In der Geschichte der Menschenrechte wird oft auf die Französische Revolution oder die amerikanische Unabhängigkeitserklärung verwiesen.
Die Schule von Salamanca
Doch lange vor diesen politischen Umbrüchen entstand in einer kleinen spanischen Universitätsstadt ein intellektueller Aufbruch, der den Weg zu einer universellen Ethik ebnete: die Schule von Salamanca.
Ihr Beitrag zur Geschichte der Menschenrechte ist tiefgreifend – und oft übersehen. In ihrer Philosophie spiegelt sich ein trans-religiöses, vielleicht sogar meta-religiöses Denken, das auch als Vorbild für moderne Staatsgründungen wie die der Türkei unter Atatürk gesehen werden kann.
Ein moralisches Erwachen im 16. Jahrhundert
Die sogenannte „Schule von Salamanca“ war kein offizielles Institut, sondern ein geistiges Netzwerk rund um die Universität Salamanca im Spanien des 16. Jahrhunderts.
Ihre führenden Denker – Francisco de Vitoria, Domingo de Soto, Luis de Molina oder Francisco Suárez – waren Theologen, Philosophen und Juristen, die sich mit den politischen, wirtschaftlichen und moralischen Herausforderungen ihrer Zeit auseinandersetzten.
Der Kolonialismus, die Eroberung Amerikas, der Umgang mit den indigenen Völkern sowie das Verhältnis zwischen weltlicher und geistlicher Macht standen im Zentrum ihrer Debatten.
Besonders Francisco de Vitoria formulierte grundlegende Gedanken, die später als Vorläufer des modernen Völkerrechts und der Menschenrechte gelten. In seinen berühmten „Relectiones“ über die Rechte der Indianer stellte er eine provokante Frage: Haben die amerikanischen Ureinwohner Rechte – unabhängig davon, ob sie Christen sind? Seine Antwort: Ja.
Die Rechte der Indianer – Eine Revolution des Denkens
Vitoria widersprach der damals verbreiteten Auffassung, dass die spanische Krone über die neu entdeckten Völker herrschen dürfe, weil diese „Heiden“ seien. Für ihn war klar:
Die Indianer seien vollwertige Menschen, mit Vernunft, Eigentum, Sprache, Sitte und politischer Organisation. Daraus folge, dass sie Träger von Rechten seien – ganz gleich, ob sie das Christentum annähmen oder nicht.
Diese Position war revolutionär. Vitoria berief sich dabei nicht allein auf kirchliche Dogmen, sondern auf eine natürliche Vernunft – die allen Menschen innewohne. Er sprach von einem universellen Naturrecht, das sich aus dem Menschsein selbst ergebe. Damit überwand er die dogmatische Sichtweise, dass Rechte nur aus dem Glauben oder der Kirche resultierten.
Penn’s Treaty with the Indians. Pennsylvania Academy of Fine Arts, Philadelphia
Trans-religiöses Denken – eine frühe Form universeller Ethik
Was die Schule von Salamanca besonders macht, ist ihre transzendente Ethik. Ihre Vertreter argumentierten im Rahmen des Christentums – aber überstiegen dessen konfessionelle Grenzen. Ihre Idee des ius gentium (Recht der Völker) basierte auf natürlicher Vernunft und Gerechtigkeit, nicht auf kirchlicher Zugehörigkeit. Damit wurde das Recht trans-religiös: Es galt für Christen wie Nicht-Christen, für Europäer wie Indianer.
Dieser Ansatz war meta-religiös, weil er eine Ebene jenseits konkreter Religionen eröffnete – ohne die Religion selbst zu verwerfen. Er war keine Leugnung des Glaubens, sondern eine höhere Integration: Religion als Ausdruck einer universellen Vernunft, die allen Menschen gemeinsam ist. Diese Haltung erinnert an später entwickelte Ideen von Gewissensfreiheit, Menschenwürde und Gleichheit – lange bevor diese Begriffe politische Allgemeingültigkeit erlangten.
Ein Vorbild für die moderne Türkei?
Auch in der Türkei lässt sich ein trans-religiöser Impuls erkennen – besonders in der Gründungsphilosophie der Republik unter Mustafa Kemal Atatürk.
Die Trennung von Religion und Staat war hier keine Feindschaft gegenüber der Religion, sondern ein Versuch, eine überkonfessionelle, universelle Ethik zu etablieren – ähnlich wie bei Vitoria.
Atatürk sprach nicht von einem „gottlosen Staat“, sondern verlegte das Heilige vom Himmel ins Gewissen des Menschen. Er sah die Quelle des Rechts nicht in einer bestimmten Religion, sondern in der Würde, Vernunft und Verantwortung des Einzelnen.
So wie die Schule von Salamanca den Glauben mit der Vernunft verband, verband Atatürk die Wissenschaft mit dem ethischen Erbe vieler Kulturen – einschließlich des Islams – zu einer neuen Ordnung. Die Türkei wurde kein Gottesstaat, aber auch kein bloßer Materialismus. Sie wurde ein Modell, in dem Religion als moralische Ressource verstanden wird, aber nicht über dem Gesetz steht.
Ein Erbe für die Zukunft
Die Schule von Salamanca ist ein Meilenstein in der Geschichte der Menschenrechte. Sie erinnert uns daran, dass wahre Gerechtigkeit nur dann möglich ist, wenn wir den Menschen nicht nach Herkunft oder Glauben, sondern nach seinem Menschsein beurteilen. Ihre Philosophie ist weder exklusiv religiös noch säkularistisch – sondern trans-religiös: Sie übersteigt Unterschiede, um das Gemeinsame zu finden.
In einer Zeit wachsender Polarisierung zwischen Religion und Säkularismus bietet das Denken der Salamanka-Schule – wie auch die Gründungsidee der Türkei – ein Modell für einen neuen Humanismus: ein Recht aus Vernunft, Gewissen und Verantwortung.
Zum Autor
Çağıl Çayır studierte Geschichte und Philosophie an der Universität zu Köln und ist als freier Forscher tätig. Çayır ist Autor von „Runen in Eurasien. Über die apokalyptische Spirale zum Vergleich der alttürkischen und ‚germanischen‘ Schrift‘“ und ist Gründer der Kultur-Akademie Çayır auf YouTube. Seine Arbeiten wurden international in verschiedenen Fach- und Massenmedien veröffentlicht.
Jakarta – Indonesien hat einen Vertrag über den Kauf von 48 KAAN-Kampfflugzeugen der fünften Generation aus der Türkei im Wert von 10 Mrd. USD unterzeichnet und damit das größte Rüstungsexportgeschäft in der Geschichte der Türkei abgeschlossen.
Die Ankündigung, die der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan am Mittwoch machte, unterstreicht die wachsende Bedeutung der Türkei als wichtiger Akteur in der globalen Verteidigungsindustrie. Das 10-Jahres-Abkommen sieht eine Koproduktion mit Indonesien vor, um die lokalen Fähigkeiten zu nutzen und den Technologietransfer zu erleichtern.
Der von Turkish Aerospace Industries (TAI) entwickelte KAAN ist der ehrgeizige Vorstoß der Türkei in die einheimische Kampfjet-Technologie der fünften Generation. Das Tarnkappenflugzeug, das die alternden F-16 der türkischen Luftwaffe ersetzen soll, zeichnet sich durch fortschrittliche Manövrierfähigkeit, radarabsorbierende Materialien und moderne elektro-optische Systeme aus.
A proud moment for our Turkish brothers! 🇹🇷 48 KAAN jets exported to Indonesia, proof that Türkiye builds, leads, and delivers. While others pose, Türkiye powers ahead. 🚀✈️ pic.twitter.com/sjTr55xpSN
Der Erstflug im Jahr 2024 und die laufenden Tests haben internationales Interesse geweckt. So haben Länder wie Aserbaidschan, Pakistan und Saudi-Arabien ihr Interesse an dem Programm bekundet.
Die Vereinbarung mit Indonesien, die in Jakarta formalisiert wurde, unterstreicht die Fähigkeit der Türkei, auf dem umkämpften Markt für Kampfjets zu konkurrieren, der bisher von Supermächten wie den Vereinigten Staaten und Russland beherrscht wurde.
„Dieses Abkommen ist ein Beweis für den Fortschritt unserer heimischen Verteidigungsindustrie“, erklärte Präsident Erdogan auf X und betonte die Integration der indonesischen Produktionskapazitäten. Das Abkommen schließt sich an frühere Verteidigungskooperationen Indonesiens mit der Türkei an, darunter der Kauf von 60 Bayraktar-TB3-Drohnen und taktischen ballistischen Raketen im Jahr 2025.
Die Hinwendung Indonesiens zum KAAN-Programm könnte auch eine Abkehr von seinem früheren Engagement für Südkoreas KF-21 Boramae signalisieren, da es Bedenken hinsichtlich der Finanzierung und der Datensicherheit gab.
