Energie
Türkei: Energiexporte steigen um 560 Prozent

Ankara – Die Türkei hat einen bemerkenswerten Meilenstein in ihrem Energiesektor erreicht: Die Erdgasexporte sind in den letzten Jahren um 560 % gestiegen, was vor allem auf die rasche Erschließung des Sakarya-Gasfeldes im Schwarzen Meer zurückzuführen ist. Dieser Anstieg unterstreicht das wachsende Bestreben der Türkei, ein regionales Energiezentrum zu werden und ihre Abhängigkeit von ausländischen Energieimporten zu verringern. Das Sakarya-Gasfeld, das im August 2020 von der Turkish Petroleum Corporation (TPAO) entdeckt wurde, ist mit geschätzten Reserven von 710 Milliarden Kubikmetern (bcm) der größte Erdgasfund des Landes. Seit Beginn der Förderung im April 2023 hat das Feld seine Produktion erheblich gesteigert und erreichte im April 2025 9,5 Millionen Kubikmeter pro Tag, genug, um etwa 4 Millionen Haushalte zu versorgen, so der Minister für Energie und natürliche Ressourcen Alparslan Bayraktar. Diese Produktionssteigerung hat nicht nur die Energiesicherheit im eigenen Land erhöht, sondern auch zu einem dramatischen Anstieg der Exporte geführt. Im vergangenen Jahr unterzeichnete die Türkei Erdgas-Exportvereinbarungen mit mehreren europäischen Ländern, darunter Bulgarien, Ungarn, Rumänien und Moldawien, und profitierte dabei von der Produktion aus dem Sakarya-Feld. Der Anstieg der Exporte um 560 % spiegelt sowohl die wachsende Kapazität des Feldes als auch den strategischen Vorstoß der Türkei wider, ihren Einfluss auf den regionalen Energiemärkten auszuweiten. „Das Sakarya-Gasfeld ist ein entscheidender Faktor für die Türkei“, sagte Minister Bayraktar kürzlich auf einer Pressekonferenz in Giresun. 2028 erwarten wir eine Tagesproduktion von 40 Millionen Kubikmetern, die den Erdgasbedarf aller türkischen Haushalte decken und die Türkei als wichtigen Energielieferanten in der Region positionieren wird. Die Entwicklung des Feldes wurde durch erhebliche Investitionen in die Infrastruktur unterstützt, darunter ein Unterwasser-Produktionssystem, Pipelines, die das Feld mit der Filyos-Erdgasaufbereitungsanlage verbinden, und die Ankunft der ersten schwimmenden Produktions-, Speicher- und Entladeeinheit (FPSO) der Türkei im September 2024. Das FPSO, das 2026 in Betrieb genommen werden soll, wird die Produktionskapazität voraussichtlich verdoppeln und das Exportpotenzial weiter erhöhen. Zur Energiestrategie der Türkei gehört auch die Ausweitung von Explorationen und Partnerschaften. Das Land arbeitet mit Bulgarien im Schwarzen Meer zusammen, erkundet Möglichkeiten im Kaspischen Meer und verfolgt Öl- und Gasprojekte im Irak. Darüber hinaus hat Präsident Recep Tayyip Erdoğan am 17. Mai 2025 die Entdeckung einer Erdgasreserve von 75 Mrd. Kubikmetern im Schwarzen Meer bekannt gegeben, die den Bedarf der Haushalte für 3,5 Jahre decken könnte, was die Energieaussichten der Türkei weiter verbessert. Der Exportanstieg kommt zu einem kritischen Zeitpunkt, da Europa angesichts der geopolitischen Spannungen und des Strebens nach Energieunabhängigkeit versucht, seine Energiequellen zu diversifizieren. Die Nähe der Türkei zu den europäischen Märkten und ihre wachsenden Produktionskapazitäten machen sie zu einem attraktiven Partner. Allein das Sakarya-Feld deckte im vergangenen Jahr 6,6 % des türkischen Gasverbrauchs von 53 Mrd. m3, und es wird erwartet, dass seine Erweiterung bis zum Ende des Jahrzehnts 30 % des nationalen Bedarfs decken wird. Präsident Erdoğan bekräftigte das Bekenntnis der Türkei zur Energieunabhängigkeit und erklärte: „Wir werden nicht aufhören, bis die Türkei völlig energieunabhängig ist“. Die Vision der Regierung sieht vor, die jährliche Gasproduktion bis 2050 auf 13 Mrd. Kubikmeter zu steigern, wobei das Schwarze Meer eine zentrale Rolle spielen soll.

