Türkei
Manavgat: 110.000 Euro in einer Baklava-Schachtel

Ein Gastkommentar von Nabi Yücel Die größte türkische Oppositionspartei CHP kommt aus den Schlagzeilen nicht heraus. Geradezu im flagranti wurde diesmal der stellvertretende Bürgermeister von Manavgat, Mehmet Engin Tüter, dabei gefilmt, wie er in seiner Amtsstube 110.000 Euro in einer Baklava-Schachtel annimmt und sich beim Geber vergewissert, dass dieser auch ja nichts ausplaudert.

17 Millionen Euro Erlös allein durch Bestechungsgelder

Das hat Konsequenzen. In der Gemeinde Manavgat in der Provinz Antalya wurden daraufhin 34 Personen festgenommen, darunter der CHP-Bürgermeister Niyazi Nefi Kara selbst. Die Staatsanwaltschaft von Manavgat hatte Ermittlungen wegen Bestechungsvorwürfen im Zusammenhang mit Hotelrenovierungen, Baugenehmigungen und Mietanträgen eingeleitet. Im Rahmen der Ermittlungen der Polizei wurden die Verdächtigen bereits vor vier Monaten technisch wie physisch überwacht. Vor allem dem Bürgermeister wird angelastet, so umgerechnet rund 17 Millionen Euro eingenommen zu haben.

Nicht nur schamlos, sondern dreist

Und das während einer Zeit, in der bereits der ehemalige Oberbürgermeister von Istanbul, Ekrem İmamoğlu (€HP), seit Monaten aus demselben Grund in Untersuchungshaft sitzt, mehrere weitere Bürgermeister von Stadtgemeinden bereits ins öffentliche Rampenlicht gerieten, weil Unternehmer sowie Parteigenossen ihn selbst angezeigt hatten. Zuletzt wurde noch der ehemalige Oberbürgermeister von Izmir, Tunç Soyer (€HP) verhaftet – mit demselben Tatvorwurf und Hintergrund.

Oppositionsführer Özgür Özel: entsende zwei parteiinterne Inspektoren

Der Parteichef der CHP, Özgür Özel erklärte, er werde aufgrund der Vorwürfe aus Manavgat nicht zulassen, dass die Partei damit beschmutzt wird. Daher werde er zwei parteiinterne Inspektoren beauftragen, sich dem Fall anzunehmen und umfassende Aufklärungsarbeit zu leisten. Andererseits stellte Özel in einem Beitrag auf X auch klar, dass die Vorwürfe gegen Ekrem İmamoğlu bislang nicht mit solchen konkreten Beweisen erhoben worden seien.

 „Alles wird gut“ – die Hoffnung auf eine bessere Türkei?

Die €HP unter der Führung von Özgür Özel sowie Ekrem İmamoğlu hatte sich mit dem Parteislogan „Alles wird gut“ an die Spitze gebracht und dabei den ehemaligen Ziehvater Kemal Kılıçdaroğlu entthront. Jedoch, beim Slogan hatte man sich wohl unglücklich verprochen, zumal von einer besseren Türkei im Sinne einer besseren Stadtverwaltung keine Rede sein kann. Stattdessen wurde es nur für eine Vielzahl von €HP-Genossen besser, die Bevölkerung bekam die versprochenen Verbesserungen daher nicht zu spüren. Vielmehr erhielten sie eine desolate Stadtkasse, weswegen die Infrastrukturmaßnahmen, Investitionen in Erdbebensicherheit, Subventionen für Wasser, Strom, Brot und den öffentlichen Nahverkehr zurückgestellt wurden.  
Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.
 

Türkei
Korruption: Zahlreiche Festnahmen in der Türkei

Von Nabi Yücel Nächster Paukenschlag in Zusammenhang mit der größten türkischen Oppositionspartei CHP, die wegen Vorwürfen der Korruption und Bestechung im Amt nicht aus den Schlagzeilen herauskommt. Die CHP-Bürgermeister von Adana, Adıyaman, Antalya und Büyükçekmece wurden heute in den frühen Morgenstunden zusammen mit weiteren Stellvertretern und Bediensteten festgenommen. Laut Medienberichten wirft die Istanbuler Generalstaatsanwaltschaft den Verhafteten Zeydan Karalar, Muhittin Böcek und Abdurrahman Tutdere sowie weiteren Bürgermeistern, teilweise auch Stellvertretern und Bediensteten vor, ungerechtfertigt Gelder von Unternehmen und Firmen entgegen genommen zu haben, die mit der Stadtverwaltung Geschäfte abgewickelt oder Behördengänge vorgenommen haben. Auch gegen Angehörige von Muhittin Böcek, darunter die ehemalige Schwiegertochter sowie dem Sohn sollen Haftbefehle vorliegen, der Sohn befinde sich jedoch auf der Flucht. Medienberichten zufolge, soll der Sohn als Gegenleistung für eine Gefälligkeit von Böcek von einem Bauträger eine Villa erhalten haben. Die Polizei durchsuchte nach den Festnahmen auch die Amtssitze der betroffenen Städte und Stadtbezirke sowie die Privatwohnungen, sicherte Computer und Akten. Noch vor einem Tag wurden der Bürgermeister von Manavgat Niyazi Nefi Kara mit seinem Stellvertreter Mehmet Engin Tüter verhaftet. In einem Online veröffentlichten Video ist zu erkennen, wie Tüter eine Tüte mit Schmiergeld in Höhe von 110.000 Euro in einer Baklava-Schachtel an sich nimmt und sich vergewissert, dass der Betrag stimmt und der Geldgeber nichts ausplaudert. Daraufhin erfolgt der Zugriff der Polizei.
Hier ist eine aktualisierte Übersicht über die in den letzten acht Monaten (seit Ende November 2024) in der Türkei verhafteten oder abgesetzten Bürgermeister (inkl. Co‑Bürgermeister)
Name Amt (Stadtbezirk) Partei Datum Vorwurf
Ahmet Özer Esenyurt (Istanbul) CHP 04. Nov 2024 Terror / PKK-Unterstützung
Rıza Akpolat Beşiktaş (Istanbul) CHP Jan 2025 Korruption
Sofya Alagas Siirt DEM-Partei 29. Jan 2025 Terror / PKK-Unterstützung
Hoşyar Sarıyıldız Akdeniz (Mersin) – Co-Bürgermeisterin DEM-Partei 13. Jan 2025 Terror / PKK-Unterstützung
Nuriye Aslan Akdeniz (Mersin) – Co-Bürgermeisterin DEM-Partei 13. Jan 2025 Terror / PKK-Unterstützung
Ekrem İmamoğlu Istanbul CHP 19. März 2025 Korruption, Bestechung, kriminelle Vereinigung
Mehmet Murat Çalık Beylikdüzü (Istanbul) CHP 23. März 2025 Korruption, kriminelle Vereinigung
Resul Emrah Şahan Şişli (Istanbul) CHP 23. März 2025 Terror / PKK-Unterstützung
Hasan Akgün Büyükçekmece (Istanbul) CHP 3.–4. Juni 2025 Korruption, Bestechung
Hakan Bahçetepe Gaziosmanpaşa (Istanbul) CHP 3.–4. Juni 2025 Korruption, Bestechung
Utku Caner Çaykara Avcılar (Istanbul) CHP 3.–4. Juni 2025 Korruption, Bestechung
Kadir Aydar Ceyhan (Adana) CHP 3.–4. Juni 2025 Korruption, Bestechung
Oya Tekin Seyhan (Adana) CHP 3.–4. Juni 2025 Korruption, Bestechung
Niyazi Nefi Kara Antalya (Manavgat) CHP 4. Juli 2025 Bestechung
Mehmet Engin Tüter Antalya (Manavgat) – Co-Bürgermeister CHP 4. Juli 2025 Bestechung
Zeydan Karalar Adana CHP 5. Juli 2025 Organisierte Kriminalität, Bestechung
Abdurrahman Tutdere Adıyaman CHP 5. Juli 2025 Organisierte Kriminalität, Bestechung
Muhittin Böcek Antalya CHP 5. Juli 2025 Bestechung
 

