Gaza-Konflikt
Christa Zubaidi: Ich bekenne mich zu Palästina

Ein Gastkommentar von Christa Zubaidi Von 2000 bis 2016 lebte ich in Palästina. Ich lasse mich in Deutschland nicht mit dem Antisemitismus-Vorwurf mundtot machen, denn als Augenzeugin habe ich erlebt, welches Leid den Palästinensern zugefügt wurde. Während der Intifada erlebten wir in der Nähe von Ramallah jeden Abend Beschuss von einem Panzer aus einer illegalen israelischen Siedlung. Der Schütze zielte auf ein unbewohntes Haus, etwa 20 Meter von unserem Haus entfernt, um uns Angst einzujagen. Wir wussten nicht, ob er wirklich auf unser Haus schoss – für ihn schien es ein Spiel zu sein. Wir lagen zitternd vor Angst auf dem Boden im Hinterzimmer, unser Sohn zwischen uns. Schlaf war kaum möglich, da der Beschuss bis spät in die Nacht andauerte. Die israelische Armee schoss auf Strommasten, sodass wir keinen Strom hatten. Wir fühlten uns von der Welt abgetrennt. Ein Palästinenser, der versuchte, einen Strommast zu reparieren, wurde erschossen; die Armee hielt seinen Bohrer für ein Maschinengewehr. Wasserleitungen wurden zerstört, Wasser floss über die Straßen. Oft gab es ein bis zwei Wochen Ausgangsverbot, in denen wir uns mit Brot und Lebensmitteln gegenseitig halfen. Einmal kroch mein Mann entlang der Mauer unseres Hauses, um zu beobachten, was geschah – plötzlich geriet er ins Visier. Können Sie sich meine Angst vorstellen? Ich dachte, mein Herz würde stehen bleiben. Wenn ich heute an Gaza denke, wird mir das Leid dort bewusst. Die Menschen werden Tag und Nacht bombardiert, ohne einen Ort, an dem sie sich schützen können. Es gibt keine Bunker unter ihren Häusern. Strom und Wasser sind abgeschnitten, Gaza ist abgeriegelt. In den Krankenhäusern arbeiten die Menschen unter unmenschlichen Bedingungen, erschöpft und ohne ausreichend Medikamente. Viele Palästinenser riskieren ihr Leben, um andere aus den Trümmern zu bergen und Leben zu retten. Sie sind am Ende ihrer Kräfte, und ein Ende ist nicht in Sicht.

Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.

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– Gastkommentar – Dieter Nuhr und das deutsche Moralkartell

Dieter Nuhr und das deutsche Moralkartell – Über selektive Empathie, strategischen Antimuslimismus und moralische Schein-Allianzen

Dieter Nuhr und das deutsche Moralkartell

Gastkommentar
Eine Analyse des „Femonationalismus“ in Deutschland und Frankreich

Ein Gastkommentar von Gazmend Gashi Die politische Instrumentalisierung feministischer Narrative durch rechte Parteien in Europa ist ein vergleichsweise neues, jedoch rasant wachsendes Phänomen. In Frankreich (Rassemblement National) wie auch in Deutschland (AfD) nutzen Vertreterinnen wie Marine Le Pen und Alice Weidel zunehmend feministische Rhetoriken, um migrationsfeindliche, islamkritische und rassistische Positionen zu legitimieren. Dieses Phänomen wird in der aktuellen sozialwissenschaftlichen Forschung unter dem Begriff Femonationalismus gefasst – ein Konzept, das von der Soziopsychologin Sarah R. Briggs (Universität Oxford) mit Blick auf westliche Demokratien geprägt wurde. Briggs beschreibt Femonationalismus als die strategische Verbindung zwischen feministischer Sprache und nationalistischer Politik, wobei die vermeintliche „Befreiung der Frau“ genutzt wird, um anti-migrantische, insbesondere anti-muslimische Diskurse zu stützen. Dabei wird das Narrativ konstruiert, dass insbesondere muslimische Männer ein inhärentes Bedrohungspotenzial für die Gleichstellung der Frau darstellen – ein Stereotyp, das kulturell-rassistisch aufgeladen ist und zugleich koloniale Kontinuitäten aufzeigt. In Deutschland lässt sich dies besonders an der Rhetorik Alice Weidels beobachten, die in öffentlichen Reden immer wieder suggeriert, dass die Rechte von Frauen durch Migration aus dem globalen Süden – speziell muslimisch geprägten Gesellschaften – gefährdet würden. Dabei ignoriert sie, dass patriarchale Strukturen auch im eigenen kulturellen Kontext fortbestehen. Frankreich zeigt mit Marine Le Pen ein ähnliches Muster: Ihre Positionierung als „feministische Nationalistin“ erscheint widersprüchlich, insbesondere vor dem Hintergrund der misogynen Grundstruktur des völkischen Nationalismus, auf den sich ihre Partei historisch stützt. Der politische Effekt dieser Strategie liegt in der doppelten Ausgrenzung: Nicht nur Migranten werden als Gefahr dargestellt, sondern auch feministische Akteurinnen, die sich intersektional gegen Rassismus und Sexismus zugleich stellen. Rechte Politikerinnen reproduzieren ein Bild weißer, europäischer Weiblichkeit als schützenswert – eine Konstruktion, die nicht-weiße Frauen automatisch ausschließt. Dass große Teile dieser Gruppen sich mit dem rechten Feminismus nicht identifizieren, wird ignoriert oder sogar als Indiz dafür gewertet, dass sie „noch nicht emanzipiert“ seien – ein paternalistisches Moment, das an koloniale Rechtfertigungsnarrative erinnert. Im Gegensatz zu Frankreich, wo Le Pens Wahlergebnisse kritische Debatten über die politische Verantwortung rechter Rhetorik auslösten, wird in Deutschland die juristische Auseinandersetzung mit rechtsradikalen Positionen innerhalb etablierter Parteien wie der CDU/AfD oft vermieden. Der Umgang mit rassistischen Strukturen bleibt selektiv. So äußerte jüngst CDU-Chef Friedrich Merz, dass man „politische Gegner nicht kriminalisieren“ dürfe – ein Statement, das auf Kritik stieß, da es strukturellen Rassismus innerhalb demokratischer Institutionen verharmlosen könnte. Gleichzeitig bleibt das juristische Eingeständnis kolonialer und rassistischer Kontinuitäten in Deutschland ein blinder Fleck. Während in Frankreich eine öffentliche Diskussion über Polizeigewalt, Kolonialgeschichte und Rassismus immerhin punktuell geführt wird, gibt es in Deutschland kaum politisch sichtbare Mechanismen zur Aufarbeitung. Besonders sichtbar wird dies in der Rhetorik von Annalena bearbock, Nancy Faeser und Claudia Roth, die in offiziellen Reden und außenpolitischen Positionierungen immer wieder feministische Prinzipien mit sicherheitspolitischen und migrationskritischen Perspektiven verknüpfen. Die Instrumentalisierung des Feminismus durch rechtsradikale Akteurinnen wie Le Pen und Weidel bleibt daher nicht nur ein Ausdruck strategischer Ideologieproduktion, sondern ein Symptom eines tieferliegenden demokratischen Dilemmas: der selektiven Auslegung von Menschenrechten und Gleichberechtigung im Dienste nationalistischer Machtsicherung Während der Begriff Feminationalismus in der Forschung häufig auf rechte Akteurinnen wie Marine Le Pen oder Alice Weidel angewendet wird, zeigt sich in jüngerer Zeit, dass auch politische Figuren im liberal-demokratischen Regierungsspektrum ähnliche Muster bedienen. Besonders sichtbar wird dies in der Rhetorik von Annalena Bearbock, Nancy Faeser und Claudia Roth,die in offiziellen Reden und außenpolitischen Positionierungen immer wieder feministische Prinzipien mit sicherheitspolitischen und migrationskritischen Perspektiven verknüpfen. Diese Verbindung ist nicht zufällig, sondern Ausdruck eines strategischen Diskurses, der Gleichstellungspolitik als zivilisatorisches Gegenmodell zu patriarchalen, insbesondere muslimisch konnotierten Gesellschaften stilisiert. So wird beispielsweise in außenpolitischen Kontexten von einer „feministischen Außenpolitik“ gesprochen, während gleichzeitig Rhetoriken über islamistische Bedrohungen, importierte Misogynie oder integrationsunwillige Migranten reproduziert werden. In diesem Spannungsfeld bedienen auch Baerbock, Faeser und Roth – wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung – Narrative, die den Kern des Feminationalismus berühren: die Verknüpfung feministischer Werte mit nationalstaatlicher Identität und Sicherheitsinteressen. Statt den Femonationalismus kritisch zu reflektieren, agieren sie selbst als Trägerinnen dieses Diskurses. Dabei wird der Feminismus zum normativen Referenzpunkt für staatliches Handeln – allerdings auf Grundlage eines eurozentrischen Frauenbildes, das nicht-weiße, nicht-westliche oder religiöse Identitäten tendenziell als rückständig markiert. Insbesondere Claudia Roths Aussagen im Kontext des Nahostkonflikts und Faesers sicherheitspolitische Argumentationen zur Inneren Sicherheit lassen auf eine politische Haltung schließen, in der Gleichstellungsrhetorik zum Instrument geopolitischer oder identitätspolitischer Distinktion wird. Kritisch anzumerken ist, dass diese Formen des „liberalen Femonationalismus“ besonders schwer zu problematisieren sind, da sie sich rhetorisch auf universelle Menschenrechte berufen. Dabei wird jedoch oft übersehen, dass genau diese universellen Werte selektiv angewendet werden: Frauenrechte werden etwa zur Legitimierung restriktiver Migrationspolitik herangezogen – ohne Rücksicht darauf, wie dies marginalisierte Gruppen innerhalb der Gesellschaft betrifft. Der Schaden für eine intersektionale, inklusive feministische Bewegung ist beträchtlich: Der weiße, europäische Feminismus wird erneut als Norm gesetzt – auf Kosten einer feministischen Solidarität, die Rassismus und Sexismus gleichermaßen bekämpft.
Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.

