Volkmarsen
Hessen: Auto rast in Rosenmontagszug – Kinder unter Verletzten

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Volkmarsen – Medienberichten zufolge soll ein Auto in einen Rosenmontagszug gerast sein. Das berichtet die Tagesschau unter Berufung auf den Hessischen Rundfunk. Es sollen mindestens zehn Menschen verletzt worden sein. Im hessischen Volkmarsen ist nach Informationen des Hessischen Rundfunks ein Auto in einen Rosenmontagszug gefahren. Es sollen mindestens zehn Menschen verletzt worden sein, wie die Tagesschau berichtet. Wie der Hessische Rundfunk mit Hinweis auf Augenzeugen weiter berichtet, sei ein silberfarbener Mercedes-Kombi gegen 14.30 Uhr in die Menge gefahren und nach etwa 30 Meter zum Stehen gekommen. Der Fahrer habe noch Gas gegeben. Wie Ruhr24 unter Berufung auf HNA.de berichtet, soll der Fahrer „die Absperrung am Rosenmontagsumzug umgangen“ haben und „dann mit Vollgas auf die Menschenmenge zugerast“ sein. Die Augenzeugen hätten den Eindruck gehabt, der Fahrer habe es vor allem auf Kinder abgesehen. Laut einer Mitteilung der Polizei wurde der Fahrer des Wagens festgenommen. „Ob es sich um einen medizinischen Notfall handelt oder ein technisches Versagen ist oder ob schlimmstenfalls Absicht dahinter steckt, dazu können wir leider gar nichts sagen“, sagte ein Polizeisprecher am Montag in Kassel. Die Polizei bat zudem darum, „keine ungesicherten Meldungen weiter zu verbreiten“. Volkmarsen ist eine Kleinstadt im Landkreis Waldeck-Frankenberg mit rund 6.800 Einwohnern. Sie ist rund 30 Kilometer von Kassel entfernt.  

Anschlag in Hanau
Kommentar zu „Allahu-Akbar“-Rufen bei Demo gegen Rechts in Hanau

Ein Gastkommentar von Nabi Yücel Am Sonntag gab es eine Demonstration mit Gedenken an die Opfer des rassistischen und antimuslimischen Terrors in Hanau. Die marschierenden Gedenkteilnehmer wie Redner der Abschlusskundgebung auf dem Hanauer Marktplatz sendeten ein dringliches, wichtiges und richtiges Signal in die Welt. In Stichpunkten zusammengefasst, verlief der heutige Sonntag so ab: Gefühlt über 20.000 Teilnehmer nahmen an dem Marsch von der Kesselstadt in Richtung Marktplatz teil, um dort an der Abschlusskundgebung teilzunehmen. Auf der Philippsburger Allee am Rande des Hanauer Schlosses startete der Marsch in Richtung Marktplatz. Zwischen türkischen Fahnen, afghanischen Flaggen, der rumänischen Fahne oder der Flagge Bosnien und Herzegowinas marschierten Deutsche wie auch Staatsbürger fremder Nationalitäten nebeneinander und hielten Spruchbänder oder Tafeln mit sinnigen Sprüchen gegen Rassismus oder Nazis hoch. Hin und wieder klang der Takbir schrill durch den Protestzug. Gökhan Uygun von der DITIB-Zentralmoschee in Köln hielt eine Koran-Rezitation für die Opfer des Terrors ab. Mitorganisator der Gedenkveranstaltung, zusammen mit der Initiative Hanauer Vereine, M. Teyfik Özcan, grüßte die Anwesenden mit „Herzlich Willkommen, Grüß Gott, as-salāmu ʿalaikum und Shalom.“ und fügte in seiner Rede hinzu: „Es sind nicht Türken, Bosnier, Afghanen oder Rumänen ums Leben gekommen, es sind neun Hanauer Bürger, Kinder dieser Gesellschaft, die uns weggenommen wurden.“ Dann werden die Namen der Opfer einzeln aufgerufen, aus der Menschenmenge hört man erst ein leises „Hier!“, dann werden es immer mehr Stimmen, dass „Hier!“ wird immer hörbarer, lauter. Später fügt Özcan seiner Rede hinzu, wie wichtig es für uns sei, „Flagge zu zeigen. Gegen Terror, Fremdenfeindlichkeit und antimuslimischen Rassismus“ zu sein. Unsere Botschaft laute: „Wir sind Deutschland. Wir gehören zusammen.“ „Die Tage und Stunden sind zu Friedenszeiten die schwärzesten und dunkelsten, die unsere Stadt je erlebt hat“, sagte Oberbürgermeister Kaminsky während seiner Rede. Denjenigen, die die Gesellschaft spalten wollten, rief er zu: „Wir sind mehr, und wir können euch daran hindern.