Safarov-Brüder
Bericht: Aserbaidschaner in Russland zu Tode gefoltert

Baku – Aserbaidschanische Behörden haben die russische Polizei beschuldigt, zwei aserbaidschanische Brüder, Huseyn und Ziyaddin Safarov, gefoltert und zu Tode geprügelt zu haben – ein Fall, der die Beziehungen zwischen Baku und Moskau weiter belastet. Der Vorfall markiert zusammen mit den ungelösten Spannungen im Zusammenhang mit dem Flugzeugabsturz der Azerbaijan Airlines im Dezember 2024 einen neuen Tiefpunkt in den historisch komplexen Beziehungen zwischen den beiden Nationen, da Aserbaidschan weiterhin seine wachsende Unabhängigkeit vom russischen Einfluss behauptet. Die Brüder Safarow, 60 bzw. 55 Jahre alt, starben in russischem Polizeigewahrsam in Jekaterinburg, nachdem sie am 27. Juni 2025 bei Razzien gegen ethnische Aserbaidschaner, die der Beteiligung an historischen, ungelösten Verbrechen verdächtigt wurden, festgenommen worden waren. Nach Angaben der aserbaidschanischen Staatsanwaltschaft ergab die in Baku durchgeführte Obduktion, dass beide Männer an den Folgen schwerer Schläge starben, unter anderem an mehreren gebrochenen Rippen, einer gebrochenen Nase und inneren Blutungen. Adalat Hasanov, Leiter der gerichtsmedizinischen Untersuchung im aserbaidschanischen Gesundheitsministerium, beschrieb die Todesfälle als Folge eines „posttraumatischen Schocks“, der durch das brutale körperliche Trauma verursacht wurde, und wies die russischen Behauptungen, Ziyaddin sei an Herzversagen gestorben, als „eklatante Unwahrheit“ zurück. Aserbaidschan hat eine strafrechtliche Untersuchung dessen eingeleitet, was es als „Folter und vorsätzliche Tötung mit besonderer Grausamkeit“ seiner Bürger durch russische Strafverfolgungsbehörden bezeichnet. Die Todesfälle haben in Aserbaidschan Empörung ausgelöst, und die Regierung beschuldigt Russland der ethnisch motivierten außergerichtlichen Tötung. Als Vergeltung nahm Aserbaidschan zahlreiche russische Journalisten unter dem Vorwurf des Betrugs, des illegalen Unternehmertums und der Geldwäsche fest, was zu heftigen Protesten aus Moskau führte. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow bezeichnete die Verhaftungen als „extrem emotionale Reaktion“, während Aserbaidschan die Razzien als rechtmäßig verteidigte und damit die diplomatischen Spannungen verschärfte. Dieser Vorfall folgt dicht auf einen anderen großen Streitpunkt: den Absturz des Aserbaidschan-Airlines-Flugs J2-8243 am 25. Dezember 2024, bei dem 38 Menschen ums Leben kamen. Die Embraer 190, die sich auf dem Weg von Baku nach Grosny befand, wurde über das Kaspische Meer umgeleitet und stürzte in der Nähe von Aktau, Kasachstan, ab, nachdem sie von einer russischen Pantsir-S-Luftabwehrrakete getroffen worden war, wie aserbaidschanische Behörden und internationale Experten glauben. Präsident Ilham Alijew beschuldigte Russland, das Flugzeug versehentlich abgeschossen zu haben und dies mit „absurden“ Erklärungen wie einem Vogelschlag oder einer Explosion des Sauerstofftanks zu vertuschen. Alijew forderte eine förmliche Entschuldigung, Rechenschaftspflicht und Entschädigung und wies darauf hin, dass die Entschuldigung des russischen Präsidenten Wladimir Putin vom 28. Dezember 2024 nicht ausreichte, um die Verantwortung einzugestehen.
Spannungen in Beziehungen
Der Flugzeugabsturz und der Tod der Safarow-Brüder haben die Kluft zwischen Aserbaidschan und Russland vertieft und unterschwellige Spannungen in einer Beziehung offenbart, die von der komplexen Geschichte Aserbaidschans mit seinem nördlichen Nachbarn geprägt ist. Aserbaidschan stand während eines Großteils seiner modernen Geschichte unter russischer Kontrolle, zunächst als Teil des Russischen Reiches und später als Sowjetrepublik, bis es 1991 seine Unabhängigkeit erlangte. Die ersten Jahre der Unabhängigkeit waren von Misstrauen geprägt, da Moskau zwei Putschversuche in Baku unterstützte und Armenien im Ersten Berg-Karabach-Krieg (1992-1994) unterstützte, den Aserbaidschan verlor. Trotz dieser Herausforderungen unterhielt Aserbaidschan unter Präsident Ilham Alijew, der 2003 die Nachfolge seines Vaters antrat, pragmatische Beziehungen zu Russland und nutzte den Öl- und Gasreichtum des Landes, um seine Souveränität zu stärken.
Engere Beziehungen zum Westen und zur Türkei
In den letzten Jahren hat sich Aserbaidschan zunehmend von Moskaus Einflusssphäre distanziert, indem es engere Beziehungen zum Westen und zur Türkei knüpfte und gleichzeitig Russlands Dominanz im Südkaukasus in Frage stellte. Der Einmarsch Russlands in die Ukraine im Jahr 2022 hat den regionalen Einfluss Moskaus weiter untergraben. Aserbaidschan bezeichnete die von Russland gehaltenen Teile der Ukraine offen als „besetzt“ und schickte humanitäre Hilfe nach Kiew. Der Politikwissenschaftler Farhad Mammadov stellte fest, dass Aserbaidschans Reaktion auf den Flugzeugabsturz und den Tod der Safarow-Brüder eine wachsende Bereitschaft zur direkten Konfrontation mit Russland widerspiegelt und signalisiert, dass Baku „nicht länger bereit ist, Russlands Handlungen passiv hinzunehmen“. In der aktuellen Krise kam es auch zu gegenseitigen Aktionen: Russland verhaftete den aserbaidschanischen Geschäftsmann Jusuf Chalilow in Woronesch und Schahin Schichlinski, den Leiter der aserbaidschanischen Diaspora in Jekaterinburg, was Aserbaidschan als Vergeltungsmaßnahme bezeichnet. Im Internet kursierende Videos zeigen, wie russische Sicherheitskräfte das Haus von Chalilow stürmen und Schichlinsky körperlich misshandeln, was die öffentliche Wut in Aserbaidschan weiter anheizt. Analysten vermuten, dass diese Vorfälle dauerhafte Auswirkungen auf die Beziehungen zwischen Aserbaidschan und Russland haben könnten. Elkhan Shahinoglu, Direktor des Atlas Research Center in Baku, warnte, dass Russlands Versäumnis, den Flugzeugabsturz und den Tod der Safarow-Brüder vollständig aufzuklären, die Beziehungen irreparabel schädigen könnte. „Hätte Russland sofort ein Geständnis abgelegt, wäre die Situation nicht so angespannt“, sagte er gegenüber RFE/RL. Das aserbaidschanische Parlament hat geplante Treffen mit russischen Gesetzgebern abgesagt, und das Kulturministerium des Landes hat kulturelle Veranstaltungen mit russischer Beteiligung unter Hinweis auf die „außergerichtlichen Tötungen“ seiner Bürger ausgesetzt. Während Aserbaidschan weiterhin um die Opfer des Flugzeugabsturzes und die Safarow-Brüder trauert, drängt die Führung des Landes auf eine Rechenschaftspflicht seitens Russlands. Präsident Alijew hat eine transparente Untersuchung beider Vorfälle gefordert, während die öffentliche Meinung, die von den staatlich kontrollierten Medien verstärkt wird, die wachsende Frustration über Moskaus Vorgehen widerspiegelt. Da Aserbaidschan seine Unabhängigkeit behauptet und Russlands regionale Vorherrschaft in Frage stellt, werden die kommenden Wochen entscheidend dafür sein, ob diese Spannungen weiter eskalieren oder den Weg für eine diplomatische Lösung ebnen.
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– Gastkommentar – Was der Flugzeugabsturz für russisch-aserbaidschanische Beziehungen bedeutet

Vor knapp zwei Monaten ereignete sich ein verheerendes Flugunglück – ein Passagierflugzeug der Azerbaijan Airlines (AZAL) stürzte ab. Als der Präsident von Aserbaidschan, Ilham Aliyev, über den Absturz informiert wurde, brach er seine Reise nach Sankt Petersburg ab und flog zurück.

Was der Flugzeugabsturz für russisch-aserbaidschanische Beziehungen bedeutet

Gastbeitrag
Aserbaidschans Spiegelstrategie: Wie Baku Moskau herausfordert – und Zentralasien ein Zeichen setzt

Ein Gastkommentar von Asif Masimov

In den letzten Tagen ging ein nicht überhörbares Rauschen durch die diplomatischen Kanäle zwischen Moskau und Baku. Auslöser waren polizeiliche Razzien gegen aserbaidschanische Geschäftspersonen in mehreren russischen Städten – darunter Jekaterinburg und Woronesch.

In Baku wird in diesem Kontext offen von ethnisch-motivierten Übergriffen gesprochen, zwei Todesopfer und dutzende Festnahmen sind dokumentiert. Eine Reaktion ließ aber nicht lang auf sich warten: Aserbaidschan bestellte den russischen Geschäftsträger ein, fror vorerst kulturelle Programme ein und nahm die lokale Redaktion von „Sputnik Aserbaidschan“ ins Visier – mit Festnahmen und Hausdurchsuchungen.

Ein diplomatischer Eklat? Durchaus – aber nicht von der gewöhnlichen Sorte. Vielmehr handelt es sich um einen strategisch-aufgeladenen Schlagabtausch, bei dem Baku demonstrativ neue Töne anschlägt: mit Härte, Selbstbewusstsein und dem klaren Ziel, ein regionales Signal auszusenden.

Die Vorgeschichte: Dezember 2024

Die nun eskalierende Spannung hat eine längere Vorgeschichte: Bereits im Dezember 2024 wurde das Verhältnis beider Staaten massiv erschüttert, als ein aserbaidschanisches Passagierflugzeug über dem Kaspischen Meer abstürzte.

Baku machte russische elektronische Störsysteme verantwortlich – 38 Menschen starben. Moskau sprach hingegen von einem tragischen Unfall, zeigte jedoch keine Bereitschaft dazu, Verantwortung zu übernehmen. Für Aserbaidschan offenbarte sich hier ein Wendepunkt in der Beziehungsdynamik zu Russland – ein strategischer Partner, der nun zur Gefahr wurde.

Seither sind Misstrauen und emotionale Distanz zwischen den beiden Parteien stetig gewachsen. Die aktuellen Razzien auf russischem Boden gelten für viele in Baku als Fortsetzung jener Eskalation – diesmal über die gesellschaftliche Ebene.

