Türkei
Erdogan kündigt weitere Afrika-Reise an

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Ankara – Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan wird am Sonntag auf Einladung seiner Amtskollegen zu einer viertägigen Reise in drei afrikanische Länder aufbrechen, teilte das Präsidialamt am Samstag mit. Erdoğan wird vom 20. bis 23. Februar die Demokratische Republik Kongo (DRK), den Senegal und Guinea-Bissau besuchen, so eine Erklärung des Direktorats. Der Besuch werde sich auf alle Aspekte der bilateralen Beziehungen und die Möglichkeiten zur Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen der Türkei und diesen Ländern in allen Bereichen konzentrieren. Während seines Besuchs in Dakar wird der türkische Staatschef zudem gemeinsam mit dem senegalesischen Präsidenten Macky Sall und anderen eingeladenen Staats- und Regierungschefs an der Eröffnungszeremonie des von einem türkischen Unternehmen gebauten Diamniadio-Olympiastadions teilnehmen. Es sei geplant, bei dieser Gelegenheit bilaterale Gespräche mit den teilnehmenden Staats- und Regierungschefs zu führen. Erdoğan werde auch das neue Gebäude der türkischen Botschaft in Dakar offiziell einweihen. Die Afrikapolitik der Türkei, die politische, humanitäre, wirtschaftliche und kulturelle Bereiche umfasst, ist Teil ihrer multidimensionalen Außenpolitik. Erdoğans Besuche in der Demokratischen Republik Kongo, im Senegal und in Guinea-Bissau sollen Möglichkeiten für die Steigerung des bilateralen Handelsvolumens im Einklang mit den festgelegten Zielen und die Ausweitung der Investitionen türkischer Geschäftsleute in der Region bieten. Wie die Nachrichtenagentur Anadolu berichtet, haben die Beziehungen zwischen der Türkei und Afrika mit der 2003 von Erdoğan eingeleiteten „strategischen Afrikapolitik“ des Landes neue Impulse erhalten. Zu diesem Zweck wurde die Zahl der türkischen Botschaften in Afrika von nur 12 im Jahr 2002 auf 43 im Jahr 2021 erhöht. Die Türkei wurde 2005 „Beobachtermitglied“ der Afrikanischen Union, die die Türkei 2008 zu einem „strategischen Partner“ erklärte. Der erste türkisch-afrikanische Partnerschaftsgipfel fand 2008 in Istanbul statt, der zweite in Malabo, der Hauptstadt von Äquatorialguinea. Der dritte Gipfel fand vom 16. bis 18. Dezember letzten Jahres erneut in Istanbul statt. Diese diplomatischen Entwicklungen zwischen der Türkei und dem afrikanischen Kontinent spiegeln sich auch in den Wirtschafts- und Handelsbeziehungen wider. Die Türkei baut ihre Wirtschaftsbeziehungen mit afrikanischen Ländern auf der Grundlage einer gleichberechtigten Partnerschaft und von Verhandlungen, bei denen beide Seiten gewinnen, auf. Im vergangenen Jahr hatten türkische Unternehmen auf dem gesamten Kontinent mehr als 1.150 Projekte mit einem Gesamtwert von fast 70 Milliarden Dollar durchgeführt. Der Wert der türkischen Investitionen in Afrika überstieg nach Angaben von Anadolu 6 Milliarden Dollar. Im Jahr 2021 stieg das Außenhandelsvolumen der Türkei mit Afrika südlich der Sahara im Vergleich zum Vorjahr um 24,8 Prozent. Das Handelsvolumen zwischen der Türkei und Afrika ist enorm, wie der Wirtschaftswissenschaftler Guven Sak vom Türkischen Institut für Wirtschaftspolitik (TEPAV) gegenüber der Deutschen Welle (DW) erklärte. „Kontinentalafrika hat die jüngste Bevölkerung der Welt und gleichzeitig das schnellste Bevölkerungswachstum.“ Nach Schätzungen der Vereinten Nationen (UN) wird sich die Bevölkerung Afrikas bis zum Jahr 2100 mindestens verdreifachen und auf über vier Milliarden Menschen anwachsen. Sak sieht den Ausbau der Beziehungen als natürliche Folge der Investitionsmöglichkeiten in den Bereichen städtische Infrastruktur, Logistik, Energie und Bauwesen: „Die Tatsache, dass Afrika extrem reich ist – sowohl an traditionellen als auch an erneuerbaren Energieressourcen – bietet Chancen für einen schnell wachsenden Markt“, so der Wirtschaftswissenschaftler. „Qualität der Produkte“ Der ivorische Geschäftsmann Lilli Firmin Tre arbeitet aus einem einfachen Grund mit der Türkei zusammen: „Ich habe die Türkei wegen der Qualität ihrer Produkte gewählt“, erklärt er gegenüber DW. Tre leitet die SIG-Gruppe, ein Immobilienunternehmen in der Elfenbeinküste, und unterhält seit langem enge Beziehungen zur Türkei. Europäische Qualität zu asiatischen Preisen Tre betont, dass die Stärke der Türkei in der Tatsache liegt, dass sie ihre Produktion weitgehend selbst in der Hand habe. Andere europäische Länder, sagt er, böten mehr asiatische Waren an. „Im Bausektor gibt es viel zu lernen, die Türken haben ein großes Fachwissen. Sie sind gut in der Verarbeitung, in der Innenarchitektur – auch die Farbabstimmung stimmt und sie verwenden gute Materialien“, schwärmt der Geschäftsmann. Das Beste aber sei: „Sie bieten europäische Qualität zu asiatischen Preisen.“

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Interview mit Prof. Brendon J. Cannon über die türkisch-afrikanischen Beziehungen.

