Xinjiang
China: Festnahmen wegen türkischer TV-Serien

Ürümqi – In der nordwestchinesischen Autonomieregion Xinjiang wurde ein Sänger aus der Stadt Ghulja (auf Chinesisch, Yining) festgenommen, weil er sich eine türkische Fernsehserie angesehen habe. Der Musiker Subhi Mevlan sei bereits Anfang März festgenommen worden, nachdem Behörden bei ihm zu Hause eine Kopie der historischen Serie „Das osmanische Imperium – Harem: Der Weg zur Macht“ gefunden hatten, berichtet Radio Free Asia (RFA) unter Berufung auf eine namentlich nicht genannter Beamter. „Dutzende“ weitere Menschen seien demnach aus dem selben Grund inhaftiert worden. Ghulja, eine Kreisstadt mit 550.000 Einwohnern, ist der Sitz der Autonomen Präfektur Ili Kazakh (Yili Hasake) und die drittgrößte Stadt der uigurischen Autonomieregion. Mevlan habe sich die Serie, die auf dem Leben des osmanischen Sultans Süleyman des Prächtigen im 16. Jahrhundert basiert, einige Tage vor seiner Verhaftung mit Freunden angesehen. Als einer der Bekannten wegen etwas anderem verhört wurde, habe er gestanden, die Serie in Mevlans Haus gesehen zu haben, was zu einer polizeilichen Durchsuchung geführt habe. Nach Beschlagnahmung der Serie sei der Sänger und seine Mutter Spätnachts in Handschellen abgeführt worden, so die Quelle gegenüber RFA. Auch seine in der Hauptstadt Ürümqi lebende Schwester sei verhaftet und nach Ghulja gebracht worden. Während Mevlans Mutter und Schwester 15 Tage später freigelassen wurden, gaben die Behörden keine Informationen zu seiner Situation, so die Quelle. Sechs Monate nach seiner Festnahme tauchte die Polizei im Haus der Familie auf, um einige von Mevlans Kleidungsstücken mitzunehmen, berichtet RFA weiter.
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Über eine Million Gefangene Laut Menschenrechtsorganisationen halte China eine unglaublich große Zahl von Personen der weitgehend muslimischen Minderheit in über den ganzen Nordosten verstreuten sogenannten Umerziehungslagern gefangen. Über eine Million, mehr als sieben Prozent der muslimischen Bevölkerung in der chinesischen Region Xinjiang, sind nach Experten der Vereinten Nationen jetzt in einem sich erweiternden Netzwerk von „politischen Umerziehungslagern“ eingesperrt. Der volle Umfang des Internierungssystems war lange Zeit deswegen im Dunkel, weil viele Uiguren sich fürchteten auszusagen, so die Tageszeitung Wallstreet Journal. Jetzt erzählen mehr von ihren Erfahrungen, einschließlich von sechs früheren Häftlingen, die das Journal interviewt hat; sie beschrieben, wie sie oder andere Gefangene an Stühle gebunden wurden oder kein adäquates Essen erhielten. China Cables“ In im vergangen November von der US-Tageszeitung New York Times veröffentlichten Regierungspapieren befiehlt Chinas Staatspräsident Xi Jinping dem Parteiapparat, „ohne Gnade“ in Xinjiang vorzugehen.

Wie Handelsblatt berichtet, hatte ein anonymes Mitglied der chinesischen politischen Elite die Dokumente an die amerikanische Zeitung weitergereicht. Es handele sich nach Einschätzung der New York Times um eines der „bedeutendsten Leaks von Regierungspapieren aus der Kommunistischen Partei Chinas seit Jahrzehnten“, berichtet Handelsblatt weiter.

Der Leak impliziere über Pekings Maßnahmen gegen die Uiguren eine „größere Unzufriedenheit im Parteiapparat als bisher bekannt war“. Die 24 Dokumente auf insgesamt 403 Seiten enthalten Anleitungen zur Überwachung der uigurischen Bevölkerung in Xinjiang, sowie Ansprachen des chinesischen Staats- und Parteichefs. Viele Beamte sähen die derzeitige Vorgehensweise in Xinjiang kritisch, so das Handelsblatt. Im Jahr 2017 sei gegen mehr als 12.000 Parteimitglieder intern ermittelt worden, weil sie im „Kampf gegen den Separatismus“ Fehler begangen hätten. Das war 20-mal häufiger als in den Jahren zuvor.

Für die Inhaftierung von Berichten zufolge mehreren Millionen Uiguren in Internierungslagern wird Peking international scharf verurteilt. Das kommunistische Regime weist alle Vorwürfe zurück und bezeichnet die Lager als „Berufsbildungszentren“ zur Bekämpfung von Extremismus.

Muslimische Staaten ungewohnt ruhig In einem Interview mit Bloomberg Television, sagte der ehemalige Premierminister Malaysias Anwar Ibrahim, dass sich muslimische Regierungen „vor China fürchten“ und aus diesem Grund zu den Repressalien Pekings gegen muslimische Chinesen und den sogenannten Umerziehungslagern schwiegen. „Sie haben Angst. Niemand will etwas sagen“, so Anwar in dem  Gespräch mit Bloombergs  Sophie Kamaruddin. Anwars Äußerungen gehören zu den bisher schärfsten eines führenden Politikers in der islamischen Welt, der die Misshandlungen der muslimischen Minderheiten in China verurteilt. Tatsächlich halten sich Regierung muslimischer Länder zu der Situation der Muslime in China mit Kritik zurück, obwohl in den USA und Europa immer mehr Forderungen an China gerichtet werden, die Menschenrechtsverletzungen zu stoppen. Selbst die Türkei, die sich in der Vergangenheit für etwa die turksprachige Minderheit der Uiguren laut machte, bleibt ungewohnt ruhig. Wirtschaftliche Gründe Das zweisprachige malaysische Nachrichtenportal Free Malaysia Today sieht dafür wirtschaftliche Gründe. China sei eines der größten Wirtschaftspartner vieler muslimischer Länder. Kuala Lumpur habe eine starke Haltung gegenüber Peking eingenommen und vor einer „neuen Version des Kolonialismus“ gewarnt, während Malaysia zudem „Milliardenprojekte annulliert“ habe, die von chinesischen Staatsbetrieben unterstützt würden.    

