Bergkarabach-Krise
Armenischer Botschafter fordert EU-Sanktionen gegen Aserbaidschan

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Berlin – Der armenische Botschafter in Deutschland, Viktor Yengibaryan, fordert von der Europäischen Union harte Sanktionen gegen Aserbaidschan, notfalls auch militärisches Vorgehen. Bei phoenix sagte Yengibaryan: „Die Europäische Union müsste sich auf ein Sanktionspaket, auf ein Gasembargo und ein Ölembargo einigen, denn die Sprache von Soft-Power kann man in Baku nicht hören. In der Zukunft sollte die europäische Union Bereitschaft zeigen, Armenien auch militärisch zu unterstützen.“ Sein Land erwarte von der Internationalen Gemeinschaft „sehr aktiv zu sein“. „Aserbaidschan liegt auf dem Territorium des Europarats und dieser blutige Angriff auf die Armenier in Berg-Karabach ist ein Versuch, durch Aggressivität neue Realitäten zu schaffen, und die aserbaidschanische Vorstellung in der ganzen Region zu implementieren“, so Yengibaryan. Von Russland als potenzieller Schutzmacht Armeniens zeigte sich der Botschafter enttäuscht. „Russland ist zuständig für Berg-Karabach und es gibt eine russische Friedenstruppe dort, doch wir haben gesehen, wie schwach sich Russland gezeigt hat. Russland ist machtlos, der Latschin-Korridor war geschlossen, obwohl es die Aufgabe Russlands war, diesen Korridor unter Kontrolle zu haben und die freie Bewegung zu gewährleisten“, sagte Viktor Yengibaryan. „Unsere Bevölkerung in Armenien ist sehr enttäuscht, weil Russland seine Aufgabe nicht erfüllt hat.“

Zum Thema

– Bergkarabach-Krise – Turkologe Heß: Was passiert in Karabach?

Der Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan um die damalige „Autonome Region Berg-Karabach“ (NKAO) brach Ende 1987 aus und weitete sich nach dem Zerfall der Sowjetunion zu einem vollumfänglichen Krieg aus.

Turkologe Heß: Was passiert in Karabach?
 

E-Sport
Der Boom der E-Sport Wetten: Sind Sie die Zukunft der Sportwetten?

In der dynamischen Welt der Sportwetten zeichnet sich ein neuer, vielversprechender Trend ab: E-Sport Wetten. Während konventionelle Sportarten wie Fußball oder Pferderennen seit jeher die Domäne der Wettbegeisterten sind, drängt der digitale Sport immer mehr in den Vordergrund. Stellen E-Sport Wetten tatsächlich die neue Ära der Sportwetten dar? Dieser Artikel taucht tief in die Welt des E-Sports ein, ergründet die Besonderheiten und beleuchtet, ob er das Potential hat, die Sportwettenszene nachhaltig zu prägen.

E-Sport – Eine kurze Definition

E-Sport, kurz für elektronischer Sport, umfasst jegliche Sportart, die auf digitaler Ebene ausgeführt wird. Dabei rückt der kompetitive Aspekt in den Fokus: Spieler oder Teams treten in verschiedenen Videospielen gegeneinander an. Beispiele hierfür sind bekannte Titel wie League of Legends, Counter-Strike oder Dota 2, welche auf großen Turnieren, sowohl online als auch offline, ausgetragen werden. Der E-Sport erfreut sich einer stetig wachsenden Zuschauerschaft und Community, die die Spannung und den Wettkampfgeist des traditionellen Sports in der digitalen Welt erleben.

E-Sport Wetten im Vergleich zu traditionellen Sportwetten

Der Boom des E-Sports spiegelt sich auch im Wettmarkt wider. Immer mehr Wettbegeisterte verlagern ihren Fokus auf die aufstrebende Sportart. Doch was unterscheidet E-Sport Wetten von traditionellen Sportwetten? Ein entscheidender Faktor ist die Plattform: Während traditionelle Sportwetten häufig in Wettbüros oder auf dedizierten Online-Plattformen platziert werden, geschieht dies im E-Sport vorwiegend digital. Die Wetten können in Echtzeit abgegeben und angepasst werden, was eine hohe Dynamik und Interaktivität ermöglicht. Darüber hinaus sind E-Sport-Events häufig leichter zugänglich, da viele Turniere kostenlos online gestreamt werden, wohingegen für die Übertragung herkömmlicher Sportevents oft bezahlt werden muss.

Die Vorteile von E-Sport Wetten

E-Sport Wetten bieten einige markante Vorteile gegenüber traditionellen Sportwetten. Zum einen ist die barrierefreie Verfügbarkeit von Übertragungen ein entscheidender Pluspunkt. Während bei konventionellen Sportarten oftmals Abonnements nötig sind, um Spiele live zu verfolgen, sind E-Sport-Events meist kostenlos online verfügbar. So benötigen Interessierte lediglich eine Internetverbindung, um weltweit Turniere verfolgen und Wetten in Echtzeit platzieren zu können. Somit muss nur geschaut werden, wo beispielsweise die neuen Wettanbieter Österreichs zu finden sind, um seine Wette platzieren zu können. Des Weiteren eröffnet die Vielfalt der E-Sport-Titel ein breites Spektrum an Wettmöglichkeiten. Im E-Sport lassen sich Wetten auf unterschiedlichste Aspekte und Ereignisse innerhalb eines Matches platzieren, die über den Ausgang eines Spiels hinausgehen. Beispielsweise können Wetten auf den ersten getöteten Spieler, gesicherte Ziele oder die individuelle Leistung von Spielern abgeschlossen werden. Mit diesen Vorteilen positionieren sich E-Sport Wetten als eine innovative und attraktive Alternative zu traditionellen Sportwetten, die vor allem eine jüngere, digital affine Zielgruppe ansprechen.

Die Wettmöglichkeiten im E-Sport

Ein Blick auf die Wettmöglichkeiten im E-Sport verdeutlicht, warum dieser Bereich für viele so attraktiv ist. Im Gegensatz zum traditionellen Sport, bei dem die Wettoptionen oft beschränkt sind, bietet der E-Sport eine Fülle von Wettmöglichkeiten. Es geht nicht nur um den Sieger eines Matches oder Turniers. Vielmehr können Wetten auf spezifische Ereignisse innerhalb eines Spiels platziert werden. Ein Beispiel hierfür ist das populäre Spiel League of Legends, in dem Wetten auf Ereignisse wie den ersten getöteten Spieler, den ersten eroberten Turm oder den ersten Drachenabschuss abgegeben werden können. Diese Vielzahl an Wettmöglichkeiten eröffnet sowohl erfahrenen Wettbegeisterten als auch Einsteigern neue Chancen und Herausforderungen.

