Glücksspiel
Drei Länder, drei Wege: Wie Deutschland, Österreich und die Schweiz Online-Glücksspiel regulieren

Kaum ein Thema zeigt so deutlich, wie unterschiedlich drei Nachbarländer denselben gesellschaftlichen Wandel verarbeiten können. Online-Glücksspiel ist in der DACH-Region weit verbreitet – aber wer genauer hinschaut, stellt fest: Was in München legal ist, kann in Wien rechtlich heikel sein, und in Zürich gelten wieder ganz andere Spielregeln. Buchstäblich.

Deutschland: Reguliert, aber nicht ohne Reibung

Lange Zeit war das Online-Glücksspiel in Deutschland nicht erlaubt bzw geregelt, genutzt wurde es aber trotzdem. Internationale Anbieter waren problemlos erreichbar und wurden von vielen Spielerinnen und Spielern genutzt. Fragen zur Regulierung spielten keine Rolle. Viele Lizenzen aus Malta oder Gibraltar waren lange ausreichend, um Angebote europaweit bereitzustellen. Mit dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 hat sich diese Situation deutlich verändert. Seitdem ist Online-Glücksspiel grundsätzlich erlaubt, allerdings nur unter strengen Voraussetzungen. Anbieter benötigen eine Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) und müssen unter anderem ein monatliches Einzahlungslimit von 1.000 Euro umsetzen. Das sorgt für mehr Transparenz und Kontrolle, wird jedoch nicht von allen Nutzerinnen und Nutzern positiv bewertet. Während der Fokus klar auf Prävention und Regulierung liegt, sehen manche darin auch eine Einschränkung der Auswahlmöglichkeiten und des Spielerlebnisses. Das Ergebnis ist ein Markt mit klaren Regeln, aber auch mit einem anhaltenden Schwarzmarktproblem: Wer Limits als zu eng empfindet, weicht auf unregulierte Anbieter aus – genau das, was der GlüStV eigentlich verhindern sollte.

Die Schweiz: Geschlossen, aber konsequent

Einen anderen Weg geht das Nachbarland. Während Deutschland mit dem GlüStV einen regulierten, aber offenen Markt geschaffen hat, setzt die Schweiz mit dem Geldspielgesetz auf ein exklusiveres Modell mit klaren Zugangsbeschränkungen für Anbieter. Nur landbasierte Schweizer Casinos können eine Online-Lizenz beantragen – wer kein physisches Casino in der Schweiz betreibt, erhält schlicht keine Genehmigung für den digitalen Betrieb. Ab Anfang 2025 dürfen zwölf lizenzierte Spielbanken ein Online-Angebot bereitstellen – mit Lizenzen, die bis 2044 gültig sind. Wer etwa das 7melons Casino mit schweizer Lizenz besucht, findet dort einen Anbieter, der genau diesen strengen Anforderungen unterliegt und von der Eidgenössischen Spielbankenkommission (ESBK) laufend beaufsichtigt wird. Was die Schweiz von Deutschland unterscheidet: Anders als Deutschland setzt die Schweiz auf aktive Netzsperren – Spielangebote aus dem Ausland sind für Schweizer Nutzer technisch nicht abrufbar. Das wird kritisiert, aber es zeigt auch: Wer hier reguliert, meint es ernst.

Österreich: Der unruhige Sonderfall

Österreich weicht von Deutschland und der Schweiz am stärksten ab. Der Bund ist allein für die Vergabe von Glücksspiel Genehmigungen zuständig, Anbieter aus anderen Ländern erhalten im Land keine Lizenzen. Monopol Inhaber ist die Casinos Austria AG – ein Modell, das zunehmend unter Druck gerät. Illegale Online-Casinos setzen das österreichische Monopol stark unter Druck – und ein jüngeres Gerichtsurteil, bei dem ein Spieler seine Verluste bei einem illegalen Anbieter nicht zurückfordern konnte, hat die Diskussion um den Spielerschutz neu entfacht. Die Berechtigungen laufen im September 2027 aus, und Gerüchte über eine Liberalisierung des Markts werden lauter. Österreich steht damit vor einer Weichenstellung, deren Ausgang noch offen ist.

Was die drei Modelle verbindet – und was sie trennt

Trotz aller Unterschiede verfolgen alle drei Länder dasselbe Ziel: illegales Glücksspiel einzudämmen und Spielerinnen und Spieler zu schützen. Die Umsetzung jedoch weicht stark voneinander ab – von strenger staatlicher Kontrolle über geschlossene Lizenzsysteme bis hin zu offeneren Marktmodellen. Für Spielerinnen und Spieler bedeutet das konkret: Je nach Wohnort variieren Auswahl, Einsatzlimits, Bonusbedingungen und rechtlicher Schutz erheblich. Was in der Schweiz klar geregelt und vollständig überwacht ist, bewegt sich in Österreich noch in einem unsicheren Übergangsraum. Deutschland liegt irgendwo dazwischen – reguliert, aber noch nicht vollständig im Gleichgewicht.

Spielen mit Verantwortung – in jedem Markt

Unabhängig davon, welches Regulierungsmodell man bevorzugt, bleibt eines in allen drei Ländern gleich: Glücksspiel birgt Risiken, die ernst genommen werden müssen. Wer merkt, dass das Spielen die eigene Kontrolle übersteigt, sollte sich nicht scheuen, Unterstützung zu suchen. Es gibt verschiedene Beratungs- und Informationsangebote, die dabei helfen können, das eigene Spielverhalten besser einzuordnen und bei Bedarf gegenzusteuern. Auf regulatorischer Ebene lohnt es sich, die Entwicklungen zu verfolgen – denn in allen drei Ländern ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Die GGL, Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder, informiert regelmäßig über den aktuellen Stand des deutschen Markts und hilft dabei, Lizenzierte von nicht-lizenzierten Anbietern zu unterscheiden.

