Türkisch-griechische Beziehungen
„Mitsotakis wünscht sich bessere Beziehungen zur Türkei“

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Athen – Bereits im Januar dieses Jahres hatten Wirtschaftsvertreter bei einem Treffen in Athen die Verbesserungen der Handelsbeziehung angekündigt und auch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan, sowie der griechische Premierminister Kyriakos Mitsotakis betonten bei einer Zusammenkunft Anfang März in Istanbul den Wunsch einer Wiederannäherung. Mitsotakis, wie auch seine Schwester, die ehemalige Außenministerin Dora Bakoyannis, wünschten sich bessere Beziehungen zur Türkei, stießen damit bei andere Politikern und Teilen der Bevölkerung jedoch auf Ablehnung, so der Professor für Politikwissenschaft Alexis Heraclides von der Panteion-Universität in der griechischen Hauptstadt Athen gegenüber der Nachrichtenagentur Anadolu. Heraclides wies darauf hin, dass es Zeiten gab, in denen griechische Entscheidungsträger, darunter der konservative Regierungschef Konstantinos Karamanlis in den späten 1970er Jahren oder die Sozialdemokraten Kostas Simitis und Georgios Papandreou, die Notwendigkeit einer dauerhaften Lösung für die Ägäis wirklich erkannten, aber die starke Reaktion der Öffentlichkeit sie davon abhielt, weitere Schritte zu unternehmen. Es gebe auch heute in der griechischen Bürokratie besonnene, objektive Leute, die wüssten, dass die meisten Behauptungen über die Türkei falsch seien und dass bessere Beziehungen zur Türkei beiden Ländern zugute kämen, so Heraclides. „Desinformation über die Türkei sind sowohl bei den Entscheidungsträgern als auch bei der Bevölkerung in Griechenland weit verbreitet“, sagte Heraclides. Heraclides zufolge trügen einige griechische Medien, darunter die großen Tageszeitungen und Fernsehsender, dazu bei, das Bild der Türkei als „neo-osmanische, expansionistische Macht, die in Griechenland einmarschieren will“, zu zeichnen. „Sie zitieren zum Beispiel Reden des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, des Außenministers Mevlut Cavusoglu oder des Verteidigungsministers Hulusi Akar aus dem Zusammenhang gerissen und schüren so Skepsis oder feindselige Gefühle ihnen und der Türkei im Allgemeinen gegenüber“, erklärte er weiter. Heraclides:
„Der griechische Nationalismus, der stark ethnozentrisch und antitürkisch geprägt ist, ist in allen griechischen politischen Parteien stark ausgeprägt und einflussreich – mehr in den rechten, weniger in den linken Parteien, und folglich kann man leicht als Verräter oder türkischer Spion gebrandmarkt werden, wenn man die Notwendigkeit einer Lösung der Probleme zwischen der Türkei und Griechenland betont.“

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– Erdoğan-Mitsotakis-Treffen – Türkei und Griechenland wollen Beziehungen verbessern

Die Türkei und Griechenland wollen nach Konflikten über Hoheitsrechte im Mittelmeer und anderen Streitigkeiten ihre Beziehungen verbessern.