Die Herausforderungen des E-Sport-Wettens

Trotz der offensichtlichen Vorteile und der steigenden Popularität sind E-Sport-Wetten nicht ohne Herausforderungen. Zu den Hauptbedenken gehören die Integrität der Spiele und die Sicherheit der Wetten. Aufgrund des digitalen Charakters des E-Sports besteht die Gefahr von Manipulationen und Betrug, was die Notwendigkeit einer strengen Regulierung und Überwachung unterstreicht. Auch die Fluktuation der Spielerleistung und die rasche Veränderung der Spielmechanik können das Wettergebnis beeinflussen und machen gründliche Recherchen und Kenntnisse über die jeweiligen E-Sport-Titel unerlässlich.

Zukunftsaussichten

Blickt man in die Zukunft, so bleibt das Potenzial von E-Sport-Wetten unbestritten und das weltweit. Die kontinuierlich wachsende E-Sport-Community, die verbesserte Technologie und die steigende Anzahl professioneller E-Sport-Organisationen deuten darauf hin, dass E-Sport-Wetten auch in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen werden. Gleichzeitig erfordert dies eine kontinuierliche Anpassung und Weiterentwicklung des Wettmarktes, um mit den spezifischen Anforderungen und Dynamiken des E-Sports Schritt zu halten. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass E-Sport-Wetten zweifellos eine faszinierende und dynamische Erweiterung der Sportwettenlandschaft darstellen. Sie bieten neue Möglichkeiten und Vorteile, sowohl für Wettanbieter als auch für Wettbegeisterte, ergänzt jedoch auch durch spezifische Herausforderungen und Risiken. Für einen nachhaltigen Erfolg und die Sicherheit der Wettenden ist es daher essenziell, dass E-Sport-Wetten angemessen reguliert und überwacht werden. Insgesamt bietet der E-Sport jedoch eine vielversprechende Perspektive für die Zukunft der Sportwetten und könnte einen bedeutenden Anteil am globalen Wettmarkt einnehmen.  

Krim-Angriff
Ukraine: Russischer Kommandeur der Schwarzmeerflotte getötet

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Kiew – Die ukrainischen Spezialkräfte erklärten am Montag, Admiral Viktor Sokolow, der Kommandeur der russischen Schwarzmeerflotte, und 33 weitere Offiziere, seien bei einem ukrainischen Angriff auf das Flottenhauptquartier im Krimhafen Sewastopol in der vergangenen Woche getötet worden. Dies war einer der verheerendsten Angriffe der Ukrainer seit Beginn des Krieges. Sokolow, der im vergangenen Jahr zur Verstärkung der schwächelnden Marine eingesetzt wurde, nahm an einem Treffen hochrangiger Marine- und Militärangehöriger teil, als die Rakete in das Gebäude in Sewastopol einschlug, wie die ukrainischen Sondereinsatzkräfte mitteilten. Bei dem Angriff kamen Storm Shadow-Raketen aus britischer Produktion zum Einsatz. Eine riesige schwarze Rauchwolke stieg am vergangenen Freitag aus dem Gebäude auf, als die Ukraine einen der beeindruckendsten Raketenangriffe des Krieges durchführte. Der Volltreffer auf die Marinekommandozentrale war ein symbolischer Schlag für Russland, denn die Schwarzmeerflotte ist seit ihrer Gründung durch Katharina die Große im Jahr 1783 eine Quelle des nationalen Stolzes. Präsident Wladimir Putin hat den Flottenkommandeur im vergangenen Jahr entlassen, nachdem die Flotte eine Reihe peinlicher Rückschläge erlitten hatte, darunter den Untergang ihres wichtigsten Kriegsschiffs, der Moskwa, und einen Angriff auf ihren Luftwaffenstützpunkt auf der Krim, bei dem acht Kampfflugzeuge zerstört wurden. Sokolow, der zuvor eine prestigeträchtige Position als Leiter einer Militärakademie innehatte, wurde in den aktiven Dienst zurückgebracht, um den Stolz auf die Schwarzmeerflotte wiederherzustellen. Sein Tod – und der so vieler seiner Kollegen – mitten im Einsatzgebiet der Flotte wäre ein schwerer Schlag für diesen Stolz gewesen. Im Laufe des Wochenendes kamen in den sozialen Medien Gerüchte auf, wonach Sokolow von der Explosion erfasst worden sei. Die Spezialeinheiten bestätigten dies am Montag auf Telegram. „Nach dem Angriff auf das Hauptquartier der russischen Schwarzmeerflotte haben 34 Offiziere, darunter der Kommandant der russischen Schwarzmeerflotte, ihr Leben verloren, weitere 105 Insassen wurden verletzt. Das Gebäude des Hauptquartiers ist nicht mehr zu reparieren“, hieß es in der Erklärung auf Telegram. Großbritannien lieferte seine Langstreckenraketen im Mai an die Ukraine. BBC berichtete zuvor, dass Storm Shadow-Raketen auch bei einem Angriff auf die Sevmorzavod-Reparaturanlage in Sewastopol am 13. September eingesetzt wurden. Der Angriff beschädigte die Infrastruktur der Werft und setzte ein U-Boot und ein Landungsboot außer Gefecht. In der vergangenen Woche erklärte die ukrainische Marine zudem, auf der Halbinsel eine S-400-Luftabwehrraketenbatterie  ausgeschaltet zu haben, was die Fähigkeit Russlands zur Abwehr neuer Angriffe beeinträchtigen könnte. Krim-Annexion Im Februar 2014 marschierten russische Streitkräfte auf der Halbinsel Krim ein. Im darauffolgenden Monat teilte Präsident Wladimir Putin die Region förmlich in zwei verschiedene föderale Einheiten der Russischen Föderation auf.