Kein Modell ist perfekt – aber manche sind konsequenter

Der Vergleich zeigt: Es gibt nicht den einen richtigen Weg. Deutschland setzt auf Offenheit mit Auflagen, die Schweiz auf Geschlossenheit mit Konsequenz, Österreich wartet auf eine überfällige Reform. Was alle drei verbindet, ist die Erkenntnis, dass ein unregulierter Markt niemandem nützt – weder den Spielerinnen und Spielern noch dem Staat. Die Frage ist nicht ob reguliert wird, sondern wie gut.
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Glücksspiel
Zufallsgeneratoren in Online-Casinospielen

Zufallsgeneratoren sind das zentrale technische Element vieler digitaler Casinospiele und sollen Unvorhersehbarkeit gewährleisten. Sie bestimmen beispielsweise, welche Karten erscheinen oder wie Walzenpositionen ausgewählt werden. Verschiedene Plattformen wie Lizaro sind in der Branche bekannt, ohne jedoch hier weiter bewertet zu werden. Die Qualität dieser Systeme beeinflusst, wie konsistent und nachvollziehbar Spielabläufe wirken. Bei Online-Casinospielen entsteht „Zufall“ nicht durch physische Vorgänge wie einen Würfelwurf oder einen Kugellauf, sondern durch Software. In der Praxis kommen dafür Zufallsgeneratoren zum Einsatz, die fortlaufend Zahlenwerte erzeugen und daraus Spielereignisse ableiten. Für Nutzer ist dabei vor allem relevant, ob die Ergebnisse nicht vorhersagbar sind und ob die Implementierung nachvollziehbaren technischen Standards folgt. Plattformen wie Lizaro werden in diesem Zusammenhang häufig erwähnt, wenn es um digitale Spielsysteme und deren technische Grundlagen geht. Die sichtbaren Animationen im Spiel bilden meist nur ab, was im Hintergrund bereits rechnerisch festgelegt wurde.

Warum RNGs für digitale Spielabläufe entscheidend sind

Ein RNG (Random Number Generator) liefert die Ausgangswerte, aus denen sich konkrete Spielresultate ableiten lassen. Bei Slots wird etwa jede Drehung durch einen Zahlenwert entschieden, der einer Walzenkombination zugeordnet ist. Bei digitalen Tischspielen können Kartenreihenfolgen, Würfelwerte oder andere Zufallsereignisse auf denselben Prinzipien basieren. Ohne RNG wäre ein konsistenter, nicht manuell beeinflussbarer Ablauf in der Breite digitaler Spiele kaum darstellbar. Auch Plattformen wie Lizaro nutzen solche Systeme, um sicherzustellen, dass digitale Spiele automatisiert und technisch konsistent funktionieren. In vielen Systemen laufen diese Berechnungen in sehr kurzen Zeitabständen und unabhängig davon, ob gerade eine Spielrunde gestartet wird. Erst beim Auslösen einer Aktion wird ein aktueller Wert herangezogen und in ein Ergebnis übersetzt. Dadurch ist die Abfolge für Außenstehende nicht sinnvoll rekonstruierbar, solange keine internen Parameter offengelegt werden. Entscheidend ist, dass die Zuordnung von Zufallswerten zu möglichen Ergebnissen korrekt umgesetzt und technisch abgesichert ist.

So funktionieren Zufallszahlen in der Praxis

In der Branche wird zwischen „echten“ Zufallsquellen und pseudozufälligen Verfahren unterschieden. Pseudozufällige Generatoren erzeugen Zahlenfolgen mathematisch, basierend auf einem Startwert (Seed) und einem Algorithmus. Gute Verfahren stellen sicher, dass Muster statistisch nicht erkennbar sind und dass die Verteilung der Ergebnisse den vorgesehenen Wahrscheinlichkeiten entspricht. Echte Zufallsquellen können zusätzlich physikalische Effekte nutzen, spielen im reinen Spielebetrieb aber nicht immer die Hauptrolle. Für die Wahrnehmung am Bildschirm ist wichtig, dass die Entscheidung über das Ergebnis nicht von der Animation abhängt. Bei einem Slot Spin steht das Resultat typischerweise bereits fest, bevor die Walzen optisch auslaufen. Ähnlich verhält es sich bei digitalen Kartenmischungen. Die Reihenfolge wird vor der Darstellung berechnet und dann nur noch visualisiert. Technisch relevant sind dabei die Integrität der Berechnung, die korrekte Implementierung und der Schutz vor unautorisierten Eingriffen. Solche technischen Grundlagen sind auch bei Plattformen wie Lizaro Teil der Diskussion über digitale Spielmechaniken.

