ARD-DeutschlandTrend
AfD verbessert sich auf neuen Höchstwert
Türkei
Erdogan ernennt erstmals Frau als Marine-Chefin
Zum Thema
– Türkei – Erdogan ernennt erstmals Frau zur Zentralbankchefin
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat die ehemalige Wall-Street-Bankerin Hafize Gaye Erkan zur neuen Zentralbankchefin des Landes ernannt
Erdogan ernennt erstmals Frau zur Zentralbankchefin
Preisanalyse
Große Marktplätze in vier von fünf Fällen teurer
Preisunterschiede insgesamt eher marginal
Für Produkte, für die im Mai 2023 sowohl ein großer Marktplatz als auch ein anderer Onlineshop den Bestpreis boten, hat idealo außerdem die durchschnittliche Preisdifferenz zwischen beiden Angeboten ermittelt. Insgesamt kann die Preisvergleichsplattform hier keinen eindeutigen Trend ausmachen: Über alle Produktgruppen hinweg lag der Preisunterschied vom großen Player zum anderen Shop bei lediglich einem Prozent.
Auf einzelne Kategorien heruntergebrochen zeigen sich dennoch Tendenzen. Kosteten zum Beispiel Elektroartikel auf den großen Marktplätzen durchschnittlich sieben Prozent weniger als bei anderen Händlern, so konnten Verbraucher:innen im Drogeriebereich im Schnitt 13 Prozent sparen, wenn sie nicht bei Amazon, Ebay, Otto oder Kaufland kauften.
Florian Kriegel, Preisexperte bei idealo, rät dazu, grundsätzlich die Preise mehrerer Anbieter zu vergleichen: „Unsere Auswertung zeigt, dass in den meisten Fällen eben nicht die großen Marktplätze wie Amazon die günstigsten sind. In vier von fünf Fällen sind es andere Onlineshops, bei denen sich noch mehr sparen lässt,“ so Kriegel. „Bei idealo sehen Nutzer:innen auf einen Blick, wo das gewünschte Produkt am günstigsten ist – auch in Bezug auf Versand- und etwaige Rücksendekosten.“
[1] Als „große Marktplätze“ gelten in dieser Analyse Amazon, Ebay, Otto und Kaufland. Betrachtungszeitraum: Mai 2022 bis einschließlich Mai 2023.
Wirtschaft
Ratingagentur Fitch stuft USA herab
Die Staatsverschuldung der #USA ist enorm, immer wieder droht die Zahlungsunfähigkeit. Nun hat die Ratingagentur Fitch die Kreditwürdigkeit des Landes herabgestuft. Was das bedeutet, erklärt ZDF-Börsenexpertin Valerie Haller: pic.twitter.com/S4xqPWTTIv
— ZDFheute (@ZDFheute) August 2, 2023
Amenien
Chodschali-Massaker: Armenier muss sich für Völkermord verantworten
Die Tochter von Vagif Khachatryan ist sichtlich aufgelöst. In einem dramatischen Appell forderte Vera Khachatryan vor versammelter Medienschar die Vereinten Nationen vor dem UN-Büro in Eriwan auf, sich für die Freilassung des Vaters einzusetzen. „Das gesamten armenische Volk, von Arzach und Armenien, wird in Aserbaidschan festgehalten“, erklärte Vera Khachatryan weiter und forderte die Medien auf, die illegale Entführung ihres Vaters durch Aserbaidschan in die ganze Welt zu schreien.
Vagif Khachatryan, der 68-jährige Vater von Vera, wurde am 29. Juli von aserbaidschanischen Grenzschutzbeamten entlang des Lachin-Korridors festgenommen, als er versuchte, aus dem noch besetzten Gebiet Bergkarabach zur medizinischen Behandlung nach Armenien überführt zu werden.
Vagif Khachatryan ist in Aserbaidschan kein Unbekannter, wird er doch für die Massaker von Chodschali, insbesondere für Kriegsverbrechen in Meshali während des Ersten Bergkarabach Krieges mitverantwortlich gemacht. Das Massaker von Chodschali gilt als größter Einzelmassaker während des gesamten Bergkarabach-Konflikts.