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Klimawandel
Klimaschutz-Gruppe „Aufstand der letzten Generation“ bekräftigt Androhung von Flughafen-Blockaden

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Osnabrück – Die Klimaschutz-Gruppe „Aufstand der letzten Generation“ hat ihre Androhung von Flughafen-Blockaden bekräftigt, sollte die Regierung nicht bis Sonntagabend auf ihre Forderungen eingehen. „Wenn unser Ultimatum verstreicht und es keinen Fahrplan für ein Essen-retten-Gesetz und die Agrarwende geben wird, werden wir uns darauf konzentrieren, die empfindliche Infrastruktur zu treffen, zum Beispiel Flughäfen und Häfen“, sagte Sprecherin Sonja Manderbach im Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ). „Wenn wir keine Antworten erhalten, werden wir die konkrete Planung für Störaktionen beginnen.“ Die Gruppe hatte mit Autobahnblockaden, bei denen sich Aktivisten teils auf der Fahrbahn festklebten, in den vergangenen Wochen massive Verkehrsstörungen in Berlin und anderen Städten verursacht und einen Misthaufen im Landwirtschaftsministerium abgeladen. Sie fordert unter dem Motto „Essen retten – Leben retten“ ein sofortiges Gesetz zum Retten von Lebensmitteln und eine Agrarwende, um Klimagase aus der Landwirtschaft zu reduzieren. Am Mittwoch stellte sie Kanzler Olaf Scholz und der Ampel-Regierung in einem offenen Brief ein Ultimatum bis Sonntagabend. „Wir sind auf weitere Repressionen eingestellt, wenn wir noch massiver stören werden, und bereit, diese hinzunehmen“, sagte die Sprecherin. „Die Lage ist so ernst, dass ziviler Ungehorsam nicht nur gerechtfertigt, sondern notwendig ist.“ Der Ampel-Regierung warf Manderbach „massives Greenwashing“ vor, ihre Politik sei „allenfalls geeignet, ein paar Menschen zu beruhigen, die Angst vor dem Klimawandel haben. Aber das Tempo reicht absolut nicht, die CO2-Emissionsziele auch nur annähernd zu erreichen.“ Häfen und Flughäfen stünden für die fossile Wirtschaft und ein „Ja“ zum Weiter-so. „Deswegen werden wir sie ins Visier nehmen, wenn die Politik nicht reagiert.“

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Sie gehört zu den besten Airlines der Welt und wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Um klimabewusster und klimafreundlicher zu fliegen, setzt die türkische Fluggesellschaft Turkish Airlines nun seit Anfang Februar Sprit aus biogenen Reststoffen ein.

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Flüchtlingskrise
UN-Organisation besorgt über Anstieg von Todesfällen unter Migranten an griechisch-türkischer Grenze

Genf – Die Internationale Organisation für Migration der Vereinten Nationen (IOM) ist alarmiert über die zunehmende Zahl von Todesfällen unter Migranten und die Berichte über Push-Backs an der EU-Außengrenze zwischen Griechenland und der Türkei. Nach Informationen der UN-Organisation sind an der Landgrenze zwischen Griechenland und der Türkei 2022 mindestens 21 Migranten ums Leben gekommen. In dem gleichen Zeitraum des letzten Jahres sind demnach 10 Todesfälle verzeichnet worden. An derselben Landgrenze sollen 2021 schätzungsweise 55 Flüchtlinge ihr Leben verloren haben, überwiegend im August und im Winter. IOM kritisiert Griechenland Ohne Griechenland explizit beim Namen zu nennen, kritisiert die internationale Organisation die von griechischen Sicherheitskräften durchgeführten Push-Backs, also das Zurückdrängen von Migranten von den Grenzen ihres Ziel- oder Transitlandes. Derartige Aktionen seien nicht vereinbar mit den Verpflichtungen der Staaten nach internationalem und nationalem Recht. Ferner ist die IOM besorgt über die anhaltende Misshandlung von Migranten trotz wiederholter Aufrufe zum Handeln. Amnesty International wirft in ihrem Bericht 2021 griechischen Grenzbeamten Folter, Misshandlungen und illegale Push-Backs gegen Schutzsuchende vor. In dem englischsprachigen Bericht hat die Menschenrechtsorganisation festgehalten, wie griechische Behörden illegale Push-Backs an Land und auf See ausführen. Nach Informationen der IOM starben 2021 fast 3.500 Menschen beim Versuch, über die See- und Landgrenzen in die EU-Staaten einzureisen. Wegen Frage an Ministerpräsident Mitsotakis erhielt niederländische Journalistin Morddrohungen Wie weit es in Griechenland gehen kann, wenn eine Journalistin während einer Pressekonferenz Ministerpräsident Mitsotakis fragt, wann er endlich aufhört, über Push-Backs und Flüchtlinge zu lügen, musste die niederländische Journalistin Ingeborg Beugel erfahren. Die erfahrene Journalistin erhielt nach dem Vorfall Morddrohungen und wurde körperlich angegriffen. Auf Empfehlung der niederländischen Botschaft und des Außenministeriums in Den Haag verließ Beugel Griechenland nach 40 Jahren. Nach einem Bericht der Heinrich-Böll-Stiftung ist die Unabhängigkeit der Medien in Griechenland in Gefahr. Kemal Bölge/Genf

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– Türkei – BILD-Reporterin: Flüchtlingslager der Türkei wie „5-Sterne-Hotels“

Im Vergleich zu der Situation in Griechenland, gleichen laut der griechischen Journalistin Liana Spyropoulou, die Flüchtlingslager in der Türkei 5-Sterne-Hotels.

