Eurostat
Armutsrisiko bei Arbeitslosigkeit in Deutschland höher als in allen anderen EU-Ländern

Mehr als zwei von drei Erwerbslosen von Armut bedroht Osnabrück – Mehr als zwei von drei Erwerbslosen in Deutschland sind von Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht. Die Quote lag 2018 bei 69,2 Prozent, wie aus Zahlen von Eurostat hervorgeht, die die Linksfraktion ausgewertet hat und die der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ) vorliegen. Innerhalb Europas sind die Erwerbslosen hierzulande besonders stark von Armut gefährdet. Im EU-Durchschnitt waren es im vergangenen Jahr 48,7 Prozent und somit 20,5 Punkte weniger als in Deutschland. Am zweithöchsten war die Quote in Litauen mit 62,3 Prozent, wie aus den Eurostat-Zahlen hervorgeht. Linkspartei: „Armutszeugnis“ für Regierung „Die Befunde sind für den Sozialstaat Deutschland im wahrsten Sinne ein Armutszeugnis“, sagte die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Links-Fraktion, Sabine Zimmermann, der NOZ. Durch die Einführung von Hartz IV habe sich Armut ausgebreitet und verfestigt. Es sei „ein Skandal“, dass die Bundesregierung nicht gegensteuere. Die Linken-Politikerin forderte: „Hartz IV muss durch eine sanktionsfreie Mindestsicherung ersetzt werden, die wirklich vor Armut schützt und Teilhabe ermöglicht.“ Als armutsgefährdet gilt, wer weniger als 60 Prozent des Durchschnitts-Einkommens zur Verfügung hat. 2018 lag die Grenze für alleinstehende Personen in Deutschland bei 13.628 Euro pro Jahr. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes vom Mittwoch waren 2018 in Deutschland insgesamt 15,3 Millionen Menschen von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Das waren 18,7 Prozent der Gesamtbevölkerung und 200.000 Menschen beziehungsweise 0,3 Prozentpunkte weniger als 2017.

