Rechtsextremismus
NSU: 25 Jahre nach dem Mord an Habil Kılıç

Am 29. August 2001 wurde Habil Kılıç in München erschossen. Er war 38 Jahre alt. Heute, 25 Jahre später, erinnert sein Tod an eine der dunkelsten Seiten der deutschen Nachkriegsgeschichte

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Von Kemal Bölge

Am 29. August 2001 wurde Habil Kılıç in München erschossen. Er war 38 Jahre alt. Heute, 25 Jahre später, erinnert sein Tod an eine der dunkelsten Seiten der deutschen Nachkriegsgeschichte: den jahrelang nicht erkannten rechtsextremen Terror des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU).

Habil Kılıç lebte mit seiner Familie in München und betrieb einen Obst- und Gemüseladen. Er war Ehemann und Vater. Am Morgen des 29. August 2001 betraten die NSU-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt sein Geschäft in der Bad-Schachener-Straße. Sie schossen auf Kılıç und flohen. Er starb noch am Tatort.

Was folgte, war nicht nur die Suche nach den Tätern. Es war auch ein jahrelanger Umgang mit den Opfern, ihren Familien und ihrem Umfeld, der heute kritisch hinterfragt werden muss. Wie bei anderen Morden der später als NSU-Mordserie bekannt gewordenen Taten konzentrierten sich die Ermittlungen lange auf das Umfeld der Opfer. Rassistische und rechtsextreme Motive wurden nicht ausreichend in Betracht gezogen.

Erst im November 2011 wurde nach dem Auffliegen des NSU das Ausmaß des Terrors sichtbar. Neun Menschen mit familiärer Einwanderungsgeschichte und die Polizistin Michèle Kiesewetter waren zwischen 2000 und 2007 ermordet worden. Habil Kılıç war das siebte Opfer der Mordserie.

Die Geschichte des NSU ist deshalb nicht allein eine Geschichte von drei Rechtsextremisten, die jahrelang mordeten. Sie ist auch eine Geschichte des institutionellen Versagens. Sicherheitsbehörden verfügten über Hinweise auf die rechtsextreme Szene, doch die Morde wurden über Jahre nicht als zusammenhängende rassistische Anschläge erkannt. Untersuchungsausschüsse des Bundes und der Länder haben zahlreiche Fehler und Versäumnisse der Sicherheitsbehörden dokumentiert.

Für die Angehörigen von Habil Kılıç bedeutete diese Zeit mehr als nur eine falsche Ermittlungsspur. Sie mussten erleben, dass der Mord an ihrem Familienmitglied jahrelang nicht als das benannt wurde, was er war: ein rassistischer Mord.
Auch 25 Jahre später bleibt deshalb eine Frage bestehen: Was hat sich seit dem Auffliegen des NSU tatsächlich verändert?

Erinnerung darf sich nicht darauf beschränken, einmal im Jahr die Namen der Opfer zu nennen. Sie muss auch die Umstände benennen, unter denen diese Menschen ermordet wurden – und die Fehler, die dazu beitrugen, dass ihre Angehörigen jahrelang auf Aufklärung warten mussten.

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