EU-Beitritt
Erdogan: EU legt Islamophobie gegenüber Türkei an den Tag

„Doppelstandards werden nicht mehr länger versteckt. Sie haben der Türkei noch mehr Steine in den Weg gelegt. Sie lassen die Türkei seit 53 Jahren vor der Tür warten", so Erdogan in einer Rede.

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„Sie lassen die Türkei seit 53 Jahren vor der Tür warten“, so der türkische Präsident

Die Türkei habe die Entscheidung Großbritanniens für einen Austritt nicht erwartet, gab Erdogan am vergangenen Freitag zu.

Istanbul (nex) – Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan nahm an einem vom Verband aller Industrieller und Unternehmer e.V. (TÜMSIAD) in Istanbul ausgerichteten Iftar, dem abendlichen Fastenbrechen im Ramadan, teil und wünschte Großbritannien nach einem historischen Referendum am vergangenen Donnerstag, in dem die Teilnehmer für einen Austritt aus der EU stimmten, alles Gute.

„Wir hatten, wie der Rest der Welt auch, erwartet, dass das Ergebnis des Referendums Ja zur EU lauten würde“, sagte Erdogan.

Die britischen Wähler entschieden sich für einen Austritt aus der EU, was in den europäischen Hauptstädten zu Sorgen über die politische Zukunft der Staatengemeinschaft führte. Fast 52 Prozent der Wähler lehnten einen Verbleib in der EU ab. Großbritannien ist seit 43 Jahren EU-Mitglied. Erdogan wies darauf hin, dass die Türkei immer Wert auf die Beschleunigung des EU-Beitritts gelegt, die Staatengemeinschaft diesen Prozess jedoch immer verzögert habe:

„Doppelstandards werden nicht mehr länger versteckt. Sie haben der Türkei noch mehr Steine in den Weg gelegt. Sie lassen die Türkei seit 53 Jahren vor der Tür warten.“

Während seiner Rede kritisierte Erdogan auch den Asylprozess der EU

„Die unmenschliche und unmoralische Haltung der EU gegenüber Einwanderern hat zu einer ernsthaften Debatte über die Glaubwürdigkeit der Europäischen Union geführt“, erklärte er.

Die EU und die Türkei unterzeichneten am 18. März ein Flüchtlingsabkommen, das die illegale Migration über das Ägäische Meer durch strengere Maßnahmen gegen Menschenhändler und die Verbesserung der Lebensbedingungen von fast drei Millionen syrischen Flüchtlingen in der Türkei eindämmen soll.

Der Deal sieht auch die Beschleunigung des EU-Beitrittsprozesses der Türkei und das visafreie Reisen türkischer Staatsangehöriger im Schengen-Raum vor. Dafür sollte Ankara 72 von der EU gestellte Bedingungen erfüllen. Obwohl die Türkei im vergangenen Monat die meisten Kriterien umgesetzt hat, haben Meinungsverschiedenheiten zwischen Brüssel und Ankara über die Anti-Terror-Gesetze des Landes die Visaliberalisierung verhindert.

Erdogan bezichtigte die EU der Islamfeindlichkeit gegenüber der Türkei

„Ich sage nun, dass die Haltung der EU gegenüber der Türkei islamophob ist“, erklärte er.

Die Türkei begann 2005 mit den EU-Beitrittsverhandlungen. 1963 unterzeichneten die Türkei und die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (früherer Name der EU) ein Assoziierungsabkommen.

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