Gleiches mit Gleichem: Bakus neuer Kurs

Die aserbaidschanische Antwort kam so schnell wie deutlich: Die symbolischen und operativen Reaktionen auf russisches Vorgehen demonstrierten dabei einen neuen Modus der Außenpolitik – die „Spiegelstrategie“. Was Moskau auf fremdem Boden tut, wird in Baku gespiegelt – juristisch, medial, politisch.

Diese neue Entschlossenheit speist sich wiederum aus einer veränderten Ausgangslage: Aserbaidschan ist heute kein abhängiger Empfänger regionaler Sicherheitslogiken mehr, sondern ein geopolitischer Akteur mit wachsendem Einfluss.

Vom Empfänger zum Akteur: Drei Jahrzehnte Wandel

In den 1990er-Jahren war das Land kriegsversehrt und von Hunderttausenden Binnenflüchtlingen überfordert. Die russische Politik – damals unter Außenminister Jewgeni Primakow – diktierte Aserbaidschan oft den Ton. Es war die Zeit, in der Moskau Bedingungen stellte, Vermittlerrollen beanspruchte und seinen Einfluss über Energie und Sicherheit ausspielte.

Inzwischen konnte sich das Bild aber wandeln: Aserbaidschan hat durch zwei militärische Erfolge (2020 und 2023) seine territorialen Verluste in Bergkarabach wettgemacht und kontrolliert nun wieder die gesamte Region.

Milliardeninvestitionen in Infrastruktur und Energieexporte – vor allem Richtung Westen – haben die Abhängigkeit von Russland massiv verringert: Der Energiemarkt wird diversifiziert und die Handelsrouten um Russland herum erschlossen.

Regionaler Aufstieg mit geopolitischem Anspruch

Der aktuelle Konflikt ist auch Ausdruck eines wachsenden Selbstverständnisses: Aserbaidschan sieht sich zunehmend als regionales Machtzentrum, das nicht nur im Südkaukasus, sondern auch in Richtung Zentralasien ausstrahlt.

Die Botschaft an Länder wie Kasachstan, Usbekistan oder Kirgistan ist klar: Es ist möglich, mit Moskau auf Augenhöhe zu sprechen – oder sogar auf dessen Ton zurückzugreifen. Gerade in einer Zeit, in der viele postsowjetische Staaten zwischen russischem Einfluss und chinesisch-westlicher Verlockung balancieren, zeigt Baku eine dritte Option auf: selbstbewusste Emanzipation.

Zwischenbilanz: Krise mit Signalwirkung

Was derzeit zwischen Moskau und Baku geschieht, ist mehr als ein bilaterales Zerwürfnis: Es zeigt sich ein Paradigmenwechsel in der postsowjetischen Diplomatie. Während der Kreml noch auf bewährte Mechanismen der Einflussnahme setzt – wirtschaftlicher Druck, Kontrolle über Diaspora, mediale Hebel –, reagiert Aserbaidschan mit juristischer Spiegelung und politischer Souveränität.

Dieser Wandel hat das Potenzial, das gesamte Gefüge zwischen Russland und seinen ehemaligen Sowjetrepubliken zu verändern. Der Spiegel, den Baku derzeit Moskau vorhält, könnte bald auch in anderen Hauptstädten zur strategischen Methode werden.

Die Ära der einseitigen Dominanz scheint vorbei – und Aserbaidschan macht den Anfang.


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.

Zum Autor

Asif Masimov hat Internationale Beziehungen und Politikwissenschaften studiert. Er ist Doktorand im Fach Geschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin. Er bloggt auf masimovasif.net zu historischen und politischen Themen rund um Deutschland, Aserbaidschan und Russland.
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Zwischen Schuldkomplex, Judenfetisch und Feindbildproduktion: Andrea Sawatzki und die deutsche Unfähigkeit zur Objektivität

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Exodus 2.0
Immer mehr Israelis verlassen ihr Heimatland

Ein Gastkommentar von Michael Thomas Im Mittelalter war vieles einfacher. Da bestand die Welt aus „gut“ und „böse“, faktisch im Volk nicht vorhandener Bildung und den Machthabenden fiel es deshalb sehr leicht, ebenso Gutes zu Bösem zu erklären wie auch umgekehrt Böses zu Gutem. So konnte es etwa trotz der Zehn Gebote gelingen, Tausende von Frauen und sonstigen Missliebigen zu „Ketzern“ zu erklären und es als religiös erstrebenswert erscheinen zu lassen, sie auf Scheiterhaufen zu schleppen, wie auch Tausende von Frauen und Kindern in Jerusalem auf den Kreuzzügen, wie auch im eigenen Land im Dreißigjährigen Krieg abzuschlachten. Böse war gut. Ganz einfach. Manchmal funktioniert die Indoktrination nicht konsequent genug, und dann scheint plötzlich in Einzelnen ein Funke der Erinnerung auf, der die Realität wieder so erkennen lässt, wie sie tatsächlich ist. Da bemerken auf einmal Soldaten der israelischen Armee völlig entsetzt, dass sie sich selbst aufführen wie damals die Nazis und Menschen abschlachten, als seien diese die Juden des Holocaust. Ein genauso zutreffender wie faszinierender Gedanke. Die Matrix hat Löcher. (1) Nun bedarf es generell größerer Anstrengung, aus einem Menschen einen Mörder machen zu wollen. Jedes Militär kennt das Problem. Zumeist unterzieht man diese Menschen zunächst einer massiven Hirnwäsche, bei welcher das zu tötende Opfer jedes Menschsein verliert und auf die Stufe eines brutalen und gefährlichen Schädlings absenkt.
Israels Zionismus ist im Mittelalter angekommen
Das fällt in Israel durch den dort grassierenden Zionismus, der wie im Mittelalter die auch für Juden verbindlichen Zehn Gebote im Judentum umdenkt und das Tötungsverbot eliminiert, noch vergleichsweise leicht. Kinder werden mit einer Mischung aus Rassismus und Faschismus in einer Gesellschaft eingebettet erzogen, die aus Arabern „Schädlinge“, „Ungeziefer“, „Untermenschen“ und „Terroristen“ macht. Gerade das Wort „Terrorist“ steht in Israel als Synonym für Palästinenser und ist Alltags- und Umgangssprache. Aus diesem Grunde ist in Israel mit Mehrheiten von über 80 Prozent Konsens, dass man Gaza und Westjordanland gewissermaßen vom Befall ihrer rechtmäßigen Eigentümer reinigen müsse. Aber unter dem anwachsenden Druck, den immer mehr Nationen, immer mehr Presse und Menschen auf der Straße erzeugen, bedingt durch die herbe Niederlage im Krieg gegen Iran, beginnen diese Denkmuster Risse zu bekommen. Zwar wird, wie zu vermuten steht, das rassistisch-faschistische Narrativ nicht grundsätzlich in Zweifel gezogen, wohl aber seine Zukunftstauglichkeit und sein Heilsversprechen. Die vorgebliche Sehnsucht nach einem gereinigten Großisrael, in welchem nur sehr wenige, aber glückliche Palästinensersklaven dienen, ist den Umfragen zufolge ungebrochen zu finden und macht die Leute mehr oder weniger dazu bereit, für dies zum religiös angeblich gesegnet erklärten Ziel mit Grausamkeit und Brutalität vorzugehen. Man hat ihnen erfolgreich erklärt, dass sie anders kein Glück erfahren könnten, weil ihr Gott dies angeblich so verlange. Manchem von ihnen fehlt jedoch, ich meine dies jetzt völlig unironisch, die letztendliche Bereitschaft zur Aufopferung des eigenen Lebens, wenn aus dieser Sehnsucht aktiver Kampf und Krieg werden soll. Gerade die iranischen Raketen erweckten in ihnen die Idee, dass ihr eigenes Zuhause, ihre eigene Familie darin umkommen könnten. Israel hatte es bisher immer verstanden, im eigenen Land jedes Gefühl von Unsicherheit, Angst und Zweifel, jedes Bild von Zerstörung und Leid, brennenden Ruinen und getöteten Kindern zu verhindern. Krieg, das fand für Israelis immer irgendwo, weit entfernt und gewissermaßen als unwirklich wahrgenommene Realität statt. Das immer „gerechtfertigte“ Feuer traf ja immer nur „Terroristen“. Nur so ist auch zu erklären, dass das berühmte „Nova“-Musikfestival, von dem viele Besucher am 7. Oktober infolge des Hamasangriffs ums Leben kamen, dicht an der Blockadegrenze zu Gaza stattfinden konnte. Man blendete Gaza einfach aus. Das war nur ein grauer Fleck, auf den man manchmal Bomben warf. Bis die iranischen Raketen einzuschlagen begannen. Schon seit vielen Jahren gibt es die für Israel unangenehmen Bestrebungen vieler Staatsbürger, unter Vorwänden oder auch ganz offen das Land zu verlassen. (2) Einigen dämmerte es schon lange, dass der politische und militärische Kurs ihres Landes ein Tanz auf Messers Schneide und es nicht unmöglich sei, dass es eines Tages auch im eigenen Land dadurch zu Zusammenbrüchen, Zerstörungen, Mangelsituationen und Versorgungsengpässen kommen könne. Diverse Länder registrieren massive Zuzüge israelischer Bürger. Es soll, wie ich hörte, in Italien bereits ein Dorf geben, in dem man zweisprachig, italienisch/hebräisch eben, Läden beschildert. (3) Der Trend entwickelt sich für die israelische Demografie zum Fiasko. Schon seit Jahrzehnten registriert man argwöhnisch, dass die Geburtenrate jenseits der weiß-jüdischen Bevölkerung erheblich höher liegt und damit den mehrheitlichen Machtanspruch dieser „Rasse“ gefährdet. Es ist so, der amtierende Sportminister Israels, Miki Zohar, faselt tatsächlich öffentlich von der angeblichen Rasse. (4) Wenn jedoch nun ein Zionist den Kampfplatz Israel verlässt und sich irgendwo auf der Welt ansiedelt, hat er zugunsten seines Lebens den Zionismus aufgegeben. Er verstärkt die zu erwartende, demografische Niederlage. Tatsächlich muss sich der „jüdische Staat“ Israel selbst die Existenzfrage stellen, wenn irgendwann nur noch eine kleine Minderheit seiner Bürger dem jüdischen Glauben folgt. Niemand würde Israel auflösen, wohl aber dessen augenblickliches Selbstverständnis. Die Lage, in der eine verschwindend kleine, übriggebliebene Minderheit über eine überwältigende Mehrheit in jedem Fall würde herrschen wollen, wäre völlig absurd und abwegig. Der Trend zur Abwanderung ist weder marginal, noch für die Selbstidentifikation dieses Israels unbedeutend. Immerhin reagierte die Regierung gewissermaßen panisch, als sie im Krieg gegen Iran Zehntausende von Ausreiseanträgen auf den Tisch bekam. Sie schloss die Grenzen. Trotz diverser Anwerbeprogramme, die Israel in den letzten Jahrzehnten auflegte, konnte von einer Ausweitung der Bevölkerung keine Rede sein. Jeder dritte Franzose, der nach Israel zog, ging wieder zurück. In Kanada wandeln sich große Farmen zu Kibbuzen um, die ausgewanderte Israelis aufnehmen. Natürlich kann sich die Ausreise nur leisten, wer Geld hat. Und wer Geld hat, hat Bildung. Und wenn nur genug bedeutende Bildungsträger das Land verlassen, kann man von einem brain-drain sprechen. Unternehmen werden schließen müssen, die Wirtschaftskraft geht zurück. Schon jetzt registriert man an der zunehmend aggressiven, rassistischen und faschistischen Schreierei in der Knesset und auf den Straßen, siehe „Jerusalem-Tag“, eine breitflächig anwachsende Nervosität. Auch Göbbels schaltete damals rhetorisch einen Gang höher, als der Peak überschritten und das nahende Ende bereits sichtbar war. Da dieser aggressive und imperialistische Zionismus ohne das Geld und die Waffen seiner „Freunde“ nicht existieren kann, werden seine Tage gezählt sein. Europa und USA verbrauchen und ermüden sich längst an anderen, aufwendigen und zermürbenden Fronten, beide werden ihre extrem hohen Zuwendungen zurückfahren müssen. Allein in den USA gestaltet sich die Wirtschaftslage in diesem Augenblick ruinös und katastrophal. Niemand kann sagen, wie schnell sich die Entwicklung abspielen wird und wieviele Menschen dafür noch sterben müssen. Israel steht am Scheideweg zweier Möglichkeiten; es kann durch Gewalt, Krieg und Auszehrung zugrundegehen, oder einen radikalen Kurswechsel vornehmen. Es gibt eine Chance dafür, dass sich die israelischen und weltweiten Juden für ein neues Israel entscheiden und ein Land neu jenseits allen bewiesenen Irrsinns aufbauen könnten, das einmal darstellt, was es immer schon hätte sein können: ein sicherer Hafen, der eingedenk der sehr erfolgreichen und friedvollen Vergangenheit im Zusammenleben mit Muslimen eine neue Zukunft jenseits eines übergeschnappten Machtanspruchs darstellt. Und bestehen kann.
  1. https://www.facebook.com/share/p/19WAaXgVDh/
  2. https://www.middleeasteye.net/opinion/palestinians-are-massacred-staying-israelis-are-desperate-flee
  3. https://taz.de/Israelis-wandern-nach-Italien-aus/!6046819/
  4. https://www.timesofisrael.com/jewish-mk-to-arab-mk-the-jews-are-a-special-race/amp/

Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.

Zum Autor 

Michael Thomas ist Privatier, Fotograf, leidenschaftlich an Ägyptologie und Literatur interessiert, mit der er vor vielen Jahren als Autor regional einige Beachtung fand. Er verfolgt interessiert das Weltgeschehen durch Beobachtung internationaler Presse. Seinen Fokus legt er insbesondere auf die Palästinafrage und auf die islamische Welt.

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Die jüngsten israelischen Angriffe auf iranische Atomanlagen sind nicht bloß eine Eskalation im Nahostkonflikt, sondern Ausdruck einer Weltordnung

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Glücksspiel
Woran erkennt man gute Online-Casinos?

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Online-Casinos sind längst fester Bestandteil der Freizeitgestaltung vieler Menschen. Doch die Auswahl an Anbietern ist riesig und nicht jeder hält, was er verspricht. Wer sich vor Betrug und Enttäuschungen schützen will, sollte wissen, woran man einen vertrauenswürdigen Anbieter erkennt. Dieser Artikel beleuchtet daher die wichtigsten Merkmale, die ein gutes Online-Casino auszeichnen.

Lizenzierung als Grundvoraussetzung

Seriöse Online-Casinos verfügen über eine gültige Lizenz einer anerkannten Glücksspielbehörde. Diese Lizenzen werden beispielsweise von Behörden in Malta, Gibraltar oder Schleswig-Holstein vergeben. Eine gültige Lizenz signalisiert, dass der Anbieter regelmäßige Kontrollen durchläuft und sich an strenge Vorgaben halten muss. Fehlt eine solche Lizenz oder ist sie schwer auffindbar, ist Vorsicht geboten. Transparenz in Bezug auf die Lizenzierung schafft Vertrauen und ist ein erstes Indiz für Seriosität. Diese aktuelle Woo Casino Bewertung beispielsweise verweist auf eine Lizenz aus Curacao.

Sicherheit und Datenschutz

Ein gutes Online-Casino legt großen Wert auf den Schutz persönlicher Daten. Verschlüsselungstechnologien wie SSL sorgen dafür, dass sensible Informationen nicht in falsche Hände geraten. Auch die Speicherung der Daten erfolgt unter hohen Sicherheitsstandards. Wer sichergehen möchte, sollte darauf achten, dass das Casino klare Angaben zum Datenschutz macht und diese leicht auffindbar sind. Zusätzlich bieten viele Anbieter die Möglichkeit, Limits für Einzahlungen oder Spielzeiten festzulegen, um verantwortungsvolles Spielen zu fördern.

Faire Spiele und geprüfte Zufallsgeneratoren

Ein weiteres Merkmal für ein gutes Online-Casino ist die Fairness der angebotenen Spiele. Diese wird durch unabhängige Prüforganisationen wie eCOGRA oder iTech Labs sichergestellt. Sie testen die Zufallsgeneratoren, die für die Ergebnisse der Spiele verantwortlich sind. Nur wenn diese Prüfstellen die Spiele als fair einstufen, kann man davon ausgehen, dass die Gewinnchancen nicht manipuliert werden. Transparente Angaben zu den Auszahlungsquoten, auch RTP (Return to Player) genannt, geben zusätzlich Aufschluss darüber, wie viel Prozent der Einsätze im Schnitt wieder an die Spieler ausgezahlt werden.

Breite Spielauswahl und namhafte Softwareanbieter

Ein gutes Online-Casino überzeugt durch eine abwechslungsreiche Auswahl an Spielen. Dazu gehören nicht nur klassische Automaten, sondern auch Tischspiele wie Roulette, Blackjack oder Poker. Die Zusammenarbeit mit bekannten Softwareentwicklern wie NetEnt, Microgaming oder Play’n GO spricht für Qualität. Diese Entwickler stehen für innovative Spiele mit ansprechender Grafik und fairen Gewinnchancen. Wer auf Vielfalt Wert legt, sollte darauf achten, dass regelmäßig neue Spiele hinzugefügt werden und auch Live-Casino-Angebote zur Verfügung stehen.

Transparente und schnelle Auszahlungen

Ein weiteres wichtiges Kriterium ist die Auszahlungspraxis. Gute Online-Casinos informieren offen über die Bedingungen für Auszahlungen und die Dauer der Bearbeitung. Lange Wartezeiten oder undurchsichtige Gebührenstrukturen sind ein Warnsignal. Viele Anbieter setzen auf moderne Zahlungsmethoden wie E-Wallets, Kreditkarten oder Sofortüberweisungen, um schnelle und unkomplizierte Transaktionen zu ermöglichen. Auch die Identitätsprüfung sollte klar geregelt sein, um Geldwäsche und Betrug vorzubeugen.

Kundenservice als Qualitätsmerkmal

Ein kompetenter und gut erreichbarer Kundenservice ist ein weiteres Zeichen für einen vertrauenswürdigen Anbieter. Gute Online-Casinos bieten verschiedene Kontaktmöglichkeiten wie E-Mail, Live-Chat oder eine telefonische Hotline. Die Reaktionszeit sollte möglichst kurz sein, damit bei Problemen oder Fragen schnell geholfen wird. Auch ein umfangreicher FAQ-Bereich zeugt davon, dass der Anbieter Wert auf Kundenzufriedenheit legt.

