Kommentar
Türkei: Das Trauma des Putschversuchs vom 15. Juli 2016

ein Gastbeitrag von Kemal Bölge Der Schock des Putschversuchs ist in den Köpfen der türkischen Bevölkerung noch allgegenwärtig. Es war am Abend des 15. Juli 2016, als Panzer der türkischen Armee strategisch wichtige Punkte in Istanbul besetzt hatten. Mitglieder des terroristischen Gülen-Netzwerks, auch bekannt als Fetullahistische Terrororganisation (Fetö), hatten in der Armee geputscht. Die Bevölkerung war aufgebracht und ging auf die Straße. Einer dieser tapferen Helden, die sich für Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Freiheit in der Türkei einsetzten, war Birol Mınık. Er befand sich am 15. Juli 2016 in Istanbul und hat seine Erlebnisse für uns zusammengefasst. Mınık: „Der 15. Juli 2016, der Tag des Putschversuchs, war für mich ein sehr prägendes Ereignis. An jenem Tag befand ich mich mit meinem Sohn, meiner Schwester und meiner Mutter in Istanbul.  Wir waren gerade in der Wohnung meiner Schwester, in der 34. Etage, als Kampfflugzeuge an unserem Hochhaus vorbeidonnerten. Nachdem wir die Lage begriffen hatten, sind wir dann mit unseren türkischen Fahnen auf die Straße gegangen und liefen in Richtung des Stadtzentrums des Stadtteils Kadıköy. In dieser Nacht hatte es mich besonders beeindruckt, dass um manche Gebäude sich sehr viele (einige hundert) Menschen versammelten und dort verharrten, bis der Putschversuch  vorbei war. Es kamen immer mehr vollbeladene, schwere Betonmischer hinzu, die die Straßen zu diesen Objekten blockierten. Ich fragte die Leute was das für Bauten waren.  Es handelte sich um Ämter und staatliche Verwaltungsgebäude. Die Bevölkerung stemmte sich gegen die mögliche Machtübernahme durch Fremde. Auf der Straße befanden sich Menschen aller politischen Richtungen. Auch sehr viele Kemalisten, die dagegen kämpften, dass eine gewählte Regierung mit Gewalt abgeschafft werden sollte. Die Autobahn (E5) Richtung Kadıköy war sehr leer. Es fuhren, wenn überhaupt, kleine hupende Konvois, in dem fahnenschwingende Menschen Richtung der Bosporus-Brücke fuhren. Da wir (meine Schwester, mein Sohn und ich) kein Auto hatten und auch ins Zentrum wollten, gingen wir mit unseren Fahnen auf die Autobahn E5 und winkten, damit man uns mitnahm. So fuhren wir ins Zentrum. Auf der Autobahn E5 sahen wir fahrende Panzer, die von der Bevölkerung  angehalten wurden. Männer kletterten auf die Panzer. Wir hielten kurz an, weil ich losbrüllte, sie dürfen nichts gegen unsere „Asker“ [Anm. d. Red. Soldaten] tun. Ich schrie, was ich konnte. Hitzköpfe wurden von Anderen vor der Anwendung von Gewalt zurückgehalten. Als ich noch dazu ein Polizeiauto sah und wie die Polizisten sich zur Beruhigung der Lage einsetzten und weitere Polizeiautos mit Blaulicht  kamen, fuhren wir weiter. Es war schon weit nach Mitternacht, ich schätze 2 Uhr. Wir erfuhren vom Putsch, als wir zu Hause gerade unser gemeinsames Abendessen einnahmen. Mein Onkel rief uns an. Er, der den Militärputsch von 1980 miterlebte, riet uns eindringlich, Lebensmittel auf Vorrat zu kaufen. Es war zwischen 21 und 22 Uhr. Er schlug vor im Fernsehen CNN-Türk einzuschalten. Kurz nach ihm riefen uns Freundinnen meiner Schwester aus Deutschland an. Sie sagten, die türkischen Medien würden lügen. Laut deutschen Medien und Spiegel-Online sei der Putsch durch. Die Regierung abgesetzt. Erdoğan sei auf der Flucht nach Deutschland, wo er um Asyl bitten wolle. Auch Yildirim (Ministerpräsident) wäre auf der Flucht. Die Islamisten wären weg! Nach 1-2 Stunden erwiesen sich diese deutschen Nachrichten, woher auch immer sie so früh ihre Informationen hatten, als falsch! Meine Familienangehörigen sind keine AKP-Anhänger. Aber wir weigerten uns, dass unsere Demokratie von irgendwelchen Verschwörern gestürzt wird. Meinem Sohn, der damals 20 Jahre alt war, sagte ich, dass heute Geschichte geschrieben wird. Heute werden wir um unsere Demokratie kämpfen. So gingen wir also nach Mitternacht, als wir einigermaßen kapierten was vonstatten ging, auf die Straße. Zwischenzeitlich flogen Kampfjets im Tiefflug und durchbrachen die Schallmauer und das Knallen ließ alle zusammenzucken sowie viele Fenster bersten. Nach meiner Meinung war das ein Anzeichen für Angst vor der Bevölkerung. Also waren wir umso motivierter, auf die Straße zu gehen und unseren Beitrag für unseren Staat zu leisten. Je mehr von uns auf die Straße gingen, umso mehr wurden andere ermutigt, keine Angst zu haben und ebenfalls auf die Straße zu gehen. Als wir gegen 6 Uhr morgens nach Hause kamen, war der Spuk weitestgehend vorbei. Wir versuchten noch ein paar Stunden zu schlafen, da um 16 Uhr die Trauung meiner Nichte anstand.“
Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.

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– Fakenews – WikiLeaks-Gründer Assange verurteilt Falschmeldungen über Putschversuch in der Türkei

WikiLeaks-Gründer Julian Assange hat am gestrigen Donnerstag darauf hingewiesen, dass die Falschmeldung über den vereitelten Putschversuch in der Türkei in den selbsternannten „Fake News Awards“ von US-Präsident Donald Trump hätten erwähnt werden sollen.

