Finanzen
Stadt vs. Land: Wo sich der Umzug finanziell lohnt

StepStone hat die Gehaltsdaten und Lebenshaltungskosten der 10 größten Städte Deutschlands und der angrenzenden Landkreise analysiert. Viele Arbeitnehmer*innen finden ein Leben auf dem Land zunehmend attraktiv - da sie durch Corona mehr von zu Hause arbeiten können. Wer statt in Berlin im Landkreis Oder-Spree wohnt und arbeitet, hat am Ende des Monats mehr als doppelt so viel Geld übrig.

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Steigende Immobilienpreise, hohe Mieten, knapper Wohnraum: Bereits seit einigen Jahren boomt der Immobilienmarkt in den deutschen Metropolen. Doch könnte sich das zukünftig ändern? Ausgelöst durch die Corona-Pandemie ist die Arbeit aus dem Homeoffice für viele alltäglich geworden, der feste Schreibtisch im Büro wurde bei einigen Arbeitnehmer*innen von einem flexiblen Arbeitsplatz in den eigenen vier Wänden abgelöst.

Weil auch nach der Corona-Pandemie Homeoffice ein wichtiger Bestandteil der modernen Arbeitswelt bleiben wird, ziehen immer mehr Menschen ein Leben auf dem Land in Betracht. Und das kann sich finanziell lohnen. Für die 10 größten Städte Deutschlands hat die Jobplattform StepStone die Durchschnittsgehälter und Lebenshaltungskosten analysiert und mit denen der umgebenden Landkreise verglichen.

Die Analyse basiert auf 128.000 Gehaltsdaten sowie Mietkosten und weiteren Lebenshaltungskosten für Transport, Nahrungsmittel und Freizeitaktivitäten in insgesamt 395 Stadt- und Landkreisen. Es zeigt sich: Wer auf dem Land wohnt und arbeitet, verdient oft weniger als in der Großstadt. In der Regel bleibt am Ende des Monats jedoch trotzdem mehr Geld übrig, da die Lebenshaltungskosten erschwinglicher sind.

„Wenn es darum geht, den richtigen Job zu finden, hat jeder Mensch andere Präferenzen. Während der Eine einen möglichst kurzen Arbeitsweg sucht und zentral in der Stadt nahe seines Arbeitgebers wohnen möchte, ist für den Anderen auch ein weiter entfernter Arbeitgeber attraktiv – flexible Arbeitszeitmodelle, Homeoffice-Möglichkeiten und Jobtickets oder Dienstwagen sei Dank“, sagt Arbeitsmarkt-Experte Dr. Tobias Zimmermann. „Für Unternehmen ist es wichtig, dass sie diese Vorteile von Beginn an benennen, um direkt die richtigen Mitarbeiter*innen auf sich aufmerksam zu machen und für sich zu gewinnen.“

Die Gehälter und Lebenshaltungskosten der 10 größten Städte Deutschlands im Vergleich mit den umliegenden Landkreisen im Überblick:

1. Berlin vs. Landkreis Oder-Spree

„Tausche Leben in der Hauptstadt gegen Land“ – das lohnt sich: Das Durchschnittsgehalt von Arbeitnehmenden in Berlin beträgt 54.388 Euro brutto im Jahr und liegt damit unter dem deutschen Durchschnitt (58.758 Euro). Aufgrund der relativ hohen Lebenshaltungskosten bleibt den Berliner*innen jedoch nur rund 250 Euro am Ende des Monats übrig. Betrachtet man die angrenzenden Landkreise, wäre der Landkreis Oder-Spree die günstigere Alternative zum Leben: Das Durchschnittsgehalt von rund 52.495 Euro brutto liegt nur unwesentlich unter dem von Berlin, gleichzeitig sind die Lebenshaltungskosten erschwinglicher als in der Hauptstadt (2.015 Euro monatlich), sodass monatlich mit rund 610 Euro mehr als doppelt so viel wie in Berlin rausspringt.