Brüssel
Gaza: Sieben europäische Länder verurteilen Israel

Luxemburg – Sieben europäische Staaten – Spanien, Norwegen, Island, Irland, Luxemburg, Malta und Slowenien – haben am Freitag eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht, in der sie Israels Militäraktionen im laufenden Gaza-Konflikt verurteilen, einen sofortigen Waffenstillstand fordern und auf die sich verschärfende humanitäre Krise in der Region hinweisen.
Deutschland nicht vertreten
Bemerkenswert ist, dass Deutschland in dieser Gruppe nicht vertreten ist, ein Land, das sich standhaft geweigert hat, Israel zu verurteilen, und sich dabei auf sein historisches Engagement für die Sicherheit des jüdischen Staates beruft. Deutsche Politiker behaupten seit langem, dass „die Sicherheit Israels ein Element der deutschen Staatsräson ist“, ein Grundsatz, der in der Verantwortung des Landes für den Holocaust und seiner moralischen Verpflichtung zum Schutz Israels wurzelt. In der Erklärung der sieben Nationen, die nach einem virtuellen Gipfeltreffen veröffentlicht wurde, brachten sie ihre tiefe Besorgnis über Israels anhaltende Militäraktion im Gazastreifen zum Ausdruck, die zu erheblichen Opfern unter der Zivilbevölkerung und weitreichenden Zerstörungen geführt hat. „Wir werden nicht schweigen, während sich im Gazastreifen eine von Menschen verursachte humanitäre Katastrophe abspielt“, erklärten die Staats- und Regierungschefs und forderten Israel auf, „sofortige und ungehinderte“ humanitäre Hilfe in die Region zu lassen. Sie verurteilten auch den Ausbau der israelischen Siedlungen im Westjordanland und bezeichneten ihn als „gefährliche Eskalation“, die die Aussicht auf eine Zweistaatenlösung untergrabe.
Zehntausende getötete Zivilisten
Der Gaza-Konflikt hat durch die israelische Offensive großes Leid verursacht. Nach Angaben des von der Hamas geführten Gesundheitsministeriums in Gaza, hat die Zahl der Todesopfer in der Enklave die 50.000-Grenze überschritten, wobei die meisten von ihnen Zivilisten sind, darunter Frauen und Kinder. Die Vereinten Nationen haben wiederholt vor einer Hungersnot und einem Zusammenbruch der medizinischen Versorgung im Gazastreifen aufgrund der israelischen Blockade und der Beschränkungen für Hilfsgüter gewarnt. Die gemeinsame Erklärung stellt eine seltene einheitliche Haltung dieser europäischen Nationen dar, die zunehmend ihre Frustration über Israels Verhalten zum Ausdruck gebracht haben. Der spanische Außenminister José Manuel Albares betonte die Dringlichkeit eines Waffenstillstands und erklärte:
„Die Zerstörung des Gazastreifens und das Leiden der Menschen dort unterstreichen die Notwendigkeit sofortigen Handelns.“ Auch der irische Premierminister Simon Harris forderte eine internationale Rechenschaftspflicht und erklärte, dass „kein Staat über dem humanitären Völkerrecht steht“.
Deutschland bleibt jedoch ein Ausreißer in der europäischen Reaktion. Die deutsche Regierung unter dem ehemaligen Bundeskanzler Olaf Scholz hat die Sicherheit Israels stets als einen nicht verhandelbaren Eckpfeiler ihrer Außenpolitik bezeichnet. Dieses Konzept der „Staatsräson“, das erstmals 2008 von der ehemaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel formuliert wurde, spiegelt die historische Schuld Deutschlands am Völkermord der Nazis an sechs Millionen Juden wider. „In diesem Moment gibt es nur einen Platz für Deutschland: an der Seite Israels“, bekräftigte Scholz in einer Bundestagsrede 2023, eine Position, die sowohl Lob als auch Kritik hervorgerufen hat. Die unerschütterliche Unterstützung Deutschlands blieb nicht ohne Folgen. Vor allem aus dem Globalen Süden wurde dem Land vorgeworfen, mit zweierlei Maß zu messen, weil es die russischen Verstöße gegen das Völkerrecht in der Ukraine verurteilte, während es zu Israels Vorgehen in Gaza schwieg. Im März 2024 beschuldigte Nicaragua Deutschland vor dem Internationalen Gerichtshof (IGH) der Beihilfe zum Völkermord, eine Anklage, die das Gericht zwar zurückwies, die aber die heikle Lage Berlins verdeutlichte. Kritiker argumentieren, dass Deutschlands „Staatsräson“ es blind gemacht hat für die humanitären Opfer in Gaza. „Deutschlands Weigerung, Israel zu kritisieren, obwohl die Zahl der Todesopfer unter der Zivilbevölkerung steigt, untergräbt seine Glaubwürdigkeit als Verfechter der Menschenrechte“, so ein ehemaliger ägyptischer Diplomat in einem Bericht der Carnegie-Stiftung. Die ehemalige deutsche Außenministerin Annalena Baerbock versuchte, ein Gleichgewicht zwischen der Unterstützung Israels und der Forderung nach humanitärer Hilfe herzustellen, indem sie erklärte: „Deutschland trägt Verantwortung für die Sicherheit Israels, aber auch für das Völkerrecht“. Dennoch hat sich Berlin nicht für einen dauerhaften Waffenstillstand oder einen Stopp der Waffenexporte nach Israel ausgesprochen, die seit Oktober 2023 deutlich zugenommen haben.

#boykotturkey-Bewegung
Indien: Reisende stornieren Flüge in die Türkei und Aserbaidschan

Delhi – Was mit öffentlichen Aufrufen zum Boykott von Reisen in die Türkei begann, hat sich nun zu einem umfassenderen Bruch ausgeweitet, da Indien seine Verbindungen zu türkischen Unternehmen und Universitäten abgebrochen hat. Die diplomatische Abkühlung ist darauf zurückzuführen, dass die Türkei während der jüngsten indisch-pakistanischen Feindseligkeiten Pakistan lautstark unterstützt hat. Am Donnerstag untersagte Indien dem türkischen Unternehmen Celebi den Betrieb auf seinen Flughäfen unter Berufung auf nationale Sicherheitsbedenken – eine Behauptung, die das Unternehmen bestreitet.
Auch Universitäten stellen Beziehungen ein
Mehrere indische Universitäten – darunter die Jawaharlal Nehru University, die Jamia Millia Islamia und die Maulana Azad National Urdu University – haben ebenfalls ihre akademischen Beziehungen zu türkischen Einrichtungen eingestellt. Das Unternehmen Celebi, das Bodenabfertigungsdienste auf großen Flughäfen wie Delhi und Mumbai abwickelte, wurde auf Anweisung des Bundesluftfahrtministeriums offiziell eingestellt. Der indische Staatsminister für Luftfahrt erklärte in einem Beitrag auf X, dass die Regierung in den letzten Tagen Anträge aus dem ganzen Land erhalten habe, das Unternehmen zu verbieten. „In Anerkennung der Ernsthaftigkeit des Problems und der Notwendigkeit, die nationalen Interessen zu schützen, haben wir diese Anträge zur Kenntnis genommen. Das Ministerium für Zivilluftfahrt hat die Sicherheitsgenehmigung des besagten Unternehmens widerrufen“, erklärte der Minister. Einem Bericht von Bloomberg zufolge hat Celebi erklärt, es werde alle „administrativen und rechtlichen“ Mittel ausschöpfen, um die Vorwürfe zu klären und eine Aufhebung der Anordnung zu erreichen. Das Unternehmen bezeichnete den Widerruf der Sicherheitsgenehmigung als „ungerecht“. „Unser Unternehmen und unsere Tochtergesellschaften tragen keine Verantwortung für mögliche Störungen, Verspätungen oder negative Auswirkungen auf den Flughafenbetrieb und den zivilen Luftverkehr in Indien“, zitierte Bloomberg das Unternehmen mit den Worten.
Welle von Stornierungen
Eine Welle von Stornierungen und ein starker Rückgang der Reisebuchungen in die Türkei und nach Aserbaidschan haben die Tourismusbranche beider Länder getroffen, da indische Reisende ihre Empörung über die Unterstützung Pakistans während der jüngsten geopolitischen Spannungen zum Ausdruck bringen. Führenden Reiseplattformen zufolge sind die Buchungen für diese beliebten Reiseziele in der vergangenen Woche um 60 % eingebrochen, während die Stornierungen um schwindelerregende 250 % angestiegen sind, was eine wachsende Boykottbewegung in ganz Indien widerspiegelt. Rajeev Chandrasekhar, ein ehemaliger Bundesminister und Mitglied der Bharatiya Janata Party (BJP) von Premierminister Narendra Modi, sagte:
„Jeder hart arbeitende Inder, der als Tourist ins Ausland reist, versteht heute, dass seine hart verdiente Rupie nicht für diejenigen ausgegeben werden sollte, die den Feinden unseres Landes helfen.“
Grund für die Gegenreaktion ist die öffentliche Unterstützung Pakistans durch die Türkei und Aserbaidschan nach der indischen Militäroperation „Operation Sindoor“, die als Reaktion auf einen tödlichen Anschlag in Pahalgam, Kaschmir, am 22. April 2025 eingeleitet wurde. Der Anschlag, bei dem 26 Menschen ums Leben kamen, wurde pakistanischen Terroristen zugeschrieben und führte zu einer Eskalation der Spannungen zwischen den beiden südasiatischen Staaten. Sowohl die Türkei als auch Aserbaidschan gaben Erklärungen ab, in denen sie Indiens Militäraktionen verurteilten und ihre Solidarität mit Pakistan zum Ausdruck brachten, was bei den indischen Bürgern große Verärgerung hervorrief. „Die indischen Reisenden haben in der vergangenen Woche ihre Gefühle zum Ausdruck gebracht: Die Buchungen für Aserbaidschan und die Türkei sind um 60 % zurückgegangen, während die Stornierungen im gleichen Zeitraum um 250 % gestiegen sind“, sagte ein Sprecher von MakeMyTrip, Indiens größtem Online-Reiseanbieter. Cleartrip, eine weitere große Plattform, meldete eine noch höhere Stornierungsrate, mit einem Anstieg der Stornierungen von Reisen in diese beiden Länder um 260 %. Reisebüros in ganz Indien haben schnell auf den Stimmungsumschwung reagiert. EaseMyTrip, Ixigo und Cox & Kings haben alle Flug- und Hotelbuchungen in die Türkei und nach Aserbaidschan ausgesetzt und bieten alternative Ziele wie Griechenland, Georgien, Thailand und Usbekistan an. „Die meisten Leute, die die Türkei und Aserbaidschan gebucht hatten, bitten uns jetzt um eine Stornierung. Viele weichen auf Europa oder Bali aus, da diese Reiseziele als neutral und stabil angesehen werden“, sagte Sunny Goel von Flywings Tours and Packages in Mohali. Der Boykott hat in den sozialen Medien mit Hashtags wie #BoycottTurkey und #BoycottAzerbaijan auf allen Plattformen große Aufmerksamkeit erregt. „Wenn man sich auf die Seite der Feinde stellt, verliert man indisches Geld. Ganz einfach“, schrieb ein Nutzer auf X und brachte damit die Stimmung auf den Punkt, die hinter den Stornierungen steht. Auch große Reiseunternehmen haben sich der Haltung der Öffentlichkeit angeschlossen: MakeMyTrip hat alle Werbeaktionen für den Tourismus in der Türkei und Aserbaidschan eingestellt.
Begrenzte Auswirkungen
Nach offiziellen Angaben besuchten 330.100 Inder die Türkei im Jahr 2024, gegenüber 274.000 im Jahr 2023. Auch Aserbaidschan verzeichnete mit fast 244.000 indischen Ankünften im vergangenen Jahr einen Anstieg. Trotz steigender Zahlen machten Inder im Jahr 2024 weniger als 1 % der ausländischen Besucher in der Türkei aus – ein bescheidener Anteil mit begrenzten Auswirkungen auf die gesamten Tourismuseinnahmen.

