Meinung
Kommentar zum Artikel der Badischen Zeitung „Terror gegen Christen im Nahen Osten“

Kommentar zum Artikel in der Badischen Zeitung vom 28.12.2019 „Terror gegen Christen im Nahen Osten“ von Michael Wrase.

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Von Kemal Bölge– kboelge@web.de

In dem Beitrag werden unterschiedliche Ereignisse pauschalisiert und unkritisch dargestellt. Radikale Gruppen und andere islamistische Terroristen wurden zu Beginn des Syrienkrieges von den USA ausgebildet, bewaffnet und unterstützt, um den syrischen Präsidenten Assad zu stürzen.

Das geht aus Dokumenten hervor, die in Washington vor einigen Monaten für die Öffentlichkeit freigegeben wurden. Es handelt sich um die CIA-Unterlagen der Operation „Timber Cycamore“, die die Verwicklung des US-amerikanischen Nachrichtendienstes in den Syrienkrieg belegen.

In Deutschland kennt leider ein Großteil der Bevölkerung diese Unterlagen nicht, weil die „Mainstream-Medien“ darüber einfach nicht berichtet haben.

Ethnische Säuberungen und Zwangsvertreibungen hat es in Syrien seit 2011 gegeben, diese wurden aber nicht von der Türkei durchgeführt, wie in dem Bericht behauptet, sondern zunächst von der Terrororganisation Islamischer Staat (IS), die anfangs im Irak und dann in Syrien die einheimische Bevölkerung terrorisierte, ermordete und viele zur Flucht zwang. Dann wurde in einer regelrechten Inszenierung der syrische Ableger der PKK, die YPG, vorgeschickt, um den IS zu „bekämpfen“.

Um das Ziel eines ethnisch homogenen kurdischen Staates zu erreichen, wurde unter Duldung der USA in Nordsyrien die einheimische Bevölkerung aus Arabern, Turkmenen, Kurden sowie anderen Minderheiten durch die YPG/PKK systematisch verfolgt, getötet und vertrieben. Wer das nicht glaubt, kann sich gerne in den Flüchtlingslagern in der Türkei ein eigenes Bild machen, so wie es die griechische Journalistin Liana Spyropoulou im Rahmen einer Recherche gemacht hat.

Obwohl vor Kriegsbeginn die syrischen Kurden zirka 8 Prozent der Gesamtbevölkerung Syriens stellten, eroberte die YPG/PKK mit massiver US-Unterstützung etwa 33 Prozent syrischen Territoriums. Über die Situation in Nordsyrien könnte man auch die dort lebenden oder vertriebenen christlichen Aramäer und Assyrer einmal befragen, die etwas ganz anderes über die YPG/PKK berichten, als in dem Artikel behauptet. Im Übrigen ist die ANF keine Nachrichtenagentur, sondern das Sprachrohr der Terrororganisation PKK.

Was der zitierte Erzbischof über die Ereignisse während des Ersten Weltkriegs behauptet, ist exemplarisch für das armenische Narrativ. Die Türkei bestreitet ja nicht den Tod von Armeniern während der Umsiedlung aus den Frontgebieten während des Ersten Weltkriegs. Sie widerspricht aber der armenischen Behauptung einer Vernichtungsabsicht.

Das ist ein großer Unterschied, denn für einen Völkermord muss juristisch betrachtet eine Absicht vorliegen. Bis heute gibt es kein Dokument, das eine Vernichtungsabsicht des Osmanischen Reiches beweist. Nach der Völkermordkonvention der Vereinten Nationen von 1948 muss zum einen eine Absicht vorliegen und bewiesen werden und zum anderen sind Taten vor 1948 rückwirkend nicht anwendbar.

Ich halte es auch für problematisch, wenn die Armenier als Opfer dargestellt werden, obwohl sie das nicht waren und die türkischen Opfer der systematisch angelegten Massaker der armenischen Milizen einfach verschwiegen wird.

Der Grund warum insbesondere in den westlichen Staaten zahlreiche Parlamente die historischen Ereignisse während des Ersten Weltkriegs als „Genozid“ anerkannt haben, besteht nicht in der Entdeckung von neuen Erkenntnissen oder Archivdokumenten, wie es der US-amerikanische Politikwissenschaftler und Historiker Brendon J. Cannon in seinem Buch Konstruiert, Instrumentalisiert, Politisiert einmal sinngemäß formulierte, sondern wegen einer sehr effizient arbeitenden Lobbykampagne der armenischen Diaspora.

Hinzu kommt, dass es in vielen westlichen Staaten aufgrund der eigenen historischen Vergangenheit oder dem Kolonialismus sowie zweier Weltkriege Schuldgefühle existieren, die es einfacher machen sich für andere Völker einzusetzen und auch Mitleid zu zeigen.


Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.


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