“ Wir und alle anderen seien nicht mehr Wert, aber auch nicht weniger Wert. Der Vorsitzende des Koordinierungsrates der Muslime, Zekeriya Altug erklärte, „die Barmherzigkeit Allahs gilt allen Menschen, allen Lebewesen der gesamten Schöpfung.“ Zudem fügt er hinzu, „wir gehören alle zusammen“, seien sie „kurdischer, türkischer, afghanischer, bosnischer, bulgarischer oder deutscher Abstammung.“ Im Anschluss daran sprachen Vertreter der evangelischen und katholischen Kirche, der Vertreter der Jüdischen Gemeinde erhielt frenetischen Applaus. Der Bruder eines Todesopfers erklärte auf dem Podium, „wir sind im Stich gelassen worden“. Der türkische Botschafter Ali Kemal Aydin erklärte auf dem Podium, dass die türkische Gemeinde von Jahr zu Jahr mehr Angriffe auf Personen, auf Moscheen oder auf Vereine erlebe. „Das kann und darf so nicht weitergehen.“ Das mal in Kürze zusammengefasst. Für alle, die den Marsch verfolgen oder die Reden auf dem Marktplatz anhören wollen, es gibt auf meinem Facebook-Profil Videos. Jeder kann sich damit eine eigene Meinung bilden. Während des Marsches über die Philippsburger Allee wurde lautstark in Zwischentönen die Takbīr gerufen. Zuerst dachte ich, „Leute, die Deutschen und Nichtmuslime bekommen Angst oder wenden sich von euch ab.“ Aber dann sah ich im weiteren Verlaufe des Protestzuges alle Nationalitäten, alle Religionen, alle Hautfarben, sehr viele Deutsche, die den Marsch begleiteten, und ich sagte mir: „dann muss der Rest das auch aushalten und sich daran gewöhnen und tolerieren.“ Denn, gerade weil wir seit Tagen, seit Monaten, ja sogar seit Jahrzehnten von einer Hiobsbotschaft in die andere Taumeln und in Ohnmacht verfallen, gerade deshalb ist es auch wichtig, dass herauszuschreien, was uns Muslime ständig vorgehalten wird. Sie müssen das tolerieren, wie wir es weiterhin tolerieren, dass sie weiterhin Hass verbreiten. Übrigens, ich bewundere unsere Muslime, Kurden, Türken, alle anderen Nationalitäten und Ethnien, die sich bislang bravourös und mustergültig verhalten haben und in deutschen Städten keinen Krieg wie in den Pariser Banlieue angezettelt haben; nur weil sie mit den Zuständen unzufrieden sind oder damit nicht mehr klar kommen. Wir halten sprichwörtlich jedesmal irgend eine Wange hin und nicht nur die andere; so wie die christlichen Werte es vorschreiben. Wir sind nicht anders oder weniger Wert, weil wir Muslime oder Türken, Kurden, Afghanen, Bosnier, Rumänen, Polen und viele andere sind. Wir sind auch nicht fremder als Hans Müller, Sibel Schick oder Tuncay Özdamar. Wir sind nicht radikaler als Burak Copur oder Martin Glasenapp, Susanne Schröter, Seyran Ates, Necla Kelek, Cem Özdemir, Ercan Karakoyun, Reyhan Şahin, Gökay Akbulut, Ahmad A. Omeirate sowie Ronja Othmann, die uns das auch jetzt und vor allem jetzt noch vorhalten. Wir Muslime, aber auch Türken und Kurden, werden seit Jahrzehnten in Kategorien gesteckt. Man vermittelt uns oder hält uns vor, nicht in diese Gesellschaft zu gehören. Wir würden nicht die demokratischen Werte, die Rechtsstaatlichkeit oder die Wertekultur teilen, wir würden sie gar untergraben. Ob das nun von Teilen der AfD, CDU/CSU, SPD, Grünen oder Linken vorgehalten oder von Ethno-Nationalisten, Islamkritikern, Türkei-Kritikern oder Religionskritikern vorgeworfen wird, ist doch alles derselbe Bullshit. Wir sind genauso Deutsche oder leben bereits in 4. Generation in diesem Land. Wir gehören ebenso zu Deutschland wie der Senf auf die Bockwurst, Kölle Alaaf zu Köln, Cem Özdemir zum schmotzigen Dunschtig, wie die Semah zu Aleviten, wie die Shisha zu Arabern, wie das Feuer zu Newroz, wie Festmahl zu Ramadan oder Takbīr zu Muslime. Wer das anderen oder einzelnen absprechen will, soll doch bitteschön hervortreten und Farbe bekennen. Nabi Yücel – yuecelnabi@hotmail.de
Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.
 

