Osteuropa und die Flüchtlinge
Polen: Słupsk soll zur Musterstadt der Solidarität mit Flüchtlingen werden

Bürgermeister Robert Biedron hat an die 116 000 Polen, die während des Zweiten Weltkriegs im Iran aufgenommen worden waren, erinnert. Um Vorurteilen und rechtsradikalen Tendenzen entgegenzuwirken, will Biedron die Asylsuchenden in Schulklassen einladen, damit sie dort von ihren Schicksalen erzählen können. Einige Bewohner sollen sich auch schon bereiterklärt haben, Flüchtlingsfamilien privat zu beherbergen.

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Slupsk (nex) – In Anbetracht der derzeitigen Flüchtlingskrise gehören die osteuropäischen Länder zu jenen, die sich am stärksten einer verbindlichen Aufteilung der Schutzsuchenden auf alle EU-Staaten widersetzen und bei der Aufnahme besonders zurückhaltend sind. Auch Polen gehört zu den Ländern, die sich gegen die Aufnahme von Flüchtlingen sträuben. Die regierende liberalkonservative „Bürgerplattform“ (PO) wird zusätzlich durch die oppositionelle nationalkonservative Partei „Recht und Gerechtigkeit“ (PiS) unter Druck gesetzt, die in Umfragen deutlich voranliegt und versuchen wird, jedes Nachgeben der Regierung in der Asylpolitik für sich auszuschlachten.

Nun will der Bürgermeister der nahe der Ostseeküste gelegenen 95 000-Einwohner-Stadt Słupsk (ehem. Stolp/Pommern) einen Kontrapunkt setzen. Wie das Portal heise.de berichtet, will der Bürgermeister der Stadt, der frühere liberale Sejm-Abgeordnete Robert Biedron, bewusst Flüchtlinge anlocken und dadurch einen Standortvorteil erlangen. Dabei argumentiert er vor allem mit der Wirtschaftsentwicklung und der demografischen Krise, die auch Polen zunehmen erfassen werde. „Eine Stadt wie Słupsk entvölkert sich langsam. Wer wird für unsere Renten arbeiten?“, zitiert ihn das Nachrichtenportal unter Berufung auf polnische Medien.

Entgegen den auch von Teilen der im Land an der Weichsel dominanten Katholischen Kirche unterstützten rechten Querschüssen sieht Biedron in der Religionsverschiedenheit zwischen mehrheitlich katholischen Polen und meist muslimischen Syrienflüchtlingen kein Problem. Er verweist in diesem Zusammenhang auch auf 116 000 Polen, die während des Zweiten Weltkriegs im Iran aufgenommen worden waren. Um Vorurteilen und rechtsradikalen Tendenzen entgegenzuwirken, will Biedron die Asylsuchenden in Schulklassen einladen, damit sie dort von ihren Schicksalen erzählen können. Einige Bewohner sollen sich auch schon bereiterklärt haben, Flüchtlingsfamilien privat zu beherbergen.

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