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Türkei
Islamfeindlichkeit: Französische Muslime wandern in die Türkei aus

Istanbul – Um der „Islamophobie“, die der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan Frankreich vorwirft, zu entkommen, entscheiden sich immer mehr französische Muslime dafür, in die Türkei auszuwandern. Laut einem Artikel des französischen Nachrichtenmagazins Le Journal du Dimanche haben sich Angesichts einer zunehmenden Islamfeindlichkeit in Frankreich, insbesondere in den letzten fünf Jahren immer mehr Franzosen in der Türkei niedergelassen. „Wir wollten eine Assimilation vermeiden, unseren Kindern eine islamische Erziehung geben, um sicherzustellen, dass sie ihr ganzes Leben lang Muslime bleiben“, so etwa der 31-jährige ehemalige Bäcker „Thibault“ aus Isère, der vor mehr als sieben Jahren zum Islam konvertiert sei. Seine Frau und er hätten zuerst an eine Auswanderung nach Ägypten oder Marokko gedacht, sich aber dann doch für die Türkei entschieden, da sie „mental näher an Frankreich“ liege. Heute hat das Paar sein Leben an den Ufern des Bosporus neu aufgebaut. Trotz einiger administrativer Rückschläge im Zusammenhang mit Aufenthaltsgenehmigungen bereut der Franzose seinen Umzug nicht. Zumal er vor einem halben Jahr auf eine Goldgrube gestoßen ist: den Export von Waren an eine überwiegend französische und muslimische Klientel. Korane, Gebetsteppiche, Abayas, islamische Rosenkränze oder Siwak-Zahnpaste. „Ich bin so überwältigt von der Nachfrage, dass ich nicht mehr alle Bestellungen ausführen kann, besonders wenn der Ramadan näher rückt.“, sagt er voller Freude. Viele Influencer unter Auswanderern Unter den Auswanderern gibt es auch zahlreiche Influencer, meist maghrebinischer Herkunft, die ihre Auswanderung in die Türkei inszenieren. „Es gibt hier eine Art Doppelkultur, sehr europäisch und gleichzeitig nahöstlich, die mich anspricht“, sagt in einem seiner Videos Fodil Mahani, ein Influencer, der 2019 Dubai gegen Antalya eingetauscht hat und auf seinem YouTube-Kanal über 70.000 Abonnenten verzeichnet. Oder Zia, eine 25-jährige Franco-Tunesierin aus Lyon, deren YouTube-Kanal von über 40.000 Abonnenten verfolgt wird und die vor fast zwei Jahren mit ihrem französisch-algerischen Ehemann nach Istanbul gezogen ist. In einem Video erklärt sie, wie man „persönliche Entwicklung“ praktiziert und dabei vermeidet, in die Vergötterung von New-Age-Spiritualitäten zu verfallen. David Bizet, der sich nun „Davut Paşa“ nennt, ist ein zum Islam konvertierter Mann aus Dijon und lebt seit 2019 in der Türkei. Er gründete im Oktober 2020 eine Facebook-Gruppe mit dem Titel Auswandern in die Türkei. „Diese Gruppe hat sich zum Ziel gesetzt, französischsprachige Muslime, die derzeit oder zukünftig, so Allah will, in der Türkei leben, zu verbinden“, heißt es in der Beschreibung der Gruppe. Sie richtet sich also an Französischsprachige, die danach streben, dorthin auszuwandern, oder die bereits in der Türkei leben, „um den Islam in Frieden zu praktizieren“, so die Gruppe weiter. „Keine Woche vergeht, ohne dass ich eine Nachricht von Franzosen erhalte, die sich in der Türkei niedergelassen haben oder sich dort niederlassen möchten“

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– Frankreich – Morddrohungen: Französischer Komiker Dieudonné M’bala möchte in der Türkei Asyl beantragen

Der umstrittene französische Komiker Dieudonné M’bala teilte in einem Interview mit, dass er wegen des Rassismus, den er in seinem Heimatland erlebt, in der Türkei Asyl beantragen möchte. Er erhalte in Frankreich Morddrohungen und seine Auftritte würden nicht erlaubt.

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Drohnenangriff in Syrien
Syrien: Türkischer Geheimdienst MIT tötet weiteren PKK-Anschlagsplaner

Diyarbakır – Bei einer Anti-Terror-Operation des türkischen Geheimdienstes MİT ist der Chefplaner mehrerer blutiger Bombenanschläge der PKK/YPG bei einem gezielten Luftangriff in Syrien getötet worden. Nach Medienberichten galt der außer Gefecht gesetzte PKK/YPG-Terrorist „Hebat Gever“ alias Süleyman Orhan als Drahtzieher zahlreicher Sprengstoffanschläge. Extremist plante neue Bombenanschläge Wie TRT Haber-Reporter Bülent Çulcuoğlu erklärte, hätten die Behörden konkrete Hinweise über einen von Orhan geplanten Bombenanschlag gegen die Türkei erhalten. Den Aufenthaltsort des Terroristen habe der Nachrichtendienst durch Erkenntnisse in der Region ermittelt. Angriffsdrohne attackiert Fahrzeug Der per Haftbefehl gesuchte Extremist soll zum Zeitpunkt des Angriffs von der syrischen Ortschaft Amuda neue Anschläge gegen die Türkei geplant haben. Als dieser sich in Begleitung seines Leibwächters in ein Fahrzeug begibt und aus der Ortschaft rausgefahren sei, wäre das Auto aus der Luft attackiert worden. Bei dem Raketenangriff starben laut Medienberichten Orhan und sein Begleiter. Für den Tod von mindestens neun türkischen Soldaten verantwortlich Nach Angaben türkischer Sicherheitsbehörden ist der getötete PKK-Terrorist für den Anschlag auf vier türkische Soldaten am 8. Januar 2020 in Resulayn, am 16. Januar 2020 auf drei Soldaten in Tell Abyad, am 10. Dezember 2020 auf zwei Soldaten in Resulayn sowie am 8. Januar 2022 ein Sprengstoffanschlag auf ein Militärfahrzeug der türkischen Grenzpatrouille verantwortlich. Die PKK wird von der Türkei und den USA sowie der EU als terroristische Organisation eingestuft. Sie wird für den Tod von mehr als 40.000 Menschen, darunter viele Frauen und Kinder, verantwortlich gemacht. Kemal Bölge/Diyarbakir