NEX24-Interview
Neuerscheinung: Die Braut aus dem Osmanischen Reich, Teil 1

Am 12. Mai veröffentlichte die Autorin Marina Bütün ihren neuesten Roman Die Braut aus dem Osmanischen Reich. Der erste Band eines geplanten historischen Familienepos entführt die Leser in die bewegte Zeit des Osmanischen Reiches zwischen 1908 und 1922. Im Mittelpunkt stehen persönliche Erinnerungen und wahre Begebenheiten aus dem Leben der Großmutter ihres Ehemanns, die – überliefert durch ihre eigenen Erzählungen vor ihrem Tod – den roten Faden der Geschichte bilden. Entstanden ist ein eindringliches Porträt einer vergangenen Epoche, das private Schicksale mit dem großen historischen Wandel verwebt.
„Großmutter wurde im Osmanischen Reich geboren“
Der Schwerpunkt Ihrer bisherigen Veröffentlichungen lag stets auf der Türkei und dem Orient. Neben Ihrer eigenen dreiteiligen Tagebuchreihe Weißwurst mit türkischem Tee haben Sie vor allem Sachbücher wie Ratgeber Auswandern Türkei, Türkei Immobilien, Orientalisches Traumbuch und Human Design veröffentlicht. Was hat Sie dazu inspiriert, nun einen historischen Roman zu schreiben? Die Idee, ein Buch über die verstorbene Großmutter meines türkischen Mannes zu schreiben, trug ich schon lange mit mir herum. Sie wurde noch im Osmanischen Reich geboren und verstarb in der Republik Türkei im hohen Alter von über 90 Jahren. Anfang der 1990er-Jahre hatte ich das Glück, sie bei einem Besuch in Ankara noch persönlich kennenzulernen. Ihre Erzählungen – kurze, aber eindrucksvolle Erinnerungen – ließen mich nicht mehr los. Lange jedoch schob ich das Vorhaben vor mir her, da ich nicht wusste, wie ich diese vielen kleinen, aber faszinierenden Geschichten in ein ganzes Buch einbetten könnte. Für ein vollständiges Werk schienen sie zunächst zu fragmentarisch. Erst mit der Zeit reifte die Idee, die Episoden in einen größeren historischen Kontext einzubetten – die bewegte Epoche zwischen dem Ende des Osmanischen Reiches und dem Beginn der modernen Türkei.
„Erste Band umfasst die Jahre 1908 bis 1922“
Ursprünglich plante ich nur ein einziges Buch, doch beim Schreiben wuchs das Projekt über sich hinaus. Inzwischen ist daraus ein zweiteiliger Roman entstanden. Der erste Band umfasst die Jahre 1908 bis 1922. Der zweite Teil, der bereits fertiggestellt und derzeit im Lektorat ist, erzählt die Jahre von der Gründung der Republik 1923 bis zur Geburt meines Schwiegervaters im Jahr 1936 – mit einem kleinen Ausblick in die Zukunft. Ursprünglich wollte ich beide Teile gleichzeitig veröffentlichen, entschied mich dann aber bewusst dafür, den ersten Band vorzuziehen – denn gelesen wird ohnehin von vorne.
Großer Bedarf an fundierten Informationen über das Osmanische Reich
Es gibt, wie Sie betonen, einen umfassenden historischen Hintergrund im Roman. Was waren ihre erwähnten „guten Gründe“ für diese Entscheidung? Unabhängig von meinem ursprünglichen Plan, diesen Roman zu schreiben, fiel mir bereits seit Längerem in den sozialen Medien auf, dass insbesondere im deutschsprachigen Raum ein großer Bedarf an fundierten Informationen über das Osmanische Reich besteht – insbesondere über dessen letzten Jahre und den historischen Kontext des Zusammenbruchs. Dieser Bedarf an gut recherchierten, verlässlichen Quellen hat mich zusätzlich motiviert, die Epoche nicht nur als Kulisse zu nutzen, sondern ihr im Roman einen fundierten historischen Rahmen zu geben. Die verwendeten Quellen stammen aus offiziellen, belegbaren Dokumenten und sind im Buch entsprechend ausgewiesen. Es gibt einen großen Teil über Sultan Abdülhamid II. in ihrem Roman, hat das besondere Gründe?
Gegengewicht zu der einseitigen Darstellung des Osmanischen Reiches
Neben den wahren Familienerzählungen war es mir im Roman ein besonderes Anliegen, ein Gegengewicht zu der einseitigen Darstellung des Osmanischen Reiches in der westlichen Geschichtsschreibung zu schaffen. Im deutschsprachigen Raum dominiert bis heute weitgehend die Perspektive der „Sieger“ – jener Kräfte also, die maßgeblich zum Zerfall des Reiches beigetragen haben.
Als ich mich vor vielen Jahren erstmals intensiver mit der osmanischen Geschichte beschäftigte, war ich erschüttert über das einseitige Bild, das in Europa verbreitet wurde.
Gerade die verzerrte Darstellung von Sultan Abdülhamid II., der im Westen häufig nur als der „blutige Sultan“ bekannt ist, hat mich schon früh schockiert. Als ich mich vor vielen Jahren erstmals intensiver mit der osmanischen Geschichte beschäftigte, war ich erschüttert über das einseitige Bild, das in Europa verbreitet wurde. Es war mir ein echtes Bedürfnis, hier für mehr Differenzierung und historische Gerechtigkeit zu sorgen. Doch tiefgreifende Aufklärung und historisches Verständnis lassen sich nicht in kurzen Social-Media-Beiträgen oder Drei-Minuten-Videos vermitteln. Eine differenzierte Darstellung dieser komplexen Zusammenhänge erfordert gründliche Recherche, Zeit und verlässliche Quellen – all das, was in den schnelllebigen Formaten unserer Gegenwart oft fehlt.
Leider ist es heute gängige Praxis geworden, nur Überschriften oder wenige Zeilen zu lesen und sich daraus eine Meinung zu bilden
