Wenn Deutschtürken deutscher als Deutsche sind
Kommentar: Das Türkei-Rückkehrer Syndrom

Von Marina Bütün Seit meiner Auswanderung in die Türkei habe ich sehr viele Menschen kennengelernt. Ich habe sie kommen sehen, voller Enthusiasmus und Zukunftsträume, ich habe auch viele wieder gehen sehen, enttäuscht, traurig, weil sie gar nicht aus der Türkei weg wollten, aber persönliche Umstände sie gezwungen hatten, wieder zurückzugehen. Manchmal, wenn ich mich so umhöre, gerade in der heutigen Zeit, in der die Türkei von vielen Deutschen gemieden wird, weil die deutschen Medien eine Türkei suggerieren, die diktatorisch sei, die den Menschen keine Freiheit lässt oder sie gar unterdrückt oder einsperrt oder ermordet werden, bemerke ich, dass ein Teil der Rückwanderer, die einst so glücklich waren, hier zu sein, einen erheblichen und auch garstigen Beitrag dazu leisten, dass vieles geglaubt wird, was in den Zeitungen steht. Denn wenn doch jemand von dort zurückgekehrt ist und nur noch schimpft, dann ist das die vermeintliche Wahrheit, die man in den deutschen Medien liest oder sieht. Zeugen, denen man unbedingt glauben muss, denn sie waren ja augenscheinlich vor Ort und bestätigen dann sehr oft und voller Inbrunst und totaler Übertreibungen, was sie früher, als ihre Welt in der Türkei noch in Ordnung war, niemals behauptet hätten. Der Zorn, den diese deutschen Rückkehrer in sich haben, für die eigene persönliche Situation, in die sie sich hineinmanövriert haben oder in die sie von anderen bösartigen Menschen gebracht wurden, braucht dann unbedingt einen Schuldigen, der Schuldige ist in dem Falle immer das Land, in dem man gelebt hat und nicht etwa die Menschen, die dazu beigetragen haben, dass man Schiffbruch erlitten hat. Die Gründe sind so vielfältig und doch einfach persönliche Erlebnisse, die man auch in jedem anderen Land oder auch im Heimatland Deutschland erleben könnte, zum Beispiel geht die Beziehung zu einem Mann in die Brüche, man hat finanzielle Probleme, die selbstverschuldet sind, eine Firmenpleite, Arbeitsplatzverlust und ähnliche Dinge. Doch das wird meistens gar nicht erwähnt oder nur kurz eingeflochten. Das Hauptthema ist dann die Türkei. Und wenn Deutschland vorher noch so schlecht war, als man ging und wenn man auch noch so oft betonte, dass man nie mehr zurück möchte – nach einem persönlichen Schicksalsschlag, der zur Rückkehr zwingt, sieht die Welt auf einmal wieder ganz anders aus. Bei türkischstämmigen Auswanderern, die wieder nach Deutschland gingen, beobachtete ich immer den gleichen Grund: Sie waren deutscher als wir Deutschen hier und hatten sehr oft immense Anpassungsprobleme an die Gepflogenheiten im Land ihrer Eltern. Das ist unglaublich, aber es ist wirklich so, dass vielen dieser Lebensstil, der nichts mit dem in Deutschland zu tun hat, zu schaffen macht. Es ticken die Uhren in Deutschland pünktlich, es herrschte Disziplin, die Behörden hatten ein anderes System, man arbeitet hier mehr als in Deutschland für umgerechnet natürlich weniger. Doch dafür lebt man auch, außer in den großen Metropolen wie Istanbul, Ankara oder Izmir wesentlich günstiger. Es gibt nichts, was man mit dem straff reglementierten deutschen System und dem Leben dort vergleichen kann. Alles läuft gemütlicher, Termine verschieben sich um Stunden und keiner beschwert sich. Man wittert noch