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Die türkische Luftwaffe hat bei einer groß angelegten Anti-Terror-Operation gegen die Extremistenorganisation PKK/YPG Ziele im Nordirak und Nordostsyrien angegriffen.

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NEX24-Exklusivinterview
Yasin Baş: „Hanau-Attentat war ein Angriff auf Deutschland“

In der Nacht auf den 19. Februar 2020 erlebte Deutschland einen der grauenvollsten Tage in seiner jüngeren Geschichte. Bei dem rechtsterroristischen Anschlag auf zwei Shisha-Bars in der hessischen Stadt Hanau kamen insgesamt elf Menschen ums Leben. Nun jährt sich der Amoklauf zum zweiten Mal. NEX24 sprach darüber mit dem deutsch-türkischen Politikberater und Autor Yasin Baş. NEX24: Sehr geehrter Herr Baş, wie konnte es zu so einer rassistischen Mordtat in Hanau kommen? Yasin Baş: Nach dem Terroranschlag von Hanau wurden die Gründe für die rassistische Tat, wie fast immer nach solchen Taten, breit diskutiert. Allerdings ging die Politik und Gesellschaft ziemlich schnell wieder an die Tagesordnung über. Es ist eigentlich traurig, dass sich erst an den Jahrestagen solch abscheulicher Ereignisse die Möglichkeit ergibt, das Thema Rassismus und Fremdenfeindlichkeit wieder in den Fokus zu rücken. Reflexartige Schuldzuweisungen an Neo-Nazis oder rechtsradikale Parteien wie die Alternative für Deutschland (AfD) sind mir zu plump und einseitig. Rufe nach einer konsequenten Beobachtung der AfD oder anderen rechtsextremistischen Zusammenschlüssen durch den Verfassungsschutz oder gar ein Verbot sind gut und schön. Doch ist es nicht zu einfach, die Schuld an diesem gesamtgesellschaftlichen Problem des antimuslimischen Rassismus an eine einzige Partei, neo-nazistischen Organisationen oder gar Einzelpersonen zu delegieren? Der Attentäter Tobias Rathjens hatte lange in einer Schützengesellschaft trainiert und auch seine rassistischen, türken- und islamfeindlichen Ansichten waren im Internet nachzulesen. Er war mehrmals polizeilich in Erscheinung getreten. Als Opfer suchte sich Rathjens gezielt deutsche Jugendliche mit Einwanderungsbiographien aus. Neun junge Menschen aus Hessen verloren so ihr Leben. Der Mordanschlag von Hanau war kein Angriff auf Migranten, sondern vielmehr ein Angriff auf Deutschland. Denn auch diese Jugendlichen standen für Deutschland. NEX24: Sie vertreten also die These, dass die Morde von Hanau ein Anschlag auf Deutschland waren? Yasin Baş: Ja, genau. Der Angriff richtete sich gegen unsere gemeinsamen Werte, das Miteinander und den Frieden in unserem Land. Hanau war ein Wendepunkt in der jüngeren Geschichte Deutschlands. Dieser Anschlag war in mehrfacher Hinsicht ein Angriff auf Deutschland. Denn bei den Ermordeten handelte es sich um deutsche Jugendliche. Auch wenn manche von ihnen Vorfahren hatten, die vor Jahren und Jahrzehnten aus anderen Ländern nach Deutschland eingewandert waren. Sie waren Deutsche. Sie hießen: Fatih, Sedat, Gökhan, Vili, Kaloyan, Mercedes, Ferhat, Hamza, Said und Gabriele. Man mag denken, diese Namen hören sich gar nicht so deutsch an. Das ist ein gewaltiger Trugschluss. Es mag an uns vorbeigegangen sein: Deutschland ist in den letzten 60 bis 65 Jahren so vielfältig und bunt geworden, dass genau diese Namen mittlerweile auch in Deutschland geläufige Namen sind. Zumindest müsste die Gesellschaft so weit sein, diese Namen als einheimisch und nicht fremd zu akzeptieren. Die Realität mag teilweise noch eine andere sein. Manche Menschen wollen oder können diese Veränderungen nicht wahrhaben. Sie können natürlich weiterhin Scheuklappen tragen und so weiterdenken. Das ist ihr gutes Recht. Aber Deutschland entwickelt sich voran. Wir leben nicht im 18. Jahrhundert, wo der Austausch von Waren, Dienstleistungen und Menschen begrenzt war. Mit anderen Worten: Es reicht nicht aus, nur die Namen der Opfer des Attentats von Hanau auszusprechen. Diese Namen stehen stellvertretend für alle fremd klingenden Namen in Deutschland und sollten auch in breiten Kreisen akzeptiert werden. Auch das gehört zu einem modernen Einwanderungsland. Genauso wie Alexander, Marvin und Tobias oder Marie, Julia und Sandra gehören auch Fatih, Mehmet, Andrzej, Lorenzo, Amira, Fatma, Allegra, Ljudmila, Amelia und Ylva zu Deutschland. Das sind inzwischen auch deutsche Namen. Daran müssen wir uns nicht nur gewöhnen, wir müssen dies auch als Normalität auffassen. Viele Menschen in unserem Land, zum Teil auch Politiker*innen und Medienvertreter*innen, halten die Opfer von Hanau immer noch für „Migranten“. Es reicht, sich Zeitungsartikel oder Einträge im Internet zum Thema anzusehen, um dies zu erkennen. Solange sich diese Einstellung nicht ändert, werden wir es nur schwer schaffen, eine gesellschaftliche Einheit gegen Rechtsextremismus und Rassismus zu bilden. Dann haben es die Menschenfeinde leicht, uns