Türkei und Griechenland wollen Beziehungen verbessern

NEX24-Interview
„Griechenland missachtet internationale Abkommen“

NEX24 sprach mit dem Journalisten und Vorsitzenden der Türkischen Union von Xanthi (İskeçe), Ozan Ahmetoğlu über die umstrittene Ernennung von Muftis durch den griechischen Staat und die seit 37 Jahren den Westthrakien-Türken verwehrte Religionsautonomie, die in den Abkommen von Athen und Lausanne geregelt ist. Ahmetoğlu studierte an der Universität von Ankara Journalismus und arbeitet für die Zeitung Gündem. NEX24: Herr Ahmetoğlu, vor kurzem wurde ein vom griechischen Staat in İskeçe/Xanthi ernannter Mufti seines Postens enthoben und an seine Stelle ein neuer Mufti ernannt. Welche Erkenntnisse liegen Ihnen als Journalist zu diesem Sachverhalt vor? Ozan Ahmetoğlu: Vor einiger Zeit wurde der Mufti von İskeçe/Xanthi [der vom griechischen Staat ernannte, Anm. d. Red.], Bilal Kara Halil, seines Amtes enthoben und an seine Stelle ein neuer Mufti ernannt. Weder vom Generalsekretär selbst noch von der Verwaltung, die die Ernennung durchführt, gab es dazu ein Statement. Warum wurde der Mufti von seinem Amt entfernt und ein neuer ernannt? Es gibt dazu keine offizielle Verlautbarung und auch in den regionalen Medien ist darüber nichts bekannt. Wir wissen es schlichtweg nicht, aus welchen Grund das Geschehen ist und haben dazu keine Informationen erhalten oder etwas dazu gelesen. NEX24: Welche Position haben die vom griechischen Staat ernannten Muftis bzw. das Muftiamt, wenn die türkisch-muslimische Gesellschaft in Westthrakien diese gar nicht anerkennt? Ozan Ahmetoğlu: Wie Sie wissen, gibt es bezüglich des Muftiamtes in Westthrakien seit vielen Jahren ein ernsthaftes Problem, das weiter besteht. Diese Frage existiert seit 1985, als der damalige Mufti von Gümülcine [Komotini] verstarb und in den darauffolgenden Ereignissen, die mit dem Ableben des Muftis passierten. Der griechische Staat hat ohne die Zustimmung und Akzeptanz der türkischen Minderheit in Westthrakien selbst Muftis ernannt. Sicherlich beeinflusst dieser Sachverhalt in keiner Weise die Frage des Muftiamtes. Diese Problematik besteht nach wie vor, daran hat sich nichts geändert und wartet seit Jahren noch immer auf eine Lösung und es wird noch weiter bestehen. Wie Sie wissen, erkennt die türkisch-muslimische Minderheit in Westthrakien die vom Staat ernannten Muftis als solche nicht an. Es gibt zwei Muftis, die von den Türken in Westthrakien aus eigenem Antrieb gewählt wurden: Der Mufti in İskeçe/Xanthi, Ahmet Mete, und der Mufti von Gümülcine/Komotini, Ibrahim Şerif. Das sind zwei Religionsgelehrte, die von den Türken in Westthrakien als solche akzeptiert werden. Aus diesem Grund tragen Ernennungen, die mit der türkischen Minderheit in Westthrakien ohne Dialog und Konsultationen zustande gekommen sind und durch die türkische Minderheit nicht akzeptiert sowie abgelehnt wurden, nicht zu einer Lösung des Problems bei, sondern machen die Problematik nur komplexer und schwieriger. Es würde zu keiner Lösung beitragen, das muss ganz deutlich gesagt werden. NEX24: Die Religionsfreiheit und die religiöse Autonomie der Türken in Westthrakien sind in den Abkommen von Athen und Lausanne explizit geregelt. Was sollte Ihrer Meinung nach Griechenland unternehmen, um die bestehenden Probleme zu lösen? Ozan Ahmetoğlu: Wir haben es mit einer Politik zu tun, die Abkommen ignoriert. Wie ich bereits dargelegt habe, wenn wir all diese Fragen vor dem Hintergrund der Mufti-Problematik betrachten, dass fast seit 37 Jahren besteht, werden beide internationalen Verträge nicht umgesetzt, und es gibt keinen Dialog zwischen den Institutionen und Vertretern der türkischen Minderheit Westthrakiens und des griechischen Staates, um die Mufti-Frage zu lösen. Es werden keine Anstrengungen unternommen, die zu einer Lösung der Frage beitragen könnte. Die Problematik wird ignoriert und das ist in Westthrakien seit Jahren der Fall. Wenn wir noch einmal auf die Mufti-Frage zurückkommen: Der Vertrag von Lausanne und der 1913 geschlossene Vertrag von Athen garantieren die Rechte und Freiheiten der türkischen Minderheit in Westthrakien und bringen eine Klarstellung zur Mufti-Frage. Das sind internationale Verträge. Leider hält sich Griechenland nicht an diese Abkommen. Es missachtet weiterhin die in diesen Übereinkünften enthaltenen Punkte hinsichtlich der Mufti-Frage. Insofern mangelt es, wie bei der Mufti-Frage und vielen anderen Problemen Griechenlands an dem Willen, die Causa zu lösen. Wenn wir es aus diesem Blickwinkel betrachten und bewerten, sehen wir deutlich, dass in Bezug auf die Minderheit keine demokratische Staatspolitik existiert und kein Wille vorhanden ist, die Probleme zu lösen, die die Community der türkisch-muslimischen Minderheit betreffen. Die Frage besteht weiter und im Rahmen des demokratischen Verständnisses wurden keine Schritte unternommen, um die gegenwärtige Situation zu ändern. Was wollen die Türken in Westthrakien? Die Westthrakien-Türken wollen und erwarten wie bei der Mufti-Frage einen Dialog mit Griechenland, dessen Staatsbürger sie sind, um dauerhafte Lösungen für die Probleme zu erreichen. Vielen Dank für das Gespräch! Das Interview führte Kemal Bölge

