Start Politik Ausland Hormus-Krise Iran: Straße von Hormus ist nicht gesperrt

Hormus-Krise
Iran: Straße von Hormus ist nicht gesperrt

Außenminister Araghchi bezeichnet die Straße von Hormus als offen. Donald Trump droht mit der Zerstörung iranischer Kraftwerke bei anhaltender Sperrung.

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Teheran – Der iranische Außenminister Abbas Araghchi wies Vorwürfe einer Blockade der Straße von Hormus zurück. Während Teheran betont, die Meerenge sei passierbar, sorgen sich internationale Reedereien und Versicherer aufgrund der US-israelischen Offensive und massiver Drohungen aus Washington um die Sicherheit der Schifffahrt.

In einer Stellungnahme auf der Plattform X erklärte Araghchi, dass nicht der Iran, sondern der von den USA und Israel initiierte Konflikt die Schifffahrt lähme.

„Die Straße von Hormus ist nicht geschlossen. Schiffe zögern, weil Versicherer den von euch gewählten Krieg fürchten – nicht den Iran“, so Araghchi. Er fügte hinzu, dass Freiheit der Schifffahrt nicht ohne Freiheit des Handels existieren könne: „Respektiert beides – oder erwartet keines von beidem.“

Warnung an „Aggressoren“ und rechtliche Konsequenzen

Das iranische Außenministerium präzisierte in einer ergänzenden Erklärung, dass die Durchfahrt zwar nicht blockiert sei, Schiffe der „Aggressor-Parteien“ jedoch nicht als normale oder friedliche Durchfahrt betrachtet würden. Mit diesen werde man im Rahmen der rechtlichen Bestimmungen des Konflikts sowie durch Maßnahmen der zuständigen iranischen Behörden verfahren.

Tatsächlich ist der zivile Schiffsverkehr seit Anfang März weitgehend zum Erliegen gekommen. Die Straße von Hormus ist die weltweit wichtigste Schlagader für den Öltransport, über die täglich etwa 20 Millionen Barrel Öl und rund 20 % des globalen Handels mit Flüssigerdgas (LNG) abgewickelt werden.

Die faktische Stilllegung hat die Transport- und Versicherungskosten in die Höhe getrieben und weltweit wirtschaftliche Sorgen ausgelöst.

Trump droht mit Zerstörung von Kraftwerken

Die Spannungen erreichten am Samstag einen neuen Höhepunkt, als US-Präsident Donald Trump ein 48-Stunden-Ultimatum stellte. Auf Truth Social drohte Trump damit, die iranischen Kraftwerke – beginnend mit dem größten – „auszulöschen“, sollte der Iran die strategische Passage nicht umgehend und ohne Drohungen vollständig öffnen. Araghchi entgegnete am Sonntag, dass sich weder Versicherer noch Iraner von weiteren Drohungen beeinflussen ließen.

Die Feindseligkeiten in der Region waren eskaliert, nachdem die USA und Israel am 28. Februar Überraschungsangriffe auf den Iran gestartet hatten. Teheran reagierte darauf mit Drohnen- und Raketenschlägen gegen Israel sowie gegen Golfstaaten, die US-Militäreinrichtungen beherbergen.

Angriffe auf Energieinfrastruktur und regionale Instabilität

In der vergangenen Woche verschärfte sich die Lage weiter, als Israel Teile des iranischen South-Pars-Gasfeldes angriff und schwere Schäden an der kritischen Energieinfrastruktur verursachte. Als Reaktion darauf attackierte der Iran Energiefelder in Katar, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten, was die regionale Instabilität und die weltweiten Gaspreise weiter anheizte.

Zusätzlich zur militärischen Konfrontation hat der Iran Berichten zufolge Minen in der Straße von Hormus gelegt und gedroht, jedes Schiff abzuschießen, das ohne ausdrückliche Genehmigung die Durchfahrt versucht.

Japan bemüht sich um Sondergenehmigung

Angesichts der Krise bemüht sich Japan um einen diplomatischen Sonderweg. Der japanische Außenminister Toshimitsu Motegi führte seit Beginn der Angriffe zwei direkte Gespräche mit Araghchi, um die Passage für ein japanisches Ölschiff zu erwirken. Japan ist zu über 90 % auf Ölimporte aus dem Nahen Osten angewiesen.

Die japanische Premierministerin Sanae Takaichi traf sich letzte Woche mit Trump im Weißen Haus und bezeichnete das Sicherheitsumfeld als „schwerwiegend“ und den Krieg als „schweren Schlag“ für die Weltwirtschaft. Während Takaichi ihre Hoffnung auf eine Friedenslösung durch den US-Präsidenten ausdrückte, forderte Trump Japan auf, die eigene Reaktion auf den Krieg zu verstärken („step up“).

Er betonte, dass die USA zwar von niemandem etwas bräuchten, es aber angemessen sei, wenn sich die Verbündeten angesichts der Schließung der Straße von Hormus stärker engagierten.