WikiLeaks-Gründer Assange verurteilt Falschmeldungen über Putschversuch in der Türkei

Türkei
Türkischer Automobilsektor europaweit auf Platz fünf

Die Türkei hat einen leistungsstarken, vielfältigen und wissensbasierten Automobilsektor, der europaweit auf Platz 5, weltweit auf Platz 15 rangiert, und bei der Busproduktion sogar in Europa auf Platz zwei. Gleichzeitig ist das Land an der Kreuzung von Europa, Asien und Afrika ein wichtiger Standort für Automobilmarken aus unterschiedlichsten Weltregionen. 14 Autohersteller – darunter Hyundai, Fiat, Toyota, Honda, Ford, MAN, Renault, Mercedes Benz u.a. – produzierten im Jahr 2018 in der Türkei knapp 1,55 Mio. Autos, wovon etwa 85 Prozent exportiert wurden. Ein Großteil der Exporte ging in die EU und davon wiederum ein signifikanter Teil nach Deutschland. Mustafa Varank, Industrie- und Technologieminister, ist sich sicher, dass die Attraktivität der Türkei als Industriestandort weiter steigen wird. Er würde es begrüßen, wenn VW ihren Plan, in der Westtürkei eine Produktionsstätte zu bauen, realisieren würde: „Investitionsentscheidungen im Ausland sollten nach wirtschaftlichen Kriterien betätigt werden. Es ist falsch, sich diesbezüglich von politischen Überlegungen leiten zu lassen. Deswegen führen wir keine politischen Gespräche mit der deutschen Regierung. VW wird in der Türkei Automobile herstellen, weil das Unternehmen hier und nicht woanders die nötigen Voraussetzungen für die Realisierung ihrer Gewinnerwartungen vorfindet.“ Mit ihrer Wirtschaftsgröße, wachsenden Mittelschicht und junger Bevölkerung sei die Türkei zudem ein lukrativer Absatzmarkt für europäische Automobilmarken, betont Baran Çelik, Vorsitzender des OIB, Verband der Automobilexporteure. Im Durchschnitt, 60 Prozent der in der Türkei verkauften Automobile sind Importe, größtenteils aus Europa. Daher sollten deutsche Unternehmer ihre Gewinnchancen nicht einer Türkeiskepsis opfern. „Ich lade unsere deutschen Freunde – Unternehmer, Medienmacher und Entscheidungsträger – dazu ein, sich vor Ort ein eigenes Bild von der Türkei zu machen“, fügt Çelik hinzu. Mit ihren Produkten, ihrer gut ausgebildeten und motivierten Arbeitskräften und Innovationskraft sind die türkischen Automobilhersteller und -zulieferer ein wichtiger Bestandteil der europäischen Wertschöpfungs- und Produktionskette. Alper Kanca, Vorsitzender des größten türkischen Automobildachverbandes TAYSAD, findet, dass die Kooperationspotenziale der türkischen, deutschen und europäischen Automobilhersteller und -zulieferer noch bei weitem nicht ausgeschöpft sind. Er wünscht sich mehr Investitionen deutscher Automobilhersteller und -zulieferer in den türkischen Markt, und er liefert – in deutscher Sprache – entsprechende Fakten: „Wir haben in der Türkei ein äußerst wirtschaftsfreundliches Umfeld: gut qualifizierte und motivierte Arbeits- und Führungskräfte, günstige Energiepreise, eine hervorragende geographische Lage, die den Zugang zu zahlreichen Absatz- und Rohstoffmärkten erleichtert. Für VW wird das Land ein zentrales Sprungbrett nach Afrika, in den Mittleren Osten und Zentralasien.“

Zum Thema

– Wirtschaft – Türkische Autoindustrie will Zusammenarbeit mit Deutschland stärken

Schon heute zählen Hersteller und Zulieferer in der Türkei mit einem für 2019 geplanten Exportvolumen von über 5 Mrd. Dollar zu den wichtigsten ausländischen Partnern der deutschen Automobilindustrie.

Türkische Autoindustrie will Zusammenarbeit mit Deutschland stärken

Meinung
Kommentar zum Artikel der Badischen Zeitung „Terror gegen Christen im Nahen Osten“