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– Ukraine-Konflikt – Kiew: Tschetschenen-Führer Cheberloyevsky dankt Türkei für Unterstützung

Im Krieg in der Ukraine setzt die russische Regierung auf die Unterstützung Ramsan Kadyrows, Herrscher der russischen Teilrepublik Tschetschenien. Jedoch kämpfen auch auf der Seite der Ukraine Tschetschenen. NEX24 traf deren Anführer Muslim Cheberloyevsky in Kiew.

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Türkei
Ukraine-Krieg: Mieten steigen in Antalya um bis zu 300 Prozent

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Antalya – Aufgrund der hohen Nachfrage russischer und ukrainischer Interessenten, sind die Miet- und Immobilienpreise in der türkischen Provinz Antalya seit Beginn des Krieges in der Ukraine in die Höhe geschnellt. Vermieter bevorzugten Ausländer, da diese ihre Miete für ein Jahr im Voraus bezahlten.

Es habe bereits seit einigen Jahren ein großes Interesse von Käufern aus dem Nahen Osten gegeben, die Situation habe sich seit dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine jedoch deutlich verschärft.

„Derzeit ist die Nachfrage nach Häusern zur Miete und zum Verkauf sehr hoch, aber es gibt jedoch keine freien Immobilien mehr. Studenten und Beamte, die nach Antalya kommen, können kein Haus finden oder die Mieten sind zu hoch“, so İsmail Çağlar, Präsident der Maklerkammer Antalya, gegenüber der Tageszeitung Sözcü.

„Ein Haus, das vor dem Krieg 3.000 Lira kostete, stieg auf 13.000 Lira“, betonte Çağlar. 

Jedoch seien auch nicht alle Russen oder Ukrainer wohlhabend genug, um sich diese Preise leisten zu können, sagte Serkan Şahin, ein Immobilienmakler der Tageszeitung Hürriyet. Er erinnerte sich an einen Fall, bei dem 300 ukrainische Urlauber nach Ausbruch des Krieges in Antalya gestrandet waren. „Sie waren knapp bei Kasse und acht Personen wollten gemeinsam eine Ein-Zimmer-Wohnung mieten. Das war natürlich unmöglich“, so Şahin.

Das an der Mittelmeerküste gelegene Antalya war schon vor dem Krieg bei russischen und ukrainischen Urlaubern sehr beliebt und zieht jedes Jahr Millionen von Besuchern aus den beiden Ländern an. Die Stadt beherbergt zudem eine beträchtliche russische und ukrainische Bevölkerung. Etwa 29.000 Russen und rund 9.000 Ukrainer leben in Antalya.

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– Immobilien – Türkei-Immobilien: Mieten – Kaufen – Bauen– Sanieren

Wer möchte nicht glücklich und ohne Kopfschmerzen in das neue Heim in der Türkei einziehen? Marina Bütün, die seit 2003 in der Türkei an der Westküste in der Provinz Muğla mit ihrem türkischen Mann lebt und dort 2005 eine Immobilien-Firma mit Schwerpunkt Bau von Einfamilienhäusern gründete, hat ihre Erfahrungen in einem Buch zusammengefasst.