Corona-Pandemie
Türkei: Erdogan kündigt strengere Corona-Maßnahmen an

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Ankara – Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan kündigte am Dienstag nach einer Kabinettssitzung wieder strengere Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus an. Unter anderem bleiben die Schulen bis zum 31.12.2020 geschlossen. Der Unterricht soll online weitergehen. Erdogan kündigte zudem landesweite Ausgangsbeschränkungen für die Wochenenden an. Sie gelten zwischen 20:00 Uhr abends bis 10:00 Uhr morgens. Für über 65- und unter 20-Jährige werde es darüber hinaus eine tägliche Ausgangssperre zwischen 16 Uhr und 10 Uhr morgens geben. Die täglichen Öffnungszeiten von Restaurants, Lebensmittelgeschäften, Einkaufszentren und Friseursalons sollen von 10 bis 20 Uhr begrenzt werden. Restaurants und Cafés dürfen nur noch Lieferdienste anbieten. Kinos werden bis Ende des Jahres geschlossen. Erdogan begründete die Verschärfungen mit einem „ernsthaften“ Anstieg der Fallzahlen“ in mehreren Städten wie der Millionenmetropole Istanbul. Da die täglichen Ansteckungszahlen in den letzten Wochen sprunghaft angestiegen war, empfahl der beratende Wissenschaftsrat der Türkei der Regierung Maßnahmen zu ergreifen, um die Ausbreitung von COVID-19 zu verlangsamen. Bis Dienstag wurden in der Türkei insgesamt 11.704 Todesfälle durch das Coronavirus registriert, 359.063 Menschen haben sich von der Krankheit erholt. Gegenwärtig gibt es 421.413 bestätigte Fälle im Land.  

Kommentar
„Pro-armenische Berichterstattung schürt Anti-türkische Ressentiments“

Ein Gastbeitrag von Kemal Bölge – kboelge@web.de In den deutschen Mainstream-Medien wird seit dem Waffenstillstandsvertrag vom 10. November zwischen Russland, Armenien und Aserbaidschan über die armenische Bevölkerung berichtet, die bestimmte Regionen Bergkarabachs gemäß dem Vertrag räumen müssen. Es sind Bilder von brennenden Ortschaften, Gebäuden und Häusern, die die Armenier verlassen und dabei auch die umliegenden Bäume als auch Holzstrommasten abholzen. So berichtete die Bild-Zeitung am 16. November („Der letzte zündet alles an“) über die Ortschaft Kelbadschar, die außerhalb von Bergkarabach liegt. Was dabei bewusst nicht erwähnt wird: Diese Siedlungen, Gebäude und Häuser in Kelbadschar, die von den Armeniern in Bergkarabach angezündet wurden, haben zuvor Aserbaidschanern gehört, die aus diesen Gebieten von der armenischen Armee in den 90er-Jahren systematisch vertrieben wurden. Eine kleine Recherche der Bild-Redaktion zu den gewaltsamen Vertreibungen von über einer Million aserbaidschanischen Zivilisten hätte genügt. In dem Bild-Artikel wird weder erwähnt, dass Armenien der Aggressor des Krieges in Bergkarabach ist und diese Region völkerrechtswidrig 30 Jahre besetzt gehalten hat noch ist es dieser Zeitung einen Satz Wert auf die Zehntausenden Opfer der armenischen Massaker in Karabach einzugehen. Ist es so schwer, auf die Schicksale dieser getöteten Menschen hinzuweisen? Warum kommen die über eine Million vertriebenen Aserbaidschaner in dem Bericht nicht vor? Unter welchen Bedingungen haben diese Menschen in den letzten 30 Jahren in Aserbaidschan gelebt? Zumindest erwähnt die Bild-Zeitung, dass diese Gebiete in den 90er-Jahren von den Armeniern erobert und die mehrheitlich aserbaidschanische Bevölkerung vertrieben wurden. Nach Ansicht der Bild würde der Status von Bergkarabach weiter „ungeklärt“ bleiben, was so nicht richtig ist, weil es völkerrechtlich zu Aserbaidschan gehört. Geschickt werden die Armenier von den Medien wieder zu Opfern stilisiert, obwohl sie das nie waren. Zu den verwendeten Metaphern der Medien hatte ich in Nex24 News am 17. Oktober einen Beitrag verfasst. Die pro-armenische Berichterstattung der deutschen Presse war von Anbeginn des Bergkarabach-Krieges gegeben. Darüber hinaus wird in dem Artikel der Eindruck erweckt, nach der Räumung der besetzten aserbaidschanischen Gebiete würden in den Ortschaften türkische Zivilisten aus der Türkei sich dort niederlassen. Dass dem nicht so ist und dort sich die vertriebenen Aserbaidschaner wieder ansiedeln, weiß die Zeitung mit Sicherheit, aber der Beitrag versucht mit Sätzen wie „mit einer von der Türkei gestützten Offensive“ oder „Den Türken lassen wir hier nichts“ Anti-türkische Ressentiments zu schüren.
Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.

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– Bergkarabach-Konflikt – Medien: Deutsch-Aserbaidschaner kritisieren „einseitige Berichterstattung“

