Welttag der Muttersprache 2016
Sprachwissenschaftler: Sprache Jesu in Gefahr – Europa soll Aramäisch retten

Der Leiter des Lehrstuhls für Sprachen und Kulturen des Vorderen Orients der Universität Heidelberg, Werner Arnold, fordert, aramäische Flüchtlinge aus Syrien in Deutschland an einem Ort anzusiedeln.

Teilen

Osnabrück (ots) – Der Leiter des Lehrstuhls für Sprachen und Kulturen des Vorderen Orients der Universität Heidelberg, Werner Arnold, fordert, aramäische Flüchtlinge aus Syrien in Deutschland an einem Ort anzusiedeln. „Ich appelliere an den Staat, dafür zu sorgen, dass Sprachen wie das Aramäische auch in Europa erhalten werden“, sagte der Wissenschaftler in einem Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. „Und das gelingt am besten, wenn man die Aramäer nicht auseinanderreißt.“

Das Schicksal vom Aussterben bedrohter Sprachen steht auch im Mittelpunkt des von der Unesco im Jahr 2000 eingeführten Welttages der Muttersprachen am 21. Februar.

Er habe durchaus Verständnis für die Strategie, andere Flüchtlinge im Sinne einer besseren Integration im Lande zu verteilen, betonte Arnold, der Leiter der Abteilung für Semitistik an der Universität Heidelberg ist. Beim Aramäischen gehe es aber darum, eine gefährdete Sprache zu erhalten, die im Orient keine Überlebenschance mehr habe. „Die Politik hat gegenüber dem Aramäischen eine ganz andere Verantwortung als zum Beispiel gegenüber dem Arabischen“, betonte Arnold.

Arnold kritisierte auch, dass es in Deutschland nur sehr wenige zweisprachige Kindergärten gebe: „Ich bin nicht dafür, dass die Emigranten, die nach Deutschland kommen, alle ihre Sprache aufgeben. Ich bin für die Förderung von Zweisprachigkeit“, sagte er. Das habe nur Vorteile für die Kinder.

Nach Schätzungen gibt es in Deutschland etwa 70000 Aramäer aus der Türkei, die schon vor Jahren hierhergekommen seien. Diese Aramäer siedelten alle in etwa 20 Orten in Deutschland. „Die bilden große Gemeinden und könnten deshalb sehr gut sowohl zweisprachige Kindergärten als auch Schulen haben.“ Gleichzeitig forderte Arnold die europäischen Staaten auf, die noch im Orient lebenden aramäischen Christen zu unterstützen und ihnen zu helfen, dass sie dort bleiben können. „Das Christentum hat seine Wiege im Orient“, sagte der Experte. Es wäre schade, wenn es dort ausgelöscht würde. „Das wäre wie Italien ohne Katholiken. Das geht einfach nicht.“ Leider sei das Interesse an den orientalischen Christen bei uns aber nicht besonders groß.

Auch interessant

Susanne Mattner zu Kindstötungen in Palästina

Ein Gastkommentar von Susanne Mattner   Wir hören die Berichte eines ehemaligen israelischen Scharfschützen. Wir hören die Aussagen eines rechtsextremen Knesset-Mitglieds. Wir sehen Videos, Zeugenaussagen, Rekonstruktionen...

„Parents‘ Night Out“: Mamdani führt kostenlose Abend-Kinderbetreuung ein

New York - Der neue New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani hat mit der Einführung des stadtweit ersten „Parents' Night Out“-Programms eine weitreichende Entlastung für...

Gaza: Drohnentod von Mohammed al-Wahidi

Ein Gastkommentar von Susanne Mattner Keine Sorge – er war gar nicht gemeint Was für eine Erleichterung. Mohammed al-Wahidi, der Organisator des Public Viewings, bei dem...

Der „Sánchez-Effekt“: Muslime weltweit feiern Spanien-Sieg

Madrid - Der triumphale Gewinn der Weltmeisterschaft 2026 durch die spanische Nationalmannschaft im MetLife Stadium von New York hat weit über die Grenzen Europas...

Was sind die Ziele des 1. FC Magdeburg in der 2. Bundesliga 2026/2027?

Nach einer turbulenten Saison rettete sich der 1. FC Magdeburg in seine fünfte Zweitliga-Saison am Stück. Ein Jahr nach einem fünften Platz durchlebt man...

Headlines

Israel: „Es wird in Gaza keine Araber mehr geben“

Gaza - In Israel hat ein koordinierter Massenmarsch hochrangiger Regierungsmitglieder und ultranationalistischer Siedlergruppen die völkerrechtlichen und demografischen Pläne der...

Ben-Gvir über inhaftierte Palästinenser: „Sie pinkeln sich vor Angst in die Hosen“

Tel Aviv - Der rechtsextreme israelische Minister für nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, hat mit neuen, drastischen Äußerungen über den...

Türkei: Die Chronologie des Putschversuchs

  Ein Gastkommentar von Nabi Yücel Zehn Jahre nach dem gescheiterten Putschversuch vom 15. Juli 2016 haben die türkischen Sicherheitsbehörden erstmals...

New Yorks Bürgermeister Mamdani plant Netanjahu-Festnahme

New York - In den Vereinigten Staaten droht ein beispielloser politischer und juristischer Machtkampf zwischen der Stadtregierung von New...

Meinung

Israel: „Es wird in Gaza keine Araber mehr geben“

Gaza - In Israel hat ein koordinierter Massenmarsch hochrangiger Regierungsmitglieder und ultranationalistischer Siedlergruppen die völkerrechtlichen und demografischen Pläne der extremen Rechten ungeschminkt offengelegt. Führende Minister...

Matheolympiade in China: Türkei knapp vor Deutschland

Shanghai - Erfolgreicher Auftritt für das deutsche Team bei der 67. Internationalen Mathematik-Olympiade (IMO): Alle sechs Nachwuchs-Mathematiker wurden in der chinesischen Metropole mit einer...

Odadaki Son Yetişkin Olarak Türkiye

Konuk Yazar Nabi Yücel Mevcut durumda Türkiye, Orta Doğu'nun – ve çok daha ötesinin – jeopolitik manzarasında neredeyse nesli tükenmekte olan diplomatik bir tür; yani...

Rapor: Afrika Gençliği Ruh Sağlığında Dünya Lideri

Londra - Maddi refah, ruh sağlığının garantisi değil. Şubat 2026 sonunda yayımlanan yeni bir küresel rapor, zihinsel esenlik haritasını temelden sarstı. İngiltere, Japonya ve Yeni...

Wall Street Journal: Türkiye’nin durdurulması gerekiyor

Konuk Yazar: Özgür Çelik Bradley Martin tarafından kaleme alınan ve 4 Mart 2026 tarihinde Wall Street Journal'da yayımlanan "Türkiye'yi Dizginlemek İçin Acil Bir İhtiyaç" (An...