Prüfansätze und Kennzahlen zur Einordnung

Um die Funktionsweise eines RNG einzuordnen, werden häufig statistische Tests eingesetzt, die große Mengen simulierter Spielereignisse auswerten. Dabei wird geprüft, ob die Verteilung der Ergebnisse im Rahmen der erwarteten Wahrscheinlichkeiten liegt und ob auffällige Muster auftreten. Solche Tests ersetzen keine vollständige Einsicht in die Implementierung, können aber Hinweise liefern, ob ein System plausibel arbeitet. Ergänzend sind technische Kontrollen wie Versionsmanagement, Protokollierung und Zugriffsbeschränkungen relevante Bausteine. Als Kennzahl begegnet Nutzern oft der theoretische Auszahlungswert (RTP), der den langfristigen Durchschnitt in Prozent beschreibt. Der RTP ist eine statistische Größe und sagt nichts darüber aus, wie einzelne kurze Spielphasen verlaufen. Für das Verständnis hilft außerdem der Begriff der Varianz, der beschreibt, wie stark Ergebnisse um den Mittelwert schwanken können. Beide Größen sind nur dann sinnvoll interpretierbar, wenn die zugrunde liegenden Zufallsprozesse konsistent und korrekt umgesetzt sind. In Diskussionen über solche Kennzahlen werden Plattformen wie Lizaro gelegentlich ebenfalls erwähnt, wenn technische Aspekte digitaler Casinospiele betrachtet werden.
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Iran-Krieg
Steinmeier: Krieg gegen Iran ist völkerrechtswidrig

Berlin – In einer ungewöhnlich deutlichen Stellungnahme hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den Krieg der USA und Israels gegen den Iran als Bruch des internationalen Rechts bezeichnet. Während eines Festakts in Berlin mahnte das Staatsoberhaupt eine Rückkehr zu völkerrechtlichen Prinzipien an und distanzierte sich damit offen von der zurückhaltenden Linie der Bundesregierung. Anlässlich des 75. Jahrestags der Wiedergründung des Auswärtigen Amts nutzte Steinmeier seine Rede für eine fundamentale Kritik an der militärischen Eskalation im Nahen Osten. „Unsere Außenpolitik wird nicht überzeugender dadurch, dass wir Völkerrechtsbruch nicht Völkerrechtsbruch nennen“, erklärte der Bundespräsident vor geladenen Gästen und Diplomaten. Er stellte unmissverständlich klar: „Dieser Krieg ist völkerrechtswidrig – daran gibt es wenig Zweifel.“

Bruch mit der Linie der Bundesregierung

Mit diesen Worten schlägt Steinmeier einen deutlich schärferen Ton an als das Kanzleramt unter Friedrich Merz. Die Bundesregierung hatte es bisher strikt vermieden, die US-israelische Offensive offiziell als völkerrechtswidrig einzustufen, und stattdessen zumeist auf das Recht zur Selbstverteidigung oder die Notwendigkeit der regionalen Stabilität verwiesen. Steinmeiers Vorstoß markiert somit einen seltenen öffentlichen Dissens zwischen dem Bundespräsidialamt und der aktuellen Regierungsführung in der deutschen Außenpolitik. Der Bundespräsident warnte davor, dass die Glaubwürdigkeit des Westens und der regelbasierten Weltordnung Schaden nehme, wenn Verstöße gegen das Gewaltverbot der Vereinten Nationen ignoriert oder beschönigt würden. Der seit dem 28. Februar 2026 andauernde Krieg, der mit massiven Luftschlägen gegen Teheran begann, habe eine Dynamik entwickelt, die über die ursprünglichen Ziele hinausgehe und die internationale Rechtsordnung gefährde.

„Politisch verhängnisvoller Fehler“

Neben der juristischen Bewertung bezeichnete Steinmeier den Feldzug auch als einen „politisch verhängnisvoller Fehler“. Er kritisierte damit indirekt die Annahme, dass militärische Gewalt allein zu einer stabilen Neuordnung der Region führen könne. Die bisherigen Ergebnisse des Konflikts – darunter die Blockade der Straße von Hormus und die immense Zerstörung ziviler Infrastruktur – zeigten laut Steinmeier die Grenzen dieser Strategie auf. In seiner Rede forderte er zudem eine stärkere diplomatische Initiative Deutschlands und Europas. Es reiche nicht aus, lediglich als Beobachter am Rande zu stehen; vielmehr müsse Berlin aktiv darauf hinwirken, die Parteien zurück an den Verhandlungstisch zu bringen, um eine weitere globale Eskalation und den totalen Zusammenbruch der Weltwirtschaft durch die blockierten Energiewege zu verhindern.

Hormus-Krise
Iran: Straße von Hormus ist nicht gesperrt

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Teheran – Der iranische Außenminister Abbas Araghchi wies Vorwürfe einer Blockade der Straße von Hormus zurück. Während Teheran betont, die Meerenge sei passierbar, sorgen sich internationale Reedereien und Versicherer aufgrund der US-israelischen Offensive und massiver Drohungen aus Washington um die Sicherheit der Schifffahrt. In einer Stellungnahme auf der Plattform X erklärte Araghchi, dass nicht der Iran, sondern der von den USA und Israel initiierte Konflikt die Schifffahrt lähme. „Die Straße von Hormus ist nicht geschlossen. Schiffe zögern, weil Versicherer den von euch gewählten Krieg fürchten – nicht den Iran“, so Araghchi. Er fügte hinzu, dass Freiheit der Schifffahrt nicht ohne Freiheit des Handels existieren könne: „Respektiert beides – oder erwartet keines von beidem.“

Warnung an „Aggressoren“ und rechtliche Konsequenzen

Das iranische Außenministerium präzisierte in einer ergänzenden Erklärung, dass die Durchfahrt zwar nicht blockiert sei, Schiffe der „Aggressor-Parteien“ jedoch nicht als normale oder friedliche Durchfahrt betrachtet würden. Mit diesen werde man im Rahmen der rechtlichen Bestimmungen des Konflikts sowie durch Maßnahmen der zuständigen iranischen Behörden verfahren. Tatsächlich ist der zivile Schiffsverkehr seit Anfang März weitgehend zum Erliegen gekommen. Die Straße von Hormus ist die weltweit wichtigste Schlagader für den Öltransport, über die täglich etwa 20 Millionen Barrel Öl und rund 20 % des globalen Handels mit Flüssigerdgas (LNG) abgewickelt werden. Die faktische Stilllegung hat die Transport- und Versicherungskosten in die Höhe getrieben und weltweit wirtschaftliche Sorgen ausgelöst.