Von Kemal Bölge – kboelge@web.de In dem Beitrag werden unterschiedliche Ereignisse pauschalisiert und unkritisch dargestellt. Radikale Gruppen und andere islamistische Terroristen wurden zu Beginn des Syrienkrieges von den USA ausgebildet, bewaffnet und unterstützt, um den syrischen Präsidenten Assad zu stürzen. Das geht aus Dokumenten hervor, die in Washington vor einigen Monaten für die Öffentlichkeit freigegeben wurden. Es handelt sich um die CIA-Unterlagen der Operation „Timber Cycamore“, die die Verwicklung des US-amerikanischen Nachrichtendienstes in den Syrienkrieg belegen. In Deutschland kennt leider ein Großteil der Bevölkerung diese Unterlagen nicht, weil die „Mainstream-Medien“ darüber einfach nicht berichtet haben. Ethnische Säuberungen und Zwangsvertreibungen hat es in Syrien seit 2011 gegeben, diese wurden aber nicht von der Türkei durchgeführt, wie in dem Bericht behauptet, sondern zunächst von der Terrororganisation Islamischer Staat (IS), die anfangs im Irak und dann in Syrien die einheimische Bevölkerung terrorisierte, ermordete und viele zur Flucht zwang. Dann wurde in einer regelrechten Inszenierung der syrische Ableger der PKK, die YPG, vorgeschickt, um den IS zu „bekämpfen“. Um das Ziel eines ethnisch homogenen kurdischen Staates zu erreichen, wurde unter Duldung der USA in Nordsyrien die einheimische Bevölkerung aus Arabern, Turkmenen, Kurden sowie anderen Minderheiten durch die YPG/PKK systematisch verfolgt, getötet und vertrieben. Wer das nicht glaubt, kann sich gerne in den Flüchtlingslagern in der Türkei ein eigenes Bild machen, so wie es die griechische Journalistin Liana Spyropoulou im Rahmen einer Recherche gemacht hat. Obwohl vor Kriegsbeginn die syrischen Kurden zirka 8 Prozent der Gesamtbevölkerung Syriens stellten, eroberte die YPG/PKK mit massiver US-Unterstützung etwa 33 Prozent syrischen Territoriums. Über die Situation in Nordsyrien könnte man auch die dort lebenden oder vertriebenen christlichen Aramäer und Assyrer einmal befragen, die etwas ganz anderes über die YPG/PKK berichten, als in dem Artikel behauptet. Im Übrigen ist die ANF keine Nachrichtenagentur, sondern das Sprachrohr der Terrororganisation PKK. Was der zitierte Erzbischof über die Ereignisse während des Ersten Weltkriegs behauptet, ist exemplarisch für das armenische Narrativ. Die Türkei bestreitet ja nicht den Tod von Armeniern während der Umsiedlung aus den Frontgebieten während des Ersten Weltkriegs. Sie widerspricht aber der armenischen Behauptung einer Vernichtungsabsicht. Das ist ein großer Unterschied, denn für einen Völkermord muss juristisch betrachtet eine Absicht vorliegen. Bis heute gibt es kein Dokument, das eine Vernichtungsabsicht des Osmanischen Reiches beweist. Nach der Völkermordkonvention der Vereinten Nationen von 1948 muss zum einen eine Absicht vorliegen und bewiesen werden und zum anderen sind Taten vor 1948 rückwirkend nicht anwendbar. Ich halte es auch für problematisch, wenn die Armenier als Opfer dargestellt werden, obwohl sie das nicht waren und die türkischen Opfer der systematisch angelegten Massaker der armenischen Milizen einfach verschwiegen wird. Der Grund warum insbesondere in den westlichen Staaten zahlreiche Parlamente die historischen Ereignisse während des Ersten Weltkriegs als „Genozid“ anerkannt haben, besteht nicht in der Entdeckung von neuen Erkenntnissen oder Archivdokumenten, wie es der US-amerikanische Politikwissenschaftler und Historiker Brendon J. Cannon in seinem Buch Konstruiert, Instrumentalisiert, Politisiert einmal sinngemäß formulierte, sondern wegen einer sehr effizient arbeitenden Lobbykampagne der armenischen Diaspora. Hinzu kommt, dass es in vielen westlichen Staaten aufgrund der eigenen historischen Vergangenheit oder dem Kolonialismus sowie zweier Weltkriege Schuldgefühle existieren, die es einfacher machen sich für andere Völker einzusetzen und auch Mitleid zu zeigen.
Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.

Zum Thema

– Militäroffensive Friedensquelle –

Assyrisch-christlicher Journalist: Westliche Medien lassen keine kritischen Fragen über PKK oder YPG zu

Assyrische Christen und Aramäer sind frustriert über die Berichterstattung westlicher Medien zur Terrororganisation PKK und ihrem syrischen Ableger YPG. Die Berichte entsprächen nicht der Realität und wer Fragen stelle oder Einwände habe, werde in Europa nicht erhört.

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Tötung von General Soleimani
Iran-Krise: Racheaktionen gegen internationalen Öltransport am Persischen Golf sind möglich

Ein Kommentar von Kemal Bölge – kboelge@web.de Es war nach Mitternacht, als das Flugzeug des iranischen Generalmajors Qassem Soleimani aus Damaskus kommend auf dem internationalen Flughafen Bagdad landete. Er war schon einmal ins Visier der Amerikaner geraten, allerdings schreckten – wegen der möglichen Folgen – frühere US-Präsidenten stets davor zurück, einen derart wichtigen Strategen des Iran auszuschalten. Diesmal wurden seine Reiseziele genauer unter die Lupe genommen und seine Route genauestens verfolgt. Soleimani war nicht irgendjemand, denn er begriff schon recht früh, dass mit der klassischen Kriegsführung kein Land zu gewinnen ist und entwickelte nach Meinung von Militärexperten die asymmetrische Kriegsführung weiter. Soleimani befehligte die Auslandsoperationen der schiitischen Al-Kuds-Einheiten, die sich in Syrien, Libanon, im Irak oder auch im Jemen befinden. Nach Presseberichten wurde er am Flughafen abgeholt und die beiden Fahrzeuge verließen gerade das Flughafengelände, als eine über dem Flughafen kreisende bewaffnete US-Drohne Raketen auf die Autos abfeuerte. Der General und seine Begleiter wurden bei diesem gezielten Angriff getötet. Die US-Regierung hat Soleimani für den Tod von Hunderten US-Bürgern und Verbündeten verantwortlich gemacht. Die eigentlich wichtige Frage wäre, warum die Vereinigten Staaten es für notwendig erachtet haben einen Mann wie Soleimani zu liquidieren. Lag es an den Angriffen von schiitischen Milizen im Irak, die dort US-Militärbasen angegriffen hatten oder die versuchte Erstürmung der US-Botschaft in Bagdad? Zunächst einmal ist das ein ganz klarer Angriff gegen den Iran und Teheran hat bereits angekündigt auf die Tötung seines Top-Militärs zu antworten. Seit den völkerrechtswidrigen Angriffen des US-Militärs 2003 auf den Irak und später in Syrien, hat es der Iran geschickt verstanden das entstandene Machtvakuum im Irak für sich zu nutzen. Etwa 60 Prozent der irakischen Bevölkerung sind schiitischen Glaubens. Mit der Zeit hat der Iran seinen Einfluss im Irak kontinuierlich ausgebaut. Das gilt aber auch für andere Länder in der Region, wo der Iran seinen Einfluss ausweiten konnte. Wenig überraschend hat das irakische Parlament in seiner heutigen Sitzung (5. Januar 2020) den Abzug aller ausländischen Truppen aus dem Irak gefordert. Es ist davon auszugehen, dass der Iran nicht selbst auf die Liquidierung seines Generals reagiert, trotzt der Drohungen aus Teheran, sondern in einer Art Stellvertreterkrieg (Proxy war) seine mit ihm verbündeten Milizen Aktionen gegen die USA oder deren Verbündete durchführen. Der Iran hat zwar gedroht US-Ziele in der Region anzugreifen, allerdings erscheint eine direkte militärische Konfrontation des Irans mit den USA oder mit Israel eher unwahrscheinlich. Anders sieht es aus, wenn der Iran direkt angegriffen würde. Ebenfalls möglich sind Racheaktionen gegen den internationalen Öltransport am Persischen Golf, was weltweite wirtschaftliche Folgen hätte, denn etwa ein Drittel des globalen Öltransports werden über die Straße von Hormus durchgeführt. Eine Verschärfung der ohnehin angespannten Situation im Nahen Osten würde zu einer Verteuerung des Ölpreises führen. Die Spannungen in der Region werden zunehmen und die Präsenz der US-Armee im Irak immer mehr in Frage gestellt.

