Meinungsfreiheit
Deutsche Medien lehnen Veröffentlichung einer Pressemitteilung zur Armenien-Resolution ab

Dieser Schritt, die drei Millionen Türken in Deutschland betreffende Stellungnahme nicht herausbringen zu wollen, löste starke Kritik aus – bemängeln doch deutsche Medien immer wieder die fehlende Meinungsfreiheit in der Türkei.

Teilen

Berlin (nex) – Nach einem Statement der Deutsch-Türkischen Solidaritätsplattform lehnten deutsche Zeitungen die Veröffentlichung der von türkischen NGOs herausgegebenen Pressemitteilung zum Protest gegen die am 2. Juni vom Bundestag verabschiedete Armenienresolution ab. Dieser Schritt, die drei Millionen Türken in Deutschland betreffende Stellungnahme nicht herausbringen zu wollen, löste starke Kritik aus – bemängeln doch deutsche Medien immer wieder die fehlende Meinungsfreiheit in der Türkei.

Die führenden Zeitungen Deutschlands – Frankfurter Allgemeine Zeitung, Süddeutsche Zeitung, Die Welt und Der Tagesspiegel – weigerten sich, die Pressemitteilung zu drucken. Der Tagesspiegel hatte ursprünglich zugesagt, später jedoch mitgeteilt, dass sie diese doch nicht veröffentlichen werde. Metropol FM, ein beliebter türkischsprachiger Radiosender, gab zwar in den Nachrichten die von der türkischen Community organisierte öffentliche Versammlung Kundgebung bekannt, erwähnte jedoch mit keinem Wort die Proteststellungnahme. Auch die Berliner U-Bahn änderte ihre Meinung und hing in den U-Bahnstationen die mit „Genozidlüge“ betitelten Infoposter über die Versammlung nicht aus.

Die Deutsch-Türkische Solidaritätsplattform weist in der Pressemitteilung darauf hin, dass sie die am gestrigen Donnerstag vom Deutschen Bundestag beschlossene Resolution über die „Erinnerung an den Genozid an Armeniern und anderen christlichen Minderheiten in den Jahren 1915 und 1916“ nicht anerkennen werde. Der Bundestag sei nicht befugt, über historische Ereignisse zu entscheiden, was auch der Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte ähnlich sieht.

In der Pressemitteilung heißt es weiter, dass die Ereignisse während des Ersten Weltkrieges stattgefunden hätten und wissenschaftlich, historisch sowie juristisch durch eine objektive internationale Organisation – und nicht vom deutschen Parlament – bewertet werden müssten. Es wird darauf hingewiesen, dass die Türkei bereits vor zehn Jahren angeregt habe, einen Historikerausschuss ins Leben zu rufen, Deutschland jedoch in dieser Richtung keinerlei Unterstützung gezeigt habe. Die Plattform appellierte eindringlich an die Bundestagsabgeordneten, die Resolution abzulehnen und fügte hinzu, dass sie nicht zulassen werde, dass die Diskussionen über die Genozidfrage Armenierfrage zu Hass und Feindschaft zwischen dem türkischen und armenischen Volk führe.

Die aus türkischen NGOs in Deutschland bestehende Deutsch-Türkische Solidaritätsplattform hielt am 2. Juni unter Teilnahme der türkischen Künstler Ugur Isilak, Cengiz Özkan und Cem Celebi eine öffentliche Versammlung ab.


Mehr zum Thema:

 

Berlin: Kundgebung vor Bundestag zur Anerkennung des Völkermordes an den Herero und Nama

 

Auch interessant

Norwegen: Gefängnisstrafe für Handel mit israelischen Siedlungen

Oslo - Oslo verschärft den Kurs: Norwegen erwägt ein Gesetz, das den Handel mit israelischen Siedlungen verbieten und bei Verstößen Haftstrafen von bis zu...

KI-Boom auf Pump: Versteckte Tech-Schulden erreichen 2,6 Billionen Dollar

Hamburg - Der weltweite KI-Boom wird zunehmend durch Schulden und langfristige Verpflichtungen finanziert. Eine neue Studie des weltweit führenden Kreditversicherers Allianz Trade zeigt, dass...

Türkei entdeckt die Wirtschaftsmoral des Mittelalters neu

Ein Gastkommentar von Nabi Yücel Gewinn machen, aber nicht um jeden Preis: Die Türkei greift derzeit auf eine jahrhundertealte Tradition zurück, die genau solche Regeln...

AfD-Sieg: Die Brandmauer allein wird nicht reichen

Ein Gastbeitrag von Özgür Çelik Die wichtigste Erkenntnis aus den jüngsten Wahlen in Sachsen-Anhalt ist vielleicht nicht einmal das außergewöhnlich starke Ergebnis der AfD. Es...

USA: Sympathie für Palästinenser erstmals vor Israel

Washington – Die Sympathie der US-Bevölkerung für die Palästinenser liegt erstmals vor der Sympathie für Israel. Das geht aus einer aktuellen landesweiten Umfrage der...

Headlines

Israel: Demonstranten fordern Todesstrafe für NAZA-Filmemacher

Tel Aviv - Aktivisten haben in der zentralisraelischen Stadt Savyon vor dem Haus der Eltern der Filmemacherin Rachel Szor...

Türkei entdeckt die Wirtschaftsmoral des Mittelalters neu

Ein Gastkommentar von Nabi Yücel Gewinn machen, aber nicht um jeden Preis: Die Türkei greift derzeit auf eine jahrhundertealte Tradition...

Bericht: Israel soll Türkei Aufteilung Syriens angeboten haben

Ankara - Israel soll der Türkei Berichten zufolge einen weitreichenden Deal zur Aufteilung von militärischen Einflusszonen in Syrien angeboten...

Von der Leyen will Kanada zum assoziierten EU-Mitglied machen

Brüssel - Die Europäische Union will ihre Beziehungen zu Kanada deutlich ausbauen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen schlug am...

Meinung

Israel: Demonstranten fordern Todesstrafe für NAZA-Filmemacher

Tel Aviv - Aktivisten haben in der zentralisraelischen Stadt Savyon vor dem Haus der Eltern der Filmemacherin Rachel Szor (auch als Rachel Tzur geführt)...

Türkei entdeckt die Wirtschaftsmoral des Mittelalters neu

Ein Gastkommentar von Nabi Yücel Gewinn machen, aber nicht um jeden Preis: Die Türkei greift derzeit auf eine jahrhundertealte Tradition zurück, die genau solche Regeln...

Wall Street Journal: Türkiye’nin durdurulması gerekiyor

Konuk Yazar: Özgür Çelik Bradley Martin tarafından kaleme alınan ve 4 Mart 2026 tarihinde Wall Street Journal'da yayımlanan "Türkiye'yi Dizginlemek İçin Acil Bir İhtiyaç" (An...

The Economist: Erdoğan, Müslüman dünyasının en popüler politikacısı

Londra - Neredeyse iki milyar insandan oluşan devasa ve çeşitlilik arz eden bir topluluk olan küresel Müslüman topluluğu Umma/Ümmet içinde, birleştirici bir temsilci arayışı...

CHP: Vatandaşlar ile Parti Arasındaki Artan Kopuş

Nabi Yücel Vatandaşlarla partiler arasındaki giderek derinleşen kopuş, Türkiye'nin en köklü partisi CHP üzerinden somut biçimde gözlemlenebilir. Cumhuriyet Halk Partisi, 38. Olağan Kurultay'ın ardından ve...