Berlin – Der Fall des im Oktober 2025 freigelassenen Rom Braslavski sorgt für eine internationale Debatte. In einem gemeinsamen Podcast mit Israels rechtsextremem Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir forderte der deutsch-israelische Staatsbürger, palästinensische Gefangene persönlich exekutieren zu dürfen.
Online wächst der Druck auf die Bundesregierung, die Braslavskis Einbürgerung im Zuge von Befreiungsbemühungen im Eilverfahren durchgesetzt hatte.
Der Fall der ehemaligen Geisel Rom Braslavski (22) droht für die deutsche Bundesregierung zu einer diplomatischen und innenpolitischen Belastungsprobe zu werden. In der ersten Folge seines neuen Video-Podcasts „October 8“ äußerte Braslavski extreme Gewaltphantasien gegenüber palästinensischen Häftlingen.
Die Aufzeichnung, in der auch Israels rechtsextremer Nationaler Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir zu Gast war, sorgt in den sozialen Netzwerken weltweit für massive Empörung und wirft scharfe Fragen an die deutsche Asyl- und Staatsbürgerschaftspolitik auf
.„Ich will keinen Strick, ich mache es mit meinen eigenen Händen“
Braslavski, der am 7. Oktober 2023 beim Nova-Musikfestival als Sicherheitsmann arbeitete (während er regulär als Logistik-Soldat im Heimaturlaub war), verbrachte 738 Tage in der Gefangenschaft des Palästinensischen Islamischen Dschihad (PIJ) im Gazastreifen. Nach seiner Freilassung im Oktober 2025 wandte er sich nun im Gespräch direkt an den umstrittenen Minister Ben-Gvir.
Sollte Israel die Todesstrafe für palästinensische Gefangene einführen, wolle Braslavski der Henker sein. „Lassen Sie mich derjenige sein, der sie aufhängt“, forderte Braslavski im Podcast. „Ich will keinen Strick… Mit meinen eigenen Händen werde ich jeden Terroristen im Staat Israel hinrichten.“ Anstatt die Gewaltphantasien zu bremsen, reagierte Ben-Gvir begeistert.
Er versprach, „Himmel und Hölle in Bewegung zu setzen“, um Braslavski diesen Wunsch zu erfüllen, und fügte hinzu, dass die öffentliche Hinrichtung palästinensischer Gefangener durch ehemalige Geiseln einer seiner „größten Träume“ sei. In derselben Podcast-Folge nutzte Ben-Gvir die Plattform zudem, um tägliche Luftangriffe und die gezielte Tötung von „30 bis 40 Palästinensern pro Nacht“ im Gazastreifen zu fordern.
Kritik an deutscher Staatsbürgerschafts-Politik flammt auf
Das Video löste im Internet eine Welle der Verurteilung aus, die sich insbesondere gegen die Bundesrepublik Deutschland richtet. Das Auswärtige Amt hatte im Rahmen diplomatischer Bemühungen zur Freilassung von Geiseln mit deutschen Vorfahren Braslavskis Einbürgerung massiv beschleunigt und ihm im Eilverfahren einen deutschen Pass ausgestellt.
Kritiker werfen der Bundesregierung nun in Tausenden Beiträgen eine eklatante Doppelmoral vor. Erst kürzlich hatte Deutschland seine Gesetze verschärft, um Personen, die online israelkritische Äußerungen tätigen, die Einbürgerung konsequent zu verweigern oder den Pass zu entziehen.
Dass nun ein frischgebackener deutscher Staatsbürger im israelischen Rundfunk offen zur eigenhändigen, illegalen Tötung von Gefangenen aufruft, ohne dass Berlin Konsequenzen zieht, wird in den sozialen Medien scharf verurteilt.
Trauma contra Rechtsstaatlichkeit
Unterstützer Braslavskis halten der Kritik entgegen, dass seine Äußerungen vor dem Hintergrund schwerster psychischer Traumata betrachtet werden müssen. Braslavski hatte nach seiner Freilassung öffentlich über schwerste Misshandlungen, systematischen Hunger und sexuelle Folter während seiner zweijährigen Tunnel-Haft berichtet. Er gab an, täglich unter schweren Panikattacken und unerträglichen Flashbacks zu leiden.
Dennoch bleibt die mediale Dimension für Berlin brisant: Der Fall Braslavski zeigt exemplarisch, wie die Vergabe von Pässen aus außenpolitischen Nützlichkeitserwägungen im Nachgang mit den strengen, moralischen Maßstäben kollidiert, die das deutsche Innenministerium im Inland anlegt. Eine offizielle Stellungnahme der Bundesregierung zu den Aussagen ihres Staatsbürgers steht bislang aus.
The German media recently went crazy over an interview where Ben-Gvir claimed many more people should die daily in Gaza. The interview was hosted by former Gaza hostage Rom Braslavski, who also asked Ben-Gvir for permission to personally execute Hamas prisoners under the proposed… pic.twitter.com/SIuNfBNTsO
— Nimrod Flaschenberg (@Nimrod_Flash) September 1, 2026
AUCH INTERESSANT
– Israel –
Ben-Gvir über inhaftierte Palästinenser: „Sie pinkeln sich vor Angst in die Hosen“
Der rechtsextreme israelische Minister für nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, hat mit neuen, drastischen Äußerungen über den Umgang mit palästinensischen Häftlingen für erhebliche internationale Empörung gesorgt.
Ben-Gvir über inhaftierte Palästinenser: „Sie pinkeln sich vor Angst in die Hosen“