Türkei-Immobilien: Mieten – Kaufen – Bauen– Sanieren

Corona-Pandemie
Kinderärztepräsident: Testpflicht an Kitas und Schulen beenden

Osnabrück – Kinderärztepräsident Thomas Fischbach hat ein Ende der anlasslosen Testpflicht an Kitas und Schulen gefordert: „Die Testpflicht für Kinder ohne Symptome ist zu einer überflüssigen Zumutung geworden“, sagte der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) im Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ) und verwies auf entsprechende Stellungnahmen pädiatrischer Fachgesellschaften. Es gebe einen hohen Anteil falsch-positiver Ergebnisse, die dann zu Quarantäne ganzer Familien führten. Zudem erkrankten Kinder und Jugendliche extrem selten schwer an Corona. „Der ganze Zirkus wird nur veranstaltet, um die impfunwilligen Erwachsenen aus den Risikogruppen zu schützen. Es muss bitte Schluss sein mit dem Testen gesunder Kinder!“ Auch bei den derzeit hohen Inzidenzen reiche es vollkommen, Kinder mit Symptomen von Covid-19 zu testen. Grundsätzlich forderte Fischbach die Bundesländer auf, „Kinder und Jugendliche bei der Umsetzung des neuen Infektionsschutzgesetzes nicht zu vergessen“. Die Bundesländer müssten Lösungen für die Teilhabe am sozialen Leben der Minderjährigen sicherstellen. „Schulen und Kitas müssen geöffnet bleiben!“ Für Kinder bis fünf Jahre gebe es keinen zugelassenen Impfstoff, für Kinder von fünf bis elf Jahren keine allgemeine Impfempfehlung der Stiko, und viele Jugendliche könnten sich nicht impfen lassen, wenn ein Elternteil dagegen sei, sagte der BVKJ-Präsident NOZ. „Unsere Sorge ist groß, dass Kinder mit unvollständigem Impfschutz wegen der weiter hohen Inzidenzen noch lange von Sport- oder Freizeitangeboten ausgeschlossen werden könnten. Das darf auf keinen Fall passieren. Sie brauchen die soziale Teilhabe ganz dringend!“

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– Medien – Soziale Netzwerke in Corona-Krise Umschlagplatz für gefährliche Desinformation

Soziale Netzwerke und Messengerdienste spielen eine wichtige Rolle für die politische Meinungsbildung in der digitalisierten Gesellschaft. Doch gerade in der Corona-Krise sind sie zunehmend zu einem Umschlagplatz für gefährliche Desinformation und Verschwörungerzählungen geworden.

Soziale Netzwerke in Corona-Krise Umschlagplatz für gefährliche Desinformation

Klimakrise
Somalia: Schlimmste Dürre seit Jahrzehnten zwingt über 450.000 Menschen zur Flucht