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Der iranische Präsident Hassan Ruhani hat die Entdeckung eines neuen Ölfelds in der Chuzestan Provinz im Süden des Landes verkündet.

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Medien
Kommentar: Türkei-Bashing in den deutschen Mainstream-Medien

Ein Gastbeitrag von Kemal Bölge –  kboelge@web.de Bei der Berichterstattung der deutschen Mainstream-Medien über die Türkei wird des Öfteren einseitig und negativ berichtet. Als Beispiele zur Verdeutlichung der negativen Berichterstattung werden einige Artikel aus der deutschen Presse vorgestellt. Das erste Fallbeispiel ist aus der Bild-Zeitung vom 21. Dezember 2019. Die Zeitung berichtet von einer neuen Währungskrise. Der Titel lautet „Neue gefährliche Geldkrise für Erdogan – Wegen Streit mit den USA“ Wer diese Schlagzeile liest, könnte auf den Gedanken kommen, dass eine ernsthafte wirtschaftliche Krise bevorsteht. Die Landeswährung Lira hätte sich gerade erholt und eine Drohung von US-Senatoren die türkische Lira wieder unter Druck gesetzt. Die untere Tabelle soll zum besseren Verständnis über die Kursschwankungen der türkischen Lira gegen über dem US-Dollar beitragen. Im Januar des letzten Jahres lag der Preis für einen US-Dollar bei 5,4003 TL. Im Zuge der politischen Spannungen zwischen den USA und der Türkei über die Anschaffung von russischen S-400 Flugabwehrraketen und der Drohung der USA vor Sanktionen, setzte dies die türkische Währung unter Druck. Der Kurs der Lira fiel am 8. Mai 2019 auf einen Höchststand von 6,1860 TL. Danach erholte sich die türkische Lira kurzzeitig, bevor es im Zuge der Meinungsverschiedenheiten zwischen den USA und der EU mit der Türkei wieder anstieg. Die Bild-Zeitung verweist in dem Artikel auf den Leitindex der Istanbuler Börse, die um 0,5 Prozent eingebrochen sei. Das ist in dieser Größenordnung allerdings kein generelles Anzeichen für eine gesamtwirtschaftliche Krise, weil ein Rückgang der Börsenindizes auch an anderen Börsen der Welt vorkommt. Um eines klarzustellen: Es geht bei diesem Vergleich nicht um die Relativierung von Wirtschaftsdaten, die man überall nachlesen kann, sondern um ein generelles Türkei-Bashing einiger deutscher Medien.
Datum des Kurstags Wert 1 US-D in TL
02.01.2019 5,4003
01.03.2019 5,3742
01.05.2019 5,9665
08.05.2019 6,1860
01.07.2019 5,6507
02.09.2019 5,8068
01.11.2019 5,7124
01.01.2020 5,9488

Die Zahlenangaben beruhen auf den Angaben der Website investing.com, vgl. hierzu https://www.investing.com/currencies/usd-try

