"Aiwanger-Flugblatt"
Kommentar: Wen stört in Deutschland schon Judenhass?

Neue Untersuchungen zeigen eindrucksvoll, dass das Aiwanger-Flugblatt wesentlich mehr Menschen richtig Spaß macht als vor einigen Jahrzehnten noch angenommen wurde.

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ein Gastkommentar von Michal Thomas

Nein, hier geht es nicht um Israel, wenn über Juden in Deutschland gesprochen wird, denn Israel hat mit dem „Aiwanger-Flugblatt„, welches eine unentschuldbare und widerwärtige Scheußlichkeit darstellt, nichts zu tun.

Sondern vielmehr müssen die jüdischen Gemeinschaften Deutschlands, die man seit Jahrhunderten mit wechselndem, jedoch stetigen Eifer beleidigt, diskriminiert, verfolgt und beargwöhnt, hierzu sensibel befragt werden.

Und da sind mir die abgewogenen, jedoch sehr klaren und deutlichen Stimmen von Josef Schuster, dem Vorsitzenden des Zentralrats der Juden, und die von Charlotte Knobloch, der Leiterin der Israelitischen Gemeinde in München, sehr wichtig.

Sie beide haben guten Grund für ihre Position, die von Aiwanger hingeworfene, unaufrichtig erscheinende Entschuldigung nicht anzunehmen. Sich von dem von Aiwanger angestrengten, läppischen und weinerlichen Gegenangriff abgestoßen zu fühlen, man würde angeblich eine „Schmutzkampagne“ gegen ihn führen.
Gegen das arme Opfer Aiwanger.

Und noch immer nichts Überzeugendes aus Berlin, was mir die Zuversicht geben könnte, dass die deutsche Spitzenpolitik aufrichtig entsetzt wäre – denn von dort kommt außer halblautem Gemurmel gar nichts.

Dafür aber wird Aiwanger in Bayern gefeiert wie ein Erlöser. Jetzt kann man an den Stammtischen in Zimmerlautstärke sprechen statt nur flüstern zu können, dass man schon immer gewusst habe, dass der wackere Aiwangerbuam einer von ihnen sei.
Prost auf der Wiesn!

Wenn ich ein Jude wäre, würde ich mich keineswegs auf das Oktoberfest trauen. Die brauchen da jetzt weniger Bier, um herzhaft „auf so einen“ einzuprügeln, weil der ja in ihrer „Heimat nix zu suchen“ habe.

Neue Untersuchungen zeigen eindrucksvoll, dass das Aiwanger-Flugblatt wesentlich mehr Menschen richtig Spaß macht als vor einigen Jahrzehnten noch angenommen wurde.

Sowohl Herr Schuster als auch Frau Knobloch werden damit furchtbar allein gelassen. Sie sind zusammen mit den vielen hunderttausend Menschen, die sie vertreten, einsam und allein mit dem widerlichen Gefühl der neuen, alten und nur zu gut bekannten Angst.

Denn es ist gerade der Umgang der deutschen Politik mit dem miesen, braunen Pamphlet, der anwidert. Alles Gequatsche um die vorgebliche, tiefe Verbundenheit mit den jüdischen Mitbürgern als dumme Farce enttarnt, als ritualisierte, dünne Tünche ohne greifbaren Inhalt.

Ein starker, zuverlässiger, humanistischer, deutscher Bundeskanzler würde alle Mittel aufgewendet haben, Aiwanger innerhalb kürzester Zeit aus jedweder Politik zu treten.
Aber der amtierende Kanzler schweigt.

Dies Schweigen muss die Juden Deutschlands betroffen machen und ihnen ein saures Gefühl der Angst die Kehle hochjagen.
Ich möchte Herrn Schuster und Frau Knobloch gern mein tiefes Entsetzen darüber vermitteln und meiner Scham für das erbärmliche und verräterische Schmierentheater der deutschen Spitzenpolitik Ausdruck verleihen.

Man sollte in Deutschland alle Objekte des ritualisierten, aber inhaltsleeren Erinnerungstheaters verhüllen. Vielleicht, bis eines Tages irgendwann einmal wirklich ein nichtjüdischer Deutscher, der seinen Kampf diesem Thema widmet, an ihnen wirklich die Qual und das Leid empfindet, das ihnen zusteht.

In wenigen Wochen nur kräht kein Hahn mehr danach und wir werden sehen, wieviel An- und Übergriffe auf Juden stattgefunden haben werden.


 Zum Autor 
Michael Thomas ist Privatier, Fotograf, leidenschaftlich an Ägyptologie und Literatur interessiert, mit der er vor vielen Jahren als Autor regional einige Beachtung fand. Er verfolgt interessiert das Weltgeschehen durch Beobachtung internationaler Presse. Seinen Fokus legt er insbesondere auf die Palästinafrage und auf die islamische Welt.

Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.

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