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NEX24-Interview
Türkei: Ausgewandert und plötzlich schwer krank
Seit fast zwei Jahrzehnten veröffentlicht Marina Bütün in ihrem Blog und in Facebook kostenlose Informationen für Auswanderer, die sich in der Türkei ganz niederlassen – ohne Wohnsitzanmeldung in Deutschland.
Meistens geht es im Blog nicht um die üblichen Themen, eher um spezielle Probleme, die sie aus eigener Erfahrung und Praxis an die Leser weitergibt. Im neuesten Blog-Artikel geht es um Tipps für den Krankheitsfall in der Türkei und welche Vorkehrungen alleinstehende Ausländer im Vorfeld bereits treffen sollten, bevor der akute Fall überhaupt eintritt.
Die in der Provinz Mugla lebende Autorin der Bücher „Ratgeber Auswandern Türkei„, „Türkei-Immobilien“ (Miete, Kauf, Bau, Sanierung) und ihren Tagebüchern „Weißwurst mit türkischem Tee“ Band 1, 2 und 3, hat erst kürzlich durch den Tod eines nahen Freundes erlebt, was es heißt, wenn jemand mit der Einstellung auswandert, erst an Krankheit zu denken, wenn es oft zu spät ist.
Dabei geht es nicht nur um vorbereitende Maßnahmen für alleinstehende Auswanderer, die ihren festen Wohnsitz in der Türkei begründen möchten, sondern auch um die Nachsorge und Pflege zu Hause von der Kommune der Stadt, wenn ein Patient nach dem Krankenhausaufenthalt alleine zu Hause Hilfe braucht. Diese Hilfe gibt es auch für Ausländer mit permanentem Wohnsitz.
Frau Bütün, wie kam es dazu, dass Sie das Thema Krankheit und Sterbefall in Ihren Blog aufgenommen haben?
Es war mir bis kurz vor dieser Veröffentlichung selbst erst klar, dass sich die wenigsten Menschen mit den schlimmen Dingen des Lebens befassen wollen, wenn sie an die Auswanderung denken. Krankheit und vor allem der Tod sind meistens Themen, die man lieber ignoriert, wenn man noch gesund ist.
Man schiebt diese Gedanken einfach weg. Mir ging es bis vor einem Jahr genauso, bis mein Mann ernsthaft erkrankte. Machen wir uns nichts vor – wenn man selten oder nie einen Arzt braucht, keine Medikamente einnehmen muss, klammert fast jeder dieses Thema einfach aus und hofft, dass es nicht passiert.
Aus eigener Erfahrung, auch durch Erfahrungen von Freunden, die schon Hilfe geleistet haben, weiß ich, wie schwierig es werden kann, wenn alleinstehende Ausländer ohne Familie in der Türkei plötzlich erkranken, sich selbst nicht mehr helfen können oder gar nicht mehr in der Lage sind, ihren gesundheitlichen Zustand als kritisch einzuschätzen.
Letztendlich liegt es zwar immer in der Entscheidung des geschäftsfähigen Patienten, ob er sich behandeln lassen möchte, es ist jedoch trotzdem im Ernstfall im Umfeld des Alleinstehenden erforderlich, r e c h t z e i t i g Maßnahmen zu ergreifen, wenn es lebensgefährlich wird. Dabei helfen jedoch keine Ferndiagnosen per Anruf am Smartphone, dazu gehört auf jeden Fall ein Besuch beim Patienten.
Man sollte sich als Auswanderer – von Beginn an – auf keinen Fall einfach darauf verlassen, dass man selbst noch Entscheidungen treffen kann oder jemand sofort da ist – vor allem, wenn man sehr zurückgezogen lebt und kaum Freundschaften pflegt. Es gibt so viele traurige Fälle, die immer wieder in der türkischen Zeitung stehen.