Der Aufstieg der Türkei zu einem Kraftzentrum der Verteidigungsindustrie
Der türkische Verteidigungssektor hat in den letzten zehn Jahren ein exponentielles Wachstum erlebt, mit Exporten, die im Jahr 2024 einen Rekordwert von 7,1 Milliarden Dollar erreichen und in 180 Länder gehen.
Einst von ausländischer Technologie abhängig, hat die Türkei stark in einheimische Plattformen – von Drohnen bis hin zu gepanzerten Fahrzeugen – investiert und sich als kosteneffizienter und innovativer Anbieter etabliert. Das KAAN-Geschäft ist ein Beweis für diesen Wandel, aber die globale Präsenz der Türkei geht weit über Kampfjets hinaus.
Die von Baykar hergestellte Drohne Bayraktar TB2 ist zu einem Aushängeschild der türkischen Rüstungsexporte geworden. Die TB2 wird für ihre Erschwinglichkeit und Effektivität in Konflikten wie Berg-Karabach und der Ukraine gelobt und wurde bereits von zahlreichen Ländern außerhalb Europas erworben, darunter Aserbaidschan, Katar, Marokko, Pakistan und Saudi-Arabien.
Auch europäische Staaten haben sich für die TB2 entschieden, darunter Polen, das die Drohnen in seine NATO-Streitkräfte integriert hat.
Gepanzerte Fahrzeuge
Der türkische Sektor für gepanzerte Fahrzeuge ist ebenso robust, wobei Plattformen wie die gepanzerten Radpanzer Cobra und Cobra II weltweit an Attraktivität gewinnen.
Ungarn, ein NATO-Mitglied, hat diese Fahrzeuge unter Hinweis auf ihre Zuverlässigkeit und Kosteneffizienz beschafft. Außerhalb Europas haben Länder wie Aserbaidschan, Katar und Marokko türkische gepanzerte Fahrzeuge in ihre Arsenale integriert.
Die Fähigkeit der Türkei, ihr Angebot auf die unterschiedlichsten operativen Bedürfnisse abzustimmen, hat sie zu einem bevorzugten Lieferanten für Länder gemacht, die ihre Verteidigungsbeschaffungen diversifizieren wollen.
Geopolitische und wirtschaftliche Auswirkungen
Das Abkommen zwischen Indonesien und der Türkei stärkt die bilateralen Beziehungen und baut auf der bestehenden wirtschaftlichen und militärischen Zusammenarbeit auf, wie z.B. der gemeinsamen Entwicklung einer Baykar-Drohnenfabrik in Indonesien.
Für Indonesien bedeutet die Anschaffung des KAAN eine Stärkung der Fähigkeiten seiner Luftstreitkräfte inmitten der regionalen Spannungen im Indopazifik, während die Koproduktion das industrielle Wachstum fördert.
Für die Türkei ist das Geschäft ein strategischer Triumph, der ihren geopolitischen Einfluss und ihr wirtschaftliches Gewicht stärkt. Analysten weisen darauf hin, dass die türkischen Rüstungsexporte in Länder mit muslimischer Mehrheit wie Indonesien, Katar und Aserbaidschan der Vision von Präsident Erdogan entsprechen, die Solidarität zwischen verbündeten Staaten zu fördern.
Der Erfolg der türkischen Verteidigungsindustrie ist nicht unbemerkt geblieben. Trotz Rückschlägen, wie dem Ausschluss aus dem F-35-Programm der USA aufgrund des Kaufs russischer S-400-Systeme, hat die Türkei die Widrigkeiten genutzt, um die inländische Innovation zu beschleunigen.
Jüngste Berichte deuten auf eine Lockerung der CAATSA-Sanktionen der USA unter der Regierung von Präsident Donald Trump hin, wodurch sich möglicherweise neue Märkte für türkische Verteidigungsprodukte eröffnen. Darüber hinaus signalisiert die Türkei mit der Erkundung des Kaufs von Eurofighter-Jets und Partnerschaften mit Italien und Brasilien ihr Bestreben, ein vielseitiger Akteur in der globalen Verteidigung zu bleiben, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters.
Blick in die Zukunft
Mit der Auslieferung der KAAN-Kampfjets durch die Türkei an Indonesien im Laufe des nächsten Jahrzehnts wird der Vertrag einen Präzedenzfall für künftige Exporte schaffen. Da Aserbaidschan bereits ein Partner des KAAN-Programms ist und Saudi-Arabien Berichten zufolge mehr als 100 Stück ins Auge fasst, gewinnen die türkischen Kampfjet-Ambitionen an Dynamik.
In Kombination mit den bereits etablierten Exporten von Drohnen und gepanzerten Fahrzeugen festigt die Türkei ihre Rolle als starke Kraft auf dem globalen Verteidigungsmarkt.
Das Indonesien-Geschäft bringt nicht nur die türkische Rüstungsindustrie voran, sondern verändert auch die Geopolitik des Waffenhandels, indem es Schwellenländern eine Alternative zu den traditionellen Lieferanten bietet. Wie ein türkischer Verteidigungsexperte bemerkte: „Das ist erst der Anfang. Der KAAN ist ein Symbol für das, was die Türkei erreichen kann“.
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Ein Gastkommentar von Michael Thomas
In Israel werden immer mehr Stimmen laut, die auf der Basis religiöser Texte die Inbesitznahme von großen Gebieten einfordern, die heute souveränen Staaten gehören.
„Das gelobte Land“
Mit der Begründung, es handele sich um das „gelobte Land“ und man sei ja das „auserwählte Volk“, werden weite Teile des Westjordanlandes mit hermetisch abgeriegelten „Siedlungen“ bebaut und somit die Schaffung eines palästinensischen Staates unmöglich gemacht. (1)
Vor jeder anderen Betrachtung, die beide Glaubens- und Begründungsmuster zu Märchen deklassiert, muss man eines natürlich völlig klar sehen:
Weil die bei Wikipedia gelieferte Begriffsdefinition für Psychose so prägnant und umfassend ist, verwende ich sie hier für die Betrachtung extremistischer Zionisten:
„[der] Begriff [umschreibt] einen unscharf definierten Symptomenkomplex, gekennzeichnet durch: Halluzinationen, Wahn, Realitätsverlust oder Ich-Störungen.“
Das zumeist grotesk verzerrte, glorifizierte Bild, dass die Betroffenen vom antiken Israel haben, widerspricht jeder wissenschaftlich nachgewiesenen Realität. Bekannt ist lediglich, dass weite Teile der biblischen bzw. alttestamentarischen Schilderung entweder völlig erfunden oder bis zur Unkenntlichkeit verzerrt sind.
Das ist sicherlich begründet dadurch, dass der spirituelle Unterbau des Judentums erst im 6. Jhd. im babylonischen Exil eine allgemeinverbindliche Niederlegung fand. Bedingt dadurch wurden „historische“ Angaben dort nach überwiegend mündlicher Überlieferung zusammengefasst.
Nach vielen Jahrhunderten ist selbst die alte Sprache weitgehendst in Vergessenheit geraten; was heute als „Hebräisch“ gesprochen und geschrieben wird, wurde von vielen Wissenschaftlern und Historikern in der Neuzeit nachempfunden und ergänzt. Es würde einem modernen Israeli vermutlich sehr schwerfallen, sich mit einem Hebräer der Antike zu unterhalten. (2)
Die Periode, in welcher überhaupt von einem definierten Staat namens Israel die Rede war, umfasste einen vergleichsweise kurzen Zeitraum von etwa dreihundert Jahren, bevor es durch eine gewissermaßen wegen militärischer Unfähigkeit selbst verschuldeten Niederlage gegen Rom unterging.
Es kam auch nie zu der immer wieder behaupteten „Vertreibung“; die weitaus meisten Israeliten verließen das zerschlagene Land aus freien Stücken, ohne zum Weggang oder gar zur Flucht gezwungen worden zu sein. (3)
Der weitaus wichtigste Punkt ist jedoch der Umstand, dass all diese tradierten Texte und Erläuterungen in der modernen Welt absolut irrelevant, völlig bedeutungslos sind. Man würde heute von „Judäa“ und „Samaria“ nur dann sprechen, wenn man „Gallien“ statt Frankreich sagen wollte.
Antike Landschaftsbezeichnungen sind seit nunmehr zweitausend Jahren tot und von der Geschichte ausgelöscht, sie haben auf die Moderne keinen Einfluss und erzeugen auch keine Ansprüche.
Würde man sich der israelisch-zionistischen Logik tatsächlich stellen wollen, so müsste Israel sein Territorium an Ägypten übergeben. Immerhin beherrschten die Pharaonen das gesamte Gebiet viele Jahrhunderte lang, bevor von „Hebräern“ oder gar „Israeliten“ überhaupt die Rede war.