Nutzerfreundlichkeit und mobiles Spielen

Die Bedienbarkeit der Webseite spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Übersichtliche Menüs, eine intuitive Navigation und kurze Ladezeiten sorgen für ein angenehmes Spielerlebnis. Viele Anbieter haben inzwischen auch Apps oder optimierte Webseiten für mobile Endgeräte im Programm. So kann man auch unterwegs problemlos spielen, ohne auf Komfort verzichten zu müssen.

Seriosität durch positive Erfahrungsberichte

Nicht zuletzt lohnt sich ein Blick auf Bewertungen und Erfahrungsberichte anderer Nutzer. Plattformen und Foren bieten einen guten Überblick darüber, wie zufrieden andere Spieler mit dem jeweiligen Anbieter sind. Häufen sich Beschwerden über nicht ausgezahlte Gewinne oder schlechten Service, sollte man lieber Abstand nehmen. Positive Rückmeldungen zu schnellen Auszahlungen, freundlichem Support und fairen Bedingungen sprechen hingegen für ein gutes Online-Casino.

Fazit

Wer ein gutes Online-Casino sucht, sollte auf mehrere Faktoren achten: Eine gültige Lizenz, hohe Sicherheitsstandards, faire Spiele, eine breite Auswahl, transparente Auszahlungsbedingungen und ein zuverlässiger Kundenservice sind entscheidend. Erfahrungsberichte anderer Nutzer bieten zusätzliche Orientierung. So lässt sich das Risiko minimieren und das Spielvergnügen steht im Vordergrund.

Energie
Die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen wird weiter steigen

Von Craig Cameron

Nachdem Aktien aus der gesamten Lieferkette für Elektrofahrzeuge in den Jahren 2021 und 2022 stark in der Gunst der Anleger standen, haben sie sich in den letzten Jahren schwer getan, da die zuvor unfehlbare Umstellung auf Elektrofahrzeuge die Erwartungen nicht erfüllt hat.

Rückblickend betrachtet, führte ein günstiges Umfeld für Aktien aus dem gesamten Ökosystem der Elektrofahrzeuge zu hohen Bewertungen, die häufig auf überhöhte Preise in der Lieferkette zurückzuführen waren.

In den letzten zwei Jahren sind die Bewertungen deutlich gesunken. Die Zinssätze sind gestiegen, Margen und Preise sind unter Druck geraten, die Wachstumserwartungen wurden reduziert und die Gewinnschätzungen entsprechend nach unten korrigiert.

Die Nachrichtenlage in den letzten zwei Jahren war für Elektrofahrzeuge eher düster. In den USA wurde gleich am ersten Tag der Amtszeit von Präsident Trump die Streichung von Anreizen für Elektroautos verkündet. In Asien brachte das Jahr 2024 Bilder von riesigen Feldern unverkaufter Elektroautos in den Außenbezirken von Hangzhou und anderen chinesischen Städten.

In Europa gab es unterdessen öffentlichkeitswirksame politische Schritte zur Abschwächung von Anreizen, wie die Entscheidung der britischen Regierung, ihr Ziel, den Verkauf neuer Benzinautos zu verbieten, um fünf Jahre zu verschieben, und die Entscheidung der EU, den Automobilherstellern „Flexibilität“ in Bezug auf ihre Kohlenstoffemissionsziele für 2025 anzubieten.

Vielleicht ist dies keine Überraschung, nachdem Europa im Jahr 2024 die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen überhaupt nicht steigern konnte. Die Realität blieb hinter den Erwartungen zurück, und das weltweite Wachstum der E-Fahrzeuge verlangsamte sich von 33 % auf 24 %.

Durch die Hinwendung zu Hybridfahrzeugen und nicht zu reinen Elektroautos war dieses Wachstum auch weniger wirksam, sowohl im Hinblick auf die Emissionsreduzierung als auch auf die Auswirkungen auf Angebot und Nachfrage in der Wertschöpfungskette.

Die Nachfrage nach Batterien fiel schnell unter das Angebot, und die Lithiumpreise brachen von ihren Höchstständen im Jahr 2022 um mehr als 80 % ein. Die Anpassung der Investitionsausgaben hat einige Zeit in Anspruch genommen, und die laufende Umstellung war für die gesamte Wertschöpfungskette schwierig.

Die Entwicklung der Aktienkurse von Unternehmen, die an der Umstellung auf Elektrofahrzeuge beteiligt sind, ist eine deutliche Erinnerung daran, dass das Wachstum im Allgemeinen die Erwartungen übertreffen oder erfüllen muss, damit eine Investitionsthese funktioniert, insbesondere in eher standardisierten Märkten.

Darüber hinaus kann die Nachfrage in die Höhe schießen, ohne einen großen Shareholder-Value zu schaffen – eine Lektion, die auch die Solarbranche jedem Interessierten gerne erteilt. Selbst bei hohen Wachstumsraten kann ein Nachfragewachstum, das nicht mit dem Angebot Schritt hält, zu starkem Preisdruck und sinkenden Margen führen.

Mit Blick auf die Zukunft sind wir der festen Überzeugung, dass die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen weiter steigen wird.  Bei der Bewertung der damit verbundenen Anlagemöglichkeiten müssen wir uns jedoch darauf konzentrieren, wo die aktuellen Erwartungen liegen und was wir für diese Aktien bezahlen. Wir sind der Meinung, dass die derzeitige Situation attraktiv ist – die Erwartungen wurden zurückgeschraubt, und wir glauben, dass die Bewertungen das begrenzte Wachstum nicht berücksichtigen.

Verlangsamtes Wachstum außerhalb Chinas schafft Chancen für die Lieferkette

Der Automobilsektor entwickelt sich in zwei verschiedenen Regionen mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten – China, dem mittlerweile weltweit größten Markt für Elektrofahrzeuge, und der Welt außerhalb Chinas. China ist weiterhin auf dem besten Weg, bis 2030 die 70%-Marke für Elektroautos zu überschreiten, nachdem es im 4. Quartal 2024 bereits 49% erreicht hat.

Der Absatz von Elektroautos, einschließlich voll batteriebetriebener Fahrzeuge und Hybride, stieg 2024 um 39% gegenüber 2023. Dies ist weitgehend auf die Verbraucher zurückzuführen, da der chinesische Markt von einer breiten Palette erschwinglicher Produkte profitiert.

Das Narrativ einer nachlassenden Nachfrage nach Elektrofahrzeugen spiegelt daher eher die Trends in Europa und den Vereinigten Staaten wider. Technologische Anlaufschwierigkeiten, sinkende Subventionen, Inflation und relativ unerschwingliche Preise für E-Fahrzeuge im Vergleich zu herkömmlichen Verbrennungsmotoren haben zu einem düsteren Bild einer schwächelnden Nachfrage nach E-Fahrzeugen außerhalb Chinas geführt.

Auch politische Veränderungen haben die Branche unter Druck gesetzt. Die Entscheidung Deutschlands, sein Förderprogramm für E-Fahrzeuge Ende 2023 zu beenden, war ein wichtiger Grund für die jüngste Verlangsamung, gefolgt von Kürzungen der Förderprogramme in Frankreich und Großbritannien. Damit bleiben Regulierung und Wettbewerbsfähigkeit die wichtigsten Hebel, um die Einführung von E-Fahrzeugen zu fördern.

Obwohl einige wenige Länder in Asien eindeutig den größten Einfluss auf die Produktion von Elektrofahrzeugen haben, ist die Lieferkette für Elektrofahrzeuge wirklich global. Sie unterscheidet sich in mehrfacher Hinsicht von den Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor.

E-Fahrzeuge mögen mechanisch einfacher sein und weniger Teile enthalten, aber die Art der Technologie macht die Massenproduktion recht schwierig. Die Batterieproduktion, die teuerste Komponente dieser Fahrzeuge, ist überwiegend in Ostasien angesiedelt.

Die für die Herstellung von Lithium-Ionen-Batterien verwendeten Rohstoffe sind jedoch weltweit verstreut. Lithium wird vor allem in Australien und Südamerika abgebaut, Nickel in Indonesien und auf den Philippinen, und Kobalt in Zentralafrika. Nach dem Abbau und der Produktion werden diese Materialien nach China, Südkorea oder Japan geschickt, wo sie veredelt, verarbeitet und zur Herstellung von Kathoden und Zellen verwendet werden, bevor sie an die Hersteller von Elektrofahrzeugen weitergegeben werden.

Leistungshalbleiter werden hauptsächlich in Ostasien und in den Vereinigten Staaten hergestellt. Bei der Herstellung von Elektrofahrzeugen ist China nach wie vor führend, aber auch in Europa und den Vereinigten Staaten gibt es einige führende Hersteller.

Batteriehersteller drängen auf niedrigere Kosten

Innovationen zur Senkung der Batteriekosten sind von entscheidender Bedeutung für die Erschwinglichkeit von E-Fahrzeugen, da die Batterien der Hauptgrund für die Kostendifferenzierung sind. E-Auto-Batterien tragen erheblich zum Gesamtpreis des Fahrzeugs bei, auch wenn die Kosten gesunken sind.

Da viele der führenden Automobilhersteller Pläne zur Einführung neuer, kostengünstiger Modelle verfolgen, erwarten wir, dass die Batteriekosten weiter sinken werden. Dies dürfte sich erheblich auf die Rentabilität und Erschwinglichkeit von E-Fahrzeugen im Allgemeinen auswirken und die Akzeptanz fördern.

Damit E-Fahrzeuge die Kostenparität mit Verbrennungsmotoren erreichen können, ist es wichtig, die Energiedichte der Batterien zu erhöhen und den Herstellungsprozess zu optimieren, und hier sind die Hersteller von Batterien hervorragende Partner für die Automobilhersteller.