Leider ist es heute gängige Praxis geworden, nur Überschriften oder wenige Zeilen zu lesen und sich daraus eine Meinung zu bilden. Viele geben sich mit halben Wahrheiten zufrieden – oder konsumieren bewusst nur jene Inhalte, die dem eigenen Weltbild entsprechen. Manchmal habe ich sogar den Eindruck, dass die unbequeme Wahrheit gar nicht gewünscht ist – weil es bequemer ist, an dem festzuhalten, was man ohnehin schon zu wissen glaubt. Die Zeit ab 1908 gehört zweifellos zu den spannendsten, aber auch schmerzhaftesten Kapiteln in der Geschichte des Osmanischen Reiches und seiner Bevölkerung. In diesem Jahr beginnt die Jungtürken-Revolution, kurz darauf wird Sultan Abdülhamid II. abgesetzt. Es folgen die verlustreichen Balkankriege, der Erste Weltkrieg und schließlich – mit dem Vertrag von Lausanne – das offizielle Ende des Reiches. All diese historischen Umwälzungen bilden den zeitlichen Rahmen Ihres Romans. Ist es Ihnen gelungen, diese Ereignisse mit der persönlichen Geschichte der Familie zu verknüpfen? In meinem Buch werden die wahren Familiengeschichten eng mit den historischen Ereignissen jener Zeit verwoben – in spannenden Kapiteln, die persönliches Erleben und politische Umbrüche miteinander verbinden. Auch viele Aspekte des osmanisch-muslimischen Alltags finden ihren Platz – etwa traditionelle Rituale bei der Namensgebung eines Neugeborenen, bei Verlobungen oder Hochzeiten. Bräuche, die vielen Menschen außerhalb dieser Kultur wenig bekannt sind.
Rund 1,2 Millionen griechisch-orthodoxe Osmanen wurden aus Anatolien nach Griechenland deportiert, während etwa 400.000 türkisch-muslimische Osmanen gezwungen wurden, ihre Heimat auf dem Balkan zu verlassen und sich in Anatolien neu anzusiedeln
Ein zentrales Thema des Romans ist außerdem der tragische und oftmals vergessene Bevölkerungsaustausch zwischen Griechenland und der Türkei: Rund 1,2 Millionen griechisch-orthodoxe Osmanen wurden aus Anatolien nach Griechenland deportiert, während etwa 400.000 türkisch-muslimische Osmanen gezwungen wurden, ihre Heimat auf dem Balkan zu verlassen und sich in Anatolien neu anzusiedeln. Ein multikulturelles Zusammenleben, das jahrhundertelang funktionierte, wurde durch politische Entscheidungen gewaltsam beendet. Dieser sogenannte „Bevölkerungsaustausch“ – ein Begriff, der harmlos klingt – war in Wahrheit eine menschliche Katastrophe. Die Folgen waren Arbeitslosigkeit, Armut und entwurzelte Existenzen auf beiden Seiten. Auch die Familie im Zentrum meines Romans ist davon betroffen: Sie muss ihr Zuhause verlassen und sich den Herausforderungen eines neuen Lebens stellen. Zahlreiche Details dieses historischen Umbruchs fließen direkt in die Handlung ein. Ein Auszug aus dem Prolog des Buches ist auf der Bestellseite veröffentlicht und gibt einen ersten Einblick in die Atmosphäre des Buches. Die osmanische Provinz Saloniki und die gleichnamige Stadt – heute griechisch und als Thessaloniki bekannt – bildet das geografische Zentrum Ihres Romans. Im Buch findet sich eine detaillierte Darstellung der vielfältigen Bevölkerungsgruppen und ethnischen Gemeinschaften, die dort einst zusammenlebten. Saloniki war zudem die Geburtsstadt Mustafa Kemal Atatürks, des späteren Gründers der Republik Türkei. War das der ausschlaggebende Grund, weshalb Sie diesen Ort in den Mittelpunkt Ihrer Erzählung gestellt haben? Nein – das ist reiner Zufall. Die Großmutter meines Mannes wurde in Saloniki als Muslimin geboren und wuchs in einer muslimischen Familie auf. Sie absolvierte ihre Ausbildung zur Köchin in einem dortigen Konsulat – ein Arbeitsplatz, der im Roman eine zentrale Rolle spielt. Eine kurze, aber prägende Begegnung der Familie mit Mustafa Kemal Atatürk, die tatsächlich stattgefunden hat, ist ebenfalls Teil der Geschichte. Diese Episode beeinflusste maßgeblich den weiteren Lebensweg der damals etwa fünfzehnjährigen jungen Frau und wird im zweiten Band ausführlich erzählt, der noch nicht veröffentlicht ist. Natürlich weiß ich, dass Saloniki bis heute ein umstrittener Ort ist – insbesondere unter den heutigen Anhängern und Gegnern Atatürks. Für mich jedoch ist die Stadt in erster Linie ein historischer Schauplatz, eine Kulisse jener bewegten Jahre vor dem Untergang des Osmanischen Reiches.
Es handelt sich um einen historischen Roman, nicht um ein politisches Manifest. Mein zentrales Anliegen ist es, darzustellen, was osmanische Muslime – insbesondere in der Provinz Saloniki – in dieser Zeit durchleben mussten.
In meinem Roman spiegeln sich sowohl Befürworter als auch Kritiker der damaligen politischen Entwicklungen wider – so, wie es sie damals tatsächlich gab. Mir ist wichtig zu betonen: Es handelt sich um einen historischen Roman, nicht um ein politisches Manifest. Mein zentrales Anliegen ist es, darzustellen, was osmanische Muslime – insbesondere in der Provinz Saloniki – in dieser Zeit durchleben mussten. Die Geschichte beginnt 1908 mit der Jungtürken-Revolution, endet 1922 mit dem Übergang Salonikis an Griechenland und zeigt, wie sich das Leben für jene veränderte, die nicht rechtzeitig nach Anatolien fliehen konnten. Sie lebten fortan unter griechischer Herrschaft, mussten arbeiten, Aufenthaltspapiere beantragen – und wurden oft ausgegrenzt. Der Hass, der später auch unter Landsleuten entstand, ist das Ergebnis tiefer historischer Wunden, der sich in politischen Äußerungen und Handlungen manifestiert. Solche Zusammenhänge lassen sich jedoch nicht über einfache Posts oder kurze Videos in sozialen Medien erklären. Selbst viele türkische Journalisten liefern dazu keine verlässlichen Darstellungen – meine Quellen hingegen sind sorgfältig recherchiert und im Anhang des Buches dokumentiert. Leider gelten in Teilen der türkischen Gesellschaft, auch in Deutschland, Menschen mit Wurzeln in Saloniki noch immer pauschal als „Verräter“, sobald es um politische Themen geht. Warum das so ist, würde den Rahmen hier sprengen. Im Roman thematisiere ich diesen Konflikt exemplarisch in Streitgesprächen zweier Männer – der eine ein überzeugter Osmane, der andere ein glühender Atatürk-Anhänger. Mit meinem Buch möchte ich auch zeigen, wie gefährlich Pauschalurteile sind. Herkunft allein sagt nichts über Loyalität oder Überzeugung aus. Entscheidend sind Erziehung, Umfeld – und vor allem der Charakter eines Menschen.  
Buchlinks 

