Iran-Krieg
Bericht: Rakete auf Türkei von US-Schiff abgefangen

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Teheran – Die iranischen Streitkräfte haben Berichte über den Abschuss einer ballistischen Rakete in Richtung des türkischen Hoheitsgebiets offiziell dementiert. In einer am Donnerstag veröffentlichten Erklärung hieß es, der Iran respektiere die Souveränität des „nachbarlichen und freundschaftlichen Landes Türkei“. Ein Angriff auf türkisches Territorium habe nicht stattgefunden. Die Gegendarstellung folgt auf eine Mitteilung des türkischen Verteidigungsministeriums vom Mittwoch. Demnach sei eine ballistische Rakete, die vom Iran aus gestartet wurde und den Luftraum über Syrien und dem Irak durchquert hatte, durch NATO-Luft- und Raketenabwehrsysteme über dem östlichen Mittelmeer zerstört worden.

Vorfall in der Provinz Hatay und diplomatische Konsequenzen

Trümmerteile, die im Distrikt Dörtyol in der südtürkischen Provinz Hatay niedergingen, stammen laut Angaben des Ministeriums von der Abfangrakete, die zur Neutralisierung der Bedrohung eingesetzt wurde. Bei dem Vorfall wurden keine Opfer gemeldet. Das türkische Verteidigungsministerium betonte die Entschlossenheit und Kapazität, die Sicherheit des Landes und seiner Bürger auf höchstem Niveau zu gewährleisten. Als unmittelbare diplomatische Reaktion bestellte die Türkei den iranischen Botschafter, Mohammad Hassan Habibollahzadeh, in das Außenministerium ein. Türkische Beamte übermittelten einen entschiedenen Protest und äußerten tiefe Besorgnis über den Vorfall. Es wurde unterstrichen, dass jegliche Schritte, die eine Ausweitung von Konflikten und eine weitere Destabilisierung der Region riskieren, vermieden werden müssen.

Details zum Abfangvorgang und Zielobjekt

Ein hochrangiger US-Militärbeamter sowie ein westlicher Beamter konkretisierten gegenüber der New York Times, dass der Angriff offenbar der Luftwaffenbasis Incirlik in der Türkei galt. Die Basis beherbergt als NATO-Stützpunkt sowohl amerikanische Truppen als auch Kontingente anderer verbündeter Staaten. Obwohl die Türkei zuvor erklärt hatte, ihren Luftraum nicht für Angriffe gegen den Iran zur Verfügung zu stellen, rückte die Basis nun in das Zentrum der militärischen Auseinandersetzung. Beide Beamten bestätigten, dass die iranische Rakete von einem Abfangkörper abgeschossen wurde, der von einem US-Kriegsschiff im östlichen Mittelmeer gestartet worden war. Der US-Militärvertreter fügte hinzu, dass der Abschuss kurz vor Mitternacht (Eastern Standard Time) am Dienstag erfolgte. Zum Einsatz kam dabei ein SM-3-Abfangraketensystem, das von dem Zerstörer U.S.S. Oscar Austin abgefeuert wurde.

NATO reagiert auf Eskalation am Persischen Golf

NATO-Generalsekretär Mark Rutte erklärte am Donnerstag, dass das Abfangen der Rakete derzeit keine Aktivierung von Artikel 5 des NATO-Vertrags (Kollektive Verteidigung) rechtfertige. Rutte betonte jedoch die erhöhte Wachsamkeit des Bündnisses angesichts der eskalierenden Spannungen. „Niemand spricht über Artikel 5“, so Rutte. Die Allianz habe jedoch Stärke und Wachsamkeit demonstriert, die seit den Ereignissen vom vergangenen Samstag weiter intensiviert worden sei. Artikel 5 legt fest, dass ein Angriff auf ein Mitglied als Angriff auf alle Mitglieder gewertet wird.
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– Israel – Die Lavon-Affäre: Wie eine False-Flag-Operation zum Krieg und zur israelischen Atombombe führte

False Flag: Die Lavon-Affäre zeigt, wie israelische Geheimoperationen Kriege provozierten und letztlich den Weg für Israels Atomwaffenprogramm ebneten.

Die Lavon-Affäre: Wie eine False-Flag-Operation zum Krieg und zur israelischen Atombombe führte

Iran-Krieg
China zieht fünf strategische Lehren aus dem US-israelischen Angriff auf den Iran

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Peking – Das chinesische Militär hat eine formelle Analyse der jüngsten militärischen Konfrontation zwischen den USA, Israel und dem Iran veröffentlicht. Unter dem Titel „Fünf strategische Lehren“ warnt die offizielle Pressestelle der Streitkräfte, China Military Bugle, vor sicherheitspolitischen Fehleinschätzungen und betont die Notwendigkeit absoluter Souveränität. Hintergrund der Veröffentlichung ist der großangelegte US-israelische Angriff auf den Iran, bei dem Regierungsgebäude, Militärbasen und Atomanlagen getroffen wurden. Neben der Tötung des Obersten Führers Ayatollah Ali Khamenei und mehrerer hochrangiger Kommandeure in Teheran führte ein Raketeneinschlag in eine iranische Mädchenschule zum Tod von 165 Schülerinnen. Peking verurteilte die Operation als „inakzeptablen“ Akt, kritisierte die gezielte Herbeiführung eines Regimewechsels und beklagte die massiven zivilen Opfer. Die fünf Kernpunkte der chinesischen Militär-Analyse Die Analyse benennt spezifische Schwachstellen in der iranischen Verteidigungs- und Sicherheitsarchitektur:
  • Gefahr des internen Verrats: Als „tödlichste Bedrohung“ wird die Unterwanderung von innen identifiziert. Dies bezieht sich sowohl auf die jüngsten Protestbewegungen im Iran als auch auf massive Sicherheitslücken. Berichten zufolge ermöglichte erst die Infiltrierung der Videoüberwachungssysteme (CCTV) in Teheran durch israelische Geheimdienste die Lokalisierung und Liquidierung der Führungsebene.
  • Fehleinschätzung der Friedenslage: Der „blinde Glaube an den Frieden“ wird als die „kostspieligste Fehlkalkulation“ bezeichnet. Peking signalisiert damit, dass diplomatische Bemühungen ohne eine gleichzeitig robuste militärische Abschreckung unzureichend seien.
  • Bedeutung der Feuerkraft: Die „kälteste Realität“ bleibe laut der Analyse die Tatsache, dass überlegene Waffentechnologie und Feuerkraft die Endergebnisse militärischer Konflikte diktieren.
  • Die Illusion des Sieges: Gewarnt wird vor einem kurzfristigen Siegesglaube nach dem Sturz einer Führung. Verwiesen wird hierbei auf die langfristigen Instabilitäten nach US-Interventionen im Irak, in Syrien und in Libyen.
  • Notwendigkeit der Selbstversorgung: „Selbstvertrauen“ und nationale Eigenständigkeit in Verteidigungsfragen werden als die einzig wahre Garantie für staatliche Souveränität deklariert.

Aufarbeitung und Kritik an den USA

Flankiert wurde die Veröffentlichung der strategischen Lehren durch eine verstärkte visuelle Kampagne der chinesischen Streitkräfte gegen die USA. Über offizielle Social-Media-Kanäle wurden Grafiken und Videos verbreitet, die die Rolle Washingtons in dem Konflikt thematisieren. Besondere Aufmerksamkeit erregte eine Darstellung, die kurz nach den „fünf Lehren“ veröffentlicht wurde. Die Grafik zeigt eine Militärperson mit Machete und Ketten vor einem Hintergrund sterbender Kinder, während am Boden ein zerbrochenes Emblem der Vereinten Nationen liegt. Die Veröffentlichung wurde mit dem Titel „Zerstörer des Friedens“ versehen und verdeutlicht die scharfe rhetorische Abkehr Pekings von der bisherigen diplomatischen Zurückhaltung gegenüber US-Militäroperationen in der Region.

Wirtschaftliche und diplomatische Auswirkungen

Die militärische Eskalation hat massive Auswirkungen auf die globale Energieversorgung. Der Schiffsverkehr in der Straße von Hormus ist um schätzungsweise 70 Prozent zurückgegangen, nachdem mehrere Öltanker getroffen wurden. China ist direkt betroffen, da es rund 80 Prozent der gesamten iranischen Rohölproduktion abnimmt. Auf diplomatischer Ebene gab der chinesische Außenminister Wang Yi bekannt, dass die Verhandlungen über das Atomabkommen unmittelbar vor dem Angriff „signifikante Fortschritte“ erzielt hatten. Diese Gespräche gelten nach den jüngsten Ereignissen als gescheitert. Peking fordert eine sofortige Einstellung aller Kampfhandlungen und die Rückkehr zu diplomatischen Kanälen, um eine weitere Ausweitung des Flächenbrandes am Persischen Golf zu verhindern.

Israel
Die Lavon-Affäre: Wie eine False-Flag-Operation zum Krieg und zur israelischen Atombombe führte

Die jüngsten Berichte über die Festnahme mutmaßlicher Mossad-Agenten in Saudi-Arabien haben in der Region erhebliche Unruhe ausgelöst. Den Festgenommenen wird von den saudischen Sicherheitsorganen vorgeworfen, großangelegte Operationen unter „falscher Flagge“ (False Flag) geplant zu haben.

Ziel dieser Aktionen soll es gewesen sein, die ohnehin angespannten Beziehungen zwischen dem Königreich Saudi-Arabien und der Islamischen Republik Iran so weit zu eskalieren, dass eine direkte militärische Konfrontation unvermeidbar geworden wäre.