Immer wieder liest man, dass demente Ausländer verschwunden sind und dann tot aufgefunden wurden oder oft tagelang in ihrem Haus liegen, bis es den Nachbarn dann doch auffällt. Bei Ausländern, die öfter nach Deutschland reisen, ist es für die Nachbarn nicht ungewöhnlich, dass es ums Haus manchmal länger still ist. Deswegen ist es wichtig, dass man sich nicht völlig von der Gemeinschaft abschottet oder ausschließt und in so einem Fall einem Nachbarn Bescheid gibt“, so Bütün.
Durch Erlebnisse von Freunden, und aktuell durch einen sehr persönlichen Fall – welche Erkenntnis ziehen Sie daraus?
Es kann einfach jeden treffen! Das Alter ist völlig egal. Es spielt keine Rolle, ob es ein Unfall in jüngeren Jahren oder Altersschwäche ist, das habe ich erst begriffen, als in meinem Umfeld nach 20 Jahren immer wieder Menschen aus dem deutschen Bekanntenkreis erkrankten oder verstarben. Hier waren aber immer noch die Ehepartner da, die Maßnahmen einleiten konnten oder zur Pflege bereitstanden.
Trotzdem benötigten auch die deutschen Ehepartner im Krankheits- oder Todesfall dringend Beistand und Hilfe, um alles organisieren zu können. Es geht nicht nur um den Krankheits- oder Todesfall selbst, was schon schwer genug ist. Dazu kommt dann ein Wust von Bürokratie, die zusätzlich an den Nerven zehrt – im Todesfall länderübergreifend mit den örtlichen Behörden UND dem deutschen Konsulat.
Dafür braucht man gute Nerven und beide Sprachen. Vor allem benötigt man Hilfe von jemandem, der sich nicht aus der Ruhe bringen lässt, immer freundlich bleibt – denn sowohl die türkischen als auch deutschen Behörden arbeiten lieber mit Menschen, die sich nicht ständig beschweren oder arrogant und hochnäsig mit den Beamten oder Angestellten sprechen.
Das gilt auch für den Umgang mit Krankenhäusern und Ärzten und dem Personal dort. Wer damit keine Erfahrung hat, sollte an das deutsche Sprichwort denken „Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus“.
Ist eine schriftliche Erklärung, was im Ernstfall gewünscht wird und die im Haus am Kühlschrank oder an einer Tür hängt, die Lösung?
Es ist so leicht dahergesagt, wenn jemand gar nicht weiß, was im Krankheitsfall in der Türkei möglich ist, kann er sich zwar alles wünschen, aber ob es machbar ist, stellt sich dann erst heraus. Selbst wenn man eigenhändig schriftlich mit Zeugen hinterlegt, was nach dem Tode passieren soll, muss der Inhalt rechtlich – sowohl in der Türkei als auch in Deutschland – Hand und Fuß haben, sonst nützt es überhaupt nichts.
Vor allem, wenn der Text keine Namen von Personen nennt, ist alles ungültig. Selten kennt jemand die rechtliche Seite, außer er ist selbst Jurist oder hat sich im Vorfeld beraten lassen. Solche Überlegungen sind zwar schön, aber letztendlich wertlos. Das kann jeder Notar bestätigen.
Bis man einen alleinlebenden Verstorbenen findet, können manchmal Tage vergehen, wenn dieser vielleicht auch noch in einem einzelnen Haus wohnt, das irgendwo einsam liegt. Ohne gute Kontakte vor Ort, ohne die türkische Sprache zu verstehen und dazu noch ohne Verwandte vor Ort ist alles doppelt schwierig, wenn Probleme auftauchen. Wie oben erwähnt, nur die Sprache reicht auch nicht unbedingt aus.
Erst kürzlich sagte ein Freund von uns, es gäbe bestimmte Menschen, die würde er niemals in seinem Namen auf Behörden schicken, weil sie sofort dumm daher reden würden und sich es mit ihrer Art immer verscherzen. Deshalb ist es für einen angehenden Auswanderer dringend notwendig, sich bereits im Vorfeld mit diesem ernsten Thema zu befassen – genau dann, wenn man es noch kann!