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Baidoa – In Somalia herrscht die schlimmste Dürre seit Jahrzehnten. In den ersten zehn Wochen dieses Jahres mussten bereits mehr als 450.000 Menschen ihr Zuhause auf der Suche nach Wasser und Nahrung verlassen, berichtet Save the Children. Die Zahlen steigen rapide an und immer mehr Kinder leiden an Unterernährung. Die Auswirkungen der Klimakrise sind in Somalia besonders stark zu spüren. Das Land am Horn von Afrika kämpft nun mit der dritten Dürre innerhalb eines Jahrzehnts. Etwa 90 Prozent des Landes und 4,3 Millionen Menschen – ein Viertel der Bevölkerung – sind betroffen. Einige Gebiete erleben die größte Trockenheit seit 40 Jahren. Verschärft wird die Situation zusätzlich durch die Folgen des Krieges in der Ukraine, der Lebensmittelpreise und die Transportkosten für wichtige Importe wie Weizenmehl in die Höhe treibt. Dies weckt Befürchtungen, dass sich die tödliche Hungersnot von 2011 wiederholen könnte. Damals starben ungefähr 260.000 Menschen, die Hälfte von ihnen Kinder unter fünf Jahren.
Sumaya, 20 Jahre alt, mit ihrer einjährigen Tochter in Kismayo im Süden Somalias am 07. März 2022 in einem Binnenflüchtlingslager am Rande der Stadt. Foto: Michael Tsegaye/Save the children.
„Die damalige Hungersnot war eine der größten vermeidbaren humanitären Katastrophen der Neuzeit und löste weltweit ein Gefühl der Scham aus. Internationale Organisationen haben einfach zu spät reagiert“, sagt Save the Childrens Kommunikationsdirektorin Martina Dase, die vor Ort ist, um sich ein Bild von der Situation zu machen. „Dieses Mal müssen wir es besser machen. Schon jetzt sterben Kinder, und es werden täglich mehr. Als Menschheit haben wir hier eine besondere Verpflichtung zu verhindern, dass sich 2011 wiederholt. Noch ist es möglich.“ Da der internationale Aufruf der UN zur humanitären Hilfe bisher nur 3,8 Prozent der nötigen 1,46 Milliarden USD aufgebracht hat, appelliert Save the Children an die internationale Gemeinschaft, ihre Finanzierungsbemühungen zu verstärken. Sonst könnten nach Schätzungen der Vereinten Nationen bis Mitte des Jahres 1,4 Millionen Kinder akut unterernährt sein – 64 Prozent mehr als vor zwei Jahren. „Die Zahlen sind erschreckend. Aber noch viel grausamer ist es, einem kleinen Mädchen beim Sterben zuzusehen. In Kismayo kam für die Vierjährige jede Hilfe zu spät, weil ihre Mangelernährung schon zu weit fortgeschritten war. Das sind Bilder, die mich seitdem nicht mehr loslassen“, sagt Martina Dase. Das medizinische Personal der Kinderrechtsorganisation im Regionalkrankenhaus von Kismayo berichtet, dass sich die Zahl der eingelieferten Kinder im Vergleich zum Vorjahr verdreifacht hat und mehr Fälle von Unterernährung, Lungenentzündung und Durchfall auftreten. Eine von Save the Children unterstützte mobile Gesundheitseinheit, die in einem nahegelegenen vertriebenen Lager arbeitet, meldete im vergangenen Monat acht Todesfälle von Kindern aufgrund von Unterernährung. „Dies ist eine der schlimmsten Dürreperioden, die ich je erlebt habe. Wir sind an Dürreperioden in Somalia gewöhnt, aber diese ist anders. Es wird immer schlimmer und wir haben alles verloren. Seit drei Jahren haben wir keinen guten Regen mehr erlebt“, erzählt die 50-jährige Bäuerin Aamina*, die ihren gesamten Viehbestand verlor und damit auch ihren Lebensunterhalt. Sie ist eine von mehr als 30.000 Menschen, die in einem der zwei im Oktober errichteten Lager in Luglow, nahe der südlichen Hafenstadt Kismayo, Zuflucht suchen musste. Hier kann sie für ihre Kinder und Enkel zumindest den Zugang zu Nahrungsmitteln, Wasser und Gesundheitsdiensten sicherstellen.
Aamiina*, 50, mit ihrer sechsjährigen Tochter Jamila* und ihrer vierjährigen Enkelin Sahra*, in einem Lager in der Nähe von Kismayo in Südsomalia. (Foto: Savethechildren)
Auf der staubigen Straße nach Luglow liegen die verrottenden Kadaver von toten Rindern und Eseln von Fliegen umschwärmt und täglich treffen mehr Menschen ein. „Ich kann nicht vorhersagen, was als Nächstes passieren wird, aber ich glaube nicht, dass wir jemals zurückkehren können, da wir nichts haben“, sagt Aamina*. „Wenn wir krank sind, können wir nichts tun. Jetzt brauchen wir eine bessere Unterkunft, und wenn wir Unterstützung bekommen, könnten wir versuchen, in der Stadt neu anzufangen. Das ist jetzt mein größter Wunsch.“ Angesichts der Tatsache, dass die Zahl der vertriebenen Menschen in diesem Jahr auf bis zu 1,4 Millionen ansteigen soll, ist Save the Children über den Zugang zu sauberem Wasser, sanitären Einrichtungen und der Gesundheitsversorgung in vielen der 5.000 Vertriebenenlager in Somalia besorgt. Finanzmittel werden dringend benötigt, um Familien lebensrettende Unterstützung zukommen zu lassen. „Wir sind Zeugen einer Klimakatastrophe, die sich vor uns abspielt. In Somalia gab es schon immer Dürren, etwa alle zehn Jahre, aber diese schnell aufeinanderfolgenden Dürren bedeuten, dass die Menschen nicht die Zeit haben, sich dazwischen zu erholen und ihre Ernten oder ihren Viehbestand wiederherzustellen. Es ist bedrohlich, denn fast das gesamte Land ist von dieser Dürre betroffen“, sagt der Landesdirektor von Save the Children in Somalia, Mohamud Mohamed Hassan. „Wir wissen, dass es weltweit viele konkurrierende Krisen gibt und dass die Ukraine wahrscheinlich alles überlagern wird, aber wir dürfen die Kinder in Somalia nicht im Stich lassen. Wir können sie retten, wenn wir jetzt handeln!“ Save the Children arbeitet seit 1951 in Somalia und ist auf nationaler und internationaler Ebene führend in der humanitären Hilfe. Zudem engagiert sich die Organisation in den Bereichen Gesundheit, Ernährung, Bildung, Kinderschutz und Kinderrechte. Im Jahr 2021 erreichte die Kinderrechtsorganisation über 3 Millionen Menschen in Somalia, darunter mehr als 1,8 Millionen Kinder. Save the Children Deutschland beteiligt sich mit einer Förderung des Auswärtigen Amtes bei humanitären Dienstleistungen in den Bereichen Gesundheit, Ernährung, WASH (Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene) und Kinderschutz. Zudem bietet sie bedürftigen Familien mit Kindern in Somalia Geldtransfers für die Soforthilfe. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) fördert im Rahmen der Übergangshilfe über die Zusammenarbeit mit Save the Children Projekte in Somalia und verfolgt unter anderem das Ziel binnenvertriebene Jugendliche in Baidoa, Garowe und Mogadischu dabei zu unterstützen, verbesserte Einkommensmöglichkeiten und soziale Teilhabe zu erlangen. * Name zum Schutz geändert