viel mehr als der Deutsche selbst überall Gefahren, betrogen zu werden, vor Vertragsabschlüssen werden sämtliche Szenarien durchgespielt, die passieren könnten – und meistens werden diese Menschen dann erst recht und nur von ihrer Angst in die falsche Richtung geleitet. Viele kommen damit nicht klar und gehen völlig genervt wieder nach Deutschland, um festzustellen, wie schlimm das Land hier doch regiert wird. Es ist völlig irre, denn die meisten, die ich danach gehört habe, erzählen nicht, dass sie einfach zu deutsch für die Türkei sind, obwohl sie als Türken es eigentlich leichter haben müssten… Ich habe mich aber nie fragen müssen, warum viele Rückkehrer so reagieren. Das ist einfach menschlich, dass man sich ein persönliches Scheitern nicht eingestehen will. Es ist wie bei einer Freundin von mir, die in Deutschland mit einem Türken eine Beziehung hatte, lange Jahre. Sie fand türkische Musik schön, sie lernte orientalischen Tanz, sie fühlte sich zu allem, was türkisch war, hingezogen. Dann kam das Beziehungsaus und auf einmal war alles, was türkisch war, schlecht. Sogar die Menschen – sie trugen angeblich einen unangenehmen Geruch an sich. Ich habe ihr damals erklärt, dass sie sich das alles nur einbildet. Dass das vorbei geht, wenn sie das Ende ihrer Beziehung verarbeitet hat. Es hat zwei Jahre gedauert, dann lief wieder die Musik, sie flog in die Türkei in den Urlaub und es war alles wieder in Ordnung. Genauso verhält es sich mit den Rückkehrern. Sie sind mit dem Land beleidigt, nicht mit sich selbst, wenn etwas nicht so funktioniert, wie sie es sich erträumt haben. Genau die selben “Anwandlungen“ wie meine Freundin sie hatte, die ja nur in Deutschland lebte. Leider gibt es auch “Langzeithasser“ , die sich von ihrer Enttäuschung, den Traum versemmelt zu haben, nie mehr erholen. Bei manchen, die noch vor der jetzigen Regierung wieder zurückgekehrt sind und die nur noch von Freunden oder Verwandten reden, die ihnen diese schrecklichen Informationen aus der Türkei vermitteln, denkt man, die Türkei war in den neunziger Jahren ein Vorzeigestaat und ist nun ein Abklatsch von Nordkorea. Tatsachen werden verdreht und verschwiegen, damals war das alles besser, heute möchte man keinen Fuß mehr in die Türkei setzen. Manche reagieren regelrecht hysterisch , wenn sie dann über die Türkei berichten und versuchen, mit allen Mitteln, zu beschreiben, wie froh sie sind, nicht mehr in der Türkei leben zu müssen und bedienen sich dann auf einmal wieder der deutschen Presse, die sie vorher fürchterlich verlogen fanden, schauen genau wieder die Sender im Fernsehen, die, wie sie früher sagten, gesteuert werden. Aber wenn man dann mit Menschen spricht, die sie persönlich kennen und von der Situation, in der die Rückkehrer gewesen sind, hört, dann weiß man genau, dass es wieder jemanden erwischt hat. Es ist wie eine Krankheit, ein Virus, der ansteckend ist bei vielen Rückkehrern. Was es genau ist, kann man nur erahnen: Wut auf sich selbst oder bestimmte Menschen, die dafür gesorgt haben, dass man die Flucht rückwärts ergreift, Enttäuschung über das eigene Versagen, die unglücklichen Umstände, mehr ist es nie und leider auch sehr oft die Eifersucht auf diejenigen, die noch immer dort leben, wo sie gerne bis ans Lebensende selbst bleiben wollten.  
Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.  