Kriminalität
Nach Hanau-Anschlag: Schüsse vor Haus des DITIB-Generalsekretärs abgefeuert

Heilbronn – Nur wenige Tage nach dem verheerenden Terroranschlag im hessischen Hanau mit insgesamt 11 Toten, sowie Schüsse auf ein weiteres Shisha-Cafe in Stuttgart, wurden in der Nacht von Samstag auf Sonntag vor dem Wohnhaus der Familie des Generalsekretärs des Moscheeverbandes DITIB, Abdurrahman Atasoy in Heilbronn, Schüsse abgefeuert. Auf den ersten Notruf habe die Polizei mit „Sie sind nicht die einzigen, stellen Sie sich nicht so an. Sie müssen warten“, geantwortet. Es seien auch keine Zeugenaussagen aufgenommen worden. Erst am nächsten Morgen seien dann Polizeibeamte erschienen und hätten denn Fall „ernst genommen“, so Atasoy in einer Mitteilung auf Facebook. Hierzu die DITIB in einer Stellungnahme:
„Der Vorfall ereignete sich nach der gestrigen Sitzung in Ludwigshafen, an der alle Vorsitzenden der DITIB-Landesverbände, KRM-Sprecher Dr. Zekeriya Altug und Vertreter des Bundesverbandes, darunter auch Generalsekretär Abdurrahman Atasoy, teilnahmen. Nach der Sitzung fuhr Herr Atasoy, selber aus der Region stammend, nach Heilbronn zu seinem Bruder. Als er sein Auto parkte, fielen 5-6 Schüsse in unmittelbaren Nähe. Erschreckt und aus Angst um Leib und Leben, rief seine Schwester sofort die Polizei. Diese jedoch nahm die Anzeige nicht ernst, schickte zwar einen Streifenwagen, der nur vorbeifuhr, ohne mit den Betroffenen zu reden. Nach einer Nacht in Angst und Schrecken, wartend, dass die Polizei vielleicht doch noch bei der Familie Atasoy das Gespräch sucht, fanden sich am Morgen 5 Patronenhülsen direkt vor dem Hofzugang zu dem allein von der Familie Atasoy bewohnten Haus. Erneut wurde die Polizei telefonisch verständigt, die in einem herablassenden Ton sagte „Sie sind nicht die einzigen, stellen Sie sich nicht so an. Sie müssen warten.“ Die Polizei selbst, die dann vor Ort eintraf, war sehr aufmerksam und hat den Vorfall entsprechend umsichtig aufgenommen. Das Verhalten der Heilbronner Polizei zum Zeitpunkt der telefonischen Kontaktaufnahme zeigt eindrücklich, dass der Terrorakt in Hanau, die 10 Todesopfer zur Folge hatte, und all die Anteilnahme und Äußerungen von höchsten politischen Stellen und die gebotene Sensibilität und Empathie längst nicht bis in die Niederungen der Polizeiarbeit angekommen sind. Wenn Herr Bundesinnenminister Seehofer von Schutz der Migranten und Muslime redete, kann er nicht nur ihre Gebäude und Einrichtungen gemeint haben, sondern ebenfalls öffentlich bekannte Funktionäre dieser. Im Nachgang fällt in diesem Zusammenhang rückblickend auf, dass sich in den letzten Wochen eine gefährliche Drohkulisse aufgebaut hat. So wurden vor etwa 2 Wochen die rechten Fensterscheiben an den Privatfahrzeugen von Kazim Türkmen, Vorstandsvorsitzender des DITIB-Bundesverbandes, von Abdurrahman Atasoy, Generalsekretär im DITIB-Bundesvorstand, und von Muharrem Kuzey, Vorsitzender des religiösen Rates im DITIB-Landesverband Köln, eingeschlagen. Einige Tage danach gingen die Bombendrohungen gegen unsere Moschee ein. Nach dem Terrorakt in Hanau und dem erneuten Beschuss einer Shisha-Bar gestern Abend und dem Übergriff auf Generalsekretär Atasoy kann statistisch nicht mehr von einer zufälligen Häufung von Übergriffen die Rede sein. Dass sich Einzelvorgänge zu einem solchen Drohszenario zusammensetzen und die Polizei davor anscheinend immer noch die Augen verschließt, kann nicht im Sinne eines freiheitlichen liberalen Staates sein. Wir erwarten, dass Übergriffe gegen Migranten und Muslime, gegen ihre Gotteshäuser und auch kulturellen Einrichtungen von Polizei, Staatsschutz und Politik ernst genommen werden. Wir erwarten, dass ein jeder mit Leib und Leben sich sicher fühlen kann und nicht herablassend behandelt wird, wenn er Vorfälle meldet. Wir wollen nicht vertröstet werden, wir wollen nicht in Angst leben, wir wollen nicht daran zweifeln, ob unsere Bedürfnisse wahrgenommen werden. Wir wollen Ermittlungserfolge und Aufklärung von Geschehnissen, um kruden Verschwörungstheorien nicht anheim zu fallen und um nicht über einen NSU 2.0 nachzudenken. Die Kumulation dieser Vorfälle ist im höchsten Maße beunruhigend und nimmt bedrohliche Ausmaße an, die man nie für möglich gehalten hätte. Vor dem Familienhaus der Atasoys wurden fünf Patronenhülsen gefunden. Der Staatsschutz wurde benachrichtigt. Vorangegangen waren in den letzten zwei Wochen Bombendrohungen gegen fünf Moscheen, Festnahmen einer Terrorzelle mit 12 Rechtsextremen, die Anschläge auf Moscheen planten, Übergriffe auf Shisha-Cafés in Döbeln & Stuttgart. Und nicht zuletzt, Hanau. Die Forderung an den Staat muss jetzt erst recht sein, nach einer solchen Drohkulisse gegen Menschen mit Migrationshintergrund, kulturelle Vereine & Geschäfte, Muslime, Moscheen und ihre Repräsentanten, Rechte aus den Behörden rauszuwerfen und konkrete Schritte gegen Rechsextremismus in Deutschland einzuleiten.“
         

Rechtsextremismus
Rechtsextremistische Gewalt steigt in Berlin um 20 Prozent

Die Zahl der rechtsextremistischen Gewalttaten ist in Berlin im vergangenen Jahr um 20 Prozent angestiegen. Das sagte Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) in einem Interview mit dem „Tagesspiegel am Sonntag„. Insgesamt sei die Zahl der Straftaten im Bereich der rechtsmotivierten politischen Kriminalität um acht Prozent gestiegen. Geisel bezeichnete den Anstieg der Gewalttaten als „besonders beunruhigend“. 2019 wurden in Berlin 1932 rechtsmotivierte Straftaten angezeigt, 2018 waren es 1789. Die Zahl der Gewalttaten stieg von 128 auf 153 Fälle. „Das ist bemerkenswert hoch“, sagte Geisel. Die Aufklärungsquote liege im Bereich der rechtsmotivierten Kriminalität bei 37,7 Prozent – 1,7 Prozent mehr als noch 2018. Durch das Erstarken des Rechtspopulismus würden Demokratie und Rechtsstaat angegriffen, sagte Geisel dem „Tagesspiegel“. „Die AfD legt mit ihrem Rechtspopulismus und mit ihrer Hetze den Nährboden für diese Taten.“ Rechtsextremisten fühlten sich ermutigt, den Worten nun Taten folgen zu lassen. Einen Anlass, Gesetze zu verschärfen sieht Berlins Innensenator nach dem rechtsextremistischen Anschlag im hessischen Hanau nicht: „Das ist immer schnell gesagt. Jetzt verschärfen wir mal die Gesetze, ohne dass wir wirklich wissen, ob die Verschärfung von solchen Gesetzen dazu geführt hätte, Täter aufzuspüren“, sagte Geisel. Stattdessen wolle er die Polizei weiter umstrukturieren. Der Staatsschutz soll im Bereich Rechtsextremismus besser aufgestellt werden. Er will in der zuständigen Abteilung mehr Beamte und eine bessere technische Ausstattung. Insgesamt hält Geisel die Sicherheitsbehörden aber für „sehr gut aufgestellt“. Hundertprozentige Sicherheit könne jedoch niemand versprechen.

