Brüssel
VW-Werk in der Türkei: Auch CSU will dagegen vorgehen

Der Widerstand gegen das geplante VW-Werk in der Türkei wächst. Am Donnerstag habe auch EU-Fraktionschef Manfred Weber gesagt, dass er die Entscheidung für die Türkei für einen Fehler halte und habe die EU-Kommission zum Einschreiten aufgefordert. 

Teilen

Berlin – Am Dienstag kündigten fraktionsübergreifend eine Gruppe EU-Politiker in einem Schreiben an, gegen die geplante neue Fabrik des Autokonzerns VW in der Türkei vorgehen zu wollen.

Laut dem Nachrichtenmagazin SPIEGEL halte auch EU-Fraktionschef Manfred Weber die Entscheidung für die Türkei für einen Fehler und habe die EU-Kommission zum Einschreiten aufgefordert.

„VW trägt auch eine gesellschaftliche Verantwortung, und gerade angesichts der Einschränkungen der Pressefreiheit muss man sich fragen, ob ein Investment in der Türkei jetzt richtig ist“, sagte Weber dem SPIEGEL.

Der CSU-Politiker habe EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager aufgefordert zu prüfen, ob die Türkei mit ihren Beihilfen für das geplante VW-Werk gegen europäisches Recht verstoße. Es könne nicht sein, „dass unsere Mitgliedstaaten an strenge Wettbewerbs- und Beihilferegeln gebunden sind, während die Türkei Beihilfen für eine Produktion gewährt, die in den europäischen Markt exportiert wird“, zitiert der SPIEGEL aus einem Schreiben Webers vom Donnerstag.

Wie Zeitungen der Funke-Mediengruppe am Dienstag berichteten, äußerten auch EU-Abgeordnete der christdemokratischen EVP, der Grünen und der Liberalen den Verdacht, die Türkei habe mit der Zusage hoher Staatsbeihilfen für VW gegen Verpflichtungen im Rahmen der Zollunion mit der EU verstoßen und sich so einen Wettbewerbsvorteil gegenüber EU-Staaten verschafft.

Die sieben Parlamentarier brachten demnach in einem Schreiben, das Funke vorliege, eine Untersuchung im gemeinsamen Assoziationsrat der EU und der Türkei ins Gespräch. Viola von Cramon-Taubadel, niedersächsische Grünen-Abgeordnete, appelliere zugleich an den VW-Aufsichtsrat, das Projekt zu stoppen. Cramon gehöre zu den Unterzeichnern des Schreibens.

Die EU-Abgeordneten Daniel Caspary, Chef der CDU/CSU-Gruppe, Daniel Caspary, der Vorsitzende der Europa-Grünen, Reinhard Bütikofer, und die FDP-Politikerin Svenja Hahn, kritisierten in dem Schreiben, dass die türkische Regierung eine staatliche Beihilfe von 400 Millionen Euro und eine Garantie über den Ankauf von 40.000 Autos jährlich gegeben hätten, um VW von der Investition in der Türkei zu überzeugen, berichten die Zeitungen der Funke-Mediengruppe weiter.

Volkswagen stärke mit der Standortauswahl „das autokratische Regime von Erdogan“ und sende zugleich ein „verheerendes Signal“ an den Mitbewerber Bulgarien, so Cramon-Taubadel gegenüber Funke. VW werde „angesichts der aktuellen instabilen und höchst kritischen politischen Situation in der Türkei“ für das finanzielle Risiko eines solchen Investments möglicherweise noch teuer bezahlen müssen“, warnte die EU-Politikerin.

VW gründet Unternehmen in der Türkei

Trotz aller Warnungen entschied sich VW für die Türkei als Ort für die neue Ost-Europa-Fabrik.

Nach einer Ankündigung im Handelsregisterblatt vom Mittwoch soll der Automobilkonzern bereits das hierfür erforderliche inländische Tochterunternehmen gegründet haben.

Der VW-Konzern hat dafür die mit einem Kapital von 943.5 Mio. Lira bestückte „Volkswagen Turkey Otomotiv Sanayi ve Ticaret AŞ“ Aktiengesellschaft in der westtürkischen Stadt Manisa gegründet.

Bereits im August mahnten deutsche Kritiker der türkischen Regierung VW, sich für die Türkei zu entscheiden. Eine Vergabe des neuen Werks an die Türkei sei nicht „mit der Menschenrechtslage in dem Land vereinbar“.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), der gleichzeitig im VW-Aufsichtsrat sitzt, warnte jedoch bereits im August davor, „den Demokraten“ in der Türkei den Eindruck zu vermitteln, „wegen Präsident Erdogan das Land insgesamt in Acht und Bann zu legen“. „Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Die Demokraten in der Türkei dürfen nicht den Eindruck gewinnen, wir würden sie fallen lassen“, so Weil.