Die Tragik israelischer Archäologie besteht darin, meist altägyptische oder römische Artefakte aus der Erde Israels zu bergen. So konnte bisher sogar von dem zentralen Ort der Zionisten, dem berühmten „zweiten Tempel“ des Herodes, bisher noch kein einziger bestätigender Fund vorgewiesen werden. Streng wissenschaftlich gehört er tatsächlich noch ins Reich der Legende, auch wenn man, wie ich denke, seine Existenz sehr wohl annehmen kann.
Nach keinem modernen und verbindlichen Recht resultiert aus zitierten, religiösen Schriften irgendein Anspruch; die Selbstbezeichnung als „auserwähltes Volk“, dem das „gelobte Land“ zustünde, ist nichts als ein Wahn, eine mit aller Kraft herbeigesehnte Haluzination, die jede Realität vollständig verloren hat.
Diese Ideen entsprechen lehrbuchmäßig der Definition von Faschismus, der auf Basis einer hoffnungslos verzerrten und in Teilen erdachten Geschichte ein entrücktes Gefühl des Erwähltseins, einer gefühlt heiligen Bevorrechtigung über andere erzeugt.
Diese Erzählungen wollen einen aggressiven Besitzanspruch rechtfertigen, der keine Verhandlungen, keine Kompromisse und keinen Frieden einfordert. Das Gefühl, als geheiligtes Volk angeblich um Land, Heimat und Glück betrogen und zum ewigen Opfer gemacht worden zu sein, mündet heute in der ungebremsten Gewaltanwendung denen gegenüber, denen der Raub und Betrug vorgeworfen werden soll.
Wir erkennen das Muster fraglos wieder; beinahe vollendet spiegelt es das Überzeugungsmuster des nationalsozialistischen Deutschlands, dass sich mit gleichem Ernst eine durch Glorifikation seines erdachten „Germanien“ ein ebensolches Erwähltsein als „Arier“ erdachte.
Und tatsächlich finden wir in den Äußerungen des israelischen Sportministers Miki Zohar das Zitat, nach welchem „Juden die überlegene Rasse“ darstellen sollen. Näher ausgeführt wird diese Idee in der „Thora der Könige“, das ein schier unerträgliches Pamphlet mit zutiefst rassistischen Gedanken versehenes Sammelsurium groteskester Ideen darstellt.
Diesem Buch zufolge sei es das Schicksal von Nichtjuden, Juden als Sklaven zu dienen und je nach Bedarf erschlagen oder verkauft werden zu können. Die Vorstellung, man müsse die Kinder und Babies der Feinde rechtzeitig erschlagen, bevor sie Kinder gebären könnten, die zu neuen Feinden heranwachsen, ist diesem Buch entnommen. (4)
Immerhin scheut sich dies Israel keineswegs, die Ausbrüche seines Verteidigungsministers, Yoav Gallant, man ginge gegen „Tiermenschen“ vor, unkommentiert zu lassen und damit sogar das Vokabular eines Heinrich Himmler öffentlich zu benutzen, der das Wort für Slawen prägte.
Die zivilisierte und kultivierte Welt muss eine eindeutige und klare Haltung zu den Ideen finden, es gäbe ein „erwähltes Volk“ oder ein „gelobtes Land“, denn wie wir sehen, werden diese Ideen mit brutalen Mitteln momentan in die Tat umgesetzt.
Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.
Zum Autor
Michael Thomas ist Privatier, Fotograf, leidenschaftlich an Ägyptologie und Literatur interessiert, mit der er vor vielen Jahren als Autor regional einige Beachtung fand. Er verfolgt interessiert das Weltgeschehen durch Beobachtung internationaler Presse. Seinen Fokus legt er insbesondere auf die Palästinafrage und auf die islamische Welt.
Ein Gastkommentar von Michael Thomas
Schon Tage vor der Kaperung des Schiffes „Madleen“ durch israelische Seestreitkräfte drehte die Propaganda Israels mehrere Gänge höher und gipfelte in der Aussage, man habe israelische Bürger vor der Anlandung des Schiffes in Gaza zu beschützen. Außenminister Katz bekräftigte die unbedingte Absicht seines Landes, die Seeblockade Gazas mit allen Mitteln durchzusetzen.
Über diese Seeblockade muss man genauer nachdenken. Sie ist Teil der hermetischen Abriegelung des gesamten Gaza-Streifens, die dessen Bewohner in einem großen Gefängnis festhält und jeden Bereich ihres Lebens absolut kontrolliert.
Israel überprüft, im Übrigen bekanntermaßen völlig erfolglos, jede Lieferung nach Gaza auf mögliche Waffen und gibt regelmäßig Listen von Gütern heraus, deren Einfuhr in den Gaza-Streifen vollständig untersagt wird, da aus ihnen angeblich Waffen hergestellt werden könnten.
Zuweilen trieb die Verbotsorgie seltsame Blüten und wohl niemand wird je erschöpfend erklären können, wie aus Schokolade oder Ingwer Angriffswaffen gebaut werden könnten, die zumindest zeitweise ebenfalls unter das strikte Einfuhrgebot fielen.
Israel steuert das Leben in Gaza in allen Facetten. Es legt genau fest, wie viel Kilometer Fischer hinaus aufs Meer dürfen, wieviel Kalorien jedem zur Verfügung stehen sollten und vor allem, wer wann Gaza verlassen oder betreten darf.
Da Israel infolge mehrerer militärischer Angriffe notwendige Infrastruktur wie Energieerzeugung und Abwasserbehandlung im Gaza-Streifen schwerst beschädigt und in Teilen völlig vernichtet hatte, hängt Gaza sogar direkt von Energielieferungen ab, die Israel gewährt oder unterbindet. Die Wiedererrichtung wird durch die Importverbotslisten behindert oder ganz verhindert, da beispielsweise kein Beton eingeführt werden darf, weil daraus angeblich Hamas-Tunnel gebaut werden könnten.
Aus diesem Grunde betrachten alle relevanten Völkerrechtler Gaza als „(kriegerisch) besetzt“, nur wenige, in dieser Frage isolierte Staaten wie Deutschland halten sich an dem längst irrelevanten Grundsatz fest, nachdem sich „Boots on the ground“, also „Soldatenstiefel auf dem Boden“ einer als besetzt geltenden Zone befinden müssten.
Die UN stellt fest, dass Israel neben der absoluten Kontrolle des gesamten Lebens auch militärische durch Fernwirkung dergestalt ausübt, dass es gewissermaßen nach Belieben von See und von Land her das gesamte Gebiet mit weitreichender Artillerie bzw. Bombern und Raketen erreichen und vernichten kann. Aus diesem Grunde betrachtet die UN den Status der Besetzung als definitiv gegeben.
Das ist im Zusammenhang mit der Kaperung der „Madleen“ sehr wichtig zu wissen.
Besetzungen fremder Territorien sind nach eindeutigen und durch Resolutionen der UN gleich mehrfach bestätigt illegal. Gaza ist nicht israelisches Territorium. Die Seeblockade ist demzufolge illegal; die „Madleen“ hätte in jedem Fall nach internationalem Recht einen Anspruch darauf gehabt, nach der erfolgten Ankündigung der Straftat der Kaperung durch Israel von bewaffneten UN-Schiffen begleitet in Gaza anlanden zu können.
Selbst das von Israel gebetsmühlenartig angestrengte, angebliche „Recht auf Selbstverteidigung“ ist gleich aus mehreren Gründen hinfällig:
Erstens hätte die Besatzung der „Madleen“ selbstverständlich einer Durchsuchung auf See durch israelische Soldaten auf möglichen Waffenschmuggel zugestimmt. Jeder Kaffeepott, jedes Kopfkissen, jedes Klo und natürlich jedes Paket und Päckchen hätte geöffnet, umgedreht, durchleuchtet und untersucht werden können. Israel wäre sehr schnell zu dem Schluss gekommen, dass mit den geladenen Gütern keine Waffen hergestellt oder Aggressionen hätten ausgeführt werden können.
Zweitens existiert dieses „Recht auf Selbstverteidigung“ nach Dafürhalten führender Völkerrechtler aufgrund des Status der Besetzung von Gaza gar nicht. Ein Besatzer, dessen Präsenz, Kontrolle und Befehle auf fremdem Gebiet einen Bruch des Völkerrechts darstellen, kann dies Recht nicht für sich in Anspruch nehmen.
Im Gegenteil gewährt die Genfer Konvention in einem Fall wie Gaza dem Besetzten ein Recht auf bewaffneten Widerstand, zumal Palästinensern durch die UN die Anerkennung eines Volkes, den Status als Beobachterstaat und demzufolge natürlich auch das Recht auf Selbstbestimmung zuerkannt hat.
Der Angriff Israels auf die „Madleen“, ihre Kaperung, die Festsetzung ihrer Besatzung und Beschlagnahme der Ladung sind nach Würdigung des Vorstehenden fraglos Straftaten.