Diese Vorfälle werfen ein Schlaglicht auf eine jahrzehntelange Geschichte verdeckter Operationen, die darauf abzielen, geopolitische Allianzen durch Täuschung, Sabotage und gezielte Provokation zu manipulieren. Historisch gesehen ist dieses Vorgehen ein fester Bestandteil der regionalen Strategie.

Das prägnanteste Beispiel für die weitreichenden und oft unbeabsichtigten Folgen solcher Strategien ist die sogenannte „Lavon-Affäre“ aus dem Jahr 1954. Diese Operation veränderte den Nahen Osten nachhaltig, stürzte die israelische Regierung in eine jahrelange Existenzkrise und ebnete letztlich den Weg für Israels Status als Atommacht.

Die aktuelle Lage: Sabotage als politisches Werkzeug im Jahr 2026

Die in Saudi-Arabien festgenommenen Agenten sollen laut ersten Erkenntnissen der saudischen Geheimdienste geplant haben, kritische Infrastrukturen – insbesondere Ölförderanlagen im Osten des Landes – sowie sensible religiöse Stätten anzugreifen.

Die Beweise, die den Behörden vorliegen, deuten darauf hin, dass diese Anschläge so inszeniert werden sollten, dass die Spuren eindeutig zu den iranischen Revolutionsgarden (IRGC) führen. In einer Phase, in der die Region durch die Nachfolgefrage in Teheran und die massiven US-Luftangriffe ohnehin am Rande eines totalen Krieges steht, hätte eine erfolgreiche Operation dieser Art die gesamte Sicherheitsarchitektur des Nahen Ostens zum Einsturz gebracht.

Die Parallelen zur Mitte des 20. Jahrhunderts sind dabei frappierend. Schon damals versuchte die israelische Führung, durch verdeckte Gewaltakte die Politik von Weltmächten und regionalen Akteuren in eine Richtung zu zwingen, die den eigenen strategischen Interessen entsprach.

Die Geburtsstunde der Täuschung: Operation Susannah

Im Jahr 1954 befand sich der junge Staat Israel in einer prekären strategischen Lage. Die geopolitische Tektonik verschob sich: Großbritannien plante den Abzug seiner Truppen aus der strategisch wichtigen Suezkanal-Zone in Ägypten.

Für die israelische Führung unter dem damaligen Verteidigungsminister Pinhas Lavon und dem Geheimdienstchef Benjamin Gibli war diese Aussicht bedrohlich. Man befürchtete, dass ein ägyptischer Staat unter der Führung von Gamal Abdel Nasser ohne die stabilisierende britische Militärpräsenz zu einer unkontrollierbaren Regionalmacht aufsteigen würde, die die Existenz Israels direkt bedrohen könnte.

Um diesen britischen Abzug zu verhindern, initiierte der israelische Militärgeheimdienst (Aman) die „Operation Susannah“. Der Plan war so kühn wie skrupellos: Eine Zelle aus ägyptischen Juden wurde rekrutiert und ausgebildet, um Bombenanschläge auf britische und US-amerikanische Einrichtungen in Kairo und Alexandria zu verüben.

Zu den Zielen gehörten Bibliotheken des US-Informationsdienstes, Kinos und Postämter. Die Anschläge sollten so inszeniert werden, dass sie wie das Werk ägyptischer Nationalisten, der Muslimbruderschaft oder lokaler Kommunisten wirkten.

Das strategische Kalkül dahinter war, den Westen – insbesondere Washington und London – davon zu überzeugen, dass Ägypten unter Nasser ein instabiler, unzuverlässiger und gefährlicher Partner sei. Man hoffte, Großbritannien würde seine Abzugspläne angesichts der scheinbar außer Kontrolle geratenen Sicherheitslage revidieren.

Das fatale Scheitern und die „Unfortunate Affair“

Die Operation endete in einem katastrophalen Fiasko. Am 23. Juli 1954 detonierte eine Brandbombe vorzeitig in der Tasche des Agenten Philip Natanson, als dieser gerade ein Kino in Alexandria betreten wollte. Die ägyptischen Sicherheitskräfte reagierten schnell und deckten innerhalb kürzester Zeit die gesamte Zelle auf. In einem öffentlichkeitswirksamen Prozess in Kairo wurden acht Beteiligte verurteilt. Zwei der Agenten, Shmuel Azar und Moshe Marzouk, wurden hingerichtet.

Die Hinrichtung der beiden Agenten im Januar 1955 löste in der israelischen Führung massive Bestürzung und den Drang nach militärischer Vergeltung aus. Nur wenige Wochen später, am 28. Februar 1955, startete die israelische Armee unter dem Codenamen „Operation Black Arrow“ einen massiven Vorstoß in den damals ägyptisch verwalteten Gazastreifen.

Bei diesem Angriff wurden 39 Ägypter getötet. Dieser blutige Zwischenfall gilt heute als der eigentliche Wendepunkt in der regionalen Dynamik: Er demütigte die ägyptische Armee öffentlich und überzeugte Gamal Abdel Nasser davon, dass eine friedliche Koexistenz mit Israel unmöglich sei, solange sein Militär technologisch unterlegen blieb. Damit legte die israelische Vergeltung für die gescheiterte Lavon-Affäre den Grundstein für Nassers Entscheidung, sich für Rüstungsgüter dem Ostblock zuzuwenden.

In Israel löste das Scheitern eine politische Kettenreaktion aus, die als „Die unglückliche Affäre“ (HaEsek HaBish) in die Geschichte einging. Die Kernfrage war: Wer hatte den Befehl für diese illegale Operation gegeben? Verteidigungsminister Pinhas Lavon bestritt jede Kenntnis, während Geheimdienstchef Benjamin Gibli behauptete, Lavon habe den mündlichen Befehl erteilt.

Die darauffolgenden internen Untersuchungen zerrissen die israelische Politik. David Ben-Gurion, der sich eigentlich aus der Politik zurückgezogen hatte, nutzte die Krise für seine Rückkehr an die Macht. Lavon musste zurücktreten, doch die Affäre schwelte bis in die 1960er Jahre weiter und führte schließlich zur Spaltung der regierenden Mapai-Partei.

Die Kausalkette: Vom Sabotageakt zur regionalen Katastrophe

Die internationalen Folgen der Lavon-Affäre waren weit gravierender als die innenpolitischen Erschütterungen in Israel. Das Scheitern der Operation setzte eine Kette von Ereignissen in Gang, die das Schicksal des Nahen Ostens für Jahrzehnte besiegelten:

  • Die Radikalisierung Ägyptens: Gamal Abdel Nasser war durch die Aufdeckung der israelischen Spionagezelle und die darauf folgenden militärischen Provokationen alarmiert. Der folgenschwere israelische Angriff auf Gaza im Februar 1955 (Operation Black Arrow), bei dem 39 Ägypter getötet wurden, war eine direkte Reaktion Israels auf das eigene Versagen in der Lavon-Affäre. Dieser Angriff überzeugte Nasser davon, dass er sein Militär technisch aufrüsten musste, um gegen Israel bestehen zu können.
  • Der Fall des Eisernen Vorhangs im Orient: Da die USA und Großbritannien den Verkauf von Defensivwaffen an Ägypten an harte politische Bedingungen knüpften, suchte Nasser eine Alternative. Im September 1955 schloss er einen massiven Waffendeal mit der Tschechoslowakei ab. Damit erhielt die Sowjetunion erstmals einen direkten Zugang zum Nahen Osten – ein diplomatisches Erdbeben im Kontext des Kalten Krieges.
  • Die Suez-Krise und die Nationalisierung: Die Annäherung Ägyptens an den Ostblock führte dazu, dass die USA und Großbritannien ihre finanziellen Zusagen für den Bau des Assuan-Staudamms zurückzogen. Nasser reagierte darauf am 26. Juli 1956 mit der Nationalisierung des Suezkanals. Dies lieferte Großbritannien, Frankreich und Israel den Vorwand für die gemeinsame Invasion Ägyptens im Oktober 1956.

Die Allianz der Frustrierten: Frankreich und die israelische Bombe

Die Suezkrise von 1956 endete in einer politischen Demütigung für die alten Kolonialmächte. Die USA und die Sowjetunion zwangen Großbritannien, Frankreich und Israel zum Rückzug. Besonders Frankreich fühlte sich von seinem Verbündeten USA im Stich gelassen. Aus dieser gemeinsamen Enttäuschung und dem Gefühl der Verwundbarkeit heraus vertieften Paris und Tel Aviv ihre militärische Zusammenarbeit auf eine Weise, die die Welt bis heute beschäftigt.

In Geheimverhandlungen, die am Rande des Suez-Konflikts geführt wurden (Protokoll von Sèvres), stimmte Frankreich zu, Israel beim Bau eines Kernforschungszentrums in Dimona zu unterstützen.

Frankreich lieferte nicht nur den Reaktor (EL-102), sondern auch das notwendige Know-how und Material für die Wiederaufbereitung von Plutonium. Für Frankreich war dies ein Akt der geopolitischen Rache gegen die USA und eine Absicherung im Nahen Osten; für Israel war es die Geburtsstunde seines nuklearen Abschreckungspotenzials.

Ohne die durch die Lavon-Affäre ausgelöste Kausalkette – das Erstarken Nassers, die Suezkrise und die daraus resultierende französisch-israelische Allianz – hätte Israel niemals die notwendige Unterstützung erhalten, um im Geheimen zur Atommacht aufzusteigen.

Ein etabliertes Muster: Weitere Fälle verdeckter Manipulation

Die Lavon-Affäre ist kein Einzelfall, sondern fügt sich in eine Reihe von Operationen ein, die den Einsatz von Täuschung zur Erreichung politischer Ziele demonstrieren.