2. Hamburg vs. Landkreis Stade

Nordlichter aufgepasst: Stade gewinnt gegen die Metropole Hamburg. Mit einem Gehalt von 59.111 Euro brutto im Jahr und Lebenshaltungskosten von rund 2.614 Euro monatlich bleibt den Hamburger*innen monatlich nur 341 Euro zur freien Verfügung. Im Gegensatz dazu stehen Arbeitnehmer*innen im Landkreis Stade deutlich besser da: In der nur eine Autostunde entfernten Region hat beispielsweise auch Airbus seinen Sitz. Zwar ist das Durchschnittsgehalt im Landkreis Stade rund 10 Prozent geringer als in Hamburg, dafür bleiben den Arbeitnehmer*innen monatlich trotzdem rund 243 Euro mehr als den Hamburger*innen.

3. Stadtkreis München vs. Landkreis München und Landkreis Freising

München gilt als eine der teuersten Städte Deutschlands. Trotzdem lohnt ein Umzug nur bedingt. Zwar liegt das Gehalt dort mit 67.404 Euro deutlich über dem Durchschnittsniveau – selbes gilt aber auch für die Kosten vor Ort, insbesondere für die Mieten. Noch viel schlechter sieht das Verhältnis von Gehalt und Lebenshaltungskosten im nahegelegenen Landkreis München aus – hier bleibt den Arbeitnehmer*innen bei durchschnittlich 61.163 Euro im Jahr und Lebenshaltungskosten von über 3.000 Euro im Monat am Ende rein rechnerisch fast nichts mehr übrig (ca. 8 Euro). Arbeitnehmer*innen im nur wenige Kilometer entfernten Landkreis Freising stehen hingegen deutlich besser da. Ihnen bleiben monatlich immerhin 490 Euro vom Monatslohn.

4. Köln vs. Rhein-Kreis Neuss

Land schlägt Stadt: Den Kölner*innen bleibt am Ende des Monats rund 597 Euro, wenn man von ihrem Durchschnittsgehalt von 60.761 Euro jährlich brutto die Ausgaben für Wohnen, Essen, Transport und Freizeit abzieht (ca. 2.441 Euro im Monat). Im Vergleich dazu steht der Rhein-Kreis Neuss deutlich besser dar. Obwohl Arbeitnehmer*innen hier weniger verdienen (ca. 58.326 Euro jährlich brutto), bleibt ihnen am Ende des Monats 234 Euro mehr als den Rheinländern – den günstigen Lebenshaltungskosten sei Dank.

5. Frankfurt am Main vs. Main-Kinzig-Kreis

Ein Leben im Frankfurter Umland lohnt sich mehr als ein Leben in der Finanzhochburg. Mit einem Gehalt von 70.974 Euro brutto führt Frankfurt am Main die Top 10 der größten Städte Deutschlands ins Sachen Gehalt an. Trotz der sehr hohen Mieten bleiben den Arbeitnehmer*innen in der Bankerstadt immerhin rund 700 Euro monatlich zur Verfügung. Im Main-Kinzig-Kreis sieht es sogar noch besser aus. Hier verdienen die Menschen zwar jährlich über 10.000 Euro weniger – dafür bleibt ihnen monatlich durchschnittlich fast ein Drittel mehr vom Gehalt übrig als den Frankfurter*innen.

6. Stuttgart vs. Landkreis Böblingen

Ein Umzug ins Umland Stuttgarts ist nur bedingt attraktiv. Das Gehaltsniveau in Stuttgart ist mit 66.444 Euro brutto überdurchschnittlich. Das gilt aber auch für die Lebenshaltungskosten, allen voran die Mietpreise. Zieht man den Landkreis Böblingen als Vergleichsgröße heran, zeigt sich, dass die Arbeitnehmer*innen mit 62.827 Euro etwas weniger verdienen als die Stuttgarter*innen. Trotzdem haben sie am Ende des Monats etwas mehr vom Gehalt übrig – jedoch liegt der Unterschied bei nur knapp 100 Euro.