Naher Osten
Kommentar: „Viele sind heilfroh, Erdoğan an der Spitze zu haben“

„Sind sie zu stark, bist Du zu schwach“ – Die Türkei und der Westen Ein Gastkommentar von Nabi Yücel Nun hat der Westen gegenüber der Türkei vollends seine Glaubwürdigkeit verloren: Das US-Repräsentantenhaus verabschiedet just am Tag des türkischen Nationalfeiertags ein Memorandum zur Armenier-Frage; das US-Militär macht während des Rückzugs aus Nordsyrien eine Stippvisite auf den vielversprechenden Ölfeldern Syriens und entscheidet kurzerhand, dort nach dem Rechten zu gucken; das französische Parlament wie auch der Senat verurteilen in einer gemeinsamen Note die türkische Operation „Friedensquelle“. Seit 1980 haben zahlreiche Vorstöße der US-armenischen Lobby vor dem US-Repräsentantenhaus oder dem US-Senat nicht gefruchtet. Der Stichtag war immer wenige Monate vor dem 24. April, dann erwachte die armenische Lobby aus Ihrem Dämmerschlaf, um die Mitglieder des US-Repräsentantenhauses oder des Senats zu umgarnen. Auch dieses Jahr war schmeicheln und schleimen angesagt, aber die Abgeordneten waren wieder einmal nicht bereit, den 24. April anzuerkennen. Am 29. Oktober dieses Jahres, also weder kurz vor oder nach dem Stichtag, entschied sich das Repräsentantenhaus wie aus heiterem Himmel, den sogenannten 24. April anzuerkennen. Als Betroffener würde ich das entschieden ablehnen, ja darüber sogar ziemlich verärgert sein, schließlich hatte das jetzt einen besonders pikanten politischen Charakter; was es in anderen Zeiträumen eigentlich auch nicht besser macht. Politische Bewertungen hatten noch nie eine entscheidende Bedeutung über geschichtliche Ereignisse. Aber wer ist man denn auch, über diese lächerliche Entscheidung ein Urteil zu treffen? Die Entscheidung selbst ist auch nicht das Problem, mittlerweile haben ja mehrere Parlamente und Abgeordnetenhäuser entsprechende Bewertungen vorgenommen; das US-Repräsentantenhaus ist nur eines von rund 20. Die Türkei hat es bislang nicht tangiert; es gibt schließlich noch rund 170 weitere Staaten, die das nicht anerkannt bzw. bewertet haben, und da der Straftatbestand „Völkermord“ nicht rückwirkend angewendet werden kann, erübrigt sich auch jede weitere politische Diskussion darüber. Nächster Tagesordnungspunkt?! Offenbar haben wir es bei den USA mit einem slawischen Drachen zu tun, dessen drei Köpfe unabhängig agieren und kein Kopf so recht weiß, was der andere tut. US-Präsident Trump entscheidet sich für den kompletten Abzug aus Syrien, während das Pentagon auf die Tränendrüse drückt und Ihren Verrat an „Kurden“ zum Ausdruck bringt. Die CIA scheint sich jetzt durchzusetzen, denn plötzlich machen die US-Gi´s kehrt und bewachen fortan Ölfelder im Nordosten von Syrien, während Trump weiterhin feucht fröhlich twittert. Wer meint, dass dies in den USA hätte kein System hätte, der irrt aber gewaltig. Während Trump nun vorgaukeln kann, alles getan zu haben, um aus diesem verflixt teuren Schlamassel zu entkommen, poliert er nebenbei seine nächste Kandidatur auf. Währenddessen bereiten hinter verschlossenen Türen das Pentagon und die CIA schon den nächsten Coup vor, um den Nahen Osten weiterhin im Würgegriff zu behalten. Seit knapp einem Monat marodieren irakische wie libanesische Demonstranten. Im Irak wollen die Demonstranten den Sturz des schiitischen Ministerpräsidenten Adil Abd al-Mahdi. Im Libanon wurde bereits Premier Saad Hariri zum Rücktritt getrieben. Inzwischen hat der Iran angedeutet, zu intervenieren. Was die USA samt dem Westen seit Jahrzehnten mit den „Kurden“ im Irak (Saddam) und in Syrien mit den YPG-Kurden getrieben haben, treiben sie derzeit auch mit den Sunniten im Irak und dem Libanon. Diese mit Linien gezeichneten Länder und deren Bevölkerung werden aus Ihrer Geschichte auch weiterhin nichts lernen und sich weiterhin gegenseitig an den Hals fallen. Deshalb fällt es den USA und dem Westen auch leicht, die dortige Bevölkerung aufzuwiegeln. Man will im Grunde den Iran wieder auf den Status quo zurückdrängen, den man im Ersten Golfkrieg hatte. Die Türkei will bei diesem Spiel seit dem gescheiterten Putschversuch jedenfalls nicht mehr nur ein Zuschauer sein, sie will in der Region selbst Impulse setzen, um die geopolitische Situation in der Region aus dem Chaos zu führen. Was ist derzeit im Nahen Osten akut? Der Irak ist quasi zwischen dem Iran und den USA aufgeteilt, steht wieder kurz vor dem Kollaps. Die Lage der prowestlichen Saudis wird in Zusammenhang mit dem Jemen-Krieg immer prekärer, wogegen man im Libanon (ebenfalls in prowestliche und proiranische Lager geteilt) nicht einschätzen kann, wohin es steuert. Grundsätzlich lässt sich die extreme Destabilisierung des Nahen Ostens auf die westliche Kriegspolitik seit 2001 zurückführen. Der Westen hat zu viele Fehler gemacht, steht mit dem Rücken zur Wand und braucht strategische Partner. Nur, mit einer Türkei, an deren Spitze ein starker Mann sitzt, ist eine strategische Partnerschaft in weite Ferne gerückt. Es gibt zwar noch immer sehr viele kritische Töne innerhalb der Türkei gegenüber dem türkischen Präsidenten Erdoğan, die aus allen Lagern tönen, aber es hat sich auch der Eindruck breitgemacht – und das ist auch das Dilemma der Opposition, dass gerade jetzt sehr viele heilfroh sind, Erdoğan an der Spitze zu haben. Ohne das Präsidialsystem per Referendum wäre auch Erdoğan nicht mehr in der Lage, die Türkei halbwegs sicher durch stürmische Zeiten zu führen. Jeden anderen Staatspräsidenten oder Ministerpräsidenten ohne Präsidialsystem, würden diese Wölfe zum Frühstück verspeisen. Gerade weil die Türkei einen starken Mann an der Spitze hat und dieser sich auf starke Persönlichkeiten wie den ehemaligen Generalstabschef Hulusi Akar oder den Nachrichtendienstchef Hakan Fidan verlassen kann, scheinen in Europa die Transatlantiker langsam die Eiszeit überwinden zu wollen. Weshalb sonst hat denn der ehemalige Vizekanzler und Bundesvorsitzender der SPD, Sigmar Gabriel, gegenüber der Türkei plötzlich versöhnliche Worte übrig? Der Westen steckt selbst in einem Dilemma: Einerseits will man die Türkei nicht vollends verlieren, andererseits will man im Nahen Osten noch immer das Sagen haben und sucht nach starken Verbündeten, wie z.B. Ägypten, das man sich mit einem Militärputsch (2013) gesichert hat. Nur, Ägypten ist nicht die Türkei und ohne die Türkei ist der Iran, die Region, kaum zu kontrollieren. Wenn man jetzt von westlichen Sofa- und Fliesentischexperten hört, dass die Türkei noch immer der kranke Mann am Bosporus sei und bald am Tropf des IWF hängen werde, dann muss man diesen Pappnasen vorhalten, dass dieser beständige Druck des Westens auch seine positive Seite hat. Inzwischen baut man eigene Waffen und Waffensysteme, ist auf die deutschen Kampfpanzer gar nicht mehr angewiesen – Panzer haben in Konflikten keinen Mehrwert mehr – und hat sich auf eigene bewaffnete wie unbewaffnete Drohnen spezialisiert, die auch gegenwärtig gegen die PKK im Inland wie auch gegen die YPG im Ausland eingesetzt werden. Damit wird langfristig das Ziel verfolgt, unabhängig zu werden, fit genug zu sein, um in dieser Region für Ordnung und Sicherheit, Wohlstand und Frieden zu sorgen. Die aktuellen medialen wie politischen Angriffe des Westens gegenüber der Türkei sind eigentlich parteipolitische Opportunitäten gegen den türkischen Staatspräsidenten Erdoğan. Ja, vielleicht ginge es den türkischen Staatsbürgern prima, man wäre in der PR des Westens auch weiterhin der „demokratische Musterstaat islamisch-säkularer Prägung“, mit traumhaften wirtschaftlichen Wachstumsraten, wenn man sich nicht mit Israel angelegt und die 180-Grad-Wende des Westens nach dem Sturz des ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi im „Arabischen Frühling“ mitgetragen hätte. Indes: Erdoğan war vorher Erdoğan und ist auch heute Erdoğan. Weder war Erdoğan vorher der Musterdemokrat, als der Westen ihn noch so verkaufte, ihn damals so protegierte, noch ist er der Despot, als den ihn dieselben Kreise heutzutage zu dämonisieren pflegen. Wie sagt man bei uns im Türkischen? „Taş yerinde ağırdır“. In der Welt der Putins, Trumps, Merkels und Macrons, kann man dieser Tage jedenfalls heilfroh sein, Erdoğan an der Spitze des Staates zu wissen, denn wie das Sprichwort andeutet, ist der Nächste einem nicht fremd, man kennt es, man weiß um ihn Bescheid, man kann ihn abschätzen. Aus der Ferne kann es nicht bewertet werden, findet es auch nicht die entsprechende Gebühr. Der Türkei ist aber die USA und der Westen fremd und fern geworden, sie kann nicht mehr einschätzen, auf welcher Seite die USA und der Westen stehen. Denn, wie kann diese westliche Wertegemeinschaft es sich erklären, dass der IS seit Jahren in einem ganz kleinen Gebiet eingeschlossen, gewissermaßen auf Standby geschaltet wurde, ohne, dass ihm seitens der Anti-IS-Koalition der Todesstoß versetzt wird, obgleich Trump ihn seither mehrfach für besiegt erklärt hat. Jetzt „gelingt“ es Trump zusammen mit Unterwäscheschnüfflern der YPG der „Enthauptungsschlag“ gegen den IS? Zum anderen würde es die Türkei interessieren, warum die USA der YPG buchstäblich bis zur letzten Sekunde vor dem türkischen Einmarsch in Nordsyrien über einen sehr sehr langen Zeitraum insgesamt 40 Tausend Lkw-Ladungen (teils schwere) Waffen geliefert haben. Die letzten seitens der türkischen Aufklärung dokumentierten US-Laster mit Waffen kamen in der Nacht vor dem Einmarsch. Wofür all diese Waffen, wenn der IS doch faktisch militärisch schon längst besiegt wurde? Der Hintergrund dieser Fragestellung: all dies passt nicht zur allseits gepflegten Erzählung, dass die Kooperation zwischen den USA und der PKK-YPG einzig der IS-Bekämpfung geschuldet gewesen sein soll. „Und dann dieser „General Mazlum Kobane“, der nicht nur mit Trump telefonisch in Kontakt tritt, sondern bald auch von Kanada mit dem Prädikat „sauberster Krieger“ ausgezeichnet wird… Man müsste Trump und diesen Trudeau mal fragen, auf welcher Militärakademie der „Gute“ sein Offizierspatent erworben hat. Mazlum Kobane, eigentlich Ferhad Abdi Şahin, ist ein seit Jahrzehnten international gesuchter Topp-Terrorist aus Öcalans nächstem Umfeld. Dieser soll ihn als seinen „Ziehsohn“ betrachtet haben. In den Neunzigern war Ferhad Abdi Şahin in der türkischen Provinz Hakkari unter dem Decknamen „Şahin Cilo“ für zahllose Anschläge der PKK verantwortlich. Aus dieser Zeit wird ihm die Ermordung von insgesamt 63 Menschen zur Last gelegt, bevor er ab 1997 für die PKK nach Europa „versetzt“ wurde. Heute verdrängt dieser Terrorist in sozialen Netzwerken inzwischen jeden anderen akuten Hashtag und genießt Popularität. Wie fremd die USA und der Westen zu dieser und anderer Materie geworden sind, erkennt man auch an den medialen Ausführungen zu den Deals zwischen Erdoğan, Putin und Trump. So erklärt man diese nun zum Adana-Abkommen, die auf Druck Erdoğans „aktiviert“ worden sein sollen. Nun ist es allerdings so, dass Putin der Türkei das Adana-Abkommen seit etlichen Monaten feilbietet wie „saures Bie..“ Pardon, „Ayran“. Erdogan will vom Adana-Abkommen eigentlich nichts wissen, weil dies als indirekte politische Anerkennung des Assad-Regimes gilt. Wir dürfen in diesem Zusammenhang nicht vergessen, dass die Türkei nach wie vor nicht vergessen hat, dass dieser Assad rund 250.000 Menschen über die Klinge springen ließ und damit den berüchtigten IS-Kalifaten al-Baghdadi rund 40-mal übertrumpfen konnte; bislang versteht sich. Putin hat ein Interesse daran, das Verhältnis zwischen dem Assad-Regime und Ankara Schritt für Schritt zu normalisieren. Deswegen wurde das Übereinkommen von Sotschi so gestaltet, dass die Türkei zwar letztlich bekommt, was sie will, aber das Damaszener-Regime als Akteur eingebunden wird. Die Türkei zahlt also einen politischen Preis für die Gestaltung der nordsyrischen Verhältnisse nach Ihrem Gusto, in dem sie notgedrungen hinnimmt, dass Putin der Türkei sukzessive zu einer Normalisierung der Beziehungen zu Damaskus nötigt. Von all dem bekommt man natürlich nichts mit, wenn man sich – wie offenkundig die Journalisten hierzulande – aus Quellen informiert, die dem PKK-Ableger YPG zuzurechnen sind. Für diese Vermutung sprechen auch die mitunter abenteuerlichen Gerüchte über Scharmützel zwischen russischen und türkischen Streitkräften. Tatsächlich ist es so, dass die YPG seit Beginn der Deals erhebliche Anstrengungen unternimmt, um die türkischen Streitkräfte unter dem Radar der USA und Russland zu militärischen Aktionen zu provozieren; nicht, weil man etwa glaubt, es mit den Türken auf dem Felde aufnehmen zu können, sondern weil man verzweifelt darauf hofft, die Übereinkommen von Ankara und Sotschi doch noch irgendwie vom Tisch zu bekommen. Aber da wären wir auch schon beim Titel dieses Artikels angelangt: Es heißt schlicht „Sind sie zu stark, bist Du zu schwach.“ Sind die Türken mit Erdoğan also zu stark, bist du, USA, Westen, YPG, PKK einfach zu schwach und reagierst ziemlich kindisch. Was soll denn dieses Memorandum, was bringen denn diese medialen Schnappatmungen, was hat euch denn diese Propaganda bislang eingebracht? Nichts!
Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.

