Rechtsextremismus
AfD-Landtagsabgeordneter schrieb Texte für Video von rechter Youtuberin

Der Kölner AfD-Politiker und NRW-Landtagsabgeordnete Roger Beckamp hat sich in der Vergangenheit als Ghostwriter für eine rechte Bloggerin betätigt, berichtet der Kölner Stadt-Anzeiger.

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Der Kölner AfD-Politiker und NRW-Landtagsabgeordnete Roger Beckamp hat sich in der Vergangenheit als Ghostwriter für eine rechte Bloggerin betätigt.

Recherchen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ ergaben, dass Beckamp im Mai des vergangenen Jahres der Youtuberin Lisa H., die kurz davor noch mit der rechtsextremen „Identitären Bewegung“ zusammengearbeitet hatte, per Mail ein Manuskript zuschickte, das diese nur drei Tage später beinahe wortgleich in einem von ihr veröffentlichten Video übernahm.

In dem finalen Clip allerdings war nicht ersichtlich, dass Beckamp oder die AfD an der Erstellung beteiligt gewesen sind. Das Video war als Antwort auf den bekannten Beitrag „Die Zerstörung der CDU“ von Rezo angelegt. In einem Mailverlauf, der dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ vorliegt, macht Beckamp zunächst Vorschläge für konkrete Inhalte des Antwort-Videos, etwa zwei Stunden später übersendet er dann eine Datei, die einen vollständigen Sprechertext enthält, in dem etwa steht, dass durch die „unkontrollierte Masseneinwanderung“ die „eigenen Leute verdrängt“ würden.

Auch wird in dem Text mehrfach dafür geworben, den Positionen der AfD mehr Gehör zu schenken. In der Mail, die Beckamp von seiner Dienstadresse im Landtag verschickte und auch mit seinem Titel „MdL“ (Mitglied des Landtags) unterzeichnete, schrieb der Abgeordnete, der Text sei nur eine „denkbare Orientierung“ für das Video, toll wäre noch eine persönliche Geschichte „oder auch irgendetwas ausgedachtes Bildhaftes“. Zudem bot er Hilfe beim Schnitt durch einen Mitarbeiter der Landtagsfraktion an.

H., die laut eigenen Angaben mittlerweile aus der rechten Szene ausgestiegen ist, gibt gegenüber der Zeitung an, es sei abgesprochen gewesen, dass Beckamp nach Veröffentlichung nicht mit dem Video in Verbindung gebracht wird. Beckamp dementierte das auf Nachfrage nicht. Er betonte gleichwohl, eine vorherige Zusammenarbeit von H. mit der vom Verfassungsschutz beobachteten „Identitären Bewegung“ sei ihm nicht bekannt gewesen.

H. habe eine aktuelle Verbindung zu den „Identitären“ in einem ersten Gespräch explizit verneint. H. hingegen sagt, Beckamp habe sie gefragt, ob sie in der „Identitären Bewegung“ aktiv sei, allerdings bevor sie habe ausreichend antworten können, sinngemäß hinzugefügt: „Selbst wenn, ist mir das eigentlich auch egal.“ Wer Recht hat und wessen Erinnerung getrübt ist, ist kaum zu klären, für das Gespräch gibt es nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ keine weiteren Zeugen. In der AfD existiert seit 2016 ein Unvereinbarkeitsbeschluss mit der vom Verfassungsschutz beobachteten „Identitären Bewegung“ – weder die Partei noch ihre Politiker arbeiten offiziell mit ihr zusammen.

Der NRW-Landesverband der AfD wollte die Aktivitäten von Beckamp auf Nachfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“ nicht bewerten und teilt mit: „Herr Beckamp ist als Mandatsträger nicht an Weisungen des Landessprechers gebunden.“ Aus der Fraktion im Landtag hieß es, niemand habe dort etwas von Beckamps Engagement gewusst und man habe auch nichts damit zu tun.

Auch die beim Bundeverband angesiedelte parteiinterne „Arbeitsgruppe Verfassungsschutz“, zu deren selbst erklärten Aufgaben es gehört, bei problematischen Äußerungen oder Verhaltensweisen von AfD-Politikern „korrigierende Maßnahmen“ durchzusetzen, will die Sache weder beurteilen, noch tätig werden. „Die weitere Behandlung dieser Angelegenheit ist Sache des Landesverbandes NRW“, schreibt der Leiter der Arbeitsgruppe, Roland Hartwig, auf Anfrage der Zeitung.

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