Medien: Deutsch-Aserbaidschaner kritisieren „einseitige Berichterstattung“

Bergkarabach-Konflikt
Berkarabach: „Armenier verbrennen auch Wälder“

Ein Gastbeitrag von Anar Abasov – Historiker Unmittelbar vor der Corona-Krise war das Thema Umweltschutz und Klimakrise in aller Munde. Diese Themen sind von den politischen Tagesordnungen einiger EU-Länder mittlerweile kaum wegzudenken; man könnte meinen, dass sie mitunter “sakralen” Charakter tragen. In den vielen politischen Debatten geht es eigentlich darum, wie das wirtschaftliche Wirken des Menschen im Zeitalter des Anthropozän so weit wie möglich eingedämmt werden kann, sodass unser Planet wenigstens bis Ende des Jahrhunderts halbwegs bewohnbar bleibt. Doch wie stehen eigentlich die UNO, EU und NGOs wie Greenpeace dazu, dass eine Konfliktpartei in einem Krieg fahrlässige Umweltzerstörungen als eine Art Kriegswaffe benutzt? Denn genau das wurde und wird von den Armeniern während und nach dem aktuellen Berg-Karabach-Krieg praktiziert. Die folgende kurze Darstellung skizziert die Praxis der Waldverbrennungen durch das armenische Militär während und durch die armenische Zivilbevölkerung nach dem Berg- Karabach-Konflikt 2020. Es wird ausdrücklich betont, dass eine politische Instrumentalisierung von Umweltfragen keineswegs die Zielsetzung dieses Artikels ist. Zum Hintergrund: Seit dem 27. September 2020 tobte Krieg in der Südkaukasusregion Berg-Karabach, die völkerrechtlich zu Aserbaidschan gehört, jedoch seit den frühen 90ern von Armenien völkerrechtswidrig besetzt gehalten wurde. Der aktuelle Krieg dauerte bis 10. November 2020. Nachdem Aserbaidschan mehrere Gebiete (u.a. die altehrwürdige Festungsstadt Schuscha/Şuşa – die einzig wahre Hauptstadt Berg-Karabachs und Perle einzigartiger aserbaidschanischer Kultur) zurückerobern konnte, wurde ein Waffenstillstand zwischen Aserbaidschan und Armenien ausgehandelt. Er sieht vor, dass die Okkupationskräfte Armeniens Berg-Karabach und sieben umliegende aserbaidschanische Provinzen bis 1. Dezember 2020 verlassen müssen. Es ist nicht vorgesehen, dass die armenische Zivilbevölkerung diese Gebiete ebenfalls verlassen muss. Die Armenier ziehen aber trotzdem fort, weil es für sie über die Grenzen des Vorstellbaren hinaus zu gehen scheint, mit Aserbaidschanern in Karabach friedlich zu koexistieren. Und beim Verlassen ehemals okkupierter aserbaidschanischer Gebiete machen die Armenier genau das, was in den deutschen Medien gut und gern als “Hinterlassen verbrannter Erde” bezeichnet wird: sie fackeln so ziemlich alles ab (selbst ihre eigene Häuser), um den Aserbaidschanern verbrannte Erde zu hinterlassen, wobei von “verbrannter Erde” im eigentlichen Sinne keine Rede mehr sein kann: der Krieg ist ja zu Ende und das Abfackeln der umliegenden Waldstücke vor den (nicht mehr vorrückenden) aserbaidschanischen Militäreinheiten kann nicht mehr als “Kriegstaktik” verstanden werden und deswegen auch nicht mehr nötig.
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Und trotzdem leidet die Natur Berg-Karabachs, insbesondere die wundervollen Wälder: In dem Zeitraum um den 13. und 14. November brannten einzelne Waldstücke in der aserbaidschanischen Provinz Kälbädschär (Kəlbəcər), die ursprünglich hätte bis 15. November 2020 Aserbaidschan übergeben werden müssen. Am 15. November wurde Aserbaidschan jedoch von der armenischen Regierung über Russland gebeten, die Frist der Evakuierung aus humanitären Gründen bis 25. November 2020 zu verlängern, worauf Aserbaidschan aus ebendiesen Gründen einging (zum Vergleich: als armenische Freischärler die Provinz 1993 einnahmen, wurde der aserbaidschanischen Zivilbevölkerung lediglich 10 Stunden Zeit gegeben, die Gegend zu verlassen. Viele Menschen, die meisten von ihnen Frauen und Kinder, welche mitunter barfuß (!) flüchten mussten, erfroren unterwegs oder wurden von den Armeniern als Geiseln verschleppt). Zwangsläufig stellt sich hier dem Betrachter die Frage, aus welchen “humanitären Gründen” die Armenier eine Fristverlängerung brauchen, wenn die aus Kəlbəcər zu evakuierenden armenische Zivilisten erst einmal damit beschäftigt sind, Waldstücke zu vernichten. Die Praxis der Waldverbrennungen war von den Armeniern während des 2020 ausgebrochenen Krieges auch als Kriegstaktik praktiziert. Hiervon waren insbesondere die um die strategisch immens wichtige Stadt Schuscha (Şuşa) gelegenen Wälder betroffen, die von Armeniern in Brand gesteckt wurden, um den aserbaidschanischen Drohnen die Sicht zu versperren. Allerdings wurde die Stadt von aserbaidschanischen Spezialeinheiten angegriffen und im Sturm erobert, als es klar war, dass die Anwendung von Drohnen aufgrund des dichten Nebels gar nicht mehr vonnöten sein würde. Von fahrlässiger Vernichtung der Wälder um Şuşa zeugt auch die Tatsache, dass sie von den Armeniern selbst dann in Brand gesteckt wurden, als sich ihre Einheiten bereits auf dem Rückzug befanden. Der weiße Rauch, der stets auf Videos und Fotos zu sehen ist, deutet darauf hin, dass dabei der äußerst umweltschädliche Stoff Phosphor verwendet wurde. Das Schicksal der Vernichtung ereilte auch die Wälder in der Provinz Gubadly (Qubadlı), die seit Ende Oktober 2020 von der armenischen Okkupation befreit und wieder unter aserbaidschanischer Kontrolle befindet. Auf einem berühmt gewordenen Foto des Fotografen Reza sind Spuren der Abholzung zu sehen, die in einem ehemaligen Nationalpark (!) stattfanden. Die einzigartigen Baumstämme wurden einfach als Brennholz abgeholzt und nach Armenien transportiert. Laut dem Waffenstillstandsvertrag von 10. November 2020 sollen bis Dezember 2020 weitere Provinzen wie Aghdam (Ağdam) und Latschin (Laçın) von Armeniern an Aserbaidschan übergeben werden. Was sich die Armenier auf ihrem “humanitären” Rückzug aus diesen Gebieten einfallen lassen werden, wie internationale Organe darauf reagieren werden bzw. mit welchen Lösungen Aserbaidschan solche barbarischen Akte der ehemaligen Okkupanten entgegnen wird, bleibt abzuwarten.
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.

Zum Thema

– Bergkarabach-Konflikt – Dr. Farhad Jafarli: Armenien hat die Goldvorräte Bergkarabachs geplündert

Dr. Jafarli: Vor kurzem wurden die besetzten Gebiete Vejnali und Kalbajar von aserbaidschanischen Streitkräften befreit Es wurde festgestellt und anschließend dokumentiert, dass die Goldvorkommen ausgeplündert sind. Nach offiziellen Angaben der Republik Aserbaidschan wurde aufgedeckt, dass auch Schweizer Luxusuhrenhersteller Frank Müller in illegale Exploration von Gold in Bergkarabach involviert war.