Nach einem Referendum unterzeichnete der russische Präsident Wladimir Putin am 18. März 2014 einen Vertrag über die Eingliederung der Krim in die Russische Föderation. Die Volksabstimmung wurde bis heute international jedoch nicht anerkannt. Westliche Staaten haben daraufhin mehrfach Sanktionen gegen Russland erlassen. Das Auswärtige Amt bezeichnete die Ereignisse bis heute als völkerrechtswidrige Annexion. Auch die Türkei bezeichnete Russlands Präsenz in der Krim als „illegale Annexion“.

Die Türkei hat die „illegale Annexion der Krim“ nicht anerkannt und werde dies auch in Zukunft nicht tun. Die Souveränität und territoriale Integrität der Ukraine müsse respektiert werden, sagte etwa der damalige stellvertretende türkische Außenminister Yavuz Selim Kiran bei einer Sonderveranstaltung zur Krim auf der 46. Sitzung des UN-Menschenrechtsrates im Februar 2021. Auch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat wiederholt die Annexion der Krim durch Russland verurteilt. „Wir haben und werden immer die Souveränität und territoriale Integrität der Ukraine unterstützen, auch über die Krim,“ sagte Erdogan etwa bei einem Treffen mit seinem ukrainischen Amtskollegen Wolodymyr Selenskyj im Oktober 2020 in der türkischen Hauptstadt Ankara. „Die Türkei sieht die Ukraine als ein Schlüsselland für die Gewährleistung von Stabilität, Sicherheit, Frieden und Wohlstand in unserer Region,“ so Erdogan.

Laut Moskau sei das eindeutige Ergebnis des Referendums jedoch eine Willensbekundung der Krim-Bevölkerung für einen Beitritt zur Russischen Föderation gewesen. Diese gehe mit dem Selbstbestimmungsrecht dieser Gruppe einher und Russland hätte eine Schutzverpflichtung gegenüber den in der Ukraine lebenden Russen. Deswegen handle es sich bei den Ereignissen keineswegs um eine Annexion. Russland sieht die Krim als russisch und versucht die Annexion mit geschichtspolitischen Argumenten zu legitimieren, so die Bundeszentrale für Politische Bildung.

Gesundheit
Übergewicht steigert das Krebsrisiko

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Bonn – Starkes Übergewicht zählt zu den wichtigsten vermeidbaren, aber wenig bekannten Krebsrisikofaktoren. Jedes Jahr gehen in Deutschland etwa 30.000 Krebsfälle auf das Konto von Übergewicht und Fettleibigkeit. Anlässlich der 5. Nationalen Krebspräventionswoche vom 25. bis 29. September setzen sich die Deutsche Krebshilfe, das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) und die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) für Rahmenbedingungen ein, die es Menschen leichter machen, ein gesundes Körpergewicht zu halten oder zu erlangen. Werbeeinschränkungen für besonders übergewichtsfördernde Produkte sowie eine höhere Besteuerung stark fett- und zuckerhaltiger Lebensmittel müssen ein erster Schritt sein, um dieses Ziel zu erreichen, fordern die drei Krebsorganisationen. Kurzatmigkeit oder Gelenkbeschwerden und vielleicht noch Diabetes – das sind gesundheitliche Beeinträchtigungen, die viele Menschen mit Übergewicht und Fettleibigkeit in Verbindung bringen. Deutlich weniger bekannt ist, dass Übergewicht und besonders Fettleibigkeit*, medizinisch als „Adipositas“ bezeichnet, auch nicht zu unterschätzende Krebsrisikofaktoren sind. DKFZ-Forscherinnen und Forscher haben 2018 berechnet, dass fast sieben Prozent der Krebsneuerkrankungen in Deutschland auf das Konto des Übergewichts gehen. „Das bedeutet, dass jedes Jahr etwa 30.000 Menschen in Deutschland bedingt durch ihr Übergewicht an Krebs erkranken. Das sind 30.000 vermeidbare Krebsfälle“, sagt Prof. Dr. Dr. h.c. Michael Baumann, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Krebsforschungszentrums.Bundesgesundheitsminister Prof. Karl Lauterbach: „Ich begrüße es sehr, dass die diesjährige Nationale Krebspräventionswoche Übergewicht und Adipositas als vermeidbare Risikofaktoren für eine Krebserkrankung in den Mittelpunkt stellt. Viele Menschen wissen, dass Rauchen und Alkoholkonsum bedeutsame Risikofaktoren für eine Krebserkrankung darstellen. Viel weniger bekannt dürfte sein, dass starkes Übergewicht und Adipositas das Risiko für eine Reihe von häufigen Krebserkrankungen wie Brustkrebs und Darmkrebs erhöhen. Durch die Beseitigung oder noch besser die Vermeidung dieser Risikofaktoren durch gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung reduzieren wir nicht nur das Risiko für eine Krebserkrankung, sondern auch für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, den Typ-2-Diabetes und Gelenkerkrankungen.“ Doch ein gesundes Körpergewicht zu halten, ist nicht leicht in einer Welt voller Verführung durch hochkalorische Lebensmittel. „Höchste Priorität sollten daher präventive Maßnahmen haben, die es den Menschen leichter machen, sich ausgewogen zu ernähren und damit ihr Körpergewicht zu halten“, sagt Gerd Nettekoven, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krebshilfe. „Die Prävention von Übergewicht muss bereits im Kindesalter ansetzen, denn hier hat Übergewicht oftmals seinen Ursprung.“ Als wichtige Anreize für eine gesunde Ernährung gelten unter anderem ein Verbot von an Kinder gerichteter Werbung für übergewichtsfördernde Lebensmittel oder eine „gesunde Mehrwertsteuer“. Diese sieht eine höhere Besteuerung für stark zucker- oder fett- oder salzhaltige Nahrungsmittel vor, während Obst und Gemüse nicht besteuert werden. Auch verbraucherfreundliche Nährwertkennzeichnungen sowie ausgewogene Ernährungsangebote an Schulen könnten einen wichtigen Beitrag leisten. Einige europäische Länder haben solche Präventionsmaßnahmen bereits umgesetzt: So besteuern beispielsweise England und Frankreich stark gezuckerte Limonaden, Portugal verbietet an Kinder gerichtete Werbung für ungesunde Lebensmittel. „In Deutschland haben wir dringenden Handlungsbedarf“, sagt Prof. Dr. Michael Ghadimi, Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft. „Die Umsetzung des im Koalitionsvertrag beschlossenen Verbots von an Kinder gerichteter Werbung für Lebensmittel mit hohem Zucker- und Fettgehalt wäre ein wichtiger erster Schritt für die Krebsprävention.“ * Bei Erwachsenen sprechen Wissenschaftler ab einem Body Mass Index (BMI) von 30 von Adipositas (Fettleibigkeit). Der BMI berechnet sich: Körpergewicht [kg] dividiert durch Körpergröße [m] im Quadrat. Hintergründe Übergewicht und Krebs Um welche Krebsarten geht es? Brustkrebs nach den Wechseljahren, Darmkrebs, Gebärmutterkrebs, Speiseröhrenkrebs und Nierenzellkrebs treten bei fettleibigen Menschen erheblich häufiger auf als bei Normalgewichtigen. Außerdem erkranken adipöse Menschen häufiger an Leber- oder Bauchspeicheldrüsenkrebs, an Eierstockkrebs oder an einem Multiplen Myelom. Studiendaten weisen auf einen Zusammenhang von Dosis und Wirkung: Je stärker ausgeprägt die Fettleibigkeit ist, desto höher das Krebsrisiko. Allerdings spielt das Übergewicht nicht bei allen Krebsarten eine gleich starke Rolle: Bei Gebärmutter- und Nierenkrebs oder bei Adenokarzinomen der Speiseröhre ist sogar fast die Hälfte aller Fälle durch Adipositas bedingt. Wie treibt Fettleibigkeit die Krebsentstehung an? Insbeondere das viszerale Bauchfett, das die inneren Organe umgibt, produziert viele entzündungfördernde Botenstoffe. Sind sie dauerhaft erhöht, so entstehen chronische Entzündungen, die krebsfördernd wirken. Die Fettzellen im Körper produzieren außerdem das Sexualhormon Östrogen, das wachstumsfördernd ist. Auch Krebszellen können dadurch zum Wachstum angeregt werden.Übergewichtige Menschen produzieren mehr Insulin als Normalgewichtige. Insulin dient für viele Krebszellen als Wachstumgsfaktor, weshalb ein durchgängig hoher Insulinspiegel das Krebswachstum antreiben kann. Schlanke Kranke? Insbesondere das ungesunde viszerale Bauchfett gilt als Krebstreiber, nicht so sehr die Fettpölsterchen an Po und Beinen. Deshalb haben oftmals auch Personen mit einigermaßen schlanker Statur ein erhöhtes Krebsrisiko, ohne davon zu ahnen. Das viszerale Fett ist stoffwechselaktiv und produziert entzündungsfördernde Botenstoffe. Die gute Nachricht: Wem es gelingt, sein Körpergewicht zu reduzieren, der reduziert damit gleichzeitig auch sein viszerales Bauchfett. Intensives Training kann beim Abbau des viszeralen Fetts helfen. Über die Nationale Krebspräventionswoche Die Nationale Krebspräventionswoche ist eine gemeinsame Initiative der Deutschen Krebshilfe, des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) und der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG). Die drei Organisationen machen damit auf das große Potenzial der Prävention aufmerksam. Die Vision: Krebs soll gar nicht erst entstehen. Die Krebspräventionswoche findet jährlich im Monat September statt. Im Fokus steht jedes Jahr ein anderer Lebensstil-Faktor, der das Krebsrisiko beeinflusst. Weitere Informationen zur Krebspräventionswoche unter: www.dkfz.de/krebspraeventionswoche www.krebshilfe.de/krebspraeventionswoche www.krebsgesellschaft.de/nationale-krebspraeventionswoche.html