Ich habe in meinem Blog eine Liste erstellt, die jeder angehende Auswanderer kennen sollte – einfach als Gedächtnisstütze für den Fall, der hoffentlich nie eintreten wird. Vor allem ist Egoismus in dem Falle fehl am Platz. Denn im Ernstfall ist man immer auf fremde Hilfe angewiesen – ob das nun Freunde oder ganz fremde Personen sind, hängt immer vom Umfeld des Auswanderers ab.
Wenn noch Erben im Ausland existieren oder über die Recherche des deutschen Konsulats ausfindig gemacht wurden, da jeder Todesfall eines deutschen Staatsbürgers dem Konsulat gemeldet werden muss, finden diese auf meinem Blog auch viele Anhaltspunkte, wie sie als Erben vorgehen müssen. Es ist einfach wichtig, zu wissen, dass im Ernstfall wirklich auch alles klappt.
Vielen Dank für das Gespräch
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Wirtschaft
Türkei: Exporte brechen weiteren Allzeitrekord
Türkeis Exporte im Jahr 2023 Wie Präsident Recep Tayyip Erdogan mitteilte, haben die Exporte der Türkei im Jahr 2023 einen Rekordwert von 255,8 Milliarden Dollar erreicht und sind damit um 0,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. „Damit wurde das Ziel unseres mittelfristigen Programms von 255 Milliarden Dollar übertroffen“, sagte Erdogan auf einer Pressekonferenz in Istanbul zu den vorläufigen Außenhandelsdaten. Der Deckungsgrad der Exporte im Verhältnis zu den Importen sei im Vergleich zum Vorjahr um 0,8 Prozentpunkte gestiegen und werde im Jahr 2023 70,7 Prozent erreichen, so Erdogan.NEW: Turkish exports hit a record in 2023, reaching $255.8bn • Turkey’s trade deficit decreased by 3.2% in 2023, totalling $106bn • Turkish export-import coverage ratio increased by 0.8 points to 70.7% — Erdogan
— Ragıp Soylu (@ragipsoylu) January 2, 2024
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BMG
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BMG hatte 2016 einen Verlagsvertrag mit dem 80-jährigen Musiker unterzeichnet und wollte im vergangenen Jahr eine neu aufgenommene Version des Pink-Floyd-Albums Dark Side of the Moon aus dem Jahr 1973 veröffentlichen, doch nach der Einstellung von Thomas Coesfeld als CEO wurde die Veröffentlichung schließlich gestrichen. Die Neuaufnahme wurde daraufhin von dem britischen Plattenlabel Cooking Vinyl veröffentlicht.BMG is parting ways with Roger Waters, the Pink Floyd co-founder whose comments about Israel, Ukraine and the United States have caused no shortage of controversy. https://t.co/RAmgKfUXhw
— Variety (@Variety) January 30, 2024
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E-Commerce
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„Es ist wichtig, dass türkische Unternehmen jetzt bereit sind, in der Ukraine zu investieren, ohne auf das Ende des Krieges zu warten. Ihr Interesse geht über den schnell voranschreitenden High-Tech-Sektor und die Verteidigungsindustrie in Kriegszeiten hinaus. Es besteht auch ein großes Interesse an einer Zusammenarbeit in der Logistik und auf dem Markt mit Schwerpunkt auf dem Export. Wir haben Möglichkeiten zur Verbesserung unserer Zusammenarbeit und zum Aufbau stärkerer wirtschaftlicher Beziehungen erkundet. Ich glaube, dass ein verstärkter Handel dazu beitragen kann, unsere Nationen einander näher zu bringen.“Das Engagement von Trendyol, eine nahtlose und bequeme E-Commerce-Erfahrung zu bieten, gepaart mit seinem Einsatz für die Förderung des Wirtschaftswachstums durch grenzüberschreitenden Handel, positioniert das Unternehmen als einen Schlüsselakteur in der laufenden Entwicklung des internationalen E-Commerce. Svyrydenko:
„Wir sind dankbar für die Unterstützung und den Beitrag, den die Türkei in der schwierigsten Zeit für die Ukraine geleistet hat, insbesondere das türkische Unternehmen Baykar, das Bayraktar-Kampfdrohnen herstellt. Heute besteht unsere Priorität darin, Investitionen in die Ukraine anzuziehen, um die Verteidigungskapazitäten des Landes sowohl unter dem Kriegsrecht als auch in der Nachkriegszeit zu stärken und so die Wirtschaftstätigkeit der Ukraine anzukurbeln und zum Wiederaufbau und zur Rehabilitation unseres Landes beizutragen.“Trendyol sieht ein großes Potenzial in der Ukraine mit ihrem sich schnell entwickelnden E-Commerce-Markt, einem Interesse an türkischen Produkten und der Möglichkeit, ukrainischen Marken sowohl nationale als auch internationale Märkte zu öffnen, indem es seine erstklassige digitale Infrastruktur und seine wachsende internationale Präsenz nutzt.