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– Syrienkrise – Aramäer: „Wo war der Aufschrei, als die YPG christliche Schulen schloss?“

Der Weltverband der christlichen Aramäer (WCA) hat die mediale internationale Anteilnahme für den syrischen Zweig der Terrororganisation PKK, die YPG, verurteilt und in einer Pressemitteilung gefragt, warum die Empörung ausblieb, als vier christliche Schulen der Aramäer in Nordsyrien am 28. August des vergangenen Jahres durch die YPG geschlossen wurden.

Aramäer: „Wo war der Aufschrei, als die YPG christliche Schulen schloss?“

Weltmännertag
Studie: „Kerngesunde Kerle gibt’s kaum noch“

Kerngesunde Kerle gibt’s kaum noch, stattdessen klagen selbst die Jüngsten über Verspannungen und Kopfschmerzen. Der Weltmännertag am 3. November ist deshalb bitter nötig, um das Gesundheitsbewusstsein zu schärfen. 44 Prozent der Männer bis 35 Jahre fühlen sich nicht rundum gesund. Maßgeblich beeinträchtigt zu viel Stress ihre Gesundheit, entsprechend klagen 48 Prozent der jungen Männer über häufige muskuläre Verspannungen, jeder dritte hat oft Kopfschmerzen. Den Befragten ist jedoch auch bewusst: Es ist ihr ungesunder Lebensstil, der krank macht. Das sind Ergebnisse der Studie „Zukunft Gesundheit 2019“ der Schwenninger Krankenkasse und der Stiftung „Die Gesundarbeiter“. Mehr als 1.000 Jugendliche und junge Erwachsene in Deutschland zwischen 14 und 34 Jahren wurden dafür befragt. Die Gesundheit der jungen Männer wird nicht allein vom Stress negativ beeinflusst. Rund zwei von drei Befragten machen unter anderem auch eine schlechte Ernährung und Bewegungsmangel verantwortlich. Die meisten Männer plagt dabei ein schlechtes Gewissen: 74 Prozent würden gerne mehr für ihre Gesundheit tun, finden dafür im Alltag aber keine Zeit. Die Volksdrogen Alkohol (14 Prozent) und Rauchen bzw. Dampfen (22 Prozent) werden hingegen nur von einer Minderheit genannt. Gute Vorsätze aber alte Verhaltensmuster „Die Zahlen geben Anlass zur Sorge“, weiß Dr. Tanja Katrin Hantke, Gesundheitsexpertin der Schwenninger Krankenkasse, und sieht im „Weltmännertag am 3. November einen willkommenen Anlass, mehr auf die eigene Gesundheit zu achten.“ An guten Vorsätzen mangelt es nicht: Die überwiegende Mehrheit der jungen Männer möchte gerne mehr Sport treiben und sich gesünder ernähren. Eine langfristige Ernährungsumstellung und regelmäßiger Sport sollten nach Ansicht von Hantke in den Lebensstil integriert werden. Wie wichtig diese Umstellung ist, belegen Zahlen zur Lebenserwartung: Nach Angaben des Statistischen Bundesamts sterben Männer nahezu fünf Jahre früher als Frauen. Die Stiftung Männergesundheit sieht in der geringeren Lebenserwartung keine biologischen Gründe. Vielmehr seien die Unterschiede im Lebensstil, in den sozialen Rollen aber auch in den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen entscheidend. Männer wissen um die Defizite Die meisten Männer wissen, dass sie mehr Eigeninitiative zeigen müssen. Immerhin stimmen fast neun von zehn der Aussage zu, dass „jeder Mensch selbst für ein gesundheitsbewusstes Leben verantwortlich ist.“ „Öffentliche Gesundheitsvorsorge-Maßnahmen sprechen immer öfter Männer direkt an“, weiß Hantke. „Damit sind wir einen Schritt weiter, aber es bleibt noch viel zu tun, spezifische Männerrisiken zu minimieren und das ‚geschwächte Geschlecht‘ zu stärken.“ Der seit dem Jahr 2000 begangene Weltmännertag verdiene deshalb besondere Aufmerksamkeit, um auf eine rechtzeitige Gesundheitsvorsorge und die realistische Einschätzung der eigenen gesundheitlichen Verfassung aufmerksam zu machen.