Fremdenfeindlichkeit
Boykottaufrufe gegen Türkei nach rassistischen Übergriffen

Istanbul – Nach vermehrten rassistischen Übergriffen auf arabische Touristen, rufen immer mehr Menschen aus dem Nahen Osten und Nordafrika zu einem Urlaubsboykott gegen die Türkei auf. Laut offiziellen Angaben lassen Touristen aus den Golfstaaten im Jahr über eine Milliarden Dollar in der Türkei. Zuletzt wurde in der Schwarzmeerstadt Trabzon ein kuwaitischer Tourist niedergeschlagen, worüber auch in arabischen Medien ausführlich berichtet wurde. Der Kuwaiti rief in den Sozialen Medien dazu auf, die Türkei als Tourismus- und Investitionsziel zu meiden. Er fühle sich dort nicht mehr sicher. „Ich rate meiner Familie und meinen Angehörigen, nicht in die Türkei zu reisen und ihr Eigentum so schnell wie möglich zu veräußern“, schrieb er. Der Tourismusverband verurteilte die Taten aufs Schärfste und entschuldigte sich bei den Betroffenen. Das Gouverneursamt von Trabzon teilte mit, dass diese Taten nicht die bei Besuchern hochgeschätzte Gastfreundschaft des Schwarzmeergebietes wiedergäben und, dass der Täter bereits verhaftet worden sei. Auch ein Sprecher des Reiseagenturenverbandes verurteilte die Taten.

„Während europäische Länder, insbesondere Großbrittanien und die USA, durch die Abschaffung der Visa attraktive Möglichkeiten bieten, Bürger der Golfstaaten in ihre Länder zu locken, wandelt sich in unserem Land interessanterweise die gegensätzliche Mentalität. Ein Hass auf die Regierung und Flüchtlinge schlägt bei manchen Gruppen in diesem Land auch auf Feindseligkeit gegenüber Touristen aus arabischen Ländern um“, so Ömer Kaya gegenüber türkischen Medien. Er bezeichnete die Taten als „Verrat an dem Land“.

„Der Versuch, Touristen zu vertreiben die Milliarden von Dollar in unser Land bringen, ist Verrat an der Heimat und der Nation“, sagte er.

Seit vielen Jahren arbeitet die türkische Regierung an einer Vertiefung der Beziehungen zu muslimischen Staaten um den Handel mit diesen zu verbessern und auch den Tourismus zu fördern. In letzter Zeit häufen sich jedoch die Übergriffe auf nichteuropäische Besucher, was zu Verurteilungen und Boykottaufrufen gegen die Türkei in den Sozialen Medien führte.