Während sich das Unternehmen in neue Märkte vorwagt, bleibt Trendyol seiner Mission treu, Verbraucher mit Produzenten zu verbinden und in digitale und logistische Infrastrukturen zu investieren, wie z. B. in sein Lager in Polen, das mit einer Lagerkapazität von 3 Mio. Einheiten eine wichtige regionale Rolle spielt. Informationen zu Trendyol Das Unternehmen wurde im Jahre 2010 von Demet Suzan Mutlu gemeinsam mit Investoren als türkische Online-Handelsplattform für Mode gegründet. Frau Mutlu war zu dieser Zeit Studierende der Wirtschaftswissenschaften im MBA-Programm der Harvard University. Die Handelsplattform wurde in der Türkei schnell auch für andere Produkte genutzt. Im Jahr 2020 boten 98.000 Unternehmen und 1,1 Mio. Einzelpersonen Waren an, die von 19,3 Mio. Kunden gekauft wurden. Im August 2018 stieg die Alibaba Group in das Unternehmen ein. Um diese Zeit begann die Ausweitung der Geschäftsaktivitäten in andere Länder. Im August 2021 erreichte das Unternehmen eine Bewertung von mehr als 10 Mrd. USD (und wird daher in der Start-Up-Geschäftswelt als ein Decacorn bezeichnet). Es war damit das erfolgreichste türkische Start-Up-Unternehmen überhaupt und das zweitwertvollste in Europa. Hauptinvestoren sind neben der Alibaba Group die US-amerikanischen Investmentfirmen General Atlantic und Princeville Capital, der Vision Fund 2 der japanischen SoftBank, sowie die beiden arabischen Investmentfirmen ADQ (Vereinigte Arabische Emirate) und Qatar Investment Authority.Great meeting with @haluk, CEO of @BaykarTech, and Çağlayan Çetin, President of @Trendyol Group. It’s important that 🇹🇷 companies are ready to invest in 🇺🇦 now, without waiting for the war to end.
Their interest extends beyond the swiftly advancing high-tech sector and defense… pic.twitter.com/hgvg6pmdyp — Yulia Svyrydenko (@Svyrydenko_Y) January 31, 2024
Geschichte
„Türken waren Auslöser und Wetzstein europäischer Identität“
von Çağıl Çayır – Historiker
Das Maß der historischen Verantwortung wird in Deutschland verständlicherweise vor allem auf die Zeit des Nationalsozialismus gewichtet. Dabei wird in der Regel jedoch vernachlässigt, dass die Nazi-Ideologie, die die Nazi-Verbrechen geistig vorbereitete, trug und begleitete, sich selbst auf Grundgedanken stützte, die schon seit Jahrhunderten in Europa verbreitet waren und es teilweise immer noch sind.