Offensichtlich lebte der 68-jährige Vagif Khachatryan nach dem Ersten Bergkarabach Krieges unbehelligt im armenisch besetzten Bergkarabach, bis Aserbaidschan zwischen dem 27. September 2020 bis 10. November 2020, also rund 30 Jahre später, einen Befreiungsschlag startete und über zwei Drittel des besetzten aserbaidschanischen Gebietes von Armenien befreite. In dem noch armenischen De-facto-Staat in Bergkarabach namens Arzach, hielt sich Vagif Khachatryan bis zuletzt auf, abgeschnitten von Armenien und deren Hilfslieferungen für das international nicht anerkannte Gebiet.
Armenischen Medienberichten zufolge, wurde Khachatryan bei der Grenzkontrolle von aserbaidschanischen Sicherheitskräften festgenommen, als er versuchte mit einem Fahrzeug des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes (IKRK) durchzureisen und befindet sich offenbar in einem Krankenhaus in Baku.
Wie aus den Informationen der Generalstaatsanwaltschaft der Republik Aserbaidschan hervorgeht, wird Vagif Cherkezovich Khachatryan beschuldigt, u.a. am 22. Dezember 1991 im Rahmen einer Gruppe armenischer bewaffneter Formationen im Dorf Meshali (Meşəli) in der Region Chodschali ein Massaker an der aserbaidschanischen Bevölkerung verübt zu haben. Bei den Massenmorden wurden 25 Aserbaidschaner getötet, 14 verletzt und 358 weitere vertrieben.
Die Generalstaatsanwaltschaft in Baku leitete ein Strafverfahrens gegen Khachatryan wegen Beteiligung am Völkermord und Deportation bzw. Zwangsumsiedlung der Bevölkerung ein, wobei das Gericht vorbeugend Untersuchungshaft ordnete.
Bekannt ist die Region Chodschali seit 1991 vor allem für eine Offensive von armenischen Streitkräfte und einigen Truppen des 366. GUS-Regiments, die Anfang 1992 eine Offensive starteten und dabei fast die gesamte aserbaidschanische Bevölkerung der Enklave zur Flucht zwangen und auf ihrer Flucht skrupellose Gewalttaten gegen Zivilisten verübten. Die Zahl der Todesopfer wird von den aserbaidschanischen Behörden mit 613 Zivilisten angegeben, darunter 106 Frauen und 63 Kinder. Aserbaidschan bezeichnet das Massaker oft als Tragödie (aserbaidschanisch: Xocalı faciəsi) oder als Völkermord (Xocalı soyqırımı).
Zum Thema
– Hodschali-Massaker – Das Massaker von Chodschali: 31 Jahre Straflosigkeit
Vom 25. bis 26. Februar 1992 besetzten die armenischen Streitkräfte die Stadt Chodschali mit Hilfe von gepanzerten Fahrzeugen und Soldaten der russischen 366. motorisierten Schützenbrigade.
Das Massaker von Chodschali: 31 Jahre Straflosigkeit
Gastkommentar
Der Graue Wolf (Bozkurt) ist das Sinnbild des Türkentums
ein Gastkommentar von Teyfik Oezcan
Die Mythologie des Steppenwolfs ist eine Geschichte voller Heldentum und Geheimnisse. In der türkischen Mythologie spielt der Wolf meistens die Rolle des Retters der türkischen Nation. Der Mythologie zufolge erlitten die Türken in einer Schlacht eine schwere Niederlage. Bis auf einen 10-jähriger Jungen wurden alle Türken von den feindlichen Kämpfern getötet.
Sie ließen den Jungen am Leben, verwundeten ihn aber schwer und warfen ihn in einen Sumpf. Nach einer gewissen Zeit kommen die feindlichen Soldaten wieder in den Sumpf, um das Kind zu töten. Sie kamen aber zu spät. Ein Wolf rettete den Jungen, nahm ihn bei sich auf und versteckte ihn in einer Höhle, wo ihn niemand finden konnte. Der Wolf fütterte den Jungen und zog ihn auf. Gemäß der türkischen Mythologie stammen die Göktürken von diesem Kind ab.
Der Graue Wolf (Bozkurt) ist das Sinnbild des TürkentumsDies ist einer der Gründe, warum der Graue Wolf das Symbol der Türken wurde. Die Bedeutung dieses Symbols ist ferner, dass die Türken eine freiheitsliebende Nation sind und ihre Freiheit von der Vergangenheit bis zur Gegenwart nicht aufgeben konnten. Die Eigenschaften des Grauen Wolfes: – Graue Wölfe haben nur einen Anführer, und das Rudel gehorcht den Befehlen dieses Anführers. – Graue Wölfe jagen nur so viel, wie sie fressen können und sie jagen keine Jungtiere. – Graue Wölfe fressen nie Aas.