Trump droht mit Zerstörung von Kraftwerken

Die Spannungen erreichten am Samstag einen neuen Höhepunkt, als US-Präsident Donald Trump ein 48-Stunden-Ultimatum stellte. Auf Truth Social drohte Trump damit, die iranischen Kraftwerke – beginnend mit dem größten – „auszulöschen“, sollte der Iran die strategische Passage nicht umgehend und ohne Drohungen vollständig öffnen. Araghchi entgegnete am Sonntag, dass sich weder Versicherer noch Iraner von weiteren Drohungen beeinflussen ließen. Die Feindseligkeiten in der Region waren eskaliert, nachdem die USA und Israel am 28. Februar Überraschungsangriffe auf den Iran gestartet hatten. Teheran reagierte darauf mit Drohnen- und Raketenschlägen gegen Israel sowie gegen Golfstaaten, die US-Militäreinrichtungen beherbergen.

Angriffe auf Energieinfrastruktur und regionale Instabilität

In der vergangenen Woche verschärfte sich die Lage weiter, als Israel Teile des iranischen South-Pars-Gasfeldes angriff und schwere Schäden an der kritischen Energieinfrastruktur verursachte. Als Reaktion darauf attackierte der Iran Energiefelder in Katar, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten, was die regionale Instabilität und die weltweiten Gaspreise weiter anheizte. Zusätzlich zur militärischen Konfrontation hat der Iran Berichten zufolge Minen in der Straße von Hormus gelegt und gedroht, jedes Schiff abzuschießen, das ohne ausdrückliche Genehmigung die Durchfahrt versucht.

Japan bemüht sich um Sondergenehmigung

Angesichts der Krise bemüht sich Japan um einen diplomatischen Sonderweg. Der japanische Außenminister Toshimitsu Motegi führte seit Beginn der Angriffe zwei direkte Gespräche mit Araghchi, um die Passage für ein japanisches Ölschiff zu erwirken. Japan ist zu über 90 % auf Ölimporte aus dem Nahen Osten angewiesen. Die japanische Premierministerin Sanae Takaichi traf sich letzte Woche mit Trump im Weißen Haus und bezeichnete das Sicherheitsumfeld als „schwerwiegend“ und den Krieg als „schweren Schlag“ für die Weltwirtschaft. Während Takaichi ihre Hoffnung auf eine Friedenslösung durch den US-Präsidenten ausdrückte, forderte Trump Japan auf, die eigene Reaktion auf den Krieg zu verstärken („step up“). Er betonte, dass die USA zwar von niemandem etwas bräuchten, es aber angemessen sei, wenn sich die Verbündeten angesichts der Schließung der Straße von Hormus stärker engagierten.

Iran-Krieg
Mossad-Versprechen: Netanjahu frustriert über ausbleibenden Aufstand im Iran

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Tel Aviv – Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ist intern offenbar zunehmend frustriert darüber, dass ein erwarteter Volksaufstand gegen die Führung in Teheran bislang ausgeblieben ist.

Berichten zufolge basierte die israelische Strategie maßgeblich auf der Einschätzung des Mossad, wonach gezielte Angriffe und wirtschaftlicher Druck ein Machtvakuum im Iran provozieren würden.

Wie die New York Times unter Berufung auf aktuelle und ehemalige Regierungsbeamte aus Israel und den USA berichtet, wächst in den Sicherheitszirkeln die Kritik an den Prognosen des Auslandsgeheimdienstes Mossad.

Dieser hatte dem Ministerpräsidenten offenbar zugesichert, dass die iranische Bevölkerung die Gelegenheit nutzen würde, um das System zu stürzen, sobald die militärische Infrastruktur der Revolutionsgarden (IRGC) durch israelische Präzisionsschläge geschwächt sei.

Mossad-Einschätzungen in der Kritik

Trotz massiver Sabotageakte und der gezielten Tötung hochrangiger Funktionäre innerhalb des Irans blieb die von israelischen Strategen erhoffte Kettenreaktion in der Zivilgesellschaft aus. Interne Quellen deuten darauf hin, dass Netanjahu die Geheimdienstführung nun für die Fehleinschätzung der sozialen und politischen Stabilität des Iran verantwortlich macht.

In Sicherheitskreisen wird diskutiert, ob der Mossad die Wirksamkeit der iranischen Sicherheitsapparate unterschätzt oder die Stimmung innerhalb der Bevölkerung falsch interpretiert hat. Die Frustration in Jerusalem wiege schwer, da die israelische Militärplanung der letzten Monate stark auf dem Szenario eines internen iranischen Kollapses aufbaute.

Strategische Neuausrichtung nach ausbleibendem Umsturz

US-Beamte bestätigten gegenüber der New York Times, dass die ausbleibende Destabilisierung des Irans auch Auswirkungen auf die regionale Koordinierung hat. Während Israel auf einen schnellen Regimewechsel setzte, warnen Geheimdienstanalysten in Washington nun vor einer weiteren Eskalation, da Teheran seine internen Strukturen trotz der Angriffe festigen konnte.

