den iranischen Markt eintritt, und betreibt 1.421 Filialen weltweit. Telepizza plant mit sieben weiteren Filialen auf seine erste erfolgreiche Markteinführung aufzubauen, die in Teheran bis Ende 2017 eröffnet werden sollen, und 200 Filialen in ganz Iran, die in den nächsten zehn Jahren vorgesehen sind. Die erheblichen Chancen, die Irans große, junge Bevölkerung (mehr als 80 Millionen Menschen, von denen 65 % jünger als 36 Jahre alt sind) bietet, und die stark fragmentierte Wettbewerbslandschaft machten das Land zu einer naheliegenden Wahl für die Expansion. „Wir sind sehr stolz auf die Einweihung unserer ersten zwei iranischen Filialen. Es ist eine großartige Aufgabe, die erste QSR-Kette in dem Land zu werden“, bemerkt Pablo Juantegui, Chairman und CEO der Telepizza Group. „Wir bei Telepizza freuen uns, die Essenz unserer Marke mit den iranischen Konsumenten zu teilen, die ihnen den einzigartigen Geschmack unserer Pizzen zu jeder Zeit und an jeden Ort bringt.“ Telepizza International President, Giorgio Minardi, erklärt: „Der Start unserer ersten iranischen Filiale markiert einen aufregenden Schritt in unserer internationalen Expansion, die weiter an Aufschwung gewinnt. Iran ist bereit, ein sehr wichtiger Markt für uns zu werden, der signifikantes Wachstumspotenzial bietet. Wir sind uns gewiss, dass unsere innovativen Aromen und unsere Verpflichtung, nur iranische Zutaten von lokaler Qualität zu verwenden, gepaart mit unserem hervorragenden Kundenservice und unseren großartigen Werten die iranischen Konsumenten anziehen werden.“ Bei der Markteinführung bringt Telepizza seine Expertise und bewährte Erfahrung in Marketing, Liefertechnologien, einschließlich Full-Service-Website und Bestell-App, Franchising und Supply Chain Management ein. Gepaart mit der Stärke und dem Immobilien-Know-how sowie der lokalen Management-Expertise der Franchisenehmer ist Telepizza perfekt positioniert, um die Chancen des aufstrebenden iranischen Marktes voll auszuschöpfen. Nach der Zahl der Filialen ist Telepizza das größte Pizzalieferunternehmen außerhalb der USA. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in der spanischen Hauptstadt Madrid und ist über ein Netzwerk aus eigenen Filialen, Franchise- und Hauptfranchiseunternmehmen in mehr als 20 Ländern tätig, mit 1.421 Filialen weltweit, davon 478 eigene Filialen (34 %) und 943 Franchise- und Hauptfranchise-Filialen (66 %). Nach eigenen Angaben beträgt der Jahresumsatz des Unternehmens, einschließlich eigener Filialen sowie der Franchise- und Hauptfranchisebetriebe 527 Mio. EUR.

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G20-Gipfel
Erdogan-Auftritt in Deutschland: Bundesregierung kündigt Verbot an

Berlin (nex) – Erdogan wird nicht am Rande des G-20-Gipfels in Hamburg zu seinen Anhängern sprechen dürfen. Die Bundesregierung kündigte an, den geplanten Auftritt des türkischen Präsidenten zu verbieten. Das berichten Medien unter Berufung auf eine dpa-Meldung. „Wir teilen der Türkei mit, dass wir der Überzeugung sind, dass ein solcher Auftritt in Deutschland nicht möglich ist. Da gibt es verfassungsrechtliche Rechtssprechung, dass wir das auch können“, habe Bundesaußenminister Sigmar Gabriel demnach am Donnerstag in Moskau gesagt. Das Auswärtige Amt habe laut dpa mitgeteilt, dass die Bundesregierung sich ausdrücklich vorbehalte, in Deutschland geplante politische Veranstaltungen ausländischer Regierungsvertreter zu untersagen. Darüber würden die diplomatischen Vertretungen nun informiert.