Militäroffensive Friedensquelle
Syrien: Assyrische Christen melden Plünderungen und Gewalt durch YPG-Milizen

Ein Gastbeitrag von Nabi Yücel Die Kurden der PYD (Partei der Demokratischen Union und politischer Arm der YPG/PKK) führten ihre Politik der Zwangs-Kurdisierung in Nordsyrien unter dem Kampfbegriff „Rojava“ und unter den Augen der Europäischen Gemeinschaft bislang weitgehend ungestört fort. Seit dem Einmarsch türkischer Truppen und Koalitionspartner der Freien Syrischen Armee (FSA) in Nordsyrien, nutzen die fliehenden YPG-Kämpfer die Gunst der Stunde und bereichern sich jetzt an der christlichen Bevölkerung oder versuchen dabei die ausgeübte Gewalt der FSA anzuhängen, berichten nun assyrische Minderheitenvertreter.
(Screenshot/Twitter)
Die PYD, der syrische Ableger der türkischen Terrororganisation PKK, versuchte seit Beginn des syrischen Bürgerkrieges, einen unabhängigen Staat im Norden von Syrien mit militärischen Hilfe der USA, Frankreich, der Niederlande, Großbritannien und Deutschland zu schaffen. Seit die PYD mit ihrem bewaffneten Arm YPG in diese Gebiete in den 1980er Jahren als politische Flüchtlinge eingezogen waren, hatte der kurdische Unterdrückungsapparat es nicht vermocht, unter den Augen des syrischen Regimes ihre völkischen Pläne umzusetzen. Mit Beginn des syrischen Bürgerkrieges und dem entstandenen Machtvakuum, begann die PYD jedoch, eine Politik der Zwangs-Kurdisierung der arabischen und christlichen Bevölkerung durchzusetzen. Die Politik bestand darin, die einheimische Bevölkerung von Arabern, Assyrern, Aramäern und Chaldäern, ja auch die Jesiden, wenn möglich zu vertreiben, ihr Hab und Gut kurdischen Siedlern zu übergeben. Auf der anderen Seite wurde die Lokalbevölkerung oftmals ohne Entschädigung enteignet. Die obligatorische Wehrpflicht wurde eingeführt, dabei auch Jugendliche rekrutiert, um sie in ihre Milizen der Anti-IS-Koalition einzugliedern. Daneben wurde die Sprache der Minderheiten verboten, Lokalstrukturen abgesetzt, den Schulen von Minderheiten kurdische Lehrplänen aufgezwungen, mit dem einzigen Ziel die Ideologie der PKK wachzuhalten. Der spektakulärste Fall ereignete sich am 7. August 2018, als die assyrische christliche Schule von Derbiseye (Al-Darbasiya) trotz der Ermahnungen des assyrischen Erzbischofs von al-Hasaka Maurice Amsih, geschlossen wurde, weil sie dieses Kurdifizierungsprogramm nicht akzeptiert hatte. Merkwürdigerweise schrillten in Europa nicht die Alarmglocken, obwohl schon damals bekannt war, welche Menschenrechtsverletzungen die weltweiten Menschenrechtsorganisationen über die PYD/YPG aufgezählt hatten.
(Screenshot/The Telegraph)
Mit einer Fülle von Gesetzen und Verordnungen versuchte die PYD Symbole von assyrischem Kulturgut zu verbieten, gewählte Bürgermeister abzusetzen, Schulen und Kirchen zu schließen. Die Meldungen darüber erreichten aber in der europäischen Gemeinschaft bislang nicht die nötige Aufmerksamkeit. Auch gegenwärtig scheinen die Hilferufe der christlich-aramäischen Gemeinschaft in Nordsyrien zu verhallen. Laut der in Schweden ansässigen Assyria TV, werden derzeit entlang des Flusslaufs des Khabur, in den Kleinstädten Tell Jemaah und Tell Tamer Häuser von Assyrern durch YPG-Kurden geplündert, die christlichen assyrischen Bewohner aus ihren Häusern vertrieben. Offenbar soll es auch Todesopfer geben, melden unabhängige Beobachter über Twitter. In einem Exklusiv-Interview der Assyria TV mit einem Vertreter der Assyrischen Föderation in Schweden teilte man mit, dass die Lage vor Ort angespannt sei, die YPG offenbar die selbst angezettelten chaotischen Zustände propagandistisch befeuere, um die heranrückenden Rebellenmilizen der FSA damit in Zusammenhang zu bringen.

Zum Thema

– Syrienkrise – Aramäer: „Wo war der Aufschrei, als die YPG christliche Schulen schloss?“

Der Weltverband der christlichen Aramäer (WCA) hat die mediale internationale Anteilnahme für den syrischen Zweig der Terrororganisation PKK, die YPG, verurteilt und in einer Pressemitteilung gefragt, warum die Empörung ausblieb, als vier christliche Schulen der Aramäer in Nordsyrien am 28. August des vergangenen Jahres durch die YPG geschlossen wurden.

Aramäer: „Wo war der Aufschrei, als die YPG christliche Schulen schloss?“
 

Kriminalität
Mann aus Bergisch Gladbach soll Kinder missbraucht und Fotos gemacht haben

Ein Mann aus Bergisch Gladbach ist wegen des Verdachts des Kindesmissbrauchs und der Verbreitung von Kinderpornografie festgenommen worden. Dies bestätigte der Abteilungsleiter der Kreispolizei, Gerhard Wallmeroth, dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ und der „Kölnischen Rundschau„. Bei einer Hausdurchsuchung fand die Polizei demnach Tausende kinderpornografische Bilder und Videos sowie offenbar auch Hinweise darauf, dass der Beschuldigte in seinen Wohnräumen Kinder missbraucht und dabei Aufnahmen gemacht hat. Offenbar war der Verdächtige im Rahmen eines nationalen oder internationalen Netzwerks aktiv. Mittlerweile seien auch weitere Tatverdächtige am Niederrhein und im Raum Wiesbaden festgenommen worden, so der scheidende Polizeichef. Derzeit wird das Bild- und Videomaterial ausgewertet. „Das sind Datenmengen, die man sich nicht vorstellen kann“, hieß es aus der Kreispolizeibehörde. Mehrere Terabyte Bilder und Videosequenzen müssten gesichtet werden. Nach Informationen der Zeitungen wird nach Ansatzpunkten gesucht, um möglichst viele Beteiligte rasch zu identifizieren. Durch die Festnahme sei die akute Gefahr weiterer Taten zunächst unterbunden worden, so Wallmeroth.

