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Israel: Fake-Thinktank soll KI-Chatbots beeinflussen

Guardian-Recherche: Wie ein fiktiver US-Thinktank KI-Chatbots mit pro-israelischen Narrativen füttern und Trainingsdaten beeinflussen sollte.

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Tel Aviv – Die Methode der KI-Beeinflussung: Wie ein fiktives Institut den Diskurs steuern sollte

Eine mutmaßlich von der israelischen Regierung finanzierte Einflussoperation soll versucht haben, künstliche Intelligenz gezielt im Sinne der israelischen Position zu konditionieren. Wie eine detaillierte Analyse der britischen Tageszeitung The Guardian zeigt, stehe im Zentrum dieser Aktion eine Website, die sich als Thinktank namens „Hanover Institute for Public Policy“ ausgibt.

Eine juristische Person dieses Namens existiere jedoch nach bisherigen Erkenntnissen in keiner bekannten Gerichtsbarkeit. Die Plattform besitze weder eine physische Adresse noch namentlich genannte Mitarbeiter oder Autoren. Selbst in den eigenen Nutzungsbedingungen werde der Staat, dessen Recht angeblich gelte, nicht namentlich genannt.

Innerhalb von lediglich neun Tagen – zwischen dem 6. und 14. August – habe die Website 124 Berichte mit einem Gesamtumfang von mehr als 560.000 Wörtern veröffentlicht. Dies entspreche einem Schnitt von rund 4.500 Wörtern pro Bericht.

Allein am 12. und 13. August seien 73 Berichte mit fast 354.000 Wörtern publiziert worden. Nach den ersten Enthüllungen über die Existenz des Instituts seien die Veröffentlichungen mendelnd eingestellt worden.

Das Ziel der Plattform sei es laut dem Guardian gewesen, kommerzielle KI-Chatbots wie ChatGPT, Perplexity, Claude oder Gemini dazu zu bringen, bei Nutzeranfragen die Positionen Israels zu zitieren und zu übernehmen.

Behandelt würden darin hochsensible Themen wie der Vorwurf von Kriegsverbrechen, die mutmaßliche Folterung palästinensischer Gefangener sowie die Frage einer gezielten Aushungerung im Gaza-Streifen – stets getarnt als neutrale, wissenschaftliche Forschung.

Registrierungsunterlagen beim US-Justizministerium im Rahmen des Foreign Agents Registration Act (FARA) belegten, dass die New Yorker Medienagentur Piro Inc die Plattform als Material angemeldet habe, das im Auftrag der israelischen Regierung verbreitet werde. Nach den ersten Medienberichten habe die Website zudem eine Förderseite ergänzt, auf der eingeräumt wurde, dass frühere Angaben über eine fehlende externe Finanzierung veraltet seien.

Akademische Tarnung und rhetorische Muster

Die Berichte auf der Website folgten einem quasi-akademischen Aufbau und seien akribisch mit Quellenangaben versehen, darunter Verweise auf die Weltbank, UN-Organisationen, das palästinensische Statistikamt, Amnesty International sowie den Text der Völkermordkonvention.

Fast alle Überschriften begännen mit einer Frage, wie sie Typischerweise von Nutzern in eine KI-Suchmaske eingegeben werden könnte – etwa „Ist Antizionismus Antisemitismus?“, „Hat Israel Palästinenser von ihrem Land vertrieben?“ oder „Begeht Israel einen Völkermord in Gaza?“.

Nick Cleveland-Stout, ein Forscher vom Quincy Institute, der die Plattform analysiert hat, erklärte gegenüber dem Guardian, dass die Website auf den ersten Blick durch ihr Design und die Logos sehr professionell und wissenschaftlich wirke. Bei genauerem Hinsehen werde jedoch deutlich, dass viele Inhalte rhetorisch so konstruiert seien, um Kritik an Israel systematisch abzuschwächen.

Wo Menschenrechtsorganisationen zu dem Schluss kämen, dass Israel Völkermord oder Apartheid begehe, merkten die Berichte verlässlich an, dass bisher kein Gericht ein entsprechendes Urteil gefällt habe – eine Formulierung, die der Guardian in 20 der 124 Berichte zählte. Opfer- und Hilfszahlen würden regelmäßig einer „Partei des Geschehens“ zugeschrieben, um sowohl israelische als auch palästinensische Angaben relativiert darzustellen. Der Leser werde mit dem Eindruck zurückgelassen, dass sich kaum verlässliche Fakten über die Lage in Gaza feststellen ließen.

Darüber hinaus werde eine bestimmte Studie aus dem Jahr 2022 über antisemitische Kommentare auf den Facebook-Seiten europäischer Medien in 88 der 124 Berichte insgesamt 454-mal zitiert – oft in Artikeln über völlig themenfremde Bereiche wie Landregistrierungen in den besetzten Gebieten oder die Blockade Gazas. Die kumulative Wirkung bestehe laut Cleveland-Stout darin, jede Debatte mit dem Hinweis zu beenden, dass die Diskussion selbst zu Antisemitismus beitragen könne.