Maßgeblich für die Nazi-Ideologie waren – zusätzlich zur Judenfeindlichkeit, die es schon im alten Orient gab – vor allem der so genannte Eurozentrismus, der Germanenmythos und der Skandinavismus oder Nordismus und Nordizismus – das exklusive Klischee vom „Nordischen“. Ein kurzer Überblick:
Der Eurozentrismus
Der Eurozentrismus implizierte die Exklusivität und Überlegenheit der Europäer gegenüber dem Rest der Welt, was wiederum ihre kolonialistischen Verbrechen geistig vorbereitete, trug und begleitete — wie die Verfolgung und Versklavung von einheimischen Menschen in Afrika und Amerika, Asien und Australien. Aber auch in Europa, wie bei den Samen in Skandinavien.
Selbst Immanuel Kant stellte – wie viele seiner Zeitgenossen – die „weißen Europäer“ an die Spitze der Menschheit. Der Germanenmythos und der Skandinavismus sowie die fatale „Rassen-“ und Nazi-Ideologie stützten sich grundlegend auf den exklusiven Europa-Gedanken.
Der Germanenmythos
Der Germanenmythos implizierte die Gleichsetzung der Deutschen mit den antiken „Germanen“. Damit waren von Anfang an die verhängnisvollen Stereotype verbunden, denen zufolge die Deutschen die „reinen“, das heißt „unvermischten“ Ureinwohner Europas wären. Der Germanenmythos bildete die Hauptgrundlage der Nazi-Ideologie.
An dieser Stelle ist es wichtig an das Geständnis des Nazi-Propagandaleiters Heinrich Himmler zu erinnern:
„Es ist uns höchst gleichgültig, ob sich die Vorgeschichte der germanischen Stämme in Wirklichkeit so oder anders abgespielt hat […]. Der ganze Tacitus mit seiner Germania ist eine Tendenzschrift. Unsere Wissenschaft vom Deutschtum hat jahrhundertelang von einer Fälschung gelebt. Wir haben das Recht, dasselbe jederzeit zu wiederholen.“1 (Heinrich Himmler)
Das Klischee vom „Nordischen“
Bereits ab dem 16. und 17. Jahrhundert wurde das Klischee vom „Nordischen“ in Skandinavien machtpolitisch und nationalromantisch fetischisiert. Dazu gehörten sehr früh übertriebene, exklusive Vorstellungen wie, dass „alle Menschheitskultur aus Schweden ausgewandert“ wäre.
Schließlich wurde das Klischee vom „Nordischen“ in Europa bis zur Idee einer „Nordischen Rasse“ dem „Nordizismus“ überspitzt. An solchen Vorlagen bedienten sich die Nazis maßgeblich – besonders bei der Pervertierung der Runenschrift und „Nordischen“ Mythologie. Dabei übersteigerten sie den Nordismus und Nordizismus bis zum „Rassenwahn“ und Holocaust.
Fundamentaler Wandel im geschichtlichen Denken
Diese für die modernen „europäischen“ Identitäten grundlegenden, wie zuletzt auch für die Nazi-Ideologie maßgeblichen, exklusiven Ideen waren jedoch nicht selbstverständlich, sondern selbst die Folgen einer massiven kirchlichen Kriegspropaganda gegen die Türken ab der Mitte des 15. Jahrhunderts. Der Mittelalterhistoriker Michael Borgolte spricht von einem „fundamentalen Wandel im geschichtlichen Denken.“
Denn wie neuere Geschichtsstudien zeigen, glaubten die Menschen im Mittelalter noch fest an die Urverwandtschaft der Völker. So erzählt zum Beispiel die älteste Herkunftslegende der Deutschen, die fränkische Sage aus dem 7. Jahrhundert, von der gemeinsamen Herkunft der Franken und Türken aus Troja.