Das Entern von Schiffen in internationalen Gewässern enthebt im Übrigen das Ereignis ohnehin bereits von allen vorgenannten Erwägungen in Richtung „Seeblockade“, „Besatzung“ oder „Recht auf Selbstverteidigung“, denn im Falle der „Madleen“ handelte es sich definitiv weder um ein Kriegsschiff, das Gaza in der Absicht eines Angriffs auf Israel anlief, noch um einen Frachter, der allgemein verbotene Güter wie etwa Drogen geladen hätte.
Es ist tatsächlich demzufolge nichts anderes als Piraterie. Piraterie allerdings ist nach Deutschem Strafgesetzbuch (Par. 316c) ein Straftatbestand.
Faszinierenderweise existiert zur Frage der Piraterie eine interessante Ausarbeitung des Wissenschaftlichen Dienstes der Bundesregierung. Dort wird ausgeführt, dass ein Akt der Piraterie nicht zwingend einen Bezug zu Deutschland selbst haben muss, um von der Bundesmarine nötigenfalls mit Gewalt unterbunden werden zu können.
Das Papier behandelt dazu insbesondere die Frage, inwiefern die verfassungsmäßige Bindung an das Völkerrecht Eingriffe der Bundesmarine in Fällen der Piraterie erzwingen könnten. Im Falle einer „Nothilfe“ besteht grundsätzlich das Recht zum Eingreifen. Unter Punkt 2.4 steht nämlich:
„Zur Reichweite des Nothilferechts wird man sagen können, dass es in zweierlei Hinsicht begrenzt ist. Zum einen bedarf es eines unmittelbar bevorstehenden oder noch laufenden Angriffs durch ein Piratenschiff.“
Die Bundesregierung war Tage vor dem erfolgten Piratenangriff Israels auf die „Madleen“ definitiv über die Absicht dazu informiert und da sich mit Frau Yasemin Acar eine deutsche Staatsbürgerin an Bord befand, die vom angekündigten, widerrechtlichen Angriff unmittelbar bedroht war, hätte der Fall der notwendigen Nothilfe unbedingt vorgelegen.
Geschehen ist jedoch bisher nichts. Lediglich Spanien hat in Bezug auf den Piratenakt empört den israelischen Botschafter einbestellt. Seitens der direkt betroffenen Staaten wie etwa Frankreich und Deutschland ist jedoch nur Funkstille zu hören.
Wieder einmal.
Schon 2014, als infolge eines Flächenbombardements Israels auf Gaza die insgesamt siebenköpfige Familie Kilani ums Leben kam, alle Opfer waren deutsche Staatsangehörige, reagierte weder die Politik, noch der Generalbundesanwalt darauf.
Zumindest Deutschland wird sich der Frage stellen müssen, wie weit es seine „Staatsräson“ verstanden haben will und was es bereit ist, ihr zu opfern.
Quelle: Zur Bekämpfung der PiraterieVölkerrecht, Staatsrecht, StrafrechtGastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.
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Michael Thomas ist Privatier, Fotograf, leidenschaftlich an Ägyptologie und Literatur interessiert, mit der er vor vielen Jahren als Autor regional einige Beachtung fand. Er verfolgt interessiert das Weltgeschehen durch Beobachtung internationaler Presse. Seinen Fokus legt er insbesondere auf die Palästinafrage und auf die islamische Welt.
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Mit dem Wachstum der Städte und steigenden Energiekosten greifen immer mehr Menschen zu innovativen und nachhaltigen Lösungen für die Stromerzeugung zu Hause.
Eine der beliebtesten Optionen für Stadtbewohner ist das Balkon-Kraftwerk, ein kompaktes, einfach zu installierendes Solarsystem, das speziell für kleine Außenbereiche konzipiert ist.
Egal, ob Sie Ihre Stromrechnungen senken oder einen Schritt in Richtung umweltfreundliches Leben machen möchten, die Installation eines Balkon-Kraftwerks ist ein hervorragender erster Schritt. In diesem Schritt-für-Schritt-Leitfaden führen wir Sie durch den Installationsprozess, damit Sie schnell und sicher loslegen können.
Schritt-für-Schritt-Installationsanleitung
Der Prozess ist unkompliziert und für Laien konzipiert, in den meisten Fällen ohne Bohren, Genehmigungen oder die Beauftragung eines Elektrikers.
Prüfen Sie gesetzliche Anforderungen und holen Sie Genehmigungen ein.
Bevor Sie beginnen, ist es wichtig, die örtlichen Vorschriften oder Bauvorschriften zu verstehen. In vielen Ländern sind kleine Plug-and-Play-Solarsysteme ohne Genehmigung erlaubt. Wenn Sie jedoch zur Miete wohnen, konsultieren Sie zuerst Ihren Vermieter oder die Hausverwaltung. Einige Wohnungsbaugesellschaften können ästhetische Richtlinien für sichtbare Installationen wie Solarpanels auf Balkonen haben.
Wählen Sie das richtige Balkon-Kraftwerk-Set.
Wählen Sie ein zuverlässiges System, das Ihren Bedürfnissen und Ihrem Raum entspricht. Achten Sie auf Kits, die Solarmodule, einen Mikroinverter, Montagematerialien und optional eine Batterie-Speichereinheit enthalten.
Systeme wie die EcoFlow STREAM-Serie sind besonders beliebt für ihre Skalierbarkeit, KI-gesteuerte Verwaltung und Plug-and-Play-Design. Achten Sie auf die Ausgangsleistung der Paneele (z. B. 300 W pro Paneel), die Wirkungsgrad des Wechselrichters und ob die Einheit Energiemonitoring unterstützt.
Bestimmen Sie den besten Standort für Sonnenexposition.
Um maximale Effizienz zu erzielen, platzieren Sie die Paneele dort, wo sie den ganzen Tag über am meisten Sonnenlicht erhalten, idealerweise nach Süden ausgerichtet, wenn Sie sich auf der Nordhalbkugel befinden.
Vermeiden Sie es, sie unter permanentem Schatten wie Dachüberhänge oder neben hohen Gebäuden aufzustellen. Verwenden Sie das im Kit bereitgestellte Montagematerial, um die Paneele am Balkon-Geländer, an der Wand zu befestigen oder sie, soweit erlaubt, sogar auf dem Boden mit Ständern aufzustellen.
Montieren Sie die Solarmodule sicher.
Verwenden Sie die mitgelieferten Halterungen oder Rahmen, um die Paneele fest an der gewählten Oberfläche zu befestigen. Sicherheit ist wichtig, daher stellen Sie sicher, dass die Montagematerialien fest sitzen, um Wind- und Wetterbedingungen standzuhalten.
Wenn Ihr Set über ein vertikales Design oder eine ULM (ultraleichte modulare) Struktur verfügt, profitieren Sie sowohl von Stabilität als auch von platzsparender Ästhetik.
Den Mikro-Wechselrichter und die Verkabelung anschließen.
Sobald die Paneele montiert sind, schließen Sie sie an den Mikro-Wechselrichter an. Die Aufgabe des Wechselrichters besteht darin, den von den Paneelen erzeugten Gleichstrom in Wechselstrom für den Hausgebrauch umzuwandeln.
Die meisten DIY-Systeme verfügen über farbcodierte, schnappbare Steckverbinder, die diesen Schritt narrensicher machen. Achten Sie darauf, dass alle Verbindungen fest und ordnungsgemäß abgedichtet sind.
Stecken Sie das System in Ihre Steckdose.
Nachdem der Wechselrichter angeschlossen ist, stecken Sie das Netzkabel in eine herkömmliche Haushaltssteckdose. Dadurch wird der Solarstrom direkt in Ihr Heimnetz eingespeist, versorgt Ihre Geräte mit Strom und reduziert Ihre Abhängigkeit vom öffentlichen Netz.
Einige Systeme ermöglichen es Ihnen sogar, den Verbrauch in Echtzeit über eine Smartphone-App zu überwachen.
Einrichten der Überwachung und Optimierung der Nutzung
Wenn Ihr Balkon-Kraftwerk mit einer mobilen App wie der EcoFlow Power Station App geliefert wird, verbinden Sie es über Bluetooth oder WLAN, um Ihre Energieproduktion und -verbrauch zu überwachen. Sie können Echtzeitdaten anzeigen, Energiespartipps erhalten und Ihre Nutzung basierend auf zeitabhängigen Tarifen oder KI-Empfehlungen optimieren.
Warten und genießen Sie Ihr System
Die Wartung ist minimal – halten Sie die Paneele einfach frei von Staub und Schmutz, insbesondere in trockenen oder pollenreichen Jahreszeiten.
Wischen Sie sie alle paar Wochen mit einem weichen Tuch ab, um optimale Effizienz zu gewährleisten. Überprüfen Sie regelmäßig die Verkabelung und stellen Sie sicher, dass Ihr Wechselrichter und Ihre Batterie (sofern enthalten) ordnungsgemäß funktionieren.