Türkei
Erdbeben erschüttert Ankara

Ankara – Die türkische Hauptstadt Ankara wurde am Donnerstag von einem schweren Erdbeben erschüttert. Nach den neuesten Informationen der türkischen Katastrophenschutzbehörde AFAD ereignete sich um 15:46 Uhr ein Erdbeben der Stärke 5,2 im Bezirk Kulu der zentralanatolischen Stadt Konya. Die Tiefe des Bebens betrug 18,73 Kilometer. Das Erdbeben wurde in den Nachbarprovinzen, insbesondere in Ankara, gespürt. Das Kandilli-Observatorium gab die Stärke des Bebens ebenfalls mit 5,2 an.
In den sozialen Medien beschrieben Menschen vor Ort das Beben als „sehr stark“.
„In Konya Kulu hat sich ein Erdbeben der Stärke 5,2 ereignet. Angesichts des Erdbebens, das auch in den Nachbarprovinzen zu spüren war, haben AFAD und alle Teams unserer zuständigen Institutionen sofort mit der Suche vor Ort begonnen. Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es keine ungünstige Situation“, sagte Innenminister Ali Yerlikaya auf X.

Gastkommentar
Thomas: Israel und der European Song Contest

Ein Gastbeitrag von Michael Thomas Die augenblicklich leidenschaftlich diskutierte Frage, ob Israel am European Song Contest, ESC, nun teilnehmen soll oder nicht, wird meines Erachtens am falschen Ende aufgehängt. Denn dazu muss man zunächst wissen, weshalb ein außereuropäisches Land überhaupt an diesem Wettbewerb teilnimmt. Das liegt am Betreiber des ESC, nämlich an der EBU, der European Broadcasting Union. Die wiederum hatte als europäische Vereinigung dereinst eine Plattform für Journalisten geschaffen, um Nachrichten unkompliziert anbieten und nachfragen zu können. Besonders interessant daran ist, dass teilnehmende Staaten aufgrund schwerer Vorwürfe gegen ihren Umgang mit Journalismus ihre Mitgliedschaft verlieren können. So schloss man 2021 Belarus aus, weil von dort Interviews präsentiert worden waren, die augenscheinlich unter Druck zustande gekommen waren. Hier zeigte die EBU eine konsequente Verbundenheit mit journalistischen Standards. Da der ESC ein Produkt der EBU ist, müssen die daran teilnehmenden Staaten zwangsläufig diesen Standards folgen. Allerdings vermeldet im Falle Israel die z.T. gezielte Tötung von ca. 200 Medienschaffenden seit dem 7. Oktober 2023, dem Tag des Angriffs der Hamas. (1)
Israels Regierungen beschränken Medien seit Jahren stark
Der restriktive Umgang jeder jeweiligen israelischen Regierung mit Medien ist seit vielen Jahren bestens bekannt; wie der SPIEGEL etwa bereits 2010 berichtete, arbeitet dort eine offen als solche bezeichnete Zensurabteilung. (2) Insgesamt wird Israel auf der Rangliste für Pressefreiheit Israel mit der zweit schlechtesten Bewertung „schwierige Lage“ geführt. (3) Ein gleich doppeltes Problem ergibt sich durch die gezielte Exekution der Al-Jazeera-Journalistin Shireen Abu Aqleh am 11. Mai 2022 durch einen israelischen Soldaten, denn hier tritt zur absichtsvollen Tötung einer Journalistin der Versuch der israelischen Regierung, zunächst palästinensischen Kämpfern die Verantwortung zugeschoben zu haben. Erst nach Vorhaltung forensischer Beweise, die vor Ort gesichert werden konnten, gab die Regierung zu, Abu Aqleh getötet zu haben. Der Sender Al-Jazeera zeigte sich überaus gut vernetzt, mobil, hervorragend informiert und wurde daher im Zuge des Gaza-Krieges von Israel gleich vollständig verboten. Durch all diese Vorkommnisse kann Israel unmöglich weiterhin Mitglied der EBU sein und darf im Rahmen des ESC keine Präsenz in einem kulturellen Bereich zeigen. Wenn ein unter Druck erzeugtes Interview ausreichte, Belarus von der Mitgliederliste zu streichen, so wiegen die Verstöße Israels gegen die Freiheit der Presse ein solches Vergehen ganz erheblich schwerer. Schon im Sportbereich hat der weltweite Fußball meiner Meinung nach jämmerlich versagt; es kann nicht sein, dass ein Land, das alle Trainingsplätze in Gaza vernichtet und den Großteil der dort aktiven Spieler verstümmelt oder tötet, trotzdem in internationalen Turnieren antreten kann. (4) Wie bereits beim letzten ESC, so wird es auch diesmal fraglos zu großen Demonstrationen kommen, die widersinnigerweise als „antisemitsch“ bezeichnet werden. Wir alle wissen aber, dass auch diese Veranstaltung ein Solidaritätsbeweis der europäischen Regierungen Israel gegenüber darstellt und wieder einmal nur eine Gelegenheit gesucht wird, Kritik am Völkermord zu diskriminieren. Aber wir sollten uns alle bewusst machen, dass das Problem tatsächlich in der Tatsache liegt, dass seitens der EBU selbst das Verständnis von freier Presse zugunsten Israels verbogen und ktitiklos hingenommen wird, dass dies Land jede Freiheit von Journalisten durch Verbote und Hinrichtung beschneidet.
Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.

Zum Autor 

Michael Thomas ist Privatier, Fotograf, leidenschaftlich an Ägyptologie und Literatur interessiert, mit der er vor vielen Jahren als Autor regional einige Beachtung fand. Er verfolgt interessiert das Weltgeschehen durch Beobachtung internationaler Presse. Seinen Fokus legt er insbesondere auf die Palästinafrage und auf die islamische Welt.
 