Dr. Farhad Jafarli: Armenien hat die Goldvorräte Bergkarabachs geplündert

Terrorismus
Türkei: Spezialeinheiten gelingt Schlag gegen PKK-Führung

Ankara – Bei Anti-Terror-Operationen der türkischen Armee wurden in der osttürkischen Region Tunceli am 10. November zwei PKK-Terroristen außer Gefecht gesetzt. Wie das türkische Innenministerium in Ankara mitteilte, waren an der Operation Blitz 4 (Yıldırım 4) Spezialeinheiten der Gendarmerie (JÖH) beteiligt. Bei einem der außer Gefecht gesetzten Terroristen handelt es sich um Ismail Sürgeç, einer der meistgesuchten PKK-Terroristen in der Region Tunceli. Sürgeç soll für die Planung und Ausführung von verschiedenen Terroranschlägen, bei denen mindestens vier türkische Soldaten getötet wurden, verantwortlich sein. Die von den USA, der Türkei und der EU als Terrororganisation eingestufte PKK nahm im Juli 2015 ihren 30-jährigen bewaffneten Kampf gegen den türkischen Staat wieder auf. Seitdem sind Tausende Menschen bei PKK-Anschlägen in der Türkei gestorben. Der ehemalige deutsche Bundesaußenminister Sigmar Gabriel hatte im Juli vergangenen Jahres Fehler Deutschlands bei der Bekämpfung der Propaganda der Terrororganisation PKK eingeräumt.

Corona-Pandemie
Fast 74.000 Schüler in NRW in Quarantäne

Essen – Die Zahl der von Quarantänemaßnahmen betroffenen Schulen in NRW ist in den vergangenen Tagen weiter gestiegen. Inzwischen können nur noch 80,9 Prozent aller Schulen „regulären Präsenzunterricht für alle Klassen“ anbieten, erfuhr die Westdeutsche Allgemeine Zeitung am Montag vom NRW-Schulministerium. Die Daten zum Infektionsgeschehen an Schulen werden mittwochs abgefragt. Stichtag für die jüngsten Daten ist der 11. November. Am 4. November gab es noch an 87,5 Prozent der Schulen regulären Präsenzunterricht in allen Klassen. Auch die Zahl der Schüler, die sich in Quarantäne befinden, ist erneut deutlich angestiegen, von 50.152 auf 73.836. Dem Schulministerium zufolge sind 19 Schulen geschlossen. 95,2 Prozent der Schüler in NRW können am Präsenzunterricht teilnehmen. Zum Stichtag 11. November lag der Anteil der Lehrkräfte, deren Einsatz im Präsenzunterricht nicht durch die Pandemie verhindert wird, bei 93,3 Prozent. Laut Schulministerium befinden sich drei Prozent der Lehrer (4.702) in Quarantäne, bei 0,5 Prozent der Lehrkräfte (735) wurde eine Corona-Infektion bestätigt.

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– Corona-Krise – Corona-Maßnahmen: NRW erlaubt Distanzunterricht

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer zeigt sich offen für die Einführung des Wechselunterrichts an Schulen.

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15. November 1983
37 Jahre: Nordzypern feiert Gründung

Lefkoşa – Heute vor 37 Jahren, am 15. November 1983, proklamierte das zyperntürkische Parlament des türkischen Bundesstaates Zypern (Kıbrıs Türk Federe Devleti) die Türkische Republik Nordzypern (Kuzey Kıbrıs Türk Cumhuriyeti). Die Ausrufung war die Antwort auf ergebnislose Verhandlungen mit der zyperngriechischen Administration über die Zukunft der Insel, die unter Vermittlung der Vereinten Nationen (UN) erfolgte. Trotz der gescheiterten Verhandlungen und der Ablehnung des Annan-Plans durch die zyperngriechische Bevölkerung, wurde der Südteil des Eilands 2004 Mitglied der EU. Zum Präsidenten der Türkischen Republik Nordzypern wurde damals der Jurist Rauf Denktaş gewählt, ein charismatischer Politiker, der bis 2005 die Geschicke des Landes bestimmte. Zypern wurde 1974 geteilt, nachdem Griechenland einen Militärputsch durchgeführt und die Türkei als Garantiemacht interveniert hatte. Die türkische Regierung hatte unter Premierminister Bülent Ecevit entschieden, am 20. Juli 1974 türkische Truppen auf die Insel zu entsenden, um eine ethnische Säuberung durch die nationalistische Regierung zu verhindern, die infolge eines von Griechenland unterstützten Putsches gegen den zyprischen Präsidenten, Erzbischof Makarios, an die Macht gekommen war. Die Putschisten strebten damals den Anschluss der gesamten Insel an das ebenfalls von einer Militärjunta regierte Griechenland an.

Bereits in den Jahren vor dieser Entwicklung hatte es vielfach Übergriffe und Pogrome gegen die türkische Bevölkerung auf Zypern gegeben. Die unter dem Namen „Operation Atilla“ durchgeführte Militäraktion führte in weiterer Folge zum Ende der Militärdiktatur in Griechenland, die türkischen Truppen blieben dennoch auf Nordzypern stationiert und 1983 erklärte der dort entstandene De-facto-Staat unter dem bis 2005 regierenden Langzeitpräsidenten Rauf Denktaş seine Unabhängigkeit. In den letzten Jahren gab es mehrere Versuche, die Insel zu einigen, 2004 scheiterte jedoch ein Referendum zur Wiedervereinigung an einer „Nein“-Mehrheit im griechischen Teil.