gegeneinander aufzuwiegeln und zu spalten. Eine gesellschaftliche Einheit muss zuerst in den Köpfen und Herzen entstehen. Erst dann kann das weltoffene Gesicht Deutschlands wieder erstrahlen. NEX24: Können Sie konkrete Beispiele nennen? Yasin Baş: In den vergangenen Jahren waren unser Zusammenleben, unsere Demokratie und unser Rechtsstaat in Deutschland vielerlei Gewaltangriffen und Herausforderungen ausgesetzt. Die NSU-Mordserie, die Ermordung von Walter Lübcke, Anschläge auf Moscheen und Friedhöfe, der Anschlag auf die Synagoge in Halle und das Attentat in Hanau, alle diese brutalen, rechtsextremen Terrorakte richteten sich gegen unser Zusammenleben und unser Gesellschaftssystem in unserem Land. Diese heimtückischen Attacken haben Deutschland mitten ins Mark getroffen. Die Zahl der politisch motivierten Kriminalität erreichte im vergangenen Jahr erneut einen neuen Höchststand seit Einführung der Statistik im Jahr 2001. Mehr als die Hälfte der erfassten Straftaten waren rechtsmotiviert. Auch nach Einschätzung von Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) geht die größte Bedrohung in Deutschland derzeit von Neo-Nazis aus. Die Ministerin, die bis Ostern ein „Aktionsplan gegen Rechtsextremismus“ erarbeiten möchte, verdient jede Unterstützung. Sie sehen: Aus solchen traumatischen Ereignissen wie dem Anschlag von Hanau lassen sich auch neue Chancen ergeben. NEX24: Wie können Sie so ein rassistisches Attentat denn als eine Chance bezeichnen? Das sollten Sie unseren Lesern erklären. Yasin Baş: Auch wenn es sich möglicherweise paradox anhören mag: Hanau kann auch als eine Chance begriffen werden. Es kann eine Chance sein für eine stärkere Verbundenheit und ein besseres Miteinander der Menschen in diesem Land. Es kann eine Chance sein, Vielfalt und Verschiedenheit als Normalität zu begreifen und zu akzeptieren. Und es kann eine Chance sein, nicht nur nach „Wir“ und „Ihr“, nach „den Deutschen“ und „den Migranten“, „den Christen“ und „den Muslimen“ zu unterscheiden. Wenn wir es schaffen, in unserem Denken und Handeln soweit voranzukommen, also nicht mehr zwischen ethnischen, religiösen oder sonstigen gruppenspezifischen Merkmalen zu unterscheiden, werden es die Polarisierer, Spalter und Menschenfeinde umso schwieriger haben. Lassen Sie uns diese Chance, die durch das Attentat von Hanau entstanden ist, gemeinsam nutzen. Erst wenn wir diese Gelegenheit geschlossen wahrnehmen, werden rechte und linke Rassisten sowie andere Menschenfeinde verzweifeln. Dann werden sie es nicht mehr schaffen, unsere freie Gesellschaft mit Angst, Hass, Hetze und Gewalt zu spalten und unser freiheitlich-demokratisches System auszuhöhlen. NEX24: Rassismus ist also nicht nur ein Problem von Rechtsradikalen und Neo-Nazis? Yasin Baş: Neo-Nazis, Rassisten und Menschenfeinde entwickeln sich nicht urplötzlich zu Verbrechern. Sie haben eine Vergangenheit. Sie haben ein soziales, berufliches und familiäres Umfeld. Sie sind Mitglieder in Vereinen und Organisationen. Sie können unsere Nachbarn und Arbeitskollegen sein. Ja, sie können sogar Verwandte oder Familienmitglieder sein. Sie können im selben Fußballteam mit einem spielen. Was ich sagen möchte: Rassisten und Menschenfeinde kommen nicht nur aus den Rändern, sondern auch aus der gesellschaftlichen Mitte. Und um diese Mitte müssen wir uns als demokratische Gesellschaft sorgen. Diese Mitte dürfen wir nicht den Spaltern überlassen. Forschungen zeigen, dass rechtspopulistische, muslimfeindliche, rassistische und menschenverachtende Gedanken und Überzeugungen immer weitere Teile der gesellschaftlichen Mitte erfassen. Seit dem Jahr 2006 erforschen Wissenschaftler in den sogenannten Mitte-Studien, wie weit sich autoritäre, rassistische, rechtspopulistische und rechtsextreme Einstellungen in Deutschland ausbreiten. Dazu gehören nicht zuletzt die Akzeptanz einer Diktatur, Antisemitismus, Rassismus, die Relativierung des Nationalsozialismus oder die Verachtung von Geflüchteten, Sinti und Roma. In den Ergebnissen dieser Studien wird erkennbar: Rechtspopulistische und abwertenden Einstellungen gegenüber Muslimen und sogenannten Asylsuchenden nehmen in den letzten Jahren kontinuierlich zu. Zuletzt sollten wir uns selbst fragen: Wie weit sind wir und wie weit sind unsere Gedanken von Hass, Angst vor dem Fremden und Intoleranz infiziert? Fragen wir uns selbst genug, in welche Richtung sich unsere Dorfgemeinschaft, unsere Stadt, unser Bundesland oder Deutschland bewegt? Rassismus ist ein gesamtgesellschaftliches Problem. Es geht uns alle an und es betrifft uns auch alle. NEX24: Sehr geehrter Herr Baş, wir danken Ihnen für das Gespräch.
Yasin Baş ist Politologe, Historiker, Autor und freier Journalist. Zuletzt erschienen seine Bücher: „Islam in Deutschland – Deutscher Islam?” sowie „nach-richten: Muslime in den Medien”.      