  1. Situation der Medien im Gazastreifen
  2. So funktioniert Israels Zensurmaschine
  3. Rangliste der Pressefreiheit
  4. Fifa untersucht Vorwürfe gegen Israel
 

Recht
Glücksspielwerbung auf niederländischer Bildungswebseite für Grundschüler entdeckt

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In Holland tauchte auf einem Online Lernportal für Grundschüler Glücksspielwerbung auf. Dieses Ereignis sorgte in ganz Europa für Aufsehen. Die zuständige Behörde der Niederlande sprach konsequent eine Verwarnung bezüglich des Betreibers der Online Glücksspiel Plattform aus. Die KSA ist die zuständige Behörde des Landes, welche sich in Holland mit der Regulierung hinsichtlich des Online Glücksspiels befasst. Der Kansspelautoriteit (KSA) wurde vor kurzem ein Fall gemeldet, welcher als besonders besorgniserregend gilt. Auf einer Lern Webseite für Grundschüler wurde Werbematerial des 711 Online Casinos gesichtet. Die KSA verwarnte den Anbieter prompt und plant weitere Maßnahmen. Doch wie ist es möglich, dass Werbung für Online Glücksspielangebote auf einer Webseite geschaltet werden konnte, welche sich auf den Aspekt der Bildung von Grundschülern spezialisiert hat?

Die Technik hinter den Filtermechaniken in der Kritik

Die betroffene Online Lernplattform trägt in diesem Fall nur einen Teil der Schuld. Das Portal verließ sich zum Zeitpunkt des Vorfalls, wie viele andere Online Portale der unterschiedlichsten Kategorien, auf einen Drittanbieter, in Hinsicht auf Schaltung von Werbung. Diese Drittanbieter nutzen Mechanismen, um Werbung auf eine Weise zu filtern, welche adäquat zum Inhalt des Online Portals passt. Die freien Flächen, welche zu Werbezwecken eingesetzt werden, können durch die verschiedensten Anbieter ersteigert werden. Der Filter, welcher durch den Drittanbieter angewendet wurde, erwies sich in diesem Fall jedoch als fehlerhaft.

So wird iGaming Marketing perfekt umgesetzt

Um ein positives Beispiel anzuführen, welches zeigt, auf welche Weise das Marketing im Bereich Online Glücksspiel ablaufen sollte, muss das Golden Panda Casino in die Diskussion eingebracht werden. Der Anbieter ist dafür bekannt, Werbung so anzupassen, dass diese sich vornehmlich an eine erwachsene Zielgruppe richtet. Zudem setzt Golden Panda auf Mechanismen hinsichtlich der Filterung, welche gewährleisten, dass Werbung bezüglich der Plattform unter keinen Umständen auf Online Portalen landet, welche von Minderjährigen genutzt werden. Obendrein wird das Thema Jugendschutz großgeschrieben, denn wer bei Golden Panda spielen möchte, muss zuerst nachweisen, dass er volljährig ist. Ausgefeilte und moderne Technologien hinsichtlich der Verifikation stellen dies sicher. Viele weitere Online Casino Plattformen arbeiten vergleichsweise sauber, wenn es darum geht, Werbung zu schalten und die Jugend zu schützen.

Wen trifft die Schuld hinsichtlich dieses Vorfalls?

Dem 711 Online Casino kann eine Teilschuld an diesem empörenden Vorfall zugesprochen werden. Zwar ist das 711 Online Casino nicht für die Platzierung der Werbung verantwortlich, da diese durch einen Drittanbieter stattfand, jedoch ist das 711 Online Casino dazu verpflichtet stets zu prüfen, auf welchen Online Portalen die Werbung landet. Außerdem kann davon ausgegangen werden, dass der Betreiber versuchte, den Vorfall zu verschleiern, denn beim KSA der Niederlande ging keine Meldung hinsichtlich des Sachverhalts seitens des 711 Online Casinos ein. Laut dem Betreiber des 711 Online Casinos wurde auf eine fragwürdige Weise reagiert. Anstatt die Behörden auf direktem Wege hinsichtlich des Vorfalls zu informieren, sperrte der Betreiber den Drittanbieter. Das Online Casino steht damit im Kreuzfeuer des KSA, denn die Meldepflicht eines solchen Vorfalls wurde wissentlich versäumt. Das KSA verwarnte daraufhin das 711 Online Casino. Im Hinblick auf die Schaltung von Werbung möchte das KSA in Zukunft noch strikter vorgehen und neue Mechanismen und Regulierungen einsetzen.

Blacklisting und weitere technische Maßnahmen zur Überwachung von Online Casino Werbung

Nicht nur Betreiber von Online Casino Portalen und weiteren Plattformen, die sich an ein erwachsenes Publikum richten, haben Möglichkeiten, einem solchen alarmierenden Vorfall vorzubeugen.
  • Die heutige Technik ermöglicht es auf einfache Weise, Inhalte auf eine sogenannte Blacklist zu setzen. Auf diese Weise können Anbieter bestimmte Branchen und Themen spezifisch von der Präsenz auf deren Online Portalen ausschließen.
  • Seriöse Anbieter des iGamings müssen dafür sorgen, dass stets eine genaue Überprüfung stattfindet, wenn es um die Platzierung von Werbung durch Drittanbieter geht.
  • Die Forderungen des Verbraucherschutzes, Online Glücksspielwerbung noch stärker zu überwachen, sollte hinsichtlich dieses Vorfalls überdacht werden.
  • Politik und Behörden müssen an einem Strang ziehen, um Lösungsansätze zu finden, welche realistisch umzusetzen sind und Spielern sowie Betreibern gleichzeitig zugutekommen.

Der Jugendschutz muss im Vordergrund stehen

Kinder und Jugendliche befinden sich in einer Entwicklungsphase. Gerade aus diesem Grund ist es wichtig, diese Zielgruppe von Werbung hinsichtlich des Online Glücksspiels fernzuhalten. Kinder und Jugendliche sind sehr anfällig, wenn es darum geht, auf bunte visuelle Reize zu reagieren. Besonders das Versprechen von Online Casino Anbietern, hohe Geldgewinne erlangen zu können, stellt eine große Gefahr dar. Das BZgA aus Deutschland ist besorgt. Kinder und Jugendliche, welche sehr früh mit dem Thema Glücksspiel in Berührung kommen, laufen Gefahr, im späteren Leben eine Glücksspielsucht zu entwickeln. Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung wurde bereits 2023 festgestellt, dass 7 % dieser Zielgruppe schon einmal an einem Online Glücksspielangebot teilgenommen haben.

Die niederländische KSA setzt ein klares Signal für die EU

Durch die Verwarnung, welche durch die KSA gegenüber dem 711 Online Casino ausgesprochen wurde, konnte ein Grundstein gesetzt werden, an welchem sich weitere EU Länder hinsichtlich der Überwachung von Online Casino Werbung orientieren sollten. Ob der Vorsatz bestand, Kinder und Jugendliche zu werben, spielt in diesem Zusammenhang keine Rolle. Drittanbieter, welche zur Schaltung von Werbung angeheuert werden, müssen durch die Betreiber von Online Casino Portalen stärker kontrolliert werden.

Online Marketing muss verantwortungsvoll betrieben werden

Das Online Marketing muss stärker überwacht werden. Nur auf diesem Wege ist es möglich, Kinder und Jugendliche vor den Gefahren zu schützen, welche mit der Suchtentwicklung verbunden sind. Dass es auch anders geht, zeigen einige seriöse Anbieter der Branche, welche ihre Stellung und Verantwortung ernst nehmen.