Die Bombenanschläge von Bagdad (1950–1951)

In den frühen 1950er Jahren wurde die jüdische Gemeinde im Irak durch eine Serie von Bombenanschlägen auf Synagogen und jüdische Treffpunkte erschüttert. Lange Zeit wurden arabische Nationalisten für diese Taten verantwortlich gemacht.

Spätere historische Untersuchungen und Aussagen von Zeitzeugen deuten jedoch darauf hin, dass Agenten der zionistischen Untergrundbewegung in Absprache mit dem Mossad (Operation Ezra und Nehemiah) an den Anschlägen beteiligt waren. Das Ziel war es, ein Klima der Angst zu schaffen, um die jahrtausendealte jüdische Gemeinde im Irak zur Massenauswanderung nach Israel zu zwingen.

Der junge Staat benötigte dringend demografischen Zuwachs, und die „Rettung“ der irakischen Juden durch die israelische Luftwaffe wurde als heldenhafter Akt inszeniert, dessen gewaltsame Ursache im Verborgenen blieb.

Der Angriff auf die USS Liberty (1967)

Einer der kontroversesten Vorfälle in der Geschichte der US-israelischen Beziehungen ereignete sich während des Sechstagekrieges. Am 8. Juni 1967 griffen israelische Kampfjets und Torpedoboote das US-Aufklärungsschiff USS Liberty in internationalen Gewässern an. 34 amerikanische Seeleute starben, 171 wurden verletzt.

Israel behauptete, es habe sich um ein Versehen gehandelt und man habe das Schiff für ein ägyptisches gehalten. Überlebende Besatzungsmitglieder und hochrangige US-Geheimdienstler widersprachen dieser Darstellung jedoch massiv.

Die Theorie, dass es sich um einen versuchten False-Flag-Angriff handelte, um die USA durch die Versenkung des Schiffes (die man Ägypten angelastet hätte) direkt in den Krieg zu ziehen, wird bis heute diskutiert. Obwohl Washington den Vorfall offiziell zu den Akten legte, bleibt er ein tiefes Trauma in der militärischen Zusammenarbeit.

Die NUMEC-Affäre und der Uran-Schmuggel

In den 1960er Jahren verschwanden hunderte Kilogramm hochangereicherten Urans aus einer Brennelementefabrik (NUMEC) in Apollo, Pennsylvania. US-Ermittlungsbehörden wie das FBI und die CIA kamen zu dem Schluss, dass das Material mit Hilfe israelischer Agenten – darunter der spätere Spitzenpolitiker Rafi Eitan – nach Israel geschmuggelt worden war, um das Atomwaffenprogramm in Dimona zu beschleunigen.

Auch wenn dies kein gewaltsamer False-Flag-Akt war, zeigt die „Apollo-Affäre“ doch die Bereitschaft, nationale Sicherheitsinteressen des engsten Verbündeten zu untergraben, während man offiziell eine Politik der nuklearen Zweideutigkeit verfolgte.

Die „Lillehammer-Affäre“ (1973)

Nach dem Attentat bei den Olympischen Spielen in München 1972 startete der Mossad die „Operation Zorn Gottes“, um die Verantwortlichen der Gruppe „Schwarzer September“ weltweit zu liquidieren. In der norwegischen Kleinstadt Lillehammer erschoss ein israelisches Team jedoch den unschuldigen marokkanischen Kellner Ahmed Bouchiki, den man fälschlicherweise für den Drahtzieher Ali Hassan Salameh hielt.

Sechs Mossad-Agenten wurden von der norwegischen Polizei gefasst. Der Vorfall entlarvte nicht nur die mangelhafte Professionalität des Geheimdienstes in diesem Fall, sondern auch die Missachtung europäischer Souveränität bei der Durchführung verdeckter Exekutionen.

Die Instrumentalisierung der Angst

Die historische Analyse zeigt ein klares Bild: Verdeckte Operationen und Taktiken unter falscher Flagge sind keine Produkte von Verschwörungstheorien, sondern dokumentierte Realität der staatlichen Machtpolitik im Nahen Osten. Die Lavon-Affäre bleibt dabei das warnende Beispiel par excellence. Sie demonstriert, dass ein scheinbar begrenzter Akt der Sabotage eine Eigendynamik entwickeln kann, die Weltreiche zu Fall bringt und die globale Machtbalance verschiebt.

Die aktuellen Berichte aus Saudi-Arabien über die Festnahme von Mossad-Agenten, die False-Flag-Aktionen vorbereitet haben sollen, müssen vor diesem historischen Hintergrund bewertet werden. In einer Ära, in der digitale Desinformation und physische Sabotage miteinander verschmelzen, ist die Gefahr einer künstlich herbeigeführten Eskalation größer denn je. Die Lehre der Lavon-Affäre ist eindeutig: Die Folgen einer Täuschungsoperation sind selten kalkulierbar. Was als strategischer Vorteil geplant wird, kann in einem Flächenbrand enden, dessen Hitze die Urheber am Ende selbst verbrennt.

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Iran-Krieg
Jesus-Rückkehr: US-Militär sieht Iran-Krieg als Gottes Plan

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Washington – Während die Bomben auf iranische Ziele fallen, mehren sich Berichte über eine besorgniserregende religiöse Rhetorik innerhalb des US-Militärs.

Die Organisation Military Religious Freedom Foundation (MRFF) berichtet von über 200 Beschwerden von Soldaten, die angeben, ihre Kommandeure würden den Krieg gegen den Iran als Erfüllung biblischer Prophezeiungen darstellen.

„Anointed by Jesus“: Trump als biblische Figur?

Laut einem Bericht des Investigativ-Journalisten Jonathan Larsen und Aussagen von Unteroffizieren (NCOs) an über 30 Militärstandorten weltweit, nutzen hochrangige Offiziere Begriffe wie „Armageddon“ und die „Wiederkunft Christi“, um den Einsatz zu rechtfertigen.

Besonders brisant: Ein Kommandeur soll seinen Untergebenen gesagt haben, Präsident Donald Trump sei „von Jesus gesalbt“ (anointed), um das „Signalfeuer im Iran zu entzünden“, das das biblische Ende der Welt einleite.

Die zentralen Vorwürfe:

  • Endzeit-Rhetorik: Kommandeure aller Teilstreitkräfte (Army, Navy, Air Force und sogar die Space Force) beziehen sich demnach direkt auf das Buch der Offenbarung.
  • Euphorie über Blutvergießen: Mikey Weinstein, Gründer der MRFF, berichtet von einer „uneingeschränkten Euphorie“ in den Führungsebenen. Man freue sich regelrecht darauf, wie „blutig“ dieser Kampf werden müsse, um mit der christlich-fundamentalistischen Eschatologie (Lehre von den letzten Dingen) übereinzustimmen.
  • Zwang zur religiösen Einordnung: Soldaten, darunter auch Muslime, Juden und nicht-fundamentalistische Christen, berichten, dass sie gedrängt werden, diese Sichtweise an ihre eigenen Truppen weiterzugeben.

Ein „Kreuzzug“ des 21. Jahrhunderts?

Analysten warnen, dass diese Rhetorik den Konflikt in einen Religionskrieg verwandeln könnte. Während Verteidigungsminister Pete Hegseth für seine Nähe zum christlichen Nationalismus bekannt ist, hat das Pentagon bisher keine offizielle Stellungnahme zu den konkreten Beschwerden der MRFF abgegeben.

Die evangelikale Basis: Sehnsucht nach dem „Ende der Welt“

Hinter dieser Rhetorik steht eine mächtige politische Kraft in den USA: der christliche Zionismus und radikale evangelikale Kreise. Für einen bedeutenden Teil dieser Basis ist der Nahe Osten kein bloßes geopolitisches Schachfeld, sondern der Schauplatz für das „Endgame“ der Menschheitsgeschichte. Sie glauben an die Lehre des sogenannten Dispensationalismus, wonach ein totaler Krieg in der Region die Voraussetzung für die Wiederkunft Jesu Christi ist.

In dieser Weltsicht fungiert der Iran als das biblische „Persien“, das laut der Prophezeiung von Hesekiel (Gog und Magog) am Ende der Zeiten gegen Israel in den Krieg ziehen wird. Die Zerstörung der iranischen Führung wird hier nicht als strategischer Erfolg gewertet, sondern als notwendiger Katalysator für das Jüngste Gericht. Für diese Gruppierungen ist diplomatischer Frieden nicht erstrebenswert, sondern ein Hindernis für den göttlichen Plan.

Politischer Druck und messianische Erwartungen

Die Verbindung zwischen dem Oval Office und diesen Wählergruppen ist enger denn je. Viele Evangelikale sehen in der aktuellen Eskalation keine Tragödie, sondern eine Bestätigung ihres Glaubens.

Sie warten auf das „Armageddon“, den finalen Kampf zwischen Gut und Böse. Dass diese Ideologie nun bis in die Kommandoebenen der US-Streitkräfte durchgesickert ist, stellt eine neue Qualität dar. Wenn Offiziere den Kriegsdienst als „heiligen Dienst“ framen, verliert die militärische Logik ihre rationale Basis.

Dies verwandelt den Konflikt in einen modernen Kreuzzug, bei dem Kompromisse unmöglich werden. Für die Soldaten an der Front bedeutet dies einen enormen psychischen Druck: Wer Kritik übt, stellt sich in diesem Klima nicht nur gegen einen militärischen Befehl, sondern gegen einen angeblich „göttlichen Willen“.

Für die iranische Führung unter dem neuen Obersten Führer Mojtaba Khamenei dürften diese Berichte eine Steilvorlage sein, um den Widerstand als Verteidigung des Islam gegen einen „neuen Kreuzzug“ des Westens zu stilisieren. Die Gefahr ist real, dass beide Seiten den Konflikt nun als einen Krieg der Religionen führen, bei dem es kein Zurück mehr gibt.