Meinung
Kommentar: YPG kopierte von Beginn an die Verhaltensregeln des IS

Ein Gastkommentar von Nabi Yücel Das syrische Verfassungskomitee hat ihre erste Ausschusssitzung in Genf begonnen. Das Komitee soll zusammenkommen, um eine neue Verfassung für Syrien zu erarbeiten. Zusammengesetzt ist sie von Vertretern der Regierung von Machthaber Baschar al-Assad, der Opposition und der Zivilgesellschaft sowie unabhängigen Experten, die in Begleitung der Vereinten Nationen tagen. Wer ist nicht dabei? Die sogenannte „Selbstverwaltung Rojava“ in Nordsyrien, die von der PYD/PKK/YPG mit Gewalt und Terror herbei gezaubert wurde und das Kalifat namens IS, die aus der Flasche wie ein Geist entsprang. So schnell, wie das „Islamische Kalifat im Irak und Syrien“ ausgerufen wurde, so schnell ging dieses brutale Terrorregime auch unter. Genauso schnell hatte in der selben Zeit die Terrororganisation PKK mit ihrem syrischen Ableger YPG/PYD die Gunst der Stunde genutzt, um mit Gewalt und Unterdrückung, Vertreibung und ethnischen Säuberungen, ein „Rojava“ zu etablieren. Wer glaubt, diese zwei Terrororganisationen, die IS wie YPG, seien aus eigener Kraft auf diese Schnappsidee gekommen, der glaubt auch an die Marsmännchen. Während die IS plötzlich über nagelneue Humvees und modernste Pritschenwagen mit aufmontierten Panzerschrecks Made in Japan verfügte, hatte die YPG ebenfalls Humvees, MILANs und G-36 Sturmgewehre und hieß nicht mehr YPG, sondern fortan SDF. Weil in dem ständigen Dreibuchstabensalat das Wort „Demokratie“ nicht fehlen durfte, nannte sich die terroristische YPG mit großzügiger Hilfe eines US-Generals – auf die saublöde Idee konnte die YPG/PKK ja selbst nicht kommen – nun „Syrisch Demokratische Kräfte“. Das Einzige, was an dieser völkischen Gruppierung demokratisch war, ist, dass die USA bei der Namensgebung mitbestimmen konnten. Ansonsten hatten vor Ort in Nordsyrien die christlichen und anderen Minderheiten, wie auch die Mehrheit an syrischen Arabern, nun nichts mehr zu lachen. Die Araber sowie Turkmenen wurden samt den christlichen Assyrern, Aramäern und Chaldäern fortan durch Briefkastenvereine ersetzt und dienten als Persilscheine für europäische Interessen. Selbstverständlich kopierte man von Beginn an auch die Verhaltensregeln des IS, die Steuereinahmen wurden ebenso streng durchgesetzt, wie auch die Zwangsrekrutierung von Kindern oberstes Gebot hatte, um die örtliche Bevölkerung auszunehmen, willig zu machen und zu unterdrücken.
(Screenshot/The Telegraph)
Nun, die Show ist jetzt vorbei: der IS wurde längst samt Zivilbevölkerung mit Luftschlägen entweder vertrieben oder in den Erdboden vermischt. Ihre Führer werden einzeln zur Strecke gebracht. Die YPG ist nun in die Wüste verbannt worden und kann sich dort eine Sandburg bauen, wenn sie denn mag, muss sich aber darauf einstellen, dass die Türkei mit einer Nacht- und Nebelaktion sich den einen oder anderen Führer schnappt oder ins Nirvana schickt. Es gibt doch tatsächlich noch diese Aluhutträger, die meinen, in der Türkei könnten irgendwelche Halsabschneider unter dem Radar türkischer Sicherheitsbehörden, ihren Kalifatstaatsphantasien immer noch nachgehen. Das dachten die deutschen „Islamisten“ in Deutschland oder Europa auch, bis sie dann entweder hops genommen wurden oder gleich mit Reisepässen in gelbe Tüten landeten. Nicht anders ist es in der Türkei. Selbstverständlich gibt es in der Türkei auch „Islamisten“, darunter auch Kalifatsbürger, die meinen, in der Türkei ihren feuchten Traum verwirklichen zu können. Die türkischen Sicherheitskreise sind nicht blöde; man überwacht solche Personen, man findet heraus mit wem sich diese Personen noch treffen, welche Netzwerke sich gebildet haben und wenn die Zeit reif ist, schlägt die osmanische Klatsche zu. Februar 2018 war so ein Zeitpunkt, bei der Ismael al-Ethawi in der Türkei dingfest gemacht und in Zusammenarbeit mit internationalen Nachrichtendiensten dem Irak übergeben wurde. Hier pressten die irakischen Behörden diesen IS-Spitzenfunktionär nach nicht geltendem Recht samt seinen Begleitern wie eine Orange aus – ist ja in der Türkei verboten, außer dieser Spitzenfunktionär wäre auf Guantanamo gelandet -, fanden so wichtige Hinweise zu al-Baghdadi. Die Hinweise verdichteten sich, das Puzzle wurde zusammengefügt und al-Baghdadi letztlich in Idlib dingfest gemacht.
(Foto: REUTERS/Screenshot)
Jetzt wollen natürlich manche Aluhutträger, weil er in Idlib gestellt wurde, daraus ableiten, dass dieser al-Baghdadi von türkischen Behörden eine Fotosafari in Idlib oder angeblich auch im türkischen Hatay spendiert bekam. Vielleicht hatten die türkischen Behörden auch vor, diesen Burschen das Handwerk zu legen, wenn sie genug Informationen zusammengetragen haben, um auch den Rest dieser Bande zu schnappen? Vielleicht waren zahlreiche andere Nachrichtendienste daran beteiligt, man wartete jedoch gemeinsam den Zeitpunkt ab und griff dann zu? Im Übrigen, wie konnte denn dieser al-Baghdadi unter dem Radar der allmächtigen YPG-Schnüffler von Irak bis nach Idlib über YPG-kontrolliertes Gebiet gelangen? Hatten denn die Unterwäschenschnüffler von Mazlum Kobane nicht bemerkt, dass dieser Flaschengeist durch ihr Gebiet gewandert ist? Apropos Deutschland: nicht anders dürfte es sich beim NSU zugetragen haben, nur mit dem Unterschied, dass die deutschen Behörden derart diletantisch gegen den rechtsextremistischen Terror vorgingen, dass das neun Menschen das Leben kostete und in Deutschland mehrere NSU-Terroranschläge noch heute politisch wie staatlich gedeckt werden. Aber zurück zum Thema. Jetzt wo zuerst das Kalifat von der syrischen und irakischen Bildfläche ausradiert wurde, ist die Türkei gerade dabei das völkische „Rojava“ in Nordsyrien auszuradieren. Da können sich in Europa oder in Deutschland jetzt noch so viele Pazifisten und Verabscheuer von Krieg und Gewalt zu Wort melden, es wird nicht mehr daran gerüttelt: es ist beschlossene Sache. Diese Bourgeoisie von „Kriegsgegner“ hat Jahrzehnte mitangeschaut, wie in weiten Teilen der Welt Kriege und Konflikte entfacht und Leid verursacht wurden. Diese Konflikte wurden von der Bourgeoisie mitunter auch begrüßt oder man labte sich danach an den Gewinnen des Landraubs, der Ausbeutung dieser Regionen der Erde. Gegenwärtig reißen genau die Marktschreier von Bourgeoisie ihr Maul gegenüber der Türkei auf, um sie in einer Welle der gemeinschaftlichen Entrüstung darüber, zur Aufgabe zu bewegen. Aber da haben sie die Durchhaltekraft und das Durchhaltevermögen der Türken unterschätzt, weshalb sie nun vor der unabwendbaren Tatsache stehen: die syrische Ausschusssitzung in Genf. Das geht wie Öl hinunter, wenn man die Sitzungsteilnehmer betrachtet, schließlich sind die Parteien IS und YPG nicht mitanwesend. Es wurde Zeit, dass die Menschen in Syrien ohne solche Terrorbanden wieder zur Besinnung kommen, aus der sie während des arabischen Frühlings herausgerissen wurden. Was einst mit politischen Mitteln vorgetragen, dann mit Waffen ausgetragen wurde, findet ihren Ursprung wieder am Verhandlungstisch. Wer jetzt genau das angreift oder kritisiert, kann und darf sich nicht als Pazifist oder Kriegsgegner, schon gar nicht als Freund der Kurden, Turkmenen, Christen oder Araber bezeichnen; denen nimmt das keiner mehr ab.
Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.