Kommentar
Corona-Virus: Weltweiter Wirtschaftseinbruch unvermeidlich

Ein Kommentar von Ernst Wolff Das Corona-Virus versetzt die Menschen rund um den Globus in Angst und Schrecken. Nicht zu Unrecht, denn es mehren sich die Anzeichen, dass sich die Welt sowohl medizinisch als auch ökonomisch auf eine Ausnahmesituation einstellen muss. China befindet sich bereits in einer historisch nie dagewesenen Lage. Die Regierung hat insgesamt 400 Millionen Menschen, also mehr als die gesamte Einwohnerschaft der USA, unter Quarantäne gestellt und die eigene Industrie praktisch stillgelegt. Wie es aussieht, wird sich die Situation in naher Zukunft auch nicht ändern. China – Handelsgigant und globaler Lieferant Die Foxconn-Werke, die in Shenzhen und Zhengzhou für Apple produzieren, haben ihre Arbeit weitgehend eingestellt. Fahrzeughersteller, die zur Aufrechterhaltung der eigenen Produktion auf Lieferungen aus China angewiesen sind, melden ebenfalls erste Ausfälle: Nachdem Hyundai bereits in der vergangenen Woche die gesamte Produktion in Südkorea stillgelegt hat, stoppt der japanische Autobauer Nissan ab heute die Produktion in seinem Werk in Kyushu, während Fiat-Chrysler die Produktion in seinem serbischen Werk in Kragujevac ebenfalls ab heute aussetzt. Dazu entfällt China zurzeit als Absatzmarkt für die gesamte globale Autoindustrie – wodurch zum Beispiel der VW-Konzern auf vierzig Prozent seiner für den Export bestimmten Fahrzeuge sitzen bleibt. Noch abhängiger von China ist die Pharmaindustrie: 80 bis 90 Prozent der weltweit vertriebenen Medikamente werden in China und Indien hergestellt; 97 Prozent der in den USA verkauften Antibiotika kommen aus China.  Diese nüchternen Zahlen bedeuten: Der IT-Gigant Apple wird in absehbarer Zeit Lieferausfälle verbuchen, die Beschäftigten in der Automobilbranche werden sich auf Kurzarbeit und Entlassungen einstellen und schwerkranke Menschen in aller Welt werden mit erheblichen Engpässen bei der Versorgung mit Medikamenten rechnen müssen. China reißt die Welt mit sich in den Abgrund Aber das ist noch lange nicht alles. China betreibt mit der Neuen Seidenstraße zurzeit das größte Wirtschaftsprojekt in der gesamten Geschichte der Menschheit und hat bereits in mehr als sechzig Ländern hunderte Billionen Yuan investiert. Jede Verzögerung der Fertigstellung laufender Projekte kostet das Land horrende Summen und bedeutet für die Beschäftigten unvorhergesehene Lohnausfälle.  Die Finanzmärkte ignorieren die Gefahren – und erhöhen sie so Trotz dieser Hiobsbotschaften haben die weltweiten Finanzmärkte bisher nicht einmal in Ansätzen auf die Bedrohung durch das Corona-Virus reagiert. Im Gegenteil: Die Risiken steigen, aber die Aktienkurse geben nicht nach, sondern setzen ihren Aufwärtstrend unbeirrt fort.  Das liegt aber nicht etwa daran, dass Großinvestoren die Gefahren nicht sehen. Es ist vielmehr eine Folge der Politik der Zentralbanken: Nachdem sie das System zwölf Jahre lang durch Geldinjektionen künstlich am Leben erhalten haben, müssen sie es um jeden Preis auch weiter stützen, da es – ähnlich einem Drogensüchtigen – ohne eine ständig steigende Dosis frischen Geldes in sich zusammenfallen würde. Gleichzeitig versprechen die Zentralbanken den Großinvestoren, sie im Falle von Fehlspekulationen zu retten, weil sie „too big to fail“ sind – und erzeugen so eine sich selbst verstärkende Spirale immer irrwitzigerer Spekulation.  Das Ganze mutet deshalb so absurd an, weil normalerweise gerade die Aktienmärkte als Risiko-Indikatoren dienen. Trotzdem kann der gegenwärtige Anstieg nicht endlos weitergehen, denn das gesamte System hat eine sensible Schwachstelle: Es basiert auf dem Vertrauen der Menschen. An dem Tag, an dem dieses Vertrauen im Massenmaßstab schwindet, wird das globale Finanzsystem ohne Vorwarnung in sich zusammenbrechen. Wann das sein wird…?  Vielleicht schon eher als viele vermuten. Sollte in China kein Wunder passieren, dürfte ein Andauern des Wirtschaftsstillstandes über mehrere Wochen ausreichen, um den Kollaps herbeizuführen. Sollte er nicht eintreten, könnte zum Beispiel eine mögliche Ausbreitung des Virus in Afrika zum Katalysator werden. Wegen der medizinischen Mangelversorgung in fast allen afrikanischen Ländern müsste Europa dann mit einer Flüchtlingswelle rechnen, die alles, was der Kontinent bisher erlebt hat, in den Schatten stellen würde und die möglicherweise nicht nur einen Finanzkollaps, sondern sogar einen Zusammenbruch ganzer Gesellschaftssysteme zur Folge hätte.
Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.
Ernst Wolff
Ernst Wolff ist freier Journalist und Autor des Buches Finanz-Tsunami: Wie das globale Finanzsystem uns alle bedroht“. Wolff, geboren 1950, aufgewachsen in Südostasien, Schulzeit in Deutschland, Studium in den USA. Der Journalist und Spiegel-Bestseller-Autor (»Weltmacht IWF«) beschäftigt sich seit vierzig Jahren mit der Wechselbeziehung von Politik und Wirtschaft. Sein Ziel ist es, die Mechanismen aufzudecken, mit denen die internationale Finanzelite die Kontrolle über entscheidende Bereiche unseres Lebens an sich gerissen hat: »Nur wer diese Mechanismen versteht und durchschaut, kann sich erfolgreich dagegen zur Wehr setzen.«