Hilfe für Afrika
Türkei: Weitere 15 000 Tonnen Hilfsgüter für Somalia

Mersin (nex) – Die Türkei wird während des Ramadans, des Fastenmonats der Muslime, 15 000 Tonnen Hilfsgüter nach Somalia schicken.

Der Präsident des Türkischen Roten Halbmondes (TRH) Kerem Kinik, der mit der Nachrichtenagentur Anadolu sprach, gab bekannt, dass das Schiff mit Hilfsgütern morgen vom südtürkischen Hafen Mersin ablegen werde.

„Diese Hilfe wird in alle Regionen Somalias geschickt werden“, sagte der TRH-Präsident. „In dem Schiff befinden sich Hilfsgüter, die 1.000 Lkw-Ladungen fassen.“

Somalia ist einer der afrikanischen Staaten, die wegen der Dürre von einer schweren Hungersnot betroffen sind. 11 der insgesamt 18 Regionen des Landes leiden unter der Dürre. Die südsomalische Region Bay hat sie am schwersten getroffen.

Die Hilfspakete bestehen aus Mehl, Zucker, Medikamente und Babynahrung, die laut Kinik 3 Millionen Menschen im gesamten Ramadan zugute kommen sollen. Bislang hat der Türkische Rote Halbmond 11 Schiffe mit Hilfsgütern nach Somalia geschickt. Zwei weitere Schiffe sollen in Richtung Jemen, das ebenfalls von der Hungersnot betroffen ist, ablegen.

„In Somalia, dem Jemen und Südsudan ist Cholera ausgebrochen“, erklärte Kinik und ergänzte: „Nach dem Jemen werden wir versuchen die nördlichen Regionen des Südsudans zu erreichen. Das ist eine Mobilisierung in großen Dimensionen. Wir werden etwa 9 Millionen Menschen erreichen.“

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Blaulicht
Verdacht auf Anschlagsplanung: SEK nimmt Mann (32) in Essen fest

Essen (nex) – Im Essener Nordviertel ist heute gegen 20 Uhr ein 32-jähriger Mann von Spezialkräften festgenommen worden, der in Verdacht steht, möglicherweise einen Anschlag geplant zu haben. Laut Polizeimitteilung lägen keine Erkenntnisse für eine konkrete Anschlagsgefahr vor. Der deutsche Staatsbürger sei der Polizei seit längerem bekannt und soll morgen dem Haftrichter vorgeführt werden. Die Ermittlungen führt das Polizeipräsidium Essen unter der Leitung der Staatsanwaltschaft Essen. „Bild“-Chefreporter Frank Schneider zufolge handelt es sich bei dem Mann um einen deutschen Konvertiten.  

374-Milliarden-Dollar-Rechnung für Merkel
US-Präsident Trump: Viele Mitglieder schulden der Nato „enorme Mengen Geld“

Brüssel (nex) – US-Präsident Donald Trump hat bei seinem ersten Nato-Gipfel die Mitglieder des Verteidigungsbündnisses aufgefordert, mehr Geld zu zahlen.

„Die Nato-Mitglieder müssen endlich ihren Anteil beitragen und ihre finanziellen Verpflichtungen erfüllen“, so Trump. 23 der 28 Mitgliedsstaaten zahlten laut Trump immer noch nicht das, was sie für ihre Verteidigung aufbringen sollten. Viele dieser Länder würden den Steuerzahlern in den USA „riesige Mengen Geld schulden“. Die Verteilung sei gegenüber den Bürgern in den USA noch immer nicht fair. Es sei auch nicht genug, nur das Zwei-Prozent-Ziel zu erreichen, fügte er hinzu.

US-Medienberichten zufolge habe Trump Bundeskanzlerin Merkel nach einem Treffen im März eine Rechnung über 374 Milliarden US-Dollar übergeben. Das sei der Betrag, den Deutschland der NATO schulde.

Noch während des Wahlkampfs kritisierte der US-Präsident das Verteidigungsbündnis und bezeichnete es gar als „obsolet“. Später nahm er diese Äußerung wieder zurück.