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– Hungerkrise in Jemen – Hungersnot: Hilfe für Jemen bleibt aus

Die Folgen des massiven Bomben- und Granatbeschusses von Wohngebieten im Jemen sind verheerend. Viele Städte sind mit Blindgängern und nicht explodierten Sprengkörpern verseucht. Auch Landminen wurden in dem seit sechs Jahren andauernden Krieg eingesetzt.

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Frankfurt
Große Renoir-Ausstellung im Städel-Museum

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von Kemal Bölge Bereits im kindlichen Alter zeigte sich das außergewöhnliche Talent von Pierre-Auguste Renoir (1841-1919) für das Zeichnen, weshalb er später eine Lehre in einer Porzellanmanufaktur begann und dort Teller bemalte. Als die Fabrik geschlossen wurde, arbeitete er für seinen großen Bruder, wo er Fächer dekorierte. Viele Jahre vorher zog seine Familie nach Paris und mietete in der Nähe des Louvre eine Wohnung an. Das Louvre-Museum zog Renoir wie ein Magnet an und er studierte dort die Werke früherer französischer Meister. Mit 21 Jahren begann er sich ernsthaft mit der Malerei zu beschäftigen und nahm beim Maler Charles Gleyre professionellen Malunterricht. Paris, die Metropole der Kunstszene Während seines Studiums lernte Renoir Maler wie Jean-Frédéric Bazille und Claude Monet kennen. Vor allem Gustave Courbet war es, der Renoir für das Malen im Freien beeinflusste. Seine Erfahrungen als Porzellanmaler wirkten sich auf seine Bilder dahingehend aus, dass es Renoirs Werken eine bezaubernde Vitalität verleiht und die Porzellanfarben diese regelrecht zum Leuchten bringen. Paris galt zu jener Zeit als führende Metropole der Kunstszene, indem sich Maler und Kunstinteressierte trafen, Ausstellungen organisiert wurden und die Menschen in die Kunsthallen strömten. Maler wie Claude Monet, Édouard Manet und eben jener Pierre-Auguste Renoir gelten als die Wegbereiter des Impressionismus. Renoir schuf im Laufe seines Lebens mehr als 6.000 Bilder. Ausgewählte Werke im Städel Museum Das am Mainufer gelegene Frankfurter Städel Museum zeigt 70 ausgewählte Werke dieses außergewöhnlichen Malers, der wie viele seiner Künstlerkollegen der damaligen Zeit mit finanziellen Problemen zu kämpfen hatte, kaum Bilder verkaufte und glücklicherweise später vermögende Kunstförderer fand, die seine Kunst unterstützten. Ferner werden zahlreiche Werke französischer Rokoko-Meister ausgestellt. In einem informativen Online-Preview haben Interessierte die Möglichkeit sich vorab über die Kunst von Pierre-Auguste Renoir zu informieren, bei dem Museumsdirektor Philip Demandt und weitere Experten Details zum künstlerischen Verständnis von Renoir hervorheben. Seit dem 2. März hat das Städel seine Türen zur Ausstellung Renoir Rococo Revical – Der Impressionismus und die französische Kunst des 18. Jahrhunderts“ geöffnet, die noch bis 19. Juni läuft.

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– Kultur – Zum 201. Geburtstag von Nikoloz Baratashvili

Vor 201 Jahren wurde einer der bedeutendsten Dichter der europäischen Romanik geboren, Nikoloz Baratashvili (4.11.1817 Tbilisi – 21.10.1845 Ganja). Aufgrund der Sprachbarriere ist er – wie zahlreiche georgische Schriftsteller und Dichter weitgehend unbekannt.

