B’Tselem-Bericht
Israelische Gefängnisse: Netzwerk von Folterlagern

Berichte von Menschenrechtsorganisationen erheben schwere Vorwürfe gegen das israelische Gefängnissystem und sprechen von einem Netzwerk systematischer Folter.

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Jerusalem –  Ein neuer Bericht der israelischen Menschenrechtsorganisation B’Tselem zeichnet ein schwerwiegendes Bild über die Behandlung palästinensischer Gefangener in israelischen Haftanstalten. Demnach seien Häftlinge systematisch Misshandlungen, Folter und sexualisierter Gewalt ausgesetzt.

B’Tselem, eine in Israel ansässige Nichtregierungsorganisation, die sich seit Jahren mit der Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen in den besetzten Gebieten befasst, beschreibt das israelische Gefängnissystem in dem Bericht als ein „Netzwerk von Folterlagern“.

Dutzende Tote und tausende Inhaftierte

Laut dem Bericht seien seit Oktober 2023 bis Januar 2026 mindestens 84 palästinensische Gefangene in israelischen Einrichtungen gestorben, darunter auch ein Minderjähriger. Die tatsächliche Zahl könnte demnach höher liegen, da nur verifizierte Fälle berücksichtigt worden seien.

Zum Stand Ende September 2025 sollen sich mehr als 10.000 Palästinenser in israelischer Haft befunden haben, darunter etwa 350 Kinder. Schätzungen zufolge liege die aktuelle Gesamtzahl bei rund 9.200 Inhaftierten.

Die Organisation gibt weiter an, dass israelische Behörden die Leichen von 80 der Verstorbenen weiterhin zurückhalten würden. Nur vier Leichname seien bislang an die Familien übergeben worden. Dies erschwere unabhängige Untersuchungen, da Autopsien häufig nicht möglich seien.

Schwere Misshandlungsvorwürfe

Die Vorwürfe stützen sich laut B’Tselem auf Aussagen von ehemaligen Gefangenen sowie auf Recherchen israelischer und internationaler Menschenrechtsorganisationen.

Ehemalige Häftlinge hätten berichtet, sie seien geschlagen, erniedrigt und teilweise gezielt unter unmenschlichen Bedingungen festgehalten worden. Zudem sei von systematischem Nahrungsentzug sowie verweigerter medizinischer Versorgung die Rede.

Sexualisierte Gewalt

Besonders schwer wiegen die im Bericht geschilderten Vorwürfe sexualisierter Gewalt. Demnach hätten mehrere Betroffene angegeben, es sei zu sexuellen Übergriffen, erzwungener Entkleidung sowie schweren Verletzungen im Genitalbereich gekommen. In einigen Fällen sei auch von Angriffen durch Hunde oder dem Einsatz von Gegenständen berichtet worden.

„Disco-Raum“ und Foltervorwürfe

Einige Zeugenaussagen beschreiben laut Bericht auch Verhörräume, in denen Gefangene regelmäßig Elektroschocks ausgesetzt worden seien. Ein Raum, der von Insassen als „Disco-Raum“ bezeichnet werde, sei demnach für solche Praktiken genutzt worden. Gleichzeitig sei den Betroffenen Nahrung und Zugang zu sanitären Einrichtungen verweigert worden.

Systematische Praxis

Die Direktorin von B’Tselem, Yuli Novak, erklärte, die Vorwürfe deuteten auf eine koordinierte Politik hin. Das Gefängnissystem sei demnach Teil eines umfassenderen Vorgehens gegen die palästinensische Bevölkerung.

Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass es sich nicht um Einzelfälle handeln könnte, sondern um eine institutionalisierte Praxis, die von verschiedenen staatlichen Ebenen gestützt werde.

Kritik an Haftbedingungen und Rechtssystem

Ein Großteil der palästinensischen Gefangenen befinde sich laut Bericht in sogenannter Administrativhaft. Dabei würden Personen ohne Anklage oder Gerichtsverfahren zunächst für sechs Monate inhaftiert, wobei diese Frist unbegrenzt verlängert werden könne.

Kritiker sehen darin ein System, das grundlegende rechtsstaatliche Prinzipien unterlaufe. Zudem würden viele Palästinenser vor Militärgerichten verurteilt, während israelische Staatsbürger vor zivilen Gerichten stünden, was auf ein unterschiedliches Rechtssystem hindeute.

Einschüchterung und internationale Kritik

B’Tselem zufolge werde die Aufklärung zusätzlich erschwert, da freigelassene Gefangene unter Druck gesetzt würden. Israelische Behörden hätten demnach damit gedroht, ehemalige Häftlinge erneut festzunehmen, sollten sie über ihre Erfahrungen berichten.

Ein Sprecher der Organisation erklärte, die internationale Gemeinschaft müsse stärker reagieren und vorhandene völkerrechtliche Instrumente nutzen. In einer Stellungnahme erklärt die Organisation, das israelische System aus Besatzung und Apartheid sei untrennbar mit Menschenrechtsverletzungen verbunden.

Seit dem Angriff der Hamas am 7. Oktober 2023 habe Israel nach Einschätzung der Organisation „koordiniert und gezielt“ gehandelt, um die palästinensische Gesellschaft im Gazastreifen zu zerstören. B’Tselem spricht in diesem Zusammenhang von einem Genozid an der Bevölkerung in Gaza.

Zugleich warnt die Organisation, es bestehe die Gefahr, dass sich diese Entwicklung auf weitere Gebiete ausweiten könnte, insbesondere auf das Westjordanland. Als Begründung verweist sie unter anderem auf öffentliche Äußerungen israelischer Entscheidungsträger sowie auf ein aus ihrer Sicht unzureichendes Eingreifen der internationalen Gemeinschaft.

B’Tselem ruft sowohl die israelische Öffentlichkeit als auch internationale Akteure dazu auf, alle völkerrechtlichen Mittel zu nutzen, um die Situation zu beenden.

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