Grünen-Politkerin im "Stern"
Claudia Roth klagt über zunehmenden Hass auf Politiker: „Da kippt etwas weg“

Roth erstattet in schweren Fällen Strafanzeige. Die Verfahren werden jedoch zumeist eingestellt, weil der tatsächliche Verfasser einer Hass-Botschaft im Internet oftmals nicht beweiskräftig zu ermitteln ist.

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Hamburg (ots) – Die Grünen-Politikerin Claudia Roth klagt über eine zunehmende Verrohung des politischen Klimas in Deutschland. Sie selbst bekomme pro Woche bis zu 100 E-Mails mit schweren Beleidigungen und massiven Bedrohungen zugeschickt, sagte die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages dem stern. Hinzu kämen Hass-Kommentare auf ihrer Facebook-Seite, die sie jedoch aus Gründen des Selbstschutzes häufig ignoriere: „Ich kann mir das nicht ansehen. Wenn ich nachts da drüber gucke, wird mir schlecht.“

Roth zeigte dem stern mehrere Hass-Mails, die sie in jüngster Zeit erhalten hat. Ein Verfasser schreibt: „Du fette Warze verrecke“, ein anderer: „Du gehörst vergast“ und ein weiterer: „Wir jagen dich, wir kriegen dich, WIR BRINGEN DICH ZUR STRECKE“.

Roth erstattet in schweren Fällen Strafanzeige. Die Verfahren werden jedoch zumeist eingestellt, weil der tatsächliche Verfasser einer Hass-Botschaft im Internet oftmals nicht beweiskräftig zu ermitteln ist.

Scharf kritisiert Roth die Vorkommnisse am Rande der Feiern zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober in Dresden. Personen aus dem Pegida-Umfeld hatten dort politische Repräsentanten lautstark beschimpft und beleidigt – darunter auch Roth, die einen vergeblichen Versuch unternahm, mit den Protestierern ins Gespräch zu kommen. In Dresden habe „eine unglaubliche Lynchatmosphäre“ geherrscht, so Roth. „Ich hatte das Gefühl: Da fehlt jetzt nur noch ganz wenig, dann schlägt das um in direkte körperliche Gewalt.“

Sie sei besorgt über eine zunehmende Brutalisierung des politischen Klimas in Deutschland. „Da kippt etwas weg. Es werden öffentliche Räume dem rechten Hass freigegeben.“ Rechte Protestierer wie die in Dresden hätten „überhaupt keinen Respekt mehr vor den Verfassungsorganen und unseren Grundrechten“.

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