Souveräne Entscheidung eines Landes Eigentlich geht es hier um die souveräne Entscheidung eines Landes, das ist in diesem Fall die Türkei, ein eigenes Flugabwehrsystem zu installieren, was Washington mit allen Mitteln zu verhindern versucht. Vergleichen wir das Beispiel der von der Türkei erworbenen russischen Flugabwehrraketen mit dem Bau des „North Stream 2“, also der Pipeline, die russisches Erdgas unter der Ostsee nach Deutschland bzw. Mitteleuropa liefern soll. Deutschland hatte sich seinerzeit mit Russland über den Bau der Ostseepipeline geeinigt. Die USA hatten Deutschland vor dem Bau der Gaspipeline gewarnt, da nach ihrer Ansicht durch die Lieferung eine zu große Abhängigkeit von Russland entstehen würde. Die US-Administration beließ es nicht nur bei einer Warnung, sondern ließ gegen die am Bau der Pipeline beteiligten Unternehmen Sanktionen verhängen. Bundesaußenminister Heiko Maas verbat sich richtigerweise eine Einmischung der Vereinigten Staaten in die deutsche Energiepolitik. Im Falle Deutschlands geht es um die souveräne Entscheidung zur europäischen Energiepolitik und bei der Türkei um ihre eigene Verteidigungspolitik. Hier wird allerdings mit zweierlei Maß gemessen, weil die meisten Mainstream-Medien hierzulande die Entscheidung Deutschlands zum Bau der Ostseepipeline nicht in Frage stellen, wohl aber bei der Entscheidung der Türkei bei Kauf von russischen Flugabwehrraketen. Die Türkei hatte vor einigen Jahren gegenüber US-Regierungsvertretern ihr Interesse am Kauf von Flugabwehrraketen des Typs Patriot geäußert und wollte einen Technologietransfer. Also die Raketen in der Türkei selbst zusammenbauen. Das aber wurde von der US-Administration nicht akzeptiert. Stattdessen wollten die Amerikaner die Patriot-Raketen nur verkaufen und keinen Technologietransfer. In den Presseberichten wurde dieses wichtige Detail allerdings nicht erwähnt. Das zweite Beispiel – „Erdogans nächster Krieg“ – ist vom Nachrichtenmagazin Spiegel vom 22. Dezember 2019. Mit dem Titel „Erdogans nächster Krieg“ versucht der Spiegel seinen Lesern zu erklären, dass es sich bei der Zusammenarbeit der Türkei mit der international anerkannten Regierung in Tripolis um einen „persönlichen Krieg“ des türkischen Präsidenten handelt, obwohl das in Wirklichkeit nicht der Fall ist. Die Türkei hat mit der libyschen Regierung Verträge unterzeichnet und im Rahmen dieser Vereinbarungen versucht Ankara das nordafrikanische Land zu unterstützen. Auch der Untertitel des gleichen Artikels ist verwirrend. Auch hier wird auf Erdogan persönlich Bezug genommen, obwohl nicht Erdoğan selbst sein Engagement ausweiten möchte, sondern die Türkei. „Der türkische Präsident will sein Engagement in Libyen ausweiten. Schon bald könnten türkische Soldaten in dem Bürgerkriegsland kämpfen. Droht ein zweites Syrien?“ Ein weiteres Fallbeispiel für eine gezielte Falschinformation des Spiegel-Lesers ist der folgende Satz: „Erdogans Bündnispartner, der Rechtsextremist Devlet Bahceli, drängt die Regierung, nun auch eigene Soldaten nach Libyen zu entsenden. Erdogan unterstützt Sarraj aus mehreren Gründen:“ Die im türkischen Parlament vertretene konservative MHP von Devlet Bahçeli unterstützt in der Großen Nationalversammlung die Partei von Präsident Erdoğan, allerdings ist sie nicht an der Regierung beteiligt. Der MHP Parteivorsitzende Devlet Bahçeli ist allerdings kein Rechtsextremist, wie der Spiegel behauptet, sondern politisch betrachtet als konservativ einzustufen. Hier wird der Eindruck erweckt, dass Präsident Erdogan mit einem „Rechtsextremisten“ zusammenarbeitet, nur nimmt es der Spiegel mit der Wahrheit nicht so genau. Außerdem hat nicht Bahçeli die türkische Regierung dazu gedrängt Soldaten nach Libyen zu entsenden, sondern die libysche Regierung hat im Rahmen der Verträge die Türkei um Unterstützung gebeten. Was natürlich ein Unterschied ist. Das letzte Beispiel ist vom Nachrichtenmagazin Focus vom 21. Dezember 2019. Der Titel lautet „Der Sultan schäumt bereits: USA wollen Erdogan hart für Eigensinnigkeit bestrafen.“ In diesem Fall wird der Focus-Leser nicht richtig informiert, weil es bei der Anschaffung der Flugabwehrraken des Typs S-400 nicht um Eigensinnigkeit geht, wie der Titel behauptet, sondern um eine eigenständige Verteidigungspolitik der Türkei. Der Artikel geht in einem Satz auf den Kauf der russischen Luftabwehrraketen und die türkische Militäroperation in Syrien ein, die viele US-Senatoren verärgert hätte. Der gesamte Bericht ist aus US-amerikanischer Sicht verfasst und enthält keine Erklärung warum die Türkei die russischen Flugabwehrraketen gekauft hat, was die Beweggründe für die Militärintervention der Türkei in Syrien waren und weshalb die USA die Terrororganisation PKK/YPG gegen den Nato-Partner massiv aufgerüstet und an der syrisch-türkischen Grenze positioniert hatten.

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– Hamburg – Axel Springer-Chef Döpfner plant Anti-Erdogan Kampagne

Die Vorstandsvorsitzenden der größten deutschen Konzerne haben dieser Tage ungewöhnliche Post von Springer-Chef Mathias Döpfner erhalten. In persönlichen Briefen fordert er die Vorstände aller 30 Dax-Konzerne auf, ihn in einer Solidaritätsaktion gegen die Politik des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan zu unterstützen.

Axel Springer-Chef Döpfner plant Anti-Erdogan Kampagne
 

Türkei
Erdogan an Opposition: „Istanbul-Kanal wird gebaut, ob es euch gefällt oder nicht“

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Kocaeli – „Der Istanbul-Kanal wird gebaut werden, ob es euch gefällt oder nicht“, so der türkische Staatspräsident als Antwort auf Kritik der Oppositionspartei CHP, die sich in letzter Zeit gegen das geplante Mega-Projekt der Regierungspartei ausgesprochen hatte. Recep Tayyip Erdogan besuchte nach der Vorstellung des ersten heimischen Elektroautos TOGG in der Industrieprovinz Kocaeli am Freitag die für ihre Teppichherstellung bekannte Stadt Heseke im Nordwesten der Türkei und bekräftigte in einer Rede die Entschlossenheit der Regierung den Bau des Multimilliarden-Dollar-Kanals in Istanbul voranzutreiben. „Sie versuchen, das Projekt zu beenden, bevor es begonnen hat, mit Behauptungen, die keine wissenschaftliche, logische oder vernünftige Erklärung haben“, so Erdogan. Er bezog sich auf Kritiken der oppositionellen Republikanischen Volkspartei (CHP) und ihres Vorsitzenden Kemal Kilicdaroglu am Kanal Istanbul Projekt. „Der Kanal Istanbul wird gebaut werden, ob Sie es wollen oder nicht“, fügte er hinzu. Viele Megaprojekte haben das letzte Jahrzehnt der Türkei geprägt. Vom neuen Flughafen Istanbul über den Eurasien-Tunnel, einem Straßentunnel, der die asiatische mit der europäischen Seite von Istanbul verbindet, bis hin zur Yavuz Sultan Selim Brücke, der dritten Brücke über dem Bosporus. Die türkische Regierung erhofft sich durch den neuen Kanal eine Entlastung des Bosporus vom Schiffsverkehr, insbesondere dem Öltankerverkehr, der die Meeresenge durchquert. Kanal Istanbul werde eine Kapazität von 160 Schiffen pro Tag haben und soll bis 2023 fertiggestellt werden. Offiziellen Meldungen zufolge würden am Bau des Kanals voraussichtlich rund 5000 Menschen beschäftigt sein. Nach Fertigstellung soll er noch etwa 1000 Menschen einen Arbeitsplatz bieten. https://youtu.be/q9aKoBeQDiM