Rauchverhalten der Jugend
Weniger Zigaretten: Veränderte Rauchgewohnheiten der Jugend

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Die Zeiten, in denen Tabak-Zigaretten das Nonplusultra des Rauchens waren, scheinen vorbei zu sein. Die Jugend von heute erkundet eine breite Palette von Rauchgewohnheiten, die von traditionellen Zigaretten über Cannabis bis hin zu E-Zigaretten und Shishas reicht. Dieser Wandel wirft Fragen auf: Warum verlieren Tabak-Zigaretten bei der jungen Generation an Beliebtheit, und wie schädlich sind die neuen Rauchalternativen? Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte dieses Themas und setzt sich mit den Gründen für die Trends auseinander.

Warum Tabak-Zigaretten sich schlechter verkaufen

Die traditionelle Tabakindustrie sieht sich mit Herausforderungen konfrontiert. Einer der Hauptgründe ist die gestiegene Sensibilisierung für Gesundheitsfragen. Diese Sensibilisierung hat zu einem Rückgang des Tabakkonsums geführt und gleichzeitig alternative Rauchformen in den Fokus gerückt. Tabakunternehmen suchen vermehrt nach Alternativen zur herkömmlichen Zigarette, um dem rückläufigen Absatz entgegenzuwirken. Dieser Wandel spiegelt sich in den Verkaufszahlen wider, da immer mehr Menschen alternative Rauchformen bevorzugen.

Die Cannabis-Legalisierung hat viele Befürworter

Währenddessen gewinnt die Legalisierung von Cannabis unter Jugendlichen an Unterstützung. Es gibt bereits Studien, die darauf hindeuten, dass das Rauchen von Cannabis im Vergleich zum Tabakrauch weniger schädlich für die Lunge sein könnte. Dies wird auf die unterschiedliche Zusammensetzung und Verbrennungstemperatur zurückgeführt. Der Konsum von Cannabis birgt jedoch andere Gesundheitsrisiken birgt, insbesondere in Bezug auf die psychische Gesundheit. Befürworter der Legalisierung argumentieren auch, dass Cannabiskonsum sich nicht aufs Rauchen beschränkt ist. Es gibt eine große Auswahl an Grinder, mit denen man Cannabis nicht nur zum Rauchen, sondern auch für alternative Konsumarten aufbereiten kann. Dazu gehören beispielsweise Verdampfen und Essen. Diese Methoden gelten als weniger lungenschädlich. Ein weiteres häufiges Argument ist, dass entweder eine Legalisierung von Haschisch und Marihuana oder ein Verbot von Alkohol und Tabak konsequent wäre. Es wird auch darauf hingewiesen, dass Cannabinoide für medizinische Behandlungen eingesetzt werden könnten. Dafür werden allerdings umfassende Studien benötigt, denen das Betäubungsmittelgesetz aktuell noch im Weg steht.

Immer mehr Jugendliche rauchen E-Zigaretten

Der Trend des E-Zigaretten-Konsums bei Jugendlichen hat in den letzten Jahren besorgniserregende Ausmaße angenommen. Im Jahr 2020 hatte etwa jeder fünfte Jugendliche im Alter von 15 bis 17 Jahren Erfahrung mit E-Zigaretten. Dieser Anstieg geht Hand in Hand mit einer Vielzahl von Aromen und einem modernen Marketing, das gezielt junge Zielgruppen anspricht. Einer der Hauptgründe für den Trend ist die Wahrnehmung, dass E-Zigaretten weniger schädlich sind als herkömmliche Tabakprodukte. Diese Annahme wird oft von der Werbung für E-Zigaretten verstärkt, die sie als „gesündere“ Alternative darstellt. Doch nach wie vor sind in E-Zigaretten Schadstoffe enthalten, die insbesondere für junge, sich entwickelnde Gehirne gefährlich sind. Mittlerweile fordern Suchtverbände verstärkt Maßnahmen zum Jugendschutz bei E-Zigaretten-Werbung.

Warum Shisha ein Trend unter Jugendlichen ist

Shisha-Rauchen hat unter Jugendlichen ebenfalls an Beliebtheit gewonnen. Der soziale Aspekt, das gemeinsame Rauchen und die Geschmacksvielfalt sind Gründe dafür. Eine Studie zeigt, dass jeder fünfte Schüler zur Wasserpfeife greift. Jugendliche neigen dazu, die Risiken des Shisha-Rauchens zu unterschätzen. Dies geschieht oft aufgrund mangelnder Aufklärung und falscher Vorstellungen über die vermeintliche Harmlosigkeit von Wasserpfeifen. Obwohl viele Shisha-Raucher glauben, dass sie eine gesündere Alternative zu Zigaretten wählen, zeigen Untersuchungen das Gegenteil. Shisha-Rauch enthält aufgrund der längeren Rauchdauer und der höheren Menge an inhaliertem Rauch oft mehr Schadstoffe und Kohlenmonoxid, was zu einer erheblichen Gesundheitsgefährdung führen kann. Die konsumierte Menge an Nikotin bei einer einzigen Shisha-Session wird oft mit dem Rauchen von 10 Zigaretten verglichen.

Die Kontroversen informiert betrachten

Die Jugend von heute erkundet eine breite Palette von Rauchgewohnheiten. Während die Vielfalt der Optionen zunimmt, sollten die potenziellen Gesundheitsrisiken nicht verharmlost werden. Aufklärung und Prävention sind entscheidend, um die Jugendlichen über Gefahren aufzuklären. Zusätzlich wird es immer bedeutender, Tabakwaren und Drogen in Relation zu sehen – Alkohol ist beispielsweise weit verbreitet und wird häufig unterschätzt. Cannabis dagegen kann ebenfalls schädlich sein, aber das medizinische Potenzial von Cannabis spricht für eine Legalisierung. Im Diskurs über solche kontroversen Themen ist es also wichtig, einen informierten Standpunkt einzunehmen.

Road to Paris
Sieg gegen Japan: Türkei für Paris qualifiziert

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Tokio – Nach dem sechsten Sieg in Folge haben sich die türkischen Volleyballerinnen für die Olympischen Spiele im kommenden Jahr in Paris qualifiziert. Die „Sultane der Netze“ bezwangen am Samstag den Gruppenersten Japan mit 3:1.

Der erste Satz der Partie ging mit 25:22 zwar an Japan, die Türkinnen erhöhten mit 25:22 im zweiten Satz jedoch auf 1:1 und entschieden nach einem 26:24 im dritten und einem 25:12 im vierten Satz das Spiel für sich.