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– Kaukasus – Aserbaidschan und Israel: Außenpolitik ist neorealistisch geprägt

Der geplante offizielle Besuch von Premierminister Israels Netanjahu in Baku hat bereits im Vorfeld große öffentliche Aufmerksamkeit ausgelöst – auch wenn der Besuch inzwischen verschoben wurde

Aserbaidschan und Israel: Außenpolitik ist neorealistisch geprägt
 

Gastkommentar
Dieter Nuhr und das deutsche Moralkartell

Ein Gastkommentar von Gazmend Gashi Dieter Nuhr ist längst kein harmloser Kabarettist mehr. Er ist zu einer Stimme des deutschen Moralkartells geworden – ein Sprachrohr jener selektiven Empörungskultur, die sich als Verteidigerin jüdischen Lebens, queerer Freiheit und westlicher Zivilisation inszeniert, aber in Wahrheit einen ideologisch aufgeladenen Kulturkampf führt. Sein ESC-Kommentar offenbarte dies in aller Klarheit: Der Boykott der israelischen Sängerin wurde von ihm nicht als politischer Protest gegen Kriegsverbrechen, Besatzung oder Apartheid eingeordnet – sondern als Ausdruck eines neuen, puren „Judenhasses“, der nur deshalb existiere, „weil es Juden sind“. Kein politischer Kontext, keine Differenzierung, keine Fakten – nur ein absolutes moralisches Verdikt. Diese Haltung ist kein Einzelfall, sondern Ausdruck eines breiteren ideologischen Musters. Nuhr operiert mit einer moralischen Dialektik, die jede Kritik an Israel entpolitisiert und zur rassistischen Projektion erklärt, während gleichzeitig reale antimuslimische Strukturen systematisch ausgeblendet oder gar unterstützt werden. Die eigentliche Gefahr geht in diesem Modell nie vom Staat oder seiner Gewalt aus – sondern immer von „den Anderen“, meist muslimisch konnotiert, theologisch verortet, kollektiv verdächtigt. Bemerkenswert ist, wie Nuhr dabei strategisch mit Identitätspolitik operiert – nicht aus Überzeugung, sondern als rhetorisches Manöver. So bringt er gezielt die LGBTQIA+-Community ins Spiel, um seinen Antisemitismusvorwurf zu untermauern. Die implizite Botschaft: Israel schützt queeres Leben, die Demonstrierenden – meist muslimisch gelesen – sind homophob. Was Nuhr hier betreibt, ist keine Solidarität, sondern eine Schein-Allianz: Die queere Community dient ihm als Projektionsfläche für westlich-zivilisatorische Überlegenheit, nicht als tatsächlicher Bezugspunkt. Nicht-binäre Existenzen werden rhetorisch einbezogen, aber nur, um den Gegner moralisch zu diskreditieren – nicht, um sie in ihrer Komplexität ernst zu nehmen. Dabei ist besonders auffällig: Noch in früheren Programmen äußerte sich Nuhr kritisch über die Politisierung der queeren Bewegung – jetzt aber instrumentalisiert er sie selbst, um rassistische Narrative moralisch zu verteidigen. Die LGBTQIA+-Inklusion wird nicht als eigenständige emanzipatorische Bewegung anerkannt, sondern zur moralischen Waffe umfunktioniert – als Beleg für eine westliche Überlegenheit, die Israel und die deutsche Regierung auf die Seite der „Zivilisation“ stellt, und Muslime, Migranten und Kritiker auf die Seite der „Barbarei“.
„Faeser-Syndrom“
So entsteht eine groteske Allianz, in der selbst queere Lebensrealitäten in die rechte Ecke gerückt werden – eingebettet in eine moralische Schablone, die zunehmend totalitäre Züge annimmt. Diese Rhetorik erinnert an das, was man als „Faeser-Syndrom“ bezeichnen könnte: einen blinden moralischen Glauben, in dem Menschenrechte nur noch dann zählen, wenn sie den außenpolitischen Interessen und Identitätsnarrativen des Westens nützen. Was bleibt, ist eine moralisierende Weltordnung, die sich selbst für aufgeklärt hält – und gleichzeitig blind ist gegenüber ihrem eigenen Unrecht.
„Selektive Israel-Solidarität“
Die selektive Israel-Solidarität wird dabei nicht als politische Strategie erkannt, sondern als sakralisierte Pflicht – ein Mechanismus, der selbst unter jüdischen Intellektuellen zunehmend als gefährlich wahrgenommen wird. Denn wer Israel-Kritik mit Judenhass gleichsetzt, nimmt nicht nur jede politische Debatte die Luft – er isoliert jüdische Stimmen, die genau diesen Missbrauch ihrer Identität nicht länger mittragen wollen. Diese Taktik folgt einem bekannten Muster: In Deutschland wird zunehmend versucht, durch selektive Allianzen (z. B. mit jüdischen oder queeren Identitäten) eine „wehrhafte Moral“ zu inszenieren, die in Wahrheit nichts anderes ist als ein autoritäres Verteidigungsinstrument gegen jegliche strukturelle Kritik – insbesondere wenn sie von muslimischer Seite kommt.

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Palästina
Interview: Die Tora fordert nicht zum Töten auf