Beben bei Van
Türkei: Mindestens 9 Tote bei Erdbeben nahe Grenze zum Iran

Van – Bei einem Erdbeben in der Grenzregion zwischen dem Iran und der Türkei sind mehrere Menschen ums Leben gekommen. Laut der türkischen Katastrophenschutzbehörde AFAD habe das Beben eine Stärke von 5,9 erreicht und sich in einer Tiefe von fünf Kilometern ereignet. Nach Angaben der türkischen Regierung starben mindestens neun Personen beim Einsturz von Gebäuden. Mehrere Menschen seien noch immer unter den Trümmern eingeschlossen. Laut lokalen Medien liegt die Zahl der Toten bei zehn. Laut iranischen Behörden gebe es bisher keine Berichte über mögliche Opfer oder Schäden im Iran. Das betroffene Gebiet in der iranischen Provinz West-Aserbaidschan sei nicht dicht besiedelt. Dagegen sagte ein Vertreter der örtlichen Verwaltung, es sei „sehr wahrscheinlich, dass es Opfer und Schäden gibt“. Das Beben sei in mehreren Städten zu spüren gewesen, darunter in Choy, Urmia und Salmas, sowie in zahlreichen Dörfern. Einige von diesen hätten „hundertprozentigen Schaden“ erlitten, berichtet der Standard. Die Türkei und der Iran werden immer wieder von Erdbeben erschüttert. Bei einem starken Beben der Stärke 6,7 in der Türkei starben im vergangenen Monat über 40 Menschen und 1607 wurden verletzt. Ein Megaerdbeben würde zu schweren Schäden in Istanbul führen Fachleute warnen schon seit Jahren vor einem Megaerdbeben in Istanbul. Das Erdbeben am 17. August 1999 in Gölcük, das auch in Istanbul zu spüren war, hatte damals fast 18.000 Menschen das Leben gekostet. Das Beben, dessen Epizentrum damals etwa 90 KM von der Istanbuler Altstadt entfernt lag, hatte eine Stärke von 7,6. Ein ähnliches Erdbeben mit einem Epizentrum direkt in Istanbul würde die Millionenmetropole sehr schwer treffen. Derzeit leben in der Stadt mehr als 15 Millionen Menschen. https://twitter.com/VanSehir/status/1231499905115607040

Hanau-Anschlag
Pietätlos: Anti-Rassismus-Demo wird zur PKK-Scharade

Von Kemal Bölge – kboelge@web.de Es sollte eine Mahnung sein, ein Erinnern an die Opfer des Terroranschlags von Hanau. Von hier sollte eine Botschaft an unsere Gesellschaft gesandt werden, eine offene und friedliche Gesellschaft mit Menschen aus unterschiedlichen Kulturen, die eine Bereicherung ist für Deutschland. Aber was man heute in Hanau sah, war in Anbetracht der ermordeten Opfer einfach pietätlos. Mehrere Tausend völkisch-nationalistische PKK/YPG Sympathisanten führten diesen Demonstrationszug an. Wie makaber, wenn ausgerechnet die PKK/YPG dies für ihre politischen Zwecke missbraucht, die ein Synonym für ethnische Säuberungen und Vertreibungen in Syrien ist. Welch eine Farce, wenn ausgerechnet diese Terrororganisation, die von einem ethnisch homogenen „Großkurdistan“ träumt, Minderheiten unterdrückt, Missliebige verfolgt und vertrieben hat, den Apoismus, also die Huldigung von Terrorchef Öcalan, in allen besetzten Gebieten in Syrien durchgeführt hat und sich nun angeschickt hat die Speerspitze des Anti-Rassismus und Anti-Faschismus in Deutschland zu bilden. Geht’s noch? Welche eine Posse der PKK/YPG, die in allen besetzten Gebieten Syriens die Religionsfreiheit eingeschränkt hat und den Gebetsruf des Muezzins verboten hat. Just die PKK/YPG, die exemplarisch für Totalitarismus steht, führt diese Anti-Rassismus-Demonstration in Hanau an. Eine Demonstration gegen Rassismus und für eine offene und friedliche Gesellschaft sollte gerade jetzt nicht und überhaupt für völkisch-nationalistische Propaganda der PKK missbraucht werden.
Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.