Die Technik dahinter: „Generative Engine Optimization“ und Trainingsdaten

Wie die Analyse des Guardian weiter offenlegte, habe die Website anfangs eine spezielle Steuerdatei (llms.txt) genutzt, die KI-Systemen mitteilt, wie Inhalte zu lesen sind. Diese Datei stammte ursprünglich von „Res“, einer Plattform für sogenannte Generative Engine Optimization, die Unternehmen dabei hilft, von KI-Chatbots zitiert zu werden.

Später sei diese Datei durch eine maßgeschneiderte Version ersetzt worden. Der Gründer von Res, Hai Tran, habe sich im Juli beim US-Justizministerium als Subunternehmer von Piro für das israelische Konto registrieren lassen.

Piro selbst werbe auf seiner Website mit einem Dienst namens AI Story Optimization, der Inhalte gezielt darauf ausrichte, von KI-Sprachmodellen als glaubwürdig eingestuft zu werden.

Laut Cleveland-Stout liege die eigentliche Gefahr jedoch nicht darin, dass menschliche Nutzer die Website direkt besuchen, sondern in der langfristigen Einspeisung der Daten. Es gebe zwei Wege: Einerseits das Hoffen darauf, dass Live-Chatbots die Seiten verlinken.

Der potenziell wirksamere Weg sei jedoch, das Material in große Datenarchive wie den Common Crawl zu schleusen, die als Grundlage für das Training künftiger KI-Modelle dienen. Wenn ein Chatbot später auf diese erlernten Narrative zurückgreife, geschehe dies oft ohne Quellenangabe, was ein Faktenchecken für den Nutzer unmöglich mache.

Andere Netzwerke hätten diesen Weg bereits genommen: Seiten der Firma Clock Tower X, die vom ehemaligen Trump-Kampagnenmanager Brad Parscale geführt werde, seien im Common Crawl-Index vom Juli 2025 bereits knapp 300-mal aufgetaucht. Das Hanover Institute stehe erst am Anfang dieser Datenpipeline.

Die Finanzkette: Das Millionen-Netzwerk hinter der Kampagne

Während Piro laut FARA-Unterlagen für zwei Arbeitsaufträge rund eine Million US-Dollar erhalte, sei diese Summe nur ein kleiner Teil einer weit größeren Kampagne. Sowohl Piro als auch Clock Tower X agierten als Subunternehmer der Havas Media Germany GmbH aus Frankfurt, die wiederum über eine spanische Tochtergesellschaft zum Konzern Havas NV gehöre.

Havas werde in den US-Transparenzregistern als Zwischenhändler für mehrere amerikanische Firmen genannt. Allein an Clock Tower X seien zwischen Oktober 2025 und März 2026 knapp 15 Millionen Dollar geflossen, an eine weitere Firma namens Targeted Communications Global fast 10 Millionen Dollar.

Kurz nach den ersten Zahlungen habe die US-Tochter von Havas ihre Registrierung als ausländischer Agent beendet, da die deutsche Schwestergesellschaft die US-Auftragnehmer fortan direkt bezahlte. Dadurch sei die Gesamtkampagne in den öffentlichen US-Registern nicht mehr auf einen Blick, sondern nur noch zerstückelt über die Einzelverträge sichtbar gewesen.

In Israel zeigen Beschaffungsunterlagen, dass die staatliche Werbeagentur LaPam der Agentur Havas in der Vergangenheit Großaufträge ohne öffentliche Ausschreibung erteilt habe – darunter allein im März 2023 Verträge über mehr als 58 Millionen Dollar für den Medienkauf im Ausland.

Zweifel am Erfolg und gesellschaftliche Realität

Trotz der enormen Budgets gebe es in Israel selbst erhebliche Zweifel am Nutzen dieser Hasbara-Kampagnen. Wie der Guardian unter Berufung auf israelische Medienberichte vermeldet, hätten Insider die Bemühungen als gescheitert bezeichnet. Ein ehemaliger hochrangiger Diplomat sprach sogar von einem „schrecklichen Reinfall“.

Der israelische Außenminister Gideon Sa’ar habe beträchtliche Summen für die internationale Öffentlichkeitsarbeit bereitgestellt, doch Gallup- und Pew-Umfragen in den USA zeigten, dass die Sympathiewerte für Israel auf einem historischen Tiefstand angekommen seien. Zum ersten Mal sympathisierten mehr Amerikaner mit den Palästinensern als mit Israel, und ein großer Teil der Befragten betrachte das militärische Vorgehen in Gaza kritisch.

Experten wie Cleveland-Stout betonten gegenüber dem Guardian, dass eine Marketing-Kampagne ein fundamentales politisches Problem nicht lösen könne. Er zitierte den verstorbenen israelischen Politiker Yossi Sarid, der einst scherzte, Hasbara sei immer die Zuflucht aller Gescheiterten. Die Kampagne beeinflusse zwar erfolgreich Chatbots, verändere aber nicht die öffentliche Meinung.

Das israelische Außenministerium wies die Vorwürfe von unzulässigen Einflussoperationen zurück und betonte, man halte sich strikt an die US-Gesetze. Auch Piro-Mitbegründer Daniel Rosenberg erklärte, seine Firma sei lediglich beauftragt worden, verifizierbare Fakten in die öffentliche Debatte einzubringen und Falschinformationen über Israel entgegenzuwirken.

 


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Bericht: Israel beeinflusst KI-Systeme mit Millionen-Kampagne

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