Er jagt seine eigene Beute. Es frisst auch kein Fleisch, das von anderen Tieren erlegt wurde. – Graue Wölfe sind eifersüchtig auf ihre Frauen. Ein grauer Wolf paart sich nie mit einem schwarzen Wolf. Er wählt in seinem Leben nur eine Frau. Er sucht keine andere Frau bis seine Frau stirbt. In der politischen und medialen Debatte in Deutschland wird das Symbol Grauer Wolf ausschließlich auf die Ideologien von politischen Parteien reduziert und die historischen sowie kulturellen Aspekte der Türken wissentlich ignoriert.
Diese eindimensionale sowie politisch motivierte Sichtweise geht aber an der gelebten Realität vorbei und versucht die positive Wahrnehmung auf die Wurzeln der Türken zu unterminieren. Niemand würde in Deutschland auf die Idee kommen den Bundesadler (ehem. Reichsadler) ausschließlich mit Rechtsextremismus gleichzusetzen, obwohl er in diesem Milieu weit verbreitet ist. Daher muss in unserer aufgeklärten und offenen Gesellschaft die historische Aufarbeitung im Vordergrund stehen und nicht politische sowie mediale Stigmatisierung des Grauen Wolfes.
Zum Thema
– Islamophobie – Mesut Özil: Islamfeindlichkeit und Antisemitismus mit Barmherzigkeit „entwaffnen“
Der deutsche Weltmeister von 2014 hat die Muslime aufgefordert, Islamophobie und Antisemitismus mit „Barmherzigkeit zu entwaffnen“.
Mesut Özil: Islamfeindlichkeit und Antisemitismus mit Barmherzigkeit „entwaffnen“
AfD-Parteitag
Björn Höcke: „Diese EU muss sterben, damit das wahre Europa leben kann“
Gastkommentar
Akbelen-Ikizköy-Wald: 2 Mio Bäume sollen angepflanzt werden
Es half alles nichts. Mit der endgültigen Entscheidung des Gerichts ist der Weg für die Abholzung von rund 740.000 Quadratmeter Wald südlich von Milas in der türkischen Ägäisprovinz Muğla frei. Am Freitag hat die Limak Holding begonnen, Teile des Waldgebiets abzuholzen. Umweltaktivisten wurden von der Gendarmerie davon abgehalten, in das Gebiet einzudringen und Arbeiter zu bedrängen oder zu verletzen, wie es schon einmal der Fall war.
Auf ein Wunder können die Umweltaktivisten kaum noch hoffen. Zwei Eilanträge gegen die Abholzung und den Kohleabbau sind aufgrund von zwei unabhängig erstellten Gutachten, die von jeweiligen Gerichten angefordert wurden, bereits gescheitert. Die Limak Holding, die als Mischkonzern den Kohleabbau vorantreiben will, hält die Entscheidung des letztinstanzlichen Gerichts für richtig. Niemand habe die Entscheidung, die Kohle zu beanspruchen, leicht getroffen. Aber um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, sei man weiterhin auf den Abbau von Kohle in dieser Region angewiesen.
Limak Holding ist ein Mischkonzern, der im Tourismussektor wie auch im Energiesektor tätig ist. In der Ägäisregion betreibt Limak Holding zwei Kohlekraftwerke, die zusammen 2,5 Prozent des Energieaufkommens der Türkei abdecken. Die Provinz Muğla ist ein Magnet für Tourismus. Jährlich strömen über 2.000.000 Touristen in die Region, vor allem die Halbinsel Bodrum ist ein beliebtes Reiseziel für In- wie Ausländer. Entsprechend hoch ist der Energiebedarf, vor allem zwischen März und Oktober.
Der Erhalt von natürlich gewachsenem Wald sollte oberstes Ziel bleiben – das ist richtig und wichtig. Solche Wälder sind ökologisch betrachtet unersetzbar. Mit diesem Argument wollten die Umweltaktivisten das Treiben in Akbelen-Ikizköy verhindern. Auf der anderen Seite weist Limak Holding darauf hin, dass der Wald zwar abgeholzt werde – rund 25.000 Bäume -, dafür aber in anderen Regionen der Provinz 2.000.000 Bäume wieder angepflanzt werden. Außerdem sei vom Staat vorgeschrieben worden, das Gebiet wieder aufzuforsten, nachdem der Abbau beendet worden ist.