Abschließende Gedanken
Das Installieren eines Balkon-Kraftwerks ist ein cleveres, nachhaltiges und überraschend einfaches Projekt, das Ihnen helfen kann, Energiekosten zu senken und Ihren CO2-Fußabdruck zu reduzieren.
Mit den benutzerfreundlichen Kits von heute können Sie in nur wenigen Stunden vom Auspacken zur Produktion sauberer Energie übergehen, ganz ohne fortgeschrittene technische Fähigkeiten zu benötigen. Warum also nicht anfangen, Ihren eigenen Strom zu erzeugen, Balkon für Balkon in der Sonne?
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Türkei: 7 Mrd. Dollar Einsparung durch erneuerbare Energien
Allein im vergangenen Jahre habe die Türkei laut dem Fachportal WindEurope eine Milliarde Dollar in neue Windparks investiert.
Berlin – Wer die Diagnose „heller Hautkrebs“ erhält, sollte gegenüber seinem Arzt oder seiner Ärztin auch auf die eigene Berufstätigkeit hinweisen.
Gerade Outdoorworker, die viel unter der Sonne arbeiten oder gearbeitet haben, haben ein erhöhtes Risiko an hellem Hautkrebs zu erkranken. Ist dieser beruflich verursacht, kann er als Berufskrankheit anerkannt werden.
Auch für andere Erkrankungen wie zum Beispiel Lärmschwerhörigkeit oder Allergien gilt: Sofern die Möglichkeit besteht, dass die Ursachen in der beruflichen Tätigkeit liegen, sollte ein Arzt oder eine Ärztin das prüfen. Darauf weisen Berufsgenossenschaften und Unfallkassen hin.
Hat der Arzt oder die Ärztin den Verdacht, dass eine Erkrankung beruflich verursacht wurde, muss dies dem zuständigen Unfallversicherungsträger gemeldet werden. Diese Meldepflicht gilt auch für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber. Eine „Anzeige auf Verdacht einer Berufskrankheit“ kann aber auch die betroffene Person selbst stellen.
Nach Eingang der Meldung ermittelt die Berufsgenossenschaft oder Unfallkasse von Amts wegen den Sachverhalt und prüft, ob die Erkrankung durch die berufliche Tätigkeit verursacht wurde oder nicht. Dafür nimmt der Unfallversicherungsträger Kontakt mit den betroffenen Personen und / oder beteiligten Ärzten oder Ärztinnen auf. In manchen Fällen kann auch ein fachärztliches Gutachten durch unabhängige Sachverständige nötig sein.
Bestätigt sich der Verdacht auf eine Berufskrankheit, ist das vorrangige Ziel, mit allen geeigneten Mitteln die Folgen zu mildern und eine Verschlimmerung zu vermeiden. Um dieses Ziel zu erreichen, erbringt die gesetzliche Unfallversicherung Leistungen, die von der medizinischen Versorgung bis zu beruflichen Eingliederungs-Maßnahmen reichen können.
Verbleiben trotz der Reha-Maßnahmen körperliche Beeinträchtigungen mit einer Minderung der Erwerbsfähigkeit (MdE) von mindestens 20 Prozent, erhalten die Betroffenen eine Rente.
100 Jahre Berufskrankheiten-Verordnung
Seit 100 Jahren werden nicht nur Arbeitsunfälle, sondern auch Berufskrankheiten durch die gesetzliche Unfallversicherung entschädigt. Am 12. Mai 1925 wurde die erste Berufskrankheiten-Verordnung erlassen.
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Ortskrankenkassen: Fünftel aller Selbstständigen kann sich keine Krankenversicherung leisten
Fast 600 000 Selbstständige in Deutschland verdienen jährlich im Schnitt nur 10 000 Euro. Das reicht nicht für Renten- und Krankenversicherung. Nicht weniger als 114 000 Selbstständige haben nur bei akuten Schmerzen Anspruch auf Gesundheitsversorgung.
Der türkische Nobelpreisträger Prof. Dr. Aziz Sancar, Träger des Nobelpreises für Chemie 2015, wurde im Sancar-Kulturzentrum in Chapel Hill von einer prominenten Delegation aus der Heimat besucht.
Unter ihnen: TFF-Präsident İbrahim Ethem Hacıosmanoğlu sowie Nationalspieler Merih Demiral, begleitet von Mannschaftskameraden und Funktionären des türkischen Fußballverbands. Die türkische Nationalmannschaft unter Trainer Vincenzo Montella ist für ein Testspiel gegen Mexiko in die USA gereist.
Gemeinsamer Wolfsgruß
Das Highlight der Begegnung war zweifelsohne das gemeinsame Foto mit dem „Bozkurt-Gruß“ („Wolfsgruß“): Aziz Sancar, Merih Demiral und Hacıosmanoğlu formten mit ihren Händen das Symbol, das in jüngster Vergangenheit stark emotional aufgeladen wurde. Dieses Bild sorgte binnen Stunden für landesweites Echo
Merih Demiral, der bei der EM 2024 wegen dieses Gestus’ eine zweispielige Sperre erhielt, zeigte sich via Social Media bewegt:
„Ein türkischer Geist, der in Anatolien geboren wurde und der ganzen Welt Licht spendet: Prof. Dr. Aziz Sancar. … Ihn heute persönlich kennenzulernen und ein signiertes Buch von ihm zu erhalten, war einer der ehrenvollsten Momente meines Lebens“
Anadolu’dan doğup tüm dünyaya ışık saçan bir Türk aklı.
Prof. Dr. Aziz Sancar 🇹🇷
Bugün onunla tanışıp imzalı kitabını almak, hayatımın en onurlu anlarından biriydi; bu özel hediyesi için minnettarım. pic.twitter.com/sN6S4EOiKu
— Merih Demiral (@Merihdemiral) June 9, 2025
Symbolträchtige Geschenke und Botschaften
Der Präsident der Türkischen Fussball Föderation Hacıosmanoğlu überreichte Sancar ein personalisiertes A-Nationalmannschafts-Trikot mit seinem Namen sowie ein von allen Spielern signiertes Mannschaftstrikot – übergeben im Beisein von Nationalspielern wie Kaan Ayhan, Çağlar Söyüncü und Irfan Can Kahveci.
Sancar revanchierte sich mit signierten Exemplaren seiner Biografie (verfasst von Orhan Bursalı). Sein persönlicher Widmungstext:
„Meinem Bruder Merih Demiral die besten Wünsche! Möge Gott die Türken beschützen!“
Eine kraftvolle Botschaft, mit der er Demiral in seinem Engagement und seiner kulturellen Identität würdigt.
Wer ist Prof. Dr. Aziz Sancar?
Geboren 1946 in Mardin, Türkei, hat Sancar als Molekularbiologe und Biochemiker weltweite Anerkennung erlangt. Seine bahnbrechenden Forschungen zur DNA-Reparatur wurden 2015 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet.
Heute lehrt er an der University of North Carolina und hat ein bedeutendes Kulturzentrum gegründet, das seine Wurzeln und Visionen verbindet.
Für sein kulturelles Engagement verlieh ihm die internationale Organisation TÜRKSOY im Januar 2025 sogar den Titel „Türk Dünyası Kültür Elçisi“ (Kulturbotschafter der Türkischen Welt). Diese Auszeichnung würdigt nicht nur seine bahnbrechenden Beiträge zur DNA-Reparatur, sondern auch seine Rolle als kulturelles Vorbild für die gesamte turksprachige Welt.
TÜRKSOY-Generalsekretär Sultan Raev betonte bei der Verleihung:
„Sehr geehrter Aziz Sancar, Sie sind nicht nur ein Wissenschaftler, sondern auch ein Wert, der das gemeinsame Bewusstsein und die wissenschaftliche Genialität der Türkischen Welt widerspiegelt. Ihre mit dem Nobelpreis ausgezeichneten Arbeiten, die der gesamten Menschheit zugutekommen, sind – ebenso wie Ihr überragender Erfolg in der Wissenschaft – ein Vorbild für die Menschheit, insbesondere durch Ihre Bescheidenheit und Ihren Fleiß, die die Werte der türkischen Kultur verkörpern. Ihre Verbundenheit mit Ihren Wurzeln und Ihre Erfolge auf den renommiertesten Bühnen der Welt sind für uns eine wichtige Quelle der Motivation. Dieser Titel ist mehr als nur eine Auszeichnung – er ist ein Dank der Türkischen Welt. Es ist uns eine Ehre, Ihnen im Namen der TÜRKSOY-Mitgliedsstaaten den Titel ‚Kulturbotschafter der Türkischen Welt‘ zu verleihen.“
Merih Demiral: Vom Spielfeld zum Symbol
Der 1998 geborene Verteidiger spielt aktuell (Stand Juni 2025) beim saudi-arabischen Klub Al Ahli SC. Seit der EM 2024 sorgt er für Diskussionen mit seinem Wolfsgruß – was ihm nicht nur Kritik, sondern auch Bewunderung einbrachte. Der heutige Besuch bei Sancar zeigt: Für Demiral ist der Bozkurt-Gruß längst ein Ausdruck kultureller Identifikation, Inspiration und Zusammengehörigkeit.
