Griechenland
Der tapfere Bürgerrechtler: Dr. Sadık Ahmet

Heute vor genau 28 Jahren, am 24. Juli 1995, starb Dr. Sadık Ahmet, der Menschenrechtsaktivist, Politiker und Chirurg aus Gümülcine/Komotini.

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von Kemal Bölge

Am 7. Januar 1947 erblickte Sadık Ahmet in dem westthrakischen Dorf Küçük Sirkeli (Agra) bei Komotini/Gümülcine das Licht der Welt. Er wurde nach seinem Großvater benannt – Değirmenci Sadık Efendi (Der Müller Sadık Efendi) – der eine Mühle betrieb und in der Ortschaft sehr angesehen war.

Ahmets Mutter, Fehime Hanım, stammte aus der Gemeinde Mehrikoz (Dorf Ürpek), die ebenfalls zu Komotini/Gümülcine gehört. Nach dem Zweiten Weltkrieg brach in Griechenland ein Bürgerkrieg aus, bei dem 185.000 Menschen ihr Leben verloren. In dieser unruhigen Zeit wurden die türkisch-muslimischen Dörfer in Westthrakien immer wieder von umherziehenden Milizen überfallen. Die bewaffneten Einheiten verschleppten zahlreiche Einwohner in die Berge und manche wurden dabei getötet. Ein Verwandter Sadık Ahmets wurde durch Milizkräfte getötet, weshalb die Familie Schutz bei Verwandten in Komotini/Gümülcine suchte.

Ahmets Vater verdiente sich seinen Lebensunterhalt durch landwirtschaftliche Tätigkeiten und der Herstellung von Pferdewagenrädern. Sadık Ahmet verbrachte seine Kindheit in dörflicher Umgebung und half der eigenen Familie. Nach der Grundschule in Küçük Sirkeli besuchte er erfolgreich die türkisch-muslimische Celal Bayar-Mittelschule/Gymnasium in Komotini. Während des Besuchs der gymnasialen Oberstufe entwickelte sich Ahmets Hang zum Schreiben. In der türkischsprachigen westthrakischen Regionalzeitung „Akın“ wurden zwei Texte von ihm veröffentlicht. Es folgten weitere Artikel und sein Faible, sich für die Interessen der Westthrakien-Türken einzusetzen wurde offenbar.

Nach dem Abitur schrieb er sich 1966 an der medizinischen Fakultät der Ankara Universität ein und wechselte nach einem Jahr an die medizinische Fakultät der Aristoteles-Universität von Thessaloniki. Im Jahr 1974 beendete er erfolgreich sein Medizinstudium und wurde als angehender Arzt nicht als Reserveoffizier zum Militärdienst eingezogen. Er leistete seinen Wehrdienst als einfacher Soldat ab.

Neben seinem Beruf als Arzt widmete sich Ahmet den gesellschaftlichen Problemen der türkischen Minderheit im nordöstlichen Teil Griechenlands. Ein wesentliches Merkmal dieser Problematik besteht darin, dass Athen sich weigert, die Ethnizität der Türken anzuerkennen und stattdessen den Begriff „griechische Muslime“ verwendet, obwohl diese Menschen sich als Türken muslimischen Glaubens betrachten. In einer Unterschriftenaktion machte der charismatische Menschenrechtsanwalt und Politiker 1985 auf die Probleme der türkischen Minderheit aufmerksam, bei dem er schätzungsweise 15.000 Unterschriften sammelte.

Für seinen unermüdlichen Einsatz der Grundrechte der türkischen Minderheit wurde er vor Gericht angeklagt und später zu 30 Monaten Gefängnis verurteilt. Bei den griechischen Parlamentswahlen von 1989 wurde Ahmet als erster unabhängiger Abgeordneter der türkisch-muslimischen Minderheit ins Athener Parlament gewählt. Seine Wahl wurde jedoch später annulliert. Wegen einer Rede am 26. Januar 1990, wurde er wegen der Verwendung des Begriffs „Türken“ für die Minderheit in Westthrakien zu einer mehrmonatigen Freiheitsstrafe verurteilt.

Dr. Sadık Ahmet: „Nur weil ich Türke bin, muss ich ins Gefängnis“

Vor Haftantritt erklärte Ahmet damals: „Nur weil ich Türke bin, muss ich ins Gefängnis. Wenn es strafbar ist, Türke zu sein, sage ich noch einmal, dass ich Türke bin und es auch bleiben werde.“

Der Anwalt für die Rechte und Freiheiten der türkischen Minderheit in Westthrakien

Durch eine Gesetzesänderung des Wahlrechts, wurde 1993 eine Drei-Prozent-Hürde für das griechische Parlament beschlossen, damit unter anderem unabhängige Kandidaten wie Sadık Ahmet nicht ins Parlament einziehen konnten. Zu seinen Charaktereigenschaften gehörte zweifellos seine Furchtlosigkeit.

Er setzte sich für die Rechte der türkischen Minderheit ein. Weil er sich unermüdlich für den Türkischunterricht für die Schülerinnen und Schüler der türkischen Minderheit einsetzte, die Identitäts- und Religionsfreiheit verteidigte, wurde Ahmet für die damalige griechische Regierung zu unbequem. Bei einem rätselhaften Verkehrsunfall im Dorf Susurköy/Sostis am 24. Juli 1995, der nie vollständig aufgeklärt werden konnte, kam Dr. Sadık Ahmet ums Leben.

Literatur

Erdem, Nilüfer: Dr. Sadık Ahmet, Ankara: Kültür ve Turizm Bakanlığı, 2021, S. 149-153.

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