Iran-Krieg
Media reports: Khamenei’s son elected as new leader

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Tehran – Amid the most serious military escalation in decades, the leadership in Tehran has created a fait accompli: Mojtaba Khamenei, the 56-year-old son of the late Ali Khamenei, has been appointed the new Supreme Leader of the Islamic Republic. The decision by the Council of Experts was made under the massive impact of the ongoing US-Israeli air strikes and marks a turning point in the country’s history.

A change of power in the eye of the storm

Mojtaba’s appointment is seen as a clear signal to the outside world that the system remains capable of acting even after the massive blows of recent days. Mojtaba Khamenei acted for years as his father’s closest confidant behind the scenes and has direct access to the security apparatus and the Revolutionary Guards (IRGC). Internationally, this move is seen as a commitment to an uncompromising course. Critics see the de facto succession as a break with the republican values of the 1979 revolution, but for the hardliners in Tehran, preserving the state structure is the top priority at this moment. According to Iran International, the Islamic Revolutionary Guard Corps played a decisive role in Mojtaba’s succession. “The IRGC exerted strong pressure on the assembled group of clerics to elect Mojtaba as the new leader of the regime,” the media outlet reported. There has been no immediate confirmation of this from the Iranian state authorities. Mojtaba, a mid-ranking cleric, is said to have served during the Iran-Iraq War and to have close ties to the Revolutionary Guard. He largely stays out of the public eye, rarely gives speeches, and seldom appears in the state media. Nevertheless, many consider his influence within Iran’s complex theocratic structure to be anything but insignificant.

Attack on US intelligence center in Saudi Arabia

Parallel to the political realignment in Tehran, the military conflict is spreading to neighboring countries. In the Saudi Arabian capital Riyadh, a station of the US intelligence agency CIA, located on the grounds of the US embassy, was hit by drones. The attack caused structural damage and a fire in the building. While official sources speak of limited property damage, the strike highlights the vulnerability of highly sensitive US infrastructure in the region. The US embassy has suspended all services and is urging American citizens to seek shelter.

Situation report: Day 5 of the war

The situation in the Middle East remains highly explosive. According to military sources, more than 2,000 targets in Iran have been attacked since the start of Operation Epic Fury last Saturday. Iran’s response has been asymmetrical: in addition to the strike in Riyadh, targets in the United Arab Emirates, Kuwait, and Qatar have also been reported. The Strait of Hormuz remains effectively blocked, causing turmoil in global energy markets. Experts warn that with the consolidation of power under Mojtaba Khamenei, a rapid de-escalation has become unlikely. The coming hours will show how Washington responds to the direct attack on its intelligence presence.
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Iran-Krieg
Medienberichte: Khameneis Sohn zum neuen Führer gewählt

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Teheran – Inmitten der schwersten militärischen Eskalation seit Jahrzehnten hat die Führung in Teheran Fakten geschaffen: Mojtaba Khamenei, der 56-jährige Sohn des verstorbenen Ali Khamenei, wurde zum neuen Obersten Führer der Islamischen Republik ernannt. Die Entscheidung des Expertenrats fiel unter dem massiven Eindruck der laufenden US-israelischen Luftangriffe und markiert eine Zäsur in der Geschichte des Landes.

Ein Machtwechsel im Auge des Sturms

Die Ernennung Mojtabas gilt als deutliches Signal an das Ausland, dass das System auch nach den massiven Schlägen der letzten Tage handlungsfähig bleibt. Mojtaba Khamenei agierte jahrelang als engster Vertrauter seines Vaters im Hintergrund und verfügt über direkten Zugriff auf den Sicherheitsapparat und die Revolutionsgarden (IRGC). International wird dieser Schritt als Festlegung auf einen kompromisslosen Kurs gewertet. Kritiker sehen in der faktischen Erbfolge einen Bruch mit den republikanischen Werten der Revolution von 1979, doch für die Hardliner in Teheran steht in diesem Moment die Erhaltung der staatlichen Struktur an oberster Stelle. Laut Iran International spielte die Islamische Revolutionsgarde eine entscheidende Rolle bei Mojtabas Nachfolge. „Die IRGC übte starken Druck auf die versammelte Gruppe von Geistlichen aus, Mojtaba zum neuen Führer des Regimes zu wählen“, berichtete das Medium. Von den iranischen Staatsbehörden gab es dazu bislang keine unmittelbare Bestätigung. Mojtaba, ein Geistlicher mittleren Ranges, soll während des Iran-Irak-Krieges gedient haben und enge Beziehungen zur Revolutionsgarde unterhalten. Er hält sich weitgehend aus der Öffentlichkeit heraus, hält selten Reden und tritt nur selten in den staatlichen Medien auf. Dennoch wird sein Einfluss innerhalb der komplexen theokratischen Struktur des Iran von vielen als alles andere als gering eingeschätzt.

Angriff auf US-Geheimdienstzentrum in Saudi-Arabien

Parallel zur politischen Neuausrichtung in Teheran weitet sich der militärische Konflikt auf die Nachbarstaaten aus. In der saudi-arabischen Hauptstadt Riad wurde eine Station des US-Geheimdienstes CIA, die sich auf dem Gelände der US-Botschaft befindet, von Drohnen getroffen. Der Angriff führte zu strukturellen Schäden und einem Brand im Gebäude. Während offizielle Stellen von begrenzten Sachschäden sprechen, verdeutlicht der Treffer die Verwundbarkeit hochsensibler US-Infrastruktur in der Region. Die US-Botschaft hat sämtliche Dienste eingestellt und fordert amerikanische Staatsbürger auf, Schutzräume aufzusuchen.

Lagebericht: Der Krieg an Tag 5

Die Situation im Nahen Osten bleibt hochexplosiv. Seit Beginn der Operation „Epic Fury“ am vergangenen Samstag wurden nach Militärangaben bereits über 2.000 Ziele im Iran angegriffen. Die iranische Antwort erfolgt asymmetrisch: Neben dem Einschlag in Riad wurden auch Ziele in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Kuwait und Katar gemeldet. Die Straße von Hormus bleibt faktisch blockiert, was die globalen Energiemärkte in Unruhe versetzt. Experten warnen, dass mit der Konsolidierung der Macht unter Mojtaba Khamenei eine schnelle Deeskalation unwahrscheinlich geworden ist. Die kommenden Stunden werden zeigen, wie Washington auf die direkte Attacke gegen seine Geheimdienstpräsenz reagiert.

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Iran: Außenminister Abbas Araghchi kündigt „dezentralisiertes Mosaik-Verteidigungssystem“ an

Iran-Krieg
Eilmeldung: CIA-Station in Riad bei iranischem Gegenschlag getroffen

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RIAD / WASHINGTON – Die militärische Konfrontation zwischen den USA, Israel und dem Iran hat am heutigen 4. März 2026 eine neue, hochsensible Stufe erreicht. Wie mehrere Nachrichtenagenturen, darunter Reuters, AFP und die Washington Post, unter Berufung auf Geheimdienstkreise berichten, wurde eine CIA-Station auf dem Gelände der US-Botschaft in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad von mindestens einer iranischen Drohne getroffen. Laut den Berichten, bestätigten sowohl die US-Regierung als auch die saudische Regierung, dass die Drohnen den Botschaftskomplex getroffen hatten, jedoch habe keine der beiden Seiten offengelegt, dass auch das Geheimdienstzentrum der Behörde zu den Zielen gehörte. Eine interne Warnmeldung des Außenministeriums, die der Post vorliegt, deutet darauf hin, dass durch den Angriff ein Teil des Daches der US-Botschaft einstürzte und sich das Innere mit Rauch füllte, wodurch das Gebäude strukturelle Schäden davontrug.

Details zum Angriff in Riad

Der Einschlag ereignete sich in den frühen Morgenstunden. Augenzeugen berichteten von heftigen Explosionen und schwarzen Rauchsäulen über dem Diplomatenviertel. Das saudi-arabische Verteidigungsministerium bestätigte den Vorfall und sprach von einem „begrenzten Brand und Sachschäden“. US-Insider warnten jedoch gegenüber der Washington Post, dass die betroffene Einrichtung eine zentrale Rolle für die US-Aufklärung in der gesamten Golfregion spiele. Ein gezielter Angriff auf CIA-Infrastruktur gilt als direkte Provokation gegen den amerikanischen Sicherheitsapparat. Die US-Botschaft in Riad sowie die Konsulate in Dschidda und Dhahran haben sämtliche Dienste eingestellt; US-Bürger wurden angewiesen, in ihren Unterkünften zu bleiben („Shelter-in-Place“).

Ein regionaler Flächenbrand

Dieser Angriff ist Teil einer massiven iranischen Vergeltungswelle, die am vergangenen Samstag (28. Februar 2026) ausgelöst wurde. Zuvor hatten die USA und Israel im Rahmen der Operation „Epic Fury“ koordinierte Luftschläge gegen fast 2.000 Ziele im Iran geflogen. Tötung der Führung: Bei den Angriffen wurde laut iranischen Staatsmedien der Oberste Führer, Ajatollah Ali Khamenei, getötet. US-Präsident Donald Trump erklärte via Truth Social, die iranische Führung und Militärkapazität seien „praktisch verschwunden“, und forderte das iranische Volk zum Sturz des Regimes auf. Irans Antwort: Entgegen der US-Einschätzung zeigt Teheran weiterhin eine hohe operative Schlagkraft. Neben der Botschaft in Riad wurden auch das US-Konsulat in Dubai (VAE) sowie die US-Botschaft in Kuwait und die Luftwaffenbasis Al-Udeid in Katar mit Drohnen und ballistischen Raketen angegriffen. Die Straße von Hormus wurde von der IRGC für den Schiffsverkehr gesperrt, was die globalen Ölpreise auf über 80 USD pro Barrel getrieben hat.

