PKK bekennt sich zum Anschlag
Nach Festnahmen von HDP-Politikern: Gewaltige Autobombe fordert viele Tote und Hunderte Verletzte

Nach den Festnahmen hochrangiger HDP-Politiker am Freitagmorgen explodierte in Bağlar, einem Vorort der türkischen Stadt Diyarbakir, ein mit Bomben beladenes Auto und tötete zwei Polizisten sowie Zivilisten.

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Istanbul (nex) – Nach den Festnahmen hochrangiger HDP-Politiker am Freitagmorgen explodierte in Bağlar, einem Vorort der türkischen Stadt Diyarbakir, ein mit Bomben beladenes Auto und tötete zwei Polizisten sowie Zivilisten.
In Bağlar fand heute früh gegen acht Uhr ein Autobombenanschlag auf das Nebengebäude der örtlichen Polizeistation statt, das die Anti-Terroreinheit und das Sondereinsatzkommando „Çevik Kuvvet“ beherbergt. Zu der Terrorattacke unweit des Aydın-Arslan-Boulevards bekannte sich die PKK. Es befanden sich zahlreiche Zivilisten, darunter auch Schüler, in der Nähe des Anschlagsortes.
(Foto: Milli)
(Foto: Milli)

Todesopfer: Sechs Zivilisten und zwei Polizisten

Ministerpräsident Yildirim verurteilte den feigen Anschlag in einer Erklärung mit den Worten: „Heute morgen kurz nach 8 Uhr hat die feige separatistische Terrororganisation PKK erneut ihr wahres Gesicht gezeigt. Sie zündete eine Bombe vor dem Gebäude des Sondereinsatzkommandos ‚Çevik Kuvvet‘, an einem Ort, an dem sich sehr viele Bürger auf dem Weg zur Arbeit und Kinder unterwegs zur Schule befinden. Auch ein Terrorist kam dabei ums Leben. 93 der mehr als 100 Verletzten wurden nach der Erstversorgung wieder aus dem Krankenhaus entlassen, 7 befinden sich derzeit im kritischen Zustand.“

Mehr als 1 Tonne explosives Material im Auto

Erste Untersuchungen ergaben, dass es im Auto mehr als eine Tonne Sprengstoff gab. Am Tatort entstand infolge des Anschlags ein Krater, zahlreiche Häuser und Geschäfte wurden durch die heftige Explosion schwer beschädigt. Medienberichten zufolge informiert sich laut Präsidialamt Präsident Recep Tayyip Erdogan beim Gouverneur der Provinz Diyarbakir Hüseyin Aksoy telefonisch über den Anschlag.Das Innenministerium teilte in einer Erklärung mit, dass Politiker der Oppositionspartei HDP am frühen Freitagmorgen festgenommen worden seien, nachdem sie Vorladungen zur Aussage über die Terrororganisation PKK wiederholt unbeantwortet gelassen hätten.

Neben den beiden Parteichefs Figen Yüksekdag und Selahattin Demirtas seien auch neun weitere HDP-Mitglieder in Polizeigewahrsam. Unter ihnen befänden sich Fraktionschef Idris Baluken und der Parlamentarier Sirri Sürreya Önder. Gegen Yüksekdag und Demirtas laufen bereits seit längerem Ermittlungsverfahren wegen „Terrorpropaganda und Mitgliedschaft in einer bewaffneten Terrororganisation“. Bereits vergangene Woche hatte ein türkisches Gericht Yüksekdag mit einem Ausreiseverbot belegt. Die Festnahmen fanden in den Provinzen Diyarbakir, Hakkari, Van, Sirnak und Bingöl zeitgleich statt.

Die Staatsanwaltschaft habe den Verbleib aller Festgenommenen in Untersuchungshaft für die Dauer der Gerichtsverhandlung beantragt, heißt es weiter in der Mitteilung. Gegen die Abgeordneten, deren Immunität zu Beginn dieses Jahres aufgehoben worden war, werden  Verfahren im Rahmen des Anti-Terrorgesetzes eingeleitet. Auch Abgeordnete anderer Parteien müssen sich einer Reihe von Ermittlungen stellen, doch nur die Parlamentarier der HDP hatten sich geweigert, vor den Staatsanwälten auszusagen.

„Die Co-Vorsitzenden der HDP leisteten den Vorladungen keine Folge. Die Haftbefehle entsprechen dem Gesetz der zwangsweisen Vorführung. Sie haben die Justiz nicht respektiert. Daher wurde getan, was getan werden musste. Die festgenommenen Abgeordneten haben sich geweigert, der Justiz behilflich zu sein. Sie haben die Justiz ignoriert. In den Gesetzen ist klar geregelt, was in solchen Fällen getan werden muss“, so Justizminister Bekir Bozdag.


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