Tötung von General Soleimani
Iran-Krise: Racheaktionen gegen internationalen Öltransport am Persischen Golf sind möglich

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag letzter Woche wurde der Oberbefehlshaber der iranischen Al-Kuds-Einheiten, General Soleimani, am Flughafen in Bagdad von einer bewaffneten US-Drohne getötet. Welche Auswirkungen hat seine Liquidierung für die Region?

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Ein Kommentar von Kemal Bölge – kboelge@web.de

Es war nach Mitternacht, als das Flugzeug des iranischen Generalmajors Qassem Soleimani aus Damaskus kommend auf dem internationalen Flughafen Bagdad landete.

Er war schon einmal ins Visier der Amerikaner geraten, allerdings schreckten – wegen der möglichen Folgen – frühere US-Präsidenten stets davor zurück, einen derart wichtigen Strategen des Iran auszuschalten.

Diesmal wurden seine Reiseziele genauer unter die Lupe genommen und seine Route genauestens verfolgt. Soleimani war nicht irgendjemand, denn er begriff schon recht früh, dass mit der klassischen Kriegsführung kein Land zu gewinnen ist und entwickelte nach Meinung von Militärexperten die asymmetrische Kriegsführung weiter.

Soleimani befehligte die Auslandsoperationen der schiitischen Al-Kuds-Einheiten, die sich in Syrien, Libanon, im Irak oder auch im Jemen befinden. Nach Presseberichten wurde er am Flughafen abgeholt und die beiden Fahrzeuge verließen gerade das Flughafengelände, als eine über dem Flughafen kreisende bewaffnete US-Drohne Raketen auf die Autos abfeuerte.

Der General und seine Begleiter wurden bei diesem gezielten Angriff getötet. Die US-Regierung hat Soleimani für den Tod von Hunderten US-Bürgern und Verbündeten verantwortlich gemacht.
Die eigentlich wichtige Frage wäre, warum die Vereinigten Staaten es für notwendig erachtet haben einen Mann wie Soleimani zu liquidieren.

Lag es an den Angriffen von schiitischen Milizen im Irak, die dort US-Militärbasen angegriffen hatten oder die versuchte Erstürmung der US-Botschaft in Bagdad? Zunächst einmal ist das ein ganz klarer Angriff gegen den Iran und Teheran hat bereits angekündigt auf die Tötung seines Top-Militärs zu antworten. Seit den völkerrechtswidrigen Angriffen des US-Militärs 2003 auf den Irak und später in Syrien, hat es der Iran geschickt verstanden das entstandene Machtvakuum im Irak für sich zu nutzen.

Etwa 60 Prozent der irakischen Bevölkerung sind schiitischen Glaubens. Mit der Zeit hat der Iran seinen Einfluss im Irak kontinuierlich ausgebaut. Das gilt aber auch für andere Länder in der Region, wo der Iran seinen Einfluss ausweiten konnte. Wenig überraschend hat das irakische Parlament in seiner heutigen Sitzung (5. Januar 2020) den Abzug aller ausländischen Truppen aus dem Irak gefordert.

Es ist davon auszugehen, dass der Iran nicht selbst auf die Liquidierung seines Generals reagiert, trotzt der Drohungen aus Teheran, sondern in einer Art Stellvertreterkrieg (Proxy war) seine mit ihm verbündeten Milizen Aktionen gegen die USA oder deren Verbündete durchführen. Der Iran hat zwar gedroht US-Ziele in der Region anzugreifen, allerdings erscheint eine direkte militärische Konfrontation des Irans mit den USA oder mit Israel eher unwahrscheinlich.

Anders sieht es aus, wenn der Iran direkt angegriffen würde. Ebenfalls möglich sind Racheaktionen gegen den internationalen Öltransport am Persischen Golf, was weltweite wirtschaftliche Folgen hätte, denn etwa ein Drittel des globalen Öltransports werden über die Straße von Hormus durchgeführt. Eine Verschärfung der ohnehin angespannten Situation im Nahen Osten würde zu einer Verteuerung des Ölpreises führen. Die Spannungen in der Region werden zunehmen und die Präsenz der US-Armee im Irak immer mehr in Frage gestellt.

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