Studie
Mehr Frauen in der Führung machen eine Firma nicht sozialer

Je mehr Frauen in die Chefetagen aufsteigen, desto härter und zielorientierter wird laut einer Untersuchung der internationalen Personalberatung Russell Reynolds Associates der Führungsstil im Unternehmen.

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Berlin (dts) – Je mehr Frauen in die Chefetagen aufsteigen, desto härter und zielorientierter wird laut einer Untersuchung der internationalen Personalberatung Russell Reynolds Associates der Führungsstil im Unternehmen: Demnach nimmt der Fokus auf gute soziale Beziehungen in gemischten Führungsteams signifikant ab, berichtet die „Welt am Sonntag“.

Das widerspricht der bisher herrschenden Meinung in der Diversity-Debatte:

Danach werde mit dem Einzug weiblicher Chefs auch die Führung „weiblicher“, sprich sozialer und verantwortungsvoller.

Der Auswertung von Tiefeninterviews mit über 4.300 internationalen Entscheidern zufolge ist das Gegenteil der Fall: Steige der Frauenanteil in Führungsgremien über die kritische Masse von 22 Prozent, breche der klassische Geschlechterstereotyp auf. Dann kümmerten sich Frauen stärker um ihre eigene Karriere und näherten sich in Sachen Durchsetzungskraft und Härte ihren männlichen Kollegen an. Die Fürsorge für andere und die Beziehungspflege dagegen nähmen messbar ab und das sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen.

„Dadurch wird die Managerwelt härter“, sagte Studienautor Joachim Bohner, Assessment-Experte von Russell Reynolds, der „Welt am Sonntag“. Dafür würden alle miteinander fokussierter, kämpferischer und damit auch erfolgreicher. „Frauen und Männer an der Spitze nähern sich dem Idealtypus des `General Managers` an“, so Bohner. Dieser Typus ist nach Ansicht der Personalberater am besten gerüstet für unsere dynamische Zeit, in der sich Märkte und Anforderungen an Unternehmen mit so rasanter Geschwindigkeit verändern wie nie zuvor.

(Foto: geralt)
(Foto: geralt)

„Dieser hat eine hohe Leistungsorientierung, gepaart mit der Kraft und der Fähigkeit, Menschen emotional mitzunehmen, scheut aber auch nicht vor härteren Entscheidungen zurück, wenn diese in Transformationsprozessen nötig sind.“ Für die Managerinnen in aller Welt sei die Überwindung der klassischen Geschlechterrollen „ein Befreiungsschlag“, so Bohner. „Sie können ihren Exotenstatus abschütteln und einfach nur Führungskräfte sein“, sagte der promovierte Psychologe.

Frauen werde nicht mehr allein aufgebürdet, mit ihrer vermeintlich höheren emotionalen Intelligenz auch noch die sozialen Probleme in den Teams zu lösen. „Dadurch haben sie endlich gleiche Chancen, in ihrem eigentlichen Job erfolgreich zu sein, wie männliche Manager.“ Berater von Russell Reynolds haben anhand von 48 Dimensionen, etwa abstraktes Denken, menschliche Wärme oder Angstgefühl, sogenannte psychometrische Profile von Topmanagerinnen und Topmanagern aus 25 Ländern erstellt.

Diese haben sie nach Ländern mit geringem, mittleren und hohen Anteil weiblicher Führungskräfte sortiert. Einmal in größerer Zahl in Top-Jobs angekommen, unterscheiden sich Männer und Frauen der Studie zufolge kaum mehr signifikant in ihren Charaktereigenschaften. „Dann werden die Persönlichkeitsunterschiede von Mensch zu Mensch wesentlich relevanter als die Unterschiede zwischen Mann und Frau“, erklärte Bohner.

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