Frankfurt – Das Victor-Gollancz-Haus in Frankfurt am Main, das bereits seit 2004 die religiösen und kulturellen Bedürfnisse muslimischer Senioren berücksichtigt, war Schauplatz einer feierlichen Ramazan-Bayram-Feier.
Die Veranstaltung markiert nicht nur ein religiöses Fest, sondern steht symbolisch für eine tiefgreifende gesellschaftliche Veränderung: Die erste Generation der ehemaligen „Gastarbeiter“ erreicht ein Alter, in dem professionelle Pflege in Deutschland zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Die Feierlichkeit, die unter der Moderation von Dr. Hüseyin Kurt, dem Beauftragten für Migranten beim Frankfurter Verband, stattfand, brachte Menschen unterschiedlicher Kulturen und Religionen zusammen. Im Mittelpunkt standen Botschaften des Friedens, der Solidarität und des Respekts vor dem Alter.

Hochkarätige Gäste und spiritueller Auftakt
An der Veranstaltung nahmen zahlreiche prominente Vertreter der Gemeinde teil, darunter:
- Dr. Muhammet Fatih Kılıç, Bildungsattaché des türkischen Generalkonsulats in Frankfurt,
- Nizamettin Bulut, Vorsitzender der DİTİB Höchst,
- Şaban Duran, Vorsitzender der ATİB Höchst,
- Die Religionsbeauftragten Ramazan Şengün und Recep Oğuz.
Das Programm begann in einer spirituellen Atmosphäre mit einer feierlichen Koran-Rezitation durch Ramazan Şengün. In seiner Eröffnungsrede betonte Einrichtungsleiter Martin Crede die verbindende Kraft religiöser Feste. Er wies darauf hin, dass trotz unterschiedlicher religiöser Anlässe das Ziel von Feiertagen stets dasselbe sei: soziale Bindungen zu stärken und Versöhnung zu fördern.
„In Zeiten, in denen uns Nachrichten über Kriege aus aller Welt bedrücken, hoffe ich, dass dieses Treffen einen Beitrag zum Frieden leistet“, so Crede. Er dankte zudem allen Institutionen und Einzelpersonen, die das muslimische Pflegeangebot seit 2004 unterstützen.
Die religiöse Bedeutung der Altenpflege
Dr. Muhammet Fatih Kılıç erläuterte in seiner Ansprache den hohen Stellenwert, den der Islam älteren Menschen beimisst. Unter Bezugnahme auf die Sure al-Isra erinnerte er daran, dass der Umgang mit den Eltern und Älteren von Barmherzigkeit und tiefem Respekt geprägt sein müsse.
Kılıç zitierte den Propheten Mohammed: „Hätten wir nicht unsere alten Menschen, deren Rücken gebeugt ist, würde das Unheil wie eine Flut über uns hereinbrechen.“ Er äußerte den Wunsch, dass der Dienst an den Senioren ein Weg sein möge, auch globale Krisen zu bewältigen.

Der Abend fand seinen kulinarischen und kulturellen Ausklang bei einem Buffet mit Spezialitäten der türkischen Küche, bereitgestellt von Hamdi Çetinkaya (Eda Catering). Musikalisch begleitet wurde das Beisammensein von Murat Dündar, dem Chorleiter der türkischen Kunstmusik in Gießen, während die Gäste bei türkischem Tee ins Gespräch kamen.
Der demografische Wandel in der Community
Die Veranstaltung im Victor-Gollancz-Haus verdeutlicht einen historischen Wendepunkt in Deutschland. Über Jahrzehnte hinweg war es innerhalb der türkischstämmigen Gemeinschaft eine ungeschriebene Tradition, dass die Pflege der Eltern ausschließlich im häuslichen Umfeld durch die Kinder stattfand. Ein Umzug in ein Seniorenheim galt oft als Tabu oder gar als Zeichen von mangelndem Respekt.
Doch mit dem Älterwerden der ersten Generation der Einwanderer verändern sich die Realitäten. Viele Angehörige der zweiten und dritten Generation sind voll berufstätig oder leben räumlich getrennt von ihren Eltern, was eine Rund-um-die-Uhr-Pflege zu Hause oft unmöglich macht.
Einrichtungen, die – wie das Frankfurter Modell – kultursensible Pflege anbieten, schließen hier eine kritische Lücke. Sie ermöglichen es den Senioren, in einem Umfeld zu altern, das ihre Muttersprache, ihre Religion und ihre Lebensgewohnheiten achtet, während sie gleichzeitig die professionelle medizinische Versorgung erhalten, die im hohen Alter notwendig ist.
Dr. Hüseyin Kurt resümierte am Ende der Veranstaltung, dass solche Friedensbotschaften und Begegnungsorte gerade in Zeiten internationaler Spannungen an Bedeutung gewinnen.




































