7. Düsseldorf vs. Landkreis Mettmann

Ländliche Region schlägt Metropole: Die Düsseldorfer*innen können sich bei einem Jahresgehalt von 63.700 Euro über eine monatliche Ersparnis von 856 Euro freuen – damit liegt die Stadt am Rhein noch vor Köln. Wer über einen Umzug in angrenzende ländliche Regionen nachdenkt, könnte im Landkreis Mettmann glücklich werden. Mit einem nur leicht geringeren Durchschnittsgehalt von 60.322 Euro brutto jährlich bleibt den Arbeitnehmer*innen in Mettmann im Monat etwa 17 Prozent mehr vom Gehalt als den Düsseldorfer*innen.

8. Leipzig vs. Landkreis Nordsachsen und Burgendlandkreis

Stadt schlägt Land: Leipzig ist unter den Metropolen das Schlusslicht in Sachen Gehalt. Lediglich rund 47.411 Euro im Jahr verdienen die Leipziger*innen. Mit 760 Euro im Monat bleibt ihnen jedoch vergleichsweise viel Geld am Ende des Monats zur freien Verfügung. Das zeigt sich auch im Vergleich zum Umland: Sowohl im Landkreis Nordsachsen als auch im Burgendlandkreis ist das Gehalt deutlich geringer und die Lebenshaltungskosten sind sogar höher (ca. 1.664 Euro bzw. 1.652 Euro monatlich). Ein Umzug in angrenzende ländliche Gebiete lohnt sich aus finanzieller Hinsicht daher nicht.

9. Dortmund vs. Landkreis Unna vs. Ennepe-Ruhr-Kreis

Ein Umzug lohnt sich finanziell kaum: In Dortmund ist das Verhältnis von Gehalt und Lebenshaltungskosten sehr gut. Von den rund 57.373 Euro brutto Durchschnittsgehalt bleiben im Monat rund 950 Euro übrig. Ein Umzug in die umliegenden Regionen lohnt sich aus finanzieller Hinsicht kaum. Sowohl im Landkreis Unna als auch im Ennepe-Ruhr-Kreis ist das Verhältnis von Gehalt und Lebenshaltungskosten auf einem ähnlichen Niveau wie in Dortmund: Auch hier bleibt den Arbeitnehmer*innen etwas mehr als 950 Euro vom Durchschnittsgehalt im Monat (54.202 Euro in Unna und 55.245 Euro im Ennepe-Ruhr-Kreis brutto jährlich).

10. Essen vs. Landkreis Mettmann vs. Ennepe-Ruhr-Kreis

Keine günstigere Alternative in Sicht: Essen ist im Vergleich mit den anderen zehn größten Städten der Gewinner in Sachen Haushaltskasse. Das hohe Durchschnittsgehalt von 61.836 Euro und geringe Lebenshaltungskosten – allen voran die günstigen Mietpreise – sorgen dafür, dass die Essener Arbeitnehmer*innen fast 1.300 Euro im Monat zur Verfügung haben – nach Abzug von Miete, Essen und Kosten für Transport und Freizeitaktivitäten. Günstiger lebt es sich auch im Umland nicht. Sowohl im Ennepe-Ruhr-Kreis als auch im Landkreis Mettmann sind die Lebenshaltungskosten nicht günstiger als in Essen.

Die Analyse basiert auf dem neuen StepStone Lebenskostenrechner, mit dem Arbeitnehmer herausfinden können, wie viel von ihrem Gehalt in unterschiedlichen Städten übrig bleibt.

Über den StepStone Kostenreport „Leben und Gehalt im Fokus“

Wie viel ist mein Gehalt wirklich wert? Wo möchte ich gern leben und arbeiten? Der Unternehmensstandort und das Gehalt sind zentrale Faktoren bei der Entscheidung für einen Job. StepStone hat deshalb auf Basis der 128.000 Gehaltsdaten, die dem StepStone Gehaltsreport 2020 zugrunde liegen, Durchschnittsgehälter für 395 Stadt- und Landkreise in Deutschland erhoben und hierzu die jeweiligen Lebenshaltungskosten vor Ort – bestehend aus Miete, Transport, Nahrungsmitteln und Freizeitaktivitäten – in Bezug gesetzt. Datenquellen: StepStone Gehaltsreport 2020, immowelt.de, numbeo.com

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