Beim heutigen Treffen in Brüssel rief er die anderen Nato-Staaten zum Kampf gegen den Terror auf: „Wir müssen hart sein, wir müssen stark sein, wir müssen wachsam sein“, so Trump. Terror bedrohe die ganze Menschheit. Die Nato der Zukunft müsse sich sehr stark auf Terrorismus und auf Zuwanderung konzentrieren sowie auf die Bedrohung durch Russland.

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Stoltenberg: Nato wäre ohne Türkei schwächer

Streit um Abgeordneten-Besuch
Merkel droht Türkei mit Bundeswehr-Abzug

Brüssel (nex) – Im Gespräch mit dem türkischen Präsidenten Erdogan werde Bundeskanzlerin Angela Merkel „sehr deutlich“ machen, dass die Bundesregierung auf dem Besuchsrecht von Bundestagesabgeordneten bei deutschen Soldaten auf dem türkischen Stützpunkt in Incirlik bestehe. „Ansonsten müssen wir Incirlik verlassen“, so Merkel bei ihrer Ankunft im Nato-Hauptquartier in Brüssel. Seit die türkische Regierung vergangene Woche erneut einen Besuch von Bundestagsabgeordneten bei den dort stationierten Bundeswehrsoldaten ablehnte, prüft die Bundesregierung die Verlegung der Soldaten in ein anderes Land. Sechs Tornado-Jets sind in Incirlik als Teil des Nato-Einsatzes gegen die Extremistenmiliz IS in Syrien und im Irak stationiert. Regierungssprecher Steffen Seibert erklärte im Vorfeld des NATO-Treffens, dass Merkel aus diesem Grund ein Treffen mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan anstrebe. „Das ist der Plan“, so Seibert. Bei dem Treffen soll es demnach auch um in der Türkei inhaftierte Journalisten gehen. Angesichts politischer Differenzen bezüglich des NATO-Luftwaffenstützpunktes in Incirlik erklärte der türkische Präsident, dass er Deutschland nicht aufhalten werde, sollte sich das Partnerland entscheiden, seine Truppen aus Incirlik abzuziehen. Die türkische Seite habe bislang keine Informationen aus Berlin darüber erhalten, dass ein solcher Abzug geplant sei, so Erdogan. Deutsche Verantwortliche hätten vielmehr bestätigt, dass es aktuell keine derartigen Absichten gebe. “Falls sie so etwas aber machen sollten, ist das für uns kein besonders wichtiges Problem. Wenn sie gehen, dann sagen wir eben ‘Lebewohl’. Nichts weiter”, sagte Erdogan gegenüber Reportern.

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Türkischer Außenminister: „Wir ziehen es vor, Probleme durch Dialog zu lösen“

Terrorismus
Manchester-Attentat: Muslime warnten Sicherheitsbehörden wiederholt vor Salman A.

Manchester (nex) – Der Attentäter von Manchester sei den Behörden nicht unbekannt gewesen. Muslimische Bürger der Stadt hatten ihn bereits mehrmals an die zuständigen Stellen gemeldet. Das berichtet die „Islamische Zeitung“ (IZ). Demnach hätten Gemeindemitglieder der Didsbury Mosque der britischen Tageszeitung „The Telegraph” mitgeteilt, dass der mutmaßliche Attentäter Salman A. aufgrund seiner aggressiven Reaktion auf die Aussage des Imams der Moschee, Extremismus sei aus islamischer Perspektive zurückzuweisen, aus der Moschee verwiesen wurde und Hausverbot erhielt. Danach hätten die Muslime sich an die zuständigen Behörden gerichtet, berichtet die IZ weiter. „Die Gemeinschaft hat ihre Sorge über das Verhalten des Mannes zum Ausdruck gebracht und es den richtigen Kanälen auf die richtige Weise mitgeteilt”,  Mohammed Shafiq, Direktor der Ramadhan Foundation. Auf die Meldungen habe es aber keine Antwort seitens der Behörden gegeben. Bereits vor fünf Jahren hätten zwei muslimische ehemalige Freunde des Attentäters die Leitung für antiterroristische Meldungen der Polizei gewählt und angegeben, Salman A. habe seine Befürwortung von Selbstmordattentaten zum Ausdruck gebracht, berichtet die IZ unter Berufung auf BBC. Gegenüber „BBC” habe ein Beamter US-amerikanischer Sicherheitsbehörden erklärt, dass selbst die Familie des mutmaßlichen Terroristen die lokale Polizei über die „Gefährlichkeit” des Mannes unterrichtet habe.

