Tel Aviv – US-Botschafter löst mit Aussagen zu Israels Gebietsansprüchen Empörung aus. Der US-Botschafter in Israel, Mike Huckabee, sagt, Israel sei nicht aufgrund militärischer, wirtschaftlicher oder politischer Faktoren erfolgreich, sondern weil Gott es direkt begünstige und beschütze.
Huckabees theologische Rechtfertigung für die Existenz Israels hat internationale Kritik ausgelöst und die Spannungen zwischen religiösen Überzeugungen und diplomatischer Politik deutlich gemacht.
Bei einer Rede auf einer Konferenz in Westjerusalem wies Huckabee darauf hin, dass Israel trotz einer Bevölkerung von nur 10 Millionen Einwohnern und trotz anhaltender Bedrohungen durch Kräfte, deren Bevölkerung und Wirtschaftskraft zehnmal so groß sind, weiterhin floriert und expandiert.
Der Botschafter bezeichnete dieses Phänomen als „erstaunlich“ und argumentierte, dass Israel stets weit über seine tatsächlichen Kapazitäten hinaus leiste – ein Erfolg, den er ausschließlich auf „göttliches Eingreifen“ zurückführte und nicht auf konventionelle strategische Stärke.
Religiöse Prägung statt diplomatischer Zurückhaltung
Dass Huckabee eine derart radikale theologische Argumentation wählt, überrascht Beobachter der US-Politik indes kaum. Der Diplomat blickt auf eine lange Karriere zurück, die tief im religiösen Konservatismus der USA verwurzelt ist.
Huckabee ist nicht nur Politiker, sondern selbst ein ordinierter baptistischer Pastor und war von 1996 bis 2007 Gouverneur des Bundesstaates Arkansas. Seine Äußerungen auf internationalem Parkett sind daher kein rhetorischer Ausrutscher, sondern spiegeln ein über Jahrzehnte gefestigtes, tief verankertes Weltbild wider, in dem biblische Prophezeiungen und geopolitische Realitäten miteinander verschmelzen.
Seit Beginn des Krieges gegen Gaza am 8. Oktober 2023 wurden etwa 73.000 Palästinenser getötet und mehr als 173.000 weitere verletzt, während 90 % der zivilen Infrastruktur des Gebiets von weitreichender Zerstörung betroffen sind.
Huckabee, der wegen seiner ultra-zionistischen Ansichten vielfach kritisiert wird, behauptete weiter, dass Israels wahrhaftigste Freunde evangelikale Christen seien, insbesondere diejenigen aus den Vereinigten Staaten, und fügte hinzu, dass die Unterstützung der USA für Israel im Grunde genommen eher eine spirituelle als eine politische Angelegenheit sei.
Die Rolle der evangelikalen US-Wähler
Mit diesem Verweis auf die spirituelle Pflicht spricht Huckabee eine der einflussreichsten gesellschaftlichen und politischen Kräfte in den USA an. Die Gruppe der evangelikalen Christen stellt seit langem eine extrem loyale und mobilisierungsstarke Wählerbasis der Republikanischen Partei dar.
Für weite Teile dieser Strömung ist die bedingungslose Unterstützung Israels sowie die Besiedlung des gesamten biblischen Landes kein reines außenpolitisches Kalkül, sondern eine fundamentale theologische Pflicht. Nach dieser Lesart ist die Rückkehr des jüdischen Volkes in das verheißene Land eine zwingende Voraussetzung für die Erfüllung biblischer Prophezeiungen und die Vorbereitung auf die Endzeit.
Diese religiöse Triebfeder erklärt, warum der Botschafter die Allianz zwischen Washington und Tel Aviv explizit als eine spirituelle Angelegenheit definiert, die über rationalen Staatsinteressen steht.
Haltung zu illegalen Siedlungen, Westjordanland
Die jüngsten Äußerungen des Botschafters stehen in engem Einklang mit seiner langjährigen und umstrittenen Unterstützung für den israelischen Expansionismus und die Annexion palästinensischer Gebiete. Huckabee ist ein lautstarker Verfechter illegaler Siedlungen, die auf beschlagnahmtem palästinensischem Land errichtet wurden.
„Es gibt bestimmte Begriffe, die ich nicht verwenden möchte“, erklärte Huckabee zuvor. „Es gibt kein Westjordanland – es ist Judäa und Samaria. Es gibt keine ‚Siedlungen‘. Es sind Gemeinden, Stadtviertel und Städte.“ Er hat zudem bestritten, dass das Westjordanland unter militärischer Besatzung steht.
Im Februar erklärte Huckabee in einem Interview mit dem US-Journalisten Tucker Carlson, er fände es akzeptabel, wenn der jüdische Staat das gesamte Gebiet einnehmen würde, das im Buch Genesis als den Nachkommen Abrahams versprochen beschrieben wird.
„Es wäre in Ordnung, wenn sie alles einnehmen würden“, sagte Huckabee zu Carlson in einem zweieinhalbstündigen Interview.
Das betreffende Gebiet, das sowohl in der religiös-zionistischen als auch in der kritischen geopolitischen Literatur oft als „Groß-Israel“ bezeichnet wird, umfasst das gesamte heutige Israel, Palästina, Jordanien, den Libanon und Syrien sowie bedeutende Teile von Ägypten, Irak und Saudi-Arabien.
Bruch mit der traditionellen Diplomatie
Diese unverblümte Befürwortung einer maximalen territorialen Expansion markiert einen fundamentalen Bruch mit der traditionellen Außenpolitik und der klassischen Diplomatie.
Über Jahrzehnte hinweg war die offizielle, zumindest nominelle Leitlinie internationaler Vermittlungsbemühungen – einschließlich der USA – von der Suche nach einer Zweistaatenlösung geprägt. Diese sah Verhandlungen über Grenzen und den Status des Westjordanlandes auf Basis des Völkerrechts vor.
Wenn nun jedoch der offizielle Repräsentant der Vereinigten Staaten in Israel die völkerrechtswidrigen Siedlungen legitimiert und öffentlich die Annexion des gesamten Territoriums gutheißt, entzieht dies der traditionellen Diplomatie jegliche Verhandlungsgrundlage.
Die offene Parteinahme für ein religiös begründetes Groß-Israel konfrontiert die internationale Gemeinschaft mit neuen geopolitischen Realitäten und verschärft die diplomatische Isolation Washingtons in weiten Teilen der arabischen Welt sowie im globalen Süden, wo derartige Positionen als direkter Angriff auf das internationale Recht gewertet werden.
WATCH: U.S. Ambassador to Israel Mike Huckabee says Israel is „successful“ not because of military, economic, or political factors, but because God directly favors and protects it. pic.twitter.com/1oBtJC9Wy2
— Clash Report (@clashreport) June 11, 2026
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