Ebenso erzählt die älteste Herkunftslegende der Isländer von der türkischen Herkunft der Nordländer. Die Türken wurden sogar mit den in Europa höchst verehrten Trojanern (Link) gleichgesetzt. Doch nach der Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen im Jahr 1453 wurden derartige Verwandtschaftssagen zu lästig für die Kirchenherrscher und gewaltsam zerbrochen!
Die Türken waren Auslöser und Wetzstein ‚europäischer‘ Identität
Federführend bei der Spaltung der Völker war Enea Silvio Piccolomini, der spätere Papst Pius II. In seinen berühmten „Türkenreden“ rief er die Europäer, vor allem die Deutschen, zu einem neuen Kreuzzug gegen die Türken auf.
Dabei schloss er die Türken dämonisierend aus der alten mythologischen Gemeinschaft der Völker aus und führte das neue Konzept von Europa als Festung sowie auch den Germanenmythos als Schlachtbegriffe gegen die Türken ein.
Dadurch prägte er nicht nur das negative Fremdbild der Türken, sondern auch das exklusive Selbstbild der Europäer und Deutschen folgenschwer. Der Historiker Johannes Helmrath schreibt: „Die Türken werden zum traumatischen Auslöser und zum Wetzstein ‚europäischer‘ Identität.“
Die Spitze des Eisbergs
Vor dem Hintergrund von Eurozentrismus, Germanenmythos, Nordismus und Nordizismus stellt sich die Nazi-Ideologie als Spitze eines exklusiven Eisbergs heraus, der nach 1453 durch die massive Türkenkriegspropaganda der Kirche vom Festland abbrach.
Dabei hing die für Europa identitätsstiftende Türkenfeindlichkeit der Kirche auch mit Islamfeindlichkeit zusammen. Folglich erfordert die Aufklärung der Nazi-Ideologie auch die Aufklärung der Türken- und Islamfeindlichkeit in Europa. Denn hieraus ergab sich erst die katastrophale Spaltung der Völker, die zu Eurozentrismus, Germanenmythos, Nordismus und Nordizismus sowie zuletzt zum „Rassenwahn“ der Nationalsozialisten in Deutschland und Holocaust führte.
Das bedeutet eine entscheidende Erweiterung des historischen Verantwortungsbewusstseins. Nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa und der europäisch beeinflussten Welt.
Es gilt zu bemerken, dass Eurozentrismus, Germanenmythos und Nordismus inzwischen kritisiert, doch Türken- und Islamfeindlichkeit immer noch nicht grundlegend problematisiert werden. Zudem ist die Grundannahme der Fremdheit und Gegensätzlichkeit zwischen den Völkern und Kulturen immer noch weit verbreitet.
Dagegen deuten neuere Studien auf die lange Vorgeschichte der Kulturkontakte über Eurasien. Dadurch werden die früheren Trennungen zwischen Türken und Europäern verworfen und stattdessen ihre Gemeinsamkeiten erforscht. Daraus ergibt sich ein erneuter fundamentaler Wandel im geschichtlichen Denken. Hin zur Wiedervereinigung der Völker.
Autor
Çağıl Çayır studierte Geschichte und Philosophie an der Universität zu Köln und ist als freier Forscher tätig. Çayır ist Autor von „Runen in Eurasien. Über die apokalyptische Spirale zum Vergleich der alttürkischen und ‚germanischen‘ Schrift‘“ und ist Gründer der Kultur-Akademie Çayır auf YouTube. Seine Arbeiten wurden international in verschiedenen Fach- und Massenmedien veröffentlich
Quellen:
Michael Borgolte, Europas Geschichten und Troia. Über die Zeit, als die Türken Verwandte der Lateiner und Griechen waren (Europa im Mittelalter 24), in: Ders./Lohse, Tillmann/Scheller, Benjamin (Hrsg.), Mittelalter in der größeren Welt. Essays zur Geschichtsschreibung und Beiträge zur Forschung, Berlin 2014, S. 211-227.