Bergkarabach-Konflikt
Deutsch-Aserbaidschaner verurteilen deutsche Berichterstattung

Viele Deutsch-Aserbaidschaner kritisieren die aus ihrer Sicht einseitige und fehlerhafte Berichterstattung der deutschen Medien über den Konflikt in Bergkarabach. In einem offenen Brief hat ein Dachverband (IRKAZ e.V.) in Köln das Nachrichtenmagazin Spiegel scharf verurteilt. Der offene Brief im Wortlaut:  Hallo Herr Esch, Als Dachverband aller in Deutschland tätigen aserbaidschanischen Gemeindeorganisationen richtet der Vorstand des Internationalen Religions- und Kulturakademischen Zentrums (IRKAZ e.V.) in Köln gemeinsam mit der Onlineplattform „Alumniportal Aserbaidschan“ dieses Schreiben an Sie, als Leiter des Spiegel-Büros in Russland. Mit Beginn kriegerischer Kampfhandlungen zwischen Armenien und Aserbaidschan in der von Armenien besetzten Region Bergkarabach, starteten deutsche Medien ab Ende September 2020 eine bis dahin beispiellose Hetzkampagne gegen das, wie es immer wieder heißt, „muslimische“ Aserbaidschan. Das Land wurde (und wird immer noch) ausnahmslos als „Aggressor“ dargestellt, der angeblich die „christlichen Armenier“ unterdrücke. Daran schließt sich die bizarre und substanzlose Argumentation der armenischen Hasspropaganda an, Aserbaidschan und die Türkei würden den „Genozid an den Armeniern vor 100 Jahren fortsetzen“, die wiederum von deutschen Mainstream-Medien eifrig mitgetragen wird. Zudem wurden verschiedenartige und völlig irrsinnige Fantasy-Stories konstruiert, um der Öffentlichkeit zu zeigen, Aserbaidschan würde sich auf türkische Initiative hin dem Einsatz syrischer Söldner bedienen und diese für seine militärischen Ziele missbrauchen. An Ignoranz, Hypokrisie und notorischer Einseitigkeit beim Thema Bergkarabach suchen deutsche Mainstream-Journaille ihresgleichen. Warum sind wir dieser Meinung? Wir möchten dies mit folgendem Beispiel verdeutlichen Der zum totalitären Bertelsmann Konzern zählende „Spiegel“, dessen Moskauer-Büro Sie leiten, hat, getreu seinen antiaserbaidschanisch/antitürkischen Richtlinien, in den vergangenen Wochen mehrere Berichte zur Lage im umkämpften Gebiet Bergkarabach veröffentlicht. In dem bisher wohl absurdesten Artikel mit einem schön gefärbten und martialisch formulierten Titel „Ich kann euch alle hier gleich erschießen“, ließen drei brave Journalistenkollegen von ihnen eine Märchengestalt namens „Tareq“ ausgiebig über seine Karabach-Mission erzählen. Doch nicht Tareq, sondern ein Tweet ihrer Mitarbeiterin Frau Tatiana Sutkovaya steht im Mittelpunkt unseres Schreibens (siehe Anhang). Darin bittet sie ihre journalistischen Kollegen*innen, die sich in Armenien befinden, die aufgrund kriegerischer Auseinandersetzungen nach Armenien geflohenen Karabach-Armenier ausfindig zu machen, um diese zu interviewen. Aus diesen „Leidensgeschichten“ soll dann eine Reportage entstehen. Schön und gut. Egal wie und wo, Krieg ist für alle unbeteiligten Zivilisten mit Leid und Schmerz verbunden. Das gilt allerdings nicht nur für armenische, sondern auch für die aserbaidschanische Seite. Und genau an diesem Punkt hakts bei deutschen Medienvertretern. Die in der Nähe des Kriegsschauplatzes lebende aserbaidschanische Zivilbevölkerung waren nämlich die Hauptleidtragenden der eineinhalb Monat andauernden schweren Kämpfe. Insgesamt hatte Aserbaidschan 93 tote Zivilisten und mehr als 400 Verletzte zu beklagen. Fragen, die uns umtreiben: Wo war die gute Frau Sutkovaya, als die vom armenischen Kernland aus abgefeuerten ballistischen Raketen mit ungeheuerer Zerstörungskraft Dutzende unschuldige Zivilisten in der zweigrößten Stadt Aserbaidschans Ganja töteten? Genauso stumm war ihre Redaktion, als armenische Smertsch-Raketen am hellichten Tag in der frontnahen Stadt Barda 21 Zivilisten ermordeten. Aus welchem Grund wollte Frau Sutkovaya mit Aserbaidschanern, die im Lichte tagtäglicher armenischer Raketenangriffe aus Barda und Tartar fliehen mussten, nicht ins Gespräch kommen? Wie erklären Sie diesen Umstand als Leiter des Spiegel-Büros? Das „muslimisch“-aserbaidschanische Leben hat für Sie und für ihr Hetzblatt anscheinend keinen Wert. Sie alle stellen sich bewusst als blind und taub. Dafür gibt es keine andere Erklärung. Nur dieser einzige Fall steht exemplarisch für die propagandistische Grundhaltung der gleichgeschalteten Medien Deutschlands. Ihr Arbeitgeber „Spiegel“ spielt dabei zweifelsfrei eine Vorreiterrolle. Bei ihrer Indoktrination vernachlässigen so gut wie alle Spiegel-Journalisten*innen die vom Deutschen Presserat festgelegten Grundsätze wie Neutralität, Objektivität oder Sachlichkeit. Praktisch allen Leitenden Deutschlands muss man bedauerlicherweise eine ernstzunehmende Dekadenz konstatieren. Tugenden des Qualitätsjournalismus sind Fehlanzeige. Das Land Aserbaidschan und seiner Bürger*innen wurden in den vergangenen Tagen und Wochen zum größten Opfer der medialen Ausschlachtung in Deutschland. Danke für diese maßlose Entfremdung, Ausgrenzung und Diskriminierung! Diesen Umgang werden wir noch lange in Erinnerung behalten. Elkhan Karimli Mirbaghir Aghayev Vorstand des IRKAZ e.V. Große Budengasse 17-25 50667 Köln
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.