In den Spielen zuvor besiegten sie zudem Brasilien (3:1), Puerto Rico (3:0), Bulgarien (3:0), Peru (3:1) und Argentinien ebenfalls mit 3:1. Somit sind die „Sultane der Netze“ seit insgesamt 21 Spielen unbesiegt.

  Volleyball-Qualifikationsturnier Das Volleyball-Qualifikationsturnier für die Olympischen Spiele im kommenden Jahr in Paris findet vom 16. bis 24. September in China, Japan und Polen statt. Die 24 besten Volleyball-Nationen der Welt treten beim FIVB Road to Paris Olympic Volleyball Qualifier an. Die Städte Ningbo (Volksrepublik China), Tokio (Japan) und Lodz (Polen) sind Gastgeber des Qualifikationswettbewerbs.    

Paris 2024
Volleyball-Olympia-Qualifikation: Türkei bezwingt Vize-Weltmeister Brasilien

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Tokio – Die Erfolgssträhne der türkischen Volleyballerinnen reißt nicht ab. Nach dem Gewinn der diesjährigen Europameisterschaft haben die Türkinnen auch bei der Qualifikationsrunde zu den Olympischen Spielen im kommenden Jahr in Paris einen erfolgreichen Start hingelegt. In ihrem fünften Spiel der Qualifikation bezwangen sie am Freitag Vizeweltmeister Brasilien mit 3:0 (25-21, 27-25, 25-19). In den Spielen zuvor besiegten sie zudem Puerto Rico (3:0), Bulgarien (3:0), Peru (3:1) und Argentinien ebenfalls mit 3:1. Somit sind die „Sultane der Netze“ seit insgesamt 20 Spielen unbesiegt. In ihrem sechsten Spiel treffen sie in am Sonntag in Tokio auf den Gruppenersten und Gastgeber Japan.    

"Aiwanger-Flugblatt"
Kommentar: Wen stört in Deutschland schon Judenhass?

ein Gastkommentar von Michal Thomas Nein, hier geht es nicht um Israel, wenn über Juden in Deutschland gesprochen wird, denn Israel hat mit dem „Aiwanger-Flugblatt„, welches eine unentschuldbare und widerwärtige Scheußlichkeit darstellt, nichts zu tun. Sondern vielmehr müssen die jüdischen Gemeinschaften Deutschlands, die man seit Jahrhunderten mit wechselndem, jedoch stetigen Eifer beleidigt, diskriminiert, verfolgt und beargwöhnt, hierzu sensibel befragt werden. Und da sind mir die abgewogenen, jedoch sehr klaren und deutlichen Stimmen von Josef Schuster, dem Vorsitzenden des Zentralrats der Juden, und die von Charlotte Knobloch, der Leiterin der Israelitischen Gemeinde in München, sehr wichtig. Sie beide haben guten Grund für ihre Position, die von Aiwanger hingeworfene, unaufrichtig erscheinende Entschuldigung nicht anzunehmen. Sich von dem von Aiwanger angestrengten, läppischen und weinerlichen Gegenangriff abgestoßen zu fühlen, man würde angeblich eine „Schmutzkampagne“ gegen ihn führen. Gegen das arme Opfer Aiwanger. Und noch immer nichts Überzeugendes aus Berlin, was mir die Zuversicht geben könnte, dass die deutsche Spitzenpolitik aufrichtig entsetzt wäre – denn von dort kommt außer halblautem Gemurmel gar nichts. Dafür aber wird Aiwanger in Bayern gefeiert wie ein Erlöser. Jetzt kann man an den Stammtischen in Zimmerlautstärke sprechen statt nur flüstern zu können, dass man schon immer gewusst habe, dass der wackere Aiwangerbuam einer von ihnen sei. Prost auf der Wiesn! Wenn ich ein Jude wäre, würde ich mich keineswegs auf das Oktoberfest trauen. Die brauchen da jetzt weniger Bier, um herzhaft „auf so einen“ einzuprügeln, weil der ja in ihrer „Heimat nix zu suchen“ habe. Neue Untersuchungen zeigen eindrucksvoll, dass das Aiwanger-Flugblatt wesentlich mehr Menschen richtig Spaß macht als vor einigen Jahrzehnten noch angenommen wurde. Sowohl Herr Schuster als auch Frau Knobloch werden damit furchtbar allein gelassen. Sie sind zusammen mit den vielen hunderttausend Menschen, die sie vertreten, einsam und allein mit dem widerlichen Gefühl der neuen, alten und nur zu gut bekannten Angst. Denn es ist gerade der Umgang der deutschen Politik mit dem miesen, braunen Pamphlet, der anwidert. Alles Gequatsche um die vorgebliche, tiefe Verbundenheit mit den jüdischen Mitbürgern als dumme Farce enttarnt, als ritualisierte, dünne Tünche ohne greifbaren Inhalt. Ein starker, zuverlässiger, humanistischer, deutscher Bundeskanzler würde alle Mittel aufgewendet haben, Aiwanger innerhalb kürzester Zeit aus jedweder Politik zu treten. Aber der amtierende Kanzler schweigt. Dies Schweigen muss die Juden Deutschlands betroffen machen und ihnen ein saures Gefühl der Angst die Kehle hochjagen. Ich möchte Herrn Schuster und Frau Knobloch gern mein tiefes Entsetzen darüber vermitteln und meiner Scham für das erbärmliche und verräterische Schmierentheater der deutschen Spitzenpolitik Ausdruck verleihen. Man sollte in Deutschland alle Objekte des ritualisierten, aber inhaltsleeren Erinnerungstheaters verhüllen. Vielleicht, bis eines Tages irgendwann einmal wirklich ein nichtjüdischer Deutscher, der seinen Kampf diesem Thema widmet, an ihnen wirklich die Qual und das Leid empfindet, das ihnen zusteht. In wenigen Wochen nur kräht kein Hahn mehr danach und wir werden sehen, wieviel An- und Übergriffe auf Juden stattgefunden haben werden.
 Zum Autor 
Michael Thomas ist Privatier, Fotograf, leidenschaftlich an Ägyptologie und Literatur interessiert, mit der er vor vielen Jahren als Autor regional einige Beachtung fand. Er verfolgt interessiert das Weltgeschehen durch Beobachtung internationaler Presse. Seinen Fokus legt er insbesondere auf die Palästinafrage und auf die islamische Welt.

Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.