Horn von Afrika
20 Milliarden Barrel: Türkei entdeckt Ölfeld in Somalia

Mogadischu – Die Türkei hat einen bahnbrechenden Ölfund in Ostafrika bekannt gegeben: In zwei von drei Explorationsblöcken vor der Küste Somalias wurden Reserven von schätzungsweise 20 Milliarden Barrel kommerziell nutzbaren Rohöls entdeckt. Die Ankündigung stellt einen bedeutenden Meilenstein in den expandierenden Energieambitionen der Türkei am Horn von Afrika dar und könnte die wirtschaftliche Zukunft Somalias neu gestalten, berichtet Business Insider Afrika. Die Entdeckung folgt auf ein umstrittenes bilaterales Abkommen, das am 7. März 2024 zwischen dem türkischen Energieminister Alparslan Bayraktar und dem somalischen Erdölminister Abdirizak Omar Mohamed in Istanbul unterzeichnet wurde. Das Abkommen, das der Türkei einen Anteil von 90 % an der Öl- und Gasproduktion einräumt und türkische Unternehmen von den üblichen Vorabkosten wie Unterschriftsprämien befreit, hat eine hitzige Debatte ausgelöst. Kritiker argumentieren, dass Ankara dadurch stark begünstigt wird und Somalia möglicherweise langfristig nicht in den Genuss seiner eigenen Ressourcen kommt. Der somalische Präsident Hassan Sheikh Mohamud hat das Abkommen jedoch verteidigt und sein Potenzial betont, die somalische Wirtschaft anzukurbeln. Vorläufige Bohrungen und geologische Untersuchungen in zwei Blöcken haben Reserven von jeweils etwa 10 Milliarden Barrel bestätigt, während der dritte Block noch erkundet wird. Die türkischen Behörden erwarten bis August 2025 Ergebnisse aus dem dritten Block, wobei durch Laboranalysen die Qualität und der Gehalt des Öls bestimmt werden sollen. Die strategische Lage Somalias am Meer und die riesigen unerschlossenen Reserven – Schätzungen zufolge bis zu 30 Milliarden Barrel Öl und 6 Milliarden Kubikmeter Erdgas – haben das Land zu einem Schwerpunkt der türkischen Energiestrategie gemacht. „Dies ist ein Wendepunkt für Somalias Energiesektor und unsere Partnerschaft mit der Türkei“, sagte Präsident Mohamud und hob das Potenzial des Abkommens zur Finanzierung von Infrastruktur und Entwicklung hervor. Führende Oppositionspolitiker haben die Bedingungen jedoch kritisiert. Einige bezeichneten sie als „Ausbeutung“ der somalischen Ressourcen, da die Türkei die nahezu vollständige Kontrolle über die Produktion habe. Die staatliche türkische Turkish Petroleum Corporation (TPAO) ist federführend bei der Exploration und nutzt moderne seismische Untersuchungen, die von Schiffen wie der Oruç Reis durchgeführt werden. Die Entdeckung kommt zu einer Zeit, in der Somalia, ein Land, das seit dem Bürgerkrieg von 1991 von Instabilität geplagt ist, versucht, wieder auf dem globalen Energiemarkt Fuß zu fassen. Vor dem Konflikt hatten Unternehmen wie Agip und Chevron die Reserven Somalias erkundet, doch wurde der Betrieb inmitten jahrzehntelanger Unruhen eingestellt. Sollten die Reserven realisiert werden, könnte Somalia zu den größten Ölproduzenten Afrikas aufsteigen und mit Nigeria oder Libyen konkurrieren, die über 37,5 bzw. 48,4 Milliarden Barrel verfügen, berichtet USA Today. Für die Türkei steht die Entdeckung im Einklang mit ihrem allgemeinen Ziel, die Abhängigkeit von Energieimporten zu verringern, die fast den gesamten Verbrauch von 941.861 Barrel pro Tag ausmachen. Jüngste inländische Funde, wie das 1-Milliarde-Barrel-Feld in Şirnak im Jahr 2023, haben das türkische Energieportfolio gestärkt, aber die Entdeckung in Somalia stellt diese in den Schatten.

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– Somalia – 152 weitere Soldaten absolvieren Training auf türkischer Militärbasis

Etwa 152 somalische Soldaten absolvierten erfolgreich ihr Militärtraining im türkischen Stützpunkt in Somalia.

Somalia: 152 weitere Soldaten absolvieren Training auf türkischer Militärbasis
 

Großbritannien
Mann nach 38 Jahren Haft wegen Mordes freigesprochen

Birkenhead – Nach fast vier Jahrzehnten hinter Gittern wurde die Verurteilung des heute 74-jährigen Peter Sullivan für den Mord an Diane Sindall im Jahr 1986 aufgehoben. Die Entscheidung des Berufungsgerichts markiert ein dramatisches Ende eines der am längsten andauernden Justizirrtümer in Großbritannien, berichtet BBC. Sullivan wurde 1987 für den brutalen Mord an der 21-jährigen Blumenhändlerin Diane Sindall verurteilt, die im August 1986 in einer Gasse in Birkenhead verprügelt und vergewaltigt worden war. Die Anklage stützte sich vor allem auf Indizienbeweise, darunter Sullivans Nähe zum Tatort und Zeugenaussagen, die später in Zweifel gezogen wurden. Er wurde zu lebenslanger Haft verurteilt, wobei er während seiner gesamten Haftzeit seine Unschuld beteuerte. Der Durchbruch kam nach jahrelangen Kampagnen von Sullivans Anwaltsteam und Interessengruppen, die argumentierten, dass die ursprüngliche Untersuchung fehlerhaft war. Fortschritte in der forensischen Technologie und eine erneute Prüfung der Beweise brachten Ungereimtheiten im Fall der Staatsanwaltschaft ans Licht. Entscheidend ist, dass DNA-Beweise, die zum Zeitpunkt des Prozesses nicht verfügbar waren, Sullivan nicht mit dem Verbrechen in Verbindung brachten, und dass neue Zeugenaussagen Zweifel an der Zuverlässigkeit der ursprünglichen Aussagen aufkommen ließen. „Es war ein langer Kampf, aber die Gerechtigkeit hat endlich gesiegt“, sagte Sullivans Anwältin, Emily Harper, vor dem Gericht. „Peter hat unvorstellbares Leid ertragen müssen, aber heute ist er frei und entlastet“. Sullivans Freispruch hat die Diskussion über ungerechtfertigte Verurteilungen im Vereinigten Königreich neu entfacht, und die Anwälte fordern Reformen, um ähnliche Ungerechtigkeiten zu verhindern. Die Kommission zur Überprüfung von Strafsachen (Criminal Cases Review Commission, CCRC), die Sullivans Fall an das Berufungsgericht verwiesen hat, wurde für ihre Rolle gelobt, aber auch für das langsame Tempo solcher Überprüfungen kritisiert. Der Fall hat auch die Polizei von Merseyside veranlasst, eine Erklärung abzugeben, in der sie das Urteil anerkennt und eine Überprüfung der ursprünglichen Untersuchung zusagt. „Wir respektieren die Entscheidung des Gerichts und werden uns weiterhin um Gerechtigkeit für die Familie von Diane Sindall bemühen“, so ein Sprecher. Es wurden keine neuen Verdächtigen benannt, und der Mord bleibt ungelöst. Sullivans Familie, die sich versammelt hatte, um seine Freilassung zu feiern, bezeichnete den Moment als bittersüß“. Seine Tochter Karen bemerkte unter Tränen:
„Wir sind überglücklich, dass unser Vater wieder da ist, aber niemand kann ihm die Jahre zurückgeben, die uns gestohlen wurden.“
Während Sullivan beginnt, sein Leben neu aufzubauen, erinnert sein Fall eindringlich an die menschlichen Kosten von Justizirrtümern und an die anhaltende Notwendigkeit, bei der Suche nach der Wahrheit wachsam zu sein.