Der Bericht verdeutlicht die wachsende Kluft zwischen der politischen Führung in Israel und den Nachrichtendiensten hinsichtlich der langfristigen Erfolgsaussichten der aktuellen Konfrontationsstrategie.

Der Iran-Krieg seit Februar 2026

Der Krieg gegen den Iran begann am 28. Februar 2026 mit massiven Überraschungsangriffen der USA und Israels auf strategische Ziele im gesamten Land. Bei diesen Luftschlägen wurde der Oberste Führer Ali Chamenei sowie zahlreiche weitere hochrangige Regierungsbeamte getötet. Teheran reagierte umgehend mit Raketen- und Drohnenangriffen auf Israel, US-Stützpunkte und mit den USA verbündete Staaten im Nahen Osten. Obwohl die Militäroperation ursprünglich auf eine schnelle Enthauptung des Systems abzielte, dauert der Konflikt bereits länger an als von den Strategen in Washington und Tel Aviv prognostiziert. Entgegen der Erwartungen eines Zusammenbruchs übernahm Chameneis Sohn, Mojtaba Chamenei, die Macht und stabilisierte die Führung der Islamischen Republik. Ein zentraler Schauplatz der Auseinandersetzung bleibt die Straße von Hormus. Die strategisch wichtige Schifffahrtsroute ist seither durch Blockaden und Sabotageakte weitgehend gelähmt, was zu einer massiven Krise der globalen Energieversorgung geführt hat.

Gaza
Bericht: Israelische Soldaten foltern Kleinkind in Gaza zur Erpressung eines Geständnisses

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Gaza – Schwere Vorwürfe gegen die israelischen Streitkräfte: Berichten zufolge wurde ein 18 Monate altes palästinensisches Kind misshandelt, um dessen Vater während eines Verhörs im Gazastreifen zu einem Geständnis zu zwingen. Das Kleinkind wurde nach zehn Stunden mit schweren Verletzungen freigelassen, während der Vater weiterhin in Haft verbleibt. Wie der offizielle Sender Palestine TV am Sonntag berichtete, ereignete sich der Vorfall im Zentrum des Gazastreifens. Das Kind, das als Karim identifiziert wurde, war zusammen mit seinem Vater in der Nähe des Al-Maghazi-Flüchtlingslagers festgenommen worden.

Festnahme am Militärkontrollpunkt

Augenzeugenberichten zufolge befand sich der Vater, Osama Abu Nassar, mit seinem Sohn auf dem Weg, um Vorräte einzukaufen. Abu Nassar sei zu diesem Zeitpunkt bereits durch den Verlust seines Pferdes – seiner einzigen Lebensgrundlage – traumatisiert gewesen. In der Nähe seines Hauses geriet die Familie in einen Schusswechsel. Israelische Soldaten zwangen den Mann daraufhin, sein 18 Monate altes Kind auf dem Boden zurückzulassen und sich einem nahegelegenen Militärkontrollpunkt zu nähern. Dort wurde er entkleidet und einem Verhör unterzogen.

Verletzungen durch Zigarettenglut und Nägel

Um ein Geständnis zu erzwingen, sollen die Soldaten das Kleinkind vor den Augen des Vaters gefoltert haben. Ein medizinischer Bericht bestätigt schwere Verletzungen: Demnach wies das Kind Verbrennungen durch Zigarettenglut an einem Bein sowie Stichwunden auf, die laut Bericht durch Nadeln und einen Nagel verursacht wurden. Vom Sender Palestine TV ausgestrahlte Aufnahmen dokumentieren die Verletzungen des Kindes nach seiner Freilassung. Karim wurde etwa zehn Stunden nach der Festnahme über das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) in Al-Maghazi an seine Familie übergeben. Der Vater, Osama Abu Nassar, befindet sich weiterhin in israelischer Haft. Die Familie hat internationale Organisationen eindringlich um Intervention gebeten, um seine Freilassung und die notwendige medizinische Versorgung zu erwirken.

677 getötete Palästinenser trotz Waffenstillstand

Trotz des seit Oktober 2025 geltenden Waffenstillstandsabkommens zwischen Israel und der Hamas bleibt die Lage im Gazastreifen prekär. Angaben des Gesundheitsministeriums zufolge wurden seit Inkrafttreten des Abkommens mindestens 677 Palästinenser bei israelischen Angriffen getötet und 1.813 verletzt. Der Waffenstillstand markierte das vorläufige Ende eines zweijährigen Krieges, der seit Oktober 2023 zu mehr als 72.000 Todesopfern und über 171.000 Verletzten auf palästinensischer Seite geführt hat. Zudem wurden schätzungsweise 90 % der zivilen Infrastruktur im Gazastreifen zerstört.
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Landtagswahl
SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf empfiehlt seiner Partei stärkere Profilierung und Erkennbarkeit