Bergkarabach-Krise
Turkologe Heß: Was passiert in Karabach?

ein Gastbeitrag von Dr. Michael Reinhard Heß

Der Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan um die damalige „Autonome Region Berg-Karabach“ (NKAO) brach Ende 1987 aus und weitete sich nach dem Zerfall der Sowjetunion zu einem vollumfänglichen Krieg aus. 

Was passiert in Karabach?

Den sogenannten „Ersten Karabachkrieg“ gewannen die Armenier, auch mit russischer Hilfe. Etwa 20 Prozent des aserbaidschanischen Territoriums wurde von Armenien und Separatisten in der Region Karabach besetzt. Etwa 30 Jahre lang hielten Armenien und die Separatisten nicht nur das Gebiet des damaligen Bergkarabach, sondern auch sieben weitere umliegende aserbaidschanische Bezirke, in denen keine Armenier angesiedelt waren, unter Okkupation.

In dieser Zeit wurde das kulturelle Erbe dieser Gebiete nahezu vollständig zerstört und geschändet. Hunderttausende Aserbaidschaner wurden aus Armenien und Karabach vertrieben, darunter alle etwa 47.000 Karabachaserbaidschaner. Tausende starben. Das Chodschali-Massaker (Link) in der Nacht vom 25. auf den 26. Februar endete mit der grausamen Ermordung 613 aserbaidschanischer Zivilisten, darunter zahlreiche Kinder, Frauen und ältere Leute, durch armenische Armeeeinheiten. Es gilt zusammen mit Srebrenica als eines der schlimmsten Kriegsverbrechen nach 1945.

Das reiche Kulturerbe Karabachs, das als Wiege der aserbaidschanischen Kultur gilt, wurde von den armenischen Besatzern in beispielloser Weise vandalisiert. Die Welt wurde Zeuge einer von ethnischer Säuberung und Verbrechen gegen die Menschlichkeit begleiteten Okkupation. Internationale Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. 1993 bestätigte der UN-Sicherheitsrat in vier Resolutionen, dass Karabach und die umliegenden, von Armeniern besetzten, Gebiete völkerrechtlich zu Aserbaidschan gehören, dass die Besatzung unverzüglich zu beenden sei und die Zwangsvertriebenen nach Hause zurückkehren sollten. (Quelle)

Doch niemand setzte diese Resolutionen um. Stattdessen musste das militärisch und politisch geschwächte Aserbaidschan 1994 einen Waffenstillstand mit den triumphierenden Armeniern schließen, der den Konflikt beider Länder „einfror“.

Rechtlich war die Sache mehr als klar. Ein Land (Armenien) überfiel ein anderes (Aserbaidschan) und besetzte brutal einen Teil davon. Die naheliegende Lösung wäre gewesen, dem von der UN verbrieften Recht Geltung zu verschaffen, notfalls mit einem „robusten Mandat“. Wozu sonst gibt es das Völkerrecht, UN-Mandate, Blauhelme und all die anderen internationalen Institutionen?

Doch in den folgenden 26 Jahren geschah: nichts.

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) gründete die Minsk-Gruppe, die ab 1996 von Frankreich, einem eingefleischten Gegner Aserbaidschans, mitgeleitet wurde. Ein anderer Ko-Vorsitzender der Minsk-Gruppe war Russland, also die Macht, die Armenien unterstützte und dafür im Gegenzug kontrollierte und für seine Zwecke instrumentalisierte. Der Verdacht liegt nahe, dass die Minsk-Gruppe eine Alibi-Veranstaltung war, mit der die siegreichen Armenier und ihre Unterstützernationen den Status quo erhalten und ihre Beute aus dem Krieg der frühen 1990er absichern wollten. Sie perpetualisierte durch ihre Passivität die Aggression.

2020 ergriff Aserbaidschan, das inzwischen wirtschaftlich, politisch und militärisch erstarkt war, die Initiative und befreite in einem 44 Tage dauernden Krieg einen Teil der von den Separatisten besetzten Gebiete. Das Land war offenbar zu dem Ergebnis gekommen, dass ihm kein anderer Weg blieb, um zu seinem Recht zu kommen. Es blieb aber noch eine kleine Blase seitens Armeniens militärisch und finanziell unterstützter Separatisten in Aserbaidschan bestehen. Außerdem hat Armenien etwa 10 000 Soldaten seiner Armee illegal in Karabach stationiert.

Mochten 2020 einige der Separatisten immer noch davon träumen, dass sie dort dauerhaft weiterwurschteln und den „eingefrorenen Konflikt“, also faktisch die Früchte ihres Aggressionskriegs, genießen könnten wie seit 1994, begannen diese Illusionen immer mehr zu zerbröseln, nachdem Russland seine alte Funktion als Schützer-Benutzer Armeniens im Gefolge seines 2022 begonnenen Kriegs gegen die Ukraine aufgeben musste. So gesehen, kann die aktuelle Zuspitzung auch eine Begleiterscheinung des Scheiterns und Niedergangs des russischen Imperialgedankens angesehen werden.

Im Mai 2023 erklärte der Ministerpräsident Armeniens, sein Land erkenne Karabach als Teil Aserbaidschans an. Zwar nur, wenn die Rechte der dortigen Armenier gewahrt würden, aber immerhin.

Die Separatisten mussten danach zusehen, wie die Unterstützung für ihren Traum immer rasanter dahinschmolz. Nicht einmal die beiden Hauptsponsoren ihres Separatismus, Russland und das von ihm weitgehend abhängige Armenien, standen noch vorbehaltlos zu ihnen.

Ab Ende Juli versuchte die separatistische Community dann, jene rhetorische Waffe zu zücken, die auch in der Vergangenheit immer wieder der Sache der armenischen Separatisten von Karabach geholfen hatte und die gerade in Deutschland immer noch wirkt: die Genozid-Keule. Die üblichen proarmenischen Kreise sangen mit im Chor. Aber es half nichts. Denn es gibt keinen von den Aserbaidschanern in Karabach verübten Genozid. Der ehemalige Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs Luis Moreno Ocampo scheiterte mit einem rasch zusammengeschriebenen Versuch, die Weltöffentlichkeit vom Gegenteil zu überzeugen, krachend auf der juristischen Ebene und auch sonst.

Überzeugt von ihrem nationalistischen Sendungsbewusstsein und ihrer Fähigkeit, die Vergangenheit zu interpretieren, geben die Separatisten aber immer noch nicht auf. Sie wollen weiter einen Staat im Staate bilden. 