 

Auch interessant

Syrien: Baschar al-Assad zum Tode verurteilt

Damaskus - In einem historisch beispiellosen Prozess hat ein syrisches Gericht in der Hauptstadt Damaskus den gestürzten Präsidenten Baschar al-Assad in Abwesenheit zum Tode...

Neues Atom-Bündnis: Was hinter dem Mekka-Pakt steckt

Ein Gastbeitrag von Toghrul Hasanzadeh Am 7. August 2026 unterzeichneten der türkische Präsident Erdoğan, der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman und der pakistanische Premier Shehbaz...

Krafttraining als Vorsorge: Warum Muskelaufbau heute wichtig ist

Viele Menschen verbinden Gesundheitsvorsorge vor allem mit einer ausgewogenen Ernährung, ausreichend Schlaf oder regelmäßigen ärztlichen Untersuchungen. Diese Faktoren sind ohne Zweifel wichtig. Gleichzeitig gerät...

„Kriechend den Boden wischen“ – Schwere Vorwürfe wegen Demütigungen gegen Sara Netanjahu

Jerusalem – Die Ehefrau des israelischen Ministerpräsidenten, Sara Netanjahu, sieht sich erneut mit schweren Vorwürfen ehemaliger Hausangestellter konfrontiert. Wie die israelische Tageszeitung „Yedioth Ahronoth“ nach...

Safa: Netanjahu ist nicht das Problem, Israel ist

Beirut - Der libanesische Diplomat und Menschenrechtsaktivist Mohamad Safa hat in einem ausführlichen Kommentar den internationalen Fokus auf Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu kritisiert. Eine mögliche...

Headlines

Mattner: „Auch israelische Siedler können Terroristen sein“

Ein Gastkommentar von Susanne Mattner Ich bin ehrlich gesagt äußerst erstaunt – und zwar positiv –, dass die Frankfurter Rundschau...

Safa: Netanjahu ist nicht das Problem, Israel ist

Beirut - Der libanesische Diplomat und Menschenrechtsaktivist Mohamad Safa hat in einem ausführlichen Kommentar den internationalen Fokus auf Israels...

Syrien: Baschar al-Assad zum Tode verurteilt

Damaskus - In einem historisch beispiellosen Prozess hat ein syrisches Gericht in der Hauptstadt Damaskus den gestürzten Präsidenten Baschar...

Mega-Rüstungsdeal: Waffen aus der Türkei an die Ukraine

Washington/Ankara – Es ist das historisch größte Rüstungsgeschäft zwischen der Türkei und der Ukraine seit Beginn des Konflikts: Das...

Meinung

Westbank-Journalist Andrey X: „Sie haben auf mich geschossen“

Jerusalem - Der israelische Journalist und Aktivist Andrey X berichtet von einem weiteren gefährlichen Vorfall während seiner Arbeit im Westjordanland. Andrey X berichtet von einem...

Wandgemälde auf Trümmern in Gaza: Künstler ehren entlassene US-Burger-King-Mitarbeiterin

Gaza - Die Ruinen des Gazastreifens werden zunehmend zur Leinwand für globalen Dank und Solidarität. Palästinensische Künstler haben dort nun ein großflächiges Porträt einer US-amerikanischen...

Odadaki Son Yetişkin Olarak Türkiye

Konuk Yazar Nabi Yücel Mevcut durumda Türkiye, Orta Doğu'nun – ve çok daha ötesinin – jeopolitik manzarasında neredeyse nesli tükenmekte olan diplomatik bir tür; yani...

Geleceğin Cumhurbaşkanı: Hakan Fidan

Polat Karaburan Recep Tayyip Erdoğan, yarım asrı aşkın bir süredir Türkiye’nin siyasi hayatına yön veriyor. 1976 yılında merhum Necmettin Erbakan’ın siyasi hareketinde filizlenen bu yolculuk,...

Araştırma: Dini İnanç, Gençleri Kaygı Bozukluklarından Koruyan Temel Bir Faktör

Almanya - Bochum Ruhr Üniversitesi (RUB) tarafından yürütülen güncel bir araştırma, dini inancın çocukların ve gençlerin ruh sağlığı için kritik bir koruyucu faktör olduğunu...