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Ausland
Türkei: 65 Tote bei Verkehrsunfällen während der Feiertage

Istanbul (nex) – 65 Tote, 489 Verletzte: Das ist die traurige Bilanz des dreitägigen Ramadanfestes in der Türkei, meldet die Nachrichtenagentur Anadolu. Am 27. Juni, dem dritten Tag des Festes also, machten sich viele Urlauber und Menschen, die zwecks Verwandtschaftsbesuch unterwegs waren, am Nachmittag auf die Rückreise. Der Verkehr kam dadurch in vielen Gebieten, so auch an einigen Zufahrtstraßen von Istanbul, zum Erliegen. Allein an diesem Tag gab es 13 Todesfälle und 155 Verletzte. Einer der tödlichsten Unfälle passierte in der zentralanatolischen Stadt Kirikkale, als zwei Fahrzeuge kollidierten. Drei Menschen erlagen ihren Verletzungen, die anderen Unfallbeteiligten wurden in Krankenhäuser verbracht. Eine Mutter und ihr drei Monate altes Baby wurden bei einem Verkehrsunfall in der Marmaraprovinz Bursa getötet, als der 29-jährige Ehemann und Vater die Kontrolle über das Fahrzeug verlor und dieses sich überschlug. Die 26-jährige Frau und der Sohn verstarben beide im Krankenhaus. Ein Polizist starb auf der Strecke Izmir-Istanbul, als er die Kontrolle über sein Motorrad verlor. Eine Person wurde bei einem Verkehrsunfall in der nordtürkischen Provinz Tokat getötet, während ein weiterer Unfall in Istanbul das Leben eines Menschen kostete – ein bislang noch nicht identifizierter Fahrer war in einen Fußgänger gerast, der eine Straße im Stadtviertel Yenikapi an der Ausfahrt auf der europäischen Seite des Eurasia-Tunnels überqueren wollte. Die verheerendste Unfallbilanz während der Feiertage musste die südosttürkische Provinz Adiyaman ziehen: Hier sind bei fünf Verkehrsunfällen 38 Menschen verletzt.  

G20-Gipfel
Erdogan beantragt offiziell Auftritt in Deutschland

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Berlin (nex) – Der türkische Präsident Erdogan hat offiziell einen Auftritt in Deutschland am Rande des G-20-Gipfels beantragt. „Wir haben seit gestern eine offizielle Anfrage der Türkei, die uns mitgeteilt hat, dass der türkische Staatspräsident Erdogan rund um den G20-Gipfel zu seinen Landsleuten sprechen möchte“, sagte Außenminister Sigmar Gabriel am Donnerstag bei einem Treffen mit seinem russischen Amtskollegen Lawrow in Krasnodar. Gabriel halt einen Besuch für „keine gute Idee“. Es gebe rund um den G20-Gipfel gar nicht die Polizeikräfte, um die Sicherheit herzustellen. Auch SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz sprach sich gegen eine Kundgebung aus. „Ausländische Politiker, die unsere Werte zu Hause mit Füßen treten, dürfen in Deutschland keine Bühne für Hetzreden haben. Ich will nicht, dass Herr Erdogan, der in der Türkei Oppositionelle und Journalisten ins Gefängnis steckt, in Deutschland Großveranstaltungen abhält“, sagte Schulz in einem Gespräch mit der „Bild“.  

WM in Muju
Taekwondo-WM in Südkorea: Auch Türkin Zeliha Ağrıs gewinnt Gold

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Muju (nex) – Nachdem sich die türkische Taekwondo-Kämpferin Nur Tatar Azkari bereits am Montag gegen ihre US-amerikanische Gegnerin Paige McPherson im Finale der Klasse bis 67 kg durchsetzen konnte und Gold gewann, folgt ihr nun ihre Team-Kollegin Zeliha Ağrıs mit einem Finalsieg.
(Foto: AA)
Im Finalkampf der 53-kg-Klasse konnte sich Ağrıs gegen ihre russische Gegnerin Tatyana Kudashova durchsetzen und den Kampf mit 11-8 für sich entscheiden. Bereits im vergangenen Jahr trafen Kudashova und Ağrıs im Finale der Taekwondo-WM aufeinander, damals ging jedoch Kudashova als Siegerin hervor. Am 24. Juni gingen 971 Sportler aus 183 Nationen bei der Weltmeisterschaft im neuen Zentrum des Teakwondo in Muju Südkorea an den Start und kämpfen um die heißbegehrten Titel. Die WM dauert noch bis zum 30. Juni an.