Während einige chinesische Batteriehersteller in Bezug auf Größe und Kosten führend sind, glauben wir, dass ein führender südkoreanischer Batteriehersteller erfolgreich Wettbewerbsvorteile in der Batteriechemie, der Großserienfertigung und der Integration der Lieferkette entwickelt hat.

Wir sehen auch vielversprechende erste Anzeichen eines indischen Batterieherstellers, der von der staatlich geförderten Nachfrage nach Elektrofahrzeugen profitiert und sich mit Automobilherstellern zusammengetan hat. Jüngste Ankündigungen von Großstädten, ihre öffentlichen Verkehrsmittel vollständig auf E-Fahrzeuge umzustellen, dürften dazu beitragen, die entstehende Batterieindustrie in einem Land anzukurbeln, das wahrscheinlich nicht auf importierte Produkte angewiesen ist.

Halbleiter entscheidend für die Elektrifizierung

Ein weiterer Faktor, der die Einführung von Elektroautos vorantreiben wird, sind Leistungshalbleiter, die dazu beitragen, Batteriestrom in Motoren im Fahrzeug umzuwandeln.

Ein führender Halbleiterhersteller, der davon möglicherweise profitieren könnte, erwirtschaftet inzwischen mehr als die Hälfte seines Umsatzes mit Leistungshalbleitern und ist damit besonders von der Einführung von Elektrofahrzeugen und industriellen Anwendungen betroffen.

Halbleiter und Sensoren in Elektrofahrzeugen werden eingesetzt, um den Stromverbrauch zu senken und die Effizienz und Sicherheit zu verbessern. Der Halbleiteranteil in Elektrofahrzeugen und Hybridfahrzeugen ist ähnlich, so dass die Nachfrageverschiebungen unserer Meinung nach neutral sein dürften. Die Produkte werden auch in industriellen Anwendungen, in Solar- und Windkraftanlagen sowie in Konsumgütern in großem Umfang eingesetzt.

Rohstoff Lithium

Weiter oben in der Lieferkette sind einige Rohstoffe besonders wichtig für die Energiewende und die Elektrifizierung von Fahrzeugen.

Lithium ist eine der wichtigsten Triebfedern für die Dekarbonisierung der Transportindustrie, da das Metall ein Hauptbestandteil aller EV-Batterien ist, unabhängig von der Kathodenchemie. Mehr als 90 % der Lithiumnachfrage kommt heute aus der Batterieindustrie, und Elektrofahrzeuge bleiben auch in Zukunft die Hauptquelle des Nachfragewachstums.

Die hohen Lagerbestände an E-Auto-Batterien und die nachlassenden Erwartungen in Bezug auf Verkäufe führten zu einer Kursschwäche in den Jahren 2023 und 2024, was eine überzeugende langfristige Wertmöglichkeit im Lithiumsektor darstellen dürfte.

Seit 2023 sind die Spotpreise für Lithiumcarbonat mit einer Konzentration von 99,5 % (Lithiumcarbonat-Äquivalent oder LCE) von über 75 US$/kg auf weniger als 10 US$/kg gefallen.

Auch wenn wir anerkennen, dass die Lithiumpreise kurzfristig weiterhin volatil sein könnten, glauben wir, dass der Markt den aktuell niedrigen Lithiumpreis für die Ewigkeit einpreist, ein Szenario, in dem wir eine erhebliche Angebotsverknappung bei wachsender EV-Nachfrage sehen.

Heute können bedeutende Mengen Lithium zu geringen Kosten aus Solen im „Lithiumdreieck“ von Chile, Argentinien und Bolivien oder durch eine Reihe relativ neuer Technologien, die als direkte Lithiumextraktion (DLE) bekannt sind, gewonnen werden.

Eine marginale Versorgungsquelle ist jedoch nach wie vor der nicht integrierte Hartgesteinabbau eines Produkts, das als Spodumen bekannt ist. Dieser Vorläufer von Lithiumhydroxid und Lithiumkarbonat wird in Elektroautobatterien verwendet, nachdem er an Umwandlungsanlagen zur Herstellung dieser Lithiumprodukte verkauft wurde.

Wir sehen Spodumen als eine wichtige Quelle für zusätzliches Angebot, da der Markt für Elektrofahrzeuge wächst. Unseren Schätzungen zufolge sind die Preise derzeit um etwa 40 % zu niedrig, um Anreize für neue Spodumenlieferungen zu schaffen, und dieser Abschlag ist noch größer, wenn alternative Gesteine wie Lepidolith benötigt werden.

Sogar das größte Spodumenprojekt der Welt, die Greenbushes-Mine in Australien, plant als Reaktion auf die schwachen Preise eine Produktionskürzung. Unserer Meinung nach ist das Wachstum des Angebots jedoch nach wie vor entscheidend für einen Markt, für den bis zum Ende des Jahrzehnts ein Nachfragewachstum von mehr als 10 % erwartet wird.

Wir gehen insbesondere davon aus, dass die Nachfrage aus China und Europa, wo Regulierung und Subventionen weiterhin unterstützend wirken, dieses Wachstum vorantreiben wird.

Da die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen weiter steigt und die hohen Lagerbestände abgebaut werden, erwarten wir, dass sich die Lithiumpreise zumindest auf das Niveau der Anreizpreise erholen werden. Aufgrund der anhaltenden Preisvolatilität halten wir mittelfristige Preisspitzen, ähnlich wie im Jahr 2022, für durchaus möglich. In einem solchen Umfeld erwarten wir, dass sich Lithium-Aktien angesichts der gesenkten Erwartungen gut entwickeln werden.

Rohstoff Aluminium

Mit einem Anteil von etwa 30 % an der Gesamtnachfrage ist der Transportsektor auch der größte Endmarkt für Aluminium weltweit. Das Streben nach leichteren Fahrzeugen hat zu einer erhöhten Nachfrage nach Aluminium geführt, wobei das silbrig-weiße Metall in herkömmlichen Verbrennerfahrzeugen bereits bis zu einem gewissen Grad den Stahl ersetzt.

Der Leichtbauprozess kann die Verkehrsemissionen erheblich reduzieren, da ein leichteres Fahrzeug weniger Energie und damit weniger Kraftstoff benötigt.

Batteriebetriebene Elektrofahrzeuge sind in der Regel 10-15 % schwerer als ihre verbrennungsmotorischen Pendants, was auf das Gewicht des Batteriepakets und die zusätzliche Verstärkung der Hauptstruktur zurückzuführen ist, um die erhöhten Aufpralllasten aufzufangen.

Daher ist der Bedarf an Leichtbau mit dem Übergang zu Elektrofahrzeugen größer. Bernstein Research schätzt, dass Elektrofahrzeuge im Durchschnitt 250 kg Aluminium verbrauchen, verglichen mit 172 kg bei Verbrennungsmotoren, wobei der Anstieg auf die Notwendigkeit zurückzuführen ist, das Gewicht großer Batterien und Batteriegehäuse auszugleichen.

Die Rolle von Aluminium bei der Gewichtsreduzierung des Fahrzeugs kann auch zu Kosteneinsparungen führen, die sich aus der Möglichkeit ergeben, das Batteriepaket und die Komponenten des Antriebsstrangs zu verkleinern, während die Reichweite des Fahrzeugs erhalten bleibt.

Angesichts verschärfter Vorschriften wird der CO2-Fußabdruck eines Fahrzeugs nicht nur während der Nutzungsphase, sondern auch aus der Perspektive einer Gesamtzyklusbewertung verstärkt in den Blick genommen. In diesem Zusammenhang haben sowohl die Regulierungsbehörden als auch die Fahrzeughersteller ihren Blick auf den CO2-Fußabdruck der bei der Fahrzeugherstellung verwendeten Rohstoffe geschärft.

Tatsache ist, dass ein durchschnittliches Kilogramm Aluminium, das heute weltweit hergestellt wird, einen höheren CO2-Fußabdruck aufweist als ein durchschnittliches Kilogramm Stahl. Da Aluminium jedoch dreimal so leicht ist, wird der Vergleich weniger relevant, da die Gewichtseinsparung den Großteil des Unterschieds ausgleicht.

Die Argumente für kohlenstoffarmes Aluminium als überlegener alternativer Rohstoff für BEVs sind sogar noch überzeugender, da es eine Emissionsreduzierung sowohl in der Produktions- als auch in der Nutzungsphase des Fahrzeugs ermöglicht.

Dieser Vorteil beginnt bereits beim ersten Produktionsschritt. Das Automobilforschungsunternehmen fka berichtet von geschätzten durchschnittlichen CO2-Einsparungen von rund 15 % im Vergleich zu Stahl durch die Verwendung von kohlenstoffarmem Aluminium, wo immer dies im Produktionsprozess praktisch möglich ist.

Ausblick

Auch wenn die jüngste Situation für die EV-Lieferkette eindeutig eine Herausforderung war, dürften viele der längerfristigen strukturellen Rückenwinde für das Thema intakt bleiben.

Langsameres Wachstum, politische Veränderungen und überhöhte Lagerbestände haben den anfänglichen Enthusiasmus gedämpft, aber sie haben auch die Bewertungen und Erwartungen auf ein realistischeres Niveau zurückgesetzt.

Anstatt sich auf die Verkaufszahlen von Elektroautos zu konzentrieren, sind wir der Meinung, dass der größte Wert in den Unternehmen liegt, die die Elektrifizierung ermöglichen, wie z. B. Batteriehersteller, Halbleiterproduzenten und Rohstofflieferanten, bei denen technologische Innovation und strategische Positionierung immer noch zu attraktiven Renditen führen können.