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Ukraine-Konflikt
Kiew: Russland plant die Aufteilung der Ukraine

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Kiew – Russland erwäge ein „koreanisches Szenario“ für die Ukraine und die Teilung des Landes in zwei Teile, nachdem die Einnahme der Hauptstadt Kiew und der Sturz der Regierung gescheitert sind, so der Chef des ukrainischen Militärgeheimdienstes. Der russische Präsident Wladimir Putin „wird versuchen, eine Trennlinie zwischen den unbesetzten und den besetzten Regionen unseres Landes zu ziehen“, sagte General Kyrylo Budanow, Leiter der Geheimdienstabteilung des Verteidigungsministeriums, am Sonntag, wie das Ministeriums auf Telegram berichtete. „Es ist ein Versuch, Nord- und Südkorea in der Ukraine zu schaffen. Schließlich ist er definitiv nicht in der Lage, das ganze Land einzunehmen“, so Budanow. „Die Besatzer werden versuchen, die besetzten Gebiete zu einem einzigen quasi-staatlichen Gebilde zu vereinen, das sich der unabhängigen Ukraine entgegenstellt“, so der Geheimdienstchef. „Wir beobachten bereits Versuche, ‚parallele‘ Behörden in den besetzten Gebieten zu schaffen und die Menschen zu zwingen, die ukrainische Währung aufzugeben.“ Ein lokaler Führer in der selbsternannten Volksrepublik Luhansk sagte am Samstag, die Region könnte bald ein Referendum über den Anschluss an Russland abhalten, so wie es auf der Krim geschah, nachdem Russland 2014 in die ukrainische Halbinsel einmarschiert war. Die Krimbewohner stimmten mit überwältigender Mehrheit für den Bruch mit der Ukraine und den Anschluss an Russland – ein Votum, das von einem Großteil der Welt nicht anerkannt wurde. Russland versuche zudem, einen Landkorridor zur Krim einzurichten, doch sei dieser Plan bisher daran gescheitert, dass es Russland nicht gelungen sei, die Hafenstadt Mariupol einzunehmen. Die Stadt am Asowschen Meer ist seit mehr als drei Wochen von russischen Truppen eingekesselt und steht unter ständigem Beschuss. Die Behörden von Mariupol lehnten jedoch letzte Woche ein Ultimatum der russischen Streitkräfte ab, in dem die Verteidiger der Stadt aufgefordert wurden, ihre Waffen niederzulegen.

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Die Ukraine und Russland wollen vom morgigen Montag bis Mittwoch in der Türkei die Verhandlungen wieder aufnehmen. Dies teilte der ukrainische Unterhändler David Arakhamia am Sonntag mit.

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Ukraine-Konflikt
Türkei: Weitere Gespräche zwischen Ukraine und Russland

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Kiew – Die Ukraine und Russland wollen vom morgigen Montag bis Mittwoch in der Türkei die Verhandlungen wieder aufnehmen. Dies teilte der ukrainische Unterhändler David Arakhamia am Sonntag mit. Die Türkei erklärte, das Treffen werde in Istanbul stattfinden. Die Ukraine bezeichnete frühere Gespräche mit Russland, die nach der russischen Invasion im vergangenen Monat aufgenommen wurden, als „sehr schwierig“. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin in einem Telefongespräch am Sonntag mitgeteilt, dass nach dem Einmarsch Moskaus in der Ukraine ein Waffenstillstand und bessere humanitäre Bedingungen erforderlich seien, wie sein Büro in einer Erklärung mitteilte. „Erdogan wies darauf hin, wie wichtig ein Waffenstillstand zwischen Russland und der Ukraine, die Umsetzung des Friedens und die Verbesserung der humanitären Bedingungen in der Region sind“, so sein Büro in einer Mitteilung über das Telefonat. Bereits Anfang des Monats empfing Ankara die Außenminister Russlands und der Ukraine in Antalya. Die Außenminister Russlands, Sergej Lawrow, und der Ukraine, Dmytro Kuleba, trafen sich zu Gesprächen in Antalya, an denen auch der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu teilnahm. Die Gespräche waren weitgehend ergebnislos, aber Ankara betrachtet die Tatsache, dass sie überhaupt stattgefunden haben, als Erfolg. Unter Beibehaltung ihrer neutralen und ausgewogenen Haltung setzt die Türkei ihre diplomatischen Bemühungen zur Deeskalation des Ukraine-Konflikts fort und fordert alle Seiten zur Zurückhaltung auf. Ankara hat sich zwar gegen internationale Sanktionen zur Isolierung Moskaus ausgesprochen, aber es hat auch seine Meerengen geschlossen, um russische Kriegsschiffe an der Durchfahrt zu hindern.