Lagebericht: Der Krieg an Tag 5

Dieser Angriff ist Teil einer massiven iranischen Vergeltungswelle, die am vergangenen Samstag (28. Februar 2026) ausgelöst wurde. Zuvor hatten die USA und Israel im Rahmen der Operation „Epic Fury“ koordinierte Luftschläge gegen fast 2.000 Ziele im Iran geflogen. Tötung der Führung: Bei den Angriffen wurde laut iranischen Staatsmedien der Oberste Führer, Imam Khamenei, getötet. US-Präsident Donald Trump erklärte via Truth Social, die iranische Führung und Militärkapazität seien „praktisch verschwunden“, und forderte das iranische Volk zum Sturz des Regimes auf. Irans Antwort: Entgegen der US-Einschätzung zeigt Teheran weiterhin eine hohe operative Schlagkraft. Neben der Botschaft in Riad wurden auch das US-Konsulat in Dubai (VAE) sowie die US-Botschaft in Kuwait und die Luftwaffenbasis Al-Udeid in Katar mit Drohnen und ballistischen Raketen angegriffen. Die Straße von Hormus wurde von der IRGC für den Schiffsverkehr gesperrt, was die globalen Ölpreise auf über 80 USD pro Barrel getrieben hat. Ölmarkt und Schifffahrt: Die Unsicherheit in der Region hat die Ölpreise bereits sprunghaft ansteigen lassen. Die Sorge vor einer Sperrung wichtiger Schifffahrtswege im Persischen Golf wächst stündlich, während Versicherungsprämien für Tanker Rekordhöhen erreichen.

Internationale Reaktionen und humanitäre Lage

Während das US-Zentralkommando (CENTCOM) den Tod von mindestens sechs US-Soldaten seit Beginn der Kampfhandlungen bestätigt hat, wächst der internationale Druck auf Washington. Russland und China verurteilten die Operation „Epic Fury“ als völkerrechtswidrig und forderten einen sofortigen Waffenstillstand. Die UN-Vollversammlung wird voraussichtlich noch heute zu einer Dringlichkeitssitzung zusammenkommen. In Teheran wurde indes Mojtaba Khamenei, der Sohn des getöteten Führers, vom Expertenrat zum neuen Obersten Führer gewählt. Dies signalisiert Kontinuität im Widerstand und macht Hoffnungen auf einen schnellen Zusammenbruch des Systems zunichte. Die humanitäre Lage verschlechtert sich unterdessen stündlich: Das Iranische Rote Kreuz meldet bereits über 780 Todesopfer, darunter zahlreiche Zivilisten, während die medizinische Versorgung durch die Zerstörung wichtiger Infrastruktur am Rande des Kollapses steht. International wächst der Druck auf die USA; mehrere europäische Staaten haben die Nutzung ihrer Basen für Angriffe untersagt, woraufhin die US-Luftwaffe bereits Tankflugzeuge nach Ramstein (Deutschland) verlegt hat. Die Region steht vor dem vollständigen Stillstand des zivilen Luftverkehrs, während die US-Regierung alle Staatsbürger in insgesamt 14 Ländern des Nahen Ostens zur sofortigen Ausreise aufgefordert hat.
ZUM THEMA

– Iran-Krieg – Iran: Außenminister Abbas Araghchi kündigt „dezentralisiertes Mosaik-Verteidigungssystem“ an

Analyse des iranischen „Mosaik-Verteidigungssystems“: Wie 31 autonome Einheiten der IRGC eine Enthauptungsstrategie verhindern und Langzeitkriege ermöglichen.

Iran: Außenminister Abbas Araghchi kündigt „dezentralisiertes Mosaik-Verteidigungssystem“ an

Iran-War
Iran: Foreign Minister Abbas Araghchi announces “decentralized mosaic defense system”

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Polat Karaburan Recent statements by Iranian Foreign Minister Abbas Araghchi following the death of Imam Khamenei have brought into focus a military structure that is often underestimated in the West. Araghchi’s reference to the “decentralized mosaic defense system” is not mere rhetoric, but verbal confirmation of a decades-long transformation of Iran’s defense strategy. This doctrine is the result of meticulous observation of modern warfare and painful lessons learned from Iran’s own history.

The school of conflict: learning from enemies and from one’s own hardship

To understand the mosaic system, one must analyze Iran’s strategic isolation and its observation of US-led wars in the neighborhood. For two decades, the Iranian leadership, particularly within the Islamic Revolutionary Guard Corps (IRGC), acted as attentive observers of the US invasions of Afghanistan (2001) and Iraq (2003). In both conflicts, the Pentagon employed what is known as the “decapitation strategy.” The goal was simple: technological superiority and precision air strikes were to be used to take out the central command and control centers (C2) within hours or days. In Baghdad, Iran saw how Saddam Hussein’s highly centralized system collapsed as soon as communication between the palace and the generals was interrupted. Without orders from above, the Iraqi divisions ceased fighting or disbanded. Iran drew the decisive conclusion from this: centralized hierarchies are a fatal weakness in a war against a technologically superior superpower. Added to this were the experiences of the eight-year Iran-Iraq War (1980–1988). Here, Tehran learned that rigid front lines and classic battles of attrition against a foreign-backed enemy exact enormous sacrifices. The solution had to be an asymmetrical, flexible, and above all indestructible structure.

The birth of the mosaic: the 2005 reform

In 2005, when the US presence in Iraq and Afghanistan was at its peak and an invasion of Iran was being discussed as a real possibility, the then commander of the IRGC, Mohammad Ali Jafari, initiated a radical restructuring. The IRGC was transformed from a classic army into 31 independent units – corresponding to the country’s 31 provinces. This transformation marks the transition to “mosaic defense.” The metaphor of the mosaic is precisely chosen: in a classic military structure, the army functions like a complex clockwork mechanism; if a central cog breaks, the machine stops. A mosaic, on the other hand, consists of thousands of small, separate stones. If one part of the picture is destroyed, the other stones remain untouched and retain their integrity. The overall picture may be cracked, but the substance remains intact.
(Foto: Screenshot/Youtube)

Operational independence: fighting without a head

The key feature of this system is the complete autonomy of the provincial commanders. In a conventional war, the loss of the top leadership in Tehran—be it the revolutionary leader, the president, or the commander-in-chief of the armed forces—would normally lead to surrender or chaos. In the Iranian mosaic system, the opposite is true. If headquarters is shut down, the “operational autonomy” protocol automatically kicks in. Each provincial commander of the IRGC has his own weapons arsenal, logistics chains, intelligence services, and Basij militias. They are explicitly trained to make independent military decisions, plan attacks, and wage guerrilla warfare without consulting Tehran. This strategy makes “decapitation” virtually impossible. An attacker would not only have to take out a central command center, but also defeat 31 separate, highly motivated, and self-sufficient armies at the same time, which are also entrenched in terrain characterized by high mountains and deserts.

Asymmetry and the involvement of society

The mosaic system is inextricably linked to the Basij militia. In each province, the IRGC acts as a cadre for mass mobilization. Defense is “socialized.” This means that the military structure is deeply woven into the civilian structures of the respective province. The fighters are not defending an abstract line on a map, but their own homeland, their cities, and their neighborhoods. This greatly increases resilience. While a regular army often loses morale after losing its base, mosaic defense seamlessly transitions into a protracted insurgency in such cases. Iran has learned from the mistakes of the US in Vietnam and Iraq: It is almost impossible to defeat an armed population organized into decentralized cells.

Technological adaptation: cheap, decentralized, deadly

The technological component of mosaic defense reflects its structure. Instead of relying on expensive, centrally maintained weapon systems such as fifth-generation fighter jets, Iran has invested heavily in drones (UAVs) and missile technology that can be produced and stored in a decentralized manner. A “swarm” of drones can be launched from a hidden backyard in a remote province. The launch pads for ballistic missiles and cruise missiles are distributed throughout the country in underground “missile cities.” Even if communication between provinces is interrupted, each unit can use its own long-range weapons to attack strategic enemy targets, such as aircraft carriers in the Persian Gulf or air bases in the region.

The psychological dimension: deterrence through unpredictability

The mosaic system serves primarily as a deterrent. A potential attacker faces the dilemma that there is no “center of gravity” whose destruction would guarantee victory. The US or Israel could destroy the Iranian air force on the ground and raze government buildings in Tehran to the ground, but the next day they would find that they still face 31 intact opponents spread across the country. This unpredictability is calculated. The system forces a “long war” (war of attrition), which Western democracies usually shy away from due to domestic political constraints and economic costs. As Araghchi aptly noted, the decentralized structure allows warfare to continue over a very long period of time, regardless of the fate of the political elite.

Topography as a strategic ally

An often overlooked aspect of the mosaic system is the symbiosis between the military structure and Iran’s rugged geography. The country is a natural fortress, characterized by the massive Zagros and Alborz mountain ranges and vast, hostile deserts in the center. The IRGC’s 31 provincial units use this topography to physically separate and protect the “mosaic pieces” from each other. In the provinces of the Zagros Mountains, for example, each unit specializes in using the narrow passes and cave systems to lure invaders into protracted ambushes. The mosaic doctrine envisions the terrain itself becoming a communication obstacle for the enemy, while local units know every path. This illustrates the lesson learned from the war in Afghanistan: although the US was able to control the cities, it lost the initiative against decentralized cells in the rugged mountains. Iran has perfected this principle by using state-of-the-art tunnel construction technology to create underground supply routes within the provinces that are immune to bunker-busting weapons.