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Ein Interview mit Nurlan Mammadov, Sozialwissenschaftler mit Schwerpunkt Interkulturelle Beziehungen. Er hat in Fulda studiert und arbeitet aktuell im Bereich Migration und Integration.

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Garten
Spargel selbst anbauen und ernten

Spargel im eigenen Garten anzubauen, ist leichter als so mancher denkt. Allerdings gibt es bei dem Anbau und der Ernte von Spargel eine ganze Menge zu beachten und dies ist nichts für ungeduldige Menschen. Wir möchten Ihnen in diesem Beitrag verraten, wie der Anbau und die Ernte von Spargel gelingen kann. Spargel aus dem eigenen Garten – Erste Ernte nach drei Jahren Sofern Sie Spargel in ihrem Garten anbauen möchten, dauert es bis zur ersten Ernte eine ganze Weile. Denn erst nach drei Jahren kann der angebaute Spargel endlich geerntet werden und das bis zu zehn Jahre lang. Somit lohnt sich die Mühe, eigenen Spargel anzubauen durchaus, doch wenn Sie in Zukunft jedes Jahr zur Spargel Kochzeit Spargel in ihrem Garten ernten möchten, sollten Sie die Beete dafür frühzeitig anlegen. Das Spargelbeet vorbereiten Das Spargelbeet sollte jedes Jahr im Herbst vorbereitet werden, wobei Sie darauf achten sollten, dass der Boden locker und frei von Unkraut ist. Aus diesem Grund sind Kartoffelbeete hervorragend für den Anbau von Spargel geeignet. Während dem Herbst sollte der Boden zu diesem Zweck mit Gründünger aufgewertet und etwas Mist und Kompost untergemischt werden. Beste Zeit zum Spargel pflanzen Die beste Zeit, um Spargel in dem eigenen Garten zu pflanzen, ist zwischen Ende März und Ende April, wenn der Boden bereits frei von Frost ist. Am besten sollte Spargel in Form einer Jungpflanze mit einem Wurzelballen gepflanzt werden, kann allerdings auch als Wurzelstock eingepflanzt werden. Bestellen sollten Sie den Spargel, den Sie anbauen möchten, am besten direkt bei einem Spargelhof, um hochwertiges Saatgut zu erhalten. Standort zum Spargel pflanzen An einem sonnigen Ort wächst Spargel am besten, denn bereits im Halbschatten erwärmt sich der Boden nicht so stark und ein schattiger Ort ist kontraproduktiv für das Wachstum des Spargels. Dafür spielt es keine Rolle, ob die Pflanzen in einen sandigen Lehmboden oder einen mit Humus optimierten Sandboden eingepflanzt werden. Der Boden für den Anbau sollte lediglich locker, tiefgründig und durchlässig sein. Im Gegensatz zu weißem Spargel ist grüner Spargel weniger anspruchsvoll und kommt in der Regel mit jedem Boden zurecht. Nicht geeignet für den Anbau von Spargel sind neben dichten Lehm- und Tonböden zudem auch saure Moorböden. Standort zum Spargel pflanzen An einem sonnigen Ort wächst Spargel am besten, denn bereits im Halbschatten erwärmt sich der Boden nicht so stark und ein schattiger Ort ist kontraproduktiv für das Wachstum des Spargels. Dafür spielt es keine Rolle, ob die Pflanzen in einen sandigen Lehmboden oder einen mit Humus optimierten Sandboden eingepflanzt werden. Der Boden für den Anbau sollte lediglich locker, tiefgründig und durchlässig sein. Im Gegensatz zu weißem Spargel ist grüner Spargel weniger anspruchsvoll und kommt in der Regel mit jedem Boden zurecht. Nicht geeignet für den Anbau von Spargel sind neben dichten Lehm- und Tonböden zudem auch saure Moorböden. Weißen Spargel pflanzen Um weißen Spargel zu pflanzen, benötigen Sie einen 40 Zentimeter breiten und 30 bis 40 Zentimeter tiefen Graben. Dieser wird anschließend mit etwas lockerem Kompost und Pflanzenerde aufgefüllt, wobei Sie darauf achten sollten, keinen frischen Mist oder jungen Kompost zu verwenden, da die Spargelwurzeln dadurch geschädigt werden können. Denn Spargel benötigt einen pH-Wert zwischen 5,5 und 6,5 und für eine gute Ernte sollen mehrere Reihen im Abstand von etwa 130 Zentimetern angelegt werden. Formen Sie anschließend alle 40 Zentimeter einen kleinen Hügel und breiten Sie darauf die Wurzeln aus, wobei Sie darauf achten sollten, dass die Wurzeln sich nicht verdrehen. Bedecken Sie die Hügel danach mit etwas Gartenerde und richten Sie die Knospenanlagen und sichtbaren Austriebe längs zur Grabenrichtung aus. Befüllen Sie den Graben anschließend, bis der Spargel einige Zentimeter mit Erde bedeckt ist und gießen Sie diesen regelmäßig. Lassen Sie die Gräben das erste Jahr lang unverändert und füllen Sie diese im zweiten Jahr auf, damit Sie im dritten Jahr ihren ersten weißen Spargel ernten können. Grünen Spargel pflanzen Im Gegensatz zu weißem Spargel wächst grüner Spargel oberirdisch und nicht unter einem Erddamm. Das Pflanzen von weißem und grünem Spargel ist im Prinzip identisch, mit dem Unterschied, dass grüner Spargel nicht angehäuft werden muss. Spargel ernten Während große Spargelbauern eine große Anzahl von Erntehelfern benötigen, können Sie den angebauten Spargel in ihrem Garten allein ernten. Die Spargelernte geht in der Regel von April bis Ende Juni, wobei sämtliche Sprosse mit einer Höhe von 20 Zentimetern geerntet werden. Während weißer Spargel mit einem speziellen Messer geerntet wird, kann grüner Spargel oberirdisch mit der Hand geerntet werden. Spargel ist mehrjährig Bei Spargel handelt es sich um eine frostharte, mehrjährige Staude, welche während des Winters in Form einer blattlosen Wurzel im Boden überlebt. Nach dem Pflanzen von Spargel kann dieser erst im dritten oder vierten Jahr vollständig geerntet werden, das allerdings über einen Zeitraum zwischen 10 bis 15 Jahren.

