Ailan Kurdi
Bild des toten Flüchtlingsjungen bewirkt erstes Umdenken bei EU-Politikern

David Cameron: „Als Vater haben die Bilder des toten Jungen mich sehr bewegt.“ Die britische Regierung wolle nun Flüchtlinge direkt aus Flüchtlingscamps nahe der syrischen Grenze abholen.

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Bild des toten Flüchtlingsjungen bewirkt erstes Umdenken bei EU-Politikern

London (nex) – Das Bild des toten Ailan Kurdi (3) auf dem Strand von Bodrum, das in den vorangegangenen beiden Tagen millionenfach durch Medien und soziale Netzwerke verbreitet wurde, hat offenbar auch bei einigen Politikern der EU Nachdenklichkeit ausgelöst. Der Junge war mit seiner Mutter und seinem fünfjährigen Bruder Galip im Mittelmeer ertrunken, als die syrische Familie aus der Türkei in das EU-Land Griechenland gelangen wollte. Nur der Vater überlebte.

Der britische Premierminister David Cameron, der bis dato zu den Wortführern einer restriktiven Flüchtlingspolitik gehört hatte, bekannte am Donnerstagabend mehreren britischen Medien zufolge: „Als Vater haben die Bilder des toten Jungen mich sehr bewegt.“ Die britische Regierung wolle nun nach Aussagen Camerons einigen tausend weiteren Flüchtlingen den Weg von Syrien nach Großbritannien ermöglichen. „Großbritannien ist eine moralische Nation, die stets ihre moralischen Verpflichtungen erfüllt. Wir nehmen Tausende auf, und wir werden weiterhin Tausende aufnehmen“, äußerte der Premierminister laut AFP.

Die Betroffenen sollen in Zusammenarbeit mit dem Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen direkt aus Flüchtlingscamps nahe der syrischen Grenze geholt werden. Seit Ausbruch des Bürgerkrieges 2011 hat Großbritannien erst etwa 5000 Syrern Zuflucht geboten. Opposition, Hilfsdienste und Kirchen hatten gefordert, das Land müsse mindestens 10 000 weiteren Flüchtlingen die Aufnahme ermöglichen. Man werde aber weiterhin keine Flüchtlinge aufnehmen, die versuchen, aus EU-Ländern einzureisen. Außerdem wandte sich der britische Premier gegen feste Quoten zur Verteilung der in der EU ankommenden Flüchtlinge auf die Mitgliedsstaaten.

Unter Tränen äußerte sich die schwedische Außenministerin Margot Wallström am Donnerstagabend im Fernsehsender SVT unter Bezugnahme auf das Bild des toten Jungen zur Flüchtlingskrise. Der Tod des Jungen erwecke Trauer und Wut darüber, dass „so etwas passiert und auch noch weitergeht“. Es werde deutlich, „dass jetzt wir für ihn handeln müssen und für alle anderen“, so Wallström. Die Ministerin wolle sich nun nach eigenen Angaben dafür einsetzen, dass auch andere Länder nun Verantwortung übernehmen und sich ähnlich wie Schweden und Deutschland in der Aufnahme und Betreuung von Flüchtlingen engagieren. Die Europäische Union konnte sich bislang nicht auf verbindliche Regeln für eine faire Verteilung der Flüchtlinge einigen.

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