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Berlin – Nach der verlorenen Landtagswahl in Rheinland-Pfalz hat bei der SPD noch am gestrigen Abend eine Grundsatzdebatte über den künftigen Kurs begonnen. SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf legte am heutigen Morgen nach und empfahl seiner Partei eine deutlichere Positionierung in Sachfragen. „Wir versuchen es aus meiner Sicht vielen Menschen recht zu machen, sodass uns viele so halbgut wählen können, aber es reicht eben nicht, nach allen Seiten offen zu sein. Wir müssen vielmehr einen klaren Kurs fahren, der Orientierung gibt, wo die Menschen wissen, dafür steht die SPD“, äußerte sich der SPD-Generalsekretär im Fernsehsender phoenix. Das grundsätzliche Problem der Sozialdemokratie existiere schon seit vielen Jahren, wo man, mit Ausnahme der Bundestagswahl 2021, bei rund 15 Prozent liege und nicht in der Lage sei, Profil und Image so zu schärfen, dass dies Früchte bei Wahlen trage. „Was ich merke, ist, dass wir viel zu selten in die Offensive kommen, dass wir die Flucht nach vorne nicht wagen. Wir führen Debatten selten an, wir sind häufig reaktiv und schaffen es nicht, unsere eigenen Punkte nach vorne zu spielen“, kritisierte Klüssendorf. Man sei „zurückhaltend und staatstragend“, was zu Lasten der Erkennbarkeit gehe. All diese Diskussionen seien in der Vergangenheit nur unzureichend geführt worden. Dies müsse jetzt nachgeholt werden. Vor allem eine Frage stehe im Mittelpunkt: „Für wen machen wir eigentlich Politik?“ Klüssendorf kündigte für seine Partei an, bei den bevorstehenden Steuerreformen deutlich Flagge zu zeigen. „Die Mitte der Gesellschaft hat bislang alle Krisen geschultert. Es kann jetzt nicht der Weg sein, wieder auf der Mitte der Gesellschaft alles abzuladen.“ Nun müsse es darum gehen, auch diejenigen zu belasten, die über hohe Einkünfte verfügten. „Wir haben große Vermögen, die bisher wenig beigetragen haben“, so Klüssendorf. Ob es angesichts der aktuellen Lage in seiner Partei auch personelle Veränderungen gebe, wollte Klüssendorf nicht ausschließen. „Wir diskutieren auch die personelle Aufstellung“, meinte der SPD-Generalsekretär.

Medien
dpa bringt mit „Creator x News“ Medienhäuser und News-Creator zusammen

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Berlin – Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) startet ein neues Programm zur Zusammenarbeit von Redaktionen und digitalen News-Creator. Unter dem Titel „dpa Creator x News, supported by Google“ sollen Medienhäuser und Creator mit journalistischem Fokus sich enger vernetzen, Wissen austauschen und gemeinsame Projekte umsetzen. Deutschlands führende Nachrichtenagentur stellte das von der Google News Initiative unterstützte Projekt am Freitag in Berlin auf der Konferenz „Navigating the Future of News“ vor. „Viele Menschen stoßen heute auf Nachrichten zuerst auf Social Media – häufig vermittelt von Menschen, die nicht aus klassischen Redaktionen kommen. Dieser Wandel verändert das Nachrichtenökosystem. Mit dem Programm Creator x News wollen wir diesen Wandel aktiv mitgestalten und Zusammenarbeit ermöglichen, die faktenbasierte Information auch in digitalen Öffentlichkeiten stärkt“, sagt Teresa Dapp, Geschäftsführerin der dpa-infocom. „Emerging News Voices sind zu wichtigen Stimmen im digitalen Nachrichtenumfeld geworden. Creator x News eröffnet Raum für neue Formen journalistischer Zusammenarbeit. Wir sind stolz darauf, unsere langjährige Partnerschaft mit der dpa fortzusetzen und diese Initiative zu unterstützen, die eine Brücke baut zwischen traditionellen Redaktionen und neuen Stimmen“, sagt Gerrit Rabenstein, Head of News Partnerships, Central Europe bei Google.

Start mit gemeinsamer Arbeitsphase

Den Auftakt bildet eine mehrmonatige Arbeitsphase mit News-Influencern und digitalen Journalistinnen und Journalisten. Sie beschäftigen sich unter anderem mit journalistischen Standards, Geschäftsmodellen im digitalen Journalismus sowie mit dem Einsatz von KI-Tools im redaktionellen Alltag. Die Google News Initiative bringt Trainings zu KI-Anwendungen und digitalen Werkzeugen ein. Trainerinnen und Trainer der dpa ergänzen das Programm mit Workshops zur journalistischen Praxis.

Kooperationen zwischen Creator und Medienhäusern

Kern des Projekts sind praxisnahe Kooperationen zwischen Creator und Medienhäusern. In Projektpartnerschaften arbeiten beide Seiten direkt zusammen und testen neue Formate und Arbeitsweisen. So können beispielsweise klassische journalistische Recherchen in Social-Media-Formate übersetzt werden. Auch ein Austausch von Kompetenzen ist vorgesehen – etwa, wenn Creator Redaktionen beim Community-Management unterstützen oder Medienhäuser ihre Erfahrung zu Medienrecht, journalistischer Ethik und redaktionellen Prozessen einbringen.