Symbolik des Grußes
Mit seiner wissenschaftlichen Exzellenz, gepaart mit tiefer kultureller Verbundenheit und persönlicher Bescheidenheit, steht Sancar beispielhaft für eine moderne Identität der türkischen Welt, in der Wissenschaft, Werte und Herkunft sich nicht ausschließen, sondern ergänzen.
Das Aufeinandertreffen mit dem Fußballspieler Merih Demiral, das mit einem gemeinsamen Bozkurt-Gruß in den sozialen Medien viral ging, erhält in diesem Licht eine tiefere Bedeutung: Es ist mehr als ein symbolisches Foto – es ist ein Ausdruck der Kontinuität zwischen Generationen, Disziplinen und Nationen im Zeichen gemeinsamer Herkunft, Haltung und Hoffnung.
Der Wolfsgruß steht hier für ein gemeinsames kulturelles Erbe und Werte wie Zielstrebigkeit, Neugier, Verantwortungsbewusstsein und internationalen Zusammenhalt. Sancar und Demiral setzen damit ein Zeichen gegen Rassismus – sie leben, arbeiten und lieben in einer globalen Welt, die Respekt und gegenseitige Anerkennung braucht.
ZUM THEMA
– Wolfsgruß-Skandal –
Yücel: „Die Türken sind auf ihre Kultur und Herkunft stolz“
Das I-Tüpfelchen wäre dann noch, wenn Erdogan ebenfalls zum Gruß nachzieht, besser noch, das Signal dazu einleitet und die Massen in den Tribünen dazu einstimmt.
Von Kemal Bölge
Die Keramikmalerei spielte eine bedeutende Rolle in der Kunst und Kultur des Osmanischen Reiches. Besonders im 16. und 17. Jahrhundert erlebte sie mit den berühmten Iznik-Keramiken eine Blütezeit.
Diese kunstvoll bemalten Fliesen und Gefäße waren nicht nur dekorative Elemente, sondern Ausdruck von Macht, Religion und Ästhetik. Verwendet in Moscheen, Palästen und öffentlichen Gebäuden, verband die Keramikmalerei islamische Ornamentik mit floralen und geometrischen Motiven.
Sie spiegelte den kulturellen Reichtum des Reiches wider und beeinflusste die Kunst weit über seine Grenzen hinaus.
Bis heute gilt sie als ein bedeutendes Erbe osmanischer Handwerkskunst. Kunstinteressierte haben am 14. Juni die Gelegenheit, die Werke von Schüler:innen der Keramikmalwerkstatt der Kunstpädagogin Ayşe Kurt zu besichtigen.
Das türkische Generalkonsulat in Frankfurt und das Referat für Schulwesen laden ab 12 Uhr ins Türkische Kulturzentrum ein. Nach der Ausstellung können sich die Besucher:innen vom meditativen Klang der Ney-Flöte verzaubern und die spirituelle Tiefe der traditionellen türkischen Musik erleben.
Türkisches Kulturzentrum, 14. Juni 2025Beginn 12 Uhr, Eintritt freiAdresse Höhenstraße 4460385 Frankfurt am Main
Vor der Schau sprach NEX24 mit der Kunstpädagogin und Kursleiterin Ayşe Kurt, die diese jahrhundertealte türkische Kunstform in den Werkstätten der goldenen Keramikfabrik (Kütahya Altın Çini Fabrikası) in Kütahya erlernte.
Frau Kurt, was können Sie über die türkische Keramik- und Kachelkunst sagen? Was weiß man über ihren Ursprung?
Die Keramik- und Kachelkunst, eine der wichtigsten traditionellen türkischen Künste, ist ein keramisches Produkt, das im Allgemeinen für die Innen- und Außendekoration von architektonischen Werken, Moscheen, Herrenhäusern, Palästen, Brunnen, Gräbern usw. verwendet wird.
Das Wort Çini (zu China gehörend, chinesische Arbeit) ist osmanisch-türkischen Ursprungs und leitet sich vom Namen Chinas ab, in Anlehnung an die Chinesen, die die Kunst des Porzellans [Anm. d. Red. gesprochen Tschini) in die Welt brachten.
Welches ist das wichtigste Material, das bei der Herstellung von Keramik verwendet wird?
Der Rohstoff, der in der Keramik- und Kachelkunst verwendet wird, ist Kachelkleister. Der Keramikteig bildet die Grundlage der Keramik- und Kachelkunst. Kaolin wird aus einer Mischung der Rohstoffe Ton, Quarz und Feldspat gewonnen. Daneben werden auch Rohstoffe wie Marmormehl, Kreide und Sand im Teig verwendet.
(Nurcan Karakuş)Was sind die anderen Grundstoffe der Keramik- und Kachelkunst?
Zunächst einmal brauchen wir ein Muster und eine Form, die aus Teig hergestellt wird. Wir brauchen einen Teig, der mit trockenen Materialien wie Kaolin, Sand, Kreide, Quarz, Glasur zum Auskleiden, Keramikfarben, Zobelpinsel und speziell angefertigte Pinsel aus Wolfshaar und Pergamentpapier zum Zeichnen des Musters zubereitet wird.
Wie wird die Keramikkunst angewandt und was sind die Tricks dieser Technik?
Zunächst einmal muss der Keramikteig vorbereitet werden. Der zweite Schritt ist das Zeichnen des Musters, das Einstechen des Musters mit einer Nadel, das Übertragen des Musters auf das Objekt mit Holzkohlepulver und Zeichnung, (Türkisch tahrirleme), und der letzte Prozess ist die Farbmalerei.
Das bemalte Objekt ist bereit zum Brennen. Es wird bei 950 – 1000 ℃ in einem brennenden Holzofen oder in elektrischen Öfen, die heute praktischer sind, gebrannt. Die Kunst der Technik besteht vor allem in sorgfältiger Arbeit. So ist es zum Beispiel sehr wichtig, die Ofentemperatur gut einzustellen. Bei einem Temperaturabfall können die Farben fließen, verlaufen und Verfärbungen in der Farbe verursachen.
(Ayşe Kurt)Welche Farben werden in der Keramik- und Kachelkunst bevorzugt verwendet?
Die Verwendung von roten, kobaltblauen, türkisfarbenen und grünen Farben auf weißem oder dunkelblauem Grund ist ein charakteristisches Merkmal von Kachelarbeiten.
Wer visuelle Projekte zur osmanischen Keramikkunst gestaltet—wie Moodboards, Poster oder Präsentationen—kann die Farbe türkis gezielt einsetzen, um historische Muster digital nachzustellen und Stimmung zu erzeugen
„Farben sind eng mit der menschlichen Psychologie und Stimmung verbunden“
Haben die in der Keramik- und Kachelkunst verwendeten Farben eine besondere Bedeutung oder Geschichte?
Natürlich haben sie eine. Farben sind eng mit der menschlichen Psychologie und Stimmung verbunden. Keramikkünstler verwenden kräftige Farben, wenn sie glücklich und fröhlich sind, und bevorzugen dunklere Farben, wenn sie traurig sind. Bei der Untersuchung der psychologischen Wirkung der Farben, die in den Kachelmustern des 16. Jahrhunderts auf den Menschen zu sehen sind, hat sich gezeigt, dass sie eine symbolische Sprache bilden.
(Aygül Klein)Welche Gebäude wurden in der osmanischen Zeit mit Kacheln verziert?
Die Keramik- und Kachelkunst wurde ab dem 14. Jahrhundert in der osmanischen Zeit verwendet. Im 15. Jahrhundert machte sie große Fortschritte, und die Kunst erreichte ihren Höhepunkt mit den großen Meistern dieser Zeit. Eines der ersten Beispiele für Kachelkunst aus dieser Zeit ist die Bursa Orhan Bey Moschee, die vom zweiten osmanischen Sultan Orhan Bey im Jahr 1339 erbaut wurde.
In der Architektur der Moschee wurden Kacheln an der Qibla-Wand verwendet. Die Grüne Moschee von Iznik, deren Bau im Jahr 1392 abgeschlossen wurde. Den Namen Grüne Moschee erhielt sie wegen der Kacheln, die für das Minarett der Moschee verwendet wurden. Im Minarett der Moschee wurden Türkis und Dunkelblau als Kachelfarben verwendet. Die Kachelkunst wurde in Palästen, Villen, Brunnen und Moscheen verwendet.
(Nursen Reisoğlu)Welches sind die bekanntesten Motive der Keramikkunst?
Die wichtigsten Motive unserer Keramikkunst sind die Tulpe, die Rose, die Nelke, die Hyazinthe, die Emaille, die Zypresse, der Granatapfel, das Weinblatt, die Weintraube, die Lotusblüte, die Rumis, Krugmotive, die Galeonenzeichnung, die Klaue, die Wolke, der Lebensbaum, die Chintemani, die Fischschuppe und die Flussmündung.
