Islam in Deutschland
Meilenstein für den Islam in Deutschland: Erste Islamisch-Theologische Fakultät Europas entsteht in Münster

Die Universität Münster gründet zum 1. Juli die europaweit erste eigenständige Islamisch-Theologische Fakultät an einer staatlichen Hochschule.

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Münster / Berlin – An der Universität Münster wird Geschichte geschrieben: Zum 1. Juli nimmt an der dortigen Hochschule die europaweit erste eigenständige Islamisch-Theologische Fakultät an einer staatlichen Universität ihre Arbeit auf.

Die frühere Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) würdigte diesen Schritt in einer Stellungnahme auf Domradio als historischen „Meilenstein“ für die Integration und die akademische Landschaft in Deutschland.

Schavan betonte, dass die Etablierung der islamischen Theologie auf Augenhöhe mit den christlichen Theologien ein starkes Signal für die gesellschaftliche Anerkennung des Islams in Deutschland sei.

Volle akademische Gleichberechtigung

Bislang war die islamische Theologie in Münster als Zentrum für Islamische Theologie (ZIT) dem Fachbereich für Philologie angegliedert. Mit der Neugründung einer eigenständigen Fakultät erlangt die Disziplin nun die volle akademische Unabhängigkeit. Dazu gehören ein eigenes Promotionsrecht zur Vergabe von Doktortiteln sowie die Befugnis, Prüfungskommissionen eigenständig zu besetzen.

Laut dem Rektor der Universität, Johannes Wessels, ist die Finanzierung von insgesamt acht Professorenstellen durch das Bundesland Nordrhein-Westfalen dauerhaft gesichert. Diese umfassen Kernbereiche wie islamische Geschichte, Philosophie und Ethik. Das reguläre akademische Leben und der Lehrbetrieb werden nach der Besetzung aller Gremien zum Wintersemester 2026/2027 voll anlaufen.

Hintergrund: Was ist der Unterschied zu bestehenden Instituten?

Obwohl es in Deutschland bereits seit über einem Jahrzehnt verschiedene Zentren und Institute für islamische Theologie gibt – darunter in Frankfurt, Tübingen, Osnabrück oder Gießen –, unterscheidet sich das Modell in Münster grundlegend von den bisherigen Strukturen.

Die existierenden Einrichtungen waren meist als Fachbereiche an andere Großfakultäten (wie Sprach-, Kultur- oder Geschichtswissenschaften) angegliedert. Sie besaßen dadurch oft keine vollständige rechtliche Unabhängigkeit, etwa bei der autonomen Berufung neuer Professoren oder dem alleinigen Recht zur Verleihung akademischer Grade. Mit dem Aufstieg zur eigenständigen Fakultät steht die islamische Theologie in Münster nun rechtlich, organisatorisch und akademisch auf genau derselben Stufe wie die traditionsreichen christlichen Theologien.

„Ein Zeichen der Anerkennung für Muslime“

Gründungsdekan der neuen Fakultät wird der renommierte Theologe Mouhanad Khorchide. Er unterstrich die immense Bedeutung dieses Schrittes für die muslimische Gemeinschaft in Deutschland und Europa:

„Das ist ein Zeichen der Anerkennung der Muslime, weil es jetzt auch eine Auseinandersetzung mit ihnen im akademischen Kontext gibt.“

Ein zentraler Schwerpunkt der neuen Fakultät wird auch weiterhin die Ausbildung von Religionslehrkräften für den islamischen Religionsunterricht an staatlichen Schulen sein. Am Strukturprozess und dem Beirat der Fakultät sind unter anderem namhafte Verbände wie die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (DITIB), der Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland sowie der Zentralrat der Muslime in Deutschland beteiligt.

Einzigartiges Campus-Modell der Religionen

Auch räumlich geht die Universität Münster neue Wege: Die Islamisch-Theologische Fakultät wird auf einem derzeit im Bau befindlichen, gemeinsamen „Campus der Theologien“ angesiedelt.

Dort werden die Islamwissenschaftler Tür an Tür mit den Vertretern der katholischen und protestantischen Religionswissenschaften arbeiten und sich eine gemeinsame Bibliothek sowie eine Mensa teilen. Dieses bundesweit einzigartige Kooperationsmodell soll den interreligiösen Dialog direkt im universitären Alltag verankern und fördern.

 

 

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