Johannes Helmrath, Enea Silvio Piccolomini (Pius II.) – Ein Humanist als Vater des Europagedankens?, in: Themenportal Europäische Geschichte, 2007, <www.europa.clio-online.de/essay/id/fdae-1327>.
Christopher B. Krebs, Ein gefährliches Buch. Die »Germania« des Tacitus und die Erfindung der Deutschen, München 2012.
Dieter Mertens, Europäischer Friede und Türkenkrieg im Spätmittelalter, in: Heinz Duchhardt (Hrsg.), Zwischenstaatliche Friedenswahrung in Mittelalter und Früher Neuzeit, Köln et. al. 1991, S. 45 – 90. (Elektronischer Sonderdruck)
1 Hunger, Ulrich, Die Runenkunde im Dritten Reich. Ein Beitrag zur Wissenschafts- und Ideologiegeschichte des Nationalsozialismus (Europäische Hochschulschriften 3. Geschichte und ihre Hilfswissenschaften 227), Frankfurt am Main et al. 1984, S. 454.
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„Der türkische Tourismus hat letztes Jahr ein Wunder vollbracht“ Mit dem Wort „Wunder“ lässt sich die Leistung der türkischen Tourismusbranche im vergangenen Jahr am besten beschreiben, als das Land von verheerenden Erdbeben heimgesucht wurde und geopolitische Unruhen den Sektor beeinträchtigten, sagte Kaan Kavaloğlu, der Vorsitzende des Verbandes der mediterranen touristischen Hoteliers und Reiseveranstalter (AKTOB), gegenüber der Hürriyet. „Die Tourismussaison begann wegen der Erdbeben erst im Juni. Dann hatten wir die Wahlen. In den ersten fünf Monaten des Jahres 2023 gab es fast keine touristischen Aktivitäten“, sagte er. Die Tourismuszahlen für 2023 seien erstaunlich, so Kavaloğlu.2023 yılında turizmde tüm zamanların en iyi performansını sergiledik.
Ülkemizi ziyaret eden kişi sayısı yıllık yüzde 11,1 artışla 57,1 milyona ulaşarak yıl sonu hedefini (56,7 milyon) aştı. Turizm geliri ise 54,3 milyar dolar olarak gerçekleşti. Orta Vadeli Programa göre, bu… — Mehmet Simsek (@memetsimsek) January 31, 2024
„Unser größter Markt – Russland – und unser drittgrößter Markt – die Ukraine – befinden sich immer noch im Krieg. Es ist uns gelungen, die Verluste aus diesen beiden Märkten durch die europäischen Märkte zu kompensieren..“Die Türkei habe etwa 1,15 Millionen polnische Touristen angezogen, sagte Kavaloğlu und fügte hinzu, dass Polen zum aufsteigenden Stern für den türkischen Tourismussektor geworden sei.
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Die Akzeptanz von Neosurf in lizenzierten deutschen Online-Casinos hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Die Verbraucher schätzen die Sicherheit und Anonymität, die Neosurf bietet, und viele Online-Casinos haben diese Zahlungsmethode in ihr Portfolio aufgenommen. Hier sind einige Vorteile und Schritte zur Nutzung von Neosurf in deutschen Online-Casinos: Vorteile von Neosurf in Online-Casinos:- Sicherheit und Datenschutz: Neosurf ermöglicht es den Nutzern, ihre finanziellen Informationen bei Online-Casino-Transaktionen zu schützen. Da keine persönlichen Daten preisgegeben werden, wird das Risiko von Datenmissbrauch minimiert.
- Sofortige Einzahlungen: Neosurf-Transaktionen werden in Echtzeit abgewickelt, was bedeutet, dass die Nutzer sofort mit dem Spielen beginnen können. Es gibt keine Wartezeiten wie bei anderen Zahlungsmethoden.
- Anonymität: Die Verwendung von Neosurf ermöglicht es den Nutzern, ihre Casino-Einzahlungen diskret zu tätigen, ohne dass persönliche Informationen offengelegt werden müssen.
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