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Journalistin: „Auch viele muslimische Opfer in Nizza“

Bundeswehr-Skandal
SPD-Generalsekretärin Katarina Barley kritisiert Spind-Durchsuchungen bei Bundeswehr

Heilbronn (nex) – SPD-Generalsekretärin Katarina Barley kritisiert, dass Spinde und Stuben in Kasernen zum Teil in Abwesenheit der Soldaten nach Wehrmachts-Devotionalien durchsucht worden sein sollen. Barley sagte der „Heilbronner Stimme“: „Der Aktionismus von Frau von der Leyen stellt die ganze Truppe unter Generalverdacht. Das geht nicht. Selbstverständlich haben auch Soldatinnen und Soldaten ein Recht auf Privatsphäre. CDU und CSU stellen seit 12 Jahren die Verteidigungsminister. Die hätten lange genug Zeit gehabt, rechte Umtriebe bei der Bundeswehr mit Sinn und Verstand aufzudecken und zu unterbinden. Dass das eigene Versagen jetzt auf dem Rücken der Soldatinnen und Soldaten ausgetragen wird, ist schäbig. Der absolute Großteil von ihnen macht einen großartigen Job mit hohen persönlichen Einsatz. Das verdient unseren Respekt.“ Zuvor hatte der Wehrbeauftragte des Bundestages, Hans-Peter Bartels, der „Heilbronner Stimme“ gesagt, dass die Kasernen-Durchsuchungen im Zuge der Kampagne gegen Wehrmachts-Nostalgie die Bundeswehr-Soldaten verärgert. Bartels sagte: „Soldaten haben sich bei uns beklagt, dass Stuben in ihrer Abwesenheit durchsucht worden seien. Die Soldaten fühlten sich in ihren Persönlichkeitsrechten verletzt und unter Generalverdacht gestellt. Wir wollen deshalb vom Verteidigungsministerium wissen, welche Befehle dazu gegeben wurden, und ob es eine einheitliche Regelung für die Durchsuchungen gab. Der ganze Vorgang regt die Truppe ziemlich auf.“

ADAC-Test
Trekking-Räder im Test: Rahmenbruch und mangelnde Stabilität auch bei Markenherstellern

