Ukraine
Selenskyj: „Mächtigste Armee Europas“

"Die Ukraine wird gezwungen sein, die mächtigste Armee in Europa zu schaffen, wenn der Westen es Kiew überlässt, die Probleme im Zusammenhang mit der Situation im Donbas selbst zu lösen", so Ukraines Staatschef Wolodymyr Selenskyj in einem Interview am Mittwoch.

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Kiew – „Die Ukraine wird gezwungen sein, die mächtigste Armee in Europa zu schaffen, wenn der Westen es Kiew überlässt, die Probleme im Zusammenhang mit der Situation im Donbas selbst zu lösen“, so Ukraines Staatschef Wolodymyr Selenskyj in einem Interview am Mittwoch.

„Jeder sollte verstehen, dass ein anderes Land an unserer Stelle sein könnte. Wenn die Ukraine dieses globale Problem selbst löst, werden wir keine andere Wahl haben als eine starke, die mächtigste Armee in Europa in Bezug auf Ausrüstung und Truppen aufzubauen. Das würden wir tun müssen, einfach alles in unserer Macht nutzen. Eine Menge menschliches Potenzial, eine Menge talentierter Menschen“, betonte Selenskyj.

Das Problem in der Ostukraine sei „das Problem von ganz Europa“.

„Die westlichen Länder müssen verstehen, dass der Krieg in der Ukraine, an der Grenze oder in den vorübergehend besetzten Gebieten das erste Signal dafür ist, wo er morgen ausbrechen kann und an wessen Grenze. Es ist ein Krieg in Europa, aber es sterben Ukrainer“, sagte er.

Bereits im vergangenen Dezember sagte Selenskyj, dass im Falle eines Angriffs seitens Russland auf sein Land jeder Ukrainer kämpfen würde. In so einer Situation würde jeder mobilisiert werden, sowohl Männer als auch Frauen, betonte der ukrainische Staatschef.

„Haben Sie jemals darüber nachgedacht, dass Russland die Ukraine erneut angreifen könnte, aber diesmal von der anderen Seite? Zum Beispiel von der Krim“, zitiert Focus den ukrainischen Staatschef

„Das wäre eine schreckliche Situation, ich möchte sie mir gar nicht vorstellen. Ich bin dagegen“, so Selenskyj.

In so einem Fall, werde man jedoch nicht flüchten, alle würden kämpfen.

Jeder würde mobilisiert werden – sowohl Männer als auch Frauen. Es wäre für die ukrainische Bevölkerung sehr schlecht und Russland weiß das auch sehr gut.

Starkes Parlament zuerst: Russische Diplomatin kommentiert Ukraine-Pläne für „mächtigste Armee“

Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, hat der ukrainischen Führung geraten, zuerst das „mächtigste Parlament“ zu schaffen, bevor sie Pläne zum Aufbau der „mächtigsten Armee in Europa“ macht.

„Vielleicht zuerst zumindest das mächtigste Parlament schaffen? Dann wird es möglich, viele Probleme zu lösen, ohne die mächtigste Armee zu bauen“, schrieb Sacharowa am Donnerstag auf ihrem Telegram-Kanal. Wie die Nachrichtenagentur TASS weiter berichtet, teilte die Diplomatin unter ihrem Kommentar ein Video, in dem ukrainische Politiker zu sehen sind, die während einer Parlamentssitzung kämpfen.

Situation in der Ostukraine

In der östlichen Donbass-Region stehen sich seit Jahren pro-russische Separatisten und ukrainische Regierungssoldaten gegenüber. Dabei wurden nach Angaben der Regierung in Kiew seit Beginn des Konfliktes im Jahr 2014 rund 14.000 Menschen getötet. Die Kämpfe dort sind wieder aufgeflammt, wobei sich beide Seiten gegenseitig beschuldigen, einen im Juli in Kraft getretenen Waffenstillstand zu verletzen.

Krim-Krise

Nach einem Referendum unterzeichnete der russische Präsident Wladimir Putin am 18. März 2014 einen Vertrag über die Eingliederung der Krim in die Russische Föderation. Die Volksabstimmung wurde bis heute international jedoch nicht anerkannt. Westliche Staaten haben daraufhin mehrfach Sanktionen gegen Russland erlassen. Das Auswärtige Amt bezeichnete die Ereignisse bis heute als völkerrechtswidrige Annexion. Auch die Türkei bezeichnete Russlands Präsenz in der Krim als „illegale Annexion“.

Die Türkei hat die „illegale Annexion der Krim“ nicht anerkannt und werde dies auch in Zukunft nicht tun. Die Souveränität und territoriale Integrität der Ukraine müsse respektiert werden, sagte etwa der stellvertretende türkische Außenminister Yavuz Selim Kiran bei einer Sonderveranstaltung zur Krim auf der 46. Sitzung des UN-Menschenrechtsrates im Februar 2021.

Auch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat wiederholt die Annexion der Krim durch Russland verurteilt.

„Wir haben und werden immer die Souveränität und territoriale Integrität der Ukraine unterstützen, auch über die Krim,“ sagte Erdogan etwa bei einem Treffen mit seinem ukrainischen Amtskollegen Wolodymyr Selenskyj im Oktober 2020 in der türkischen Hauptstadt Ankara.

„Die Türkei sieht die Ukraine als ein Schlüsselland für die Gewährleistung von Stabilität, Sicherheit, Frieden und Wohlstand in unserer Region,“ so Erdogan.

Laut Moskau sei das eindeutige Ergebnis des Referendums jedoch eine Willensbekundung der Krim-Bevölkerung für einen Beitritt zur Russischen Föderation gewesen. Diese gehe mit dem Selbstbestimmungsrecht dieser Gruppe einher und Russland hätte eine Schutzverpflichtung gegenüber den in der Ukraine lebenden Russen. Deswegen handle es sich bei den Ereignissen keineswegs um eine Annexion. Russland sieht die Krim als russisch und versucht die Annexion mit geschichtspolitischen Argumenten zu legitimieren, so die Bundeszentrale für Politische Bildung.

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