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Netzpolitik
Notz warnt vor Schnellschuss bei Facebook-Gesetz

Netzpolitischer Sprecher von Notz nennt Vorgehensweise des Justizministers riskant Osnabrück (ots) – Konstantin von Notz, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Grünen im Bundestag, kritisiert die Vorgehensweise von Justizminister Heiko Maas (SPD), das umstrittene Facebook-Gesetz so kurzfristig noch diese Woche durch den Bundestag zu bringen, als voreilig und riskant. „Selbst wenn es noch zu den notwendigsten Korrekturen kommen sollte: Es bleibt fraglich, ob dieses Gesetz dann rechts- und praxisfest ist“, warnte von Notz, zugleich netzpolitischer Sprecher seiner Partei, im Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Drei Jahre lang habe der Justizminister „verschlafen, eine rechtsfeste und wirksame Lösung für die sensible Abwägung zwischen Persönlichkeitsrechten und Meinungsfreiheit zu erarbeiten“, sagte von Notz. „Stattdessen wollte er nun die Rechtsdurchsetzung komplett auf die Anbieter schieben – es drohte eine Rechtsprivatisierung mit einem schleichenden Zensureffekt“, so der Grünen-Politiker. Nach einhelliger Expertenkritik habe Maas zwar Änderungen angekündigt, „aber bis jetzt warten die Abgeordneten auf konkrete Änderungen“, so von Notz. Dass das Gesetz trotzdem noch vor der Sommerpause in aller Eile verabschiedet werden soll, sei auch Beleg dafür, dass die Große Koalition der Thematik nicht gewachsen sei, so der netzpolitische Sprecher. „Wieder einmal muss der Bundestag über Nacht hoch komplexe Grundrechtsfragen prüfen, weil die Große Koalition auf ein ordentliches Verfahren pfeift“, kritisierte von Notz.

Türkei
Istanbul : Bombenalarm beim deutschen Konsulat

Istanbul (nex) – Ein verdächtiges Paket in der Nähe des deutschen Konsulates in Istanbul sorgte am Mittwoch für einen Polizeieinsatz. Die Gegend wurde großräumig abgesperrt. Sprengstoff-Experten befinden sich Medienberichten zufolge bereits vor Ort. Straßen die zum Konsulat führen sind für Fußgänger und Fahrzeuge gesperrt worden.    

Islamkritik
Politikwissenschaftler Azizi: „Meine Familie und ich werden von Islamkritikern bedroht“