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– Meinung – Kommentar: Wo blieb der Aufschrei, als die PKK Verbrechen gegen Kurden verübte?

„Bereits 1997 stellte der Spiegel unter Bezug auf Günter Wallraff und dessen Interviews fest, dass die PKK, Hammer und Sichel gegen Fackel ausgetauscht hätten. Aber noch immer wird diese ultranationalistisch-völkische Terrorgruppe in Deutschland verherrlicht“. Ein Kommentar.

Kommentar: Wo blieb der Aufschrei, als die PKK Verbrechen gegen Kurden verübte?

Syrienkrise
Erdogan: Bin ich Tourist? Merkel sollte besser hierher kommen

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Erdogan vor dem Reiseantritt in die USA: Die Resolution des US-Repräsentantenhauses ist opportunistisch Von Nabi Yücel Kurz vor Reiseantritt in die USA sprach der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan vor der Fraktion der AKP in Ankara. Erdoğan kündigte während der Rede unter anderem eine ähnliche Antiterror-Aktion gegen die YPG/PKK-Terrorführer an, wie die USA es eindrucksvoll gegen den IS-Terrorführer al-Baghdati und andere bewiesen habe. Erdoğan zu diesem Thema weiter: „Einige Staaten, die ihre nationale Sicherheit durch Terroristen gefährdet sehen, finden und liquidieren diese Terroristen. Sie stimmen also damit auch zu, dass die Türkei die gleichen Rechte wahrnehmen kann, auch im Falle der Terroristen, deren Hände sie schütteln und die sie loben. Wir werden bei diesem Thema unser Volk mit guten Nachrichten überraschen.“ Erdoğan forderte die USA und Russland nachdrücklich dazu auf, die getrennt erreichten Vereinbarungen über den Abzug von Terroristen der YPG/SDF, rund 30 Kilometer vor der Grenze der Türkei zu Syrien vollständig umzusetzen. Die Militäroperation würde andernfalls fortgesetzt und die Sicherheitszone erweitert werden, falls die Türkei oder einer ihrer Anti-YPG-Koalitionspartner von Terroristen angegriffen werden. „Wir werden uns gegen Angriffe von außerhalb der Sicherheitszone revanchieren und den Bereich der Sicherheitszone bei Bedarf auch stetig erweitern“, sagte Präsident Recep Tayyip Erdoğan. Erdoğan forderte in seiner Rede auch Russland auf, die am 22. Oktober vereinbarten Ziele über den Abzug der YPG-Kämpfer vom Ost- und Westufer des Tall Abyad/Ras’ul Ayn-Streifens. Die rund 150 Stunden lange Frist für den Rückzug der YPG aus den Provinzen Manbidsch, Ain al-Arab und Tall Rıfat lief am 29. Oktober um 18 Uhr ab, während Russland bekannt gab, dass die YPG das Gebiet verlassen habe. „Russland hat uns mitgeteilt, dass 34.000 Terroristen der YPG mit 3.600 schweren Waffen 30 Kilometer südlich unserer Grenzen abgezogen worden sind. Unsere Ergebnisse zeigen jedoch, dass die Umsetzung der Vereinbarung nicht gänzlich erfolgt ist. Wir werden unsere Bewertungen dahingehend mit Russland teilen“, sagte Erdoğan und warf auch einen Plan B oder C der Türkei in den Raum, für den Fall, dass die beiden Deals nicht umgesetzt würden. „Wir führen jetzt Plan A aus. Wir können aber unsere vorsorglich getroffenen Pläne B und C auch umsetzen, wenn unsere Erwartungen in Ain al-Arab oder Manbidsch, nicht erfüllt werden. Wir werden sehen, welche Schritte wir nach Abschluss der gemeinsamen Patrouillen in Übereinstimmung mit den Bedingungen vor Ort unternehmen werden“, so der türkische Staatschef. Erdoğan sprach im Zusammenhang mit der Flüchtlingsfrage über den europäischen Vorschlag, unter Beteiligung Deutschlands, Frankreichs und Großbritannien die offenen Fragen zu erörtern. Jedoch gebe es nur die Option, diese in der Türkei an bestimmten Orten selbst zu erörtern: „Es gibt drei Orte, an denen ein solches Treffen stattfinden kann: Entweder in Gaziantep, Şanlıurfa oder Istanbul. Wenn Europa über die Flüchtlingsfrage sprechen möchten, sollten Sie nach Gaziantep oder Şanlıurfa kommen, da sich in diesen Regionen die Flüchtlingslage besser beurteilen lässt.“ Erdoğan deutete in diesem Zusammenhang an, dass die Bundeskanzlerin Angela Merkel vorgeschlagen habe, zu einem solchen Treffen nach Berlin zu kommen und fügte hierzu an: „Was hat Berlin damit zu tun? Bin ich Tourist? Merkel sollte besser hierher kommen, denn dann kannst du [Merkel] die Situation entlang der Grenze mit deinen eigenen Augen sehen.“ Erdoğan teilte unterdessen immer wieder gegen Europa aus. Die Türkei habe zwei Dutzend Zivilisten und neun Soldaten verloren, weil Terroristen der YPG ihren Terror nach wie vor in die Türkei tragen würden. Mehr als 700 Angriffe hätten gegen die im Ausland lebenden Türken stattgefunden, erklärte Erdoğan und deutete auf die gewalttätigen Ausschreitungen während der YPG/PKK-Demonstrationen in Europa. „Viele von ihnen sind bei uns in der NATO. Viele von ihnen sind in der EU, mit der wir verhandeln (für eine Vollmitgliedschaft), aber all diese Proteste (gegen die Türkei) finden in ihren Ländern unter der Kontrolle der Polizei statt. Irgendwelche Geräusche von ihnen? 79 dieser Proteste richteten sich gegen unsere Flagge, unsere Missionen, Moscheen, Verbände oder unsere Bürger “, fügte er hinzu. Erdoğan warf den Europäern vor, die türkischen Staatsbürger vor diesen „Terroristen“ nicht zu schützen. Mehr als 79 Gewalttaten hätten die türkischen Auslandsvertretungen in Europa registriert, die sich gegen Türken gerichtet hätten. Das Signal, dass die europäischen Sicherheitsbehörden durch ihre laxe Haltung gegenüber gewalttätigen Ausschreitungen von YPG/PKK-Demonstrationen unterstreiche, sei verheerend, so Erdoğan. Erdoğan kritisierte daraufhin auch die Resolution des US-Repräsentantenhauses, in der die Ereignisse von 1915 am 29. Oktober als „Völkermord an den Armeniern“ eingestuft wurde. Erdoğan kündigte an, dass das türkische Parlament eine entsprechende Gegenresolution verabschieden werde. „Von hier aus spreche ich die USA und die ganze Welt an: Dieser Schritt wurde von uns als wertlos angesehen, und wir erkennen ihn daher auch nicht an“, sagte er vor seinen Parteimitgliedern im Parlament. „Ein Land, dessen Geschichte voller Völkermorde und Sklaverei trieft, hat weder das Recht etwas zu sagen, noch die Türkei zu belehren“, erklärte Erdogan und fügte hinzu: „In unserem Glauben hat Völkermord definitiv keinen Platz und ist verboten. Wir betrachten eine solche Anschuldigung als die größte Beleidigung für unser Volk“, sagte er weiter.