Transnational expansion: The mosaic beyond borders

However, the decentralized mosaic defense system does not end at Iran’s national borders. It finds its logical continuation in the so-called “Axis of Resistance.” Actors such as Hezbollah in Lebanon, the Houthis in Yemen, and various militias in Iraq function as external mosaic pieces. These groups are not simply proxies, but are organized according to the same principle of operational autonomy that applies within Iran. Iran observed how, despite its massive technological superiority, the Israeli army failed to crush Hezbollah’s decentralized structures in the 2006 Lebanon War. The conclusion was clear: if the enemy has to fight autonomous “mosaic cells” on several fronts at once, its striking power is dispersed. If Tehran were to be attacked directly, these external units would react independently of each other, making the costs of escalation incalculable for an attacker.

Industrial self-sufficiency and technological redundancy

Another pillar of this system is the economic and industrial component. A decentralized system can only function if logistics are also decentralized. Over many years, Iran has built up a defense industry geared toward producing spare parts, ammunition, and even complex systems such as drones in smaller workshops scattered across the country. This is a direct response to the sanctions regime and the observation of global supply chain dependency in modern warfare. While Western armies often rely on a few highly specialized factories, the mosaic system relies on redundancy. Each of the 31 IRGC units has its own depots and workshops that can operate for months without supplies from the capital. In Ukraine, we have seen how crucial the sheer mass of artillery ammunition and simple drones is. Iran’s mosaic system is designed to generate and manage precisely this mass in a decentralized manner, making it almost impossible to neutralize military strike capability by destroying a few industrial centers.

Psychological warfare and “soft defense”

Finally, the system also encompasses the “soft” dimension of defense. In Iranian military philosophy, the information level is an integral part of the mosaic. Each province has its own media capabilities and cyber units that are trained to act locally in the event of a national communications blackout. This serves to maintain the narrative of resistance even if the state television stations in Tehran remain silent. The IRGC has learned from the “color revolutions” and social unrest of the past that the stability of the system depends on the steadfastness of its base. The mosaic system therefore also functions as a social immune system: the local presence of the IRGC and the Basij in every village and town is intended to ensure that the enemy’s psychological operations (soft war) bounce off local identity and loyalty.

A legacy of resilience

The activation of this system, as indicated after the death of Imam Khamenei and the attacks on consulates in the region, shows that Iran is in existential defense mode. The mosaic system is the ultimate response to geopolitical encirclement. It is the military manifestation of the will to survive of a state that has been under siege since 1979. For an invader, the Mosaic system means that there is no “day after victory” because there is no day when the enemy will collectively lay down its arms. Each piece of the mosaic must be broken individually—a task that is militarily and logistically almost impossible to accomplish. In an era where wars are increasingly decided by endurance and structural resilience, Iran’s mosaic could represent one of the most effective defense models in modern history.  
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Iran-Krieg
Iran: Außenminister Abbas Araghchi kündigt „dezentralisiertes Mosaik-Verteidigungssystem“ an

Von Polat Karaburan Die jüngsten Äußerungen des iranischen Außenministers Abbas Araghchi nach dem Tod von Imam Khamenei haben eine militärische Struktur in den Fokus gerückt, die im Westen oft unterschätzt wird. Araghchis Hinweis auf das „dezentralisierte Mosaik-Verteidigungssystem“ ist keine bloße Rhetorik, sondern die verbale Bestätigung einer jahrzehntelangen Transformation der iranischen Verteidigungsstrategie. Diese Doktrin ist das Ergebnis einer akribischen Beobachtung moderner Kriegsführung und der schmerzhaften Lehren aus Irans eigener Geschichte.

Die Schule der Konflikte: Lernen von den Feinden und aus der eigenen Not

Um das Mosaik-System zu verstehen, muss man die strategische Isolation Irans und seine Beobachtung der US-geführten Kriege in der Nachbarschaft analysieren. Die iranische Führung, insbesondere innerhalb der Islamischen Revolutionsgarde (IRGC), fungierte über zwei Jahrzete hinweg als aufmerksamer Beobachter der US-Invasionen in Afghanistan (2001) und im Irak (2003). In beiden Konflikten wandte das Pentagon die sogenannte „Enthauptungsstrategie“ (Decapitation Strategy) an. Das Ziel war simpel: Durch technologische Überlegenheit und präzise Luftschläge sollten die zentralen Kommando- und Kontrollzentren (C2) innerhalb von Stunden oder Tagen ausgeschaltet werden. In Bagdad sah der Iran, wie das hochzentralisierte System von Saddam Hussein kollabierte, sobald die Kommunikation zwischen dem Palast und den Generälen unterbrochen war. Ohne Befehle von oben stellten die irakischen Divisionen den Kampf ein oder lösten sich auf. Der Iran zog daraus den entscheidenden Schluss: Zentrale Hierarchien sind in einem Krieg gegen eine technologisch überlegene Supermacht eine tödliche Schwachstelle. Hinzu kamen die Erfahrungen aus dem achtjährigen Iran-Irak-Krieg (1980–1988). Hier lernte Teheran, dass starre Frontlinien und klassische Abnutzungsschlachten gegen einen vom Ausland unterstützten Gegner enorme Opfer fordern. Die Lösung musste eine asymmetrische, flexible und vor allem unzerstörbare Struktur sein.
(Foto: Screenshot/Youtube)

Die Geburtsstunde des Mosaiks: Die Reform von 2005

Im Jahr 2005, als die US-Präsenz im Irak und in Afghanistan ihren Höhepunkt erreichte und eine Invasion des Iran als reales Szenario diskutiert wurde, leitete der damalige Kommandeur der IRGC, Mohammad Ali Jafari, eine radikale Umstrukturierung ein. Die IRGC wurde von einer klassischen Armee in 31 eigenständige Einheiten transformiert – korrespondierend mit den 31 Provinzen des Landes. Diese Transformation markiert den Übergang zur „Mosaik-Verteidigung“. Die Metaphorik des Mosaiks ist dabei präzise gewählt: In einer klassischen Militärstruktur funktioniert die Armee wie ein komplexes Uhrwerk; bricht ein zentrales Zahnrad, steht die Maschine still. Ein Mosaik hingegen besteht aus tausenden kleinen, separaten Steinen. Wenn man einen Teil des Bildes zerstört, bleiben die anderen Steine unberührt und behalten ihre Integrität. Das Gesamtbild mag Risse bekommen, aber die Substanz bleibt bestehen. Operative Unabhängigkeit: Kämpfen ohne Kopf Das Kernmerkmal dieses Systems ist die vollständige Autonomie der Provinzkommandanten. In einem konventionellen Krieg würde der Ausfall der obersten Führung in Teheran – sei es der Revolutionsführer, der Präsident oder der Oberbefehlshaber der Streitkräfte – normalerweise zur Kapitulation oder zum Chaos führen. Im iranischen Mosaik-System ist genau das Gegenteil der Fall. Sollte die Zentrale ausgeschaltet werden, greift automatisch das Protokoll der „operativen Eigenständigkeit“. Jeder Provinzkommandeur der IRGC verfügt über eigene Waffenarsenale, Logistikketten, Nachrichtendienste und Basidsch-Milizen. Sie sind explizit darauf trainiert, ohne Rückkoppelung mit Teheran eigenständige militärische Entscheidungen zu treffen, Angriffe zu planen und Guerillakriegsführung zu betreiben. Diese Strategie macht eine „Enthauptung“ faktisch unmöglich. Ein Angreifer müsste nicht nur eine Zentrale ausschalten, sondern 31 separate, hochmotivierte und autarke Armeen gleichzeitig besiegen, die sich zudem in einem Gelände verschanzen, das von Hochgebirgen und Wüsten geprägt ist. Asymmetrie und die Einbindung der Gesellschaft Das Mosaik-System ist untrennbar mit der Basidsch-Miliz verbunden. In jeder Provinz fungiert die IRGC als Kader für eine Massenmobilisierung. Die Verteidigung wird „sozialisiert“. Das bedeutet, dass die militärische Struktur tief in die zivilen Strukturen der jeweiligen Provinz eingewoben ist. Die Kämpfer verteidigen nicht eine abstrakte Linie auf einer Karte, sondern ihre eigene Heimat, ihre Städte und ihre Nachbarschaften. Dies erhöht die Widerstandsfähigkeit (Resilience) massiv. Während eine reguläre Armee nach dem Verlust ihrer Basis oft die Kampfmoral verliert, wechselt die Mosaik-Verteidigung in einem solchen Fall nahtlos in einen langwierigen Aufstandskrieg (Insurgency). Der Iran hat aus den Fehlern der USA in Vietnam und im Irak gelernt: Es ist fast unmöglich, eine bewaffnete Bevölkerung zu besiegen, die in dezentralen Zellen organisiert ist.

Technologische Anpassung: Billig, dezentral, tödlich

Die technologische Komponente der Mosaik-Verteidigung spiegelt die Struktur wider. Anstatt auf teure, zentral wartungsintensive Waffensysteme wie Kampfjets der fünften Generation zu setzen, hat der Iran massiv in Drohnen (UAVs) und Raketentechnologie investiert, die dezentral produziert und gelagert werden können. Ein „Schwarm“ von Drohnen kann von einem versteckten Hinterhof in einer entlegenen Provinz gestartet werden. Die Startrampen für ballistische Raketen und Marschflugkörper sind über das ganze Land in unterirdischen „Raketenstädten“ verteilt. Selbst wenn die Kommunikation zwischen den Provinzen unterbrochen wird, kann jede Einheit ihre eigenen Distanzwaffen einsetzen, um strategische Ziele des Gegners – etwa Flugzeugträger im Persischen Golf oder Luftwaffenstützpunkte in der Region – anzugreifen.