Von Çağıl Çayır Ein junger 35-jähriger Palästinenser aus Jerusalem reist durch Deutschland und entdeckt in Berlin überraschende Parallelen zu Ramallah. Im Gespräch erzählt er von Kunst, Identität und seinem Alltag unter Besatzung. Zwischen kreativer Energie und politischer Ohnmacht spricht er über die Lage in seiner Heimat – ehrlich, persönlich und nachdenklich. Çayır: Hallo, möchten Sie sich zuerst vorstellen? Bilal Al-Qudsi: Ja, natürlich. Mein Name ist Bilal (Name von Redaktion geändert). Ich bin Palästinenser, geboren und aufgewachsen in Jerusalem. Ich habe den Großteil meines Lebens – fast 30 Jahre – in Palästina gelebt. Seit etwa fünf Jahren lebe und arbeite ich in Europa. Zurzeit bin ich zu Besuch in Deutschland. Çayır: Wie gefällt Ihnen Deutschland soweit? Al-Qudsi: Ich liebe es wirklich sehr. Die meiste Zeit verbringe ich in Berlin. Çayır: Fallen Ihnen Unterschiede oder Gemeinsamkeiten zwischen Ihrem Heimatland und anderen Ländern auf? Al-Qudsi: Nun, das ist eine sehr umfassende Frage – Palästina mit anderen Ländern zu vergleichen. Es ist schwer, einen direkten Vergleich zu ziehen, da Palästina aufgrund der politischen Situation ziemlich einzigartig ist. Ich denke nicht, dass viele Länder das erleben, was wir durchmachen. Natürlich gibt es viele Unterschiede. Aber als ich nach Berlin kam, fühlte ich keinen großen Unterschied, weil Berlin wie eine Blase ist. Es ist vielfältig, mit Menschen aus der ganzen Welt. Das erinnerte mich an einige Städte in Palästina, in denen man ebenfalls viel Vielfalt findet – wo Ausländer für Praktika kommen oder mit NGOs arbeiten. Daher bin ich mit dieser Art von „Blase“ vertraut. Deshalb fühle ich mich in Berlin nicht sehr weit entfernt von Ramallah – einer Stadt, in der ich früher in Palästina gelebt habe – in Bezug auf die Vielfalt und die Menschen um mich herum. Çayır: Es ist überraschend, Ramallah mit Berlin zu vergleichen. Al-Qudsi: Ja, im Grunde genommen trifft man in Berlin auf dieselben Menschen, die man auch in Ramallah sieht.
  Çayır: Viele Künstler und Musiker kommen nach Berlin. Wie verhält sich das im Vergleich zu Ramallah? Al-Qudsi: Ja, und das ist tatsächlich eine der Ähnlichkeiten, die mir aufgefallen sind. Ramallah ist ebenfalls bekannt als ein Ort, an dem sich Musiker treffen und Zeit verbringen. Es ist eine Stadt, die viele Möglichkeiten bietet, seine Kunst zu präsentieren, da sie sehr künstlerisch ist. Es gibt ein Theater, und alle Filmregisseure treffen sich dort oft. Es gibt viele Kulturzentren, in denen Menschen zusammenkommen, und viele Musiker treten mit Live-Musik auf. Ein Musiker, den ich erwähnen möchte, ist Shadi Zaqtan – er lebt jetzt in Berlin. Er ist ein palästinensischer Musiker, der Blues und Jazz komponiert und sie mit palästinensischer Volksmusik verbindet. Es ist schwer, das nur mit Worten zu erklären; man muss seine Musik wirklich hören, um sie zu verstehen. Für alle, die dieses Interview lesen, empfehle ich auf jeden Fall, sich seine Werke anzuschauen. Çayır: Sie haben über Musik gesprochen. Wie steht es mit Poesie? Und der Meinungsfreiheit? Al-Qudsi: Meinungsfreiheit ist Teil unserer Kultur, insbesondere durch Poesie und Musik. Doch in der Realität ist sie oft eingeschränkt. Kritik wird nicht immer toleriert, und gelegentlich riskieren Menschen Schikanen oder sogar Verhaftung. Unter Besatzung und politischem Druck äußern sich viele noch – aber meist mit Vorsicht. Çayır: Haben Sie den Eindruck, dass die Menschen in Deutschland wissen, was in Palästina wirklich passiert? Al-Qudsi: Ich treffe viele Menschen in Deutschland – sehr nette, sehr herzliche Menschen – aber sie wissen wirklich nicht, was passiert. Sie haben ganz unterschiedliche Sichtweisen, und ich glaube, dass bestimmte Informationen sie vielleicht gar nicht erreichen. Denn immer wenn ich mit Leuten hier zusammensitze und ihnen einfach erzähle, was wirklich vor sich geht, reagieren sie mit: „Wovon sprechen Sie? Passiert das wirklich?“ Çayır: In den Medien wird es häufig als religiöser Konflikt dargestellt. Aber ist das kein Klischee? Al-Qudsi: Ja, es ist absolut ein Klischee, denn die Wurzel des Problems hat sehr wenig mit Religion zu tun. Der Staat Israel beansprucht Palästina basierend auf einem Versprechen, das angeblich vor Tausenden von Jahren gemacht wurde. Die Gründer Israels waren jedoch nicht religiös motiviert – viele von ihnen waren Atheisten. Darüber hinaus stellt die Medienlandschaft Palästina oft falsch dar, indem sie es als religiösen islamischen Staat porträtiert und es sogar mit Gruppen wie ISIS vergleicht. Aber Palästina ist kein islamischer Staat. Es ist tatsächlich das Land, in dem Jesus geboren wurde – ein Ort mit tiefer Bedeutung für mehrere Glaubensrichtungen. Es war historisch gesehen eine vielfältige Gesellschaft, in der Juden, Muslime und Christen harmonisch zusammengelebt haben. Diese Situation als „Konflikt“ zu bezeichnen, mindert tatsächlich ihre Schwere. Ein Konflikt impliziert eine Auseinandersetzung mit relativ ausgewogenen Parteien und Verlusten, wie Nachbarn, die sich um einen Parkplatz streiten. Was in Palästina passiert, ist viel schlimmer – es ist Völkermord, mit einem großen V. Çayır: Der Internationale Gerichtshof hat sogar Maßnahmen zur Verhinderung eines Völkermords in Gaza angeordnet. Geht das Leben in anderen Gebieten normal weiter? Al-Qudsi: Ich würde nicht sagen, dass das Leben wirklich normal weitergeht. An der Oberfläche sieht es vielleicht so aus, aber tief im Inneren ist es nie wirklich so. Jeder einzelne Tag wird unter Besatzung gelebt. Das gesagt, variiert die Art dieser Besatzung zwischen verschiedenen Gebieten, was die Situation in Palästina sehr komplex und schwer verständlich macht, es sei denn, man erlebt es aus erster Hand. Worte allein können es nie vollständig vermitteln. Çayır: Könnten Sie beschreiben, wie das Leben heute in den verschiedenen Teilen Palästinas aussieht? Wie variieren die Bedingungen zwischen Gebieten wie Jerusalem, dem Westjordanland und Gaza? Al-Qudsi: Palästina ist im Wesentlichen in vier Hauptgebiete unterteilt. Innerhalb der Grenzen Israels von 1948 leben Palästinenser, die nach der Nakba geblieben sind und die israelische Staatsbürgerschaft besitzen; sie identifizieren sich als Palästinenser, sind aber rechtlich gesehen israelische Staatsbürger. Ost- und Westjerusalem hingegen sind anders: Die Menschen dort leben unter israelischer Besatzung ohne israelische Staatsbürgerschaft. Als Ostjerusalemer erhalte ich Reisedokumente – keine Pässe – darunter ein temporäres jordanisches Reisedokument aus der Zeit, als Jerusalem von Jordanien regiert wurde, das Reisen durch Jordanien erlaubt, aber keine Staatsbürgerschaft darstellt, und ein israelisches Laissez-passer. Dieses Dokument erlaubt den Aufenthalt in Jerusalem und die Nutzung der Flughäfen in Tel Aviv. Trotz dieser Dokumente sind wir keine Bürger und benötigen Visa für andere Länder, was begrenzte Rechte ohne vollständige Staatsbürgerschaft gewährt. Das Westjordanland wird von der Palästinensischen Autonomiebehörde regiert. Die Menschen, die dort leben, besitzen palästinensische Pässe, leben aber dennoch unter Besatzung. Sie sehen sich ständiger Belästigung und Angriffen durch israelische Siedler ausgesetzt, die weiterhin über die Grenzen von 1967 hinaus expandieren. Diese Siedler vertreiben Palästinenser gewaltsam aus ihren Häusern und Dörfern, um illegale Siedlungen zu errichten – mit wenig bis keiner Rechenschaftspflicht. Çayır: Sie erwähnten, dass Palästinenser in Harmonie gelebt haben. Darf ich fragen – haben Sie israelische Freunde? Sind sie auch aufgeschlossen? Gibt es Friedensbewegungen innerhalb der israelischen Gesellschaft? Al-Qudsi: Im Grunde habe ich keine engen israelischen Freunde, aber ich habe den Großteil meines Lebens in Jerusalem gelebt, also habe ich ein Gefühl dafür, wie die Menschen dort denken. Ich glaube, es gibt viele Israelis, die Teil von antizionistischen Bewegungen sind. Persönlich denke ich, dass diese Menschen tatsächlich einen Unterschied machen können, weil sie Teil der israelischen Gesellschaft sind – sie kommen von innen. Sie könnten das allgemeine Bewusstsein erhöhen. Also ja, ich schätze die antizionistische Bewegung wirklich. Çayır: Glauben Sie, dass die israelische Gesellschaft selbst in ihrer Denkweise über die Besatzung und die Behandlung der Palästinenser gespalten ist? Al-Qudsi: Ja, das glaube ich. Wie in jeder Gesellschaft gibt es auch unter Israelis unterschiedliche Meinungen. Manche sind sehr engagiert in dem, was passiert – und manche freuen sich sogar darüber. Andere hingegen wollen einfach nur ihre Angehörigen zurück. Und dann gibt es diejenigen, die aufrichtig an das Existenzrecht Palästinas glauben. Sie geben zu, dass ihnen etwas gegeben wurde, das ihnen ursprünglich gar nicht gehörte. Besonders respektiere ich jene Israelis, die außerhalb Palästinas leben und sich dennoch zu diesen Themen äußern. Aber – und das ist nur meine bescheidene Meinung – wenn man anerkennt, dass dieses Land unrechtmäßig genommen wurde, und trotzdem dort lebt, dann muss ich fragen: Was machen Sie in einem gestohlenen Haus? Ich meine: Danke für Ihre Unterstützung und Solidarität – aber wenn Sie wirklich glauben, dass