Militäroffensive Friedensquelle
Syrien: Assyrische Christen melden Plünderungen und Gewalt durch YPG-Milizen

Seit dem Einmarsch türkischer Truppen und Koalitionspartner der Freien Syrischen Armee (FSA) in Nordsyrien, nutzen die fliehenden YPG-Kämpfer die Gunst der Stunde und bereichern sich jetzt an der christlichen Bevölkerung oder versuchen dabei die ausgeübte Gewalt der FSA anzuhängen, berichten nun assyrische Minderheitenvertreter.

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Ein Gastbeitrag von Nabi Yücel

Die Kurden der PYD (Partei der Demokratischen Union und politischer Arm der YPG/PKK) führten ihre Politik der Zwangs-Kurdisierung in Nordsyrien unter dem Kampfbegriff „Rojava“ und unter den Augen der Europäischen Gemeinschaft bislang weitgehend ungestört fort.

Seit dem Einmarsch türkischer Truppen und Koalitionspartner der Freien Syrischen Armee (FSA) in Nordsyrien, nutzen die fliehenden YPG-Kämpfer die Gunst der Stunde und bereichern sich jetzt an der christlichen Bevölkerung oder versuchen dabei die ausgeübte Gewalt der FSA anzuhängen, berichten nun assyrische Minderheitenvertreter.

(Screenshot/Twitter)

Die PYD, der syrische Ableger der türkischen Terrororganisation PKK, versuchte seit Beginn des syrischen Bürgerkrieges, einen unabhängigen Staat im Norden von Syrien mit militärischen Hilfe der USA, Frankreich, der Niederlande, Großbritannien und Deutschland zu schaffen.

Seit die PYD mit ihrem bewaffneten Arm YPG in diese Gebiete in den 1980er Jahren als politische Flüchtlinge eingezogen waren, hatte der kurdische Unterdrückungsapparat es nicht vermocht, unter den Augen des syrischen Regimes ihre völkischen Pläne umzusetzen. Mit Beginn des syrischen Bürgerkrieges und dem entstandenen Machtvakuum, begann die PYD jedoch, eine Politik der Zwangs-Kurdisierung der arabischen und christlichen Bevölkerung durchzusetzen.

Die Politik bestand darin, die einheimische Bevölkerung von Arabern, Assyrern, Aramäern und Chaldäern, ja auch die Jesiden, wenn möglich zu vertreiben, ihr Hab und Gut kurdischen Siedlern zu übergeben. Auf der anderen Seite wurde die Lokalbevölkerung oftmals ohne Entschädigung enteignet. Die obligatorische Wehrpflicht wurde eingeführt, dabei auch Jugendliche rekrutiert, um sie in ihre Milizen der Anti-IS-Koalition einzugliedern. Daneben wurde die Sprache der Minderheiten verboten, Lokalstrukturen abgesetzt, den Schulen von Minderheiten kurdische Lehrplänen aufgezwungen, mit dem einzigen Ziel die Ideologie der PKK wachzuhalten.

Der spektakulärste Fall ereignete sich am 7. August 2018, als die assyrische christliche Schule von Derbiseye (Al-Darbasiya) trotz der Ermahnungen des assyrischen Erzbischofs von al-Hasaka Maurice Amsih, geschlossen wurde, weil sie dieses Kurdifizierungsprogramm nicht akzeptiert hatte. Merkwürdigerweise schrillten in Europa nicht die Alarmglocken, obwohl schon damals bekannt war, welche Menschenrechtsverletzungen die weltweiten Menschenrechtsorganisationen über die PYD/YPG aufgezählt hatten.

(Screenshot/The Telegraph)

Mit einer Fülle von Gesetzen und Verordnungen versuchte die PYD Symbole von assyrischem Kulturgut zu verbieten, gewählte Bürgermeister abzusetzen, Schulen und Kirchen zu schließen. Die Meldungen darüber erreichten aber in der europäischen Gemeinschaft bislang nicht die nötige Aufmerksamkeit. Auch gegenwärtig scheinen die Hilferufe der christlich-aramäischen Gemeinschaft in Nordsyrien zu verhallen.

Laut der in Schweden ansässigen Assyria TV, werden derzeit entlang des Flusslaufs des Khabur, in den Kleinstädten Tell Jemaah und Tell Tamer Häuser von Assyrern durch YPG-Kurden geplündert, die christlichen assyrischen Bewohner aus ihren Häusern vertrieben. Offenbar soll es auch Todesopfer geben, melden unabhängige Beobachter über Twitter.

In einem Exklusiv-Interview der Assyria TV mit einem Vertreter der Assyrischen Föderation in Schweden teilte man mit, dass die Lage vor Ort angespannt sei, die YPG offenbar die selbst angezettelten chaotischen Zustände propagandistisch befeuere, um die heranrückenden Rebellenmilizen der FSA damit in Zusammenhang zu bringen.

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