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Assyrisch-christlicher Journalist: Westliche Medien lassen keine kritischen Fragen über PKK oder YPG zu

Assyrische Christen und Aramäer sind frustriert über die Berichterstattung westlicher Medien zur Terrororganisation PKK und ihrem syrischen Ableger YPG. Die Berichte entsprächen nicht der Realität und wer Fragen stelle oder Einwände habe, werde in Europa nicht erhört

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Staatsschutz ermittelt
Stuttgart: Erneut Schüsse auf Shisha-Bar

Stuttgart – Nicht einmal drei Tage nach dem Terroranschlag von Hanau haben Unbekannte in Stuttgart auf das Fenster der Shisha-Bar „Pacific Lounge“ geschossen. Wie die BILD unter Berufung auf eine Mitteilung der Polizei berichtet, sei jedoch niemand verletzt worden. Die Ermittler gehen davon aus, dass zum Tatzeitpunkt niemand im Gebäude war. Der oder die Täter hätten noch ein weiteres Fenster in dem Gebäudekomplex im Stadtteil Hedelfingen beschossen, hieß es von der Polizei, berichtet die BILD weiter. In dem Gebäudekomplex befinden sich außer der Shisha-Bar auch ein Fitnessstudio. Die Täter schossen nach bisherigen Erkenntnissen zwischen 03.00 Uhr und 13.20 Uhr mit einer unbekannten Waffe auf eine Scheibe im Eingangsbereich des Gebäudes und auf ein Fenster der geschlossenen Shisha-Bar. Während ein Projektil die Scheibe der Bar durchschlug, hielt die Scheibe im Eingangsbereich stand. Ein Mitarbeiter der Bar entdeckte gegen 13.20 Uhr das beschädigte Fenster und alarmierte die Polizei. Spezialisten der Kriminalpolizei, darunter auch ein Schusswaffensachverständiger des Landeskriminalamtes, sicherten Spuren, die nun ausgewertet werden müssen. Da das Motiv der Tat bislang völlig unklar ist, hat der Staatsschutz die Ermittlungen übernommen. Zeugen werden gebeten, sich bei den Beamtinnen und Beamten der Kriminalpolizei unter der Rufnummer +4971189905778 zu melden. Ein 43-jähriger Deutscher hatte am Mittwochabend im hessischen Hanau bei einem mutmaßlich rechtsradikalen und rassistischen Anschlag an mindestens vier verschiedenen Tatorten zehn Menschen und sich selbst erschossen.

Rechtsterrorismus
Kommentar: Manche Moscheegemeinde meldet einen Anschlag gar nicht mehr

Ein Gastkommentar von Kemal Bölge – kboelge@web.de Seit dem rassistisch motivierten Terroranschlag von Hanau sind einige Tage vergangen und die politischen Entscheidungsträger sowie Parteien dieses Landes haben ihre Bestürzung und tiefe Trauer zum Ausdruck gebracht. Die Fahnen über dem Reichstag und anderen Plätzen wehten aus Respekt gegenüber den Opfern des rechtsterroristischen Anschlags auf halbmast. Der Bundesinnenminister hat verstärkte Polizeipräsenz, auch vor Moscheen, angekündigt, obwohl die muslimischen Verbände seit geraumer Zeit Polizeischutz für Gebetseinrichtungen gefordert haben. Leider werden fast täglich Moscheen und Kultureinrichtungen von Muslimen in Deutschland zur Zielscheibe von Anschlägen. So manche Moscheegemeinde meldet einen Anschlag gar nicht mehr, weil manche Behörden vielleicht gar kein Interesse an einer Aufklärung haben. Das ist jedenfalls der Eindruck von einigen Moscheegemeindemitgliedern. Türkische Moscheen und Kultureinrichtungen sind nicht nur zur Zielscheibe von Neonazis geworden, sondern auch von Sympathisanten der Terrororganisation PKK, die immer wieder diese angreifen. Selten werden die Täter ermittelt und vor Gericht gebracht. Der rassistisch motivierte Nazi-Terror bedroht in Deutschland nicht nur jüdische, sondern auch muslimische Einrichtungen. Dieser Terror bedroht das tägliche Miteinander und Nebeneinander aller Menschen in Deutschland. Die Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen im Fall des Hanauer Terroranschlags an sich gezogen. Die eigentlich wichtige Frage wäre, welche Organisation hinter diesem furchtbaren Anschlag steckt. Um wen handelt es sich bei den Hintermännern und wer hat es in Auftrag gegeben, wie viele Unterstützer hatte dieser Terrorist? Diesen Fragen müssen die Ermittlungsbehörden nachgehen. In den letzten Tagen war in der Presse zu lesen, der Terrorist Tobias R. wäre „psychisch krank“ und hätte unter „Wahrvorstellungen“ gelitten. Hallo, dieser Killer hat, ohne mit der Wimper zu zucken, neun Menschen mit „ausländischen Wurzeln“ und später seine Mutter eiskalt getötet und jetzt sollen wir glauben, er hätte das alles unter „psychischen Wahnvorstellungen“ durchgeführt. Es ist gut möglich, dass dieser Terrorist psychisch krank war, aber bei der Berichterstattung wird so getan, als ob das eine Entschuldigung für das Massaker wäre, nach dem Motto „Seht her, das ist ein psychisch Kranker.“ Bei der Berichterstattung in den Medien wurde immer wieder auf den „Migrationshintergrund“ der getöteten Opfer hingewiesen. Aus welchem Grund wird darauf verwiesen? Der Hanauer Oberbürgermeister Claus Kaminsky hat zu Recht darauf hingewiesen, dass die Opfer des Anschlags keine Fremden, sondern Mitbürger gewesen seien. Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier hat seine Bestürzung über den rassistisch motivierten Terroranschlag in Hanau geäußert. Das ist wohl ehrlich gemeint, aber warum hat Bouffier 2006, damals Innenminister von Hessen, den Ermittlungsbehörden in Zusammenhang mit dem Kasseler NSU-Mord an Halit Yozgat die Vernehmung von rechten V-Leuten verweigert? Obwohl beim Mordanschlag auf Halit Yozgat im Internetcafé ein Mitarbeiter des hessischen Verfassungsschutzes zugegen war, hat dieser ehemalige Verfassungsschützer bestritten einen Schuss gehört oder den ermordeten Halit Yozgat hinter dem Tresen gesehen zu haben. Das britische Institut „Forensic Architecture“ in London erklärte 2017, Temme hätte die abgegebenen Schüsse hören müssen und auch das hinter dem Tresen liegende Mordopfer. Zur Klärung dieser Frage bauten die Wissenschaftler das Internetcafé des ermordeten 21-jährigen Yozgat in Lebensgröße nach. Ferner wurden dreidimensionale Computersimulationen genutzt. Das Ergebnis ist eindeutig, nur hatte das vor Gericht keine Konsequenzen für Temme, weil das Oberlandesgericht in München beim NSU-Prozess auf fatale Weise den ehemaligen Verfassungsschützer für Glaubwürdig hielt. Temme geriet nach der NSU-Mordtat von Kassel ins Visier der Polizei, weil er sich nach dem Mord im Internetcafé nicht bei der Polizei gemeldet hatte. Die hatte ihn über ihre Ermittlungen entdeckt. Das Landeskriminalamt (LKA) in Hessen startete eine Telefonüberwachung von Temme und im Laufe dieser Überwachungsmaßnahmen kam heraus, dass der Verfassungsschützer nicht nur über den Mord an Halit Yozgat informiert war, sondern auch über andere NSU-Morde in Deutschland. Das, was ich hier schreibe habe ich mir nicht ausgedacht, sondern ist in verschiedenen Medien im Internet nachlesbar. Temme war auch im Bundestags-Untersuchungsausschuss, aber auch dort konnte man ihm nichts anhaben, da er von diversen behördlichen Stellen geschützt wurde. Es geht hier um einen kaltblütigen Mord an einem 21-jährigen Inhaber eines Internetcafés mit türkischen Wurzeln, der 2006 in seinem eigenen Geschäft aus rassistischen Motiven getötet wurde. Wir leben in Deutschland in einem Rechtsstaat und in diesem darf ich doch erwarten, dass ein Mordfall aufgeklärt wird. Der hessische Verfassungsschutz hat zu dem NSU-Mord eine eigene interne Ermittlung durchgeführt, aber diese Akten werden für sage und schreibe 120 Jahre unter Verschluss gehalten, also diese Akten darf niemand einsehen. Wo sind die investigativen Medien und Zeitungen in Deutschland, die diesen Skandal thematisieren und eine Aufhebung der Geheimhaltung dieser Akten fordern?
Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.
 