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München (nex) – Zwei Räder mit Rahmenbruch, fünf mit erheblichen Mängeln bei Fahrstabilität mit Gepäck und Haltbarkeit: Von 20 getesteten Modellen im aktuellen Trekkingfahrradtest von ADAC und Stiftung Warentest erreichten nur zwölf das Testurteil „gut“. Die Markenräder im Preissegment zwischen 750 und 950 Euro wurden auf Sicherheit, Haltbarkeit, Handhabung, Fahreigenschaften und Schadstoffbelastung geprüft. „Unser Ergebnis zeigt Licht und Schatten“, so Dr. Reinhard Kolke, Leiter Test und Technik beim ADAC. „Gerade Fahrradfahrer als schwächere Verkehrsteilnehmer müssen durch sichere Standards geschützt werden. Hierfür sollten sich einige Hersteller hinsichtlich Produktqualität und Verbraucherinformation eindeutig mehr Mühe geben.“ Mit einem „mangelhaft“ durchgefallen sind die Herrenräder Gudereit LC-45 und Pegasus Opero SL – der Bruch jeweils an der Schweißnaht zwischen Steuer und Ober- bzw. Unterrohr stellt ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar. Bei den Damenrädern entfällt die schlechteste Bewertung (gerade noch „ausreichend“) auf das Modell Gudereit LC-45. Auch hier bemängelten die Prüfer einen Anriss im Rahmen nach den Haltbarkeitsversuchen. Testsieger bei den Damen- und Herrenrädern ist jeweils das Modell Kalkhoff Endeavor 27. Doch selbst die Testsieger erreichen nur die Note 2,0. Auffallend: Trotz des relativ hohen Preises wurden bei fast allen getesteten Rädern billige Komponenten verbaut: Die Tester fanden instabile Seitenständer, knackende Pedale, geringe Mengen an Schadstoffen in Sätteln und Lenkergriffen und insbesondere minderwertige Lichtanlagen. Nachbesserungsbedarf in Sachen Information besteht etwa bei den Herstellerangaben: Die Angaben zum zulässigen Gesamtgewicht eines Rades fand sich häufig nur versteckt in der Bedienungsanleitung. Abgesehen von teils widersprüchlichen Angaben schafften es nur vier Hersteller, das zulässige Gesamtgewicht direkt am Fahrrad anzugeben. Außerdem war dieses teils so knapp dimensioniert, dass es Radler mit einem Eigengewicht von 85 Kilogramm bereits überschreiten. Der ADAC rät Verbrauchern vor dem Kauf zu einer Probefahrt und der richtigen Grundeinstellung von Sattel und Lenkung sowie einer Feinjustierung der Schaltung durch einen Fachhändler. Hinweise zum empfohlenen Reifendruck sowie zum zulässigen Gesamtgewicht sollten Käufer ebenso einfordern wie einen Fahrradpass und ein Service-Heft.  

Terrorismus
Augenzeugen des Manchester-Anschlags: „Es wurde auf Sicherheit geachtet“

Köln (nex) – Nach dem Anschlag in Manchester hat sich live bei stern TV ein deutscher Augenzeuge zu den möglicherweise mangelhaften Sicherheitsvorkehrungen beim Konzert von Ariana Grande geäußert. „Es wurde auf Sicherheit geachtet“, sagte der 21-jährige Marc Kramer aus Essen, der das Konzert gemeinsam mit einer Freundin aus Manchester besucht hatte. Beim Einlass hätten bereits im Foyer Sicherheitskontrollen stattgefunden. „Bei mir haben sie die Tasche kontrolliert. Sie haben Rucksäcke zum Teil ganz ausgepackt, um zu sehen, was darin ist.“ Nach dem Konzert allerdings habe es keine Kontrollen mehr gegeben. „Das ging gar nicht. Da sind viel zu viele Leute rausgeströmt“, so Kramer zu Steffen Hallaschka. Der Attentäter hatte den Sprengsatz wenige Minuten nach Ende des Konzerts in einer Vorhalle gezündet. In dem Moment als der Sprengsatz explodierte, waren Marc Kramer und seine Begleitung bereits in einem Tunnel nach draußen. Sie hatten die Konzerthalle kurz vor Ende des letzten Liedes verlassen. „Wir wollten einen Zug bekommen – deshalb haben wir gesagt, wir gehen eine Minute früher“, sagte Marc Kramer im stern TV-Studiogespräch. Dazu kam: Die beiden wählten nicht den Weg durchs Foyer. „Da hat sich rechts von uns ein Tunnel geöffnet, ein Seitenausgang, durch den wir dann auch gegangen sind. Das hat uns wahrscheinlich das Leben gerettet.“ Über die Situation vor Ort sagte der Augenzeuge: „Ich hatte Angst. Mein erster Gedanke war, einfach weg hier. Und dann sind wir erst einmal nur gerannt“, so Marc Kramer bei stern TV. „In den ersten Sekunden nach der Explosion dachte man an einen Feuerwerkskörper oder Ähnliches“, so der Deutsche. „Aber als die Leute angefangen haben zu rennen und zu weinen, wusste man, irgendwas passiert hier.“ Das ganze Ausmaß habe er dann realisiert, als er aus der Halle raus war – „als ich die Polizei und die Sanitäter gesehen habe.“

