Jerusalem-Krise
Kommentar: „Über den Konflikt im Nahen Osten zu diskutieren ist meistens sinnlos“

Über den Konflikt im Nahen Osten zu diskutieren ist meistens sinnlos, da die meisten derjenigen die sich artikulieren, sich darüber nicht austauschen möchten, sondern ihre ideologische Position dazu kundtun wollen.

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„Was dringend gesagt werden muss“

Ein Gastbeitrag von Gernot Galib Stanfel

Über den Konflikt im Nahen Osten zu diskutieren ist meistens sinnlos, da die meisten derjenigen die sich artikulieren, sich darüber nicht austauschen möchten, sondern ihre ideologische Position dazu kundtun wollen. Das ist jedermann- und frau seine und ihre Sache und auch Verantwortung.

Es sollte einem dabei aber bewusst sein, dass es sich bei dem Thema um eine Querschnittsmaterie von Geschichte, Religion, Ideologie, Nationalismen und Politik handelt und es daher notwendig ist zu wissen, auf welche dieser Ebene man sich gerade befindet. Anstrengend wird es meistens, wenn alle diese Ebenen durcheinander gebracht werden, weil man zwar viel Emotion dazu hat, aber zu wenig sachliches Wissen davon.

Dass die Akteure auf allen Seiten dieses Vermischen durchaus gerne fördern um damit Propaganda zu betreiben oder auch die eigenen eigentlich nicht zu rechtfertigen Gewaltschritte selbst zu legitimieren, trägt natürlich zu dieser Verwirrung nachhaltig bei.
Ein aber sehr bedenkenswertes und inakzeptables Produkt dieser Verwirrung ist, wenn man Geschehnisse oder Personen heute dort mit denen in der Nazizeit oder gar mit dem Holocaust vergleicht. Gerade diese dunkle Geschichte, ist Teil unserer Identität und zwar aller derer die in unserem Land leben. Das betrifft nicht die einzelnen Personen aber die Gesellschaft insgesamt.

Und gerade diese dunklen Seiten unserer gesellschaftlichen Identität sind ein Hauptgrund, warum es den Nahostkonflikt überhaupt gibt. Und – gerade dieser Teil unserer gesellschaftlichen Identität ist weit davon entfernt wirklich jemals in unserem Land aufgearbeitet geworden zu sein. Im Gegenteil, eine Schweige und Verdrängungskultur hat über die Jahrzehnte diese Aufarbeitung ersetzt und wurde mit rituellen „Gedenkfeiern“ behübscht, die möglichst so gestaltet und wahrgenommen werden, dass sie mit unserer heutigen Zeit nichts zu tun haben. Die Folgen davon sind, dass sich Rassismus, Antisemitismus und Hass gegen Fremde und andere Religjonen inzwischen so selbstverständlich ausgebreitet haben, dass sie ganz normaler Teil der Gesellschaft und inzwischen auch der Politik geworden sind.

Nun also ist es absurd, wenn gerade Leute die unter diesem Rassismus und Minderheitenfeindlichkeit erzeugenden Stimmung um unserem Land leiden, Akteure und Geschehnisse im Nahen Osten mit denen der Nazizeit und dem Holocaust, der eindeutig größten und furchtbarsten systematischen industriellen Menschenvernichtung, die sich über den ganzen Kontinent Europa gezogen hat, vergleichen. Damit zeigt man nicht nur, dass man von Geschichte keine Ahnung hat, man verharmlost damit auch diese Geschehnisse der Nazizeit und unterstützt die nicht – Auseinandersetzung damit in unserem Land. Auch wenn es beweisen mag, dass man „perfekt integriert“ in unser Verschweigungs- und Verdrängungssystem ist, mehr als es den original Verschweigern und Verdrängern recht sein mag, ist es mehr als kontraproduktiv.

Kritik muss an allen Akteuren des Nahen Ostens sein und darf nicht ideologisch totgeschlagen werden. Aber plumpes Fahnenhissen (aber den historischen Balkon im Haus daneben weiterhin zu schließen) und unzulässige Vergleiche lagern unsere eigene Verantwortung einmal mehr dorthin aus, wo es genug weit weg ist um sich selbst historisch dafür nicht verantwortlich fühlen zu müssen und den Transfer zu unserer Gegenwart zu erfolgreich zu verhindern.


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.


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