es nicht Ihnen gehört, warum bleiben Sie dann? Çayır: Hannah Arendt hat einmal gewarnt, dass der Zionismus – wenn er durch Nationalismus statt durch universelle Gerechtigkeit getrieben wird – zu einem Deckmantel für Ausgrenzung und Herrschaft werden könne, anstatt ein Mittel echter Befreiung zu sein. Glauben Sie, dass sich diese Warnung erfüllt hat? Wird der Zionismus heute als politische Tarnung benutzt, statt als moralische oder humanitäre Idee? Al-Qudsi: Für mich ist das ganz offensichtlich. Und ehrlich gesagt bin ich oft schockiert, dass manche Menschen dieses Narrativ immer noch glauben. Es liegt direkt vor unseren Augen – man muss nicht einmal viel recherchieren. Wenn Sie ein religiöser Jude sind, bin ich mir ziemlich sicher, dass Ihr Glaube Ihnen nicht sagt, dass Sie töten sollen. Die Tora fordert niemanden zu solchen Taten auf. Ich verstehe daher nicht, warum wir überhaupt noch darüber diskutieren – das sollte doch gesunder Menschenverstand sein. Çayır: Nach so viel erlebtem Unrecht – was hat sich für Sie am meisten verändert? Al-Qudsi: Was sich für mich wirklich verändert hat – vor allem nach allem, was passiert ist – ist meine Sicht auf das menschliche Denken selbst. Ich habe angefangen zu fragen: Wie denken Menschen überhaupt? Es gibt grundlegende Wahrheiten, die so klar erscheinen – und doch leugnen viele Menschen sie weiterhin. Das hat mein Vertrauen in das menschliche Urteilsvermögen erschüttert. Ich habe ein echtes Vertrauensproblem entwickelt, was den menschlichen Verstand betrifft. Das ist beunruhigend. Ich frage mich immer wieder: Warum reden wir überhaupt noch darüber? Es ist doch so schmerzlich offensichtlich. Und wirklich – welche Religion rechtfertigt Gewalt? Welche authentische spirituelle Tradition sagt Ihnen, dass es in Ordnung ist, sogar eine Fliege zu töten? Keine. Da bin ich mir sicher. Ob Buddhismus, Hinduismus, Islam, Christentum oder Judentum – sie alle lehren im Kern Frieden. Wenn Sie diese Texte wirklich lesen, sehen Sie, dass sie dieselben grundlegenden Prinzipien teilen. Die Details mögen verschieden sein, aber die Ethik ist dieselbe. Keine wahre Religion sagt Ihnen, dass es in Ordnung ist, einen anderen Menschen zu töten. Çayır: Ja Al-Qudsi: Selbst wenn Gott Ihnen das Land versprochen hat – es muss einen anderen Weg geben. Çayır: Ich habe einmal über Jesus gelesen – er habe nicht das Land erobert, sondern die Herzen. Al-Qudsi: Die Herzen? Çayır: Ja – die Herzen. Al-Qudsi: Das ist es! Erobern Sie mein Herz – und mein Land gehört Ihnen! Çayır: Vielleicht ist das der Wendepunkt – vielleicht ist es an der Zeit, dass wir tiefer in die Herzen der Menschen blicken. Al-Qudsi: Ich glaube nicht, dass die Palästinenser jüdische Menschen abgewiesen hätten, wenn sie einfach nur Zuflucht gesucht hätten. Tatsächlich ist genau das passiert – viele kamen auf der Suche nach Sicherheit nach Palästina, und die Menschen haben sie willkommen geheißen. Sie sagten: „Ja, natürlich. Dieses Land ist für alle da.“ Aber dann kam der Verrat. Wir waren einfache Menschen – Dorfbewohner, Bauern – die ein bescheidenes Leben führten. Und plötzlich kamen Menschen aus Osteuropa mit ganz anderen Vorstellungen, mit ganz anderen Absichten. Es fühlte sich an, als wären zwei völlig unterschiedliche Welten aufeinandergeprallt. Çayır: Heute ziehen manche Vergleiche zu Nazi-Deutschland – insbesondere im Hinblick auf ein zunehmend aggressives und militarisiertes System. Für viele ergibt sich daraus ein tragisches Paradoxon: Israel, ein Staat, der aus jüdischem Leid entstanden ist, wird nun selbst als Quelle von Leid wahrgenommen. Al-Qudsi: Ja, aber es geht nicht nur um die Nazis. Was gerade geschieht, knüpft an viele Geschichten in der Menschheitsgeschichte an. Wenn Sie ganz an den Anfang zurückgehen – zur Geschichte der Söhne von Adam und Eva – Kain und Abel – sehen Sie dasselbe Muster: Ein Bruder tötet den anderen aus Eifersucht und Angst. Es ist immer derselbe Kern. Ob es die Nazis sind oder Kain und Abel – es kommt alles aus derselben Wurzel: Bösartigkeit, Hass, Egoismus. So sehe ich es. Und ich sehe es so, weil ich es selbst erlebt habe. Çayır: Sie haben erwähnt, dass die Besatzung nicht auf Gaza beschränkt ist. Al-Qudsi: Ich kann Ihnen sagen – die Besatzung ist überall. Sie ist nicht nur physisch. Für Menschen wie mich, die in Jerusalem leben, ist sie auch zutiefst psychologisch. Man spürt sie ständig. Jedes Mal, wenn ich versuche, von einem Ort zum anderen zu gelangen, werde ich mit Respektlosigkeit, Misstrauen und sogar Demütigung behandelt. Wenn man versucht, sich zu wehren oder seine Stimme zu erheben, kann es sein, dass man erschossen wird. Çayır: Das ist eine erschütternde Realität. Haben Sie persönlich Situationen miterlebt oder erfahren, in denen jemand allein dafür bestraft wurde, dass er seine Rechte eingefordert oder seine Meinung gesagt hat? Al-Qudsi: In Jerusalem gab es einen jungen Mann namens Eyad al-Hallaq. Er hatte besondere Bedürfnisse. Er war autistisch wenn ich mich richtig erinnere. Halaq und seine Lehrerin waren auf dem Weg zum Elwyn-El-Quds-Zentrum, das Dienstleistungen für Kinder und Erwachsene mit Behinderungen anbietet, als sie sich einem Kontrollpunkt näherten. Der Kontrollpunkt war Teil des täglichen Weges von Halaqs Zuhause im Ostjerusalemer Stadtteil Wadi al-Joz zu dem Sonderpädagogischen Zentrum in der Altstadt, das er seit 2014 besuchte. Als er durch den Torbogen trat, wurden die diensthabenden Beamten misstrauisch, als er seine Hand in die Tasche steckte, um nach seinem Handy zu suchen. Er hatte die gerufenen Befehle der Beamten, stehen zu bleiben, offenbar nicht verstanden, sondern floh zu Fuß und versteckte sich in einem Müllraum. Seine Lehrerin versuchte, der Polizei mitzuteilen, dass Halaq behindert sei und seine Identität zu überprüfen, aber die Beamten eröffneten das Feuer und haben ihn auf der Stelle getötet. Seine Mutter weint noch heute. Ich lade jeden ein, seinen Namen zu googeln – einfach „Eyad al-Hallaq“ eingeben. Der Soldat, der ihn getötet hat, wurde kurzzeitig in Gewahrsam genommen, aber später für unschuldig erklärt. Man sagte, er habe eine psychische Erkrankung. Und heute ist er frei. Wie kann das akzeptabel sein? Ich denke oft an diesen Jungen. Mein Herz schmerzt jedes Mal, wenn ich mich an ihn erinnere. Er war einfach ein Kind. Und soweit ich weiß, war er das einzige Kind seiner Mutter. Stellen Sie sich das vor: Eine Mutter zieht ein Kind mit besonderen Bedürfnissen auf, kümmert sich mit Liebe – und eines Tages ist er weg. Einfach so. Ohne jeden Grund. Ich glaube wirklich, dass solche Geschichten ausreichen sollten, damit jeder vernünftige, mitfühlende Mensch versteht, was hier geschieht. Man braucht keine Politik. Man braucht nur ein Gewissen. Wenn wir auf die Geschichte blicken, sehen wir, dass die Verbrechen des Nationalsozialismus nur durch einen Weltkrieg beendet wurden – nicht durch Worte, sondern durch militärisches Eingreifen. Deutschland ringt bis heute mit den rassistischen Ideologien, die dieses Grauen möglich gemacht haben. Schauen wir heute auf Israel, stellt sich die Frage, was uns in Zukunft erwartet. Viele hoffen, einen weiteren Weltkrieg zu verhindern. Doch es gibt Stimmen, die sagen, dass manche Gruppen vom andauernden Konflikt profitieren – und vielleicht sogar einen neuen Krieg in Kauf nehmen. Manche Menschen verdienen sehr viel Geld mit diesem Krieg. Es gibt sogar Leute, die darauf wetten – auf menschliches Leid – als wäre es ein Sport. Sie verdienen Millionen, während wir hier einfach nur reden. Das ist die Realität. Und genau das macht es so schwer, dagegen anzukommen. Man weiß nicht einmal, wo die Wurzeln dieses Ganzen liegen. Jeden Tag passiert etwas Neues. Ich persönlich verstehe dieses Spiel nicht. Wirklich nicht. Deshalb habe ich auch nie über Politik gesprochen – vielleicht ist das hier das erste Mal in meinem Leben, dass ich mich wirklich dazu äußere. Aber ich bin verwirrt. Ich habe Angst. Ich bin angespannt. Und obwohl ich mich physisch nicht mehr in meinem Land befinde, fühle ich mich nicht sicher oder stabil – denn mein Herz ist noch dort, bei meinem Volk. Çayır: Glauben Sie, dass es noch Hoffnung für die Zukunft gibt? Dass Palästina eines Tages frei von diesen Angriffen und dieser anhaltenden Gewalt sein könnte? Wohin führt die Politik? Al-Qudsi: Man weiß nie wirklich, wohin die Politik führt. Einige Leute könnten mit dem, was passiert, zufrieden sein – Menschen, die wir nicht einmal kennen, an Orten, die wir nie erwarten würden – vielleicht sogar in Süd-Kamerun. Also, ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Ich war nie in der Politik engagiert. Ich habe nie wirklich über Politik gesprochen. Also fühle ich mich manchmal wie ein Kind – als würde ich etwas beobachten, das ich nicht vollständig verstehe. An einem Tag fühle ich Hoffnung, und am nächsten Tag ist sie weg. Es ist wie ein großes Spiel, und ich kenne die Regeln nicht. Früher glaubte ich, dass es in allem Hoffnung geben könnte. Aber nach dem, was jetzt passiert, bin ich wirklich verwirrt. Trotzdem halte ich an dem Traum fest – dass ich eines Tages ein freies Palästina erleben werde, vom Fluss bis zum Meer. Das ist meine Hoffnung. Das ist mein Traum.