Business
Haushaltsgeräte: Türkisch-indisches Joint-Venture beschlossen

Istanbul (nex) – Beko, eine Tochtergesellschaft der Koç Holding A.S. (Koç Holding), des größten industriellen Konglomerats der Türkei, und Voltas Limited, eine Tochter der Tata Group, Indiens größten Konglomerats, gaben den Eintritt von Beko und Voltas, Indiens größter Marke für Klimaanlagen, in ein Joint Venture für dauerhafte Konsumgüter bekannt. Das geplante Unternehmen soll in Indien als gleichberechtigte Partnerschaft handelsrechtlich eingetragen werden. Die Anteile im Joint Venture sind folgendermaßen verteilt: Ardutch B.V. (49 %), hundertprozentige Tochtergesellschaft von Arçelik, Muttergesellschaft der Marke Beko, Koç Holding (1 %), Voltas (49 %) und Tata Investment Corporation Limited (1 %). Nach Erhalt der behördlichen Genehmigungen wird die Partnerschaft Kühlschränke, Waschmaschinen, Mikrowellenherde und andere Haushaltsgeräte auf dem rapide expandierenden Markt für Konsumgüter in Indien anbieten. Das Gemeinschaftsunternehmen mit einem Eigenkapital von 100 Millionen US-Dollar baut auf der Marke Beko und ihrer weltweiten Position im Sektor für große Haushaltsgeräte sowie der starken Markenpräsenz und dem umfassenden Vertriebs- und Händlernetz von Voltas in Indien auf. Dieses Joint Venture ist zentral in Bekos Geschäftsstrategie, die (in Anlehnung an die historische Seidenstraße) eine starke Präsenz entlang dem Korridor zwischen der Türkei und der Region Asien-Pazifik zu schaffen sucht. Mit dem Joint Venture soll der indische Markt mit seinem enormen Potenzial von etwa einer halben Milliarde Konsumenten in der mittleren Einkommensklasse erschlossen werden. Es wird erwartet, dass der indische Markt für „Weißware“ bis 2017 einen Umfang von 12 Milliarden US-Dollar erreicht. Mit dieser neuen Greenfield-Investition erhoffen sich die Partner die Marktführung im Bereich Weißware. Die neue Fertigungsanlage soll Ende 2018 in Produktion gehen. Das Joint Venture wird außerdem große Haushaltsgeräte vertreiben, die in mehreren Beko-Werken in verschiedenen Ländern weltweit hergestellt werden. Die Joint-Venture-Partner haben eine gemeinsame Vision für ein langfristig nachhaltiges Unternehmen zum Vertrieb dauerhafter Konsumgüter in Indien, und Bekos Schwerpunkt liegt weiterhin auf dem asiatischen Kontinent als wichtigster Antriebsfaktor für seine strategischen Wachstumspläne. Fatih Kemal Ebiçlioglu, President, Consumer Durables Group von Koç Holding, kommentiert:
„In Anbetracht der rapide zunehmenden Verschiebung weltweiter wirtschaftlicher Macht nach Asien ist dieses Joint Venture ein kritischer Schritt für das Wachstum von Beko in der Region. Indien zeichnet sich als wichtige Gelegenheit ab, denn das Land hat mit seiner Bevölkerung von 1,3 Milliarden Menschen ein enormes Potenzial. Allein in den letzten zehn Jahren ist der indische Markt für große Haushaltsgeräte um 9 Prozent gewachsen. Das ist weit mehr als das weltweite Wachstum des Weißwarenmarkts von 3 Prozent. Dieses Joint Venture ist ein strategischer Schritt zur Verbesserung unseres Wettbewerbsvorteils weltweit.“