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– Gesundheit – Krebsgefahr in süßen Drinks

Cola, Limo, Energydrinks: Gezuckerte Getränke bergen für erwachsene Frauen, die zwei oder mehr gezuckerte Getränke täglich zu sich nehmen, die Gefahr an Dickdarmkrebs zu erkranken, noch bevor sie das 50. Lebensjahr erreichen.

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Israelisch-türkische Beziehungen
Wiederannäherung: Israel bestätigt Herzogs Türkei-Besuch

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Tel Aviv – Israel bestätigte am Dienstagmorgen, dass Staatspräsident Isaac Herzog in die Türkei reisen wird, und kündigte an, im Laufe dieser Woche hochrangige türkische Beamte zu empfangen, um den Besuch zu planen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte zuvor gegenüber türkischen Medien erklärt, dass er Herzog im Rahmen der Bemühungen um eine Wiederbelebung der einst starken Beziehungen zwischen den beiden Ländern empfangen werde, was jedoch von israelischer Seite zuerst nicht bestätigt wurde. Der Besuch soll am 9. und 10. März stattfinden. In einer Erklärung von Herzogs Büro hieß es am Dienstag, dass Erdogans Top-Berater Ibrahim Kalin und der stellvertretende türkische Außenminister Sedat Onal in den kommenden Tagen Israel besuchen werden, um den Besuch vorzubereiten und die Beziehungen zwischen den beiden Staaten zu erörtern. „Während des Besuchs werden die beiden Beamten mit dem Generaldirektor des Außenministeriums, Alon Ushpiz, dem Generaldirektor des israelischen Präsidialamtes, Eyal Shviki, und hochrangigen Beamten des Außenministeriums und des israelischen Präsidialamtes zusammentreffen“, so das israelische Außenministerium in einer Mitteilung. Erdogan hatte bereits im Januar angekündigt, dass ein möglicher Besuch des israelischen Staatspräsidenten Isaac Herzog im Gespräch sei.

„Wir führen Gespräche mit Präsident Herzog. Herr Herzog könnte die Türkei besuchen“, sagte Erdogan Reportern während eines Besuchs in Albanien.

„Wir werden unser Bestes tun, um auf einer Win-Win-Basis zusammenzuarbeiten“, erklärte der türkische Staatschef weiter. „Als Politiker sind wir nicht dazu da, um zu kämpfen, sondern um Frieden zu schaffen“, so Erdogan. Israelische Quellen bestätigten, dass vorläufige Gespräche im Gange sind, erklärten aber, dass noch kein Termin festgelegt wurde, berichtete die Haaretz. Seit seinem Amtsantritt hat Präsident Herzog bereits mehrere Telefongespräche mit Erdogan geführt. Beim ersten Mal rief Erdogan an, um Herzog zu seiner Wahl zu gratulieren. Beim zweiten Mal rief Herzog Erdogan im Rahmen der Bemühungen um die Freilassung eines israelischen Ehepaars an, das in der Türkei verhaftet worden war. In der vergangenen Woche rief Erdogan Herzog an, um zum Tod von dessen Mutter zu kondolieren. Die Beziehungen zwischen der Türkei und Israel erreichten 2010 ihren Tiefpunkt, als die israelische Marine ein türkisches Hilfsschiff, die Mavi Marmara, überfiel, das auf dem Weg war, humanitäre Hilfe in den blockierten Gaza-Streifen zu liefern. Bei dem Überfall wurden 10 Aktivisten getötet. Das Ereignis löste eine beispiellose Krise in den türkisch-israelischen Beziehungen aus, die seit Jahrzehnten friedlich verlaufen waren. Beide Länder riefen nach dem Vorfall sogar ihre diplomatischen Gesandten zurück. Türkische Politiker kritisieren Israels Politik gegenüber den Palästinensern, einschließlich der illegalen Siedlungen im besetzten Westjordanland und in Jerusalem sowie der humanitären Lage im Gazastreifen. „Die Normalisierung unserer Beziehungen zu Israel bedeutet nicht, dass wir unsere grundsätzliche Haltung zur Sache Jerusalems, der palästinensischen Sache und der Masjid al-Aqsa aufgeben. Wir werden unsere Beziehungen nicht auf Kosten der palästinensischen Sache normalisieren“, hatte Außenminister Mevlüt Çavuşoğülu dem Sender TRT Haber gesagt. Er fügte hinzu, dass dies auch den Israelis bekannt sei.