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– Yair Golan-Äußerungen – Mord an Israelis in Washington: Oppositionsführer beschuldigt Netanjahu

Yair Golan, Vorsitzender der israelischen Mitte-Links-Partei der Demokraten und ehemaliger stellvertretender Generalstabschef der israelischen Armee, wurde am 7. Oktober zum Helden, als er auf eigene Faust Menschen vor der Hamas rettete

Mord an Israelis in Washington: Oppositionsführer beschuldigt Netanjahu

Israel-Krise
Israel: „Jedes Baby in Gaza ist ein Feind“

Jerusalem – Der rechtsextreme israelische Politiker und ehemalige Knessetabgeordnete Moshe Feiglin hat mit aufrührerischen Äußerungen während eines Interviews im israelischen Kanal 14 einen Feuersturm der Kontroverse entfacht. Feiglin, ein ehemaliges Mitglied der Likud-Partei von Premierminister Benjamin Netanjahu und Gründer der Zehut-Partei, erklärte: „Jedes Kind, jedes Baby in Gaza ist ein Feind“ und argumentierte, dass der wahre Feind nicht die Hamas, sondern die gesamte Bevölkerung von Gaza sei. Er forderte die vollständige Besetzung und Kolonisierung des Gazastreifens und erklärte: „Wir müssen den Gazastreifen erobern und besiedeln, und kein einziges Kind aus dem Gazastreifen sollte dort bleiben. Es gibt keine andere Form des Sieges.“ Die Äußerungen fallen in eine Zeit verstärkter israelischer Militäroperationen im Gazastreifen, bei denen Netanjahu versprach, das Gebiet „unter seine Kontrolle“ zu bringen, um die Hamas zu besiegen und die Freilassung der verbleibenden Geiseln sicherzustellen. Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums wurden seit Beginn der israelischen Offensive im Anschluss an den Hamas-Angriff am 7. Oktober 2023 über 53.000 Menschen im Gazastreifen getötet, wobei allein in den letzten vier Tagen mehr als 600 Todesopfer zu beklagen waren. Feiglins Äußerungen haben sowohl im Inland als auch international scharfe Verurteilung hervorgerufen. Kritiker, darunter auch Nutzer auf X, bezeichneten die Kommentare als völkermörderisch und unmenschlich, in einem Beitrag hieß es: „Das ist ein teuflischer Krieg gegen Kinder. Israel muss gestoppt werden!“ Andere drückten ihre Ungläubigkeit aus und ein Nutzer fragte: „Wie kann ein freiheitsliebender Mensch dieser Völkermord-Rhetorik tatenlos zusehen?“ Die Äußerungen haben die wachsende Kritik an Israels Vorgehen im Gazastreifen angeheizt, zumal die humanitären Bedenken zunehmen.
Israelkritik auf über 80 Prozent gestiegen
In Deutschland, wo die öffentliche Unterstützung für Israel nachgelassen hat, werden Feiglins Äußerungen wahrscheinlich die Kritik verstärken. Eine aktuelle ZDF-Politbarometer-Umfrage ergab, dass 80 % der Deutschen Israels Militäraktionen im Gazastreifen aufgrund der hohen Zahl ziviler Opfer ablehnen, gegenüber 69 % im März 2024. Die deutsche Regierung bekräftigt zwar das Recht Israels auf Selbstverteidigung, sieht sich aber zunehmendem Druck ausgesetzt, die humanitäre Krise in Gaza anzugehen. Feiglin, der von 2013 bis 2015 der Knesset angehörte, ist für seine provokanten Äußerungen bekannt. Im Jahr 2024 wurde er kritisiert, weil er Hitler zitierte, um sich dagegen auszusprechen, „einen Islamo-Nazi“ in Gaza zu lassen. Seine jüngsten Äußerungen haben die Debatte über die Rhetorik rechtsextremer israelischer Politiker und ihre Auswirkungen auf den aktuellen Konflikt neu entfacht. Während die internationale Empörung wächst, hat die israelische Regierung nicht offiziell auf Feiglins Äußerungen reagiert. Allerdings besteht die Gefahr, dass die Äußerungen Israels Verbündete in der Welt weiter verprellen und die Position Israels im Spannungsfeld zwischen militärischen Zielen und humanitären Verpflichtungen verkomplizieren. Die Kontroverse unterstreicht die tiefe Spaltung im Gaza-Konflikt, sowohl innerhalb Israels als auch im Ausland, während die Forderungen nach einem Waffenstillstand und einem Geiselabkommen lauter werden.