Wofür stehen die Motive in der Keramikkunst?
Die Tulpe, das arabische Wort, wurde zum Beispiel häufig verwendet, weil sie das Wort Allah in der Schreibweise darstellt. Als Symbol wird sie auch als osmanisches Banner interpretiert, da sie der Form eines Halbmondes ähnelt. Da es sich um eine Blume mit einem einzigen Zweig handelt, steht sie im Sinne der Sufis für die Einheit von Allah und Liebe.
Die Nelke symbolisiert die Erneuerung und den Frühling.
Die Rose symbolisiert den Propheten Muhammad.
Der Granatapfel nimmt seinen Platz in den Motiven im Sinne von Überfluss und Fruchtbarkeit ein.
Die Zypresse wird als Symbol der Ewigkeit dargestellt, da sie im Sommer und im Winter grün bleibt. Sie symbolisiert auch das Leben nach dem Tod. Da sie dem Buchstaben Elif ähnelt, steht sie auch für den Glauben an Tawhid.
Die Lotusblume ist das Symbol für Reinheit und geistige Reife.
Der Baum des Lebens ist das Symbol des Lebens. Mit seiner Struktur, die von den Wurzeln ausgeht und sich bis zu den Ästen erstreckt, steht er für die Freude am Leben und gleichzeitig für drei Bereiche: den Untergrund, die Welt, in der wir leben, und den Himmel.
(Ayşe Kurt)Welchen Platz, welche Bedeutung und welchen Schutz hat die Keramik- und Kachelkunst in der türkischen Kultur?
Die türkische Keramik- und Kachelkunst ist eine Kunstform, die auf eine jahrtausendealte Geschichte zurückblicken kann und ein wichtiger Teil der türkisch-islamischen Kunst ist. Im Folgenden werden einige Punkte genannt, die die Bedeutung dieser Kunst in der türkischen Kultur unterstreichen:
Architektonische Dekorationen: Die türkische Keramik- und Kachelkunst spielte eine wichtige Rolle bei der architektonischen Dekoration, insbesondere während des Osmanischen Reiches. Moscheen, Paläste, Gräber und andere wichtige Gebäude wurden mit Kachelmustern verziert. Die Iznik-Keramik ist ein berühmtes und häufig verwendetes Beispiel in der osmanischen Architektur.
Das Kunsthandwerk und dekorative Gegenstände: Die türkische Keramikkunst wurde in großem Umfang für die Herstellung von Kunsthandwerk und Dekorationsartikeln verwendet. Keramik war ein Material, das für die Herstellung von Tellern, Vasen, Schalen, Teesets und verschiedenen anderen Gegenständen verwendet wurde. Diese Artefakte nehmen noch immer einen wichtigen Platz in türkischen Haushalten und Museen ein.
Der Schutz des kulturellen Erbes: Die türkische Keramikkunst ist ein wichtiger Teil des türkischen Kulturerbes und wird als ein zu bewahrender Wert angesehen. Die Keramikmeister haben die traditionellen Techniken und Muster von Generation zu Generation weitergegeben. Verschiedene Ausbildungs- und Workshop-Programme in der Türkei unterstützen die Entwicklung und Weitergabe dieser Kunst an künftige Generationen.
Ästhetischer Wert: Die türkische Keramikkunst zieht mit ihren einzigartigen Mustern, lebhaften Farben und eleganten Kalligrafien die Aufmerksamkeit auf sich. Mit ihrer feinen Verarbeitung und ihrem ästhetischen Wert haben türkischen Keramiken weltweite Anerkennung gefunden. Diese Kunst ist ein wichtiger Vertreter der türkischen Ästhetik und trägt zum Verständnis der Schönheit der türkischen Kultur bei.
Kulturelle Identität und Förderung: Die türkische Keramikkunst hat als wichtiger Teil der türkischen Kultur wirksam zur Werbung für die Türkei beigetragen. Türkische Keramik ist zu einer beliebten Attraktion im Tourismussektor des Landes geworden. Ausländische Besucher haben die Möglichkeit, die türkische Kultur hautnah zu erleben, indem sie türkische Keramik- und Kachelwerkstätten besuchen.
(Ayşe Kurt)Welche Methoden werden zum Schutz und zur Erhaltung von Kunstwerken aus Keramik angewandt?
Die Faktoren, die den Verfall der Keramik verursachen, sollten untersucht werden. Je nach den strukturellen Merkmalen der Keramik, den Bautechniken, dem Zustand des Verfalls, dem Zustand der Oberfläche, die sie bedecken, und den Bedingungen ihres Standorts sollte ein Arbeitsprogramm mit verschiedenen Stufen und Methoden erstellt werden.
Der wichtigste Faktor für den Verfall von Keramik ist die Feuchtigkeit. Übermäßige Feuchtigkeit führt auch zu biologischem Verfall bei der Keramik. Nach der Ermittlung der Ursachen für die Verschlechterung sollten die erforderlichen Materialien bereitgestellt werden, um die bei den Konservierungsprojekten festgestellten Verschlechterungen zu beseitigen. Die Anwendung von Konservierungs- und Reparatur-/Restaurierungsarbeiten an historischen Kacheln sollte ernst genommen werden. Es sollte darauf geachtet werden, dass die Anwendungen dauerhaft und kontinuierlich sind.
Ein wichtiger Aspekt der Konservierungs- und Reparaturarbeiten an Keramik sind heute die Analysestudien. Die Analyse ist eine der wichtigsten Phasen der Untersuchungen, die durchgeführt werden, um die Ursachen für den Verfall von Keramik zu ermitteln. Die strukturellen Merkmale der Keramik werden als Ergebnis der Analyseuntersuchungen bestimmt. Die Analyseuntersuchungen sind ein wichtiger Faktor bei der Festlegung der richtigen Maßnahmen, die an der Keramik vorgenommen werden müssen.
Welche Ressourcen sind für jemanden empfehlenswert, der die Keramikkunst erlernen möchte?
Für Menschen, die die Keramikkunst erlernen möchten, gibt es an den meisten Universitäten in der Türkei Abteilungen für Keramik- und Kachelkunde. In vielen Städten werden in öffentlichen Bildungszentren Kurse für Keramikkunst angeboten. Vor allem in Kütahya gibt es viele private Werkstätten, insbesondere die Altın Çini Factory.
Was sind die größten Schwierigkeiten für Künstler, die sich mit der Keramikkunst beschäftigen?
Man muss alle Materialien in der gleichen Werkstatt kaufen. Denn jede Werkstatt hat ihre eigenen Farben und Arbeiten. Wenn man an verschiedenen Orten einkauft, kann man nicht die gewünschte Qualität erreichen. Es ist keine Arbeit, die man allein machen kann, sondern eine Teamarbeit. Das Glasieren und Brennen müssen in den Werkstätten durchgeführt werden.
An welchen Stellen gibt es Überschneidungen zwischen der Keramikkunst und anderen bildenden Künsten?
Die in der Keramikkunst verwendeten Motive überschneiden sich mit gängigen Motiven anderer Künste. Zum Beispiel sind Tulpe, Rose, Veilchen und Nelke gemeinsame Linien, die in der Marmorierkunst verwendet werden, und Rumis sind gemeinsame Linien, die in der Illuminationskunst verwendet werden. Wie in allen Künsten geht es auch in der Keramikkunst darum, das Schönste zu erreichen und es auf die Spitze zu treiben. Am Ende aller Werke steht ein göttlicher Ansatz, der künstlerischen Wert hat und den Menschen den Glauben an Gott näherbringt.
Wie entstand die Idee, eine Keramikausstellung mit Dr. Fatih Kılıç, dem Bildungsattaché, zu organisieren?
Als wir mit Dr. Kılıç das Projekt mit dem Keramikkurs durchführten, hatten wir uns fest vorgenommen, die Werke unserer Kursteilnehmerinnen der Öffentlichkeit zu präsentieren. Also sammelten wir die Arbeiten, die wir am Ende des Kurses gemacht hatten, und bereiteten unsere Ausstellung vor.
Frau Kurt, vielen Dank für das Gespräch!Das Interview führte Kemal Bölge
Von Çağıl Çayır
Johann Wolfgang von Goethe begegnete dem persischen Dichter Hafis nicht auf Reisen, sondern in einem Buch. Die entscheidende Brücke schlug Joseph von Hammer-Purgstall.
Der österreichische Orientalist veröffentlichte 1812 die erste vollständige deutsche Übersetzung des Diwan des Hafis. Für Goethe war diese Lektüre ein Wendepunkt. Sie führte zur Entstehung des West-östlichen Divan – einem der persönlichsten und zugleich weltoffensten Werke der deutschen Literatur.
Und mag die ganze Welt versinken,
Hafis mit dir, mit dir allein
Will ich wetteifern! Lust und Pein
Sei uns, den Zwillingen, gemein!