Kommentar
Hanau wird in Lager gespalten: „Kurden“ und „Türken“

Ein Gastkommentar von Nabi Yücel Wenige Tage nach den Terroranschlägen auf zwei Shisha-Bars in Hanau beginnt die politisch-ideologische Trauerbekundung anzulaufen. Damit nimmt es langsam perfide Formen an. Die Opfer dürfen nicht mehr Opfer sein, sie müssen instrumentalisiert werden, so lange es noch geht. Wenige Tage nach den Terroranschlägen auf zwei Shisha-Bars in Hanau sollten die Angehörigen, sollte die Gesellschaft in Deutschland um die 9 jungen Opfer trauern können. Zudem sollte darüber nachgedacht werden, wie man den Rechtsextremismus eindämmen kann. Stattdessen jagt nun ein Social Media-Betrag den anderen, in denen es unter anderem um die Frage geht, weshalb die Oberhäupter der Politik sowie Medien die Opfer auf „Türken“ reduzieren, weshalb eine „Türkin“ eingeladen wird, aber keine „Kurdin“ oder warum man einem „Erdogan sein Beileid“ ausspricht. Dabei wird ein kapitaler Bock nach dem anderen abgeschossen, pietätlos gegenüber den Angehörigen, rücksichtslos gegenüber den Opfern, geradezu perfide, wenn es besonders jetzt um Einigkeit und Einheit geht und diese Kreise nun einen Keil hineintreiben. Gerade jetzt sollte nicht alles auf die Goldwaage gelegt werden, dass diese Einigkeit und Einheit stört, aber offenbar gibt es nicht nur Spaltpilze innerhalb der AfD, sondern vor allem unter völkischen Ethno-Nationalisten. Um welche Personen und Personenkreise geht es da eigentlich? Nicht so sehr um Türken, wie man schlechthin annehmen würde; bis auf einen gewissen Ercan Karakoyun, der aus der Reihe tanzt und meint, „Kurden und Türken“ würden die Opfer instrumentalisieren. Den Beweis, die Türken würden das instrumentalisieren, bleibt er trotz Aufforderung konkreter zu werden schuldig und sperrt danach jeden, der ihm widerspricht. Offenbar ist der Fluchtinstinkt bei diesen Sektenmitgliedern angeboren:
„Herkunft und Religion der Opfer: Sie spielen keine Rolle! Rassisten haben Menschen(!) ermordet. Alles andere ist Nebensache. Der Versuch von Kurden und Türken, die Opfer für sich zu instrumentalisieren, ist armselig!“
In einem Punkt gebe ich Karakoyun recht. Wenn Menschen zu Opfern von Extremismus werden, muss alles andere nebensächlich werden. Das sieht aber z.B. Cesur Milusoy etwas anders:
„Die kurdische Community ist aktuell sehr über die deutsche Politik und Medien verärgert. Die Opfer von #Hanau werden einfach als „Türken“ bezeichnet und man spricht einem Erdogan sein Beileid aus, der überhaupt nicht die Werte der Opfer und Angehörigen teilt.“
Die Madame legt alles auf die Goldwaage. Sie poltert nicht nur gegen die Medien, die die Opfer nicht nach Ethnie sondern nach Staatsbürgerschaft betrachten, sondern teilt auch mächtig gegen die deutsche Obrigkeit aus, die lediglich die Staatsangehörigkeit berücksichtigt hat. Armselig ist das, wenn man den Worten Karakoyuns folgt. Aber das ist bei weitem nicht so interessant wie der Satz von Martin Glasenapp, der wohl von sich behauptet, besonders intelligent und gerissen zu sein: f
„Nichts gegen die, die er traf. Aber warum hat Horst #Seehofer niemanden vom kurdischen Gesellschaftszentrum in #Hanau eingeladen? Es waren Kurden unter den Opfern. Zählt die kurdische Trauer hier weniger, weil Kurdinnen & Kurden auch in der #Türkei kaum etwas zählen? Bitter.“
Dieser Glasenapp hält sprichwörtlich seine Moralkeule hinter sich versteckt, während er sich vor den Opfern und Angehörigen verneigt und zähneknirschend sowie fluchend gegen die Türkei und Türken murmelt. Ethno-Nationalisten gibt es in Deutschland zur Genüge, wie das nächste Beispiel offenbart:
„Anstatt mal auch jemanden mit kurdischem Background einzuladen, wird K. Gümüsay eingeladen, die bis dato zu islamistisch rassistischen Strukturen schweigt und sich als Antirassistin inszeniert: wie traurig muss dieser Anblick für die kurdisch alevitischen Opfer von #Hanau sein?“