 

Craig Cameron, CFA Portfolio Manager/ Research Analyst Templeton Global Equity Group

Berlin
Aserbaidschanisches Modell der religiösen Toleranz stößt in Berlin auf großes Interesse

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Unter dem Titel „Einheit in Vielfalt: Interreligiöse Stimmen aus Aserbaidschan im Gespräch“ fand am 25. Juni 2025 im Aserbaidschanischen Kulturzentrum in Berlin eine bedeutende Veranstaltung statt, die ein starkes Zeichen für religiöse Toleranz, kulturelle Vielfalt und interreligiöses Miteinander setzte. Veranstalter waren die Botschaft der Republik Aserbaidschan in Deutschland und das Staatliche Komitee für religiöse Vereinigungen.

Hochrangige Vertreter des Auswärtigen Amts und anderer Bundesministerien, ausländische Botschafter, Religionsführer, Journalisten sowie Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Kultur waren anwesend – ein breites Spektrum der deutschen Gesellschaft, das die Wichtigkeit und Aktualität des Themas widerspiegelt.

Aserbaidschans Botschafter in Berlin, Nasimi Aghayev, eröffnete die Veranstaltung mit eindringlichen Worten: „Diese Veranstaltung verkörpert genau das, was unsere Zeit so dringend braucht: Dialog, gegenseitiger Respekt und ein echtes Miteinander über Grenzen hinweg.“

Er hob hervor, dass Aserbaidschan ein Land sei, in dem „Vielfalt nicht verwaltet, sondern gelebt wird. Wo Schiiten und Sunniten gemeinsam beten. Wo jüdische Gemeinden geschützt und geachtet sind. Wo Christen Teil des gesellschaftlichen Lebens sind – nicht am Rand, sondern mittendrin.“

Ramin Mammadov, Vorsitzender des Staatlichen Komitees, unterstrich in seiner Rede die aktive Rolle des Staates beim Schutz religiöser Freiheiten und der Förderung eines gelebten Multikulturalismus – ein Ansatz, der durch konkrete politische Maßnahmen und gesellschaftliches Engagement gestützt wird.

Der bekannte Rabbiner Abraham Cooper, stellvertretender Dekan des Simon Wiesenthal Centers (USA), sprach von Aserbaidschan als einem „Modell für religiöse Toleranz“ und betonte die Wichtigkeit, diese Realität auch international bekannter zu machen.

In einem anschließenden Podiumsgespräch berichteten führende Vertreter der muslimischen, jüdischen und christlichen Gemeinschaften aus Aserbaidschan über das friedliche Zusammenleben und das gegenseitige Vertrauen in ihrer Heimat. Sie alle bestätigten: Aserbaidschans Modell religiöser Koexistenz ist kein Ideal – es ist Alltag.

Ein kultureller Höhepunkt war das Konzert des AJAM-Quartetts – ein Ensemble aus muslimischen, jüdischen und christlichen Musikern –, das den Geist der Einheit musikalisch zum Ausdruck brachte.

Auch im politischen Berlin setzte die Delegation starke Impulse: In Gesprächen mit Armin Laschet, dem Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses des Deutschen Bundestages, weiteren Mitgliedern des Bundestages sowie mit dem Beauftragten der Bundesregierung für Religions- und Weltanschauungsfreiheit, Thomas Rachel, wurde das Thema interreligiöser Dialog auf höchster Ebene diskutiert.

Im Rahmen ihres Besuchs besuchte die Delegation das Haus der Wannsee-Konferenz sowie das Denkmal für die ermordeten Juden Europas im Herzen Berlins. Darüber hinaus traf sie mit Daniel Botmann, dem Exekutivdirektor des Zentralrats der Juden in Deutschland, und Abdassamad El-Yazidi, dem Generalsekretär des Zentralrats der Muslime in Deutschland, zusammen.

Die Delegation führte auch Gespräche mit Vertretern der Syrisch-Orthodoxen Kirche, besuchte die Şehitlik-Moschee sowie die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Diese Begegnungen unterstrichen das gemeinsame Engagement für religiösen Dialog, gegenseitigen Respekt und ein friedliches Miteinander der Glaubensgemeinschaften.

Die Veranstaltung und der Besuch in Berlin waren ein klares Bekenntnis zur Kraft des Miteinanders in einer Zeit wachsender Spaltung. Aserbaidschan hat gezeigt, dass religiöse und ethnische Vielfalt keine Schwäche, sondern eine Stärke ist – wenn sie auf Vertrauen, Respekt und gemeinsamen Werten beruht. Wie Botschafter Aghayev es ausdrückte:

„Interreligiöse Harmonie ist keine Utopie – sie kann gelebte Realität sein. In Baku, in Berlin und überall dort, wo Menschen sich entscheiden, Brücken zu bauen statt Mauern.“

Ende von USAID
Globale Versorgung mit therapeutischer Nahrung für Kinder vor dem Kollaps

Mit dem offiziellen Ende der US-Entwicklungsagentur USAID droht die weltweite Versorgung mit gebrauchsfertiger therapeutischer Nahrung zu kollabieren. Millionen unterernährter Kinder weltweit könnten bald keine lebensrettende Behandlung mehr erhalten, warnt die Hilfsorganisation Aktion gegen den Hunger. Bereits in 18 Ländern werden drohende Engpässe gemeldet. Gebrauchsfertige therapeutische Nahrung (RUTF) ist seit über 20 Jahren ein zentraler Baustein in der Behandlung schwerer akuter Mangelernährung. Die Therapie erzielt Genesungsraten von über 90 Prozent und kann ein Kind in nur 6 Wochen aus einer lebensbedrohlichen Krise retten. Aktuell sind jedoch rund 18 Länder weltweit von akutem RUTF-Mangel betroffen. Seit USAID die Finanzierung stoppte, wurden rund 90 Prozent aller damit verbundenen Verträge beendet. Produktionsaufträge bleiben aus, Lieferketten stocken. „Wir erleben den Zusammenbruch eines Systems, das über Jahrzehnte Millionen Kinderleben gerettet hat“, sagt Jan Sebastian Friedrich-Rust, Geschäftsführer von Aktion gegen den Hunger.
„Heute steht all dies auf dem Spiel. Unsere Welt hat enorme Fortschritte bei der Reduzierung der Kindersterblichkeit erzielt. Wenn die politischen Akteure jetzt nicht rasch handeln und die Mittelkürzungen rückgängig machen, droht quasi über Nacht ein Rückschritt um 30 Jahre.“
Versorgungsengpässe treffen zuerst die Schwächsten
Länder wie Südsudan, Äthiopien und Nigeria – ohnehin belastet durch Konflikte, Vertreibung und Klimaschocks – zählen zu den ersten, die von ausbleibenden RUTF-Lieferungen betroffen sind. Bereits jetzt sind Vorräte erschöpft oder stehen kurz vor dem Ende. Aufgrund der mehrmonatigen Vorlaufzeit in Produktion und Transport ist eine kurzfristige Erholung kaum möglich. Ohne rechtzeitige Nachschubplanung droht eine massive Versorgungslücke, mit fatalen Folgen für die am stärksten gefährdeten Kinder. Eine am Montag im Fachmagazin The Lancet veröffentlichte Untersuchung warnt vor dramatischen Folgen der US-Kürzungen: Sollte der umfassende Rückzug aus der Entwicklungszusammenarbeit bestehen bleiben, könnten weltweit bis zu 14 Millionen zusätzliche Todesfälle auftreten, darunter etwa 4,5 Millionen Kinder unter fünf Jahren. Da Programme wie die Versorgung mit therapeutischer Nahrung (RUTF) direkt von den Streichungen betroffen sind, gerät auch die Behandlung lebensbedrohlicher Mangelernährung massiv unter Druck.
Erfolge in Gefahr: Jahrzehnte des Fortschritts stehen auf dem Spiel
Dabei zeigen bisherige Fortschritte das enorme Potenzial gezielter Interventionen: Seit der Einführung von RUTF in den 1990er Jahren ist die Überlebensrate betroffener Kinder weltweit dramatisch gestiegen. Parallel ging die jährliche Zahl an Todesfällen von Kindern von 12,9 Millionen (1990) auf 4,8 Millionen (2023) zurück – nicht zuletzt durch verstärkte Investitionen in Ernährung, Prävention und Gesundheitssysteme. Die Engpässe treffen auf ohnehin fragile Gesundheitssysteme. Ernährung und medizinische Versorgung sind eng miteinander verknüpft: Ein unterernährtes Kind mit geschwächtem Immunsystem hat ein bis zu elfmal höheres Sterberisiko. Kürzungen im Gesundheitssektor, etwa bei der Behandlung von Malaria, Tuberkulose oder HIV, verstärken die Wirkungslücke zusätzlich. So entsteht ein tödlicher Kreislauf, in dem vermeidbare Krankheiten wieder zu Todesursachen werden.

Gastkommentar
Gaza: Deutschland hat alle roten Linien überschritten

Ein Gastkommentar von Nabi Yücel

Der inflationäre Gebrauch des Wortes „Antisemitismus“ in Deutschland ist unerträglich geworden und banalisiert zugleich das alltägliche Grauen des Vernichtungskrieges in Gaza. Wo Euphemismen mehr Beachtung geschenkt wird als der andauernden Gewalt selbst, da findet nicht nur Meinungslenkung statt, sondern werden klammheimlich humanitäre, völkerrechtliche Prinzipien über Bord geworfen.