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Der türkische Präsident wird im nächsten Monat bei Gesprächen mit seinem israelischen Amtskollegen die Zusammenarbeit im Energiebereich erörtern.

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Corona-Pandemie
Deutschlands Landkreise begrüßen Corona-Lockerungen

Osnabrück – Deutschlands Landkreise haben die Ergebnisse des Corona-Gipfels gelobt: „Bund und Länder haben geliefert. Das begrüßen wir“, sagte Landkreistagspräsident Reinhard Sager im Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ). „Es war nötig, einen Plan für einen Öffnungspfad vorzulegen, um den Menschen im Land eine klare Perspektive zu geben.“ Die Krankenhausaufnahmen seien stabil und das Gesundheitssystem nicht überfordert. Kritik, der Freedom Day komme zu spät, wies Sager zurück. Zwar lockere das Ausland schneller. „Aber wir haben es hierzulande mit einer relativ großen Impflücke bei Älteren zu tun, sodass ein stufenweises Vorgehen angemessen ist.“ Auch sollte es noch eine Weile bei Masken und Abstand im ÖPNV, beim Umgang mit gefährdeten Personen und in engen Räumlichkeiten bleiben, um nicht auch gleich den Schutz durch vergleichsweise wenig belastende, aber effektive Instrumente wegfallen zu lassen. „Gut und richtig ist auch, dass der Zugang zum Einzelhandel bundesweit für alle Personen ohne Kontrollen möglich sein soll. Das ist ein konsequenter Schritt“, sagte der Landkreistagspräsident. Eindringlich rief Sager zum Impfen auf. „Gerade dreifach Geimpfte haben kaum ein Risiko, im Krankenhaus behandelt werden zu müssen. Das ist auch der entscheidende Faktor für einen hoffentlich baldigen Übergang in die Endemie. Auf der Basis einer dreifachen Impfung können wir diesen Übergang relativ gefahrlos schaffen.“

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Soziale Netzwerke und Messengerdienste spielen eine wichtige Rolle für die politische Meinungsbildung in der digitalisierten Gesellschaft. Doch gerade in der Corona-Krise sind sie zunehmend zu einem Umschlagplatz für gefährliche Desinformation und Verschwörungerzählungen geworden.

Soziale Netzwerke in Corona-Krise Umschlagplatz für gefährliche Desinformation

Türkei
Çavuşoğlu: Populismus schürt Gewalt gegen Muslime

Istanbul – Am heutigen Mittwoch begann in Istanbul ein zweitägiges internationales Seminar unter dem Titel „Menschenrechtsverletzungen gegen Muslime“, das vor der ständigen Menschenrechtskommission, der Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) und dem türkischen Außen- und Justizministerium organisiert wird. Während der Veranstaltung sollen die Menschenrechtsverletzungen weltweit thematisiert und Lösungsvorschläge erarbeitet werden. Der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu und Parlamentspräsident Mustafa Şentop wandten sich vor Beginn des Workshops mit einer Videobotschaft an die anwesenden Teilnehmer. In der Videobotschaft betonte der türkische Außenminister, dass der populistische Diskurs in der Welt, insbesondere in Europa, die Gewalt gegen Muslime geschürt habe. „Neben diesen gilt es die Uiguren, die Rohingya-Moslems in Myanmar und die Rechte unserer muslimischen Brüder in aller Welt zu schützen. Insbesondere die Isolierung der Zyperntürken und die türkische Minderheit in Griechenland, die grundlegender Menschenrechte beraubt ist, zeigt, dass wir gemeinsam nach Lösungen suchen sollten“, so Çavuşoğlu, Nach der Videobotschaft hielt der stellvertretende türkische Justizminister Yakup Moğul eine Ansprache, indem er auf die Probleme der türkischen Minderheit im griechischen Westthrakien einging und die dortigen Menschenrechtsverletzungen erwähnte.
(Foto: Gündem Gazetesi)
Weiterer Themenschwerpunkt ist Lage in den von Israel besetzten Gebieten Palästinas Am ersten Tag des Kolloquiums soll die Situation der Muslime in Europa und Asien erörtert und am Donnerstag die Lage in den von Israel besetzten Gebieten in Palästina abgehandelt werden. An dem Seminar nehmen Vertreter der muslimischen Community weltweit teil. Weitere Redner der Veranstaltung sind der Vorsitzende der Menschenrechtskommission der OIC, Dr. Hacı Ali Açıkgül, der stellvertretende Generalsekretär der OIC, Botschafter Samir Bakr Diab sowie der Vize-Außenminister und Botschafter Palästinas Ammar Hijazi. An der Veranstaltung nehmen auch Vertreter zivilgesellschaftlicher Institutionen und Wissenschaftler aus Westthrakien teil. Kemal Bölge/Istanbul

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