Dortmund (nex/tp) – Eine Erklärung des marokkanischen Schriftstellers, Referenten, Politikwissenschaftlers, Neurologen sowie Psychiaters Mimoun Azizi erschütterte vergangene Woche das soziale Netzwerk Facebook und rief erstaunen wie raunen hervor. Unter dem Titel “” kündigte Mimoun Azizi an, nach genügend erhobenen Daten über Motivation, Absicht und Strukturen der “Islamophoben” das Ergebnis den Lesern zu präsentieren. Hierzu habe Azizi sich insbesondere durch “Beziehungs- und Vertrauensaufbau zu den Führern dieser neuen faschistischen Ideologie” in die Szene eingeschleust und nach zwei Jahren der Bestandaufnahme genügend Material zusammen, um durch Analyse und Evaluation der Daten die Ergebnisse präsentieren zu können. Nun meldete sich der Politikwissenschaftler mit einer weiteren Mitteilung auf seinem Facebook-Konto. Hier der Text im Wortlaut: Liebe Muslime, die Auswertung der von mir unter den Islamophoben erhobenen Daten ist in Arbeit. Da ich und meine Familie seit einigen Tagen von den Islamhassern (aka Islamkritikern) Morddrohungen, Beleidigungen und wüste Beschimpfungen erhalten, möchte ich ergänzend Stellung nehmen: „Wehret den Anfängen“ Liebe Islamhasser, Islamkritiker und Islamophobe, habt ihr ernsthaft geglaubt, dass wir Muslime nach den Morden der NSU, den regelmäßigen Brandanschlägen auf Moscheen und den Beleidigungen und Angriffen auf Muslime tatenlos zusehen, wie Ihr ein Klima schafft, die Muslime und den Islam in eine Position drängen möchten, die sehr stark der Judenverteufelung der europäischen Geschichte ähnelt? Euer Hass war mein bester Bodyguard in eurer Gesellschaft. Ihr habt nach dem „Onkel-Tom-Muslim“ gesucht und geglaubt, ihn in mir gefunden zu haben. Eure Empörung über meine investigative Arbeit nehme ich nicht ernst. Ich bin nicht der Erste und werde nicht der Letzte sein, der eure Agenda publik machen wird. Denn die freie Religionsausübung und der Minderheitenschutz der Muslime sind kein Kompromiss, sondern Grundrecht. Insofern ist Euer Dagegen sein in jedem Fall nicht akzeptabel und verdient meinen Respekt nicht. Eure menschenfeindlichen Ansichten bezüglich Islam und Muslime finden großen Applaus bei rechtsgesinnten Leuten der AFD, NPD und Pegida. Eine gesellschaftliche Umorientierung, die langfristig angelegt sein kann, der Aufbau eines Feinbilds, wie Ihr ihn bezweckt, kann am Ende sehr viel mehr Schaden anrichten, als so mancher Skinhead, der eher die primitive Kriegsform darstellt. Aus der Vergangenheit lernen, heißt also nicht Euch zuzujubeln, sondern klare Distanz zeigen. Ihr wollt spalten! Es ist ohnehin ein Armutszeugnis einer kritischen Diskussionskultur bezüglich des Islam, wenn man immer wieder auf sog. Islamwissenschaftler zurückgreift, die wirklich alles sind, nur nicht kritisch, sondern in ihrer einseitigen Polemik nur Schaden erzeugen. Gewisse Damen und Herren haben sich auf die Formel, Islam = Rückschritt und Mittelalter geeinigt und setzen diese Predigt, egal in welchem Zusammenhang gebetsmühlenartig ein. Diesen Unterton erkenne ich, ich nehme ihn wahr, denn das Strickmuster wird so einseitig, notorisch gegen Menschen und eine Religion geführt, dass ich sie für falsch und menschenunwürdig halte. In diesem Sinne beharre ich auf das Argument, nicht die Muslime reißen uns ins Mittelalter zurück, sondern nur Ihr. Ob Rechtsradikalismus, Antisemitismus oder Anti-Islam, der Grundtenor und die Struktur des Menschenhasses sind immer gleich. Das Geisteswerk der Täter ist ähnlich, die Feindbilder sind gleich. Minderheitenverfolgung muss nicht in der Gaskammer enden, um sie als falsch zu titulieren. Soweit sollte Eure Geistesgabe schon ausgereift sein. Und aus der Geschichte zu lernen, ist sicher weiser, als in kollektiver Veralberungswut gegen den Islam zu missionieren. Ihr seid Hassprediger gegen den Islam und Muslime mit intellektuellem Anstrich – letztendlich pöbelt ihr jedoch nur rum. Es geht euch nicht um feinsinnige Kritiken, die zivilisieren und ernsthaft konstruktiven Ritus verfolgen. Nein, es geht um blanken Hass. Nur wenn es um die eigene Haut geht, ist man dann mal wieder Liberaler. Ein Liberaler kann genauso rassistisch sein, wie ein Nicht-Liberaler. Ich erlaube keine Narrenfreiheiten für Niemanden. In diesem Sinne keine Heiligsprechung für die menschenfeindlichen Ansichten der selbsternannten „Islamkritiker“. Dieses künstlich aufgebauschte Thema „Islamkritik“, das nun rechtsradikale Kräfte in schöner Eintracht mit Islamkritikern und Opportunisten aus der Migrantenriege führen, hat Deutschland eigentlich nur dahin gebracht, dass Moscheen brennen und die Angriffe gegen die Muslime einen historischen Höchststand erreicht haben. Und wofür? Nur um die reine Feindbildpflege weiter zu pflegen. Wer jedoch schon Angst vor dem Kopftuch hat, weil er sich gleich im islamischen Staat wiederzufinden glaubt, muss zuerst wohl an seiner eigenen Persönlichkeit rumhämmern, als die Gesellschaft permanent retten zu wollen. Man rettet nicht, indem man ausgrenzt, auch nicht sich selbst. Entweder wir lernen aus der Geschichte oder wir ignorieren sie. Ich bin immer noch für die erste Variante. Ich kann also nur wiederholen, dass sich hier eine gewisse Narrenfreiheit entwickelt hat, wenn es um die Brandmarkung einer Religion oder Volksgruppe geht. Wer das nicht sieht, will wegschauen. Aber wegschauen bringt äußerst wenig. Ich halte es da lieber mit „Wehret den Anfängen“.  