– Istanbul-Kanal – Türkei: Benelux-Staaten zeigen großes Interesse am Bau des Mega-Kanals in Istanbul

Die türkische Regierung ist entschlossen, den Bau des Multimilliarden-Dollar-Kanals in Istanbul voranzutreiben, sagte der Verkehrsminister und teilte mit, dass Unternehmen aus den Benelux-Ländern großes Interesse an dem Projekt gezeigt hätten, dessen Planungsphase kurz vor dem Abschluss stehe.

Türkei: Benelux-Staaten zeigen großes Interesse am Bau des Mega-Kanals in Istanbul

Tourismus
TUI-Chef: TUI profitiert von Brexit-Klarheit und Cook-Pleite

Der Vorstandschef der TUI, Fritz Joussen, gibt sich optimistisch zum Reisegeschäft 2020. „Für den aktuellen Winter liegen die Buchungen konzernweit mit vier Prozent im Plus, in Deutschland liegen die Buchungen ebenfalls auf diesem Niveau“, sagte der Chef von Europas größtem Reisekonzern der Düsseldorfer „Rheinischen Post“. Er rechnet nicht damit, dass die Klimadebatte die Zahl der Flüge reduziert. „Die Menschen werden auch in Zukunft reisen. Sie wollen die Welt sehen, daran ändert die Klimadebatte wenig. Wir rechnen mit einem Wachstum im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich im aktuellen Geschäftsjahr.“ Joussen erwartet, dass sich in Großbritannien ein Drittel der Kunden der früheren Thomas Cook nun für TUI entscheidet. Das Ergebnis der britischen Parlamentswahl helfe TUI: „Die Aufwertung des britischen Pfunds bringt uns neues Geschäft in unserem wichtigsten Markt. Die Parlamentswahlen in Großbritannien haben hinsichtlich des Brexit Klarheit gebracht. Das zeigt sich bereits im Konsumverhalten der Engländer.“ Eine Pleite von TUI wie von Thomas Cook sei ausgeschlossen: „Pauschalreisen bei TUI sind für die Urlauber sicher. TUI hat im letzten Jahr einen Gewinn von 893 Millionen Euro gemacht. Unser Unternehmen ist kerngesund, wogegen Thomas Cook schon lange vor dem Konkursantrag in der Krise war.“ Zu den beliebten Zielgebieten 2020 sagt er: „Griechenland ist auf einem hohen Niveau. Die Türkei, Ägypten und Nordafrika haben Zuwächse. Mallorca bleibt ein Renner, sehr stark gefragt sind Kreuzfahrten und Fernreisen in die Karibik und nach Südostasien.“ Als Wachstumssegment sieht er das Vermitteln von Ausflügen und anderen Aktivitäten: „Weil uns 21 Millionen Kunden als Reiseanbieter vertrauen, wächst die Zahl der vermittelten Aktivitäten schnell: 2018 lag sie bei 4,5 Millionen, 2019 bei fast 10 Millionen. Und weil wir mehr Nachfrage als jeder Wettbewerber bündeln, wollen wiederum immer mehr Firmen mit uns zusammenarbeiten: Aktuell haben wir rund 150.000 Angebote für Aktivitäten, auf Dauer sollen es eine Million sein“, so Joussen

Ausland
Kommentar: Das Türkei-Libyen-Abkommen mischt die Karten im Mittelmeer neu

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Ein Gastbeitrag von Murat Hatake Israel, Griechenland, Zypern und Italien können ihre geplante Gaspipeline nach Europa nicht ohne die Zustimmung der Türkei realisieren. Denn das neue Abkommen mit Libyen bestimmt und erweitert die ausschließliche Wirtschaftszone der Türkei zu Ungunsten Griechenlands, wo die geplante „EastMed Pipeline“ unter dem Wasser verlaufen sollte. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan betont mit Nachdruck, dass eine Verletzung der türkischen Souveränität innerhalb der eigenen ausschließlichen Wirtschaftszone durch Drittländer, Konsequenzen nach sich ziehen werde. Die Warnung nehmen alle Beteiligten Ernst, denn erst vor zwei Wochen wurde ein israelisches Bohrschiff, das unmittelbar an der Zyperngrenze Gasarbeiten vornehmen wollte, von der türkischen Marine zurück gedrängt. Große Gasvorkommen mit der Bezeichnung „Leviathan“ liegen unmittelbar an der israelischen Meeresküste und diese wollte Israel über Griechenland nach Europa liefern und somit die Türkei sicherheitspolitisch umgehen. Auch der griechische Teil Zyperns wollte diese Route für sich wählen, da 2011 Forscher Gasvorkommen im Mittelmeer entdeckt haben sollen, die die Türkei 570 Jahre mit Energie versorgen könnte und Europa für 30 Jahre. Jedoch hat das Türkei-Libyen-Abkommen alle Karten im Mittelmeer neu gemischt und Israel sowie Zypern vom europäischen Raum isoliert. Ohne die Zustimmung der Türkei kann also keine Pipeline in die EU verlegt werden. Die Türkei bot Israel an, die Pipeline über die Türkei nach Europa zu verlegen. Dadurch würde die Türkei energiepolitisch noch mehr an Bedeutung gewinnen und somit zu einem Energiehub zwischen Nahost – Asien – Mittelost und Europa werden. Indessen hat Griechenland den libyschen Botschafter ausgewiesen und der Türkei gedroht und Europa um Hilfe gebeten. Zusammenfassend: Die Türkei führt eine nationale geostrategische Interessenspolitik im Nahen Osten und stärkt ihre Militärpräsenz in Syrien, Irak, Libyen und im Mittelmeer. Europa scheint dagegen machtlos zu sein und auch die Anrainerstaaten kommen gegen die Regionalmacht Türkei nicht an. Die USA als Hegemonialmacht droht der Türkei mit Wirtschaftsembargos und Sanktionen auf Rüstungsgüter. Die Türkei gibt sich unbeeindruckt und droht ebenfalls mit der Schließung von Natomilitärbasen wie Incirlik und Kürecik.