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– Bergkarabach-Konflikt – Turkologe Dr. Heß bezeichnet den Spiegel als „auflagengeil“

Heß: „Was für den auflagengeilen, sachliche Faktendarstellung unter reißerisches Storytelling stellenden gegenwärtigen SPIEGEL (ich kenne das Blatt aus Augstein Seniors Zeiten noch ganz anders) zählt, ist eine Schwarz-Weiß-Frosch-Perspektive, mit der er ungeachtet internationaler Rechtsfestlegungen und geschichtlicher Fakten der eigenen Voreingenommenheit applaudieren kann.“

Turkologe Dr. Heß bezeichnet den Spiegel als „auflagengeil“

Kommentar
Bergkarabach: Putin wollte keine Ausdehnung des türkischen Einflussbereichs

Der zweite Waffenstillstand: Frieden für Aserbaidschan? Ein Gastbeitrag von Prof. Dr. Wilfried Fuhrmann I. Keine 24 Stunden vergingen nach der Befreiung von Schuscha bis zum überraschenden zweiten Waffenstillstand im Kampf um Bergkarabach zwischen der Republik Aserbaidschan und der Republik Armenien. Der Waffenstillstandsvertrag, der damit den ersten aus dem Jahre 1994 ablöst, wurde am 9.11.2020 geschlossen und zeitgleich unterschrieben von Aserbaidschans Präsident Ilham Alijew und Armeniens Premierminister Nikol Paschinjan sowie dem Präsidenten der Russischen Föderation Wladimir Putin. Der Präsident der Türkei Recep Tayyip Erdogan gehörte nicht dazu, da der russische Präsident lange zuvor erklärt hatte, dass bei jeder weiteren Partei zuvor beide kaukasischen Republiken zustimmen müssen. Mit dieser Regel hatte Putin de facto die Türkei „ausgesperrt“, denn Armenien würde dem niemals zustimmen. Aber Putin wollte auch keine Ausdehnung des türkischen Einflussbereichs. Dieser Vertragsabschluss erfolgte kurz nach einem aserbaidschanischen Abschuss eines russischen Helikopters mit zwei Insassen, wobei durchaus die Frage nicht ganz abwegig ist, ob da ein Aserbaidschaner in eine Mine getreten oder ob dieses Ereignis mit zu einer Wende führte. Schließlich standen die aserbaidschanischen Truppen zwei Kilometer vor der Stadt Khenkendi (armenisch: Stepanakert) und wohl nur sechs bis zehn Tage vor der vollständigen Befreiung von Bergkarabach. Aber weder Russland noch Armenien wollten eine dann nicht zu verhindernde Untersuchung und Aufarbeitung der Vorgänge in dem Krieg bis zum ersten Waffenstillstand (1994), so daß ein diesbezüglicher Hinweis seitens Aserbaidschans im aufkommenden Siegesrausch möglicherweise auch zur Unzeit kam. Natürlich sind die Beendigung eines Krieges und damit das Stoppen von Tod, Verletzungen und Schmerzen sowie von Flucht und Verwüstungen immer ein niemals zu überschätzender Gewinn für die Menschen und eine humanitäre Welt in der Zukunft. Dieses haben auch alle Präsidenten erklärt. Der armenische Premierminister betonte, mit dem Vertrag rd. 25.000 armenische Soldaten aus aussichtsloser Lage gerettet zu haben. In der Tat haben die Kommandierenden der armenischen Streitkräfte in den besetzten aserbaidschanischen Distrikten sowie in Bergkarabach den Premier auf die hoffnungslose Lage aufmerksam gemacht. Es hätte am Ende Tod oder Kapitulation bedeutet. Eine militärische Kapitulation einer Armeeinheit in einer ausweglosen Lage und ohne Munition ist nicht ehrenrührig. Sie wird aber politisiert und sogar politisch „verboten“, wenn, wie der armenische Premierminister Paschinjan noch am 2.11. in fast führerhafter unverantwortlicher Weise erklärt: „War to the last soldier“ – und nicht nur bis zur letzten Patrone.
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Die Politik des westlich orientierten Paschinjan hat vielfach fanatisiert und damit auch völkisch-chauvinistische Kräfte in Armenien bedient. Die Unruhen bei der Bekanntgabe des Vertragsabschlusses sowie die Forderungen, den Vertrag sofort wieder zu kündigen, waren deshalb vorhersehbar. Auch ein mögliches neues Zusammenleben von Aserbaidschanern und Armeniern in Bergkarabach wurde derart wieder politisch vergiftet. Eine ehrenhafte Kapitulation der eingekesselten Streitkräfte ist aber auch dann nicht zu erwarten, wenn in der Region und in der Einheit noch einflussreiche Personen sind, die schon am grausamen Krieg vor 1994 aktiv teilgenommen hatten. Die schnell veränderte Handlungsweise Armeniens wurde von diesen Überlegungen bestimmt sowie von der Erkenntnis des sog. Präsidenten der faktisch existenden Republik Bergkarabach Arajik Harutjunjan, dass wenn Khenkendi verloren geht, daß die Truppen dann auf einem zu engen Raum zusammengedrängt fallen werden und letztlich dass die sog. Republik Bergkarabach nur noch bei einer unmittelbaren Beendigung der Kriegshandlungen zu retten ist. Dieses haben der armenische Premierminister sowie der russische Präsident erkannt. Damit musste nach dem Fall von Schuscha sehr schnell gehandelt werden. Oder war alles für diesen Zeitpunkt vorbereitet? Der Druck (seitens Russlands aber auch Frankreichs und der EU) auf Aserbaidschan muss sehr stark geworden sein. Da offenbar kein verfassungsrechtliches Hemmnis in Aserbaidschan einem „stark verbesserten“ Waffenstillstand entgegenstand und Aserbaidschan zumeist als Sieger gesehen wird, wurde der Krieg allseitig unmittelbar „angehalten“ und jede Partei verharrt seitdem in ihrer Position für die nächsten 5 Jahre, es sei denn der Vertrag verlängert sich automatisch um weitere fünf Jahre oder wird sechs Monate vor einem Ende von einer Partei aufgekündigt. Die „Wahrung“ der Situation unmittelbar vor der Feuerpause setzt allerdings voraus, dass die Parteien sich gemäß des Geistes und Sinns des Vertrages voll inhaltlich verhalten wollen und auch verhalten. Man kann es hoffen, aber Armenien hat es nach dem ersten Waffenstillstand über 27 Jahre nicht getan. Bei Verstößen müssen Strafen, Sanktionen verhängt