Das sind die Worte der Rapperin Reyhan Şahin, mit Künstlernamen Lady Bitch Ray. Diese besonders verzahnte Trennscheibe zieht ihre fürchterlichen Furchen nicht nur durch die ethnische, sondern auch durch die religiöse Zugehörigkeit der Opfer und als ob das nicht ausreicht, verpasst ein Uniprofessor namens Burak Copur gleich allen Türken einen Maulkorb, damit sie sich zu der schrecklichen Tat erst gar nicht äußern:
„Könnt ihr türkischen Islamofaschisten heute einfach mal ruhig sein? Danke.“
Aber wenn du denkst, dass das nur Einzelfälle sind, dann hast du nicht bedacht, dass das eine Breitenwirkung erzielt und Nachahmer findet. Wenn sogar eine MdB Gökay Akbulut von Identität, Flucht und Unterdrückung faselt, um einen Bogen bis in die Türkei zu spannen, dann hat man die Dimension dieser perfiden Taktik nicht verstanden:
„Unfassbar aufgrund kurdischer İdentität vor Unterdrückung aus der Türkei fliehen, um dann in Deutschland von Rassisten ermordet zu werden. Ferhat Ünvar 22 Jahre RIP #Hanau #Hanau“
Es sind eben nicht nur Einzelfälle, sondern Persönlichkeiten, die in Social Media nicht wenige Follower haben und landauf landab mit solchen Taktiken stolzieren. Da ist ein gebürtiger Deutscher namens Ahmad A. Omeirate, der seiner Hauptbeschäftigung nachgeht und damit gegen die Moscheegemeinden und Islamverbände schießt:
„Moscheen und Islamverbände, die #Hanau jetzt für sich instrumentalisieren & nach „Sicherheitsmaßnahmen“ rufen, verdrängen nur zu gern, dass die Opfer vermehrt alevitische Kurden waren und, die u.a. genau vor solchen Islamisten & türk. Faschisten aus ihrer Heimat fliehen mussten.“
Oder eine Journalistin namens Ronja Othmann, die auf dem Scheitelpunkt der Welle sich anschickt, über eine Teilnehmerin einer Talkshow zu stänkern und dabei mit Zuschreibungen arbeitet, die sie eigentlich selbst kritisiert:
„Unter den Opfern in #hanau waren Kurden. Viele Kurden sind vor antikurdischem Rassismus nach Deutschland geflohen. Wieso wird Kübra Gümüşay eingeladen, die zu dem antikurdischen Rassismus schweigt und kurdische, êzîdische, alevitische Kritiker*innen blockiert?“
(Screenshot/Twitter)
Es sind bei weitem viel mehr Menschen, die sich wie diese Ethno-Nationalisten oder Religionsfanatiker auf Kosten der Opfer Zustimmung erschreiben, oder sollen wir sagen, hinrotzen? Dem Rechtsterroristen Tobias R. war es herzlich egal, ob er kurdische, bosnische, türkische, alevitische, sunnitische oder atheistische „Ausländer“ tötet. Die Opfer hießen Ferhat Ünver, Mercedes Kierpacz, Sedat Gürbüz, Gökhan Gültekin, Hamza Kurtović, Kalojan Velkov, Vili Viorel Păun, Said Nesar Hashemi und Fatih Saraçoğlu. Drei der Todesopfer waren Deutsche, zwei Türken, einer war Bulgare, einer Rumäne, einer Bosnier und einer besaß die deutsche und afghanische Staatsangehörigkeit. Selbstverständlich werden dann nicht nur die Konsulate oder Botschafter der Türkei, Bulgarien, Rumänien oder Bosnien-Herzegowina bzw. Afghanistan zur Stelle sein, sondern allen Angehörigen auch ihr Beileid aussprechen, die Angehörigen der Opfer besuchen und sich erkundigen, und sie nehmen dabei auch die Kondolenz der deutschen Obrigkeiten an. Wer sich daran stört, ist ein Korinthenkacker. Wer die Opfer in Ethnie und Religion seziert ist ein Spaltpilz oder Trennscheibe. Wer anderen abspricht, ihr Beileid auszusprechen, ihre Stimme zu sein, der ist ein ideologischer Fanatiker und wer meint, besonders intelligent daherzukommen, der ist in meinen Augen sogar ein Propagandist, ein Aktivist wie aus dem Lehrbuch. All das hat mit Trauer nichts mehr zu tun, mit Anteilnahme schon gar nicht. Man muss sich ja geradezu fremdschämen, sich in einem Land aufzuhalten, in der solche gebildeten Menschen so etwas in die Tastatur hauen können. Nabi Yücel – yuecelnabi@hotmail.de
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