„Nato 2030“
NATO-Gipfel: USA und Türkei treffen sich zu ersten Gesprächen unter Biden

Der türkische Außenminister Mevlut Cavusoglu wird während des NATO-Gipfels am Dienstag und Mittwoch sein erstes persönliches Treffen mit US-Außenminister Antony Blinken abhalten, um bilaterale Themen zu besprechen und sich über die in Kürze in Istanbul beginnenden Friedensverhandlungen für Afghanistan auszutauschen.

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Washington – Der türkische Außenminister Mevlut Cavusoglu wird während des NATO-Gipfels am Dienstag und Mittwoch sein erstes persönliches Treffen mit US-Außenminister Antony Blinken abhalten, um bilaterale Themen zu besprechen und sich über die in Kürze in Istanbul beginnenden Friedensverhandlungen für Afghanistan auszutauschen.

Wie das US-Nachrichtenportal Al-Monitor weiter berichtet, werde erwartet, dass Blinken separate Treffen mit Cavusoglu und dem griechischen Außenminister Nikos Dendias abhalten wird. Dies wird das erste persönliche Treffen zwischen Blinken und seinem türkischen Amtskollegen sein und der erste hochrangige offizielle  Kontakt zwischen den beiden NATO-Verbündeten.

Die Beziehungen zwischen den beiden NATO-Verbündeten sind wegen einer Vielzahl von Themen angespannt. Im Dezember sanktionierten die Vereinigten Staaten die Türkei für den Kauf russischer S-400-Verteidigungssysteme, während Ankara durch die US-Unterstützung für die kurdische YPG-Miliz in Syrien, die es als terroristische Organisation betrachtet, verärgert ist.

Beide Länder haben in letzter Zeit jedoch die Bereitschaft zur Wiederannäherung signalisiert. Biden werde künftig die „strategische Partnerschaft“ mit der Türkei zur Lösung regionaler Probleme wie in Libyen, wo beide Länder den Einfluss Russlands eindämmen wollen, weiterhin ehren, so eine namentlich nicht genannte Quelle gegenüber Middle East Eye. Viele in Ankara haben auch das Angebot der US-Regierung, der türkischen Führung eine Vermittlerrolle bei den Afghanistan-Verhandlungen zu geben, als Teil dieser Strategie interpretiert.

Erdogan möchte Beziehungen mit den USA stärken

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan betonte bereits im Februar, dass er die Beziehungen zu den USA „stärken“ wolle. Die gemeinsamen Interessen der Türkei und der Vereinigten Staaten überwiegen ihre Differenzen und Ankara will eine verbesserte Zusammenarbeit mit Washington, sagte Erdogan in einem versöhnlichen Ton.

„Wir glauben, dass unsere gemeinsamen Interessen mit den Vereinigten Staaten unsere Meinungsunterschiede bei weitem überwiegen“, sagte Erdogan und fügte hinzu, dass Ankara die Zusammenarbeit durch „eine langfristige Perspektive auf einer Win-Win-Basis“ stärken wolle.

„Die Türkei wird weiterhin ihren Teil in einer Weise tun, die der verbündeten und strategischen Partnerschaft zwischen den beiden Ländern würdig ist“, sagte er und fügte hinzu, dass die türkisch-amerikanischen Beziehungen in letzter Zeit „ernsthaft auf die Probe gestellt“ worden seien.  

NATO-Gipfel in Brüssel

Erstmals seit Ende 2019 werden die Außenminister des Bündnisses am Mittwoch in Brüssel wieder persönlich zusammenkommen und über die Lage in Afghanistan beraten. US-Außenminister Antony Blinken kommt aus diesem Anlass erstmals nach Brüssel. Am Dienstag beraten die Außenminister neben den Einsätzen in Afghanistan und im Irak auch über die Ausrichtung der Allianz in den nächsten zehn Jahren.

NATO-Chef Jens Stoltenberg erläuterte, dass sich nun die Gelegenheit biete, ein neues Kapitel in den transatlantischen Beziehungen aufzuschlagen, und dass sich die Minister über die Initiative NATO 2030 zur Anpassung des Bündnisses austauschen werden.  „Wir müssen mutig und ehrgeizig sein, um ein stärkeres Bündnis für die Zukunft aufzubauen. Denn wir leben in einer gefährlicheren und wettbewerbsintensiveren Welt, in der die Herausforderungen keine Grenzen kennen“ sagte Stoltenberg bei einer Pressekonferenz am Montag.

Der NATO-Chef nannte „destabilisierenden Aktivitäten Russlands, Bedrohung durch den Terrorismus, ausgeklügelte Cyber-Attacken, disruptive Technologien, der Aufstieg von China und der Klimawandel“, als künftige Herausforderungen für das Verteidigungsbündnis.

„Deshalb müssen wir unsere Einigkeit stärken, die sich aus unserem Versprechen ableitet, uns gegenseitig zu verteidigen.
Seit 2014 haben wir die größte Anpassung unserer kollektiven Verteidigung seit dem Kalten Krieg umgesetzt.“

„Die Bündnispartner werden ihre Konsultationen über die Lage in Afghanistan fortsetzen und eine Bestandsaufnahme der Unterstützung der NATO für wichtige Partner im Nahen Osten und in Nordafrika vornehmen“, so Stoltenberg. Zudem soll in einer Sitzung mit Vertretern aus Finnland und Schweden sowie dem Hohen Rat der EU die Beziehungen zu Russland behandelt werden.

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