Die Türkei steckt wie kein anderes Land in einem Dilemma. Um die Energiesicherheit zu gewährleisten, die Energiekosten für die Bürger zu senken, weil sie mit Devisen teuer Energie einkauft, muss sie ihre eigenen Energiequellen anzapfen oder in Atomenergie investieren. Wenn es nach Umweltaktivisten geht, ist keines davon eine Option. Entsprechend verhärtet sind die Fronten.
Die Türkei mutiert langsam und stetig von einem Schwellenland in eine Industrienation. Entsprechend steigt auch der Energiebedarf. Zwar setzt die Türkei vermehrt auf grünen Strom, will damit die Energiewende aus Eigeninteresse mit dem international vereinbarten Zwei-Grad-Ziel umsetzen, doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg.
So hat die Türkei ihre Gesamtleistung der Erneuerbaren vom Beginn ihres Ausbaus im Jahr 2009 bis 2021 um mehr als das Dreifache auf 50 GW (Gigawatt) erhöht, was einen Anteil von 46 Prozent ausmacht. Aber das geht ins Geld und so richtig anfreunden können sich Umweltaktivisten wie auch Bewohner betroffener Regionen mit künstlich aufgestauten Wasserkraftwerken, Solarpanelfeldern und Windräderparks auch nicht. Rund 16 Milliarden US-Dollar vereinnahmte allein die Energiewende bislang und das schlägt sich in den Energiekosten nieder.
Bis die Türkei sich sozusagen autark mit Energie selbst versorgen kann, werden noch weitere Milliarden fließen, während die Energiesicherheit im Auge behalten werden muss. Wie verletzlich die Türkei dahingehend ist, konnte man im Januar 2022 beobachten, als der Iran aus mutmaßlich technischen Gründen einen mehrtägigen Gas-Lieferstopp verhängte. Auch die Energielieferungen aus Russland hängen am seidenen Faden. Die Abhängigkeit von Energieimporten, die teuer eingekauft werden müssen, die Forderung der Bevölkerung nach günstigeren Energiepreisen und der stetig ansteigende Energiebedarf, treiben die Energiepolitik also vor sich her.
Deshalb setzt die Türkei vermehrt auf Atomkraft und die Erschließung von eigenen fossilen Brennstoffvorkommen. Das heißt, auch wenn die Türkei auf erneuerbare Energien setzt, ist sie aufgrund des zugleich ansteigenden Mehrbedarfs an Energie, auf die Nutzung von fossilen Brennstoffen angewiesen.
Die Kohle unter dem Wald von Akbelen-Ikizköy deckt auf Jahre den Bedarf. Sie lässt sich kaum einfach und günstig woanders besorgen, denn dazu ist der Bedarf ganz einfach zu groß. Rund 35 Prozent der Stromversorgung der Provinz werden von Kohleheizkraftwerken gedeckt. Die Tourismusregion, die Industrie und vor allem die Landwirtschaft mit ihren Hightech-Gewächshäusern, ist auf diese Energie angewiesen. Diese Energie kann anders nicht bereitgestellt werden, der Aufwand ist enorm.
Das heißt, entweder müssten die vorhandenen Kraftwerke ihren Kohlebedarf von anderen Abbaugebieten decken, was zu mehr Energiebedarf und Umweltverschmutzung führt, oder man müsste die Kohlekraftwerke herunterfahren, anderweitig mehr Strom produzieren, um so die Stromnetze zu stabilisieren und damit Stromausfälle zu vermeiden.Das wiederum würde bedeuten, dass andere Kraftwerke im Land länger am Netz bleiben, um ein kleines Stück Wald zu retten, das bereits an ein Kohleabbaurevier angrenzt.
Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar
Kommentar
Ist Özil mit dem Adler auf der Brust ein deutscher Nationalist?
Zum Thema
– Islamophobie – Mesut Özil: Islamfeindlichkeit und Antisemitismus mit Barmherzigkeit „entwaffnen“
Der deutsche Weltmeister von 2014 hat die Muslime aufgefordert, Islamophobie und Antisemitismus mit „Barmherzigkeit zu entwaffnen“.