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– Energiepolitik – Türkei: Spannungen um Erdöl- und Erdgasvorkommen im östlichen Mittelmeer Mit Beginn des IV. Kreuzzuges anno 1202, erwarben die damals mächtigen italienischen Stadtstaaten Venedig und Genua Handelsrechte in den ägäischen Inseln und in der Levante. Damit war der Beginn eines Konkurrenzkampfs zwischen den beiden Handelsstädten eingeläutet und die Venezianer setzten sich als Seemacht um 1380 gegen die Genueser durch.
Türkei: Spannungen um Erdöl- und Erdgasvorkommen im östlichen Mittelmeer

Türkei
Kommentar: Wie der Westen Terroristen schützt

Ein Gastbeitrag von Kemal Bölge –  kboelge@web.de Ankara, in den frühen Morgenstunden des 16. Juli 2016: Nach dem Umsturzversuch gegen die gewählte türkische Regierung tags zuvor, fällt der Gendarmerie auf dem hermetisch abgeriegelten Luftwaffenstützpunkt Akıncı auf offenem Gelände ein Mann auf. Er trägt keine Militäruniform, hat eine Glatze und sieht von seiner Statur her aus wie ein harmloser Beamter. Auf die Frage der schwer bewaffneten Soldaten was er in der streng abgeriegelten Militärbasis zu suchen habe, antwortet der Unbekannte mit einer energischen Stimme, er sei wegen eines Grundstückkaufs vor Ort. Die Soldaten nehmen ihm das nicht ab. Er wird festgenommen und kommt in Untersuchungshaft. Der Unbekannte, um den es hier geht, ist kein geringerer als Adil Öksüz. Nach Ansicht der Generalstaatsanwaltschaft in Istanbul gilt Öksüz als einer der mutmaßlichen Drahtzieher des Putschversuchs von 2016 und wird daher mit internationalem Haftbefehl gesucht. Er war als „Imam“, das ist eine Verbindungsperson des terroristischen Gülen-Netzwerks, für die türkische Luftwaffe zuständig. Öksüz wurde damals einem Haftrichter vorgeführt, der ihn nach 22 Stunden Untersuchungshaft unter Auflagen auf freien Fuß setzte, obwohl der zuständige Staatsanwalt gegen diese Entscheidung Berufung eingelegt hatte. Später stellte sich heraus, dass während der Querelen um den bewaffneten Umsturzversuch Mitglieder der Gülen-Organisation in der Gendarmerie und an den Gerichten die Beweise für den Haftbefehl unterschlagen haben. Nach seiner nicht nachvollziehbaren Freilassung unter Auflagen, das von einem Gericht in Sincan/Ankara angeordnet wurde, verliert sich seine Spur. Türkische Ermittler konnten seine Flucht dennoch etwas rekonstruieren. Demnach ist Öksüz auf seiner Flucht zunächst nach Istanbul gereist und von dort nach Sakarya. Nach Angaben der türkischen Strafverfolgungsbehörden befanden sich unter seinen Fluchthelfern sein Schwager, Ali Sami Yildirim, der gleichzeitig Verantwortlicher der Gülen-Organisation in Russland war sowie der Journalist Erdal Şen aus Ankara. Gegen diese Personengruppe und weitere Fluchthelfer verhängten türkische Gerichte Haftstrafen wegen der Mitgliedschaft in einer Terrororganisation und der Beihilfe zur Flucht von Öksüz. Seit drei Jahren befindet sich einer der meistgesuchten Gülen-Terroristen auf der Flucht. Es gab Spekulationen über seinen Aufenthaltsort und Öksüz habe sich ins Ausland abgesetzt. Die Zeitungen Die Zeit und die Frankfurter Rundschau berichteten 2018 Adil Öksüz sei nach Bekanntwerden seines Aufenthaltsortes von Personenschützern des Berliner Staatsschutzes an einen sicheren Ort gebracht worden. Wenn diese Presseberichte zutreffen sollten, wäre das ein großer Skandal, weil damit ein mit Haftbefehl gesuchter Verbrecher und Terrorist durch Sicherheitsbehörden in Deutschland geschützt würde. Das verstößt gegen geltende Gesetze und internationale Verträge. Vergleichen wir den Putschversuch von 2016 anhand eines Beispiels mit Deutschland. Wer in Deutschland die verfassungsmäßige Ordnung mit Gewalt oder einer Androhung beseitigen will, wird nach § 81, § 82, § 83 Strafgesetzbuch (StGB) entweder mit einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe oder zu einer Freiheitstrafe zu zehn Jahren verurteilt. Es kann nicht sein, dass Mörder und Terroristen in Deutschland um politisches Asyl bitten und erhalten, obwohl in diesem Fall ganz klar nach strafrechtlichem Aspekt beurteilt werden muss. In Deutschland haben zahlreiche Mitglieder der terroristischen Gülen-Organisation (Militärattachés, Diplomaten, Soldaten, Offiziere etc.) Asyl erhalten oder die Verfahren dauern noch an. Die Türkei verlangt deren Auslieferung, weil diese Terroristen eine Straftat begangen haben. Beim Putschversuch wurden von den Verschwörern 251 türkische Bürger brutal ermordet. Nach Angaben der Strafverfolger flog Adil Öksüz, einer der mutmaßlichen Planer des Putschversuchs vom 15. Juli 2016, mit einem weiteren „Imam“ der fethullahistischen Terrororganisation (Fetö), Kemal Batmaz, drei Tage vor dem Putschversuch, am 12. Juli 2016, in die USA und kam am 14. Juli 2016 wieder zurück. Es existieren Aufnahmen der Überwachungskameras am Flughafen, die Öksüz und Batmaz gemeinsam zeigen. Die Ermittler gehen davon aus, dass beide von Gülen selbst oder durch eine andere Person Anweisungen für den Putsch am 15. Juli 2016 erhalten haben. Wenn das stimmt, hat der amerikanische Nachrichtendienst CIA und auch die US-Regierung darüber Kenntnis gehabt. Nach dem gescheiterten Putschversuch besuchte der damalige US-Vizepräsident Joe Biden am 24. August 2016 Ankara und erklärte vielsagend: „Als der Putschversuch begann, konnten wir nicht einschätzen ob dieser echt war oder nicht.“ Terroristenchef Gülen selbst lebt seit seiner Flucht 1999 in seinem Anwesen in Pennsylvania/USA. Mehrfache Auslieferungsanträge der Türkei an die US-Behörden wurden von diesen entweder gar nicht beantwortet oder abgelehnt. Zu einer Auslieferung des Terrorchefs wird es wohl nicht kommen, denn dann würde das ganze Ausmaß der US-Verwicklung publik werden.
Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.