Was jetzt passiert, ist, dass die Aserbaidschaner jenen Weg zu ihrem völkerrechtlich verbrieften Anspruch, Herr in ihrem eigenen Land zu sein, weitergehen, der in der Vergangenheit aus ihrer Sicht der einzig erfolgreiche gewesen ist: Sie vertrauen ihrer eigenen Stärke (und der ihres wichtigsten und möglicherweise einzigen wirklichen Verbündeten, der Türkei) und der geopolitischen Gunst der Stunde. Nur so, das hat sie die überaus bittere Erfahrung gelehrt, können sie das himmelschreiende Unrecht, das ihnen 30 Jahre von Armenien angetan wurde, endlich beenden. Recht und Diplomatie haben ihnen bisher leider nicht dazu verholfen.

Wenn die Europäer, allen voran Frankreich, das immer noch unter seinem postkolonialen Phantomschmerz zu leiden scheint und eine Rolle als „Schutzmacht“ der Armenier einnehmen möchte, in dieser Situation mit ihrem gewohnten moralischen Impetus auf Aserbaidschan zeigen, ist das scheinheilig. Denn es war auch ihr 26 Jahre lang fortgesetztes Versagen, ihre Gleichgültigkeit und ihr Kuschen vor dem Unrecht, das zur heutigen Lage geführt hat. Die jüngsten militärischen Operationen in Karabach demonstrieren auch das Scheitern von mehreren Jahrzehnten europäischer Politik, die in Karabach, aber auch auf Schauplätzen wie der Ukraine, auf dem Schönreden oder Ignorieren von Völkerrechtsverletzungen beruhte.

Diese Haltung ist zutiefst zynisch, denn sie legitimiert die Aggression und den Rechtsbruch, lässt die Opfer auf dem Schaden sitzen und inkriminiert sie in dem Augenblick, in dem sie zur Selbstverteidigung übergehen. Wie unangenehm für die europäischen Augen zu-Politiker, dass Länder wie die Ukraine oder Aserbaidschan sich mit diesem Verhalten nicht abfinden. Aserbaidschan tut faktisch nichts weiter, als auf der vollständigen Wiederherstellung seiner territorialen Unversehrtheit zu bestehen, die von allen UN-Mitgliedern nach dem Zerfall der Sowjetunion, auch vor kurzem von Armenien anerkannt worden ist.


zum Thema: Schuschas Vermächtnis: Geschichte und Werdegang der Kulturhauptstadt Aserbaidschans (Amazon)

Was am 19. September begonnen hat, könnte der letzte Akt im 1987 begonnenen fatalen Rausch des armenisch-nationalistischen Überschwangs im Südkaukasus sein. Kurz vor dem Beginn der aserbaidschanischen Militäroperation waren vier Mitarbeiter des aserbaidschanischen Innenministeriums und zwei Zivilisten bei der Explosion von Minen, die von armenischen Einheiten gelegt worden waren, gestorben, was die aserbaidschanische Seite als unmittelbaren Anlass für die Kampfhandungen dargestellt hat.

Berichte deuten darauf hin, dass Aserbaidschan an diesem Tag mit der systematischen Zerstörung der Flugabwehrinstallationen und anderer Militäranlagen der Separatisten begonnen hat (was würde Deutschland eigentlich tun, wenn Separatisten wie die „Reichsbürger“ Flugabwehrinstallationen in der Bundesrepublik aufgebaut hätten?), was auf die Absicht einer endgültigen Beseitigung der kriegerischen Infrastruktur der Okkupanten und Separatisten hindeuten könnte.

Wladimir Putin zeigt keine Neigung, den Separatisten in Karabach zur Hilfe zu kommen, und Armenien signalisiert, dass es sich von Russland abwenden könnte. Premierminister Pashinyan hat in einer Regierungssitzung zu den Entwicklungen bekräftigt, dass diese auf dem Hoheitsgebiet Aserbaidschans geschahen und dass an der Staatsgrenze zwischen Armenien und Aserbaidschan Ruhe herrsche.

Durch all diese Vorgänge steht das Fortbestehen derjenigen Strukturen, die in den vergangenen dreißig Jahren den armenischen Separatismus in Aserbaidschan beflügelt haben, vor allem der Kooperation zwischen Moskau und Eriwan, in Frage. Es würde einer plötzlichen und sehr schwerwiegenden Entwicklung auf der internationalen Ebene bedürfen, um den gegenwärtigen Entwicklungen, die dem Separatismus in Karabach endgültig das Wasser abzugraben scheinen, eine andere Richtung zu geben.

Zum Zeitpunkt der Fertigstellung dieses Manuskripts (Mittwoch, 20. September 12 Uhr 15 MESZ) hat Aserbaidschan bekanntgegeben, seine „Antiterrormaßnahmen“ würden um 13.00 Uhr lokaler Zeit beendet, während das Russische Friedenstruppenkontingent versicherte, die Separatisten würden entwaffnet und armenische Armeeeinheiten das Hoheitsgebiet Aserbaidschans verlassen.

Das offizielle Aserbaidschan bekräftigte seine Absicht, die armenische Community Karabachs in seine verfassungsmäßige Gesellschaftsordnung reintegrieren. Zu diesem Zweck soll morgen, am 21. September, ein Treffen zwischen aserbaidschanischen Regierungsvertretern und Vertretern der armenischen Community in Karabach in der Stadt Jewlach stattfinden.

All dies könnte darauf hindeuten, dass die kurze militärische Zuspitzung vom 19. und 20. September 2023 tatsächlich das Ende von 30 Jahren blutigem Separatismus und Okkupation in Aserbaidschan einleiten könnte. Möge der letzte Krieg um Karabach bald endlich Geschichte sein!

Nachtrag: Nach Fertigstellung des Beitrags ist bekannt geworden, dass die Separatisten von Karabach ihre Waffen niederlegen und Vertreter der Armenier Karabachs in direkte Verhandlungen mit den aserbaidschanischen Behörden treten wollen.
Michael Reinhard Heß ist promovierter und habilitierter Turkologe. Zum Thema Karabach hat er die Bücher „Schuschas Vermächtnis“ (Gulandot 2022), „Panzer im Paradies“ (Dr. Köster 2016) und „Karabakh from the 13th century to 1920“ (Gulandot, 2020) verfasst.