Robert Pape
US-Analyst warnt: „Israel produziert mehr Radikale als es tötet“

US-Sicherheitsexperte Robert Pape: Israels Strategie produziert mehr Radikale als sie tötet — und treibt den Iran zur vierten Weltmacht auf.

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Chicago – Robert Pape, Professor für Politikwissenschaft an der Universität Chicago und einer der weltweit führenden Sicherheitsexperten, der seit 2001 jedes Weiße Haus in Fragen der Militärstrategie beraten hat, stellt Israels Kriegsstrategie grundlegend in Frage.

Gegenüber Channel 4 erklärte Pape, Israels Feldzüge gegen die Hamas und den Iran hätten „mehr Radikale produziert als getötet.“ Eine Aussage, die er in zahlreichen Interviews und Analysen der vergangenen Monate untermauert hat.

„Israels Strategie macht den Feind stärker“

In einem Artikel für Foreign Affairs vom Juni 2024 mit dem Titel „Why Israel’s Failing Strategy Makes Its Enemy Stronger“ legte Pape seine These ausführlich dar: Kollektive Bestrafung — also die Bombardierung ziviler Infrastruktur und die Tötung von Zivilisten — erzeuge Nationalismus und Radikalisierung, anstatt den Feind zu schwächen.

„Der Bombenangriff selbst infundiert Nationalismus im Regime und in der gesamten Gesellschaft“, sagte Pape gegenüber TIME Magazine.

„Und dieser Nationalismus, wie er in die Politik einfließt, radikalisiert und macht das Regime und die Gesellschaft kohärenter gegen den ausländischen Angreifer — williger, Risiken einzugehen, williger, Kosten zu akzeptieren, nicht nachzugeben.“

Die Eskalationsfalle

Pape warnt vor dem was er die „Eskalationsfalle“ nennt — eine Dynamik bei der taktische Erfolge strategische Niederlagen verschleiern. „Taktischer Erfolg ist nicht dasselbe wie strategische Eindämmung“, schreibt er. Präzisionsbomben seien nahezu 100 Prozent taktisch erfolgreich — aber das eigentliche Ziel sei nicht, Gebäude zu zerstören oder Einzelpersonen zu töten.

„Das Ziel ist eine Veränderung der Politik der feindlichen Regierung. Doch selbst bei 100 Prozent taktischem Erfolg bewegt sich die Politik fast immer in die entgegengesetzte Richtung.“

Gegenüber Democracy Now erklärte Pape: „Iran ist weit stärker als noch vor 40 Tagen. Es kontrolliert 20 Prozent des weltweiten Öls. Es ist jetzt ein aufstrebendes viertes Machtzentrum.“ Der Krieg, so Pape, habe genau das Gegenteil von dem erreicht, was beabsichtigt war.

Geschichte als brutale Lehrmeisterin

Pape zieht eine historische Parallele: Im Ersten Golfkrieg 1991 führten die USA eine 39-tägige Luftkampagne gegen den Irak — und scheiterten trotzdem daran, Saddam Hussein zu stürzen. „Selbst mit unserer Armee auf der anderen Seite der Grenze in Kuwait konnte die Kavallerie nicht rechtzeitig eingreifen“, sagte er gegenüber TIME.

Für über ein Jahrhundert, so Pape, hätten Staaten versucht, Regime durch Luftmacht allein zu stürzen — die USA, europäische Staaten, Russland und Israel. Der Ausgang sei stets der gleiche: Entweder eine leicht modifizierte Version des bestehenden Regimes, oder ein deutlich radikaleres. „Beide sind schlechte Ergebnisse.“

(Foto: Wikipedia)

Das ikonische Bild und seine Botschaft

Das Foto von Faris Odeh — dem 14-jährigen palästinensischen Jungen, der im Oktober 2000 allein mit einem Stein einem israelischen Panzer gegenüberstand — wurde kurz nach seiner Entstehung zum Symbol einer Generation. Wenige Tage nach der Aufnahme wurde Odeh von israelischen Soldaten erschossen.

Papes These legt nahe: Aus den Kindern der 1980er, 1990er und 2000er Jahre — jene die Panzer, Bomben und den Verlust ihrer Familien erlebten — sind jene geworden, gegen die Israel heute kämpft. Und aus den Kindern von heute werden jene von morgen.

„Kollektive Bestrafung wird die Hamas nicht besiegen“, schrieb Pape bereits im Dezember 2023 in Foreign Affairs. Die Geschichte gebe ihm recht — und Israels Strategie widerspreche ihr auf jeder Seite.

 


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