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– Ukraine-Konflikt – Atomwaffen: Russland schließt erneut Einsatz nicht aus

Putin-Sprecher schließt Einsatz von Atomwaffen im Falle einer „existenziellen Bedrohung“ für Russland nicht aus.

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Ukraine-Konflikt
Forscher: Krieg könnte Meinung der Jugend zum Militär verändern

Essen – Der Ukraine-Krieg rückt das Thema Bundeswehr und Verteidigung bei Jugendlichen neu ins Bewusstsein. Nach Ansicht des Siegener Soziologen Prof. Christian Lahusen wächst unter Jugendlichen die Ansicht, dass die Demokratie wehrhaft sein muss. „Das Thema Krieg gehörte seit Langem zu den Themen, die ihnen generell Sorgen bereiten. Aber nun rückt es nahe an ihr Leben heran“, sagte Lahusen der in Essen erscheinenden Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ). „Viele Jugendliche sind politisch sehr interessiert und werden sich dazu jetzt eine klarere Meinung bilden.“ Die Diskussion über Aufrüstung und Verteidigung werde die Jugendlichen künftig umtreiben, so der Protestforscher.
„Wie klar sie sich pazifistisch verorten, wird sich zeigen, denn auch im Pazifismus gibt es eine Debatte über das Recht auf Verteidigung. Und nicht jeder Pazifist ist gegen das Militär.“
Dabei sei die Meinung der Jugendlichen keineswegs einheitlich. „Auf der einen Seite stehen jene, die weltoffen sind und liberale Ansichten vertreten und für Freiheit und Toleranz einstehen und verbindliche Rechte einfordern und verteidigen“, sagte Lahusen der WAZ. „Doch auch unter Jugendlichen gibt es etwa zehn Prozent, die rechts-nationale und rechts-populistische Meinungen vertreten und die dieses Gesellschaftsmodell ablehnen.“

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– Oberverwaltungsgericht – Lüneburg: Ausbürgerung wegen PKK-Mitgliedschaft

Wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung nahm die zuständige Behörde in Niedersachsen 2019 eine im Jahr 2014 vollzogene Einbürgerung eines Mannes zurück. Gegen die Rücknahme der Einbürgerung erhob der Mann Klage.

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OIC-Treffen
Nordzyperns Außenminister Ertuğruloğlu fordert Ende der Sanktionen

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Lefkoşa/Islamabad – Der Außenminister Nordzyperns (TRNC), Tahsin Ertuğruloğlu, hat während eines Treffens der Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad ein Ende der Isolation gegen Nordzypern gefordert. Ertuğruloğlu sprach auf der Abschlusssitzung der 48. Konferenz des Rates der Außenminister der OIC. In den vergangenen Jahren habe die Organisation diesbezüglich Entscheidungen von großer Tragweite getroffen, jetzt sei es aber an der Zeit, statt mit Worten aktive Unterstützung zu leisten. „Zyperntürken seit 1963 ihrer Menschenrechte beraubt“ Auf der Abschlusssitzung des Treffens der Außenminister betonte er, dass die Zyperntürken seit 1963 ihrer Menschenrechte beraubt und in allen Lebensbereichen einer ungerechten Isolation ausgesetzt seien. Der Außenminister zeigte sich zuversichtlich, dass sich die OIC-Mitgliedsstaaten nicht nur an Entscheidungen über die Situation in Zypern halten, sondern relevante Entscheidungen in Maßnahmen umsetzen werden, um die unmenschliche Isolation der Zyperntürken zu beseitigen. Eine Insel, zwei getrennte Staaten Ertuğruloğlu beschrieb Zypern als eine Insel mit zwei getrennten souveränen Staaten, von denen keiner das Recht habe, die Insel als Ganzes zu repräsentieren, und fügte hinzu, dass die Herangehensweise an die Zypernfrage diese Realität berücksichtigen sollte. Ertuğruloğlu wies darauf hin, dass Ankaras Hoffnungen auf eine gerechte Welt dank der Hilfe für Nordzypern immer noch bestehe und dankte der Türkei für ihre Unterstützung. Tahsin Ertuğruloğlu gilt als erfahrener Politiker, der schon mehrfach das Amt des Außenministers ausübte und vor wenigen Wochen durch eine Kabinettsumbildung von Hasan Taçoy den Außenministerposten übernahm und Taçoy zum Arbeits- und Sozialminister ernannt wurde. Kemal Bölge

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