werden. Armenien erfährt keinen Totalverlust II. Vom Gebiet Bergkarabach wird der von Aserbaidschan befreite Teil damit abgetrennt. Armenien erfährt so keinen Totalverlust. Der eher nördliche Teil (nördlich von Schuscha), Upper Karabagh ist noch nicht befreit und noch das Territorium der sog. Republik Bergkarabach. Mit diesem Schachzug hat Russland Armenien trotz eines möglichen Vertrages mit der EU-CEPA Vertrages (EU-Comprehensive and Enhanced Partnership Agreements) u.a. im Verteidigungsbündnis OVKS und in der Eurasischen Union weiterhin gebunden. In jedem Falle sollen die im Krieg bis 1993 vertriebenen Aserbaidschaner (die sog. Binnenvertriebenen) ebenso wie die jetzigen armenischen Flüchtlinge unter der Kontrolle des Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (UN) zurückkehren dürfen. Dieses Recht auf Rückkehr hat Armenien den Aserbaidschanern nach der systematischen ethnischen Säuberung bis 1993über 27 Jahre verwehrt. Selbst diesbezüglich hat die Minsk-Gruppe nichts erreicht! Die faktische „Nord-Südteilung“ nach der Befreiung von Schuscha ergibt sich nicht nur aus dem militärischen status quo zum Zeitpunkt der Waffenruhe. Sie kann auch ethnisch verstanden werden. So bestand eine eindeutige Mehrheit der Aserbaidschaner vor 1994 in diesen Gebieten (rd. 19.036 Aserbaidschanern gegenüber 1.377 Armeniern sowie 116 Russen und 50 Anderen bspw. in Schuscha im Jahre 1989). Im nördlicheren Distrikt wie bspw. Chodchali (bzw. Khojaly) lebten 15.623 Armeniern bei 5.123 Aserbaidschanern sowie 47 Russen und 70 Anderen. Mit Chodchali, rd. 20 km entfernt von Stepanakert, verbinden Aserbaidschaner das Chodchali-Massaker, ein tief in das Bewusstsein Aserbaidschans eingebranntes Trauma. Es sieht somit nach einer ethnischen Teilung mit einer möglichen Mehrheit von Armeniern im nördlichen Teil bzw. in der gegenwärtig noch existierenden de facto Republik Bergkarabach aus. Und dieses kann als gezielte Wahrung der Interessen Armeniens sowie u.U. sogar als eine mögliche Form der Vorbereitung einer Sonderstellung dieses Gebietes im Sinne einer autonomen Region oder Republik interpretiert werden. Rußland hat auch bei dieser Entscheidung seinen Einfluß gewahrt. Über die rechtliche und institutionelle Situation sowie Gestaltung wird noch verhandelt werden. Dazu ist die alte Minsk-Gruppe 27 Jahre lang nicht in der Lage gewesen und würde es auch heute nicht sein. Der Auftrag an eine moderierende Gruppe (bspw. aus drei Vertretern bestehend) ist umfänglich kleiner, berührt keine völkerrechtliche Grenze und erfordert in toto Neutralität. So wie Armenien die Türkei aus dem Vertrag raus hielt, wird Aserbaidschan sinnvollerweise einen armenischen Lobbyisten wie Frankreich nach 27 Jahren Erfahrung nicht akzeptieren können. Die Politik Deutschlands war auch nicht als die eines engagierten Vertreters des Völkerrechts zu erkennen, sondern eher als ein Beiboot an dem sich traditionierenden Seil Frankreichs. Wenn es überhaupt einer neuen Gruppe bedarf, dann kommen Länder wie Japan in Betracht. Dann besteht eine, wenn auch nur kleine, Möglichkeit, dass dieses verkleinerte Berg-Karabach rasch zu einer einvernehmlichen Lösung des Gesamtkonfliktes führt oder aber eine größere, daß es den Konflikt über Jahrzehnte bzw. eine Generation wieder in Form eines sog. frozen conflict zementiert. Es verbleibt als einziger Zugang von Armenien in diese Region Bergkarabach der sog. Lachin-Korridor von rd. 5 km Breite, den russische Friedenstruppen kontrollieren werden. Er darf Schuscha, welches an diesem Korridor liegt, nicht beeinträchtigen (was immer das genau heißt). Damit hat Aserbaidschan aber scheinbar nicht die volle Kontrolle seiner völkerrechtlichen Grenzen und seines gesamten Territoriums. Russland hat seinen Einfluss als Schutzmacht der Armenier hier sichtbar verfestigt.
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Russland und Türkei kontrollieren Waffenstillstand III. Dieses gilt auch für andere Grenzabschnitte zwischen beiden Republiken. Das Kontingent der russischen Friedenstruppe umfasst 1.960 Militärangehörige mit Klein- bzw. Handfeuerwaffen, 380 Automobile sowie Spezialfahrzeuge und 90 gepanzerte Fahrzeuge. Alles wird mit (z.Zt. 3) Transportmaschinen eingeflogen. An dieser Friedensmission nimmt neben Russland auch die Türkei teil. Anscheinend ist noch ungeklärt in welcher Form und wo genau. Offenbar sollen keine türkischen Einheiten in Bergkarabach direkt eingesetzt werden – aus Rücksicht auf Armenien? Es wird ein „Joint Monitoring Centre“ in Bergkarabach und/oder in Baku eingerichtet werden. Dabei ist der zu überwachende Grenzverlauf zu Armenien dadurch gestiegen, dass Armenien alle seit 27 Jahren besetzten aserbaidschanische Distrikte zurückgeben muß. Selbst befreit hat Aserbaidschan bereits vier Distrikte (Fuzuli, Jabrayil, Zangilan und Gubadly) und Armenien muß die verbleibenden drei Distrikte übergeben: Kalbajar bis zum 15.11.2020; Aghdam bis zum 20.11.2020 sowie Lachin bis zum 1.12.2020. Rußland überwacht den Rückzug und die Übernahme. Und es gibt eine Art von Überraschung. Es wird eine Transit-Straße zwischen dem Großteil der Republik Aserbaidschan und der Exklave Nachitschewan, von dort kommt die Familie des Staatspräsidenten, durch das Staatsterritorium der Republik Armenien gebaut und ebenfalls von Russland gemanaged und überwacht. Zuvor wurde eine derartige Forderung zumindest nicht laut erhoben. Damit können die Transit-Straße nach Nachitschewan als eine Art „Kompensat“ für den Lachin-Korridor und dann Bergkarabach anlog zu Nachitschewan verstanden werden. Und auch im Sinne einer Verständigung ist mit dem Waffenstillstand der Austausch von Gefangenen und die gegenseitige Überführung der Leichen