Wie du zu lieben und zu trinken,
Das soll mein Stolz, mein Leben sein. (Goethe, West-Östlicher Divan, Stuttgart 1819)
Hafis – die Stimme des Herzens
Hafis lebte im 14. Jahrhundert in Schiras. Seine Dichtung ist voller Gegensätze: Wein und Weisheit, Sinnlichkeit und Gott, Zweifel und Vertrauen. In der Form des Ghasels verband er Mystik mit Lebensfreude. Seine Verse sind Ausdruck einer Welt, in der Liebe nicht nur privat, sondern auch spirituell ist – eine Kraft, die Menschen über sich hinausführt.
Goethe – die Antwort aus Weimar
Goethe war schon ein erfahrener Schriftsteller. Doch die Begegnung mit Hafis öffnete in ihm etwas neues. Im West-östlichen Divan reagierte Goethe auf Hafis. Es entstand ein Dialog – zwischen Orient und Okzident, zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen zwei Seelen, die einander nie begegneten, aber doch verwandt schienen.
Goethe näherte sich dem Orient nicht oberflächlich. Er las den Koran, beschäftigte sich mit islamischer Philosophie und schätzte die Persönlichkeit des Propheten Mohammed. Sein Interesse war ernsthaft.
Für ihn war Religion keine Grenze, sondern eine Möglichkeit, das Gemeinsame zu erkennen. Liebe, so verstand er, sei eine universelle Sprache – sie verbinde das Menschliche mit dem Göttlichen, das Ich mit dem Anderen.
Hammer-Purgstall – der Vermittler
Ohne Joseph von Hammer-Purgstall wäre diese Begegnung nicht möglich gewesen. Der Orientalist machte mit seinen Übersetzungen erstmals die persische Dichtung systematisch für den deutschen Sprachraum zugänglich.
Er war kein Lehrer Goethes, aber ein Wegbereiter. Er übersetzte nicht nur Worte, sondern auch Denkweisen. Damit schuf er die Voraussetzung für einen literarischen Austausch, der bis heute wirkt.
Wirkung und Gegenwart
Goethes West-östlicher Divan wurde ein Symbol für Verständigung durch Poesie. Er prägte das Ideal der Weltliteratur. Viele Autoren griffen dieses Erbe auf – in Europa wie in der islamischen Welt. Auch das Goethe-Institut trägt diese Haltung weiter.
Es fördert weltweit Projekte, die den kulturellen Dialog stärken. In vielen islamisch geprägten Ländern ist Goethes Divan fester Bestandteil von Bildungsprogrammen, Lesungen und Übersetzungsprojekten.
Drei Menschen aus drei Epochen
Drei Menschen aus drei Epochen, verbunden durch Worte. Hafis gab den Ton vor, Hammer-Purgstall öffnete das Tor, Goethe antwortete.
Was sie verband, war nicht Herkunft, Sprache oder Religion. Es war die Liebe zur Wahrheit, zur Schönheit, zur Menschlichkeit. Und diese Liebe – das zeigt ihr Werk – ist stärker als alle Grenzen. Sie verbindet. Bis heute.
„Du bist deine eigene Grenze, erhebe dich darüber.“ Hafis
Zum Autor
Çağıl Çayır studierte Geschichte und Philosophie an der Universität zu Köln und ist als freier Forscher tätig. Çayır ist Autor von „Runen in Eurasien. Über die apokalyptische Spirale zum Vergleich der alttürkischen und ‚germanischen‘ Schrift‘“ und ist Gründer der Kultur-Akademie Çayır auf YouTube. Seine Arbeiten wurden international in verschiedenen Fach- und Massenmedien veröffentlicht.
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– Geschichtswissenschaft –Ibn Rushd: Der Philosoph, der Islam und Wissenschaft vereinte
In einer Zeit, in der religiöse Dogmen oft als Feinde der Wissenschaft dargestellt werden, wirkt der andalusisch-muslimische Philosoph Ibn Rushd wie eine leuchtende Ausnahmefigur.
In einer Zeit, in der religiöse Dogmen oft als Feinde der Wissenschaft dargestellt werden, wirkt der andalusisch-muslimische Philosoph Ibn Rushd wie eine leuchtende Ausnahmefigur. Im 12. Jahrhundert vertrat er eine Überzeugung, die für viele bis heute radikal erscheint: Der Islam widerspricht der Wissenschaft nicht – im Gegenteil, er verlangt sie.
Ein islamischer Aristoteliker
Ibn Rushd, der im Westen unter dem Namen Averroes bekannt ist, wurde 1126 in Córdoba geboren, damals ein Zentrum islamischer Kultur in Andalusien. Er war nicht nur ein Philosoph, sondern auch Jurist, Arzt und Astronom. Seine bekannteste Leistung: die umfassende Kommentierung der Werke Aristoteles’ – und die Behauptung, dass Vernunft und Glaube im Einklang stehen.
Während in Europa die Scholastik noch versuchte, antike Philosophie mit dem Christentum zu versöhnen, tat Ibn Rushd dies bereits auf hohem Niveau innerhalb des Islam. Für ihn war die Suche nach Wissen eine religiöse Pflicht – weil der Koran selbst den Menschen auffordert, über die Welt nachzudenken.
Faṣl al-Maqāl – die Entscheidung für die Philosophie
In seinem Hauptwerk Fasl al-Maqal fima bayn al-hikma wa-sh-sharia mina al-ittisal (etwa: „Die entscheidende Abhandlung über das Verhältnis von Philosophie und islamischem Gesetz“) erklärt Ibn Rushd, dass das Studium der Philosophie im Islam nicht nur erlaubt, sondern religiöse Pflicht sei. Der Koran selbst fordere die Menschen dazu auf, über die Schöpfung nachzudenken, die Natur zu studieren und Erkenntnis zu suchen.
Der Koran als Quelle der Vernunft
In seinem Werk „Der Widerspruch des Widerspruchs“ (Tahāfut al-Tahāfut) trat Ibn Rushd gegen den berühmten Theologen al-Ghazali an, der die Philosophie als gefährlich für den Glauben angesehen hatte. Ibn Rushd hielt dagegen: Wahre Philosophie widerspricht der Religion nicht – sie führt zu ihr. Wer die Welt mit dem Verstand erfasst, versteht laut Ibn Rushd auch den göttlichen Plan besser. Wissenschaft sei kein weltliches Unterfangen, sondern ein Weg zu Gott.
Er unterschied zwischen drei Arten von Menschen: den einfachen Gläubigen, die dem religiösen Wort folgen; den Theologen, die es auslegen; und den Philosophen, die es durch Vernunft erkennen. Für Letztere seien wissenschaftliche Methoden und Logik das geeignete Mittel, um Gott zu erkennen.
Verfolgung und Exil
Doch nicht alle waren bereit, diese Idee zu akzeptieren. Trotz seiner Berühmtheit und seiner Ämter – unter anderem als Hofarzt und Richter – wurde Ibn Rushd gegen Ende seines Lebens Opfer politischer Intrigen. Unter dem Einfluss konservativer Kräfte verbot der Almohaden-Kalif Yaqub al-Mansur seine Bücher, ließ sie verbrennen und schickte ihn ins Exil.
In Marrakesch, von der politischen Bühne entfernt, starb Ibn Rushd im Jahr 1198. Erst posthum wurde er rehabilitiert – jedoch weniger im muslimischen Raum als im christlichen Europa. Dort wirkten seine Schriften über Jahrhunderte fort. Thomas von Aquin, Albertus Magnus und viele Denker der Scholastik setzten sich mit seinen Ideen auseinander. In Paris und Bologna wurde er zu einem „Lehrer der Lehrer“.
Ein Vorbild für heute?
In einer Zeit, in der Religion und Wissenschaft oft gegeneinander ausgespielt werden, wirkt Ibn Rushds Botschaft wie ein dringend benötigter Appell zur Versöhnung. Er erinnerte daran, dass Glaube keine Denkverbote verlangt – im Gegenteil: Wahrer Glaube braucht den Mut zur Vernunft.
Seine Geschichte zeigt aber auch die Gefahren: Intellektuelle, die neue Wege vorschlagen, riskieren Ausgrenzung. Ibn Rushd bezahlte seine Überzeugung mit Verbannung – und doch lebt seine Idee weiter: Dass Islam, Wissenschaft und Vernunft keine Gegensätze sein müssen, sondern drei Stimmen derselben Wahrheit.
Çağıl Çayır studierte Geschichte und Philosophie an der Universität zu Köln und ist als freier Forscher tätig. Çayır ist Autor von „Runen in Eurasien. Über die apokalyptische Spirale zum Vergleich der alttürkischen und ‚germanischen‘ Schrift‘“ und ist Gründer der Kultur-Akademie Çayır auf YouTube. Seine Arbeiten wurden international in verschiedenen Fach- und Massenmedien veröffentlicht.