Islam-Hass
Polen: Muslimische Schüler aus Berlin angespuckt und bedroht

Berlin (nex) – Zehn Tage war eine Schüler-AG mit mehrheitlich muslimischen Jugendlichen in Polen unterwegs, um sich über die Vernichtung der Juden während der Nazizeit zu informieren und über das Leid, das der polnischen Bevölkerung in dieser Zeit angetan wurde. Am Ende wurden sie selbst beschimpft, bespuckt und bedroht. Das berichtet „Deutschlandfunk“ (DLF). Seit zwei Jahren beschäftigten sich die Oberstufenschüler in der Arbeitsgemeinschaft AG Erinnern an der Theodor-Heuss-Gemeinschaftsschule in Berlin-Moabit neben ihrem Unterricht mit der Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden. Sie seien mit ihrer Lehrerin Sabeth Schmidthals schon in Israel, im Jahr danach auf den Spuren jüdischer Exilanten in Spanien und Frankreich unterwegs gewesen. „Also man kann sagen, dass es Schüler sind, die sehr aktiv sind, und gerade entgegen der normalen Meinung, Jugendliche interessieren sich nicht für das Thema, und muslimische sowieso nicht, kann ich genau das Gegenteil sagen, die Motivation ist hoch“, so Sabeth Schmidthals gegenüber DLF. Die 20 Schülerinnen und Schülern – mehrheitlich Muslime – hätten in Polen die Vernichtungslager Treblinka und Majdanek besucht. „Ich wurde auf der Straße einfach von einem Mann angespuckt, und dann ist der Mann weggerannt, und die Polizisten haben nicht geholfen“, zitiert DLF die Schülerin Seydanur. Seydanur trage Kopftuch. Auf sie und die anderen drei Mädchen in der Gruppe, die ebenfalls Kopftuch trügen und so als Muslime kenntlich seien, habe sich der Hass in erster Linie entladen. Es sei aber nicht bei einem Vorfall geblieben. Die Schülerinnen Laethicia, Isra und Bukra seien von einem Sicherheitsdienst eines Kaufhauses verwiesen worden, weil sie am Telefon Persisch gesprochen hätten. „Und danach sind sie dann zu mir gekommen und haben gesagt, können Sie rausgehen, Sie stören unsere Mitmenschen. Und ich meinte dann, warum denn? Nur weil ich persisch spreche und eine Ausländerin bin? Ja“, sagte die Schülerin gegenüber DLF. Eine Frau habe gerufen „geht weg!“ und „verschwindet!“ und habe daraufhin über die Berlinerin und ihre Kamera ihr Getränk geschüttet. „Das war echt schade, weil wir sind für die gekommen, um uns nach ihrer Geschichte zu erkundigen, mit so etwas habe ich nicht gerechnet.“ Weil sie keine Polen sind, sei den Schülerinnen und Schülern auf einem Markt in Lublin der Kauf von Wasser verweigert worden. Schülerin Bukra sei sogar auf der Straße von einem Mann mit einem Messer bedroht worden. Er sei schnell auf sie zugekommen, und sie habe gedacht, dass er sie bloß etwas fragen wollte. Er sei dann aber losgerannt und habe ein Messer oder etwas Ähnliches gezogen. Die Schülerin sei daraufhin schnell zum Hotel zurückgerannt. „Der Schock saß sehr tief, dadurch, dass wir so etwas gar nicht erwartet haben, vor allem nicht von einem Mitglied der EU“, ergänzt Mert gegenüber DLF. „Ich bin besonders geschockt, dass das den Jugendlichen passiert ist, die uns ja auch anvertraut sind für diese Reise und gerade auf einer Reise, wo sie sich mit diesem Thema beschäftigen. Das ist natürlich besonders traurig“, so Hans-Christian Jasch, Direktor der NS-Gedenkstätte „Haus der Wannseekonferenz“, gegenüber DLF. Die NS-Gedenkstätte unterstütze die „Arbeitsgemeinschaft Erinnern“. Die Gedenkstätte werde sich sofort mit seinen polnischen Partnern zusammensetzen und die Vorfälle auswerten. Direktor Jasch wolle ebenfalls einen Brief an den polnischen Botschafter in Berlin schreiben. Ihn ärgere besonders, dass die Polizei den Jugendlichen in mindestens einem Fall offensichtlich nicht geholfen habe.

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