von Getöteten vereinbart. Armenier zerstören „aserbaidschanische“ Architektur IV. Aber es verbleiben bezüglich der zurückgegebenen Distrikte noch viele offene Fragen zu klären: a. Wenn die Binnenvertriebenen zurückkehren, erhalten sie ihre Häuser und Immobilien wieder? Sofern diese als „aserbaidschanische“ Architektur zu erkennen waren, wurden sie von Armeniern zerstört. b. Wie werden die zerstörten aserbaidschanischen kulturellen und historischen Monumente und Gebäude bewertet und wenn: wie werden sie entschädigt? Laut der National Commission of Aserbaidschan bei der UNESCO sind 903 offiziell registrierte sowie 1647 nicht offiziell registrierte Monumente zerstört. c. Eine vergleichbare Frage ergibt sich bezüglich der Moscheen. Es gab in Berg-Karabach sowie den 7 Distrikten wohl 67 genutzte bzw. funktionsfähige Moscheen – 63 davon sind zerstört und 4 stark beschädigt. d. Die 7 aserbaidschanische Distrikte wurden „vollkommen freigesiedelt“ und derart „renaturalisiert“. Dabei wurden entgegen internationalem Recht u.a. erstens Rohstoffe (Holz, Erze usw.) aggressiv ausgebeutet und zweitens wurden diese Gebiete stark vermint und als Müllhalden auch für radioaktiv verstrahltes Material (möglicherweise auch von europäischen Drittstaaten?) genutzt. Sie stellen z.T. ein erhebliches Umweltrisiko dar. Diese Gebiete sind über Jahre hinaus nur teilweise besiedelbar und es fallen erhebliche Kosten an. e. Offen ist die infrastrukturelle Anbindung Schuschas und der befreiten Gebiete in Berg-Karabach. Erfolgt sie gesichert auch über den Lachin-Korridor? Unterliegt dann ganz Berg-Karabach faktisch einer russischen Kontrolle? Oder wird eine neue Infrastruktur gebaut? f. Offen ist auch der Umgang mit den von Armeniern begangenen Zerstörungen und Verwüstungen (nicht nur in Terter u.a. Orten), schließlich gab es keine Kriegserklärung seitens Armeniens oder Aserbaidschans.i Hier liegen Schadensersatzansprüche in erheblichem Ausmaß vor. Eine Erstattung wird Aserbaidschan schwer eintreiben können. Armenien könnte – nicht nur als Demonstration eines gewollten friedlichen Neuanfanges – einen Entschädigungsfond einrichten, der aus dem armenischen Staatshaushalt (u.U. aus einem Weltbank-Kredit) und aus Einzahlungen seitens der Diaspora (in USA, speziell im südlichen Californien sowie in Frankreich usw.), die die armenischen Militärausgaben überwiegend getragen haben, sowie seitens Drittländer gespeist wird. Den kulturellen und teilweisen ökologischen Genozid hätte die OSZE- Minsk-Gruppe großteils verhindern können und wohl auch müssen. Aserbaidschan hat die internationalen Organisationen stets über Zerstörungen usw. informiert. Die Minsk-Gruppe hätte es öffentlich und damit transparent machen können und müssen, um somit Druck auf die armenische Politik auszuüben. Aber es erscheint nicht vollkommen abwegig, dass die Mehrheit der Gruppen-Mitglieder davon ausgingen oder sogar anstrebten, daß die faktische Front bzw. Waffenstillstandslinie von 1994 letztlich zur finalen Grenze wird. Entsprechend fühlte sich Armenien scheinbar sicher und war entsprechend zu keinem Zeitpunkt bereit, auch nur einen Distrikt an Aserbaidschan zurückzugeben. Armenien hat derart die OSZE und insbesondere die Minsk-Gruppe genutzt und deren Glaubwürdigkeit und Reputation nahezu vollständig „zerstört“. Aserbaidschan hat 27 Jahren auf das Recht vertraut und im Vertrauen auf das Völkerrecht, die teure Minsk-Gruppe sowie die Völkergemeinschaft sowie UN-Resolutionen usw. geduldig gewartet. Nun hat es kurz vor Ende einer „günstigen“ Periode in knapp zwei Monaten erreicht, was mit der Minsk-Gruppe in 27 Jahren auch nicht teil- oder annäherungsweise erreicht wurde. Aserbaidschan hat in anerkennenswerter Haltung dann zweifelsfrei sehr viel erreicht. Aber ob alle Bemühungen letztlich Frieden für Aserbaidschan bringen – bleibt nur zu hoffen. W.F.,ii Stand: 12.11.20 Zum Krieg um Berg-Karabach erschienen: I. Zum Krieg zwischen Armenien und Aserbaidschan, 10.10.2020 II. Aserbaidschans Kampf ums Völkerrecht, 26.10.2020 III. Schuscha und wie weiter?, 8.11.2020 IV. Der zweite Waffenstillstand: Frieden für Aserbaidschan?, 12.11.2020
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Jerewan – Wie der Sicherheitsdienst des Landes (NSS) am Samstag mitteilte, wurde ein Attentatsversuch auf Ministerpräsident Nikol Paschinjan verhindert. Eine Gruppe von Ex-Spitzenfunktionären wollte demnach auf diese Weise die Macht ergreifen. „Der Nationale Sicherheitsdienst der Republik Armenien hat Fälle des illegalen Erwerbs und der illegalen Lagerung von Waffen, Munition und Sprengstoffen durch eine Gruppe von Personen mit dem Ziel der Machtergreifung in der Republik Armenien aufgedeckt“, heißt es in der Erklärung. Es wird betont, dass die Angreifer, die mit der Innen- und Außenpolitik des Staates nicht einverstanden waren, durch die Ermordung des Regierungschefs die Macht an sich reißen wollten. Die Waffen seien aus Bergkarabach nach Armenien transportiert wurden. Aus diesem Grund wurden der ehemalige Chef des Nationalen Sicherheitsdienstes des Landes, der Chef der Rodina-Partei Artur Vanetsyan, der ehemalige Abgeordnete Vahram Baghdasaryan und zwei weitere Personen festgenommen, so die Erklärung des Sicherheitsdienstes. Am 9. November unterzeichneten der russische Präsident Wladimir Putin, der aserbaidschanische Präsident Ilham Alijew und der armenische Premierminister Nikol Paschinyan eine gemeinsame Erklärung über einen vollständigen Waffenstillstand in Bergkarabach ab dem 10. November. Aufgrund Gebietsabtretungen an das verfeindete Aserbaidschan, steht Paschinian unter starkem innenpolitischen Druck. Seit Tagen demonstrieren Menschen in Armenien gegen dieses Abkommen.