Bergkarabach-Konflikt
Deutsch-Aserbaidschaner verurteilen deutsche Berichterstattung

Viele Deutsch-Aserbaidschaner kritisieren die aus ihrer Sicht einseitige und fehlerhafte Berichterstattung der deutschen Medien über den Konflikt in Bergkarabach. In einem offenen Brief hat ein Dachverband (IRKAZ e.V.) in Köln das Nachrichtenmagazin Spiegel scharf verurteilt.

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Viele Deutsch-Aserbaidschaner kritisieren die aus ihrer Sicht einseitige und fehlerhafte Berichterstattung der deutschen Medien über den Konflikt in Bergkarabach. In einem offenen Brief hat ein Dachverband (IRKAZ e.V.) in Köln das Nachrichtenmagazin Spiegel scharf verurteilt.

Der offene Brief im Wortlaut: 

Hallo Herr Esch,

Als Dachverband aller in Deutschland tätigen aserbaidschanischen Gemeindeorganisationen richtet der Vorstand des Internationalen Religions- und Kulturakademischen Zentrums (IRKAZ e.V.) in Köln gemeinsam mit der Onlineplattform „Alumniportal Aserbaidschan“ dieses Schreiben an Sie, als Leiter des Spiegel-Büros in Russland.

Mit Beginn kriegerischer Kampfhandlungen zwischen Armenien und Aserbaidschan in der von Armenien besetzten Region Bergkarabach, starteten deutsche Medien ab Ende September 2020 eine bis dahin beispiellose Hetzkampagne gegen das, wie es immer wieder heißt, „muslimische“ Aserbaidschan. Das Land wurde (und wird immer noch) ausnahmslos als „Aggressor“ dargestellt, der angeblich die „christlichen Armenier“ unterdrücke.

Daran schließt sich die bizarre und substanzlose Argumentation der armenischen Hasspropaganda an, Aserbaidschan und die Türkei würden den „Genozid an den Armeniern vor 100 Jahren fortsetzen“, die wiederum von deutschen Mainstream-Medien eifrig mitgetragen wird. Zudem wurden verschiedenartige und völlig irrsinnige Fantasy-Stories konstruiert, um der Öffentlichkeit zu zeigen, Aserbaidschan würde sich auf türkische Initiative hin dem Einsatz syrischer Söldner bedienen und diese für seine militärischen Ziele missbrauchen. An Ignoranz, Hypokrisie und notorischer Einseitigkeit beim Thema Bergkarabach suchen deutsche Mainstream-Journaille ihresgleichen. Warum sind wir dieser Meinung? Wir möchten dies mit folgendem Beispiel verdeutlichen

Der zum totalitären Bertelsmann Konzern zählende „Spiegel“, dessen Moskauer-Büro Sie leiten, hat, getreu seinen antiaserbaidschanisch/antitürkischen Richtlinien, in den vergangenen Wochen mehrere Berichte zur Lage im umkämpften Gebiet Bergkarabach veröffentlicht. In dem bisher wohl absurdesten Artikel mit einem schön gefärbten und martialisch formulierten Titel „Ich kann euch alle hier gleich erschießen“, ließen drei brave Journalistenkollegen von ihnen eine Märchengestalt namens „Tareq“ ausgiebig über seine Karabach-Mission erzählen. Doch nicht Tareq, sondern ein Tweet ihrer Mitarbeiterin Frau Tatiana Sutkovaya steht im Mittelpunkt unseres Schreibens (siehe Anhang). Darin bittet sie ihre journalistischen Kollegen*innen, die sich in Armenien befinden, die aufgrund kriegerischer Auseinandersetzungen nach Armenien geflohenen Karabach-Armenier ausfindig zu machen, um diese zu interviewen.

Aus diesen „Leidensgeschichten“ soll dann eine Reportage entstehen. Schön und gut. Egal wie und wo, Krieg ist für alle unbeteiligten Zivilisten mit Leid und Schmerz verbunden. Das gilt allerdings nicht nur für armenische, sondern auch für die aserbaidschanische Seite. Und genau an diesem Punkt hakts bei deutschen Medienvertretern. Die in der Nähe des Kriegsschauplatzes lebende aserbaidschanische Zivilbevölkerung waren nämlich die Hauptleidtragenden der eineinhalb Monat andauernden schweren Kämpfe. Insgesamt hatte Aserbaidschan 93 tote Zivilisten und mehr als 400 Verletzte zu beklagen. Fragen, die uns umtreiben: Wo war die gute Frau Sutkovaya, als die vom armenischen Kernland aus abgefeuerten ballistischen Raketen mit ungeheuerer Zerstörungskraft Dutzende unschuldige Zivilisten in der zweigrößten Stadt Aserbaidschans Ganja töteten?

Genauso stumm war ihre Redaktion, als armenische Smertsch-Raketen am hellichten Tag in der frontnahen Stadt Barda 21 Zivilisten ermordeten. Aus welchem Grund wollte Frau Sutkovaya mit Aserbaidschanern, die im Lichte tagtäglicher armenischer Raketenangriffe aus Barda und Tartar fliehen mussten, nicht ins Gespräch kommen? Wie erklären Sie diesen Umstand als Leiter des Spiegel-Büros? Das „muslimisch“-aserbaidschanische Leben hat für Sie und für ihr Hetzblatt anscheinend keinen Wert. Sie alle stellen sich bewusst als blind und taub. Dafür gibt es keine andere Erklärung.

Nur dieser einzige Fall steht exemplarisch für die propagandistische Grundhaltung der gleichgeschalteten Medien Deutschlands. Ihr Arbeitgeber „Spiegel“ spielt dabei zweifelsfrei eine Vorreiterrolle. Bei ihrer Indoktrination vernachlässigen so gut wie alle Spiegel-Journalisten*innen die vom Deutschen Presserat festgelegten Grundsätze wie Neutralität, Objektivität oder Sachlichkeit. Praktisch allen Leitenden Deutschlands muss man bedauerlicherweise eine ernstzunehmende Dekadenz konstatieren. Tugenden des Qualitätsjournalismus sind Fehlanzeige. Das Land Aserbaidschan und seiner Bürger*innen wurden in den vergangenen Tagen und Wochen zum größten Opfer der medialen Ausschlachtung in Deutschland. Danke für diese maßlose Entfremdung, Ausgrenzung und Diskriminierung! Diesen Umgang werden wir noch lange in Erinnerung behalten.

Elkhan Karimli
Mirbaghir Aghayev
Vorstand des IRKAZ e.V.
Große Budengasse 17-25
50667 Köln


Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.


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