Wer zudem ständig einen gestandenen Staat wie Israel mit einer unter Besatzung stehendem Staat Palästina vergleicht, gibt ein unfreiwillig gutes Bild dafür ab, wie man beim Nahost-Konflikt zunehmend jegliche Aufrichtigkeit im Diskurs erstickt.

Und noch etwas viel mir in den Wochen und Monaten auf: die Kriegsgeilheit, die in Schrift, Bild und Ton (immer noch) etabliert wird, und die vorgegaukelte Faszination darüber, welche Macht und Gewalt der Krieg (noch immer) innehat, um angebliche Sicherheit, Frieden und Demokratie zu schaffen.

Zuletzt konnte man das eindrucksvoll während des Angriffskriegs Israels gegen den Iran beobachten. Deutsche Medien Hand in Hand mit gestandenen Politikern und Politikerinnen sowie Meinungs- und Stimmungsmachern, waren einzig und allein damit beschäftigt, Nebelkerzen zu zünden: eigentlich doch nur Prachtexemplare vom Schlag eines Netanjahus. Von einer Eskalation zwischen Erzfeinden, mangelnder Kooperationsbereitschaft des Iran mit der internationalen Atomenergiebehörde IAEA oder angeblicher Provokation seitens des Irans, davon war ständig die Rede.

Das hatte auch einen ganz bestimmten Grund, zumal die „Begeisterung“ zu Kriegen und Konflikten im Deutschen Lande doch nicht so recht aufkommen wollte, wie man es sich erhofft hatte, um das genozidiale Treiben in Gaza zu decken. Gleich nach dem Angriffskrieg auf den Iran kam z. B. die Bundespressekonferenz zu dem Schluss, dass die kriegerischen Angriffe Israels allen Ernstes als Selbstverteidigung zu bewerten seien. Man stellte einen Zusammenhang zu einer vorherigen Erklärung der IAEA her, in der dem Iran eine mangelhafte Zusammenarbeit mit der Behörde attestiert wurde.

Und jetzt kommst: Selbst wenn der Iran den Atomwaffensperrvertrag komplett aufkündigt hätte, das kann keinen, absolut keinen Einfluss auf die völkerrechtlichen Mechanismen haben, die über Krieg und Frieden entscheiden.

Etwaige Verletzungen des Atomwaffensperrvertrages und den damit verbundenen Verpflichtungen eröffnen in keiner Weise irgendwelchen Drittstaaten das Recht auf unmittelbare kriegerische Intervention. Das Gewaltmonopol liegt einzig und ausschließlich beim UN-Sicherheitsrat – außer im Falle des Rechts auf Selbstverteidigung nach Art. 51 der UN-Charta. Und dieses liegt hier eindeutig auf der Seite des Iran. Israel hatte einen illegalen Angriffskrieg begonnen. Man kann über diese surreale, geradezu absurde Täter-Opfer-Umkehr nur noch den Kopf schütteln.

Weite Teile der Welt sind geprägt von einem historisch gewachsenem Gerechtigkeitsempfinden und Nationalstolz. Erstere hatte doch bis zuletzt Deutschland in die Welt getragen, in dem sie z. B. der Türkei die Prinzipien des humanitären Völkerrechts einhämmerte, von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit faselte. Und nun? Jetzt schwingt die Türkei den Finger gen Berlin und ruft die Bundesregierung dazu auf, sich an das Völkerrecht zu halten – und nicht nur sie, sondern der gesamte globale Süden sowie vereinzelte EU-Staaten.

Letzterer, der Nationalstolz, ist ebenfalls historisch begründet. So wie der Iran oder die Türkei, die aus sich heraus gewachsen sind. Anders als hierzulande zu erwarten wäre oder von Meinungsmachern euphorisch prophezeit wurde, wird eine direkte Einmischung in innere Angelegenheiten, ob diplomatisch, aus dem Untergrund oder kriegerisch, von der Bevölkerung vollumfänglich anders interpretiert, als man gemeinhin annimmt. Diese Einmischung trifft sie über Konfessionen, Abstammung und Status hinweg in ihrem Nationalstolz und führt dazu, dass sie sich trotz aller demokratischen oder ökonomischen Defizite reflexartig in den Verteidigungsmodus versetzen.

Der Schah-Sohn Reza Pahlavi, die vielen Exil-Iraner, die während ihrer Independence-Aufmärsche auf New Yorker oder Berliner Straßen die heimischen Iraner in ihrer Erwartungshaltung voller Vorfreude aufforderten, sich doch gegen die Mullahs zu erheben, konnten von mir daher nur ein müdes Lächeln entlocken. Hat man denn von der Geschichte überhaupt nichts gelernt?

Aber kommen wir zum eigentlichen Krieg, dem Vernichtungskrieg in Gaza. Krieg ist manchmal gerechtfertigt, vor allem wenn man sich auf das Recht der Selbstverteidigung beruft. Das heißt aber vereinfacht gesagt nicht, dass ich einem Menschen das Leben aushauchen darf, ihm eine anständige Bestattung verwehre, danach in sein Haus steige, es bis auf die Grundmauern niederbrenne, sein Hab und Gut zerstöre und dabei seine ganze Sippschaft samt Nachbarn und Getier durch die Manage treibe und einzeln töte. Genau das passiert in Gaza, und es soll noch weiter gegangen werden, was die Menschheit nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr für möglich gehalten hätte. Aber das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange…

Im israelischen Fernsehen – genauer beim regierungsnahen Sender „Channel 14“ – forderte der Moderator Elad Barashi wortwörtlich den Einsatz von Gaskammern und rief dazu auf, in Gaza eine „Shoa“, einen „Holocaust“ zu verüben. Und das in einer Zeit, in der der Gaza-Krieg in Israel weiterhin eine überwältigende Zustimmung findet. Es ist beileibe nicht die einzige Stimme in Israel, sondern eines von sehr vielen Stimmen, die Gaza entvölkert sehen, den Iran in die Steinzeit gebombt und als nächstes anvisieren, die Türkei als größte Gefahr für Großirael, ausschalten wollen, weil es so in der Tanach prophezeit werde.  Aber zunächst widmet man sich den Palästinensern, weil die gewaltig stören.

Gegenwärtig werden die ausgehungerten Palästinenser aus einem Gaza-Ghetto über die Trümmerberge in die nächste beordert, damit sie nach stundenlangem Warten in Metallkäfigen dann wieder herausgetrieben und niedergeschossen werden. Diese Gut-Böse Einordnung hat also fatale Ausmaße angenommen, vor allem weil uns die Mainstream-Medien bislang ständig versichert haben, dass unter jedem einzelnen getroffenen Haus, Krankenhaus, Zeltlazarett, Moschee, Kirche, Flüchtlingslager oder Latrine im Gazastreifen ein Hauptquartier der Hamas untergebracht sei.

Was man angesichts der apokalyptischen Zerstörung im Gazastreifen seit langem befürchtet hat – nämlich dass die Todeszahlen deutlich höher sein dürften, als die bislang namentlich erfassten 60.000, scheint uns jedoch eines Besseren zu belehren. Eine via Harvard Dataverse veröffentlichte Studie eines israelischen Professors (Yaakov Garb), die u. a. auf der Analyse von Daten der IDF basiert, kommt auf aktuell 1,85 Millionen Menschen im Gazastreifen – 377.000 weniger, als vor dem „Krieg“. Sprich, eine Bevölkerung in der Größenordnung der Stadt Wuppertal wurde pulverisiert, eingeäschert, in Stücke gerissen oder unter Trümmerbergen lebendig begraben.

Hierzulande schreien die hiesigen Kriegstreiber, die gleichgesinnte Kameraden um sich scharen wollen, um in einer Fankurve den Krieg zwischen Gut und Böse gemeinsam zu bejubeln, immer noch „Hamas… Hamas!“. Da schimmert bei diesem Typhus von Mensch wohl ein bisschen der postrheumatische „saubere Wehrmachtssoldat“ durch, der sich nach Heldentum sehnt.

Die eigentlichen Helden, die werden erschossen, weggebombt oder während einer Cafepause getötet, weil sie über diese vorherrschenden Zustände berichten wollten. Wie jüngst, als das Al-Baqa Café in Gaza bombardiert wurde, in der 24 Palästinenser, darunter Journalisten und Aktivisten, eine Pause eingelegt hatten. Laut Reporter ohne Grenzen (RSF) beklagt man seit dem 7. Oktober 2023 allein in Gaza fast 200 getötete Medienschaffende. Die meisten von ihnen kamen bei Angriffen des israelischen Militärs ums Leben. 45 von ihnen wurden im Zusammenhang mit ihrer Arbeit gezielt getötet. Kein anderes Land seit der Gründung der Vereinten Nationen, kann so viele Strichmännchen aufweisen.

Israel hat alle roten Linien überschritten, Deutschland hat dafür auch ihre eigenen roten Linien geopfert. Sollte sich in Deutschland jemals ein Politiker oder Politiker, ein Experte oder Expertin sich auch nur abfällig über die mutmaßlichen Zustände in der Türkei äußern, sollte jeder Türkischstämmiger entgegnen, dass man sich jegliche demokratisch-rechtstaatlichen und moralischen Belehrungen verbittet, weil man ja der Komplizenschaft und Beihilfe bei einem mutmaßlichen Genozid, ethnischer Säuberung und der Aufrechterhaltung eines Apartheidsregimes schuldig gemacht hat.

 
Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.

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