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Er sprach sich außerdem für einen „grausamen und harten Tod“ für alle Bewohner des Gazastreifens aus, verwarf die Vorstellung von unschuldigen Zivilisten

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Türkei
Syrischer Präsident al-Scharaa: Überraschungsbesuch in Istanbul

Istanbul – Der syrische Präsident Ahmad al-Scharaa ist heute zu einem unangekündigten Besuch in die Türkei gereist, wo er im Dolmabahçe-Palast in Istanbul mit seinem türkischen Amtskollegen Recep Tayyip Erdogan zusammentraf. Medienberichten zufolge wurde das Treffen den Medien nicht vorab mitgeteilt und fand außerhalb des üblichen Zeitplans für offizielle Besuche statt. Präsident al-Scharaa wurde von Syriens Außenminister Asaad al-Scheibani sowie von Verteidigungsminister Muharraf Abu Qasra und anderen Beamten begleitet. Am Treffen nahmen von türkischer Seite Außenminister Hakan Fidan, Verteidigungsminister Yaşar Güler, Geheimdienstchef İbrahim Kalın und Haluk Görgün, Leiter des Sekretariats der Verteidigungsindustrie, teil. Beobachtern zufolge findet dieser Besuch zu einem sehr heiklen Zeitpunkt statt, nachdem israelische Erklärungen über „positive“ geheime Treffen zwischen Vertretern der neuen syrischen Regierung und der israelischen Seite, die unter türkischer Schirmherrschaft stattfanden, bekannt wurden. Einem israelischen Beamten zufolge bot Damaskus „Gesten des guten Willens“ an. Scharas Besuch in Istanbul spiegelt das Engagement der neuen syrischen Regierung für regionale Absprachen wider, die das Kräfteverhältnis in Syrien neu ordnen dürften, und das in klarer türkisch-amerikanischer Abstimmung.
Erdogan drängt auf Umsetzung des Shara-SDF-Abkommens
Der Besuch von Scharaa fiel mit Erklärungen zusammen, die Präsident Erdoğan zwei Tage zuvor bei seiner Rückkehr aus Budapest abgegeben hatte. Er forderte Damaskus auf, das im vergangenen März unterzeichnete Abkommen mit den Syrischen Demokratischen Kräften (SDF) umzusetzen. Dieses Abkommen sieht die Integration der SDF in die syrische Armee, die Unterstützung staatlicher Institutionen bei der Bekämpfung von Überresten des gestürzten Regimes und die Ablehnung von Sezessionsplänen vor. Erdogan erklärte: „Es ist wichtig, dass die Regierung in Damaskus ihre Aufmerksamkeit nicht von der Frage der kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) ablenkt“, womit er den militärischen Flügel der SDF meinte. Er rief auch zu einer dreiseitigen regionalen Zusammenarbeit zwischen Syrien, der Türkei und dem Irak auf, um das Problem der ISIS-Gefangenenlager im Nordosten Syriens anzugehen. Diese Äußerungen sind Teil der türkischen Bemühungen um eine Konsolidierung des neuen Verständnisses im Nordosten Syriens, insbesondere angesichts des schwindenden Einflusses des früheren Regimes und der wachsenden zentralen Rolle der Regierung von Präsident Schara. In diesem Zusammenhang beobachtet die internationale Gemeinschaft die Entwicklungen in Damaskus genau, da sich die Anzeichen für eine gezielte regionale Annäherung unter Beteiligung wichtiger regionaler und internationaler Akteure mehren. Dieser unangekündigte Besuch in der Türkei hat erhebliche politische Auswirkungen auf die Gestaltung künftiger Allianzen und die Grenzen der Offenheit der neuen syrischen Regierung gegenüber verschiedenen Parteien, einschließlich Ankara und Tel Aviv.

Türkisch-syrischer Verteidigungspakt

Ankara und Damaskus verhandeln seit Dezember – nach dem Sturz von Baschar al-Assad – über einen Verteidigungspakt. Das Abkommen sieht vor, dass die Türkei der neuen syrischen Regierung, die derzeit über kein funktionierendes Militär verfügt, Luftunterstützung und militärischen Schutz gewährt. Obwohl türkische Beamte zuvor die Möglichkeit einer Militärpräsenz in Syrien heruntergespielt und derartige Pläne als verfrüht bezeichnet hatten, wurden die Verhandlungen im Stillen fortgesetzt. Während Israel eine türkische Militärpräsenz in Syrien als potenzielle Bedrohung ansieht, möchte Ankara das Land stabilisieren, indem es seine militärischen Fähigkeiten einsetzt und das Machtvakuum füllt, das durch den Rückzug Russlands und des Irans entstanden ist. „Ein Luftabwehrsystem vom Typ Hisar wird in T4 stationiert, um den Stützpunkt aus der Luft zu schützen“, so eine mit der Angelegenheit vertraute Quelle gegenüber Middle East Eye.
„Sobald das System in Betrieb ist, wird der Stützpunkt umgebaut und mit den notwendigen Einrichtungen erweitert. Ankara plant auch den Einsatz von Überwachungs- und bewaffneten Drohnen, einschließlich solcher mit erweiterten Angriffsfähigkeiten.“

Gaza-Krieg
Mehrheit der Deutschen lehnt Israels Militäreinsatz im Gazastreifen ab

Berlin – Eine aktuelle Umfrage des ZDF-Politbarometers zeigt: 80 Prozent der deutschen Bevölkerung halten das militärische Vorgehen Israels im Gazastreifen für nicht gerechtfertigt, wenn es hohe Opferzahlen unter der palästinensischen Zivilbevölkerung fordert. Dies markiert einen deutlichen Anstieg der Kritik im Vergleich zu März 2024, als noch 69 Prozent diese Ansicht vertraten.
Die Umfrage, durchgeführt von der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen vom 20. bis 22. Mai 2025, verdeutlicht einen signifikanten Rückgang der Unterstützung für Israel in Deutschland. Nur noch 12 Prozent der Befragten bezeichnen den Einsatz gegen die Hamas als angemessen, während die Sorge um die humanitäre Lage in Gaza wächst.
Die Bundesregierung steht vor einem Dilemma: Einerseits bekräftigt sie ihre Unterstützung für Israels Recht auf Selbstverteidigung, andererseits wächst der Druck, die humanitäre Krise in Gaza stärker zu adressieren. Bundeskanzler Friedrich Merz betonte, Israel habe eine „humanitäre Verpflichtung“ gegenüber der Zivilbevölkerung, und forderte, dass Hilfslieferungen die Menschen erreichen müssen.
Die ablehnende Haltung in der Bevölkerung spiegelt sich auch in sozialen Medien wider. Posts auf Plattform X zeigen, dass viele Deutsche die Politik der Bundesregierung als einseitig zugunsten Israels wahrnehmen, während die Mehrheit mehr humanitäre Hilfe für Gaza fordert. Experten sehen in den Umfrageergebnissen ein Zeichen für eine wachsende Skepsis gegenüber Israels Kriegsführung. Die massive Zerstörung und die hohen zivilen Opferzahlen haben das Bild Deutschlands als Vermittler für Menschenrechte in der Region beeinträchtigt.

Mord an Israelis in Washington: Oppositionsführer beschuldigt Netanjahu

Yair Golan, Vorsitzender der israelischen Mitte-Links-Partei der Demokraten und ehemaliger stellvertretender Generalstabschef der israelischen Armee, wurde am 7. Oktober zum Helden, als er auf eigene Faust Menschen vor der Hamas rettete. Nun hat Golan jedoch eine Kontroverse ausgelöst, indem er Premierminister Benjamin Netanjahu und seine Regierung für die jüngste Ermordung von zwei israelischen Botschaftsmitarbeitern in Washington, D.C., verantwortlich machte. Die tödlichen Schüsse auf die beiden israelischen Botschaftsangestellten Yaron Lischinsky und Sarah Lynn Milgrim ereigneten sich am Mittwochabend vor dem Capital Jewish Museum in Washington, D.C.

Verdächtiger rief „Free Palestine“

Der Verdächtige, der 31-jährige Elias Rodriguez, wurde wegen zweifachen Mordes ersten Grades und mehrerer Schusswaffenverbrechen angeklagt. Die Behörden berichteten, dass Rodriguez während seiner Festnahme „Free Palestine“ rief, was zu einer weit verbreiteten Verurteilung des Anschlags als Akt des Antisemitismus führte. Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu bezeichnete den Vorfall als „schreckliche, antisemitische“ Schießerei und ordnete erhöhte Sicherheitsvorkehrungen in den israelischen diplomatischen Vertretungen weltweit an.