Die psychologische Dimension: Abschreckung durch Unberechenbarkeit

Das Mosaik-System dient primär der Abschreckung. Ein potenzieller Angreifer steht vor dem Dilemma, dass es kein „Center of Gravity“ gibt, dessen Zerstörung den Sieg garantiert. Die USA oder Israel könnten die iranische Luftwaffe am Boden zerstören und die Regierungsgebäude in Teheran dem Erdboden gleichmachen, doch am nächsten Tag würden sie feststellen, dass sie immer noch 31 intakten Gegnern gegenüberstehen, die über das ganze Land verteilt sind. Diese Unberechenbarkeit ist kalkuliert. Das System erzwingt einen „langen Krieg“ (War of Attrition), den westliche Demokratien aufgrund innenpolitischer Zwänge und wirtschaftlicher Kosten meist scheuen. Wie Araghchi treffend feststellte, ermöglicht die dezentrale Struktur die Fortführung der Kriegsführung über einen sehr langen Zeitraum, ungeachtet des Schicksals der politischen Elite. Topografie als strategischer Verbündeter Ein oft übersehener Aspekt des Mosaik-Systems ist die Symbiose zwischen militärischer Struktur und der rauen Geografie des Iran. Das Land ist eine natürliche Festung, geprägt durch die massiven Gebirgszüge des Zagros und des Alborz sowie durch weite, lebensfeindliche Wüsten im Zentrum. Die 31 Provinzeinheiten der IRGC nutzen diese Topografie, um die „Mosaiksteine“ physisch voneinander abzugrenzen und gleichzeitig zu schützen. In den Provinzen des Zagros-Gebirges beispielsweise ist jede Einheit darauf spezialisiert, die engen Pässe und Höhlensysteme zu nutzen, um Invasoren in langwierige Hinterhalte zu locken. Die Mosaik-Doktrin sieht vor, dass das Gelände selbst zum Kommunikationshindernis für den Feind wird, während die lokalen Einheiten jeden Pfad kennen. Hier zeigt sich die Lehre aus dem Afghanistan-Krieg: Die USA konnten zwar die Städte kontrollieren, doch in den zerklüfteten Bergen verloren sie die Initiative gegen dezentrale Zellen. Der Iran hat dieses Prinzip perfektioniert, indem er modernste Tunnelbau-Technologie nutzt, um unterirdische Versorgungswege innerhalb der Provinzen zu schaffen, die gegen bunkerbrechende Waffen immun sind.

Die transnationale Erweiterung: Das Mosaik jenseits der Grenzen

Das dezentralisierte Mosaik-Verteidigungssystem endet jedoch nicht an den Staatsgrenzen des Iran. Es findet seine logische Fortsetzung in der sogenannten „Achse des Widerstands“ (Axis of Resistance). Akteure wie die Hisbollah im Libanon, die Houthis im Jemen und die verschiedenen Milizen im Irak fungieren als externe Mosaiksteine. Diese Gruppen sind nicht einfach nur Stellvertreter, sondern nach demselben Prinzip der operativen Autonomie organisiert, das auch innerhalb Irans gilt. Der Iran hat beobachtet, wie die israelische Armee im Libanonkrieg 2006 trotz massiver technologischer Überlegenheit daran scheiterte, die dezentralen Strukturen der Hisbollah zu zerschlagen. Die Erkenntnis war klar: Wenn der Feind an mehreren Fronten gleichzeitig gegen autonome „Mosaik-Zellen“ kämpfen muss, wird seine Schlagkraft zerstreut. Sollte Teheran direkt angegriffen werden, würden diese externen Einheiten unabhängig voneinander reagieren, was die Eskalationskosten für einen Angreifer unkalkulierbar macht.

Industrielle Autarkie und technologische Redundanz

Ein weiterer Pfeiler dieses Systems ist die wirtschaftliche und industrielle Komponente. Ein dezentralisiertes System kann nur funktionieren, wenn auch die Logistik dezentralisiert ist. Der Iran hat über Jahre hinweg eine Verteidigungsindustrie aufgebaut, die darauf ausgerichtet ist, Ersatzteile, Munition und sogar komplexe Systeme wie Drohnen in kleineren, über das Land verteilten Werkstätten zu produzieren. Dies ist eine direkte Reaktion auf die Sanktionsregime und die Beobachtung der globalen Lieferkettenabhängigkeit in modernen Kriegen. Während westliche Armeen oft auf wenige hochspezialisierte Fabriken angewiesen sind, setzt das Mosaik-System auf Redundanz. Jede der 31 IRGC-Einheiten verfügt über eigene Depots und Werkstätten, die monatelang ohne Nachschub aus der Hauptstadt operieren können. In der Ukraine hat man gesehen, wie entscheidend die schiere Masse an Artilleriemunition und einfachen Drohnen ist. Irans Mosaik-System ist darauf ausgelegt, genau diese Masse dezentral zu generieren und zu verwalten, was es fast unmöglich macht, die militärische Schlagkraft durch die Zerstörung weniger Industriezentren auszuschalten.

Psychologische Kriegführung und die „Weiche Abwehr“

Schließlich umfasst das System auch die „weiche“ Dimension der Verteidigung. In der iranischen Militärphilosophie ist die Informationsebene ein integraler Bestandteil des Mosaiks. Jede Provinz verfügt über eigene Medienkapazitäten und Cyber-Einheiten, die darauf trainiert sind, im Falle einer nationalen Kommunikationssperre lokal zu agieren. Dies dient dazu, das Narrativ des Widerstands aufrechtzuerhalten, selbst wenn die staatlichen Fernsehsender in Teheran schweigen sollten. Die IRGC hat aus den „Farbrevolutionen“ und den sozialen Unruhen der Vergangenheit gelernt, dass die Stabilität des Systems von der Standhaftigkeit der Basis abhängt. Das Mosaik-System fungiert daher auch als gesellschaftliches Immunsystem: Die lokale Präsenz der IRGC und der Basidsch in jedem Dorf und jeder Stadt soll sicherstellen, dass psychologische Operationen des Gegners (Soft War) an der lokalen Identität und Loyalität abprallen.

Ein Erbe der Resilienz

Die Aktivierung dieses Systems, wie sie nach dem Tod von Imam Khamenei und den Angriffen auf Konsulate in der Region angedeutet wurde, zeigt, dass der Iran sich im Modus der existenziellen Verteidigung befindet. Das Mosaik-System ist die ultimative Antwort auf die geopolitische Umklammerung. Es ist die militärische Manifestation des Überlebenswillens eines Staates, der sich seit 1979 im Belagerungszustand sieht. Für einen Invasoren bedeutet das Mosaik-System, dass es keinen „Tag nach dem Sieg“ gibt, weil es keinen Tag gibt, an dem der Gegner kollektiv die Waffen niederlegt. Jedes Teil des Mosaiks muss einzeln gebrochen werden – eine Aufgabe, die militärisch und logistisch kaum zu bewältigen ist. In einer Ära, in der Kriege zunehmend durch Ausdauer und strukturelle Resilienz entschieden werden, könnte das iranische Mosaik eines der effektivsten Verteidigungsmodelle der modernen Geschichte darstellen.  
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Ein Gastkommentar von Özgür Çelik Das internationale System ist mit den sich im letzten Jahrzehnt beschleunigenden Brüchen von einem klassischen Gleichgewichtsmodell der Macht in eine vielschichtige, hybride und von Unsicherheit geprägte Wettbewerbsphase eingetreten. In dieser Phase ist militärische Kapazität allein nicht mehr ausschlaggebend; finanzielle Instrumente, Energiekorridore, Technologiearchitekturen, Sanktionsregime, Informationskrieg und Stellvertreterkonflikte sind zu zentralen Elementen zwischenstaatlicher Auseinandersetzungen geworden.

Die neue Geometrie der globalen Macht

Der globale Machtkampf wird heute nicht mehr an Frontlinien ausgetragen, sondern in Lieferketten, in den Bilanzen von Zentralbanken, in Rüstungskonsortien, in Seehoheitszonen und in der Wahrnehmungswelt der Öffentlichkeit. Diese neue Gleichung zwingt strategisches Denken dazu, nicht nur militärische, sondern zugleich wirtschaftliche, diplomatische und gesellschaftliche Dimensionen zu steuern. Vor diesem Hintergrund konzentriert sich der Wettbewerb der Großmächte auf zwei Hauptachsen: Erstens die systeminterne Konsolidierung über die institutionellen Strukturen der atlantisch geprägten Ordnung; zweitens die Festigung eurasisch geprägter Alternativnetzwerke.

Transformation der atlantischen Sicherheitsarchitektur

Die Sicherheitsarchitektur des Atlantiks, deren Rückgrat die NATO bildet, hat sich von einem rein militärischen Bündnis zu einer Koordinationsplattform entwickelt, die auch Bereiche wie Technologie, Energiesicherheit und Lieferkettensicherheit umfasst. Diese Transformation erhöht die Fähigkeit des Bündnisses, über seine geografischen Grenzen hinaus Wirkung zu entfalten, vertieft jedoch zugleich die Blockbildung. Auf der politischen Koordinationsseite des atlantischen Systems stärkt die Europäische Union ihre normative Macht durch Sanktionsinstrumente und Regulierungspolitiken. Die von digitalen Marktregeln bis hin zur Energieversorgungssicherheit reichende Gesetzgebung beeinflusst nicht nur die Union selbst, sondern auch globale Akteure. Dadurch entsteht ein auf Recht und Wirtschaft gestützter geopolitischer Einflussraum. Gleichzeitig begrenzen langsame Entscheidungsprozesse und innenpolitische Fragilitäten den Anspruch strategischer Autonomie.

