Avrupali Türklerden Türkiye`ye mektup
„Die Türkei und ihre Bewohner haben uns sehr viel zu verdanken“

Oezcan: "In den letzten Tagen registrieren wir erneut verbale Giftpfeile aus der Türkei, die das Ziel haben, „Avrupali Türkleri“ zu dämonisieren."

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ein Gastkommentar von M. Teyfik Oezcan

In den letzten Tagen registrieren wir erneut verbale Giftpfeile aus der Türkei, die das Ziel haben, „Avrupali Türkleri“ (europäische Türken, Anm. d Red.) zu dämonisieren und eine immer wiederkehrende Neiddebatte loszutreten. Kennt Ihr den Film „Dağ sıçanı her gün selamlıyor”, auf Deutsch “Täglich grüßt das Murmeltier”? So fühlt es sich permanent an.

Bevor ich auf die Kernpunkte eingehe, möchte ich vorab mit einem Missverständnis aufräumen.

Wir, in Europa geborene Menschen mit türkischen Wurzeln, entsprechen nicht mehr Euren gängigen Klischees und Stereotypen. Wir verstehen uns weder als „Gurbetci“, noch „Almanci“ oder „Diaspora Türkleri“, das entspricht nicht unserem Selbstverständnis. „Diaspora Türkleri“ waren wir zu keinem Zeitpunkt, und „Gurbetci“ oder „Almanci“ sind Relikte aus dem letzten Jahrtausend.

Ihr könnt uns respektvoll als „Avrupali Türkler“ klassifizieren!
Wir interpretieren unsere Identität auf der Grundlage unseres aktuellen Lebensmittelpunktes und unserer historischen Wurzeln, was uns im Gegensatz zu vielen Menschen in der Türkei mit Stolz erfüllt.

Eure herablassenden Gedankengänge tangieren uns nicht und sind für uns ein unerschütterlicher Beweis für unser Lebenswerk. Euer Neid ist der Schatten, den unser Erfolg wirft. Anstatt darüber nachzudenken, wo die Türkei heute wäre ohne die „Avrupali Türkler“, werdet ihr von Eurer persönlichen Unzufriedenheit getrieben.

Die Türkei hätte sich ohne uns in vielen Bereichen, wie Wirtschaft, Wissenschaft, Gesellschaft, Politik, Sport sowie Kunst und Kultur nicht so weit entwickelt. Seit über 60 Jahren hat der direkte und indirekte Kapitalfluss von Europa in die Türkei die 1.000 Milliarden Euro Schallmauer durchbrochen und dadurch Eure Lebensqualität signifikant verbessert.

Ferner hat der Brain-Drain von Europa in die Türkei die Wirtschaft und Wissenschaft massiv gefördert und damit die wirtschaftliche Kompetenz sowie Wettbewerbsfähigkeit gesteigert und in der Konsequenz eine große Anzahl an Arbeitsplätzen in der Türkei geschaffen, was man nicht monetär in Euro und TL aufwiegen kann.

Es gibt noch eine Vielzahl an relevanten Themen, auf die ich jetzt nicht eingehen möchte.

Fakt ist, dass die Türkei und ihre Bewohner uns sehr viel zu verdanken haben. Wir erwarten keine Ehrerbietung, aber wir erwarten Respekt, Anstand und Wertschätzung für unsere bisherigen Leistungen, insbesondere die der ersten Generation.

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