Golan kritisiert Netanjahus Regierung

In einer auf X veröffentlichten Erklärung drückte Golan seine Trauer für die Familien der Opfer aus, kritisierte aber gleichzeitig Netanjahus Regierung: „Es ist Netanjahus Kahane-Chai-Regierung, die Antisemitismus und Hass auf Israel schürt, und das Ergebnis ist eine beispiellose politische Isolation und Gefahr für jeden Juden in jedem Winkel der Welt.“ Golans Verweis auf „Kahane Chai“ bezieht sich auf die rechtsextreme Ideologie, die mit Rabbi Meir Kahane in Verbindung gebracht wird, und deutet an, dass Netanjahus Koalition, der ultranationalistische Minister angehören, die weltweiten Spannungen verschärft.

„Ein vernünftiges Land tötet keine Babys“

Dies ist nicht das erste Mal, dass Golan öffentlich mit Netanjahu aneinandergeraten ist. Nur wenige Tage vor der Schießerei in Washington, am 20. Mai 2025, machte Golan Schlagzeilen mit bissigen Bemerkungen über Israels Verhalten im laufenden Krieg in Gaza. In einem Interview mit dem öffentlichen israelischen Radiosender Reshet Bet erklärte er:
„Ein vernünftiges Land kämpft nicht gegen Zivilisten, tötet keine Babys als Hobby und setzt sich nicht das Ziel, eine Bevölkerung zu vertreiben.“
Die Kommentare, die Netanjahu und andere führende Politiker scharf kritisierten, richteten sich gegen die militärische Strategie der Regierung und die Blockade der humanitären Hilfe für den Gazastreifen, die Israel zu einem „Pariastaat“ gemacht habe, der mit dem Südafrika der Apartheid-Ära vergleichbar sei, so Golan.

Zum Thema

– Gaza-Krieg – Allianzen gegen Israel: Sánchez plant Erdoğan-Besuch

Sánchez kritisiert die israelischen Militäraktionen im Gazastreifen, die er wiederholt als unverhältnismäßig und verheerend verurteilt hat, lautstark. Er nannte Israel am vergangenen Mittwoch  „völkermordender Staat“.

Allianzen gegen Israel: Sánchez plant Erdoğan-Besuch

Yair Golan-Äußerungen
Mord an Israelis in Washington: Oppositionsführer beschuldigt Netanjahu

Jerusalem – Yair Golan, Vorsitzender der israelischen Mitte-Links-Partei der Demokraten und ehemaliger stellvertretender Generalstabschef der israelischen Armee, wurde am 7. Oktober zum Helden, als er auf eigene Faust Menschen vor der Hamas rettete. Nun hat Golan jedoch eine Kontroverse ausgelöst, indem er Premierminister Benjamin Netanjahu und seine Regierung für die jüngste Ermordung von zwei israelischen Botschaftsmitarbeitern in Washington, D.C., verantwortlich machte. Die tödlichen Schüsse auf die beiden israelischen Botschaftsangestellten Yaron Lischinsky und Sarah Lynn Milgrim ereigneten sich am Mittwochabend vor dem Capital Jewish Museum in Washington, D.C.

Verdächtiger rief „Free Palestine“

Der Verdächtige, der 31-jährige Elias Rodriguez, wurde wegen zweifachen Mordes ersten Grades und mehrerer Schusswaffenverbrechen angeklagt. Die Behörden berichteten, dass Rodriguez während seiner Festnahme „Free Palestine“ rief, was zu einer weit verbreiteten Verurteilung des Anschlags als Akt des Antisemitismus führte. Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu bezeichnete den Vorfall als „schreckliche, antisemitische“ Schießerei und ordnete erhöhte Sicherheitsvorkehrungen in den israelischen diplomatischen Vertretungen weltweit an.

Golan kritisiert Netanjahus Regierung

In einer auf X veröffentlichten Erklärung drückte Golan seine Trauer für die Familien der Opfer aus, kritisierte aber gleichzeitig Netanjahus Regierung: „Es ist Netanjahus Kahane-Chai-Regierung, die Antisemitismus und Hass auf Israel schürt, und das Ergebnis ist eine beispiellose politische Isolation und Gefahr für jeden Juden in jedem Winkel der Welt.“ Golans Verweis auf „Kahane Chai“ bezieht sich auf die rechtsextreme Ideologie, die mit Rabbi Meir Kahane in Verbindung gebracht wird, und deutet an, dass Netanjahus Koalition, der ultranationalistische Minister angehören, die weltweiten Spannungen verschärft.

„Ein vernünftiges Land tötet keine Babys“

Dies ist nicht das erste Mal, dass Golan öffentlich mit Netanjahu aneinandergeraten ist. Nur wenige Tage vor der Schießerei in Washington, am 20. Mai 2025, machte Golan Schlagzeilen mit bissigen Bemerkungen über Israels Verhalten im laufenden Krieg in Gaza. In einem Interview mit dem öffentlichen israelischen Radiosender Reshet Bet erklärte er:
„Ein vernünftiges Land kämpft nicht gegen Zivilisten, tötet keine Babys als Hobby und setzt sich nicht das Ziel, eine Bevölkerung zu vertreiben.“
Die Kommentare, die Netanjahu und andere führende Politiker scharf kritisierten, richteten sich gegen die militärische Strategie der Regierung und die Blockade der humanitären Hilfe für den Gazastreifen, die Israel zu einem „Pariastaat“ gemacht habe, der mit dem Südafrika der Apartheid-Ära vergleichbar sei, so Golan.

Netanjahu: „Verabscheuungswürdige antisemitische Verleumdungen“

Netanjahu reagierte auf Golans frühere Äußerungen, indem er ihm „wilde Aufwiegelung“ vorwarf und „verabscheuungswürdige antisemitische Verleumdungen“ gegen israelische Soldaten und den Staat wiederholte. Andere Regierungsvertreter, darunter der Minister für Kulturerbe, Amichay Eliyahu, gingen noch weiter und brachten Golans Rhetorik direkt mit dem Anschlag in Washington in Verbindung. Eliyahu erklärte:
„Yair Golans Blutverleumdungen finden bei Nazis und Israelhassern in der ganzen Welt Widerhall. Den Preis dafür zahlen wir jetzt mit dem mörderischen Anschlag in Washington.“
Unbeirrt verteidigte Golan seine früheren Äußerungen und stellte klar, dass sie sich gegen die „gescheiterte“ Politik der Regierung Netanjahu richteten und nicht gegen die israelischen Verteidigungskräfte (IDF). Er versprach außerdem, Netanjahu wegen Verleumdung zu verklagen und beschuldigte den Premierminister, Lügen zu verbreiten und sich vor der Verantwortung zu drücken. „Ich habe die Vorführung eines lügenden, ängstlichen und gestörten Mannes gesehen, der jeden mit Schlamm bewirft und keine Verantwortung für irgendetwas übernimmt“, sagte Golan als Reaktion auf Netanjahus Pressekonferenz am 20. Mai. Golans unverblümte Kritik, sowohl vor als auch nach der Tragödie in Washington, hat gemischte Reaktionen hervorgerufen. Befürworter, darunter der frühere Ministerpräsident Ehud Barak, haben seinen Mut gelobt, den Tribut des Krieges für die palästinensische Zivilbevölkerung anzusprechen, ein Thema, das im israelischen Mainstream-Diskurs selten diskutiert wird. Kritiker hingegen, darunter Oppositionsführer Yair Lapid, bezeichneten seine Äußerungen als „Geschenk an unsere Feinde“ und argumentierten, dass sie die nationale Einheit in einer Zeit der Krise untergraben. Während Israel mit den Folgen dem Anschlag in Washington und dem andauernden Krieg im Gazastreifen zu kämpfen hat, haben Golans Äußerungen die tiefe Spaltung des Landes deutlich gemacht. Seine Anschuldigungen gegen Netanjahus Regierung werden wahrscheinlich eine weitere Debatte über Israels Politik und ihre globalen Auswirkungen auslösen, wobei der Oppositionsführer verspricht, seinen Kampf für die „Wiederherstellung der Sicherheit für jeden Juden“ fortzusetzen, indem er die derzeitige Führung herausfordert.