Mesut Özil: Islamfeindlichkeit und Antisemitismus mit Barmherzigkeit „entwaffnen“
Gastkommentar
Der demokratische Antidemokrat Kemal Kılıçdaroğlu
ein Gastkommentar von Nabi Yücel
Der ehemalige türkische Präsidentschaftskandidat des Oppositionsbündnisses Kemal Kılıçdaroğlu will das Schiff noch heil am Hafen anlegen. Doch es droht Ungemach. Neuen Medienberichten zufolge ist der parteiinterne Zank noch größer als bisher angenommen. Partei hörige TV-Sender und Journalisten üben heftige Kritik am Kurs von Kemal Kılıçdaroğlu und fordern seine Abdankung vom Parteivorsitz der CHP.
Bei der Präsidentschaftswahl von 2014 konnte Kemal Kılıçdaroğlu nicht punkten. Beim Verfassungsreferendum in der Türkei im Jahre 2017 konnte der Oppositionschef trotz Schwarzmalerei die neue verfassungsrechtliche Stellung des Präsidenten nicht verhindern. Bei der vorgezogenen Wahl zur 27. Großen Nationalversammlung der Türkei dümpelte die CHP immer noch bei rund 22 Prozent und hätte auch mit einer Großen Koalition keine Regierungsmehrheit erreicht. Bei der Präsidentschaftswahl in der Türkei im Mai 2023 kratzte es zusammen mit 5 weiteren Parteien gerade mal die 48-Prozent-Marke an.
Nach der jüngsten Wahl erklärte Kemal Kılıçdaroğlu, dass „Schiff“ sicher am Hafen anlegen zu wollen. Gemeint ist damit die Kommunalwahl in der Türkei im März 2024. Offensichtlich will Kılıçdaroğlu nach 9 Wahlniederlagen noch seine Reputation wiederherstellen. Aber nehmen ihm das die Wähler noch ab? Vor allem, wie ist die Wahrnehmung im Parteiinneren und unterm Volk nach über 22 Jahren als Oppositionschef?
Jüngstes Beispiel: Kemal Kılıçdaroğlu trat nach der Kommunalwahl 2014 im Parlament vor seine Fraktionsmitglieder und monierte dabei den Verlust der Metropole Istanbul, um sodann den damals aussichtsreichsten CHP-Kandidaten Mustafa Sarıgül der Korruption zu bezichtigen. Nicht einmal alle Waschmaschinen dieser Welt könnten diesen Schandfleck beseitigen, so Kılıçdaroğlu. Offensichtlich war Sarıgül, der daraufhin die Partei wechselte, dann doch wieder von all der Schande befreit, als es um die Präsidentschaftswahl im Mai 2023 ging. Sarıgül wurde offenbar auch völlig rehabilitiert, um mit seiner 2022 gegründeten Partei TDP in der CHP aufzugehen.
Das und vieles mehr, merkt sich der Wähler, wie im Fall der Vertragskündigung der CHP mit dem oppositionsnahen TV-Sender HALK TV. Offenbar war der TV-Sender im Nachgang der verlorenen Präsidentschaftswahl der Linie des Oppositionschefs nicht gefolgt und übte mitunter heftige Kritik am Wahlausgang wie auch Führungsstil. Diese Woche kam dann die Quittung: Kündigung. Über soziale Medien, wie auch Zeitungen und Fernsehkanäle, wurde das ordentliche Kündigungsschreiben publik gemacht.
Nur um es mal klarzustellen: Bis zuletzt wiegelte man derartige kursierende Gerüchte ab, man hätte sich in einen Kanal eingekauft und bezahle für parteikonforme Berichte. Wieso dann jetzt diese Kehrtwende und diese Offenheit, wenn doch daran nichts Ungewöhnliches ist? Will man etwa den Wählern zu verstehen geben, dass die HALK TV nicht mehr sehenswert ist und weggezappt gehört?
Und dann die Abwahl vieler CHP-Parteivorsitzender in den Provinzen auf Anordnung des Oppositionschefs, weil sie „Veränderung“ gefordert hatten. Das Einzige, was sich veränderte war, dass sie ihre Posten loswurden, bis auf Ekrem İmamoğlu, dem Oberbürgermeister von Istanbul. Offensichtlich soll der „Sohn“ bis zur Kommunalwahl das Boot in der bevölkerungsreichsten Provinzhauptstadt schaukeln. Und das tut er mit zunehmender Zeit so gut, dass das Boot sogar kurz davorsteht, zu kentern. Denn, ausgerechnet İmamoğlu will um Biegen und Brechen eine „Veränderung“, um den Thron selbst zu besteigen und führt sich dabei auf wie ein ungelernter Matrose, der bei Sturm die Takelage falsch bedient.