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Geschichte
Nach der Machtübernahme der Nazis: Albert Einsteins Brief an die Türkei

Von Kemal Bölge  Durch die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler, am 30. Januar 1933, wurde den Nazis der Weg zur Macht geebnet. Die Weltwirtschaftskrise war ein Faktor von einigen, die die Machtübernahme der NSDAP in Deutschland erst ermöglichte. Viele deutsche Wissenschaftler jüdischen Glaubens, aber auch andere Akademiker, mussten wegen der Nazi-Diktatur Deutschland daraufhin verlassen. Zu ihnen gehörte auch der berühmte deutsche Physiker Albert Einstein, der für die Union der Gesellschaft am 17. September 1933 einen Brief an den damaligen Präsidenten der Türkei, Mustafa Kemal Atatürk bzw. den Ministerpräsidenten Ismet Inönü, schrieb, mit der Bitte um Aufnahme dieser Wissenschaftler in der Türkei, damit diese an den türkischen Hochschulen lehren und forschen könnten.
Union der Gesellschaft „OSE“ Für den Schutz und der Gesundheit der jüdischen Bevölkerungen Seine Exzellenz Der Präsident des Ministerkabinetts der türkischen Republik 17 September, 1933 Ihre Exzellenz Als Ehrenpräsident der Weltvereinigung „OSE“ wende ich mich bittend an Ihre Exzellenz, um 40 Professoren und Ärzten aus Deutschland zu erlauben, ihre wissenschaftlichen und medizinischen Arbeiten in der Türkei fortsetzen zu können. Die oben erwähnten Personen können sich nicht weiter in Deutschland betätigen, da die dort derzeit herrschenden Gesetze es nicht zulassen. Die Mehrheit dieser Männer besitzen große Erfahrungen, Kenntnisse sowie wissenschaftliche Verdienste und könnten, wenn man sie in ein neues Land umsiedeln würde, sehr nützlich sein. Aus einer großen Zahl von Bewerbern hat unsere Vereinigung 40 erfahrene Fachmänner und prominente Gelehrte ausgewählt, und wendet sich hiermit an Ihre Exzellenz, um diesen Männern zu erlauben, sich in Ihrem Land niederzulassen damit sie Ihre Arbeit ausüben können. Diese Wissenschaftler sind bereit, ein Jahr lang ohne jede Vergütung in einigen Ihrer Einrichtungen gemäß den Anweisungen Ihrer Regierung zu arbeiten. Diesen Antrag unterstützend nehme ich mir die Freiheit, meine Hoffnung auszudrücken, dass bei einer Bewilligung dieser Bitte Ihrerseits eine Tat der großen Humanität vollzogen wird, dadurch aber auch einen Vorteil für Ihr eigenes Land mit sich bringt. Ich habe die Ehre, Ihrer Exzellenz zu Diensten zu sein (Unterzeichnet von Prof. Albert Einstein) (Quelle: Eslam.de)
Der dieses Jahr verstorbene britische Historiker Prof. Norman Stone, hielt zu diesem Thema 2001 einen Vortrag beim 17. KAS-Diskussionsforum an der Konrad-Adenauer-Stiftung in Ankara. Stone erklärte, die „Notgemeinschaft deutscher Wissenschaftler im Ausland“ hätte schon 1933 die ersten deutschen Hochschullehrer in die Türkei vermittelt. Bis 1937 hätten 350 deutsche Wissenschaftler eine Anstellung an türkischen Universitäten erhalten und davon seien „150 Wissenschaftler mit Weltruhm“ gewesen. Hier einige Namen von Hochschullehrern und Gelehrten, die in der Türkei einen Anstellungsvertrag an Universitäten erhielten: Hans Wilbrand (Agrarwissenschaft), Ernst Hirsch (Jura), Hans Güterbock (Hethitologe) oder der österreichische Architekt Clemens Holzmeister. Auch der Komponist und Pianist Bela Bartok gehörte zu den emigrierten Wissenschaftlern. Albert Einsteins Türkei-Aufenthalt war übrigens von kurzer Dauer, bevor er am 17. Oktober 1933 in die USA emigrierte.

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