USA
US-Außenministerium genehmigt Raketenverkauf an Türkei

Washington – Das US-Außenministerium hat einen möglichen Verkauf von modernen Luft-Luft-Raketen im Wert von 304 Millionen Dollar an die Türkei genehmigt und damit einen wichtigen Schritt zur Wiederherstellung der Verteidigungs- und Handelsbeziehungen zwischen den beiden NATO-Verbündeten getan. Das Geschäft, das 53 AIM-120C-8 Advanced Medium-Range Air-to-Air Missiles (AMRAAMs) und 60 AIM-9X Sidewinder Block II Raketen umfasst, muss nach Angaben der U.S. Defense Security Cooperation Agency (DSCA) noch vom Kongress endgültig genehmigt werden. Diese Entwicklung stellt einen bemerkenswerten Wandel in den Beziehungen zwischen den USA und der Türkei dar, die in den letzten Jahren stark belastet waren. Die Türkei, ein wichtiges NATO-Mitglied mit dem zweitgrößten Militär des Bündnisses, war in der Vergangenheit häufig mit den Vereinigten Staaten über verschiedene Themen zerstritten, darunter der Kauf des russischen Luftabwehrsystems S-400 im Jahr 2019. Die Anschaffung führte zu erheblichen Konsequenzen, darunter US-Sanktionen im Rahmen des Countering America’s Adversaries Through Sanctions Act (CAATSA) und der Ausschluss der Türkei aus dem F-35-Kampfjet-Programm. Die USA gaben zu bedenken, dass das fortschrittliche Radar des S-400 die Tarnkappenfähigkeiten der F-35 beeinträchtigen und damit den technologischen Vorsprung der NATO gefährden könnte. Der Kauf der S-400 hat nicht nur die Pläne der Türkei, 100 F-35 Lightning II-Jets zu erwerben, gestoppt, sondern auch dazu geführt, dass türkische Unternehmen nicht mehr an der Produktion des Jets beteiligt waren. Dieser Schritt verschärfte die Spannungen zwischen Ankara und Washington und warf Fragen über die Ausrichtung der Türkei innerhalb der NATO und ihre wachsenden Beziehungen zu Russland auf.

Tauwetter in den Beziehungen

Die jüngsten Entwicklungen signalisieren jedoch ein Tauwetter in den Beziehungen. Die Ratifizierung der schwedischen NATO-Mitgliedschaft im Jahr 2024 durch die Türkei nach monatelangen Verzögerungen ebnete den USA den Weg für den Verkauf von F-16-Kampfflugzeugen und Modernisierungspaketen im Wert von 23 Milliarden Dollar an die Türkei – ein Geschäft, das als Geste der Gegenseitigkeit angesehen wird. Dieser Raketenkauf unterstreicht die Bemühungen beider Länder um eine Verbesserung der Beziehungen und eine Stärkung der militärischen Zusammenarbeit im Rahmen der NATO. Das DSCA stellte fest, dass der Verkauf „die außenpolitischen Ziele und die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten unterstützen wird, indem er die Sicherheit eines NATO-Verbündeten verbessert, der weiterhin eine Kraft für politische und wirtschaftliche Stabilität in Europa ist“. Zu diesem Optimismus trägt auch bei, dass die Diskussionen über eine mögliche Wiederaufnahme der Türkei in das F-35-Programm wieder aufgeflammt sind. Im Jahr 2024 deutete die amtierende stellvertretende US-Außenministerin Victoria Nuland an, dass Washington die Wiederaufnahme der Türkei in das F-35-Programm in Betracht ziehen würde, wenn das S-400-Problem gelöst wird, möglicherweise durch den Abzug der russischen Systeme von türkischem Boden.

Erdogan will Zusammenarbeit mit Trump

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat sein Interesse an einer Zusammenarbeit mit US-Präsident Donald Trump bekundet, um die laufenden Streitigkeiten, einschließlich der möglichen F-35-Verkäufe, zu klären. Ein solcher Schritt wäre von großer Bedeutung, denn der Ausschluss der Türkei aus dem Programm war ein großer Rückschlag, zumal der Rivale Griechenland im Rahmen seiner militärischen Modernisierung F-35 anschaffen will. Analysten vermuten, dass sich das strategische Kalkül der Türkei verschieben könnte. Angesichts der sich verbessernden Beziehungen zu den USA und des Wunsches, ein Gegengewicht zu den wachsenden militärischen Fähigkeiten Griechenlands zu schaffen, könnte Ankara bereit sein, seine S-400-Systeme abzugeben und sie möglicherweise an ein Drittland wie Aserbaidschan oder Katar zu transferieren.

Außenminister Hakan Fidan will S-400 behalten

Es bleiben jedoch Herausforderungen, da der türkische Außenminister Hakan Fidan bereits signalisiert hat, dass er die S-400 behalten möchte, und Russland jeder Weitergabe der Systeme zustimmen müsste. Der Raketenverkauf, der während eines Besuchs von US-Außenminister Marco Rubio in der Türkei anlässlich eines NATO-Außenministertreffens angekündigt wurde, spiegelt die Bemühungen wider, die angespannten Beziehungen wiederherzustellen. Er fällt auch mit den Bestrebungen der Türkei zusammen, ihre Luftwaffe zu modernisieren, die sich in hohem Maße auf in den USA hergestellte Ausrüstungen stützt, darunter F-16-Jets sowie verschiedene Hubschrauber und Panzer. Die Hinzufügung von AMRAAM- und Sidewinder-Raketen wird die Luftverteidigungsfähigkeiten der Türkei verbessern, insbesondere für ihre F-16-Flotte, die diese fortschrittlichen Systeme einsetzen kann. Der Verkauf hat zwar in einigen Kreisen, insbesondere in Indien, aufgrund der engen Beziehungen der Türkei zu Pakistan Bedenken ausgelöst, stellt jedoch einen pragmatischen Schritt zur Stärkung der NATO-Einheit dar. Die mögliche Wiederaufnahme der Türkei in das F-35-Programm könnte diese Partnerschaft weiter festigen, sofern die S-400-Frage geklärt wird. Während beide Staaten diese komplexe Beziehung steuern, signalisiert das Raketengeschäft einen vorsichtigen, aber optimistischen Schritt hin zu einer vertieften militärischen und strategischen Zusammenarbeit.  

Gaza-Krieg
Allianzen gegen Israel: Sánchez plant Erdoğan-Besuch

Madrid – Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez wird am Freitag zu Gesprächen mit Präsident Recep Tayyip Erdoğan in die Türkei reisen, wobei die Gaza-Krise im Mittelpunkt der Gespräche stehen dürfte. Sánchez kritisiert die israelischen Militäraktionen im Gazastreifen, die er wiederholt als unverhältnismäßig und verheerend verurteilt hat, lautstark. Er nannte Israel am vergangenen Mittwoch  „völkermordender Staat“. Sánchez, einer der schärfsten europäischen Kritiker Israels, hat auf dem jüngsten Gipfel der Arabischen Liga in Bagdad internationalen Druck gefordert, um das von ihm als „Massaker“ bezeichnete Vorgehen zu stoppen. Er hat sich auch für den Ausschluss Israels von internationalen Kulturveranstaltungen wie dem Eurovision Song Contest ausgesprochen und dabei Parallelen zu Russlands Verbot nach der Invasion in der Ukraine gezogen. Sánchez kündigte außerdem an, dass Spanien eine UN-Resolution vorschlagen werde, in der ein Urteil des Internationalen Gerichtshofs zu Israels Kriegsmethoden gefordert wird, und unterstrich damit sein Engagement für die humanitäre Situation im Gazastreifen, wo nach Angaben der örtlichen Behörden über 50.000 Menschen ums Leben gekommen sind. Der Besuch des spanischen Staatsoberhaupts soll die bilateralen Beziehungen zwischen Spanien und der Türkei stärken und gleichzeitig die Bemühungen um eine Lösung der Situation im Gazastreifen bündeln. Erdoğan, ein langjähriger Unterstützer der palästinensischen Sache, hat das Vorgehen Israels in ähnlicher Weise kritisiert. Im Mittelpunkt des Treffens in Istanbul wird auch die Wiederbelebung des bilateralen Handels und der Zusammenarbeit stehen, und es wird erwartet, dass beide Politiker an Diskussionen teilnehmen, die von der International Summit Society veranstaltet werden. In einem Beitrag auf X wird darauf hingewiesen, dass Sánchez‘ Engagement für den Gazastreifen das vieler muslimischer und arabischer Führer übertrifft, was die Bedeutung dieses diplomatischen Engagements unterstreicht. Die Gespräche zwischen Sánchez und Erdoğan werden als entscheidender Schritt zur Koordinierung der internationalen Reaktionen auf die Krise angesehen. Es wird erwartet, dass die Staats- und Regierungschefs Strategien für einen dauerhaften Waffenstillstand und humanitäre Hilfe erörtern und dabei den regionalen Einfluss der Türkei und die Position Spaniens innerhalb der Europäischen Union nutzen werden.