Zuletzt machte Ekrem İmamoğlu in Zusammenhang mit Kemal Kılıçdaroğlu von sich reden, als er zusammen mit Parteigrößen wie Bülent Tezcan, Tekin Bingöl, Muharrem Erkek, Özgür Özel, Onursal Adıgüzel, Engin Altay oder Gökhan Günaydın eine ZOOM Online-Konferenz abhielt und Mitschnitte davon in die Öffentlichkeit gelangten; ohne das Wissen der Partei selbst. Selbstverständlich stieß das dem Oppositionschef sauer auf. Er und sein Parteisprecher Faik Öztrak sprachen von einer unanständigen, unethischen Handlung, womit die Kritik ziemlich auffällig flach ausfiel. İmamoğlu entgegnete, man habe nichts Heimliches besprochen, sondern, was könnte es sonst sein? „Veränderung“!
Dabei ist „Veränderung“ das Schlagwort! Was sich nicht verändert hat ist, dass die CHP seit mehr als 21 Jahren keine Parlamentswahl für sich entscheiden konnte. Weder mit noch ohne weitere Oppositionsparteien. Man dümpelte stets zwischen 22 und 48 Prozent. Und, es änderte sich auch nichts an der Wahlkampfpolitik! Stets reagierte man sich an der Regierungspartei bzw. Regierungskoalition ab. Wie schlimm es doch sei und wie schlimm es noch sein werde, wenn die amtierende Regierung bzw. Regierungskoalition an der Macht bleiben werde. 22 Jahre Schwarzmalerei haben sich in den Seelen der Wähler eingebrannt; dass ist das, was Kemal Kılıçdaroğlu während seiner Amtszeit als Oppositionschef verändern konnte. Das rächt sich nun!
Wenn bei jedem Wahlkampf die Islamisierung heraufbeschworen wird, während das Badeanzug immer mehr dem Bikini weicht, dann kann man diesem nichts mehr abgewinnen. Wenn bei jedem Wahlkampf der Entwicklungsfortschritt in der Automobilindustrie, Rüstungsindustrie oder Schwerindustrie kleingeredet oder gar die Existenz dessen in Abrede gestellt wird, dann schaut man als Wähler noch genauer hin und wird ernüchternd feststellen, dass dem doch nicht so ist. Und wenn man Terror oder Putschversuch anerkennt, aber nicht beim Namen nennen will und tunlichst vermeidet, darüber zu debattieren, dann verliert man nicht nur die unentschlossenen Wähler, sondern auch die eigenen Lager.
Diese Lager üben nun intern wie extern heftige Kritik am Führungsstil von Kemal Kılıçdaroğlu. Der steht zunehmend unter Druck und will das schaukelnde Boot in ruhige Gewässer lenken, in dem er die eine oder andere Entscheidung revidiert; darunter die Wiederernennung der entlassenen Provinz-Parteivorsitzenden oder den Willen zu bekunden, Veränderungen vorzunehmen. Seit Mai kann sich aber noch keiner so recht ausmalen, was man darunter verstehen kann, denn es gibt keine konkreten Angaben darüber, was das sein könnte.
Was jedoch stand jetzt bereits beschlossene Sache ist, dass der neu ernannte Medienverantwortliche der Partei, Eren Erdem, eine neue Medien-Richtlinie veröffentlichte, die sich wie ein Maulkorb für Parteimitglieder liest. Das heißt, ohne das Einverständnis der CHP-Parteispitze, kann sich kein Parteimitglied, ob Abgeordneter oder Kommunalpolitiker, in TV, Radio, Zeitung und sozialen Medien frei äußern, wenn es die Interessen der Partei verletzt. Diese Gummi-Richtlinie folgt dem Parteiausschlussverfahren gegen den Bürgermeister von Bolu, Tanju Özkan, der nach der Wahlniederlage frei und unmissverständlich den Abgang von Kemal Kılıçdaroğlu gefordert hatte. Nun ist Özkan kein CHP-Mitglied mehr.
Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.

