Iran-Krieg
Jesus-Rückkehr: US-Militär sieht Iran-Krieg als Gottes Plan

Berichte über eine „biblische Mission“: US-Kommandeure sollen Soldaten auf ein „Armageddon“ gegen den Iran einschwören. Wird der Konflikt zum neuen Kreuzzug?

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Washington – Während die Bomben auf iranische Ziele fallen, mehren sich Berichte über eine besorgniserregende religiöse Rhetorik innerhalb des US-Militärs.

Die Organisation Military Religious Freedom Foundation (MRFF) berichtet von über 200 Beschwerden von Soldaten, die angeben, ihre Kommandeure würden den Krieg gegen den Iran als Erfüllung biblischer Prophezeiungen darstellen.

„Anointed by Jesus“: Trump als biblische Figur?

Laut einem Bericht des Investigativ-Journalisten Jonathan Larsen und Aussagen von Unteroffizieren (NCOs) an über 30 Militärstandorten weltweit, nutzen hochrangige Offiziere Begriffe wie „Armageddon“ und die „Wiederkunft Christi“, um den Einsatz zu rechtfertigen.

Besonders brisant: Ein Kommandeur soll seinen Untergebenen gesagt haben, Präsident Donald Trump sei „von Jesus gesalbt“ (anointed), um das „Signalfeuer im Iran zu entzünden“, das das biblische Ende der Welt einleite.

Die zentralen Vorwürfe:

  • Endzeit-Rhetorik: Kommandeure aller Teilstreitkräfte (Army, Navy, Air Force und sogar die Space Force) beziehen sich demnach direkt auf das Buch der Offenbarung.
  • Euphorie über Blutvergießen: Mikey Weinstein, Gründer der MRFF, berichtet von einer „uneingeschränkten Euphorie“ in den Führungsebenen. Man freue sich regelrecht darauf, wie „blutig“ dieser Kampf werden müsse, um mit der christlich-fundamentalistischen Eschatologie (Lehre von den letzten Dingen) übereinzustimmen.
  • Zwang zur religiösen Einordnung: Soldaten, darunter auch Muslime, Juden und nicht-fundamentalistische Christen, berichten, dass sie gedrängt werden, diese Sichtweise an ihre eigenen Truppen weiterzugeben.

Ein „Kreuzzug“ des 21. Jahrhunderts?

Analysten warnen, dass diese Rhetorik den Konflikt in einen Religionskrieg verwandeln könnte. Während Verteidigungsminister Pete Hegseth für seine Nähe zum christlichen Nationalismus bekannt ist, hat das Pentagon bisher keine offizielle Stellungnahme zu den konkreten Beschwerden der MRFF abgegeben.

Die evangelikale Basis: Sehnsucht nach dem „Ende der Welt“

Hinter dieser Rhetorik steht eine mächtige politische Kraft in den USA: der christliche Zionismus und radikale evangelikale Kreise. Für einen bedeutenden Teil dieser Basis ist der Nahe Osten kein bloßes geopolitisches Schachfeld, sondern der Schauplatz für das „Endgame“ der Menschheitsgeschichte. Sie glauben an die Lehre des sogenannten Dispensationalismus, wonach ein totaler Krieg in der Region die Voraussetzung für die Wiederkunft Jesu Christi ist.

In dieser Weltsicht fungiert der Iran als das biblische „Persien“, das laut der Prophezeiung von Hesekiel (Gog und Magog) am Ende der Zeiten gegen Israel in den Krieg ziehen wird. Die Zerstörung der iranischen Führung wird hier nicht als strategischer Erfolg gewertet, sondern als notwendiger Katalysator für das Jüngste Gericht. Für diese Gruppierungen ist diplomatischer Frieden nicht erstrebenswert, sondern ein Hindernis für den göttlichen Plan.

Politischer Druck und messianische Erwartungen

Die Verbindung zwischen dem Oval Office und diesen Wählergruppen ist enger denn je. Viele Evangelikale sehen in der aktuellen Eskalation keine Tragödie, sondern eine Bestätigung ihres Glaubens.

Sie warten auf das „Armageddon“, den finalen Kampf zwischen Gut und Böse. Dass diese Ideologie nun bis in die Kommandoebenen der US-Streitkräfte durchgesickert ist, stellt eine neue Qualität dar. Wenn Offiziere den Kriegsdienst als „heiligen Dienst“ framen, verliert die militärische Logik ihre rationale Basis.

Dies verwandelt den Konflikt in einen modernen Kreuzzug, bei dem Kompromisse unmöglich werden. Für die Soldaten an der Front bedeutet dies einen enormen psychischen Druck: Wer Kritik übt, stellt sich in diesem Klima nicht nur gegen einen militärischen Befehl, sondern gegen einen angeblich „göttlichen Willen“.

Für die iranische Führung unter dem neuen Obersten Führer Mojtaba Khamenei dürften diese Berichte eine Steilvorlage sein, um den Widerstand als Verteidigung des Islam gegen einen „neuen Kreuzzug“ des Westens zu stilisieren. Die Gefahr ist real, dass beide Seiten den Konflikt nun als einen Krieg der Religionen führen, bei dem es kein Zurück mehr gibt.

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