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Das Gebot „Du sollst nicht töten“ gelte für die Schuldigen wie auch für die Unschuldigen, sagte das ehemalige Oberhaupt der katholischen Kirche.

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PKK-Ankündigung
Aserbaidschan: Alijew gratuliert Erdogan zur PKK-Auflösung

Baku – Der aserbaidschanische Präsident Ilham Alijew hat seinem türkischen Amtskollegen Recep Tayyip Erdoğan zur angekündigten Auflösung und Waffenniederlegung der als Terrororganisation eingestuften PKK gratuliert.

In einem Post auf X wandte er sich an das türkische Volk und bezeichnete Erdoğan als „Bruder“:

Dieses Ereignis stellt einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg zur Verwirklichung des von meinem geschätzten Bruder verkündeten Ziels einer „Türkei ohne Terrorismus“ dar. Es ist das Ergebnis einer entschlossenen Politik, die das Land auf seinem Weg zu einem starken und bedeutenden Staat verfolgt – ein Sieg der starken Führung, des unbeirrbaren Willens sowie der nationalen Einheit und Solidarität. Ich wünsche dem türkischen Staat und Volk viel Erfolg bei der vollständigen Umsetzung dieser richtungsweisenden Entscheidung.

PKK kündigt Auflösung an

Die Terrororganisation PKK hat am heutigen Montag in einer offiziellen Mitteilung angekündigt, nach 40 Jahren die Waffen niederzulegen und sich aufzulösen.

Die heutige Ankündigung markiert einen möglichen Wendepunkt in einem Konflikt, der sich über vier Jahrzehnte erstreckt und mindestens 40.000 Menschenleben gefordert hat. Das Exekutivkomitee der PKK veröffentlichte eine Erklärung, die von der PKK-freundlichen Nachrichtenagentur ANF zitiert wurde und in der die Entscheidung der Gruppe bestätigt wurde, sich nach einem Aufruf ihres inhaftierten Gründers und Führers Abdullah Öcalan aufzulösen. „Wir haben beschlossen, den bewaffneten Kampf zu beenden und unsere Organisation aufzulösen“, hieß es in der Erklärung, in der das Engagement der Gruppe für Öcalans Vision von Frieden und demokratischem Engagement betont wurde. Die Ankündigung stützt sich auf einen am 1. März 2025 erklärten Waffenstillstand, den die PKK als Reaktion auf Öcalans Aufruf, die Waffen niederzulegen und sich aufzulösen, initiiert hatte. Der Entscheidung der PKK gingen monatelange diskrete Verhandlungen voraus, die von der türkischen Regierung unter maßgeblicher Beteiligung von Devlet Bahçeli, dem Vorsitzenden der Partei der Nationalistischen Bewegung (MHP) und einem wichtigen Verbündeten von Präsident Recep Tayyip Erdoğan, geführt wurden. Im Oktober 2024 machte Bahçeli eine überraschende Friedensgeste und schlug vor, dass Öcalan vor dem Parlament die Auflösung der PKK verkünden könnte, was den Weg für verbesserte Haftbedingungen oder eine bedingte Freilassung ebnen könnte. Dieses Angebot und Besuche von Vertretern der DEM-Partei bei Öcalan ebneten den Weg für die endgültige Auflösung der Gruppe. Der 75-jährige Öcalan, der seit seiner Gefangennahme im Jahr 1999 in nahezu völliger Isolation auf der Insel İmralı festgehalten wird, gab im Februar 2025 eine bahnbrechende Erklärung ab, in der er die PKK aufforderte, ihren bewaffneten Kampf aufzugeben und sich aufzulösen. Er argumentierte, dass die ursprünglichen Ziele der Gruppe, ein separates kurdisches Heimatland oder eine Autonomie zu sichern, nicht mehr realisierbar seien, und nannte die Anerkennung der kurdischen Identität durch die Türkei und das Potenzial für eine demokratische Beteiligung als Alternativen zur Gewalt. „Die Achtung der Identitäten, die freie Selbstdarstellung und die demokratische Selbstorganisation sind nur durch die Existenz einer demokratischen Gesellschaft und eines politischen Raums möglich“, erklärte Öcalan, wie von Mitgliedern der prokurdischen Partei für Gleichheit und Demokratie der Völker (DEM) berichtet wurde.
Erdoğan begrüßt die Ankündigung der PKK
Erdoğan begrüßte die Ankündigung der PKK und bezeichnete sie als „historische Chance“, einen Konflikt zu beenden, der den Südosten der Türkei seit langem destabilisiert und die Beziehungen zu den Nachbarländern Irak und Syrien, in denen PKK-Mitglieder operieren, belastet hat. Er warnte jedoch davor, dass die Türkei ihre Militäroperationen wieder aufnehmen würde, wenn die Gruppe nicht vollständig entwaffnet würde. „Wenn die gegebenen Versprechen nicht eingehalten werden, werden wir unsere laufenden Operationen fortsetzen“, sagte Erdoğan während einer Ramadan-Veranstaltung in Istanbul zu Beginn dieses Jahres.
Weitreichende Auswirkungen auf die Region
Die Auflösung der PKK könnte weitreichende Auswirkungen auf die Region haben. In Syrien stehen die PKK-nahen Volksschutzeinheiten (YPG), ein Kernbestandteil der von den USA unterstützten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF), unter Druck, sich zu entwaffnen, da die Türkei versucht, militante kurdische Gruppen an ihren Grenzen zu neutralisieren. Salih Muslim, Ko-Vorsitzender der Partei der Demokratischen Union (PYD), einer mit der PKK verbundenen syrischen Kurdengruppe, erklärte, er unterstütze Öcalans Aufruf, betonte jedoch, dass jede Entwaffnung von politischen Garantien abhängen würde. Im Irak, wo die PKK in den Qandil-Bergen Stützpunkte unterhält, könnte die Auflösung der Gruppe die Spannungen zwischen Bagdad und Ankara, das häufig grenzüberschreitende Operationen gegen PKK-Ziele durchführt, verringern. Analysten führen die Entscheidung der PKK auf eine Kombination von Faktoren zurück, darunter die fortgeschrittenen militärischen Kampagnen der Türkei, die die operative Kapazität der Gruppe seit 2016 erheblich geschwächt haben, und die sich verändernde regionale Dynamik nach dem Sturz des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad im Dezember 2024. „Die PKK ist sich sehr wohl bewusst, dass sich der regionale Kontext verändert hat“, sagt Bayram Balci, Analyst bei Sciences Po Paris. „Sie hat nicht mehr die Unterstützung von Assad, und die amerikanische Unterstützung für ihre syrischen Verbündete ist ungewiss.“