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Aramäer: „Wo war der Aufschrei, als die YPG christliche Schulen schloss?“

Syrienkrise
Syrienkrise: YPG-Vertreter beim Treffen in Genf nicht eingeladen

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Von Nabi Yücel Der Ort für eine politische Lösung für Syrien sind nicht Berlin oder Brüssel, sondern Genf. Nach mehr als acht Jahren Bürgerkrieg in Syrien sitzen die verfeindeten Parteien erstmals an einem Verhandlungstisch in Genf. In Genf nahm am Mittwoch der Ausschuss mit insgesamt 150 Mitgliedern seine Arbeit auf, der mit Unterstützung der Vereinten Nationen eine neue syrische Verfassung ausarbeiten soll. Nach zwei Jahren Funkstille scheinen sich die Parteien unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen, Russland, Iran und der Türkei sich wieder auf die politische Lösung des Konflikts zurückbesinnt zu haben. Der UNO-Syriengesandte Geir Pedersen sagte bei der Eröffnungsrede der Ausschusssitzung, „dies ist ein historischer Moment. Die Tatsache, dass Sie bereit sind, einen Dialog zu starten, ist ein starkes Signal der Hoffnung für Syrer überall.“ Der Chef der Oppositionsdelegation und ehemalige Präsident der „Nationalkoalition syrischer Revolutions- und Oppositionskräfte“, hinter dem der Militärrat der FSA (Freie Syrische Armee) steht, Hadi Albahra, nannte den Zusammentritt des Verfassungskomitees in Genf als „einen ersten Schritt auf einem langen Weg der Erholung“. Der lange Weg wird von den Außenministers Sergej Lawrow (Russland), Mohammed Dschawad Sarif (Iran) und Mevlüt Cavusoglu (Türkei) begleitet werden, die Europäer oder die USA sind nicht anwesend. Die drei Schirmherren signalisieren mit ihrer Anwesenheit, dass sie hinter dem Versuch stehen, den Konflikt in Syrien politisch beizulegen. Am runden Tisch sitzen mit jeweils 50 Mitgliedern, die Vertreter der Regierung, der Opposition und der Zivilgesellschaft. Neben der ETILAF (Nationalkoalition syrischer Revolutions- und Oppositionskräfte) und der Freien Syrische Armee (FSA) sitzen auch Vertreter der christlichen Minderheit wie die des Weltverbands der Aramäer (WCA) sowie auch der Kurdische Nationalrat (KNC), unabhängige syrische Oppositionspolitiker sowie auch Vertreter des Nationalen Koordinationskomitees für Demokratischen Wandel (CNCD) mit am Tisch. Die kurdische Partei der Demokratischen Union (PYD) wird nicht mit am Tisch sitzen, dafür hat die Türkei gesorgt. Für die Türkei, wie für die christlichen Minderheiten, ist die Kurdenpartei PYD der politische Ableger der Terrrororganisation PKK, die mit ihrem bewaffneten Arm YPG in Nordsyrien Fuß fassen wollte.

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Türkei
Türkei: Mustafa Yeneroglu verkündet Rücktritt aus der AKP

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Abgeordneter aus Deutschland verkündet Rücktritt aus AKP Der Jurist und Parlamentarier Mustafa Yeneroğlu hat heute überraschend seinen Rücktritt aus der türkischen Regierungspartei AKP verkündet. Der aus Deutschland in das türkische Parlament gewählte Abgeordnete berief dazu unter dem Dach der Nationalversammlung in Ankara eine Pressekonferenz ein. Yeneroğlu, der im Parlament für die Regierungspartei AKP die Stadt Istanbul vertrat, war ebenfalls Vorstandsmitglied seiner Partei. In den letzten Monaten hatte der Politiker immer wieder mit parteiinterner Kritik, nicht zuletzt auch an Entscheidungen von Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan, für Schlagzeilen gesorgt. Sein Rücktritt war daher seit langer Zeit von vielen Beobachtern erwartet und auch in Sozialen Medien öffentlich diskutiert worden. Erdoğan soll seinen Rücktritt gefordert haben Während der Pressekonferenz sagte Yeneroğlu zudem, dass sein Rücktritt eine Forderung des Präsidenten Erdoğan gewesen sei, der er somit nachkomme.

Kongress in Ankara
Polit-Analyst Önsoy: Berlin und Ankara sollten sich nicht wie konkurrierende Rivalen verhalten