Erkenntnisse für die Branche

Die Erfahrungen aus dem Programm sollen systematisch ausgewertet werden. Geplant ist unter anderem die Veröffentlichung eines Branchen-Whitepapers mit Best Practices für Kooperationen zwischen Redaktionen und Creator. Zum Abschluss des Programms Ende November richten die Partner ein Event in Hamburg aus. Dort sollen die Ergebnisse vorgestellt und diskutiert werden, um praktische Ableitungen für das Nachrichtenökosystem zu ermöglichen. Über dpa: Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) wurde 1949 gegründet und gehört zu den weltweit führenden unabhängigen Nachrichtenagenturen. dpa beliefert Medien, Unternehmen und Organisationen mit redaktionellen Angeboten. Dazu zählen Texte, Fotos, Videos, Grafiken, Hörfunkbeiträge und andere Formate. Als international tätige Agentur berichtet dpa in sieben Sprachen. Rund 1000 Journalistinnen und Journalisten arbeiten weltweit an etwa 140 Standorten. Gesellschafter der dpa sind rund 170 deutsche Medienunternehmen. Die Zentralredaktion der dpa unter der Leitung von Chefredakteur Sven Gösmann befindet sich in Berlin. Die Geschäftsführung um ihren Vorsitzenden Peter Kropsch ist am Unternehmenssitz in Hamburg tätig. Vorsitzender des Aufsichtsrats ist Daniel Schöningh (CEO Ippen-Mediengruppe, München). Im In- und Ausland vertrauen Medien unterschiedlicher redaktioneller Ausrichtung der überparteilichen, neutralen und verifizierten Berichterstattung der dpa. Die dpa arbeitet nach den in ihrem Statut festgelegten Grundsätzen: unabhängig von Weltanschauungen, Wirtschaftsunternehmen oder Regierungen. Finanzielle Zuwendungen von staatlichen Stellen, Unternehmen und Privatpersonen lehnt die dpa ab. Projektgebundene Förderungen nimmt die dpa lediglich in einigen wenigen ausgesuchten Fällen und nach sorgfältiger Prüfung an.
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– Internet –AI Slop“: Digitaler Müll in den Sozialen Medien

„AI Slop“ wurde kürzlich von großen Wörterbüchern zum „Wort des Jahres“ gekürt und ist zum Äquivalent von E-Mail-Spam im Jahr 2026 geworden

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Türkei
Musti Kusti: „In Afrika würde Erdogan Wahlen gewinnen“

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Istanbul – In einem vielbeachteten Interview hat der bekannte senegalesische Komiker und Content-Creator Musti Kusti den immensen Stellenwert von Präsident Recep Tayyip Erdogan in Afrika beleuchtet. Seine Schilderungen decken sich mit internationalen Analysen, die Erdogan als eine der einflussreichsten Stimmen des Globalen Südens und der muslimischen Welt einstufen. In einem Gespräch auf dem YouTube-Kanal des renommierten türkischen Journalisten Cüneyt Özdemir gab der senegalesische Komiker Musti Kusti (Mustafa N’daye) tiefe Einblicke in die Wahrnehmung der Türkei auf dem afrikanischen Kontinent. Laut Kusti genießt Präsident Erdogan insbesondere in seinem Heimatland Senegal eine fast beispiellose Popularität.

„In Senegal darf man Erdogan nicht kritisieren“

Kusti berichtete, dass die Sympathiewerte für das türkische Staatsoberhaupt so hoch seien, dass Kritik an ihm in Senegal auf Unverständnis stoße: „Bei uns kann man nichts gegen Erdogan sagen. Wenn in der Türkei Kritik an ihm geäußert wird, sind die Menschen in Senegal sehr überrascht.“ Sobald man sich im Senegal als Türke zu erkennen gebe, falle als erste Reaktion sofort der Name „Erdogan“. Der Komiker ging in seiner Einschätzung sogar noch einen Schritt weiter: „Wenn er dort zu einer Wahl antreten würde, würde er direkt gewinnen.“ Diese enorme Popularität führt Kusti vor allem auf die veränderte Dynamik in der Entwicklungszusammenarbeit zurück.

Effizienz als Markenzeichen: Türkei vs. Frankreich

Ein zentraler Punkt in Kustis Ausführungen war der Vergleich zwischen der türkischen Präsenz und dem Einfluss ehemaliger Kolonialmächte wie Frankreich. „Die Franzosen sagten oft, wir hätten dies oder jenes nicht verdient, und hielten uns hin. Sie brauchen zehn Jahre, um ein Stadion fertigzustellen. Die Türkei hingegen schließt solche Projekte innerhalb eines einzigen Jahres ab“, so Kusti. Diese Geschwindigkeit bei Infrastrukturprojekten und die greifbaren Ergebnisse der türkischen Entwicklungshilfe haben das Image der Türkei in Afrika massiv gestärkt. Es ist eine Form der Diplomatie auf Augenhöhe, die sich deutlich von den bürokratischen und oft als herablassend empfundenen Strukturen westlicher Mächte abhebt.

Der „Davos-Effekt“ und die Stimme der muslimischen Welt

Die Popularität Erdogans beschränkt sich jedoch nicht nur auf Afrika. Wie Analysen von The Economist und dem Arab Barometer bestätigen, gilt Erdogan als der beliebteste Politiker in der gesamten muslimischen Welt. Diese Entwicklung nahm ihren entscheidenden Anfang im Jahr 2009 mit dem sogenannten „Davos-Effekt“. Sein legendärer „One Minute“-Protest beim Weltwirtschaftsforum gegen die israelische Politik im Gazastreifen machte ihn über Nacht zur führenden Stimme für die geschätzten zwei Milliarden Muslime weltweit. Für viele Menschen in der islamischen Welt, aber auch in Südamerika und weiten Teilen Asiens, verkörpert Erdogan einen Staatsmann, der es wagt, die bestehende globale Ordnung und den „plutokratischen Imperialismus“ westlicher Prägung herauszufordern.