Eurasische Aufstiegsdynamiken und Chinas Seidenstraße

Auf der zweiten Hauptlinie des globalen Machtgleichgewichts stehen die eurasischen Aufstiegsdynamiken. China, das sein Gewicht innerhalb des Systems durch seine wirtschaftliche Größe und Produktionskapazität erhöht, baut über die Belt and Road Initiative mittels Infrastruktur-, Hafen-, Eisenbahn- und Energieinvestitionen ein transkontinentales Einflussnetz auf. Diese Initiative ist nicht nur ein wirtschaftliches Entwicklungsprojekt, sondern zugleich ein strategischer Einflussmechanismus, der über Handelsrouten, Kreditbeziehungen und logistische Abhängigkeiten wirkt. Das über die maritime Seidenstraße und Landkorridore geschaffene Netzwerk erzeugt vom Indopazifik bis ins Innere Europas das Gefühl einer geopolitischen Umklammerung.

Russlands revisionistische Strategie und die Rolle der Energie

In der militärischen und sicherheitspolitischen Dimension der eurasischen Achse sind die revisionistischen Reflexe Russlands prägend. Der Ansatz, das nähere Umfeld als Sicherheitsgürtel zu betrachten, wird über heiße Konfliktzonen und eingefrorene Konflikte abgesichert. Die Energiekarte ist dabei eines der wichtigsten Hebelmittel dieser Strategie. Erdgas- und Öllieferungen werden nicht nur ökonomisch, sondern auch als politisches Druckinstrument eingesetzt. Langfristige Sanktionsregime und finanzielle Restriktionen stellen jedoch die Nachhaltigkeit dieser Kapazität zunehmend infrage.

Die Ukraine als Epizentrum systemischer Auseinandersetzung

Die sichtbarste und intensivste Manifestation des Großmachtwettbewerbs ist der Krieg in der Ukraine. Dieser Konflikt zeigt, dass konventionelle militärische Stärke weiterhin entscheidend ist, belegt jedoch zugleich, dass unbemannte Systeme, Cyberangriffe, Satellitenaufklärung und Open-Source-Intelligence die Natur des Krieges grundlegend verändern. Energieversorgung, Getreidekorridore und Produktionslinien der Rüstungsindustrie sind zu zentralen Themen der Weltpolitik geworden. Der Krieg ist nicht nur ein bilateraler Konflikt, sondern Ausdruck einer systemischen Machtauseinandersetzung.

Regionale Brennpunkte: Nahost und Indopazifik

Ein weiteres zentrales Feld der globalen Gleichung ist der Nahe Osten. Als Knotenpunkt der Energiewege ist diese Region sowohl Wettbewerbsraum der Großmächte als auch Projektionsfläche regionaler Akteure. Der Iran versucht, seinen regionalen Einfluss durch Stellvertreterkräfte und asymmetrische Fähigkeiten auszuweiten, während ein golfzentrierter Block bemüht ist, Sicherheitsrisiken durch wirtschaftliche Modernisierungsprojekte auszubalancieren. Energiepreise, Seehandelsrouten und konfessionelle Bruchlinien nähren dabei die geopolitische Instabilität. Der Indopazifik gilt als das zentrale Wettbewerbsfeld der kommenden Jahrzehnte. Die Vereinigte Staaten verfolgen dort eine Balancepolitik über Militärallianzen und Sicherheitspartnerschaften, während regionale Akteure versuchen, ein sensibles Gleichgewicht zwischen wirtschaftlicher Abhängigkeit und Sicherheitsbedenken zu wahren. Halbleiterproduktion, seltene Erden und maritime Transportwege bilden die strategischen Kernbereiche dieses Wettbewerbs. Technologieembargos und Investitionsbeschränkungen zeigen, dass wirtschaftliche Globalisierung nicht unumkehrbar ist.

Handlungsspielräume mittlerer Mächte und strategische Autonomie

In diesem globalen Umfeld verengt sich der Handlungsspielraum mittlerer Mächte, eröffnet aber zugleich neue Chancen. Multilaterale Diplomatie, flexible Bündniskonstellationen und Bemühungen um eine stärkere Eigenständigkeit in der Rüstungsindustrie sind zentrale Instrumente auf dem Weg zu strategischer Autonomie. Staaten an den Schnittstellen von Energiekorridoren, mit wachsender Produktionskapazität und technologischen Fortschritten im Militärbereich versuchen, durch Balancepolitik zwischen den Großmächten Handlungsspielräume zu sichern. Eine solche Balancepolitik ist jedoch mit erheblichen Risiken verbunden. Einerseits steht ein Sicherheitsschirm, andererseits wirtschaftliche Abhängigkeit. Fragile Finanzmärkte, Auslandsverschuldung und Energieimportabhängigkeit begrenzen strategische Optionen. Daher gewinnt die langfristige Planungskapazität staatlicher Führung an entscheidender Bedeutung. Eigenständigkeit in der Verteidigungsindustrie bedeutet nicht nur militärische Unabhängigkeit, sondern auch Technologietransfer, hohe Wertschöpfung und Exporterlöse. Ebenso schafft eine diversifizierte Energieversorgung Resilienz gegenüber geopolitischem Druck.

Finanzsystem und Informationskrieg als unsichtbare Waffen

Ein weiterer zentraler Aspekt des globalen Machtkampfes ist das Finanzsystem. Der Status einer Reservewährung, die Fähigkeit zur Verhängung von Sanktionen und internationale Zahlungssysteme sind die unsichtbaren Waffen der Gegenwart. Bemühungen um alternative Zahlungsnetzwerke und Handel in lokalen Währungen zeigen, dass die bestehende Finanzordnung infrage gestellt wird. Deren Nachhaltigkeit hängt jedoch von Tiefe und Vertrauen ab. Globales Kapital sucht rechtliche Vorhersehbarkeit und institutionelle Stabilität; fehlen diese, steigen die Kosten. Informationskrieg und öffentliche Meinungsbildung sind integrale Bestandteile des neuen geopolitischen Zeitalters. Soziale Medien, Desinformationskampagnen und psychologische Operationen können die Innenpolitik von Staaten unmittelbar beeinflussen. Nationale Sicherheit beschränkt sich daher nicht mehr auf Grenzverteidigung, sondern umfasst auch gesellschaftlichen Zusammenhalt und institutionelles Vertrauen. Demokratische Systeme sind aufgrund ihrer Offenheit anfälliger für externe Einflussnahme, während geschlossene Systeme Stabilität über Informationskontrolle zu sichern versuchen.

Geopolitik der Energiewende

Auch die Energiewende wird die globalen Machtverhältnisse neu ordnen. Eine sinkende Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen verändert die Einnahmestruktur von Öl- und Gasexporteuren. Erneuerbare Energietechnologien, Batterieproduktion und eine Wasserstoffwirtschaft schaffen neue Wettbewerbsfelder. Dieser Wandel ist nicht nur ökologisch, sondern zugleich ein geopolitischer Umverteilungsprozess. Staaten mit kritischen Rohstoffen gewinnen an strategischer Bedeutung, während sich für Energieimporteure neue Chancen eröffnen.

Resilienz als Überlebensfaktor der neuen Ära

Insgesamt bewegt sich das internationale System in Richtung einer multipolaren Phase, doch bedeutet Multipolarität nicht automatisch Stabilität. Vielmehr nehmen Unsicherheit und Risiken in Übergangsphasen naturgemäß zu. Auch wenn Großmächte direkte Konfrontationen zu vermeiden suchen, setzen sie ihren Wettbewerb über Stellvertreterkriege, Wirtschaftssanktionen und hybride Operationen fort. Strategisches Denken muss daher strukturelle Resilienz über kurzfristige taktische Gewinne stellen. Staaten stehen vor drei grundlegenden Prüfungen: Erstens müssen sie wirtschaftliche Verwundbarkeiten reduzieren und ein nachhaltiges Wachstumsmodell aufbauen; zweitens die Abhängigkeit in Verteidigungs- und Technologiebereichen minimieren; drittens diplomatische Flexibilität bewahren und scharfe Blockkonfrontationen möglichst vermeiden. Gelingt dieses Gleichgewicht nicht, erzeugen außenpolitische Entscheidungen innenpolitische Kosten und schwächen die gesellschaftliche Zustimmung. Die neue geopolitische Gleichung weist auf eine Ära hin, in der nicht der Stärkste, sondern der Widerstandsfähigste überlebt. Resilienz beruht nicht allein auf militärischer Kapazität, sondern ebenso auf wirtschaftlicher Diversität, institutioneller Qualität, gesellschaftlichem Zusammenhalt und strategischer Weitsicht. In einem sich verschärfenden globalen Machtkampf werden jene Staaten Vorteile erlangen, die rational und multidimensional strategisch handeln können. Entscheidend ist nicht nur die Fähigkeit zum eigenen Zug, sondern auch die Fähigkeit, Züge anderer zu absorbieren. Strategische Vorausschau, Flexibilität und institutionelle Kontinuität sind die wertvollsten Machtmultiplikatoren der neuen Ära.  
Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.

 Zum Autor

Özgür Çelik studierte Politikwissenschaft, Soziologie und Philosophie an der Universität Duisburg-Essen. Seine Fachgebiete sind die deutsche Sicherheits- und Verteidigungspolitik, die Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei sowie zwischen der EU und der Türkei, türkische Politik, die türkische Migration und Diaspora in Deutschland.
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