Ankara (nex) – Organisiert durch das Forschungszentrum für türkisch-deutsche Studien (HÜTAI) an der Hacettepe Universität in Ankara, findet am 12. und 13. November unter Teilnahme des deutschen Botschafters Martin Erdmann sowie namhaften Vertretern deutscher Stiftungen und Organisationen, der 1. Internationale Kongress für türkisch-deutsche Studien statt. Zu den geladenen Rednern gehören unter anderem auch der Direktor der Konrad-Adenauer-Stiftung, Walter Glos, der nach mehr als drei Jahren in Albanien, im April die Leitung des Auslandsbüros Türkei in Ankara übernahm. In einem Gespräch mit NEX24 betonte der Leiter des Forschungszentrums, Prof. Dr. Murat Önsoy, die Bedeutung solcher Treffen, insbesondere vor dem Hintergrund der seit einigen Jahren angespannten deutsch-türkischen Beziehungen. Das Ziel des neuen Zentrums sei die Stärkung der Zusammenarbeit zwischen der Türkischen Republik und der Bundesrepublik Deutschland in politischen, ökonomischen, technischen und kulturellen Bereichen, so Dr. Önsoy. Die Gründungssatzung wurde im Amtsblatt der Republik Türkei dieses Jahres publiziert. „Während die Zusammenarbeit beider Länder in etlichen Bereichen Entwicklungen aufzeigen, gibt es jedoch auch Bereiche, in denen die Zusammenarbeit weiterhin gefördert werden kann. Die vergangene Periode hat gezeigt, dass die Gemeinschaftsarbeit beider Länder gefährdet sein kann, wenn diese nicht entsprechend gut angeleitet werden. Aus diesem Grund ist es für beide Länder vorteilhaft, dass die strategische, ökonomische und soziale Zusammenarbeit entwickelt wird. Dadurch können eventuelle Risikofaktoren behoben werden, damit es den Interessen beider Länder dient“, betont Dr. Önsoy gegenüber NEX24. Der Wissenschaft komme aus diesem Grund eine große Aufgabe zu. In der Bundesrepublik führten zahlreiche deutsch-türkische Zentren an Universitäten oder Nichtregierungsorganisationen Tätigkeiten diesbezüglich aus. In der Türkei gebe es jedoch keine akademisch basierten Zentren, die in diesen Bereichen aktiv sind. Diese Situation bringe die türkische Akademie aus Sicht der Wissensproduktion in eine unvorteilhafte Position. „Daher ist es unser Ziel, als Zentrum unseren Beitrag zu leisten, um das zu ändern“, so Dr. Önsoy. Das Ziel des Forschungszentrums für türkisch- deutsche Studien, dessen Tätigkeiten innerhalb der Hacettepe Universität ausgeführt werden, sei es, die Lücke einer akademischen Wissensproduktion zu schließen, die für die bilateralen Beziehungen notwendig sei. Daher bestehe das Verwaltungs- und Beratungskomitee auch überwiegend aus Akademikern aus Deutschland und der Türkei und repräsentiere viele Bereiche der Wissenschaft. Neben akademischen Einrichtungen gehörten Auslandsvertretungen (Bundesrepublik Deutschland, Österreich, Schweiz und Luxemburg), einheimische sowie ausländische NGO’s und Stiftungen zu potentiellen Kooperationspartnern des Zentrums. Hierzu zählten die Konrad-Adenauer-Stiftung, die Botschaft der Bundesrepublik Deutschland und der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD). Der Kongress findet vom 12. bis 13. November 2019 an der Hacettepe Universität auf dem Beytepe Campus im Mehmet Akif Ersoy-Saal mit der Teilnahme von Akademikern aus der Türkei und dem Ausland mit der Expertise in den Disziplinen Internationale Beziehungen, Politikwissenschaft, Recht, Geschichte, Literatur und Soziologie statt. Der Hauptzweck dieses hochrangigen Kongresses sei die Stärkung der Brücken der Freundschaft zwischen den beiden Ländern. Die Eröffnungsreden des Kongresses werden vom Rektor der Hacettepe Universität, Prof. Dr. Haluk Özen, dem Botschafter der Bundesrepublik Deutschland, Martin Erdmann, dem Türkei-Vertreter der Konrad-Adenauer-Stiftung Walter Glos und der Leiterin des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) Ankara, Franziska Trepke gehalten. Der Kongress wird in türkischer und deutscher Sprache abgehalten. „Bei der Planung des Kongresses haben wir uns einige grundlegende Ziele gesetzt und haben Schritte unternommen, um diese Ziele zu erreichen. Das erste dieser Ziele – und wahrscheinlich das wichtigste – ist die Konsolidierung der Freundschaftsbrücke zwischen der Türkei und der Bundesrepublik Deutschland. Um dieses Ziel zu erreichen, glauben wir, dass wir als türkische Wissenschaftler unsere Aufgaben haben. Wir sind hier, um zur Entwicklung der türkisch-deutschen Beziehungen beizutragen. Mit diesem Kongress möchten wir die Botschaft vermitteln: «Wir sind bereit, unsere Pflichten zu erfüllen»“, so Önsoy. Monodisziplinarität schränkt Forschung in beiden Ländern ein “Unser zweites Ziel ist es, die Überwindung der Monodisziplinarität in türkisch-deutschen Studien. Es ist unsere Ansicht, dass Monodisziplinarität die Forschung in den beiden Ländern und ihren Gemeinden einschränkt. Dieses Problem ist in den bisher durchgeführten türkisch-deutschen Organisationen zu beobachten. Nur eine Dimension – wie etwa Geschichte – des mehrdimensionalen Beziehungsnetzes, wird zwischen den beiden Ländern und ihren Gesellschaften diskutiert. Um die durch diese Situation entstehenden Hindernisse zu überwinden, haben wir uns bemüht, unseren Kongress interdisziplinär zu gestalten. Wie aus dem Kongressprogramm hervorgeht, wollten wir ein interdisziplinäres Umfeld schaffen, in dem Wissenschaftler aus verschiedenen Disziplinen in einer Sitzung zusammentrafen. Wir hoffen, mit unserem neu eröffneten Zentrum die Think-Tank-Lücke in den deutsch-türkischen Beziehungen zu schließen und in Zukunft auch zu den im Ausland bekannten führenden Wissenschaftszentren des Landes zu gehören. Mit diesem Kongress möchten wir der Öffentlichkeit die Zukunftsvision und das Potenzial des Zentrums näher bringen”, betont Dr. Önsoy. Politischen Beziehungen von einem Klima des Konflikts geprägt Die politischen Beziehungen der beiden Länder seien seit mehr als einem Jahrzehnt von einem Klima des Konflikts geprägt. Dies habe dazu geführt, dass die kulturell-menschliche Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern und ihren Gemeinschaften vergessen wurden. Gleichzeitig seien strategische Fragen mit Risikofaktoren in den Beziehungen zwischen beiden Ländern in den Vordergrund gerückt, führt Dr. Önsoy weiter aus. „Die auf der Grundlage der Allianzen vollzogenen und durch ewige Freundschaft sowie Waffenbrüderschaft gekrönten Beziehungen entfernen sich täglich von der rationalen Basis, auf der sie gegründet waren und nehmen die Gestalt eines aussichtslosen Widerstreits an. Diese Situation, mit der wir sowohl auf der Diskursebene als auch auf der Handlungsebene konfrontiert sind, beeinträchtigt beide Länder, samt ihrer gesamten Bevölkerung, Einrichtungen und Institutionen“, betont Dr. Önsoy. Einige Politiker beider Länder überschritten die Grenzen der diplomatischen Höflichkeit, als ob sie verfeindet wären. Diese mehrdimensionale und konfliktreiche Atmosphäre, die von Journalisten bis hin zu Juristen, viele Persönlichkeiten und Institutionen umfasse, beeinträchtige das gemeinsame Interesse der beiden Länder. Die angespannten Beziehungen seien ein Nährboden für „feindliche Gefühle“ im Gedächtnis der Bevölkerung dieser Länder und beeinträchtige das kulturelle und wirtschaftliche Zusammenwachsen, das durch die mehr als drei Millionen in Deutschland lebenden Türken und Zehntausende in der Türkei lebenden Deutschen mit Mühe aufgebaut worden sei. Beiden Länder hätten Aufgaben in Bezug auf die Normalisierung der Beziehungen. Bei den Wahlen in Deutschland sollte antitürkische Politik verhindert werden, betont der Akademiker. Die Bemühungen der deutschen Politiker, mit antitürkischen Parolen Stimmen zu gewinnen, schafften eine negative Atmosphäre gegen Türkischstämmige in Deutschland. Berlin müsse auch aufhören, sich in die türkische Innenpolitik einzumischen. Aussagen zur Innenpolitik widersprächen dem Prinzip der staatlichen Souveränität. Außerdem schaffe es eine antideutsche Atmosphäre in der Türkei, an der sich alle gesellschaftlichen Schichten beteiligten. Die Sicherheitsinteressen der Türkei in Syrien sollten respektiert werden. Dr. Önsoy erinnert daran, dass Deutschland und die Türkei seit Jahrzehnten NATO-Partner sind. Zugleich fordert Dr. Önsoy Ankara auf, die Grenzen der “neuen türkischen Diaspora-Diplomatie” gegenüber der Türkischstammigen in Deutschland gut zu ziehen und ausgewogen zu handeln. Es sollten Anstrengungen unternommen werden um die Einmischung in innere Angelegenheiten Deutschlands zu verhindern. In der internationalen Politik sollten Berlin und Ankara sich nicht wie zwei konkurrierende Rivalen verhalten, sondern als zwei kooperative Akteure, die sich gegenseitig ergänzen.

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