Soft Power: Seriendiplomatie und kultureller Einfluss

Ein weiterer Pfeiler der türkischen Erfolgsgeschichte im Ausland ist die sogenannte „Seriendiplomatie“. Türkische Fernsehproduktionen (Dizi) haben in den letzten Jahren einen beispiellosen Siegeszug um den Globus angetreten. Von Lateinamerika bis zum Nahen Osten und Afrika vermitteln diese Serien ein Bild einer modernen, technologisch fortgeschrittenen und gleichzeitig traditionsbewussten Türkei. Diese kulturelle Soft Power ebnet den Weg für die politische und wirtschaftliche Zusammenarbeit. Sie schafft eine emotionale Bindung zur Marke „Türkei“, die es türkischen Unternehmen und Diplomaten erleichtert, in neuen Märkten Fuß zu fassen.
(Screenshot)

Wer ist Musti Kusti? Ein Brückenbauer zwischen den Kulturen

Hinter dem Künstlernamen Musti Kusti steht Mustafa N’daye, der vor 13 Jahren aus dem Senegal zum Studieren in die Türkei kam. Er absolvierte ein Imam-Hatip-Gymnasium und schloss danach sein Studium an der Fakultät für Islamische Wissenschaften der Istanbul Şehir Universität ab. N’daye spricht fließend Türkisch, Englisch, Arabisch und Französisch. Seine tiefe Verbundenheit zur Türkei bewies er unter anderem nach der verheerenden Erdbebenkatastrophe, als er sich als AFAD-Freiwilliger am Rettungseinsatz beteiligte. „Die Türkei ist meine zweite Heimat“, sagt der Komiker, der heute als Stand-up-Artist und Influencer Millionen Menschen erreicht. Seine Karriere gilt als Musterbeispiel für das moderne, multikulturelle Gesicht der Türkei und die starke Verbindung zum afrikanischen Kontinent.  
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– Afrika – Tschad: Türkei verdrängt Frankreich in Afrika

Im Januar dieses Jahres übergab Frankreich den Stützpunkt Abéché an die tschadischen Behörden, nachdem es aus dem Land vertrieben worden war.

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Iran-Krieg
Iran: Raketen mit Namen von Hind Rajab und Rachel Corrie beschriftet

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Teheran – Das iranische Militär hat Videoaufnahmen veröffentlicht, die zeigen, wie Waffensysteme vor ihrem Einsatz gegen Israel mit den Namen prominenter Opfer israelischer Militäroperationen markiert wurden. Die Inschriften auf den Shahed-136 Drohnen und Raketen beziehen sich explizit auf Vergeltung für Hind Rajab und Rachel Corrie. In den offiziell verbreiteten Videosequenzen ist zu sehen, wie Soldaten die Gehäuse der Geschosse beschriften. Auf einer Drohne des Typs Shahed-136 steht in deutlicher Schrift: „For the revenge of the blood of Hind Rajab“ (Zur Rache für das Blut von Hind Rajab). Eine weitere Rakete trägt die Aufschrift: „In Revenge for Rachel Corrie“ (In Rache für Rachel Corrie). Diese Geste ist Teil einer medialen Strategie, mit der die Islamische Republik den militärischen Schlag als direkte Antwort auf die Zerstörungen im Gazastreifen und die jahrzehntelange Besatzungspolitik legitimiert.

Das Schicksal von Hind Rajab (5)

Das Schicksal der fünfjährigen Hind Rajab erschütterte Anfang 2024 die Weltöffentlichkeit. Das Mädchen saß stundenlang in einem von Trümmern umgebenen Auto in Gaza-Stadt, umringt von ihren getöteten Verwandten. In Telefonaufnahmen des Palästinensischen Roten Halbmonds war ihre verzweifelte Stimme zu hören: „Ich habe solche Angst, bitte kommen Sie und holen mich.“ Trotz einer koordinierten Rettungsmission wurden sowohl Hind als auch die entsandten Sanitäter getötet. Ein Kommentar in der Fachzeitschrift The Intercept fasst die Bestürzung zusammen:
„Hinds Tod ist nicht nur eine Tragödie, sondern ein Beweis für das vollkommene Versagen des Schutzes von Zivilisten. Ihr Flehen am Telefon wird als eines der dunkelsten Kapitel dieses Krieges in Erinnerung bleiben.“

Das Vermächtnis von Rachel Corrie (23)

Rachel Corrie, eine 23-jährige US-Amerikanerin und Mitglied des International Solidarity Movement (ISM), wurde bereits im Jahr 2003 zum weltweiten Symbol. Sie wurde in Rafah von einem gepanzerten israelischen Militärbulldozer überrollt, während sie versuchte, den Abriss eines palästinensischen Wohnhauses friedlich zu verhindern. Ihr Tod löste eine globale Debatte über die Verhältnismäßigkeit militärischer Gewalt gegen unbewaffnete Aktivisten aus. In einem ihrer letzten Briefe an ihre Eltern schrieb sie:
„Ich habe das Gefühl, dass das, was ich hier sehe, eine systematische Zerstörung der Lebensgrundlagen eines ganzen Volkes ist. Man kann sich das nicht vorstellen, wenn man es nicht selbst sieht.“

Symbolik der Vergeltung

Die gezielte Beschriftung der Waffen verdeutlicht die Absicht, die Schicksale dieser beiden Personen – eine Palästinenserin und eine US-Bürgerin – miteinander zu verknüpfen. Während Hind Rajab für das aktuelle Leid in Gaza steht, erinnert der Name Rachel Corrie an den jahrzehntelangen Widerstand internationaler Unterstützer. Die expliziten Forderungen nach „Rache“, die nun auf iranischem Militärgerät prangen, unterstreichen die politisch-militärische Botschaft Teherans an die internationale Gemeinschaft.
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